Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der erste Fall
FataMorgana
10.11.2003, 19:47
Ich würde gleich ein Differential-Blutbild anfordern, sonst muss man es sehr wahrscheinlich ohnehin nachbestellen.
Ein bisschen klinische Chemie wäre auch nicht schlecht, z. B. LDH, Elektrolyte, Leberwerte.
gibt es in der familie fälle von leukämie?
Die Niere
10.11.2003, 19:55
Ach ja, Sebastian wollte ja noch ein paar Blutwerte:
Zur Vereinfachung (für mich und euch) lege ich bei den Werten die Normalwerte von Erwachsenen an...
kl. BB
Hb: 14,7 g/dl
Ery: 4,8 Mio/cmm
Thrombo: 19.000/cmm
Leuko: 7.500/cmm
davon:
Stab 2 %
Segment 50%
Eosino 2 %
Baso < 1%
Lympho 40% (keine Vorstufen zu finden)
Mono 5%
Quick/INR: normal
PTT: normal
TPZ: normal
Die Niere
10.11.2003, 20:00
Original geschrieben von FataMorgana
Ich würde gleich ein Differential-Blutbild anfordern, sonst muss man es sehr wahrscheinlich ohnehin nachbestellen.
Ein bisschen klinische Chemie wäre auch nicht schlecht, z. B. LDH, Elektrolyte, Leberwerte.
Diff steht schon, hab ich gleich mitbestellt :-)
Leberwerte(GOT/GPT/gammeGT [ich kann mich an die neuen Begriffe noch nicht gewöhnen]): normal
LDH: normal
Lyte: Kalium hochnormal, sonst keine Auffälligkeiten
Die Niere
10.11.2003, 20:00
Original geschrieben von Bully
gibt es in der familie fälle von leukämie?
Der Mutter sind keine bekannt.
EinKleinerEngel
10.11.2003, 20:00
Hast nen Blutausstrich zur Verfügung?
CRP?
Thrombo: 19.000/cmm
Bissl wenig?
FataMorgana
10.11.2003, 20:04
Dann bitte mal die Thrombozyten-Antikörper bestimmen.
Verdachtsdiagnose akute ITP.
DD akute Leukämie. Erscheint mir aber persönlich ziemlich unwahrscheinlich.
Die Niere
10.11.2003, 20:04
Original geschrieben von EinKleinerEngel
Hast nen Blutausstrich zur Verfügung?
CRP?
Blutausstrich hab ich mal schnell fertiggemacht...dafür sieht das Labor jetzt ziemlich verwüstet aus - keine Auffälligkeiten (keine Lymphozytenvorstufen)
CRP: 5 mg/l
BSG: 8/17
Die Niere
10.11.2003, 20:05
Original geschrieben von milz
Bissl wenig?
Soll das ein Vorwurf sein :-D - wer eleminiert denn immer die Blutzellen, die Niere oder die Milz :-)) :-)) :-))
FataMorgana
10.11.2003, 20:05
Gibt's auch Thrombozyten-Volumina, -Verteilungskurven oder sowas?
Sebastian1
10.11.2003, 20:10
Das mit der Immunthrombozytopenie hört sich logisch an. Mal weiterdenken, aber da muss ich mal mein begrenztes Wissen durch nachfragen verbessern: Was ist mit den herpetiformen Bläschen? Sind Herpesinfektionen potentiell Auslöser der ITP? Welche anderen Erreger kämen hierfür sonst noch in Betracht?
BTW: Falls die Mama noch beim Haus-Kinderarzt sitzt - ich find 19.000 Thrombos ARG wenig und würd die Kleine wohl in einer Kinderklinik besser aufgehoben finden.
Gruß,
Sebastian
FataMorgana
10.11.2003, 20:16
Ich plädiere gegen Klinik-Aufnahme. Bei Thrombozyten über 10.000 sind lebensbedrohliche Blutungen extrem selten (zumindest bei Erwachsenen). Meiner Meinung nach genügt Kontrolle am nächsten Tag, um den Trend zu sehen.
Ich denke schon, dass eine HSV-Erstinfektion als Trigger für eine ITP in Frage kommt.
Die Niere
10.11.2003, 20:23
Original geschrieben von FataMorgana
Dann bitte mal die Thrombozyten-Antikörper bestimmen.
Verdachtsdiagnose akute ITP.
DD akute Leukämie. Erscheint mir aber persönlich ziemlich unwahrscheinlich.
Thrombozyten-Antikörper sind positiv und damit ist deine Verdachtsdiagnose bestätigt. Glückwunsch !
Leukämie ist aufgrund der unveränderten anderen BB-Werte eher unwahrscheinlich - da stimme ich Dir zu.
Thrombozyten-Volumina, Verteilungskurven oder sowas kenne ich nicht, was nicht bedeuten soll, dass es das nicht gibt - ist hier aber durch die ThromboAk unnötig, denke ich.
Herpesviren lösen eigentlich keine ITP aus - aber was spricht gegen Herpes und ITP :-)) - eine falsche Fährte wird noch erlaubt sein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der virale Infekt vor ca. 2,5 Wochen der Auslöser gewesen sein. Natürlich würde ich deswegen eine Auslösung durch Herpes nicht für unmöglich erachten, aber wohl eher nicht so häufig.
