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1. Editorial |
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Hallo,
herzlich willkommen zu unserem heutigen Sondernewsletter in Kooperation mit 3B Scientific. Mit dieser Ausgabe möchten wir dir gerne alle Artikel, die dieses Jahr im Rahmen unseres SEIRIN-Akupunktur-Specials in Onlinezeitung und MLZ erschienen sind, präsentieren. Von lesenswerten Interviews über erste Erfahrungen mit den Nadeln bis hin zu spannenden Artikeln über eine Famulatur in Taiwan, werden dir auch Fragen beantwortet, ob Akupunktur z.B. bei Tinnitus oder Heuschnupfen hilft. So steht heute also alles im Zeichen von Akupunktur und Traditioneller Chinesischer Medizin.
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Viel Spaß bei der Lektüre wünschen dir
Thomas, Jens und Christian
Redaktion MEDI-LEARN mit freundlicher Unterstützung von 3B Scientific
Der Blick in die Zukunft: In der nächsten Ausgabe der Onlinezeitung liest du am 23.12.2008:
o Ersti-Tagebuch Folge 8: Blick in die Zukunft
o Cartoon der Woche: Rippenspreizer wünscht frohe Weihnachten
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In der bekannten gerac-Gonarthrosestudie - eine von vier
kontrollierten Studien des gerac-Modellprojekts - linderte eine Akupunkturbehandlung
Schmerzen und Funktionseinschränkung
bei Kniearthrose
signifikant besser als die Standardtherapie
mit Medikamenten und Krankengymnastik.
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Dabei war allerdings eine
„Schein“-Akupunktur mit oberflächlicher
Nadelung an Punkten, die nicht
als Akupunkturpunkte definiert sind,
ebenso wirksam wie die Akupunktur
nach den Regeln der Traditionellen
Chinesischen Medizin (TCM), betont
Prof. Norbert Victor vom Institut für
Medizinische Biometrie und Informatik
(IMBI) der Universität Heidelberg.
Die dreiarmige Studie an über 1.000 Patienten
wurde von Wissenschaftlern der
Universität Heidelberg geplant, durchgeführt
und ausgewertet. Alle Patienten
erhielten die Standardversorgung mit
Medikamenten nach Bedarf und Krankengymnastik.
In allen drei Behandlungsgruppen
gab es zehn Arztbesuche.
In den beiden Akupunkturgruppen erhielten
die Patienten zusätzlich entweder
10 Behandlungen mit einer TCMAkupunktur
nach Lehrmeinungen der
Deutschen Akupunkturgesellschaften
bei Knieschmerzen, oder eine „Schein“-
Akupunktur. Hierbei wurden insgesamt
zehn Nadeln oberflächlich und ohne
Stimulation an ausgewählten Punkten
gestochen, die nicht definierten Akupunkturpunkten
entsprachen und nicht
unmittelbar am Knie, sondern im Bereich
des Knöchels, der Oberschenkel
und am Arm lagen.
Als Erfolg definierte man eine mindestens
36%ige Verbesserung auf einer
international anerkannten Bewertungsskala
(WOMAC-Score), die sowohl
Schmerz, Funktionalität als auch Gelenksteifigkeit
erfasst. Die Messung erfolgte
nach 26 Wochen. Die Erfolgsraten
betrugen 29% für die Standardtherapie,
53% für die TCM-Akupunktur und
51% für die Sham-Akupunktur. Beide
Akupunkturtechniken waren deutlich
wirksamer als die Standardtherapie, ein
merklicher Unterschied zwischen den
beiden Akupunkturbehandlungen zeigte
sich nicht. Neben der langfristigen Verbesserung
des Befindens der Patienten
war auch der wesentlich geringere Verbrauch
an Schmerzmedikamenten in den
beiden Akupunkturgruppen gegenüber
der Standardtherapiegruppe als bemerkenswert
zu betrachten.
Die beobachtete gleiche Wirksamkeit
beider Akupunkturschemata zeigt, dass
für eine erfolgreiche Behandlung die
Punktauswahl nicht zwingend nach
den Kriterien der TCM erfolgen muss
und außerdem ein oberflächliches Stechen
ausreicht. Da diese Aussage streng
genommen nur für die in der Studie
gewählten Therapieschemata zutrifft,
kann daraus nicht gefolgert werden,
dass es gleich ist, wie und wohin man
sticht, betont Prof. Victor. Somit kann
die gerac-Studie keinen Beweis für oder
gegen eine spezifische Wirksamkeit einer
TCM-basierten Akupunktur bieten.
Vermutlich tragen drei Komponenten
zur Wirkung bei: Das Stechen „an sich“, die intensivere Zuwendung der behandelnden
Ärzte und die Erwartungshaltung der (von etablierten
Therapien enttäuschten) Patienten.
Auf der Basis der Ergebnisse dieser
Studie hat der Gemeinsame Bundesausschuss
(G-BA) am 18.04.2006 empfohlen,
dass (neben Rückenschmerzen)
Akupunktur - als Teil einer multimodalen
Behandlung - bei chronischen
Knieschmerzen zukünftig Regelleistung
der gesetzlichen Krankenkassen
wird. Grundlage des Beschlusses der
GBA war die in den gerac-Studien festgestellte Überlegenheit der Akupunktur
über die Standardtherapie in
den Indikationen Knieschmerz und
Rückenschmerz. Dies war bei Migräne
und Spannungskopfschmerz nicht der
Fall, weshalb die Akupunktur für diese
beiden Indikationen nicht als Kassenleistung
anerkannt wurde.
Fazit:
Die derzeitige Standardversorgung
von Patienten mit chronischen gonarthrosebedingten
Schmerzen ist unzureichend,
daher ist weitere Forschung
im Bereich Patientenversorgung dringend
notwendig:
- Durch Einbeziehung einer Akupunkturbehandlung
in ein multimodales
Behandlungskonzept kann das Befinden
der Patienten und die Wirksamkeit
deutlich verbessert werden.
- Gleichzeitig kann der Bedarf an
Schmerzmitteln (und das damit verbundene
Risiko unerwünschter Nebenwirkungen)
reduziert werden.
- Wesentliche Unterschiede in der
Wirkung einer TCM-Akupunktur
und einer „Schein“-Akupunktur mit
oberflächlichem Stechen an Nicht-
TCM-Punkten existieren nicht; die
Notwendigkeit eines Stechens tiefer
als 0.5 cm ist daher zu hinterfragen.
Offenbar wurde auch die Bedeutung
der Punktspezifität der Akupunktur
bislang überschätzt.
