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Kackbratze
12.12.2018, 20:18
Die vertraglichen Bedingungen sind von Haus zu Haus, teilweise von Abteilung zu Abteilung unterschiedlich. Deswegen individuell nachfragen. Hospitationen helfen da weiter.

minifussel
26.12.2018, 10:36
Mich würde rein persönlich interessieren (da ich ja noch nicht weit im Studium bin), was passiert, wenn ich keine Überstunden machen möchte. Das soll hier keine Provokation sein, nur habe ich mich mit einem Arzt unterhalten, der im Ausland arbeitet und da gibt es einfach überwiegen pünktlich Feierabend.
Was würde passieren, wenn ich um 15 Uhr gehen würde?

Allen noch einen schönen restlichen Weihnachtstag.

Kandra
26.12.2018, 10:46
Das wäre bei uns für den Spätdienst ziemlich bescheiden, da wir im Spätdienst für Notaufnahme und Stationen zuständig sind und man da wirklich keine Zeit für liegengebliebenen Stationskram hat. Solange das also nicht alle konsequent so machen würden, hättest du auf jeden Fall keinen guten Stand bei den Kollegen und OÄ und würdest vermutlich auch die Probezeit so nicht überstehen. Auch wenn ich dir grundsätzlich zustimme, dass man das eigentlich so handhaben sollte. Eigentlich hätte ich aber auch letzte Woche täglich eine Überlastungsanzeige schreiben sollen, uneigentlich ging es schon irgendwie und ich hatte zum Glück keine wirklich kranken Kinder auf den Stationen.

Es gibt auch Kliniken wo es einen Hausdienst und einen Notaufnahmedienst gibt, da lässt sich das vielleicht eher organisieren.

minifussel
26.12.2018, 17:16
Das wäre bei uns für den Spätdienst ziemlich bescheiden, da wir im Spätdienst für Notaufnahme und Stationen zuständig sind und man da wirklich keine Zeit für liegengebliebenen Stationskram hat. Solange das also nicht alle konsequent so machen würden, hättest du auf jeden Fall keinen guten Stand bei den Kollegen und OÄ und würdest vermutlich auch die Probezeit so nicht überstehen. Auch wenn ich dir grundsätzlich zustimme, dass man das eigentlich so handhaben sollte. Eigentlich hätte ich aber auch letzte Woche täglich eine Überlastungsanzeige schreiben sollen, uneigentlich ging es schon irgendwie und ich hatte zum Glück keine wirklich kranken Kinder auf den Stationen.

Es gibt auch Kliniken wo es einen Hausdienst und einen Notaufnahmedienst gibt, da lässt sich das vielleicht eher organisieren.

Das mit den Überlastungsanzeigen kenne ich noch als Krankenschwester, da war es ja nicht anders. Dass es aber dann so weitergehen soll, macht mich schon ein wenig nachdenklich.

milz
26.12.2018, 17:51
Solange die Überstunden ausgeglichen werden ist doch alles in Butter. Wenn man sie für Gottes Lohn macht dann nicht.

EVT
27.12.2018, 10:28
Es gibt Abteilungen, da funktioniert das. Musst dir eben so eine suchen.

infusomator
26.01.2019, 18:42
Hallo zusammen,

ich habe lange gesucht, aber keine neutrale Quelle gefunden. Könnt ihr mir sagen, ob ich es richtig verstanden habe? Oder etwas übersehe?

Vom Reinertrag eines Praxisinhabers muss dieser noch Einkommenssteuer, alle Versicherungen sowie die Beiträge zu Versorgungseinrichtungen bezahlt werden. Oder fehlt hier noch was?

Ein Cousin von mir arbeitet als freiberuflicher Programmierer in ganz Deutschland an verschiedenen Standorten.
Wenn er von seinem Umsatz seine Kosten für Fahrten, Hotelübernachtungen, Fortbildung, usw. abzieht, kommt er damit meiner Meinung nach auf eine mit dem Reinertrag vergleichbare Größe.