Was macht man bei solch niedrigen Thombos? Zum Glück ist Julia schon in der Poliklinik und wird natürlich aufgenommen. Auch wenn es nicht 100%ig sinnvoll ist, sollte bei 19.000 TK's gegeben werden, auch wenn diese recht schnell durch die Ak getilgt werden , aber einen kurzfristigen Effekt kann man erwarten. Dann sollte man mit Immungloblinen (ggf. mit Steroiden) die Sache angehen und die Erhöhung der Plättchen abwarten.
Ansonsten natürlich Sportverbot!
Bekommt FataMorgana jetzt eigentlich einen Preis? :-D
gruesse, die niere, der das hier Spass gemacht hat, auch wenn das ausdenken komplizierter war, als es vielleicht aussah...
Die Niere
10.11.2003, 20:26
Original geschrieben von FataMorgana
Ich plädiere gegen Klinik-Aufnahme. Bei Thrombozyten über 10.000 sind lebensbedrohliche Blutungen extrem selten (zumindest bei Erwachsenen). Meiner Meinung nach genügt Kontrolle am nächsten Tag, um den Trend zu sehen.
Ich hatte glaubich mal gelernt, daß gefährliche Blutungen unter 30.000 auftreten können und TK-Gabe in diesem Bereich wohl indiziert wäre.
Leider kann ich grad in meinen Büchern keine Grenzen für TK's finden...jemand anders vielleicht?
[EDIT]Laut Pschyrembel kommt es unter 30k zu Blutungen...eine Austauschgrenze wird nicht genannt.
Die Niere
10.11.2003, 20:30
@Sebastian1: Ist Quick/INR nicht das gleiche wie TPZ? Wollte das nur nicht mitten im Rätsel aufbringen...
gruesse, die niere
was ist denn ITP ???
fragt ein unwissendes zweitsemester...
Sebastian1
10.11.2003, 21:20
Original geschrieben von Die Niere
@Sebastian1: Ist Quick/INR nicht das gleiche wie TPZ? Wollte das nur nicht mitten im Rätsel aufbringen...
gruesse, die niere
Ja. Ich bekomm da jedemal einen Dreher rein..allerdings schon im Kopf. Gemeint war die PTZ, nicht die TPZ (wegen Dysfibrinogenämien, hatten ja die Thrombozahlen noch nicht). Danke für den Hinweis :-)
@Micca:
ITP ist die Immunthrombozytopenie, sprich eine Verminderung der Thrombozytenzahl durch Angriffe des eigenen Immunsystems. Ausgelöst wird diese Auto-Antikörperproduktion durch virale Infekte. Die Antikörper sind dabei gegen virale Epitope gerichtet, es kommt aber zu Kreuzreaktionen mit der Thrombocytenmembran.
@all:
Wie kommt es eigentlich, dass spontane Rückbildungen beschrieben werden (grade mal nachgelesen über ITP, aber nix dazu gefunden)? Der virale Stimuklus entfällt ja, aber die Thrombos bleiben ja da....
Und dann wäre noch zu klären, ob die Klinikeinweisung oder die ambulante Weiterführuing der Therapie lege artis gewesen wäre.
@Niere: Laut Dörner, Klinische Chemie, treten Blutungssysteme bei Thrombozahlen < 30.000 auf, bei <10.000 lebensgefährliche.
Bei 18,000 würde ich persönlich auf jeden fall TKs geben wollen...
Gruß,
Sebastian
FataMorgana
10.11.2003, 21:25
Original geschrieben von Die Niere
Ich hatte glaubich mal gelernt, daß gefährliche Blutungen unter 30.000 auftreten können und TK-Gabe in diesem Bereich wohl indiziert wäre.
Einspruch, Euer Ehren!
Über 20.000 wird wohl keiner transfundieren (außer wenn es gute Gründe gibt, anzunehmen, dass die Thrombos funktionsgestört sind, oder der Patient bereits bedrohlich blutet).
Unter 10.000 oder 5.000 bekommt man natürlich Schiss. Trotzdem ist eine TK-Gabe nicht obligat, wenn der Patient nicht blutet.
Mal kurz ein Zitat dazu: "Im Prinzip Thombozytentransfusion nur therapeutisch, d. h. bei lebensbedrohlichen Blutungen! Keine prophylaktischen Transfusionen, da die transfundierten Thrombozyten unmittelbar verbraucht werden." (aus Gyr/Schoenberger/Haefeli: Internistische Notfälle, 7. Auflage Thieme 2003)
Es sollen ja keine Laborwerte kosmetisch behandelt werden, sondern Patienten, oder? Und es geht bei den lebensbedrohlichen Blutungen doch auch nicht um blaue Flecke (die können natürlich schon bei 10-30.000 auftreten, wie man ja an diesem Fall auch sieht).
Die stationäre Aufnahme lässt sich ja meinetwegen noch rechtfertigen, aber bei den Thrombozyten finde ich es ehrlich gesagt ein bisschen schade ums Geld.
FataMorgana
10.11.2003, 21:33
P.S.: Vielen Dank für den Fall, Niere. War richtig spannend. Auch das mit dem "battered child" hätte ja noch sein können, bevor das Blutbild kam.
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