Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der erste Fall
FataMorgana
10.11.2003, 21:39
P.P.S.: Hier gibt es eine ganz schöne Website zum Thema ITP (über Google gefunden):
http://www.uniklinikum-giessen.de/med4/ITPeinleit.html
Original geschrieben von FataMorgana
P.S.: Vielen Dank für den Fall, Niere. War richtig spannend. Auch das mit dem "battered child" hätte ja noch sein können, bevor das Blutbild kam.
Ja, dito, komme grad erst nach Hause und lese deswegen erst jetzt das Fallbeispiel, aber mitmachen ging ja auch seitenweise noch. Was mir nur aufgefallen ist, und so quasi als Denkanstoß, ist das Kind taubstumm, oder warum wurde nur die Mutter befragt? Meiner Erfahrung nach können Kinder auch schon in dem Alter, natürlich nach einer kleinen Anfangszeit, in der die Scheu vor dem Mann/der Frau in weiß überwunden werden muß, ziemlich genau erzählen, was Ihnen fehlt. Und Stichwort battered child, ist zwar nicht allzu einfach, aber das kann ein Kind durchaus erzählen, obwohl die Lokalisationen nicht unbedingt dafür sprechen, wie ich mich meine zu erinnern.
Aber bitte bitte, sprecht auch mit den Kindern, sonst mögen die später auch als Erwachsene keine Ärzte, und nichts ist unschöner, als ein Patient, der nicht mit einem redet... Labormediziner wollen wir doch schließlich nicht werden, oder???
:-meinung
Die Niere
11.11.2003, 16:08
Hab noch was zur Transfusion und Therapie gefunden - kann man unter http://www.hematology.org/practice/idiopathic.cfm nachlesen. Ist von der American Society of Hematology und damit wohl zuverlässig:
Children with platelet counts >30,000 should not be hospitalized and do not routinely require treatment if they are asymptomatic or have only minor purpura; they should not be given glucocorticoids, IVIg, or anti-Rh(D) as routine initial treatment. Children with platelet counts <20,000 and significant mucous membrane bleeding and those with counts <10,000 and minor purpura should be treated with specific regimens of IVIg or glucocorticoids (see text). Patients with severe, life-threatening bleeding should be hospitalized and receive conventional critical care measures, along with treatment for ITP: appropriate regimens include high-dose parenteral glucocorticoid therapy, IVIg, and platelet transfusions.
Also auf deutsch und kurz:
>30k : keine Therapie
<20k + stärke (Schleim)hautblutungen: Therapie mit Immunglobulinen und Steroiden
<10k auch ohne (Schleim)hautblutungen: Therapie mit Immunglobulinen und Steroiden
bei schweren Blutungen: zusätzlich TK's
gruesse, die niere
Die Niere
11.11.2003, 16:15
Original geschrieben von Inigo
Was mir nur aufgefallen ist, und so quasi als Denkanstoß, ist das Kind taubstumm, oder warum wurde nur die Mutter befragt?
Damit der Fall nicht ganz so leicht wird. Hätte ich das Kind erzählen lassen, wäre die battered child Geschichte imho zu schnell vom Tisch gewesen und das wollte ich natürlich nicht
Aber bitte bitte, sprecht auch mit den Kindern, sonst mögen die später auch als Erwachsene keine Ärzte, und nichts ist unschöner, als ein Patient, der nicht mit einem redet... Labormediziner wollen wir doch schließlich nicht werden, oder???
Das stellst Du vielleicht ein wenig zu *mit_dem_erhobenen_zeigefinger* dar - ich denke keiner von uns würde so ein Gespräch mit der Mutter über den Kopf des Kindes führen.
Ich persönlich halte es immer so, daß ich auch schon ab diesem Alter versuche fast immer nur das Kind anzusprechen und die Eltern helfen dann meist. Das führt dann oft (leider nicht immer und dann gehts nicht anders, auch besonders häufig natürlich bei Ausländern, die deutsch nur unzureichend können) dazu, dass die Kinder mehr vertrauen gewinnen - dass dann leider manchmal auf der Untersuchungsliege wieder verschwindet, aber zum Glück ist man ja noch PJ'ler und kann sich manchmal auch ein wenig mehr Zeit lassen als die Ärzte, um das vertrauen wieder zu gewinnen.
gruesse, die niere
Original geschrieben von Die Niere
Das stellst Du vielleicht ein wenig zu *mit_dem_erhobenen_zeigefinger* dar - ich denke keiner von uns würde so ein Gespräch mit der Mutter über den Kopf des Kindes führen.
