Wah!

1. März 2010 geschrieben von ASS100

Gerade aufgewacht! Irgendwie raubt einem diese Schichtdiensterei jegliche Möglichkeiten zum Sozialleben. Jetzt geh ich dann mal arbeiten, nur noch ein Kaffee.
Und: Hurra! Die Sonne scheint, der März ist da… Zeit, das beste Auto der Welt dran zu erinnern, dass es ein Cabrio ist. Geilo. Hoffentlich friere ich mich nicht zu Tode auf dem Weg. Oder werde von einem tiefgefrorenen Singvogel erschlagen. Oder oder oder… aber Memmen gilt nicht! Heut wird das Dach aufgemacht!

Intensiv(e/-) Impressionen

25. Februar 2010 geschrieben von ASS100

Der Polytrauma-Pieper reißt uns mit seinem hysterischen Gefiepe aus unserer täglichen eigentlich-ist-doch-grad-alles-ganz-entspannt-Routine. Wir sind natürlich voll belegt, wie immer. Hastig verlegen wir einen unserer “Joker”… der wird sich auch auf der Normalstation ganz gut machen. Dann lange nichts. Vorsichtiger Anruf in der Rettungsstelle: Ein Mädchen, noch nicht ganz volljährig, als Beifahrerin in einen Autounfall verwickelt, schon im OP, wir sollen einen Beatmungsplatz bereithalten. Puh. (Wieso bloß passiert sowas immer dann wenn ich allein bin? Wo ist mein Oberarzt? Wo ist meine Mama?) Ok, los also. Ich spule schnell das Routine-Programm ab, um mich dann um das Mädel kümmern zu können.

Da kommen sie, kurz vor Ende meines Dienstes. Ein Puppengesicht, lange Wimpern, unversehrt. Stiff-Neck bei Wirbelkörperfraktur, wahrscheinlich stabil, aber wir brauchen noch ein Kontroll-CT. Morgen. Leberkontusionen, aber keine freie Flüssigkeit. Rippenserienfraktur, Lungenkontusion, Pneu. Den Arm hat sie sich gebrochen. Und beide Beine, da sind Fixateurs dran. Sie hat ziemlich viel Blut verloren. Und kalt ist sie. Und intubiert. Wir beschließen sie bis zum nächsten Morgen intubiert zu lassen. Oder reißt sich jemand drum, für den Querschnitt eines fast-noch-Kindes verantwortlich zu sein? Was, wenn Sie re-intubiert werden müsste und ich das mit dem Stiffneck nicht hinkriege? Neinnein. Außerdem sind 33 Grad vielleicht auch was frisch. Also Warm-Touch. Ich schleiche mit Ery-Konzentraten um die Kleine herum, aber da sie sich ganz gut macht und trotz ihres knapp siebener-Hbs normfrequent ist, sich mit den Drücken hält und eine relativ gute zentrale Sauerstoff-Sättigung hat, entschließe ich mich gegen eine Transfusion. Statt dessen setze ich mich eine Weile an ihr Bett und rede Nonsens mit ihr. Wahrscheinlich soll mein monotones Gemurmel vor allem mich selber beruhigen. Naja. Der Nachtdienst kommt, Übergabe, bis morgen früh (am Wochenende haben wir 2×12 h statt 3×8).

Sonntagmorgen fahren wir dann durchs CT. Und sehen “nur” einen Processus-Spinosus-Abbruch, keine instabile Wirbelkörperfraktur. Puh. Also, Rücksprache mit den Unfallchirurgen, Oberarzt dazupfeifen, wir extubieren sie gleich. Sedierung raus, die Puppenaugen gehen auf… “kannst Du mal meine Hand drücken?” Ja… dann mal los.

Sie lässt sich ohne Probleme extubieren, guckt uns mit klarem Blick an, möchte einen Schluck Wasser, fragt, wo sie sei und warum. Erinnert Momente vor dem Unfall. Ich sitze bei ihr, die Eltern sind unterwegs, ich erkläre ihr was passiert ist, was wir gemacht haben, dass sie wieder gesund wird. Sie schaut mich an und sagt: “Woher kenne ich eigentlich ihre Stimme?” Äh.

