Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was tun mit dem Schwurbel im Gesundheitswesen?
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MissUmbrella
10.05.2021, 21:02
Der Irrsinn geht immer weiter. Jetzt hat eine Apotheke mRNA-Impfstoff-Globuli gebastelt und verkauft :-kotz (https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/corona-apotheke-darf-globuli-nicht-verkaufen-100.html)
Ich musste beim Lesen gerade echt laut loslachen:-p
Choranaptyxis
10.05.2021, 21:05
Das Problem ist doch, dass es am Ende vermutlich sogar in Ordnung war und Leute tatsächlich glauben, sie tun sich damit was gutes.
Die Bayrische Ärztekammer hat sich den meisten anderen Kammern angeschlossen die Zusatzbezeichung Homöopathie zu streichen. :) https://www.br.de/nachrichten/bayern/bayerische-aerztekammer-streicht-homoeopathie,Sm1KWLS
Hier gibt es eine Stellungnahme vom "Zentralverein homöopathischer Ärzte" (ich find den Namen so lustig :D)
https://www.dzvhae.de/neu_2020/wp-content/uploads/2021/09/2021-09-22_Themendienst_Weiterbildung_ZB_final.pdf
Möglicherweise geht es der Homöopathie bald endlich weiter an den Kragen: https://www.faz.net/agenturmeldungen/dpa/lauterbach-erwaegt-aus-von-homoeopathie-als-kassenleistung-18366853.html
Gestartet wurde dieser Thread vor knapp 4 Jahren und vor der Pandemie. Das ist ja schon fast historisch.
Nefazodon
03.02.2023, 10:33
"Eine Anmaßung von Kompetenzen"
Bei Psychotherapien von Heilpraktikern gibt es Qualitätsdefizite und dubiose Behandlungsmethoden, das zeigen Recherchen des SWR. Dabei versprechen deren Berufsverbände, sie stünden für Qualität und entlasteten das Gesundheitssystem.
Ängste, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen: Mehr als ein Viertel der Menschen in Deutschland ist laut Bundespsychotherapeutenkammer psychisch krank.(...)
Wer es sich leisten kann, sucht sich Alternativen - etwa bei Heilpraktikern, die ebenfalls Psychotherapie anbieten dürfen. Heilpraktiker-Berufsverbände versprechen: Sie bieten kurzfristig Termine an, stehen für Qualität und Patientensicherheit und entlasten das Gesundheitssystem. Recherchen des SWR-Investigativ-Formats VOLLBILD zeigen, welche Risiken eine Behandlung bei Heilpraktikern für Psychotherapie bergen kann.(...)
Sie habe sich beim Heilpraktiker zunächst besser aufgehoben gefühlt als bei Ärzten und Therapeuten, sagt eine ehemalige Patientin mit Angststörung,(...)
(...)ihre Symptome seien durch die unzureichende Behandlung immer schlimmer geworden. Eine echte Besserung habe sie erst durch die Behandlung bei einem ärztlichen Psychotherapeuten erfahren, der ihr Medikamente verordnete.
(...)
Mit versteckter Kamera suchte VOLLBILD-Reporter Christoph Kürbel im Selbstversuch eine Heilpraxis auf und gab dort vor, Ängste und Depressionen behandeln lassen zu wollen. Die Praxis wirbt auf ihrer Webseite mit zahlreichen Verfahren, die dagegen wirksam sein sollen. Bevor der Reporter allerdings seine Therapiesitzung antreten durfte, musste er sich zunächst einer esoterischen Energiebehandlung einer Heilerin unterziehen, die ebenfalls in der Praxis arbeitet. Vehement versuchte sie den Reporter zum Kauf einer "energetischen Heildecke" zu überreden.
(...)
Dass Heilpraktiker das Gesundheitssystem entlasten könnten, sei ein Trugschluss, so der Professor für klinische Psychologie. Er äußert massive Zweifel an der fachlichen Befähigung vieler Heilpraktiker: "Merkwürdigerweise fühlen sich häufig Heilpraktiker mit einer ganz geringen Ausbildung berufen, schwierige Störungen zu behandeln wie Traumata oder sexuelle Störungen", kritisiert Revenstorf. Er sieht den Berufsstand insgesamt kritisch und fordert: "Eigentlich müsste man den Heilpraktiker abschaffen."
Um als Heilpraktiker für Psychotherapie zu arbeiten, benötigt man lediglich den so genannten "kleinen Heilpraktikerschein". Eignungsvoraussetzungen dafür sind ein Mindestalter von 25 Jahren und ein polizeiliches Führungszeugnis. Die Prüfung für den Schein nimmt das Gesundheitsamt ab, schriftlich müssen 21 von 28 Multiple-Choice-Fragen richtig beantwortet werden. Im Anschluss folgt eine 30-minütige mündliche Überprüfung.