Wenn ja, war das nicht so hart gemeint, aber leider habe ich mittlerweile schon genügend, auch fertige, Mediziner gesehen, und mit Ihnen zusammengearbeitet, um sagen zu können, daß das leider öfter vorkommt, als man denken mag. Aber wie gesagt, war nicht böse gemeint, nur waren die Anamnesefragen grundsätzlich an die Mutter gerichtet, keine(r) hat sich an das Kind gewandt.
Nachzulesen auf den ersten Seiten dieses Threads...
Aber verallgemeinern und mit hohem Zeigefinger dastehen wollte ich nicht, nur einen kleinen Denkanstoß geben, für diejenigen, die Ihr Studium doch eher theoretisch durchziehen, die Praxis bekommen wir ja leider erst sehr spät beigebracht...
Original geschrieben von FataMorgana
Über 20.000 wird wohl keiner transfundieren (außer wenn es gute Gründe gibt, anzunehmen, dass die Thrombos funktionsgestört sind, oder der Patient bereits bedrohlich blutet).
Unter 10.000 oder 5.000 bekommt man natürlich Schiss. Trotzdem ist eine TK-Gabe nicht obligat, wenn der Patient nicht blutet.
Stimmt. Hier gibt es sogar ITP-Patienten mit einer Thrombozählung von sage und schreibe 0 (!), die keinerlei Zeichen einer hämorrhagischen Diathese zeigen!
Zur Therapie: Neben der üblichen Prednisolongabe (5-10mg/Tag) wird hier im Rahmen einer Studie gerade die Therapie mit Anti-D erprobt. Die Erythrozyten werden opsoniert und blockieren damit quasi die thrombozytenphagozytierenden Makrophagen der Milz.
Diese Therapie ist damit natürlich auf rhesuspositive Patienten mit noch vorhandener Milz beschränkt und hat die unangenehme Nebenwirkung einer Hämolyse, die zum Teil zu starkem Abfall des Hb führen kann.
Als ultima ratio wurden einige Patienten vor etlichen Jahren splenektomiert.
aseipold
13.11.2003, 09:33
mich würde mal interessieren, was die ITP mit den Hämatomen zu tun haben soll? Hämatome und petechiale (punktförmige) Blutungen sehen grundsätzlich anders aus und haben auch völlig andere Ursachen.
Hämatome: Störungen der plasmatischen Gerinnung
Petechien: Thrombozytopenie
Anmerkung zur Therapie:
Die ITP wird initial hochdosiert mit Predni behandelt und dann langsam bis auf eine Erhaltungsdosis reduziert, wenn nicht sogar völlig ausgeschlichen werden kann (bei vollständiger Remission - die bei Kindern garnicht so selten ist...)
Pünktchen
13.11.2003, 12:42
Original geschrieben von aseipold
mich würde mal interessieren, was die ITP mit den Hämatomen zu tun haben soll? Hämatome und petechiale (punktförmige) Blutungen sehen grundsätzlich anders aus und haben auch völlig andere Ursachen.
Hämatome: Störungen der plasmatischen Gerinnung
Petechien: Thrombozytopenie
"Typisches ist Typisch." :-))
laut MLP Duale Reihe
treten Petechien und Hämatome auf....und warum auch nicht???
Bist du wirklich der Meinung, daß bei solch niedrigen Thrombozytenzahlen keine Hämatome auftreten können???
Die Niere
13.11.2003, 20:18
Original geschrieben von aseipold
Hämatome: Störungen der plasmatischen Gerinnung
Petechien: Thrombozytopenie
Du hast mit Deiner Anmerkung ja nicht unrecht, aber es ist leider wie es ist - bei der ITP kommt wirklich beides vor und trotz funktionsfähiger plasmatischer Gerinnung kommt gehäuft zu Haematomen.
blutig, die niere
FataMorgana
14.11.2003, 18:20
Original geschrieben von aseipold
Hämatome: Störungen der plasmatischen Gerinnung
Petechien: Thrombozytopenie
Entschuldigung, aber diese Weisheit finde ich ein bisschen billig. Dass bei Störungen der plasmatischen Gerinnung keine Petechien auftreten, würde ich noch unterschreiben. Aber wer schon mal Patienten mit ausgeprägter Thrombozytopenie gesehen hat, weiß, dass dort Hämatome nicht selten sind.
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