Mein Cousin arbeitet ca. 50 Stunden die Woche und pendelt am Wochenende nochmal 10 Stunden.
Ein niedergelassener Arzt arbeitet sicherlich auch 60 Stunden in der Woche.

Wenn beide jetzt 150 T€ "Reinertrag" p.a. erzielen, bleibt in jedem Fall am Ende noch sehr viel Geld über.

Oder übersehe ich hier etwas?

Ich würde mich auf sachliches Feedback freuen :).

Um nochmal aufs Thema zurückzukommen, auf einer Veranstaltung der Ärztekammer in NRW wurde als durchschnittlicher Umsatz einer Allgemeinmedizin Praxis 360000 Euro und als Reinertrag eines Allgemeinmediziners 185000 angegeben. Weiter müsse man bei einer Praxisübernahme mit Kosten in Höhe von 300000 Euro rechnen. Hierbei handelt es sich um durchschnittliche Werte, Ausreißer nach oben und unten gibt es natürlich.

Ich fand die Zahlen sehr interessant, da diese wirklich aus sicherer Quelle kommen und nicht vom Hören/Sagen. Im Laufe des Studiums habe ich einige Allgmeinmediziner und auch deren Praxen kennen gelernt, und alle hatten ein fünfstelliges monatliches "Gehalt" und waren damit sehr zufrieden. Aber natürlich gab es auch viele Punkte die sie an unserem System stören. Zusammengefasst nagt da aber keiner am Hungertuch. Zu bedenken gab mir aber auch jeder, dass es auch auf eine gute Praxisführung ankäme.

Falls du dir die Fragen im Zusammenhang mit einem möglichen Medizinstudium stellst, dann lass dich von negativen Gehaltsvergleichen nicht abbringen. Ich habe mir die Fragen damals auch gestellt und viele Schreckensszenarien gehört. Insgesamt gehören wir aber immer noch zu den Top-Verdienern und mit dem Studium hast du viele Möglichkeiten dein Geld zu verdienen, viele davon wirst du aktuell noch gar nicht auf dem Schirm haben.

Grüße

Cadherine
28.01.2019, 16:50
@ minifussel
Ich habe jetzt meine Stelle gewechselt da in mein Haus "Vertrauensarbeitzeit"gab, was heisst dass ide Überstunden perhaupt nicht efasst wurden und somit nicht vorhanden waren. Ich hatte mindestens 10 Stunden pro Woche was heisst ca. 40h im Monat was heisst dass ich quasi eine Woche im Monat für umsonst gearbeitet hab. Klar ich hätte manchmal einfach früher gehen können, aber die Arbeit macht ja niemand anderes für dich , hießt wenn du sie liegen lässt, macht sie niemand anderes für dich und es türmt sich nur immer mehr Arbeit auf die du irgendwan nicht mehr bewältigen kannst. Teilweise konnte ich auch nicht gehen wenn der Chefarzt nach 17 Uhr zur Visite kommen wollte (Arbeitszeit geht bis 16:50 Uhr) bzw die Besprechung bis 17 Uhr ging und dnach noch Briefe anstaden von Patienten die am nächsten morgen abgeholt wurden z.B.

Habe mir auch immer geschworen dass ich bie sowas nicht mitmache aber es bleibt einem fast nichts anderes übrig. Man wird ja auch genug unter Druck gesetzt von Patienten und Angehörigen, von den Schwestern und wenn man die Briefe nicht geschafft hat auch von den Hausärtzen. Um sich den ganzen Ärger zu sparen bleibt man dann halt länger auf eigene Kosten.

Mich hat nie direkt jemand gezwungen, a la "Sie müssen jetzt länger bleiben", aber wenn der Chearzt einem 10 Minuten vor offiziellen Dienstschluss sagt er kommt gleich zur Visite und bei dieser Visite noch feststellt dass am nächsten Tag noch 5 Patienten die man bis dato nich auf dem Schirm hatte entlassen werden sollen, bleibt einem nicht viel anderes übrig, vorallem wenn man den halben Tag die Noraufnahme betreut hat und gerade mal geschafft hat noch auf Station die Visite zu machen.

