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Reflex
28.12.2019, 09:23
Aus gegebenem Anlass, ein aktueller Fall:/

7 Jahre Studium, 19 Jahre Arbeit als Arzt, jetzt berufsunfähig und Versorgungskammer zahlt 660€ :O

Nun mache ich mir Gedanken. Ich selbst habe keine Berufsunfähigkeitsversicherung, bin bald fertig mit dem Studium. Kann mir jemand eine empfehlen ?


Dankeschön

Woher hast Du denn diese Zahlen? In meiner Abrechnung des Versorgungswerk bin ich bei nur 10 jähriger Tätigkeit, davon 5 Jahre in Teilzeit, deutlich besser gestellt...

h3nni
28.12.2019, 09:39
Gab der Kollege im Anfangspost denn seine Approbation zurück? Das ist doch für die Versorgungskammer das entscheidende, dachte ich?

Ja panisch
28.12.2019, 12:51
Die Zahlen entstammen leider nur einem Beitrag aus einem sozialen Netzwerk. Ich hätte besser nachdenken sollen, bevor ich den Thread hier eröffne, es ist ja keine so sichere Quelle, das tut mir Leid.

Er ist wohl nur vorübergehend erwerbsunfähig.
Ihr seid nicht die einzigen, denen das sehr wenig vorkommt.

Immerhin habe ich durch Euch aber begriffen, dass ich das Thema nicht mehr so lange unter den Tisch kehren sollte. Danke =)

anignu
28.12.2019, 13:33
Man kann die sogar noch später abschließen. Je länger du wartest, umso größer das Risiko, dass eine Krankheit dir einen Strich durch die Rechnung macht. das ist aber auch das einzige Problem.
Je später man eine BU abschließt, desto billiger sollte sie aber eigentlich auch sein. Denn die wirklich teuren Fälle (jahrzehntelange hohe Zahlungen) sind dann ja schon weg. Und niemals eine BU abschließen ohne eine Rechtschutzversicherung eines anderen Anbieters zu haben.

Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich mich gegen die BU entschieden hab. Ich hatte nur Angebote die völlig schwachsinnig teuer waren und wo ich mir gesagt hab: liebe das Geld möglichst früh selbst investieren als für eine sauteure Versicherung ausgeben.

tarumo
29.12.2019, 08:26
Je später man eine BU abschließt, desto billiger sollte sie aber eigentlich auch sein. Denn die wirklich teuren Fälle (jahrzehntelange hohe Zahlungen) sind dann ja schon weg.


Ich weiß jetzt nicht, ob der Beitrag satirisch gemeint ist?:-keule Bei einer BUV ist für die Prämiengestaltung sowohl das Lebensalter (sorry, mit zunehmendem Alter steigt nun mal das Risiko für schwere Erkrankungen) UND das zu versichernde Einkommen maßgeblich (das steigt gemeinhin auch mit zunehmendem Alter an). Also steigt mit zunehmendem Einstiegsalter auch die Prämie.

Ansonsten zeigt der letzte Beitrag eigentlich ganz typisch, daß es vielleicht doch besser ist, bestimmte Angelegenheiten in eine Versicherungspflicht zu überführen (alles andere belastet früher oder später die Sozialkassen) UND daß gerade eine Berufsgruppe, die es eigentlich besser wissen müßte, bestimmte Dinge gezielt ignoriert.


liebe das Geld möglichst früh selbst investieren als für eine sauteure Versicherung ausgeben.

Darf man fragen, wohin das Geld "investiert" wird? Autos, Flachbildschirme, Koks?
Und sind die auch steuerlich absetzbar?
Und selbst wenn man die gesparten 150 EUR/Mo in Aktien oder Immobilien steckt (was grundsätzlich ja keine verkehrt Idee ist): Zahlt die Immobilie oder der Fond Dir (und der Familiejahrzehntelang den Lebensunterhalt, wenn Du gleich nächste Woche berufsunfähig wirst?
Wir reden nämlich nicht von einer Rentenversicherung...