- Bei dem für die Studie definierten
„Schein“-Akupunkturschema handelt
es sich wahrscheinlich um eine
„echte“ Akupunktur im Sinne einer
Minimalakupunktur und nicht um eine
Placebo-Akupunktur, bei der - für die
Patienten nicht ersichtlich - gar nicht
gestochen wird.
- Die Kritiker der Akupunktur werden
durch die Ergebnisse aufgefordert,
ihre ablehnende Haltung zu dieser
Therapieform kritisch zu überdenken.
- Die Vertreter der Akupunktur nach Regeln
der TCM sind durch die Ergebnisse aufgefordert, ihre Akupunkturschemata
zur Behandlung chronischer
Knieschmerzen im Sinne eines wirksamen
minimal-invasiven Vorgehens
zu optimieren.
- Patienten mit chronischen Knieschmerzen
können Akupunkturtherapie
auf Kassenkosten beanspruchen,
allerdings nur einmal pro Jahr und
nur bei qualifizierten Ärzten (dies
wären momentan lediglich 1.400 im
gesamten Bundesgebiet!). An einer
Akupunkturbehandlung interessierte
Patienten sollten sich deshalb umgehend
bei ihrer Kasse über in Frage
kommende Ärzte und Behandlungsmethoden
informieren.
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| Autor(in): Dr. Annette Tuffs ([email protected]) |
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Wegen welcher Beschwerden lassen Sie
sich akupunktieren?
Lymphknotenschwellung unbekannter
Genese, Bauchschmerzen während der
Menstruation, Heuschnupfen, Rückenschmerzen,
Weichteilrheuma, Migräne.
Aus welchen Gründen haben Sie sich für
Akupunktur entschieden?
Andere Methoden/ Medikamente halfen
nicht. Da hat mir mein Hausarzt die Akupunktur
empfohlen. Ich habe es ausprobiert
und auch Erfolge damit gehabt.
Sind Sie eigenhändig auf den Arzt zugegangen
oder hat Ihnen Ihr Arzt zur Akupunktur
geraten?
Mein Hausarzt riet mir dazu.
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Welchen Effekt haben Sie bereits nach
der ersten Sitzung verspüren können?
Wie hat sich die Akupunktur langfristig
ausgewirkt?
Nach der ersten Sitzung fühlte ich mich
sehr entspannt. Vor allem im Nacken-/
Schulterbereich merkte ich eine deutliche
Entspannung und konnte meinen Kopf
weiter drehen als vorher, ohne Schmerzen
zu haben.
Mein Heuschnupfen wurde im Verlauf
weniger und die Lymphknotenschwellung
ging zurück. An meinen Bauchschmerzen
der Menstruation hat sich
aber leider nicht viel geändert.
Hatten Sie „Angst“ vorm ersten Mal
„gestochen werden“ oder haben Sie alles
auf sich zu kommen lassen?
Ich hatte schon etwas Angst, vielleicht
auch deswegen, weil es weh tut. Ich
rechnete fest damit dass es weh
tut, und wurde davon überrascht,
dass es nicht weh tun
muss. Es gibt schon einige
Stellen, an denen es unangenehm
ist, z.B. zwischen den Zehen oder an der Nase.
Aber ansonsten ist es eher angenehm.
Wie viele Sitzungen sind notwendig und
wie lange dauert eine Sitzung und wie
läuft sie grundsätzlich ab? Werden die
Nadeln eingestochen und dann an einem
Ort belassen oder wechselt der Akupunkteur
im Laufe einer Sitzung auch die Einstichstellen?
In einer Sitzung werde ich zuerst 15-20 Minuten
vorbereitet mit einer Wärmelampe, die
die zu akupunktierenden Stellen erwärmt.
Dann folgt das Setzen der Nadeln, das dauert
ca. 10 Minuten. Währenddessen werden
die Nadeln z.T. in ihrer Position korrigiert,
aber dann bleiben sie bis zum Ende dort. Es
werden dann auch keine anderen mehr nach
gestochen oder der Ort gewechselt. Dann
liegt man ca. 20-30 Minuten, ebenfalls unter
der Wärmelampe, und dann werden die
Nadeln wieder gezogen. Die Nadeln werden
zwischendurch nachkontrolliert, ob sie
noch richtig sitzen. Mit Wartezeiten, wenn
es ab und zu doch mal länger dauert bis man
"genadelt" wird und bis die Nadeln wieder
gezogen werden, dauert es 60-90 Minuten.
Man geht ca. 5-10 mal wegen einem
Beschwerdebild zur Akupunktur, wenn es
dann noch nicht besser ist evtl. auch länger.
Wie fühlt sich der Einstich einer Nadel
an und womit ist er vergleichbar? Kaum
zu spüren, eher ein leichtes Zwicken oder
doch der merkliche Pieks, der weh tut?
An manchen Stellen merkt man es wirklich
gar nicht. An anderen ist es ein
leichtes Zwicken. Und
an wenigen sehr
schmerzhaften
Stellen, wie z.B.
zwischen den
Zehen oder
an der Nase
ist es schon
ein richtiger
Stich. Wenn
die Nadeln
sitzen und
man dann z.B. die Hand bewegt, in der man
eine/mehrere Nadeln hat, kann es zu einem
Ziehen bis in die Schultern kommen, das
mit einem Kribbeln zu vergleichen ist.
Das kommt daher, das dann ein ganzer
Nerv gereizt wird. Das fühlt sich aber eher
"witzig“ an, weil man das gar nicht kennt.
Unangenehm ist es nur, wenn man niesen
muss. Dann kann es mal kurz überall weh
tun wo man die Nadeln hat.
Gibt es Nebenwirkungen?
Es kommt öfter zu kleinen Blutergüssen an
Einstichstellen, wenn man ein sehr oberflächliches
Gefäß erwischt. Diese tun aber
nicht weh, sieht nur komisch aus. Geht aber
natürlich wieder weg. Ansonsten habe ich
keine Nebenwirkungen bemerkt.
Haben sich die Beschwerden gebessert?
Ging die Verbesserung schlagartig vor sich
oder stellte sie sich eher stufenweise ein?
Das kommt auf die Art der Beschwerden
an. Verspannungen lösen sich sehr schnell,
ziemlich direkt nach einer Behandlung.
Meine Lymphknotenschwellungen gingen
aber nur sehr langsam weg. Und bei Rückenschmerzen
brauchte ich schon relativ
viele Behandlungen, ca. 15 Stück bis sich ein deutlicher Effekt einstellte. Meine
Lymphknotenschwellungen gingen
aber nur sehr langsam weg.