(...)
Quelle: tagesschau.de
https://www.tagesschau.de/investigativ/swr/vollbild-heilpraktiker-101.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE
Unglaublich.
Ich kann da jedes Mal nur mit dem Kopf schütteln.
Wir Ärzte/Ärztinnen müssen 6 Jahre studieren und 5 Jahre Facharztausbildung machen, mit minutös festgelegten Gegenstandskatalogen und zig Prüfungen und Heilpraktiker beantworten eine MC-Prüfung mit 28 Fragen!!!
Und trotzdem gibt es Patienten, die drauf reinfallen, und das als gleichwertig ansehen!
Was für ein Schwurbel!!!
Es ist einfach unglaublich!
Choranaptyxis
03.02.2023, 10:38
Da kommt dann ja immer, wie schwierig die Prüfung ist, hohe Durchfallzahlen, und es gibt ja mehrjährige "Ausbildungen"....
Nein, es sind keine Ausbildungen, ist ja kein Ausbildungsberuf, eher Testvorbereitungen und Grundlagenvermittlung. Und hohe Durchfallzahlen können auch einfach bedeuten, dass die Teilnehmenden bescheiden vorbereitet sind bzw. wenig wissen.
Zumindest die Fragen für den Heilpraktiker der letzten Jahre kann man online sehen, ist jetzt nicht gerade das Rad neu erfunden.
Diese ganze Heilpraktiken-Scheiße ist echt so schlimm. Herr Spahn wollte dieses Problem angehen und hat es, wie alles andere, was er so großartig angekündigt hatte, nicht umgesetzt. Will gar nicht wissen, wie viel Kohle für das HP Gutachten verschleudert wurde, ohne, dass daraus noch irgendwas wird. Kam auch leider mit Covid zusammen und gleichzeitig hat die Pandemie nachdrücklich gezeigt, wie wichtig es ist, gegen unwissenschaftlichen wooowoo vorzugehen. HP Fragen sind ja auch öffentlich und ich hätte ab dem 6. Semester jede HP Prüfung bestanden. Hab’s ca. 2018-20 regelmäßig gekreuzt. Ich hätte ohne Probleme ab dem 6. Semester als HP arbeiten können, das muss man sich mal vorstellen. Ich bin über ein Jahr approbiert und kann nicht mal ansatzweise irgendwas!
Relaxometrie
02.04.2023, 11:28
Heute entdeckt: Globukalypse (https://www.globukalypse.org/)
"Warum Homöopathie kein Teil des öffentlichen Gesundheitswesens mehr sein kann."
Unter anderem finde ich die dort dargestellte Timeline interessant, denn bisher habe ich mich gar nicht damit beschäftigt, wie andere Länder es mit der unsäglichen Homöopahtie handhaben.
Bei uns geht es natürlich viel zu langsam voran, aber so langsam wird die Homöopathie zum Glück aus dem ein oder anderen Bereich entfernt. Aber es gibt natürlich noch sehr viel Arbeit, bis dieser Anachronismus endlich in die Geschichtsbücher verbannt wird.
Allen voran müssten die Apotheken endlich aufhören, den Kram zu verkaufen.
Philip_MHH
05.04.2023, 10:59
werden die Apotheken aber nicht, wenn es nicht verboten wird. Mit medizinisch zugelassenen Süßungsmitteln, die OTC verkauft werden verdienen die halt richtig Geld...und die Hersteller ja auch, das teuerste an dem Zeug ist ja die Verpackung...
Die Apothekenpflicht muss weg, der Schmutz kann einfach frei verkäuflich werden.
Relaxometrie
01.07.2023, 13:51
Es ist so traurig und ein Kampf gegen Windmühlen.
Vorhin hatte ich eine online-Fortbildung, bei der eine Ärztin......etwas komische Fragen gestellt hat :-))
Da man in der Chatfunktion den vollen Namen lesen konnte, habe ich die Kollegin mal gegoogelt. Ist ca. 40 Jahre alt, als Allgemeinmedizinerin niedergelassen und auf ihrer Homepage fand man den Hinweis auf den Zentralverein homöopathischer Ärzte (https://www.dzvhae.de/), speziell wurde die Stelle verlinkt, an der man auf Spenden für den Verein hingewiesen wurde.
"Wenn auch Sie der Meinung sind, dass die Homöopathie als Teil des Gesundheitssystems erhalten bleiben soll, dann unterstützen Sie mit Ihrer Spende unser Engagement „Pro Homöopathie“."