Es ist dann so wie Kandra beschreiben hat wenn ich es nicht fertig mache, bleibt es mögicherweise an dem Kollegen im Diesnt hängen und dass ist sehr unkollegial, wenn man dann bei Patieiten die man nicht betreut im Dienst (z.B am Wochenende) wo man eh keine Zeit hat noch Breife schreiben soll, weil die Stationsärtze das nicht gemacht haben .

Man hat ja auch selber einen Anspruch seine Patienten vernünftig betreuen zu wollen und das alles ist je nach Personaldecke in der Regelarbeitszeit einfach nicht möglich.

Ich glaube also nicht das jemand dich direkt dazu zwingen wird Überstunden zu machen aber es wird je nach Abteilung einfach schweirig sein pünktlich zu gehen.

tarumo
29.01.2019, 09:55
Um nochmal aufs Thema zurückzukommen, auf einer Veranstaltung der Ärztekammer in NRW wurde als durchschnittlicher Umsatz einer Allgemeinmedizin Praxis 360000 Euro und als Reinertrag eines Allgemeinmediziners 185000 angegeben.
Grüße

Abgesehen davon, daß die Ärztekammern Teil des Problems sind und nicht der Lösung...anscheinend versucht man wieder Roßtäuscherei mit dem Begriff "Reinertrag". Und es fallen auch anscheinend auch immer wieder genug darauf rein...
Ich zitiere von
https://www.arzt-wirtschaft.de/honorar-ist-nicht-gleich-einkommen-soviel-bleibt-aerzten-netto/

"So bedeutet „Reinertrag“ lediglich, dass die Summe der Aufwendungen (z.B. für Sach- und Personalkosten) von der Summe der Einnahmen abgezogen wurde. Das ist aber nur ein Bruchtteil der tatsächlichen Kosten, die ein Praxisinhaber zu tragen hat: Er muss davon beispielsweise auch noch die Einkommenssteuer, alle Versicherungen für sich und seine Angehörigen zu 100 Prozent bezahlen (Renten-, Kranken – und Pflegeversicherung) sowie die Beiträge zu Versorgungseinrichtungen. Werden auf der Ausgabenseite sämtliche steuerlich relevanten Kosten in der Praxis und Ausgaben des Arztes für Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung berücksichtig, bleiben dem Arzt netto im Durchschnitt gerade mal 23,5 bis 24,5 Prozent des Gesamthonorarumsatzes übrig."

Legt man die oben von der ÄK genannten Zahlen zugrunde, dann landet man relativ schnell deutlich unter dem Einkommen eines angestellten OA, ohne betriebwirtschaftliches und Regress-Risiko, mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und einer zumindest theoretisch garantierten 40h Woche.

In dem obigen Beispiel wäre man dann bei ca 82.000 EUR, das ist zwar mehr als der Durchschnittsverdienst in diesem Land, wo man mit 50.000 EUR schon als reich klassifiziert wird, aber für einen selbstständigen Unternehmer schon ziemlich mickrig. Fun fact: Dort, wo es in der Schweiz einen Mindestlohn gibt, liegt der schon über 40.000sFr.

Damit ist auch gleich beantwortet, warum auch und gerade in NRW auch zuwenig KollegInnen diese "Spitzeneinkommen" in einer Praxis kassieren wollen und man Absolventen für 10 Jahre zwangsverpflichten muss ("Laumann-Falle").
Da es hier aber um den Studiengang geht: man kann anschließend auch das US-amerikanische Examen nachmachen und sich auf ein Durchschnittseinkommen als Angestellter (!) z.B. in der interventionellen Radiologie oder Kardiologie von 700.000 US$ oder mehr freuen... zumindest solange die Ausreiseverhinderungspläne von Spahn noch nicht umgesetzt sind.