Falls konventionelle Therapien ebenfalls
zuvor versucht wurden: wie würden Sie
den Effekt der herkömmlichen Therapie
mit dem der Akupunktur vergleichen?
Oft bekommt man nur Schmerzmittel.
Die sind zwar für ein paar Stunden unschlagbar,
aber keine Lösung auf Dauer.
Mit der Akupunktur kann man denke ich
sehr gezielt die Ursachen angreifen und
behandeln. Vielleicht hat das auch etwas
mit einer gewissen positiven psychischen
Beeinflussung zu tun.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Ich bin privat versichert, bei mir wird alles
übernommen. Allerdings übernehmen
auch gesetzliche Kassen oftmals die Kosten
für eine Akupunktur-Therapie.
Würden Sie Akupunktur weiterempfehlen?
Ja auf jeden Fall. Ich denke es kann nicht
schaden und ist auf jeden Fall einen Versuch
wert. Bei vielem hat sie mir sehr geholfen,
ohne dass ich Chemie schlucken musste.
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| Autor(in): Redaktion MEDI-LEARN ([email protected]) |
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Die Klinik und Poliklinik für Dermatologie
und Allergologie des Klinikums
rechts der Isar sucht Patienten, die an einer
bundesweiten Studie zur Wirkung von
Akupunktur bei Heuschnupfen teilnehmen
wollen. Frühere beobachtende Untersuchungen
konnten bereits zeigen, dass
Akupunktur bei Heuschnupfen Besserung
bewirken kann.
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Um diese Wirksamkeit nun
auch wissenschaftlich fundiert nachzuweisen,
sind jetzt klinisch kontrollierte Studien
notwendig. Unterstützt wird die aktuelle
ACUSAR-Studie (Acupuncture in Seasonal
Allergic Rhinitis) von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft.
In Kooperation mit der Charité soll unter
der Leitung von Klinikdirektor Prof. Dr. Dr.
Johannes Ring untersucht werden, ob sich
die möglichen Therapieeffekte auch durch
eine Analyse von Immunparametern und
Entzündungszellen im Blut objektivieren
lassen. Dr. Florian Pfab von der Haut- und
Allergieklinik am Biederstein: "Von einer Auswertung dieser Daten versprechen wir
uns auch Erkenntnisse über den Einfluss
der Akupunktur auf das Immunsystem.
Unser Ziel ist es, der wissenschaftlichen
Welt fundierte Ergebnisse zur Wirkung von
Akupunktur präsentieren zu können."
Professor Ring: "Wir suchen insgesamt
200 Patienten aus dem Großraum München
mit Heuschnupfen, die auf Birkenund
Gräserpollen allergisch reagieren
und teilnehmen möchten. Die Probanden
werden nach dem Zufallsprinzip
einer von zwei Behandlungsgruppen
zugeteilt. Die erste Gruppe erhält sofort
eine Akupunktur-Behandlung, die
zweite acht Wochen lang antiallergische
Medikamente und danach ebenfalls eine
Akupunktur-Behandlung. Wir möchten
herausfinden, inwieweit sich beide Gruppen
in der Intensität ihrer Beschwerden,
der Lebensqualität, dem Verbrauch an
Medikamenten und eventuellen Nebenwirkungen
unterscheiden."
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| Autor(in): Tanja Schmidhofer ([email protected]) |
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Akupunktur, die traditionelle chinesische
Behandlungsmethode, wird
hierzulande immer beliebter. Grund genug
für uns, Ärzte und Patienten über ihren
Erfahrungen mit der „ganzheitlichen“
Heiltechnik zu befragen.
Im ersten Teil unserer Umfragenauswertung
präsentieren wir die Aussagen von
Medizinern, die von der Wirkung der kleinen
Nadeln überzeugt sind und diese auch
selbst anwenden. Wir wollten von ihnen
wissen: Wie bist du zur Akupunktur gekommen?
Wie läuft so eine „Nadel“-Sitzung
eigentlich ab? Wem kann die Akupunktur
helfen und welche Risiken birgt
die Methode?
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Warum Akupunktur?
Wie kommt man als Arzt eigentlich dazu, in
seiner Praxis Akupunktur anzubieten? Die
meisten der befragten Mediziner sind eher
zufällig mit der chinesischen Heilmethode
in Kontakt gekommen – viele schon im
Studium, andere erst im Berufsleben – und
waren von den beobachteten Ergebnissen
überzeugt. „Ich betreue viele Schwangere,
denen es nicht möglich ist, Medikamente
zu nehmen und habe deswegen nach Alternativen
gesucht“, erzählt die Hamburger
Gynäkologin Marlene D. „In Akupunktur-
Seminaren wurde ich auch selbst erfolgreich
gegen Migräne gestochen, sozusagen
‚am eigenen Körper’ überzeugt.“
Einige der Befragten hatten die Gelegenheit,
Akupunktur direkt in Asien zu erleben,
sozusagen „an der Quelle“. Birgit S., ebenfalls
Medizinerin in Hamburg: „Bei einer
Auslandsfamulatur in Hongkong habe ich
Akupunktur kennen und schätzen gelernt.
Ich habe dann mit der Akupunkturausbildung
begonnen.“
Win See L. ist gebürtige Chinesin und in
Koblenz als Ärztin tätig. Sie hat sich auf
diese Methode spezialisiert: „Ich bin mit der traditionellen
östlichen Medizin groß geworden.
Bereits meine Facharbeit auf dem
Gymnasium habe ich über Akupunktur
geschrieben. Dies war auch mein Thema
bei ‚Jugend forscht’.“ Später hospitierte
sie an der TCM-Klinik in Kötzing hospitiert.
„Die kann ich jedem Interessenten
nur wärmstens empfehlen, der nicht
wie ich öfter mal nach Hongkong oder
Festland-China fl iegen kann, um Erfahrungen
zu sammeln.“
Möglichkeiten und Grenzen
Bei welchen Beschwerden hilft die fernöstliche
Therapie? Und wann sollte sie auf
keinen Fall angewandt werden? Die befragten
Ärzte können eine ganze Palette von
Beschwerden nennen, die ihrer Erfahrung
nach durch Akupunktur gelindert werden
können. Allen voran: Schmerzen. Bei Migräne,
Muskelverspannungen und Gelenkschmerzen
wurden gute Erfolge erzielt.