Listenzeit…

18. Februar 2010 geschrieben von ASS100

… Möglichkeiten, mit denen meine zarte aufstrebende Karriere ein jähes Ende finden könnte:

1. Morgens beim im – Auto – Kaffee – aus – dem – Thermobecher – trinken beim letzten Schluck den Becher so zwischen Autodach und Unterkiefer zu verkanten, dass ich handlungsunfähig werde… schlecht auf der Autobahn.

2. Morgens beim Autofahren wird es warm – Folge: Schal abwickeln… dabei Schal in strategisch ungünstigem Moment um Kopf verwuseln – dran zerren – nix mehr sehen… auch schlecht auf der Autobahn.

3. Kollaps falls ich im Rahmen einer Reanimation mehr als 3 Stockwerke hochrennen muss und der Patient den Sauerstoff für sich beansprucht.

4. Leber-/Milzbiopsie statt Pleuracath

5. Catfight mit Todesfolge mit meiner “Lieblings-”kollegin

6. Genickbruch (Dens-Axis-Frakturen werden nach Anderson eingeteilt, hab ich neulich gelernt) nach Sturz auf Glatteis auf dem Schleichweg vom Parkplatz zur KH-Hintertür

7. Kantinenessen.

Wir verewigen uns…

13. Februar 2010 geschrieben von ASS100

… in den Lehrbüchern der Zukunft.

Ehrlich jetzt, jeder hätte doch gerne, dass eine Krankheit, eine OP, ein Verfahren, ein Instrument, ein Katheter… ein was auch immer nach ihm benannt wird, damit die Medizinstudenten der nächsten hundert Jahre fluchen und sich einen sinnfreien Eigennamen mehr ins Hirn wemsen müssen… oder?

Was hat sich denn der Herr Osler dabei gedacht? Oder Mr. Shaldon… oder… oder oder.

Für mich schlage ich folgendes vor:

Die ASS-Haustier-Skala (ASSHS) des neurologischen Outcomes von Intensivpatienten.

folgendermaßen:

ASSHS 1 – Zimmerpflanze

ASSHS 2 – Goldfisch

ASSHS 3 -  Hamster

ASSHS 4 – Kaninchen

ASSHS 5 – Haushund.

ASSHS 1 ist, wie die Erklärung suggeriert, per definitionem ein Lebewesen, kann aber nix alleine und macht eigentlich nur Stoffwechsel.

Das andere Extrem, ASSHS 5, ist zwar auf jemanden zum Überleben angewiesen, kann aber auf Basis-Niveau kommunizieren und Emotionen rauslassen und zeigen und hat auch Gefühle.

Alles was über ASSHS 5 geht ist restitutio ad integrum.

Meine Mitbewohnerin sagt, ich werde menschenverachtend. Ich glaube ich tue das, um zu überleben. Trotzdem ist mir heute wieder aufgefallen, dass meine Herzfrequenz auch beim morgendlichen Betreten der Intensiv im zweistelligen Bereich geblieben ist. Das ist ein Fortschritt. Und es hat Spaß gemacht! (und, auch wenn ich das so jetzt hier schreibe, ich behandele ASSHS 1 – Patienten trotzdem höflich, rede mit denen, sage Bescheid, wenn ich an denen rummanipuliere und tue so, als KÖNNTEN sie mich vielleicht doch verstehen. Denn, auch das soll es geben, der ein oder andere wacht wohl wieder auf!)

Old Surehand

8. Februar 2010 geschrieben von ASS100

Heute hatte ich nen guten Tag!