Für alle anderen:
-mit einem Risiko von fast 30% (über alle Berufsgruppen hinweg in Deutschland), berufsunfähig zu werden, ist die BUV neben der Haftpflicht eine der Versicherungen, die man WIRKLICH braucht. Ich glaube auch nicht, daß jetzt Ärzte eine große Ausnahme sind. Die Tage war wieder die Rede von 70% burnout-Gefährdung bei KH-Ärzten. Hatten wir alles schon mal diskutiert. Wenn natürlich reihenweise keine BUV abgeschlossen werden "weil schwachsinnig" (als selbstständiger Arzt ist das nochmal eine andere Sache) dann wird die Statistik natürlich nach unten verfälscht.
-versichert werden sollte ca 50-60% vom Bruttolohn. Wie man vorgehen sollte, um sich als noch-einkommensloser Student zu versichern, bedarf dann eher des Ratschlag eines Profi. Und später natürlich das steigende Gehalt mitberücksichtigen. "Absurd und teuer" ist bei mir da gar nichts gewesen, zumal das ganze auch noch steuerlich absetzbar ist. Kann natürlich sein, daß in den versicherungsinternen Statistiken GefäßchirurgInnen aus irgendwelchen Gründen hier aus der Reihe fallen.

Alternative zu einer BUV ist natürlich reich heiraten und hoffen, daß das so bleibt. Oder ein politisches Mandat ab mindestens Landesebene ergattern, am besten Minister, und das vier Jahr machen.

-alles andere wichtige in der BUV wie "Verweisung" usw. wurde schon zigfach diskutiert.

Die angesprochenen Sachen wie "Gesundheitsbewußsein", "gesunde Lebensweise" fallen eher in den Bereich der PKV, wo man sich einen hohen Selbstbehalt einräumen kann (was als Arzt auch Sinn macht, zumal man sich viele kleine Leistungen berufsbedingt quasi "erschleichen" kann).

milz
29.12.2019, 09:00
BU möglichst früh vor den ersten unvorsehbaren Krankheiten würde ich auch dringend empfehlen.

Federgt
29.12.2019, 10:11
-mit einem Risiko von fast 30% (über alle Berufsgruppen hinweg in Deutschland), berufsunfähig zu werden, ist die BUV neben der Haftpflicht eine der Versicherungen, die man WIRKLICH braucht. Ich glaube auch nicht, daß jetzt Ärzte eine große Ausnahme sind.

Die ewig Mär, das Argument, was immer wieder nicht hinterfragt und so angenommen wird. Mediziner ist mit einer der ungefährlichsten Berufe (siehe Bild). Klar kann man auch das verdrehen und sagen: So wenige sind in die Erwerbsunfähigkeitsrente gerutscht weil sie eine BU haben, aber das ist eine komische Annahme und hält Ockhams Rasiermesser nicht wirklich stand. Glaube ist halt am Ende nicht wissen, aber hier steht es Aussage gegen Aussage, den kein Versicherer rückt Zahlen raus. Außerdem muss man es schon richtig zitieren: 30% werden u.a. temporär arbeitsunfähig.

"70% Burnout Gefährdung": was heißt das? Relatives Risiko? Absolutes? heißt das, ich kann mein Leben lang nicht mehr arbeiten? oder falle ich für eine gewisse zeit aus? Bin mal gespannt, wie locker flockig man seine BU wegen "Burnout" man in Anspruch nehmen kann. Von der Klagerate (und Vergleiche, die nicht erfasst werden in der Rate) haben wir nicht angefangen. Dazu gibt Interessantes und sollte man lesen. https://www.berufsunfaehigkeitsversicherungen-heute.de/klagequote/

Nicht falsch verstehen, jeder kann machen was er will und es gibt einige Argumente, die dafür sprechen. Aber erstens die richtigen ins Feld führen und zweitens nicht alle anderen Argumente einfach wegwischen.

Z.b. ist "Gesundheitsbewußsein" sicher kein unangebrachtes Argument. Während bei den Risikoberufen (z.B. Dachdecker, Gerüstbrauer, Fließenleger) konstant der Körper ausgebeutet wird, man sich unmittelbaren Risken aussetzt und noch deutlich niedrigere Löhne hat (siehe Zusammenhang Einkommen-Lebenserwartung und Gesundheitsbewusstsein) sieht das bei Ärzten anders aus. Aber das ist wieder ein Thema für sich.

Am Ende wollen Verischerer auch nur Geld erwirtschaften. Und Berufsgruppen mit hohen Löhnen, einer überdurschnittlichen gesunden Lebensführung und Lebenserwartung und geringen Risiken sind ein gute Zielgruppe.

Wie viel einem bereit ist sich gegen jedes Risiko auch bereits in jungen Jahren abzusichern ist mMn nicht pauschal mit einem "Unbedingt!" für jede Berufsgruppe und Risikotyp gleich zu beantworten.