Auf diese Weise könne man den Patienten
eine medikamentöse Behandlung ersparen,
berichten viele. Auch bei gynäkologischen
Leiden wie Regel- oder Schwangerschaftsbeschwerden
helfe Akupunktur. Allergische
Erscheinungen wie Asthma, Hautprobleme
und Heuschnupfen seien ein weiteres Einsatzgebiet.
Sehr gut schlage die Behandlungsmethode
auch bei psychosomatischen
Beschwerden an. Darüber hinaus wird
Akupunktur von den Befragten auch zur
Behandlung von Süchten wie dem Rauchen
eingesetzt, und zur Therapie gegen Stress
und den damit verbundenen Problemen.
Brigitte M., eine Ärztin aus Meckenheim
bei Köln, steckt die Grenzen der Akupunktur
ab: „Sie kann regulieren und helfen,
aber Zerstörtes heilen kann sie nicht.
So kann man die Symptome von Arthrose
lindern, aber eben nicht heilen im eigentlichen
Sinne.“ Akupunktur ist wirkungslos
bei körperlichen Defekten, Verschleißerscheinungen
und bei Krebs. Nichtsdestotrotz
sind viele der Befragten
der Meinung, dass Akupunktur als
unterstützende Behandlung gegen
die Nebenwirkungen einer
Chemo-Therapie eingesetzt werden kann.
Risiken und Nebenwirkungen
Laut Befragungsergebnis können tatsächlich
Nebenwirkungen auftreten:
Von Hautreizungen und Entzündungen
bis hin zur Müdigkeit. Der Grund: Behandlungsfehler.
„Normalerweise gibt
es bei richtiger Anwendung keine Nebenwirkungen“,
erklärt Win See L., „bei
falscher schon – bei Hämatomen angefangen
bis hin zur Verschlimmerung
der Symptomatik.“
Wie läuft eine Akupunktur-Sitzung ab?
Wie lange dauert sie im Durchschnitt
und wie viele Sitzungen sind in der Regel
notwendig? Eine Sitzung dauert etwa
eine halbe Stunde, wobei die Nadeln in
der Regel nur zwanzig Minuten unter der
Haut des Patienten bleiben. Fünf Minuten
braucht der Arzt, um sie zu legen, nach
der Entfernung darf der Patient meist
noch eine Weile ruhen. „Es gibt Nadeln
aus Plastik, Kupfer, Gold und Silber in
unterschiedlichen Längen und Stärken“,
erklärt Birgit S., „Manchmal werden die
Nadeln zur Verstärkung des Effekts auch
in der Haut gedreht.“
Einige Ärzte verpassen ihren Patienten
bei bestimmten Beschwerden so genannte
„Dauernadeln“, die für zehn Tage unter der
Haut bleiben. Diese sind kürzer als herkömmliche
Akupunktur-Nadeln und werden
mit einem Pfl aster abgeklebt. Außerdem
werden die Akupunkteur-Instrumente
vor der Behandlung oft erhitzt. „Dies wird
meist mit Moxa-Kraut gemacht, einer chinesischen
Beifuß-Art“, erklärt Brigitte M.
„Dieses strahlt Wärme in einer bestimmten
Wellenlänge ab, die dem Körper Energie
gibt. Mittlerweile gibt es Wärmelampen,
die der Wellenlänge des Moxa-Krautes angepasst
sind. Diese riecht und raucht nicht
so wahnsinnig wie das echte Kraut, von
dem es aber mittlerweile auch eine fast
‚rauch- und stinkfreie’ Version gibt.“
Autsch, Akupunktur?
Tut das „Nadeln“, wie es in Fachkreisen
genannt wird, eigentlich weh? „Manchmal
schon und zwar ganz schön doll“, antworten
die meisten der befragten Ärzte. „Ich
weiß gar nicht, wer den Unsinn verbreitet,
dass Akupunktur nicht schmerzhaft
wäre“, schimpft Brigitte M.: „Es gibt
sicherlich Punkte, die
mehr schmerzen
als andere, z.B.
die Stelle, an
der der Nagel
endet, und die
einem schon
mal die Tränen
in die Augen
steigen lassen –
da spreche ich
aus ErfahErfahrung.
Auch Punkte im Gesicht werden als
sehr unangenehm empfunden. Punkte, die
auf großen Muskeln oder viel Unterhaut-
Fett liegen, sind hingegen meist wenig
schmerzhaft. Auch die Ohrakupunktur
wird gut toleriert.“
Für Groß und Klein?
Ist Akupunktur eigentlich auch für Kinder
geeignet? „Theoretisch ja, praktisch gesehen
eher nicht“, meinen die Befragten. „Akupunktur
ist für alle Altersgruppen geeignet,
wobei natürlich auf die Besonderheiten der
jeweiligen Altersgruppe eingegangen werden
sollte“, erklärt die Hamburger Ärztin
Sina H., „Kinder haben häufi g Angst vor
Nadeln und können nicht lang ruhig liegen
bleiben. Bei ihnen sollte eher Akupressur
angewandt werden.“ Weitere Möglichkeiten
Kinder zu behandeln, sind die schmerzlose
Elektro- und Laser-Akupunktur.
Skepsis unter Patienten...
Wie reagieren Patienten auf die chinesische
Methode? „Meiner Erfahrung nach
sind die meisten Menschen gegenüber
Akupunktur aufgeschlossen“, erzählt Birgit
S., „Ich denke, die breite öffentliche
Diskussion hat hierzu beigetragen. Gelegentlich
begegne ich auch skeptischen
Patienten. Da ist das Vertrauen in die
Schulmedizin größer, aber nach den ersten
Behandlungen sind auch sie überzeugt!“
Dieser Aussage schließen sich die meisten
der Befragten an: Zweifl er werden durch
den Behandlungserfolg überzeugt.
...und unter Kollegen
Obwohl es immer noch Ärzte gibt, die
nichts von Akupunktur halten, steigt auch
die Akzeptanz unter den Kollegen. „Aufgrund
mittlerweile vorliegender wissenschaftlicher
Ergebnisse können selbst die
größten Skeptiker der Akupunktur ihre
Wirksamkeit nicht absprechen“, stellt
Birgit S. fest. Und die Zukunft der Akupunktur?