Shaldon saß, Lumbalpunktion saß, sogar Tubus saß auf Anhieb. Bam, Baby. Leider hatte der entsprechende Patient keinen so guten Tag, wie man vielleicht an den applizierten Accessoires unschwer erkennen kann. Unklare Bewusstseinstrübung aus der Rettungsstelle gleich auf Intensiv… jetzt intubiert (BAM) und beatmet… im CCT nix Wegweisendes. Schon gruselig, wenn man drüber nachdenkt. Der Arme. Mal gucken was der Liquor (BAM) sagt, für morgen ist ausserdem ein MRT geplant. Hoffentlich läuft das erst nachmittags, denn sonst beutel ich mir im Frühdienst wieder einen Wolf. Man kann ja die Beatmungsmaschine nicht mit ins MRT nehmen, also nimmt man einen Assistenzarzt mit, der dann Beatmungsmaschine spielt. Dabei hört sich die Umgebung an wie eine Loveparade-Billigversion. Super Sache. Ich schwöre, beim letzten Mal hatte ich Ohr und eine Blase am Mittelfinger. Außerdem finde ich es immernoch relativ gruselig, beatmete Patienten mit 100 Perfusoren irgendwohin zu begleiten. Wenn irgendwas rausreißt oder kaputtgeht, erwarten alle, dass man als der begleitende Arzt die Situation im Griff hat. Ich bin im Normalfall froh, wenn ich meinen Blutdruck im Griff hab… oh Mann. Zum Glück ist bisher auf meinen Transporten nichts wildes passiert… aber ich sags euch. GRUSELIG.

Apropros gruselig, ich muss Karneval durcharbeiten. Sehr unschön. Fändet ihr es geschmacklos, wenn ich mich am Rosenmontag verkleiden würde? Als Vampir? Oder als Endgegner? Auf eine absurde Art und Weise wäre es SEHR lustig und scrubsyform, aber ich denke ich kann das den Patienten (und v.a. den Angehörigen) wahrscheinlich nicht wirklich zumuten. Vielleicht mal ich mir ein Herz auf die Wange oder so. Alaaf.

Endgegnerlevel

4. Februar 2010 geschrieben von ASS100

Liebe Manchmal-oder-auch-oft-Mitleser…

soll ich jetzt die ein oder andere Ausrede aus dem Ärmel schütteln, warum ich so lange nicht geschrieben habe? Äh, wie in diesen Freundschafts-Briefbüchern in der fünften Klasse, wo man auch nach 3-4 Seiten obligatorisch im “Hallo Hasimaus, tut mir leid dass ich dir so lang nicht geschrieben hab”-Modus landete.

Näh, war vielleicht einfach alles watt viel. Und ich wollte nicht länger über das Krankenhaus nachdenken als unbedingt notwendig. Also nur in der Zeit in der ich da war. Dann die üblichen Kleinigkeiten “mhh… der Neue darf viel mehr operieren als ich… hat der Leitende mich nicht mehr lieb? Blöder Neuer…” usw usf. Nicht schön. Kein Spaß mehr bei der ganzen Sache. Egal. Ich steig jetzt einfach wieder ein, ok?

Ich habe jetzt nämlich einen neuen Wirkungskreis: Die interdisziplinäre Intensivstation… jaha. Hauptsächlich guck ich erstmal mit ganz großen Augen. Ich hab mich wirklich lange nicht SO hilflos gefühlt wie in meinen ersten Tagen.

Rein apparatetechnisch ist so eine Intensiv mit Monitor, Beatmungsmaschine, Infusomaten, PICCO, am besten noch Pulmonaliskatheter… für einen werdenden Chirurgen schon auch einfach eine Herausforderung. Ich muss nach einem Monat echt immer noch überlegen, aus welchem ZVK-Lumen ich denn dann jetzt mal Blut abnehmen darf. Äh. NICHT DER KATECHOLAMINSCHENKEL… gut. So weit bin ich. Mittlerweile kann ich auch die meisten Geräte anfassen, ohne Angst zu haben, diese oder gleich den Patienten sofort kaputtzumachen. Das ist mein Fortschritt diesen Monat.