In einem ebenfalls auf der Internetseite verlinkten Podcast mit dem Präsidenten der Bundesapothekerkammer sagt dieser (habe es nicht gehört, aber es gibt ein kurzes schriftliches Zitat, s. hier (https://www.dzvhae.de/praesident-bundesapothekerkammer-patientensicherheit/)) "Homöopathische Arzneien haben ihre Berechtigung und sie gehören als Arzneimittel in die Apotheke. Es bedarf der fachlichen Beratung durch Apotheker:innen im Sinne der Patientensicherheit." :-((:-((:-((
Feuerblick
01.07.2023, 15:21
Na, zuviel Zucker ist ja auch ungesund… :-))
Auch wenn es ein anderes Thema ist:
Ich finde es wesentlich schlimmer, wenn Fachärzte, Oberärzte, z. B. systematisch falsch diagnostizieren mit der Konsequenz schwer schädigender "Behandlung" z. B. mit Neuroleptika, die leider mehr Negatives bewirken als Zuckerkügelchen. Das habe ich mal wieder erlebt in einer Klinik/Ambulanz mitten in Deutschland. Warum sie das tun, ist mir ein Rätsel, bedeutet aber, dass sie die Grundlagen ihres Fachgebietes nicht beherrschen, also nicht etwa irgendetwas sehr Spezielles. Bei Homöopathen wissen die meisten Menschen mittlerweile, dass das umstritten bzw. nicht wirksam ist, beim Handeln von Fachärzten leider nicht.
Relaxometrie
01.07.2023, 18:09
Ich verstehe, was Du sagen willst. Du kritisiert allerdings sehr oft und heftig. Lass uns etwas lernen und erkläre bitte, was falsch gemacht wurde und wie man es besser machen kann.
Heerestorte
01.07.2023, 18:21
Rafiki ist ein verkappter Chirurg. Da sind alle anderen doof und nur man selbst weiß alles (besser) :-))
@Relaxometrie:
Beispiel: Einer Patientin wird eine Schizophrenie diagnostiziert, die sie nicht hat, sie hat nicht ein einziges Kriterium dafür erfüllt. Sie wird jahrelang hochdosiert mit einer Kombination aus Quetiapin und Olanzapin (die Kombination wäre auch bei vorliegender Psychose aus pharmakologischen Gründen nicht sinnvoll) "behandelt". Die Symptomatik einer chronifizierten Angststörung bessert sich nicht, dafür nimmt sie 40 kg zu, entwickelt einen Diabetes mellitus und weitere Stoffwechselstörungen mit somatische Folgeproblemen, ist natürlich sehr unglücklich darüber.
Weiteres Beispiel: Ein schwer kranker junger Psychotiker mit hat angebliche (leichte) EPMS unter einem Medikament, das diese praktisch nie verursacht (in Wirklichkeit sind es katatone Symptome). Daraufhin wird dieses Medikament reduziert mit der Folge, dass die Psychose akut exzerpiert und er im akuten Wahn zwei Familienangehörige ersticht.
Was man jeweils besser machen könnten, erklärt sich in beiden Fällen selbst, nämlich fachlich gute Medizin, die nicht schädigt (übrigens erstes allgemeines Gebot von Behandlungen).
Ich könnte eine Menge schwerwiegender weiterer Beispiele berichten (und zwar keine Einzelfälle) und nein Heerestorte, ich weiß nicht "alles", dafür ist mein Fachgebiet zu komplex und umfangreich, aber ich versuche, kompetente Medizin auf Facharztniveau zu betreiben. Tut mir leid für dich, dass du es nötig hast, solche Kommentare zu hinterlassen.
Wenn Du auf Deinem Fachgebiet kompetente Medizin betreibst, könntest Du mit einiger Überlegung herausfinden, warum Du solche Kommentare provozierst :-))
[QUOTE=rafiki;2262904]akut exzerpiert
exazerbiert.
akut exzerpiert
exazerbiert.
@Evil: Nein, Psycho-Medizin ist keine bessere Sozialpädagogik.:D
Espressa
02.07.2023, 10:15
@Relaxometrie:
Beispiel: Einer Patientin wird eine Schizophrenie diagnostiziert, die sie nicht hat, sie hat nicht ein einziges Kriterium dafür erfüllt. Sie wird jahrelang hochdosiert mit einer Kombination aus Quetiapin und Olanzapin (die Kombination wäre auch bei vorliegender Psychose aus pharmakologischen Gründen nicht sinnvoll) "behandelt". Die Symptomatik einer chronifizierten Angststörung bessert sich nicht, dafür nimmt sie 40 kg zu, entwickelt einen Diabetes mellitus und weitere Stoffwechselstörungen mit somatische Folgeproblemen, ist natürlich sehr unglücklich darüber.
…und diese Patientin kommt beim Heilpraktiker gut an; der ihre Medikamente absetzt und stattdessen „ganzheitlich“ Kügelchen gibt.
Ich frag mich wie oft es einfach schlechte Medizin war, die Menschen oft nach jahrelanger Behandlung plötzlich in den Händen von schwurblern gesunden lässt…
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