Blöder Titel für einen Blogeintrag, oder? Ist doch klar, dass man was auf Fortbildungen lernt! Aaaaaber, man lernt auch Dinge der ganz anderen Sorte! Jaja, man trifft Kollegen und tauscht sich mit denen aus und man trifft auch Vertreter irgendwelcher Firmen, mit denen man sich unterhalten kann. Ich habe jetzt aber auch die wirklich angenehme Seite von Ärztefortbildungen kennen gelernt: Uuuuuuuuurlaub! Ihr kennt ja sicher das alte Vorurteil, Ärzte würden sich Reisen in die Karibik von Pharmafirmen spendieren lassen und so. Nun ja, es war nicht die Karibik und gesponsort wurde mir auch nichts, aber immerhin gibt es schlechtere Orte für eine Fortbildung als einen Skiort in den Dolomiten. Drauf gebracht hat mich eine gute Freundin, die von irgendwem erfahren hatte, dass es einmal im Jahr einen Arthroskopiekurs in Südtirol gäbe. Zuerst war ich sehr skeptisch und zögerte mit der Buchung. Immerhin ist der Kurs nicht ganz billig und dann auch noch sooo weit weg. Ich ließ mich aber überreden und sicherte mir schonmal frühzeitig Urlaub für den betreffenden Zeitraum, damit da auch ja nichts anbrennt. Im Nachhinein bekam ich vom Chef für die Zeit sogar Fortbildungsfrei und einen kleinen Beitrag der Reisekosten erstattet (der aber in Anbetracht der Gesamtkosten wirklich kaum der Rede wert ist)!
Moment mal, könnte man jetzt denken, was hat es denn für einen Sinn, eine Fortbildung in einem Skigebiet zu machen? Da hat man doch nichts von. Doch! Die Veranstalter haben den Zeitplan sehr schlau gestaltet. Das Fortbildungsprogramm fand morgens und abends statt, so dass genug Zeit blieb, Sonne und Schnee zu genießen.
Das erste Mal hat’s mich am Tag unserer Ankunft umgehaun. Ich wusste ja gar nicht, dass die Dolomiten im Winter SO cool sind! Berge und Schnee, Schnee, Schnee soweit das Auge reicht! Da am ersten Tag nur abends Seminare stattfanden, nutzen meine Kollegin und ich den Tag für erste Versuche auf der Piste. Ich lernte dann sogleich die Gefahren kennen, die mit so einer Kombination aus Bildung und Freizeit verbunden sind: ich packte mich nämlich richtig schön auf die Fr****, dass es nur so knirschte in meiner Halswirbelsäule. Jetzt verstehe ich, was die Leute immer meinen, sie hätten etwas “knacken” gehört, wenn sie auf den Kopf fallen. Gegen Abend kamen sie dann auch, die fiesen Nacken- und Kopfschmerzen. Ich hatte mir eine richtig schöne HWS Distorsion zugezogen. Ohne Ibuprofen alle 3 bis 4 Stunden ging bei mir für den Rest der Woche gar nichts mehr.
Am nächsten Morgen durften wir das erste Mal arthroskopieren. Dazu hatten die Veranstalter einen Haufen Medizintechnikfirmen eingeladen, die jede Menge Simulatoren mitgebracht hatten. Am ersten Tag konnten wir an Modellen Kniee spiegeln und Menikus nähen oder resezieren. Das war seeeehr cool. Ich war anfangs noch etwas zaghaft. Es gab kein vorgelegtes Programm, niemand nahm einen an die Hand. Man musste von selbst auf einen Tutor zugehen und sagen “ich möchte jetzt mal das und das üben”. Dann wurde einem auch alles sehr geduldig und professionell erklärt und gezeigt – egal ob man Assistent im 1. WBJ oder ein erfahrener Chirurg war. Für jedes Niveau gab’s was zu tun. Ich machte mich zunehmend mit der Handhabung des Arthroskops vertraut, wie man es hält, wie man den Blickwinkel verändern kann und wie man mit der zweiten Hand Instrumente verwendet.