Die andere große Herausforderung auf der Intensivstation: Den Patienen mit all den Zugängen ausstatten, die er für so ein oben beschriebenes Monitoring braucht. Jaha. Da weiss ich echt auch nicht. An manchen Tagen krieg ich noch nicht mal ne Magensonde rein, an anderen Tagen sitzt ne Schleuse für nen PA-Katheter beim ersten Versuch in der Subclavia. Wenns klappt, hab ich immer das “bin ich da schon drin oder was? Das war ja einfach”-Gefühl. Den nächsten invasiven Zugang gehe ich dann mit innerer Ruhe und Gelassenheit an (ist ja Pipikram), um dann Stunden später verzweifelt nach meinem Oberarzt zu schreien. Ein ewiges auf und ab… Ich finde es aber auch wirklich schwierig, dass die (anfangs wirklich recht steile) Lernkurve auf Kosten der Patienten geht. Wenn ich einer schwitzenden und wimmernden Omi wiederholt im Hals rumstochere, weil die V. Jugularis interna sich irgendwie nicht da befindet wo ich sie vermute, dann fühle ich mich schuldig, vor allem, wenn mein Oberarzt lächelnd danebensteht und dann irgendwann mit einem eleganten Handgriff die Nadel da rein befördert wo sie hinsoll. Ich möchte das auch gerne KÖNNEN! Ich möchte das aber nicht lernen. Aber da geht wohl kein Weg dran vorbei, fürchte ich. Naja.

Und eine weitere große Herausforderung gibt es auf Intensiv: Das Rea-Telefon. *Schluck*. Wenn irgendwo im Haus reanimiert wird, klingelt das, und wir müssen da hin rennen. Es ist zwar nicht rot, aber sonst denke ich in etwa so heiß wie das Telefon zwischen Moskau und Washington… ihr wisst schon. Ich habe einen HÖLLENRESPEKT vor diesem Telefon. Weil ich einen Höllenrespekt vor dem Endgegner habe. Der lauert überall. Es kann sein, dass wir alle um den Patienten in Bett 14 herumspringen, der quasi drucklos aus dem OP gekommen ist, und dann läuft eine Schwester an der Tür vorbei und sagt: “Der Vierer versucht zu sterben, vielleicht solltet ihr mal gucken” und dann müssen wir uns aufteilen und der Endgegner lacht sich ins Fäustchen und vielleicht klingelt dann genau das böse Telefon und wir rennen noch schnell 7 Stockwerke zu einem Patienten, der alleine im Zimmer war und irgendwann tot gefunden wurde und dann reanimieren wir erfolglos eine Stunde und schleichen dann müde zurück. Ah. Und der Endgegner grinst diabolisch und schärft seine Sense.

Aber meistens ist es gar nicht so schlimm. Ich glaube, irgendwann werde ich die Intensivstation vielleicht sogar wirklich mögen. Jetzt geh ich aber erstmal joggen. Körper stählen für aussichtslosen aber heroischen Kampf. Ich werde weiter berichten.

Augenblicke

19. Oktober 2009 geschrieben von ASS100

Heute Morgen – ich war nach Dienst noch gar nicht richtig wach und trank meinen ersten Kaffee mit meinem weltbesten Kollegen noch vor der Frühbesprechung. Der Rettungsstellen-Funker geht. Gnah. Ich rufe zurück. Der Pfleger am Telefon klingt irgendwie komisch. Er sagt eigentlich nur “Komm mal eher bald”, aber das in einem Tonfall, der mich irgendwie nervös macht. Ich lasse also meinen Cappu Cappu sein und wetze Richtung Ambulanz.

Da steht noch der überbringende Notarzt, der mich grinsend mit den Worten begrüßt: “Ich bringe euch einen kerngesunden jungen Mann…” ja klar. Gefühlte 132 Diagnosen, allein zwei Malignome in der Anamnese, zig Medikamente, jetzt Bauchschmerzen. Der Internist guckt auch ganz neugierig und hört zu, zusammen schauen wir uns den Patienten an. Ich will gerade mein Stethoskop auf den -doch tendenziell peritonitischen – Bauch halten, da guckt mich der Patient plötzlich ganz starr an. In dem Moment dreht sich mein Kollege weg und sagt: “Ich hol mal Atropin”. Urplötzlich ist die eher tachykarde Herzaktion auf 30 gesunken. Ich bin gefangen von den Augen dieses kranken Mannes, erwidere seinen Blick, frage “Alles in Ordnung?” und er schüttelt den Kopf, und währenddessen zeigt das EKG eine Nulllinie und dieser Mann schaut mir in die Augen und ich sehe seine Verzweiflung und denke das kann nicht sein sein Herz bleibt gerade stehen. Ich bin überhaupt nicht fähig zu reagieren und blicke nur in die dunkelbraunen erschrockenen Augen dieses alten kranken Mannes. Und denke dass er mich fixiert während sein Herz aufgehört hat zu schlagen und nix mehr in Ordnung ist und sein Gehirn vielleicht noch Sauerstoff für ein paar Sekunden hat. Gefühlte Ewigkeiten starren wir uns stumm an, dann geht alles ganz schnell, mein Kollege ist  plötzlich da, das REA-Team ist plötzlich da, und dann gibt es auch schnell wieder eine Herzaktion und der Patient verlässt die Ambulanz in Richtung Intensivstation.