Alle Befragten sind sich darüber
einig, dass das Verfahren im Westen immer
mehr an Bedeutung gewinnt und eine
große Zukunft vor sich hat. „Die Akupunktur
wird sich immer mehr etablieren“,
meint Win See L., „Vorausgesetzt, alle interessierten
Mediziner erhalten eine richtige
Ausbildung und die Patienten werden
nicht von Scharlatanen abgeschreckt, die
nur ‚Kochrezept-Nadeln’ beherrschen.“
Brigitte M. meint: „Ich denke, die Akupunktur
wird, wie viele andere alternative
Heilverfahren, immer mehr Einfl uss auf
die hiesige Medizin gewinnen.“ Und fügt
schmunzelnd hinzu: „Komisch nur, dass
die Chinesen sich zurzeit immer mehr der
westlichen Medizin zuwenden!“
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| Autor(in): Dominika Sobecki ([email protected]) |
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Nach einer öffentlichen Ausschreibung
und einem universitären Berufungsverfahren
konnte Claudia Witt aufgrund
herausragender wissenschaftlicher
Leistungen und Erfahrungen in der Lehre
für die Professur gewonnen werden.
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Prof. Dr. Detlev Ganten, Vorstandsvorsitzender
der Charité - Universitätsmedizin
Berlin: "Die Charité ist einer naturwissenschaftlichen
Medizin verpflichtet. Wir sehen
großen Forschungsbedarf im Bereich
Komplementärmedizin und freuen uns,
dass mit Frau Professor Witt die ideale
Besetzung gefunden wurde, den großen
Herausforderungen in diesem Gebiet erfolgreich
zu begegnen." Die Stiftungsprofessur
wird am Institut für Sozialmedizin,
Epidemiologie und Gesundheitsökonomie
der Berliner Charité angesiedelt sein. Mit
der Fördersumme von insgesamt einer
Millionen Euro werden die Professur und
zwei Mitarbeiterstellen über einen Zeitraum
von fünf Jahren gesichert.
Die Carstens-Stiftung will mit ihrem Engagement
die Forschung auf dem Gebiet der
Komplementärmedizin, wie z.B. Naturheilverfahren,
Homöopathie und Chinesischer
Medizin, stärken. Der Geschäftsführer der
Karl und Veronica Carstens-Stiftung, Dr.
Henning Albrecht, unterstreicht die Bedeutung
der neuen Professur für den Erfolg der
Komplementärmedizin: "Nur durch erstklassige Forschung können komplementäre
Therapieverfahren langfristig gesichert und
in die Patientenversorgung integriert werden.
Die Professur an der Charité nimmt
dabei eine Schlüsselrolle in Deutschland
ein. Ich bin überzeugt davon, dass Frau
Professor Witt die wissenschaftliche Untermauerung
der Komplementärmedizin
und damit deren Akzeptanz in Deutschland
mit großen Schritten voranbringen wird."
Prof. Witts wissenschaftliche Schwerpunkte
liegen in der Therapieforschung
zur Komplementärmedizin, insbesondere
im Bereich der Chinesischen Medizin
und der Homöopathie. Dies beinhaltet die
Untersuchung von Wirksamkeit, Therapiesicherheit
und Kosteneffektivität dieser
Behandlungsansätze. Mit groß angelegten
Studien, z.B. zur Akupunktur, konnte sie
bereits internationale Standards setzen.
Prof. Dr. Witt tritt mit großer Leidenschaft
die neue Aufgabe an: "Über 60 Prozent
der Bevölkerung
nehmen Angebote
der Komplementärmedizin
in
Anspruch. Dennoch ist nur wenig
über deren Wirksamkeit, aber auch deren
möglichen Nebenwirkungen bekannt.
Ich freue mich, meinen Beitrag dazu leisten
zu können, die große Lücke zwischen
Therapierealität und wissenschaftlichem
Kenntnisstand zu schließen." Für die komkommenden
Jahre sind bereits umfangreiche
Forschungsvorhaben geplant. Neben Studien
zu einzelnen Behandlungsverfahren
wie Qigong, Akupunktur und Homöopathie
wurden bereits große interdisziplinäre
Forschungsprojekte zur Chinesischen und
Tibetischen Medizin beantragt. Neben der
Forschung liegen Prof. Witt aber auch die
Lehre und die Förderung des wissenschaftlichen
Nachwuchses in Form von Promotionen,
postgraduierten Weiterbildungen und
Expertenkonferenzen am Herzen.
Um dies alles realisieren zu können, bietet
die Charité mit dem Institut für Sozialmedizin,
Epidemiologie und Gesundheitsökonomie
die idealen Voraussetzungen. Der
Direktor des Instituts, Prof. Dr. Stefan N.
Willich, blickt erwartungsvoll in die Zukunft:
"Unser Institut hat einen exzellenten
Forschungsschwerpunkt zur Komplementärmedizin
mit internationaler Bedeutung.
Es wird diese Stellung mit Hilfe von Frau
Professor Witt in Zukunft noch weiter
ausbauen können."
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| Autor(in): Frederik Betsch ([email protected]) |
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Flughafen Frankfurt/Main: Am Abfertigungsschalter stehen in einer schnurgeraden Reihe viele kleine dunkelhaarige Menschen mit schmalen Augenlidern. Wohin geht ihre wie meine Reise? Nach Ostasien, genauer gesagt nach Taiwan. Seit ich gehört habe, dass man mit der bvmd auf dieser vor China liegenden Insel im Bereich der Akupunktur famulieren kann, hatte ich nur noch dieses eine Ziel im Kopf.
Die Reisevorbereitungen waren einfach, dafür aber zeitaufwendig: Man muss ein Visum beantragen, das dauert, und man muss sich impfen lassen; in meinem Fall genügte eine Typhusimpfung. Vorbereitet hatte ich mich mit der Lektüre des Lonely Planet und natürlich über die Teilnahme an einem Akupunkturkurs.
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Fernseher im Linienbus
Gleich nach der Landung stehe ich vor der ersten Hürde: Der Geldautomat spricht nur Chinesisch und will meine Karte nicht akzeptieren. Also musste ich doch am Schalter Geld wechseln. Dies klappte problemlos. Schwieriger war es dann schon, den Bus zum Hauptbahnhof zu finden: Englisch sprachen zwar fast alle Leute, die ich fragte, aber die Aussprache war sehr gewöhnungsbedürftig. Doch mit Hilfe sehr freundlicher Menschen gelang es mir schließlich, den richtigen Bus zu finden. Ich staunte, denn obwohl es nur ein Linienbus war, war der mit einem riesigen modernen Fernseher ausgestattet!