Wenn man sagt brauche ich: auf keinen Fall mit einem Rentenprodukt koppeln wie so gerne von DÄF und MLP angedreht: das eine ist Vorsorge, das andere ist Versicherung. Wenn man darauf mal zugreifen muss, kann es sein, dass man trotzdem erstmal weiter zahlen muss, aber das führt jetzt wirklich zu sehr in die Tiefe.

32286

WackenDoc
29.12.2019, 10:28
Das Problem mit den Handwerksberufen ist mein Tagesgeschäft. Als Arzt hat man deutlich mehr Möglichkeiten, sich einen Job mit anderen Arbeitsbedingungen zu suchen. Oder man macht Teilzeit (wir verdienen genug um uns sowas leisten zu können) oder findet eine andere Lösung.

Ein Dachdecker ist Dachdecker und wenn dessen Knochen durch sind, ist Ende.
Oder auch ganz banal- mit einer Epilepsie kann man als Arzt arbeiten. Zwar mit Einschränkungen, aber irgendwas findet sich. Bei einem Dachdecker droht direkt die Arbeitslosigkeit.
Herzrhythmusstörungen/Herzinsuffizienz- Ende Gelände für einen Gerüstbauer. Als Arzt kannst du damit noch bis zur Rente oder sogar darüber hinaus arbeiten.
Teilzeit gibt es in dem Bereich nicht- das ist auch ein riesiges Problem wenn es um Wiedereingliederung geht.

Ich bin froh um jeden meiner Versicherten, der es irgendwie bis 2 Jahre vor Rente schafft. Dann gibt es nämlich Möglichkeiten die Rente zu retten. Sowas einem keiner im Studium oder in unseren glorreichen Kursen- das habe ich von meinen Probanden gelernt.

davo
29.12.2019, 10:30
"Unbedingt" braucht man gar keine Versicherung. Aber erstens ist klar, dass die Prämien höher sind, je später man einsteigt, da dann die im Durchschnitt guten, gesunden Jahre wegfallen, und nur noch die Jahre mit höherem Risiko übrigbleiben, und zweitens sind die Prämien eben deshalb "völlig schwachsinnig teuer", weil jeder Rentenfall extrem teuer ist.

Klar, die meisten werden Glück haben und nie eine Leistung benötigen. Das ist halt das Wesen einer Versicherung. Aber das alleine sollte einen nicht dazu verleiten, pauschal zu sagen, dass die Versicherung zu teuer ist, unnötig ist, etc. Wer als Chirurg mit 50 einen Augenschaden oder eine Handverletzung hat, hat ein großes Problem. Wer mit 55 Krebs oder eine psychische Erkrankung bekommt ebenso. Usw. Natürlich hat der durchschnittliche Arzt weniger Gesundheits- und Rentenrisiken als der durchschnittliche Bauarbeiter. Aber beim Arzt ist eben auch die Differenz zwischen Einkommen einerseits und staatlichen und Kammerleistungen andererseits viel, viel größer als beim Bauarbeiter.

Eine unabhängige Beratung rentiert sich IMHO auf jeden Fall. Das heißt ja noch lange nicht, dass man dann unbedingt eine BU abschließen muss. Aber es heißt zumindest, dass man sich mal näher mit dem Thema beschäftigt, vielleicht auch mal selbst ein paar Berechnungen durchführt. Auch wenn unter Ärzten gerne der Irrglaube vorherrscht, dass ja nur die anderen krank werden.

Federgt
29.12.2019, 12:29
Die Beispiele gefallen mir.
Die Handverletzung beim Chirugen finde ich nicht wirklich relevant. Kenne Orthopäden mit Deltoidlähmung nach Mountainbikesturz, arbeit weiterhin, lässt das hämmern dem Assis. Speech zu text auf Station geht ohne Hände (wer verliert als Arzt beide Hände überhaupt?:D)
Blind? Ja, wäre schlecht, ist aber in der Hälfte der Fälle vermeidbar und tritt zumeist im Rentenalter auf (siehe Tab. 5 in dieser Publikation: http://cms.augeninfo.de/fileadmin/PDF/0512aa_267.pdf), also kein BU Ursache.

Nehmen wir den Krebskranken mit 55. Sagen wir mal, er/sie fängt an mit 25 einzuzahlen, mit 100€ pro Monat. Nach 30 Jahren macht das 36.000€, bei einer 3% Anlage macht das schon ganze 58.000, nach Steuern da Kapitalertrag bleiben einem 56.000 übrig.