Ich verlasse die Klinik in Richtung nach Hause und kann nicht aufhören an diesen Blick zu denken.

Undankbare Geschichten

21. September 2009 geschrieben von ASS100

Gestern hatte ich Dienst. Es war eigentlich den Tag über wie immer, “Bereitschaft” ist halt auch irgendwie ein Scherz, wenn man es definitionsgemäß sieht als “Freizeit unterbrochen von gelegentlichem Anfall von Arbeit”. Meine Arbeit bestand in zwei OPs, ein Abszess, den durfte ich selber machen, das war schön, mein Erstdienstkollege (liebevoll genannt Dienststern) hat sich nicht mal mitgewaschen, und auch wenn so eine Geschichte von Schnitt bis Verband 1o Minuten dauert, fühle ich mich doch immer besonders gut wenn ich operiere und die Einzige am Tisch bin. Dann fühle ich mich, als könnte ich schon etwas, auch wenn der Kollege hnter mir steht und das ganze dirigiert. Also sehr schön. Dann noch – weniger schön – eine Dame mit einer Dünndarmischämie, wahrscheinlich embolisch bei bekannter und nicht suffizient therapierter TAA. Der Dünndarm war über lange Strecken schwarz, wir haben ziemlich viel resezieren müssen… das hat dann doch der Oberarzt gemacht, aber ich durfte den Anus Praeter einnähen. Zum ersten Mal hab ich Darm genäht, das ist schon ein ganz anderes Gefühl, die Nadel gleitet ganz anders als durch Haut. War also aufregend für mich, aber eher tragisch insgesamt, die Patientin ist intubiert auf die Intensivstation gegangen und hatte heute morgen ziemlich hochdosiert Arterenol laufen, wer weiß ob sie das übersteht. Sie hat aber auch echt lange gewartet, bis sie zu uns gekommen ist, aber wenn man bedenkt, dass sie auf ihren eigenen zwei Beinen in die Ambulanz gelaufen kam, ist es doch gruselig, dass ihre Chancen, die Intensiv lebend zu verlassen, relativ gering sind.

Von den OPs abgesehen hab ich noch ein bisschen Visite gemacht, gefühlte 300 Erykonzentrate verteilt und ein paar Viggos gelegt, das übliche halt. Dann war ich rechtzeitig zu Star Wars (kam gestern im Fernsehn, ich hab mir nen Keks gefreut) in meinem Zimmerchen, hab nur zwischendurch kurz telefoniert und dann auch relativ früh geschlafen.

Bis halb vier. Da rief die Rettungsstelle an… ein Mann mit einer Varizenblutung. Kurz war ich maximal alarmiert, bis mein schlafbedingt minderperfundiertes Großhirn den Unterschied zwischen Ösophagus- und Beinvarizenblutung klarhatte. Dann bin ich wieder eingeschlafen. Eine halbe Stunde später ein höflicher Anruf aus der Rettungsstelle, man habe mittlerweile auch die Laborergebnisse und ob ich nicht doch mal schauen wolle… *peinlich* … klar, ich war eh schon so gut wie auf dem Weg.

