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Auswahlgesprächsprotokoll Detail

 
Auswahlgesprächsprotokoll:
Protokoll eingefügt 06.10.2009
Ort/Uni:  Lübeck, Universität zu Lübeck
Semester:  WS 2009/10
Anzahl Prüfer:  2-4
   
Atmosphäre:  eher locker
Dauer:  0 Std.
Note:  0
Kleidung:  gehobene Freizeitkleidung
Gespräch: 
Ich bekam etwa eine Woche vor dem 18. August, an dem mein Auswahlgespräch stattfinden sollte, die schriftliche Einladung zum Auswahlgespräch. Dadurch blieb - auch, weil ich in der Zeit gerade einen Teil des Pflegepraktikums abgeleistet habe - nicht viel Zeit für irgendeine Vorbereitung, so dass ich hauptsächlich Erfahrungsberichte von anderen Studenten gelesen habe und mir ein bisschen Gedanken um die zu erwartenden Fragen (Warum Medizin? Warum in Lübeck?) gemacht habe.
Ich bin am Vormittag des 18. August per Zug nach Lübeck gefahren und habe die Zeit bis zum Gespräch in der Stadt und auf dem Campus (der mir so gut gefallen hat, dass ich mich noch mehr anstrengen wollte) der Uni verbracht. Ungefähr eine Stunde vor Gesprächsbeginn habe ich mich im Warteraum eingefunden, wo ein paar andere Anwärter - die meisten in Begleitung von Eltern oder Freunden - saßen. Die Studenten, die unsere Unterlagen (Abizeugnis, Lebenslauf) in Empfang genommen haben, hatten auch für Getränke und Süßigkeiten gesorgt und waren alle so fröhlich, dass bei mir kaum Nervosität aufgetreten ist - zu meiner eigenen Überraschung.
Weil einer der Eingeladenen nicht aufgetaucht war, wurde ich etwas früher als geplant in eines der beiden Kommissionszimmer gebracht. Dort haben mich zwei Professoren (ein Mann und eine Frau) und ein Student freundlich begrüßt und eine lockere Eingangsfrage zu meinem Heimatort gestellt.
Dann ging es los mit den ersten Fragen nach meiner Motivation, Medizin zu studieren, worauf ich von meinem großen Interesse am Fach, von meiner Neugier auf neue Erfahrungen und dem Wunsch, später einen für mich sinnvollen Beruf auszuüben antwortete. Kurz habe ich erwähnt, wie ich über Tierliebe und dem Berufswunsch Tierarzt über meine Leistungskurswahl zum Studienwunsch Medizin gekommen bin, aber dann ging es schon weiter mit meiner Entscheidung für Lübeck. Da habe ich natürlich den Spitzenplatz im CHE-Ranking erwähnt, aber auch den Reiz als kleine (man kennt sich besser) und junge (keine "Alteingesessenen-Arroganz"). Daraufhin erzählte der Professor von den Vorteilen von alten Unis (Er hatte eine Zeitlang in Halle gelehrt, wo die Erstsemester in einem würdigen Saal begrüßt wurden. Ausgerechnet in dem Jahr, wo er die Begrüßungsrede halten sollte, wurde der Saal renoviert und die Zeremonie ausgelagert... Tja.), worauf ich meinte, hier in Lübeck müsse man seine alterwürdigen Hallen dann eben in der Altstadt aufsuchen. Es ging also wirklich locker zu und wir haben auch ein paar Mal gelacht.
Ich musste ein bisschen von meinem Krankenpflegepraktikum erzählen, wie ich die Arbeit der Ärzte empfunden habe, was ich daran verbessern würde (ich habe da den Punkt der Unpersönlichkeit augesprochen und die Angst der Patienten, den Ärzten in der Visite Fragen zu stellen) und wo ich an meine Grenzen gestoßen bin. Als die Frage nach meinen Schwächen kam, habe ich die Probleme im Umgang mit neuen Leuten und ungewohnten Orten angesprochen, aber auch, dass ich daran erfolgreich arbeite - schließlich saß ich ja gerade im Gespräch mit fremden Leuten in einer fremden Stadt. Ich hatte den Eindruck, dass diese Ehrlichkeit der Kommission gefallen hat, besser, als das gute alte "Ich bin zu ungeduldig" oder "Ich bin perfektionistisch.". Da keine Ärzte in meiner Familie sind, wurde ich nach möglichen Vorbildern gefragt. Ausgerechnet darauf hatte ich mich zum Glück vorbereitet und konnte von Rosalind Franklin und ihre DNA-Forschung erzählen. In diesem Zusammenhang habe ich auch meinen Wunsch, in der Genetik zu forschen, erwähnt; auf die Frage, warum ich denn dann nicht Biologie oder Pharmazie studieren würde, betonte ich noch einmal mein unbedingtes Interesse an Medizin.
Es ging weiter mit Fragen nach meinen Hobbys, es wurde auch nachgehakt, als ich unter anderem Literatur sagte. Aber da ich auch hier ehrlich meine Meinung über Thomas Mann (der den Lübeckern ja nun am Herzen liegt) sagen konnte, kam ich gut dabei weg.
Schließlich wurde meine finanzielle Situation gestreift, es war aus dem Beruf meines Vaters ersichtlich, dass ich kein Bafög bekommen wurde; dazu konnte ich nur sagen, dass meinen Eltern die Bildung ihrer Kinder sehr wichtig ist und dass sie, obwohl es durch das gleichzeitige Studium meines äteren Bruders und meiner Schwester natürlich nicht leicht ist, mich finanziell absichern können.

Nach zwanzig Minuten (angesetzt waren dreißig) wurde mir noch einmal kurz das Verfahren erläutert (120 Anwärter waren eingeladen, 50 würden angenommen; es würden Gesprächsverlauf und Abinote in die Bewertung einfließen) und dann wurde ich mit dem Hinweis, ich hätte sehr gute Chancen, verabschiedet.

Letzten Endes hatte ich am 2. September den Zulassungsbescheid für die Uni Lübeck in der Hand!

Ich kann also allen Bewerbern nur raten, die Chance der Auswahlgespräche zu nutzen. Mir wurde keine einzige Fachfrage gestellt und die Professoren waren auch keine Menschenfresser. Wenn man selbstbewusst, ehrlich und freundlich in das Gespräch reingeht, kann man einiges rausreißen.