Durch den morgendlichen Berufsverkehr mit beeindruckend vielen Mopeds an allen Kreuzungen fuhren wir zum Hauptbahnhof von Taipeh. Nach vierstündiger Zugfahrt erreichte ich endlich mein Ziel: Kaohsiung im Südwesten der Insel. Erfreulicherweise wurde ich dort von meinen Betreuern abgeholt. Sie waren sehr bemüht und besorgt um mich und brachten mich zur Universität und meinem Zimmer. Geschafft!
Die Uni wirkte sehr amerikanisch auf mich: Es gab einen riesigen Sportplatz, der voller Menschen war, und eine offene Sporthalle. Ich war sehr glücklich darüber, ein eigenes Zimmer mit einem eigenen Bad zu bekommen! Eine Küche suchte man im Wohnheim aber vergebens: Denn Taiwanesen kochen so gut wie nie selbst, sogar das Frühstück wird an einer der zahlreichen fahrenden Küchen gekauft. Das Essengehen war für mich immer ein kleines Abenteuer: Viele Sachen schmeckten mir sehr gut, manche allerdings überhaupt nicht. Meistens ging ich mit den anderen Studenten essen, die mir gerne bei der Auswahl behilflich waren.
Erst Derma, dann TCM
Am nächsten Morgen stand mir mein erster Arbeitstag bevor. Bereits im Vorfeld war mir mitgeteilt worden, dass es ein Problem mit der Akupunktur gäbe und ich in die Abteilung meines Zweitwunsches geschickt werde. Vor Ort ließ sich dieses Problem jedoch so lösen, dass ich eine Hälfte meines Aufenthalts in der Dermatologie verbrachte und die andere in der TCM-Abteilung. In der Dermatologie wurde ich sehr freundlich empfangen und es wurde ein genauer Wochenplan für mich erarbeitet. Die meiste Zeit verbrachte ich in der Ambulanz, weil sich dort sehr viele verschiedene Patienten vorstellten und ich die Ärzte direkt begleiten konnte. Diese waren sehr bemüht, mir etwas beizubringen und möglichst viel ins Englische zu übersetzen. Sehr viele verschiedene Krankheiten konnte ich dort sehen, die in Europa eher selten sind.
In der TCM-Abteilung des Krankenhauses war ich auf das Zusehen beschränkt: Leider durften Studenten nicht selber Nadeln stechen – zumindest nicht an den Patienten. Auch dort war der Arzt stets bemüht, mir etwas beizubringen, leider waren seine Englischkenntnisse spärlich. Dafür habe ich umso mehr gesehen: Akupunktur und Moxibustion, traditionelle chinesische Diagnostik, Tuina-Massagen und natürlich die chinesische Apotheke.
Dschungel und High-Tech
Einmal wöchentlich besuchte ich auch den studentischen Akupunkturclub, in dem ich dann unter professioneller Anleitung das Akupunktieren lernte. Taiwan ist ein sehr abwechslungsreiches Land: Man kann durch den Dschungel wandern, am Strand relaxen, aber auch Großstädte, High-Tech und Service in ungeahnten Dimensionen erleben. Die Betreuung vor Ort war sehr gut und es wurde mir auch sehr leicht gemacht, neue Kontakte zu knüpfen. Allerdings – und das ist trotz des schönen Aufenthalts ein Minuspunkt – würde ich diese Universität nicht weiterempfehlen, wenn man nicht nur Taiwan kennen lernen, sondern auch gerne viel über Akupunktur lernen möchte. Hier hätte ich gerne weniger Einschränkungen vorgefunden, eine andere Uni hätte vielleicht mehr Möglichkeiten geboten. In jedem Falle ist es sehr ratsam, bereits Vorkenntnisse in TCM zu haben. Zu Taiwan insgesamt kann ich nur sagen: Für mich gibt es kein schöneres Reiseziel und ich werde bestimmt noch einmal dorthin zurückkehren!
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| Autor(in): Saskia Fischer ([email protected]) |
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idw - (Jena) Sie sind nicht lebensbedrohlich, können aber das Leben unerträglich machen: Tinnitus und Heuschnupfen sind nicht nur weit verbreitete Krankheiten, sondern auch in vielen Fällen nur schwer behandelbar. Für die Betroffenen bedeutet das oft jahrelange Leiden.Die Hals-Nasen-Ohrenklinik am Universitätsklinikum Jena (UKJ) will den Patienten nun mit einem neuen Angebot helfen.
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In der neu eingerichteten
Akupunktur-Sprechstunde wollen die HNO-Ärzte jetzt mit Nadeln gegen die
Ohrgeräusche und die Pollenallergien vorgehen. "Tinnitus und Heuschnupfen
gehören zu den Krankheiten, bei denen unsere Mittel der Medizin nicht in allen
Fällen ausreichend greifen", erklärt Prof. Dr. Orlando Guntinas-Lichius,
Direktor der Jenaer HNO-Klinik. "Mit der Akupunktur können wir die Therapie nun
mit einem anerkannten Mittel der alternativen Medizin wirksam unterstützen".
Denn die Nadelstiche helfen: "Akupunktur bewirkt bei Patienten mit einem
schweren Heuschnupfen in 80 Prozent der Fälle eine Verbesserung und bei einem
Drittel der Tinnitus-Patienten eine Linderung der Ohrgeräusche", so Kathrin
Nebelung. Die HNO-Fachärztin leitet die Akupunktur-Sprechstunde, die zuerst
einmal wöchentlich jeweils am Donnerstag von 14.00 bis 16.00 Uhr stattfinden
wird. Angeboten werden sowohl die traditionelle chinesische Ganzkörper- als auch
die Ohrakupunktur. Ein Behandlungszyklus umfasst 6 bis 10 jeweils 30-minütige
Sitzungen in dem speziellen Akupunkturzimmer. Dabei kommen beide Verfahren in
Kombination zum Einsatz.
Vor Beginn einer Akupunkturbehandlung steht allerdings
eine Voruntersuchung in der Klinik. "Wir möchten auf dieses Weise ausschließen,
dass eine andere Erkrankung die Symptome verursacht oder gesundheitliche
Probleme vorliegen, die gegen die Akupunktur sprechen würden", so Nebelung. Ihre
neue Sprechstunde steht dabei auch Patienten mit unklaren Schwindelbeschwerden
offen. "Auch hier kann mit Akupunktur oft sogar dann geholfen werden, wenn
andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind".
Wie viele alternative Verfahren gehört das neue Angebot zu den Wahlleistungen.
Akupunktur wird bei HNO-Erkrankungen selten als Kassenleistung übernommen, es
empfiehlt sich daher vorab eine Nachfrage bei der Krankenkasse zur
Kostenübernahme.