Ich fand einen relativ unbeeinträchtigten Patienten vor mit einem vom Rettungsdienst angelegten Druckverband.  Selbstredend hatte die Blutung darunter längst sistiert, und der Patient konnte gar nicht fassen, dass alles wieder gut war. Er erzählte immer wieder von der riesigen Blutlache zu Hause und dem blutdurchtänkten Handtuch. Ich hab also pro forma ein paar SteriStrips drübergepappt, wieder einen strammen Verband um den Knöchel gewickelt und bin zurück  ins Bett gewankt. Undankbar für alle Beteiligten, denn weder hat der Patient jetzt einen goßen Benefit davon gehabt, in die Klinik gekommen zu sein, noch habe ich in irgendeiner Weise das Gefühl gehabt, etwas Sinnvolles zu tun. Aber da mussten wir wohl beide durch, und ich glaube dem Herrn auch sofort, dass der zu Hause wie ein Großer geblutet hat. Tja.

Meine Nacht war auf jeden Fall zerschossen, und deshalb habe ich auch heute wieder den klassischen Fehler begangen, “nur kurz” mich aufs Sofa zu legen. Schön mit Frauenzeitschrift und Teechen. Ich glaube ich habe diese Zeitschrift noch nicht mal angefasst. Sofort weggepennt, dank Mitbewohnerin in den frühen Abendstunden aufgewacht, jetzt dysthym. Mist.

Jetzt gehe ich noch ein Feierabendbierchen mit meiner privaten Balint-Gruppe in Form von meinen Lern-Kumpels trinken. Wird mich hoffentlich a. aufheitern und b. mir die nötige Bettschwere für diese Nacht verpassen… nach meinem Power-Napping von 7 Stunden weiss ich noch nicht so richtig, wie ich das nachher sonst bewerkstelligen soll mit dem Einschlafen zu sinnvoller Stunde. Argh.

In diesem Sinne: Prost.

Goldene Herbsteszeit

11. September 2009 geschrieben von ASS100

Oh ha… nur ein Blogeintrag liegt zwischen Hochsommer und Herbst – wie die Zeit vergeht, Kinder, unglaublich.

Was in den letzten Wochen passiert ist? Hm. Fangen wir mit dem Wesentlichsten an: Ich bin stolzer Besitzer von Waschi, der patenten Waschmaschine. Ein Traum. Bis vor wenigen Wochen hatte ich einen alten Brummer, den meine Ex-WG zum Einzug geschenkt bekommen (!!) hatte… und ich habe lange in dieser WG gewohnt. Eigentlich war das eher eine Zumutung als eine Waschmaschine, und die Wäsche brauchte immer so 3-4 Tage zum Trocknen… je nach Wetterlage und Luftfeuchtigkeit. Und jetzt, mit Waschi, würde ich am liebsten Tag und Nacht immer neue Klamotten waschen (und die Vorhänge vielleicht auch?) und alles riecht so lecker und frisch… ein Traum. Das macht mich froh.

Privates Highlight zwei: Der Balkon. Mein Vermieter hat seine lang ausgesprochenen – von mir längst nicht mehr ernstgenommenen – Versprechen erfüllt und eine Balkonreihe vor unser Küchenfenster klatschen lassen. Zwar hatte ich die letzten Wochen immer das Gefühl, bei meinen post- Dienst – Nickerchen von Bauarbeitern vom Baugerüst aus beobachtet zu werden und unsere Küche hatte einen Tag lang kein Fenster, sondern ein Loch in der Wand, aber auch das ist jetzt dank modernem Wundmanagement Doppelglas zu einer Balkontür geworden. Hurra. Ich hoffe es kommen noch ein paar warme Grill-Abende.

Aber insgesamt war Chaos in der Bude die letzte Zeit (Waschi hatte auch ein paar Eingewöhnungsschwierigkeiten) und deshalb war ich doch immer froh, wenn ich dem Durcheinander für ein paar nette ruhige Nächte in der geliebten Klinik entkommen konnte. *ROFL*