Edit:
wenn die Zitate der ÄK nicht ausdrücklich auf eine Einzelpraxis bezogen wurden, sieht es noch mauer aus, dann müssen mit den genannten Zahlen nämlich 1,5 , 2 oder mehr ÄrztInnen auskommen (im Schnitt ist nämlich mehr als ein Arzt in einer Allgemeinmedizin-Praxis tätig)

Evil
29.01.2019, 14:07
Du vergleichst Äpfel mit Birnen.
Deine Zahlen taugen schon deswegen nichts, weil du bei Abzug sämtlicher Kosten wie Versicherung und Steuer theoretisch bei dem Netto-Einkommen landest, was grundsätzlich niemals vergleichbar ist.
Ein unverheirateter Oberarzt kommt mit seinem Netto-Gehalt nicht auf 100k. Das bisschen solltest du von Betriebswirtschaft verstehen ;-)

tarumo
29.01.2019, 15:04
Ein Bruttojahreseinkommen von >100.000 EUR ist für einen KH-Oberarzt mit Tarifvergütung und Pool ohne weiteres erzielbar. Abzuziehen sind u.a. Lohnsteuer, Krankenversicherung und Ärzteversorgung (die jeweils nur anteilig!). Rücklagen für den Urlaub, für krankheitsbedingte Ausfälle mußte ich als Angestellter nicht bilden. Dann wäre auch noch die Frage, wie das Unternehmertum zu bewerten ist, wenn als netto verfügbarer Geldbetrag das gleiche rauskommt, dann braucht man auch nicht wechseln.

Die Ärztekammer hat als einzige Institution neben dem Finanzamt normalerweise den Steuerbescheid zur Verfügung, es sollte also ohne weiteres möglich sein, hier ein monatliches "Angestelltenäquivalent" nach Abzug der Rücklagen und Sozialabgaben zu berechnen und auch der Öffentlichkeit zu nennen.

Ich fasse nochmal den Vortrag zusammen:

1) fahrlässiges (oder absichtliches) Zusammenwerfen eines (Gemeinschafts-) Praxisumsatzes mit dem Honorar für den einzelnen Arzt
2) Verwendung des irreführenden Begriffes "Reinertrag", den ein BWL-Lehrbuch und auch wikipedia nicht kennt. "Rohertrag" kommt noch sinngemäß nahe, ist aber völlig ungeeignet zur Einkommensberechnung.
3) und man hat seitens der ÄK auf den cent genau das Einkommen aller Ärzte in NRW zur Verfügung, vor und nach Pflichtabgaben, Steuer, usw. nennt das aber nicht. Cui bono?

Ich behaupte mal, daß der Vorschreiber auch nichts falsch verstanden hat, die Trias infernale aus "Praxisumsatz gleich Arztumsatz"/"Reinertrag"/"Verschweigen des netto verfügbaren Arzteinkommens lt. Steuerbescheid" zieht sich wie ein roter Faden durch die Laienpresse und wird von interessierter Seite regelmäßig lanciert. Eigentlich kommt der Begriff "Reinertrag" bei einer Internetsuche auch nur in diesem Zusammenhang vor.

Evil
29.01.2019, 15:53
Wie üblich wiederholst Du Deinen Sermon, ohne wirklich auf Gegenargumente einzugehen, das hast Du gerade mal wieder schön bewiesen.
Aber mit Zahlen und konkreten Fakten hast du es ja nicht so. Wo war noch gleich der KV-Dienstbereich >200km? :-))

Btw, ich halte die Zahlen der Ärztekammer tatsächlich für etwas zu hoch gegriffen für den Durchschnitt der Allgemeinmediziner, wenngleich sie meinen eigenen relativ nahe kommen.

sepitet
26.02.2019, 06:52
Ich würde das Thema gerne nochmal aufgreifen und etwas versachlichen.
Habe folgende Berechnungen angestellt. Haltet ihr das für plausibel?