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| Autor(in): Helena Reinhardt, Uni Jena ([email protected]) |
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| 9. „Auch als entspannendes Verfahren kann ich die Akupunktur empfehlen“
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1.Wie sind Sie zur Akupunktur gekommen? Was interessiert Sie besonders an diesem Bereich der Medizin?
Durch Freunde, die selber Akupunkturkurse besuchen wollten und nun noch Mitstreiter suchten, dachte ich: Na ja, mal sehen... machen wir uns halt eine lustige Woche in den Semesterferien und vielleicht wird es ja doch ganz interessant.
2. Welche Möglichkeiten birgt die Akupunktur, wo sind ihre Grenzen? Nachdem ich mich doch eingehender, auch mit dem Hintergrund und der Geschichte der Akupunktur beschäftigt habe, weiß ich, dass die Akupunktur eine ganze Menge Möglichkeiten bietet, sei es nun über die Therapie von ganz bestimmten Erkrankungen, oder auch als Ergänzung zur konservativen westlichen Medizin.
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Zum Beispiel bei Chemotherapie anstelle oder auch in Verbindung mit Antiemetika zur Linderung der Übelkeit. Ganz oft hilft aber einfach auch nur das gezielte zeitliche und räumliche “Ausschalten“ des Patienten aus seiner Umwelt. Lassen Sie doch einfach mal einen gestressten Manager 40 Minuten allein in einem Behandlungszimmer mit angenehmer Atmosphäre & Ruhe und einigen Nadeln an Punkten, die bekannter Weise Entspannung hervorrufen. Die meisten werden gerne wiederkommen! Die Grenzen der Akupunktur liegen dort, wo sie auch im Chinesischen definiert werden, denn die Akupunktur ist kein “Heilendes“ Verfahren: Sie kann regulieren und helfen, aber Zerstörtes heilen kann sie nicht (z.B. kann man die Symptome einer Arthrose lindern, aber nicht heilen im ursprünglichen, eigentlichen Sinne).
3. Bei welchen Beschwerden hilft Akupunktur? Gibt es Gegenanzeigen und Nebenwirkungen? Persönlich habe ich sehr gute Erfahrungen bei Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparates, und dort v.a. bei akuten Erkrankungen, wie z.B. Lumbalgien gemacht. Auch als entspannendes Verfahren kann ich die Akupunktur empfehlen. Bei chronischen Erkrankungen im Bereich der Inneren Medizin war ich bisher wenig erfolgreich, allerdings könnte dies ja auch an noch eingeschränkter Erfahrung oder einfach an falschen Patienten für die Therapie liegen.
4. Ist die Behandlung schmerzhaft? Oftmals. Ich weiß gar nicht, wer den Unsinn verbreitet, dass Akupunktur nicht schmerzhaft sei. Es gibt sicherlich Punkte, die mehr schmerzen als andere (vor allem die Ting-Punkte der Akren, sprich meist genau dort wo der Nagel endet) und diese lassen einem schon mal die Tränen in die Augen steigen - und da spreche ich auch aus eigener Erfahrung. Auch Punkte im Gesicht werden als sehr unangenehm empfunden. Andererseits sind oft Punkte, die auf großen Muskeln oder mit viel Unterhautfettgewebe liegen, meist wenig schmerzhaft. Auch die Ohrakupunktur wird zumeist gut toleriert. Auf jeden Fall sollte man vorher mit dem Patienten über Schmerzen sprechen und ihm erklären, dass natürlich ein durchstechen der Haut schmerzhaft ist und dass ein dumpfer Schmerz in der Akupunktur auch durchaus gewollt ist.
5. In welchen Fällen übernimmt die Krankenkasse die Akupunktur-Behandlung? Leider nur in sehr wenigen, durch die Kasse zugelassenen Diagnosen im Bereich des Bewegungsapparates. Aus diesem Grund liquidieren viele Kollegen die Akupunktur auch ausschließlich privat.
6. Wie viele Sitzungen sind bei einer Behandlung notwendig? Das kommt ganz auf das Krankheitsbild an. Akute Erkrankungen, z.B. eine akute Lumbalgie ist oft schon mit einer Sitzung deutlich besser. Chronische Erkrankungen, die schon über lange Zeit bestehen, bedürfen auch mehreren Sitzungen. Deswegen kann man dies pauschal so nicht sagen.
7. Wie lange dauert eine Sitzung? Meist zwischen 30 und 45 Minuten. Aber auch diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Denn auch der Zeitansatz einer Behandlung hat etwas mit dem Krankheitsbild und dem Menschen zu tun, den ich behandle: Ist es eher eine Erkrankung und ein Menschentyp dem ich Energie geben muss, oder eher eine Erkrankung/ein Menschentyp dem Energie entzogen werden muss. Bei ersterem Fall wird die Behandlung länger dauern als bei dem zweiten.
8. Warum werden die Nadeln zum Teil erhitzt? Dies wird meist mit Moxa-Kraut gemacht, das ist eine chinesische Beifuß-Art. Diese strahlt eine Wärme in einer ganz bestimmten Wellenlänge ab, die dem Körper Energie geben soll. Mittlerweile gibt es auch Lampen, die der Wellenlänge des Moxa-Krauts angepasst sind, und die man ähnlich einer Rotlichtlampe auf ein bestimmtes Körperareal, in dem sich dann oftmals auch Akupunkturnadeln befinden, richten kann. Dies hat ein ganz entscheidenden Vorteil zum Moxa-Kraut: es riecht (eigentlich muss man fast schon von stinken reden) nicht und raucht nicht so wahnsinnig, wie das echte Moxa, das es aber auch schon in einer fast “rauch-und stinkfreien“ Version gibt.
9. Ist die Akupunktur für alle Altersgruppen geeignet, also auch für Kinder und alte Menschen? Prinzipiell ja. Allerdings werde ich persönlich, und auch viele Kollegen, mich hüten, ein Kind zu nadeln. Denn wie oben schon beschrieben, ist es auch oft mit Schmerzen behaftet und dies kann man einem Kind nicht unbedingt erklären, warum es das jetzt über sich ergehen lassen sollte. Aber es gibt Laser mit denen man die Akupunkturpunkte sozusagen “beschießen“ kann, die absolut schmerzfrei sind. Damit kann man dann auch Kinder behandeln, allerdings sind diese Geräte auch sehr teuer.