Diese 56.000 sind weg, wenn der Fall nicht eintritt. Wiederum: wie lange muss unser Krebskranker überleben, damit er seinen Betrag wieder raus hat? Für 100 € im Monat dürfte er seine 3000€ BU-R. bekommen, d.h er müsste mehr als ca. 18 Monate leben, damit er sein Geld wieder hat im Schadensfall. Ansonsten hätte er auch von seinem Gesparten leben können. Oder es pulverisieren für einen letzten Wunsch wenn er weniger Zeit hat. Oder in eine experimentellen Behandlung stecken, damit man mehr Zeit gewinnt, etc.

In diesem Beispiel bleibt das Problem der Kursschwankungen am Kapitalmarkt (habe ich das Geld zur Verfügung just wenn ich es brauche?), aber dafür gibt es auch Lösungen.

In deinem Beispiel ist dafür ein anderes Problem da: Wann bekomme ich Krebs? Anbei ein Bild aus der Schweiz mit Daten, man muss sich vor Augen führen, dass die meisten Erkrankungen eben im Alter auftauchen, wann eine BU nicht zahlt, da man eh in Rente ist.32287

Was man also Versichert ist genau die Zeit, bis man sich genug Geld zur Seite gelegt hat UND unvorhersehrbare, irreparabele Schäden, die mich an irgendeiner Tätigkeit hindern, um Geld zur Seite zur legen.
Für alles anderen Schäden ist die KV da.

Die andere Frage, die auch fast nie diskutiert ist: Wie viel Geld brauche ich? Natürlich ist die Differenz zwischen Einkommen und staatlichen Leistungen beim Arzt besonders groß, aber wofür brauche ich das Geld? Damit ich die Raten fürs Haus weiterzahlen kann? Für den Rennwagen? Kann ich nicht in dem Fall der Fälle meine Ausgaben und Lebensstandard runterschrauben? Fast alles sind lösbare Aufgaben wenn man downsizen möchte.

Zum Thema unabhängige Beratung: Ich bezweifle, dass die meisten sich unabhängig beraten lassen, da die meisten zu Makler (DÄF, MLP, Rohrbach, etc.) gehen. Ein Versicherungsberater kostet Geld, in meinem Fall z.B. 200€ für die Erstberatung. Eher unbekannt und eben auch erstmal Ausgaben. Hier einen Link für Interessierte: https://www.bvvb.de/. War interessant, aber im Grunde kann man sich mit Recherche fast alles selbst aneignen. Aber eben nur fast, deswegen gut investiertes Geld mMn.

Ich glaube nicht, dass die meisten Ärzte denken, es werden nur die anderen krank. Aber ich glaube, dass man gewisse Risiken sehr schlecht abschätzt, recheerchiert und blind glaubt, nicht knallhart kalkuliert und einfach alles ausschließen und absichern möchte in D, nicht umsonst sind Versicherungen hier so stark und erfolgreich. Deswegen plädiere ich für eine sehr kritische Auseinandersetzung auf Faktenbasis und nicht Gefühlen, wäre doch schade, wenn man sich zu wenig "Autos, Flachbildschirme, Koks" leisten kann wie Tarumo genau richtig nachfragt :)

tarumo
29.12.2019, 13:24
Eine Versicherung braucht man dann, wenn das entsprechende Risiko zu einem wirtschaftlichen Ruin führen kann.
Das ist bei Handy-/Glasschaden/Reisegepäck/Reiserücktritt/KFz Vollkasko und was es da noch so alles gibt, normalerweise nicht der Fall.

Wie man hier behaupten kann, eine Haftpflichtversicherung sei unnötig (sinngemäß) entzieht sich meiner Vorstellung. Kfz-Versicherung und Krankenversicherung ist hierzulande ja mehr oder weniger obligatorisch, es gibt aber auch Länder, wo das nicht der Fall ist. Würdest Du dann auch so argumentieren?

Die 30% BU-Rate ist, wie von mir angegeben, über alle Berufsgruppen gerechnet. Die arztspezifische BU-Quote war im einstelligen Bereich, Zahlen hatte ich dazu verlinkt. Ich sehe aber ein gewisses bias: erstmal muß man eine BUV haben, um in die Statistik einzugehen (Gerechnet wurden Leistungsbezieher aus BUV). Ansonsten arbeitet halt man weiter, spätestens bis Patienten zu Schaden kommen und die Approbation von dritter Seite entzogen wird (Beispiele gibt es reichlich). Dann haben die Ärzte, die die Leistungen einer BUV heutzutage in Anspruch nehmen, zumindest zum Großteil ihres Arbeitslebens noch nicht die Segnungen des DRG-Systems und der Privatisierung und die damit verbundene Arbeitsverdichtung erfahren dürfen. Drittens war bis vor 10, 20 Jahren der niedergelassende Arzt das Maß der Dinge und die werden eher eine Betriebsausfallversicherung abgeschlossen haben als eine BUV. Viertens waren früher die Leistungen der Ärzteversorgung deutlich komfortabler und auch z.B. Einnahmen aus einer Kassenpraxis, so daß viele auf den Abschluss einer BUV verzichtet haben werden. Im Falle des Falles wurde dann einfach das zweite oder dritte Haus verkauft...