Praxis NRW
Durchschnittlicher Jahres-Umsatz Praxis NRW: 360.000 €
Als Jahres-Netto (nach Abzug aller Kosten & Steuern) übrig bleiben im worst case 23,5%: 84.600 €

Zum Vergleich (mit Steuerklasse 3 gerechnet über https://www.brutto-netto-rechner.info)

Jahres-Einkommen Oberarzt angestellt (https://www.praktischarzt.de/blog/oberarzt-gehalt/)
Brutto 131.000 €
Netto 80.387 €

Durchschnittseinkommen Vollzeitbeschäftigte (https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/VerdiensteArbeitskosten/VerdiensteVerdienstunterschiede/Tabellen/Bruttomonatsverdienste.html)
Brutto pro Monat 3.771 €
Brutto pro Jahr 45.252 €
Netto pro Jahr 31.592 €

Durchschnittseinkommen Vollzeitbeschäftigte in der Finanzbranche (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1789/umfrage/durchschnittseinkommen-in-deutschland-nach-branchen/)
Brutto pro Monat 5.280 €
Brutto pro Jahr 63.360 €
Netto pro Jahr 41.921 €

Kackbratze
26.02.2019, 08:17
Was haben jetzt Banker und Vollbeschäftigte damit zu tun?
Ich würde noch Piloten, Bordellbesitzer und Müllmänner mit aufnehmen, damit man noch zusätzlich einen Angestellten, einen Selbstständigen und einen aus dem öffentlichen Dienst in der Gruppe hat.

sepitet
26.02.2019, 08:29
Was haben jetzt Banker und Vollbeschäftigte damit zu tun?
Ich würde noch Piloten, Bordellbesitzer und Müllmänner mit aufnehmen, damit man noch zusätzlich einen Angestellten, einen Selbstständigen und einen aus dem öffentlichen Dienst in der Gruppe hat.

Den Durchschnitt der Vollzeitbeschäftigten habe ich als Vergleichsgröße gewählt.
Banker als weitere Vergleichsgröße, weil das im Schnitt die Branche mit den höchsten Einkommen ist.

tarumo
26.02.2019, 12:33
Der grundsätzliche Ansatz ist falsch. Die Zahlen für einen niedergelassenen (selbstständigen) Arzt können (müssen aber nicht) hier und heute stimmen. Bei diesen ganzen thread geht es doch um die Zukunft.
Nehmen wir mal den angestellten OA: der kriegt alle zwei, drei Jahre mehr seine Gehaltssteigerung von 2- 3%. Plus vielleicht Pool. An finanziellen Unwägbarkeiten kann da vielleicht hinzukommen: Auto kaputt, Scheidung, Grundsteuer erhöht, oder Miete. Oder mit Containern verspekuliert. That´s it. Und so geht es 30 Jahre weiter. Bis zur Rente.

Der fiktive Niedergelassene aus dem o.g. Beispiel hat alleine in den letzten 12 Monaten folgendes übergebraten bekommen:
-Vergütungserhöhung der MFA, sofern noch vorhanden, (sei ihnen gegönnt), aber ohne daß die Kassenhonorare steigen
-verpflichtene offene Sprechstunde mit resultierendem Chaos und Verringerung der Einkünfte für diesen Tag
-Erhöhung der Wochenarbeitszeit um 5 Std ohne Erhöhung der Vergütung. Demnächst dann 10h?
-Teilübernahme der Terminvergabe durch extern (TSVG) mit ca 30% "no show", Resultat s.o.
-verpflichtende Installation kosten- und zeitintensiver EDV "TI" mit Abfließen der Patientendaten nach extern, gleichzeitig aber volle Verantwortung ggü. den Patienten, falls die Daten geleakt werden
-und eine ständig zunehmende Zahl an unbezahlten Diensten in irgendwelchen Fahrbezirken oder Portalpraxen, für eine Vertretung ist mittlerweile pro Dienst schon mal ein vierstelliger Betrag fällig.
To be continued...

Umgekehrt fallen laufend Einnahmeposten weg, wie spezielle Verträge, Laborboni, Privatvergütung sinkt etc...
Durch lächerliche Aktionen wie 8,21 EUR für ein Gutachten als Zweitmeinung holt man das auch nicht mehr rein.