Am zweiten Tag kam dann doch Sponsoring ins Spiel. Eine große Firma, die Orthesen und Bandagen herstellt, spendierte uns (immerhin 250 Mann insgesamt) einen zweitägigen Ski- oder Snowboardkurs. Zu schlecht für die Fortgeschrittenen landete ich bei den Snowboardanfängern. Das war zwar etwas langweilig für mich, aber immerhin konnte ich einige Fehler ausmerzen, die sich mit der Zeit in meine Technik eingeschlichen hatten. Die übrigen Kursteilnehmer, von denen einige schon zum 5. mal dabei waren (!), überredeten mich, abends nach dem Hüttenabend die Nachtabfahrt zu wagen. Immerhin kannte ich die Piste, weil es die gleiche war, die wir schon mit dem Anfängerkurs am selben Tag gefahren waren, aber trotzdem… so ganz ohne Licht und dann noch mit ein paar Umdrehungen intus… egal, ich ließ mich breitschlagen. Für die anderen war es wohl ein ganz tolles Erlebnis, für mich eher ein Horrortrip. Ich sah teilweise wirklich gar nichts. Nur, dass das Schwarze da hinten Wald war und das Weißliche davor die Piste sein musste. Aber ob die jetzt irgendwohin abbog oder einfach nur etwas steiler wurde und nach unten verschwand – ich sah es nicht. Ebenso sah ich keine Bodenwellen und keine Eisplatten. Es dauerte also nicht lange, bis es mich das erste mal vom Board holte. Sturz = Angst = noch mehr Stürzte. So polterte ich immer weiter der Talstation entgegen. Einmal fiel ich auf meinen Arm und ein stechender Schmerz durchzuckte meine Schulter. Für ein paar Sekunden konnte ich sie nicht mehr bewegen. Schei*e! Ausgekugelt? Ah, nein, geht wieder zu bewegen, Glück gehabt. Ich fuhr weiter. Endlich waren die Lichter der Talstation in Sicht, alle anderen hatten mich schon vor langem überholt. Da riss es mich nochmal hin und ich knallte voll aufs Gesicht. Ich trage natürlich immer einen Helm, aber ich donnerte genau auf meinen Jochbogen. Wieder knirschte es heftig und noch dazu sah ich einen Lichtblitz. Erstmal durchchecken: nicht bewusstlos, kein Blut, also weiter fahren. Unten angekommen überprüfte ich nochmal alles: nur eine leichte Schwellung der Oberlippe, keine gebrochene Nase, das Auge in Ordnung, keine Fehlstellung tastbar. Ein bisschen Kopfschmerzen und leichte Übelkeit bekam ich auch am nächsten Tag, aber nichts wirklich Schlimmes. In der Ambulanz hätte ich das als Schädelprellung gewertet und gesagt “nun stellen Sie sich mal nicht so an, das geht wieder weg”.
An den nächsten Tagen gab es Schultermodelle zum arthroskopieren. Dabei hatte ich bisher nur assistiert und es noch nie selbst gemacht. Ein Tutor erklärte mir, wo man die Portale setzt und dann durfte ich gleich mal ein Labrum refixieren und eine Rotatorenmanschette nähen. Das ging richtig gut! Jetzt bin ich so motiviert, dass ich meinem LOA irgendwie klar machen muss, dass ich in Zukunft gaaaaanz viel arthroskopieren muss. *g*
Snowboardtechnisch ließ ich es in den restlichen Tagen etwas ruhiger angehen, ich gönnte mir auch mal einen Tag Pause. Mich beschleicht aber die Ahnung, dass ich nicht wirklich talentiert bin. Alles in allem war das eine super Fortbildung. Ein ziemlich teurer Spaß auf jeden Fall (ich rechne lieber nicht aus, was ich für Anreise, Hotel, Espresso, Pizza, Pasta und die Fortbildung insgesamt bezahlt habe), aber sowohl lehrreich als auch unterhaltsam. So macht Arztsein Spaß!