Nee – im Ernst, ich glaub es wird immer wilder. Wir sind so knapp besetzt, dass eigentlich die Stationen den ganzen Tag über unbesetzt sind, weil ALLE immer in IRGENDWELCHEN Funktionen verschwinden, so dass quasi nach der Morgensvisite der nächste Patientenkontakt auf Station nach Ende der regulären Arbeitszeit stattfindet – und damit dann die Stationsarbeit. Nachdem ich gestern erst gefühlte 3000 und tatsächliche 14,5 Stunden nach Arbeitsbeginn die Klinik verlassen habe, hab ich mir echt überlegt, ob ich von meinem übernächste Woche anzutretenden Urlaub überhaupt zurückkomme… Gnah. Der “Neue” – ich glaub ich hatte noch nicht von ihm erzählt? – hat glaub ich kein gesteigertes Interesse an der Klinik, auf  jeden Fall praktiziert er seit Wochen ein krank – zwei Tage da – krank – einen Tag da – krank – Tänzchen, ich fürchte, der nächste Schritt ist die Kündigung. Naja, wenigstens hat er länger durchgehalten als einen Tag, gell Josephine…

in diesem Sinne… Sonntag ist Dienst, morgen hoffentlich Balkonwetter!

Summertime…

23. August 2009 geschrieben von ASS100

Gefühlt die heißeste Woche des Jahres, alle meine Freunde hängen am Meer/am See/im Freibad rum und ich habe Dienst. Gnah. Wenigstens bin ich kein Internist, denn ich glaube bei dem Wetter wird das halbe Land erstmal synkopal und damit internistisch… die Armen.

Ich werde mal mein perslönliches Sommerloch beenden und mal wieder ein bisschen bloggen- meine Abstinenz tut mir echt leid, nein, ich hatte KEINEN Urlaub *grmbl*, aber der Rest meiner Abteilung schon… meint man. Aber, wie bereits erwähnt, so ohne Familie kann man sich die Hauptferienzeit auch einfach mal abschminken und statt dessen für zwei ackern. Deshalb war ich wieder viel zu lang in der Klinik, dazu kommt, dass ich umgezogen bin und noch kein Internet zu Hause hab, weswegen ich auch abends nicht bloggen konnte und … ach, genug der Ausflüchte, hier bin ich wieder, on call und on air ;)

Manny Marfan ist in der Reha, der wurde nach 10 Tagen oder so glücklich entlassen. Das ist gut, endlich mal das Gefühl, dass man wirklich helfen konnte und nicht nur irgendwelche Befindlichkeitsstörungen therapiert…

Ansonsten ist es heute so ruhig bisher, dass es irgendwie schon gruselig ist. Wir haben schnell einen Appendix geschraubt heute morgen bei Dienstbeginn, dann hab ich Visite gemacht, watt Blut abgenommen, die Rettungsstelle ist leer (oder mein Telefon kaputt, wer weiß, auf jeden Fall meldet sich keiner) und ich habe zum ersten Mal seit ich arbeite im Dienst die Muße zum Bloggen. Traum. Hoffe das bleibt so die nächsten 22 Stunden!

Die Appendektomie heute morgen war schön. Ich mag das, wenn es so läuft. Wir sind quasi von der Übergabe in den OP gefallen, das war ein junger Mann mit ganz klassischer Klinik – hat der vorherige Dienst erzählt, quasi Lehrbuch-Appendixzeichen, Schmerzen erst epigastrisch, dann im rechten Unterbauch,  McBurney, Lanz, kontralateraler Loslassschmerz, rektal-axilläre Temperaturdifferenz, 17 Leukos, 2er-CRP… 24 Minuten OP-Zeit von Schnitt bis Hautnaht – daran merkt man, dass mein Erstdienst operiert hat und ich “nur” Kamerakind war, aber das war nicht so schlimm, denn wenn es flutscht dann macht auch assistieren Spaß.

Von mir aus kanns so weitergehen, aber irgendwie traue ich dem Braten nicht. Zu ruhige Dienste haben meistens irgendeine böse Überraschung in der Hinterhand… aber ich will nix beschreien, drückt mir einfach die Daumen, dass es so bleibt. Ich werd mir erstmal nen Kaffee holen und mir die Zeit bis zum Mittagessen vertreiben ;) … vielleicht geh ich aufs Dach, da hab ich dann auch fast das Meer/See/Freibad-Feeling, auch wenn ich dann bestimmt einen inversen-Kasak-Sonnenbrand bekomme… mal schauen!