Das eigentliche Grundproblem ist jedoch, daß man sich über die KV an den Vergütungsmodus der GKV bindet, sprich als steuerähnliche umlagefinanzierte Kasse. Exakt das, was auch die Rentenversicherung macht, und da die Probleme der GKV und der DRV absolut gleich sind (Reallohnverlust, Demographie etc.) werden die Probleme in ein paar Jahren manifest. Bereits heute werden von 100 EUR Einnahmen GKV weniger als 9 EUR an niedergelassene Ärzte weitergereicht. Tendenz : stets sinkend, genauso wie eben die DRV, von lächerlichen Aktionen wie 5 EUR mehr pro Monat vor Wahlen mal abgesehen.

Sprich: über heutige Kreuzfahrt- und Flaschensammlerrenter (die es beide gibt) zu diskutieren, ist wenig hilfreich, wenn man sich um die Zukunft Gedanken machen muß. Und da ist die GKV eben das DRV-Flaschensammel-Modell, wo in Bälde (so ab 2025) ein Drittel der Einzahler nur noch absolute Minimalbezüge zu erwarten hat, egal was die Politik erzählt "Renden sind sischää".

Man sollte also immer einen Plan haben, sich nicht dauerhaft von den GKV-Zahlungen als Praxisinhaber abhängig zu machen, genausowenig wie von den Zahlungen der DRV als alleinige Altersvorsorge.

sepitet
27.02.2019, 06:48
Das eigentliche Grundproblem ist jedoch, daß man sich über die KV an den Vergütungsmodus der GKV bindet, sprich als steuerähnliche umlagefinanzierte Kasse. Exakt das, was auch die Rentenversicherung macht, und da die Probleme der GKV und der DRV absolut gleich sind (Reallohnverlust, Demographie etc.) werden die Probleme in ein paar Jahren manifest. Bereits heute werden von 100 EUR Einnahmen GKV weniger als 9 EUR an niedergelassene Ärzte weitergereicht. Tendenz : stets sinkend, genauso wie eben die DRV, von lächerlichen Aktionen wie 5 EUR mehr pro Monat vor Wahlen mal abgesehen.

Sprich: über heutige Kreuzfahrt- und Flaschensammlerrenter (die es beide gibt) zu diskutieren, ist wenig hilfreich, wenn man sich um die Zukunft Gedanken machen muß. Und da ist die GKV eben das DRV-Flaschensammel-Modell, wo in Bälde (so ab 2025) ein Drittel der Einzahler nur noch absolute Minimalbezüge zu erwarten hat, egal was die Politik erzählt "Renden sind sischää".

Man sollte also immer einen Plan haben, sich nicht dauerhaft von den GKV-Zahlungen als Praxisinhaber abhängig zu machen, genausowenig wie von den Zahlungen der DRV als alleinige Altersvorsorge.

Das Problem der Umlagefinanzierung (GKV) ist meiner Meinung nach ein wirklich stichhaltiges Argument. Wobei die PKV doch mittlerweile auch massive Probleme haben.

Aber mal grundsätzlich: wenn das System tatsächlich in absehbarer Zeit kollabiert und gekürzt werden muss, trifft das dann nicht nicht auch das gesamte Gesundheitssystem? Dann müsste es doch auch bei den angestellten Ärzten Lohnkürzungen geben. Das kann man ja schlecht alles auf die Praxisinhaber abwälzen.

tarumo
27.02.2019, 08:48
Das Problem der Umlagefinanzierung (GKV) ist meiner Meinung nach ein wirklich stichhaltiges Argument. Wobei die PKV doch mittlerweile auch massive Probleme haben.

Aber mal grundsätzlich: wenn das System tatsächlich in absehbarer Zeit kollabiert und gekürzt werden muss, trifft das dann nicht nicht auch das gesamte Gesundheitssystem? Dann müsste es doch auch bei den angestellten Ärzten Lohnkürzungen geben. Das kann man ja schlecht alles auf die Praxisinhaber abwälzen.