10. Wie reagieren die Patienten auf die Behandlung? Sind sie aufgeschlossen oder eher skeptisch eingestellt? Die meisten Patienten, die mit der Frage zu mir kommen, ob ich sie akupunktieren kann, sind meistens schon sehr aufgeschlossen und auch oftmals mit der Materie etwas vertraut. Manche allerdings sehen die Akupunktur als ihre letzte Hoffung an, da sämtliche konventionelle Therapien schon gescheitert sind, sind aber auch nicht wirklich davon überzeugt, dass so eine kleine Nadel irgendetwas bringen könnte. Da muss man dann schon einige Überzeugungsarbeit leisten, wobei die beste natürlich die Besserung der angegebenen Beschwerden ist. Aber einem Patienten, der von vorne herein sagt, dass er von der Akupunktur gar nichts hält, würde ich dies auch nicht anbieten.
11. Wie ist die Akzeptanz unter den medzinischen Kollegen? Unterschiedlich. Die einen sind der Akupunktur vollkommen abgeneigt, die anderen finden für sich selber nichts daran, aber sind doch so offen eingestellt, dass sie zumindest den Patienten die Akupunktur empfehlen und sie dann eventuell bei mir vorstellen. Wieder andere haben die Akupunktur in ihren Praxis- und auch Klinikalltag so mit eingebunden, dass sie gar nicht mehr wegzudenken ist.
12. Wie sehen Sie die Zukunft der Akupunktur in der westlichen Medizin? Ich denke, sie wird noch mehr Einfluss in der westlichen Medizin bekommen. So wie auch die restlichen alternativen Heilverfahren immer mehr Zuspruch finden. Komisch nur, dass die Chinesen sich zur Zeit immer mehr der westlichen Medizin zuwenden, oder?
Vielen Dank für das Interview.
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Patienten mit Darmbeschwerden können von Akupunktur profitieren: Beim sogenannten Reizdarmsyndrom beeinflusst die Behandlung mit Akupunkturnadeln das für lebenswichtige Körperfunktionen wie Blutdruck und Atmung zuständige vegetative Nervensystem und geht mit Stressabbau einher. Diese positive Wirkung tritt unter einer Placebo-Behandlung nicht auf.
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Unter einem Reizdarmsyndrom leiden etwa fünf Prozent der Bevölkerung. Die Krankheitsursache ist nicht bekannt; auch ist sich die Medizin nicht einig, ob und inwieweit die Psyche dabei eine Rolle spielt. Die Patienten klagen über ein schmerzhaftes Spannungsgefühl im Bauch sowie über – im Wechsel mit Verstopfung auftretenden – Durchfall, der länger als sechs Monate anhält. Eine wirksame Behandlung gibt es bislang noch nicht.
Höhere Lebensqualität auch bei simulierter Akupunktur
In der Studie des Teams von Dr. Antonius Schneider, das im letzten Jahr mit dem Deutschen Akupunkturpreis in der Kategorie „beste Forschungsarbeit“ ausgezeichnet wurde, gingen die Heidelberger Wissenschaftler zunächst der Frage nach, ob ein Akupunkturverfahren die Lebensqualität der Patienten mit einem Reizdarmsyndrom positiv beeinflusst. Anhand eines speziellen Fragebogens wurden z.B. die Auswirkungen auf Schmerzen, die Tagesaktivität, den Schlaf und die Verdauung untersucht.
Die Probanden erhielten entweder eine „echte“ (Verum-)Akupunktur oder eine Schein(Placebo)-Anwendung, die von dem Heidelberger Anästhesisten Dr. Konrad Streitberger entwickelt wurde: Bei diesem technischen Kunstgriff wird die Akupunktur nur simuliert, ohne dass Muskelzellen und Nerven von der Nadelspitze in der Tiefe berührt werden.
„Die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich in beiden Behandlungsgruppen, ohne dass zwischen ihnen ein wesentlicher Unterschied festgestellt werden konnte“, fasst Dr. Antonius Schneider das erste Ergebnis der Studie zusammen. In diesem Punkt scheint die Wirkung der Akupunktur auf psychische Faktoren zurückzuführen zu sein – man spricht auch von einem so genannten Placebo-Effekt. Eine Übereinstimmung von Verum- und Placebogruppe kann generell bei Behandlungen festgestellt werden, die der Patient für sich als intensiv und zuwendend erlebt.
Kortisolspiegel im Speichel wird gesenkt
„Wir wissen aber aus experimentellen Untersuchungen bei anderen Krankheitsbildern wie etwa dem Herzfehler oder der Depression, dass Akupunktur auch das vegetative Nervensystem des Patienten beeinflusst“, erläutert Dr. Schneider. Das vegetative Nervensystem regelt die lebenswichtigen Funktionen des Körpers wie Atmung, Herzschlag, Blutdruck, Verdauung und Stoffwechsel. In einem zweiten Schritt untersuchten die Heidelberger Wissenschaftler daher, ob Akupunktur bei Patienten mit einem Reizdarmsyndrom auch physiologische Wirkungen haben kann, also körperliche Funktionen verändert oder beeinflusst.
Dabei konnten sie einen positiven Effekt auf das so genannte parasympathische Nervensystem nachweisen – der Teil des vegetativen Nervensystems, der erholungs- und entspannungsfördernde Anreize vermittelt. Durch Messungen im Speichel der Patienten fanden sie heraus, dass unter Akupunktur der Parasympathikus gestärkt wird und der Spiegel des Stresshormons Kortisol absinkt. Ein gestärkter Parasympathikus und ein erniedrigter Kortisolspiegel bedeuten auch geringeren Stress.
Darüber hinaus ging die Stärkung des Parasympathikus mit einer Besserung der Schmerzen einher. „In der Placebo-Gruppe der Reizdarmsyndrom-Patienten konnte diese eindrucksvolle Stärkung des parasympathischen Nervensystems nicht beobachtet werden“, stellt Dr. Schneider fest.
An der Heidelberger Studie nahmen insgesamt 43 Patienten teil, die über fünf Wochen jeweils zweimal wöchentlich akupunktiert wurden. Was die Ergebnisse letztlich für die praktische Medizin bedeuten, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar sagen. „Noch überblicken wir den genauen Mechanismus des physiologischen Effekts der Akupunktur nicht in allen Einzelheiten“, erklärt Dr. Schneider. Zusätzliche, breiter angelegte Studien sind notwendig, um diesen Effekt für die Behandlung des Reizdarmsyndroms nutzbarer zu machen.
Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg
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| Autor(in): Redaktion MEDI-LEARN ([email protected]) |
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