Exakt das ist das Problem. 90% der Patienten und damit der Praxiseinnahmen stecken in der GKV-umlagefinanzierten Abwärtsspirale. Um da rauszukommen, hätte es einen erheblichen Anstieg im Lohngefüge bedurft. Stattdessen ändert sich die Bevölkerungszusammensetzung gerade dahingehend, daß ein riesiger Niedriglohnsektor für Ungelernte bzw. sogar Analphabeten geschaffen wird (sofern diese Menschen überhaupt jemals ein sozialversicherungspflichtiges Einkommen erwirtschaften) und auf der Gegenseite die "kostenfreie Mitversicherung" mit deutlich mehr Kindern als in der autochtonen Bevölkerung, und je nach kulturellem Hintergrund, auch noch mit Mehrfachehen , die Einnahmen/Ausgabenrelation der GKV noch weiter strapaziert wird. Das soll jetzt keine "AfD"-Denke sein, sondern ist die leider fatale Logik im Umlagesystem.

Die PKV hat selbst erhebliche Probleme, die in erster Linie auf politische Sabotage zurückzuführen sind (z.B. das rein willkürliche ständige Anheben der Versicherungspflichtgrenze, und neuerdings der Versuch, Beamte in die GKV zu stecken).

Die GOÄ wird ebenfalls in den nächsten 3,4 Jahren "reformiert" und der "robuste Einfachsatz" festgeschrieben. Gleichzeitig senkt das dem Staat deutlich die Ausgaben für Beamte, weswegen das zu 100% so kommen wird. Andere Abrechungsmöglichkeiten werden verboten. Dann ist der Sack zu.

Das also als kurzer Ausblick für die nächsten 30 Jahre.

Und was die Krankenhäuser und MVZ angeht: selbstverständlich haben diese Probleme auf der Einnahmenseite. ca 30% der Krankenhäuser sind sogar dauerhaft defizitär. Es gehen durchaus auch mal MVZ, Kliniken oder sogar ganze Klinikketten pleite (wie erst unlängst geschehen). Wie man trotzdem die Bezahlung ds Personals sicherstellt, ist dann in erster Linie das Problem der Geschäftsleitung und nicht des Arztes. Schlimmstenfalls gibt es halt Insolvenzgeld bis zum nächsten Job. Diverse Methoden der Lohndrückerei gibt es ja jetzt schon und sind u.a. im Assistenzarztforum nachzulesen.

Ex-PJ
27.02.2019, 18:40
Zu der früheren Bemerkung: "Unternehmerisches Risiko? Habe noch nie von einem Arzt gehört, der pleite gegangen wäre."
--> Ich kenne 2 Ärzte, die das geschafft haben.

tarumo
28.02.2019, 08:17
Man geht von ca 20-30% der Einzelpraxen aus, die unter Bankaufsicht stehen. Da Ärzte nicht öffentlich bilanzieren müssen, und eine Pleite auch nicht zu Massenentlassungen führt, findet das ganze Geschehen unter der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle statt. Noch dazu werden oft die Finanzen "verfälscht", dadurch, daß Erbschaften oder der Verdienst des Partners reingebuttert werden.
Eine kurze Internetrecherche nach "Praxis plötzlich geschlossen" zeigt durchaus einiges.

Letztendlich muß man sich im klaren sein, daß man als niedergelassener (Einzel-) Arzt Sub-Subsubunternehmer ist: Staat > GKV > KV > Arzt.
Also sowas wie ein selbstständiger Paketwagenfahrer, der die Billigbillig-Vergütung des Auftraggebers akzeptieren, mit den Ansprüchen der Kunden und der Arbeitslast selbst zurechtkommen und das Risiko wie Krankheit, Auto kaputt und Spritpreis bzw. Dieselfahrverbote selbst tragen muß.
Die Tätigkeit als "selbstständiger Unternehmer in der Logistikbranche" wird ja durchaus und wiederkehrend in diversen Kleinanzeigen als lukrativ beworben. Manchmal gibt es sogar einen rostigen Sprinter dazu "geschenkt"...und um beim Medizinbeispiel zu bleiben: würde sich jemand für 10 Jahre als selbstständiger Paketfahrer verpflichten, wenn er den Führerschein gezahlt bekommt?