Ich sehe auf jeden Fall keinen Grund, warum eine Berufsgruppe, die derzeit eine Selbstmord- und Burnout-Quote ÜBER dem statistischen Mittel hat und auch deren Risiko, auf der Arbeit einen bewaffneten Angriff zu erleiden, ÜBER dem Durchschnitt liegt (bitte einfach mal die in 2019/2020 ermordeten Polizisten gegenrechnen, die Gesamtzahl Ärzte/Polizisten ist annähernd gleich), in 20-30 Jahren (darum geht es hier) auch noch im unteren Drittel der BU-Rate liegen sollte.

Ganz wichtig: die Lebensarbeitszeit wird laufend erhöht. Und während die Franzosen die gelben Westen rausholen und die halbe Stadt abfackeln, wenn vorne beim Rentenalter erstmals eine "6" steht, ist die Rente in ´schland mit 70 schon 2019 in der Diskussion und stillschweigend halbwegs akzeptiert...auch wenn es hier um die gesetzliche Rente geht, die Versorgungswerke können und müssen da nachziehen...2030 reden wir vmtl. dann über die Rente mit 76...doof, wenn man mit Mitte sechzig nicht mehr als Neurochirurg oder Interventionsradiologe arbeiten kann... zum MDK können doch auch nicht alle wechseln...

Daß man natürlich nur den Betrag versichern sollte, mit dem man (und die Familie) später auszukommen gedenkt, ist eine Binsenweisheit und schon deswegen sind die Beiträge untereinander nicht vergleichbar.

Wenn hier einzelne TN von absurd hohen Beiträgen berichten, mag das u.U daran liegen, daß der Versicherung das individuelle Risiko schon ziemlich hoch erscheint. Sollte einem zum Nachdenken geben.

Ein Betrag von 200 EUR für eine einmalige, qualifizierte, unabhängige Beratung sollte doch nicht zu hoch sein? Jeder Anwalt oder Kfz-Gutachter nimmt da mehr. Bitte nicht immer vom Mediziner-Stundenlohn ausgehen.
Alternativ kann man sich auch über die Verbraucherzentralen beraten lassen, da sind dann ca 50-80 EUR/h fällig.

Und um MLxxx & Co. habe ich mit Ausnahme diverser Kursmanuskripte Zeit meines Lebens einen riesengroßen Bogen gemacht.

Federgt
29.12.2019, 14:58
Ich vermute, du meinst nicht Haftpflichtversicherung = BU, die unterschied sind so fundamental, dass auch "sinngemäß" die nicht vergleichbar sind.

Wenn du mit steigendem rentenalter argumentierst, müsste man bei meiner (und jeder Rechnung) auch eine absicherung bis 70 durchrechnen. Da werden die Raten durchaus teuer(er) und auch der kumultative Betrag. Und weiterhin bleibe ich bei meinem Standpunkt: Wer mit dem Gehalt nicht bis 6x so viel zur Seite gelegt hat, dass er es überbrücken kann, der hatte über seine Verhältnisse gelebt oder eine Scheidung zu viel gehabt. Das sage ich, als jemand der nichts erbt (sollten man bei berechnung der alterversorgung der meisten berücksichtigen).

Auch bleibe ich bei meiner Aussage: Das reelle Risiko in Verhältnis zum Geldeinsatz ist nicht immer für den Verbraucher gut.

tarumo
29.12.2019, 15:18
Common sense in Deutschland ist, daß zwei freiwillige Versicherungen nötig sind:
eine Haftpflichtversicherung und die Berufsunfähigkeitsversicherung (für die Rente gibt es noch ein paar andere Möglichkeiten)
die anderen wichtigen Versicherungen wie Krankenversicherung und Kfz-Haftplicht wie auch basic-Rentenversicherung sind ja gesetzlich vorgegeben.

Der Rest gestaltet sich danach, ob man bereit ist, niemals juristische Hilfe in Anspruch zu nehmen, ob man Immobilien hat usw.

Übrigens kann man sich auch gratis in jeder Stadtbücherei in zig Versicherungsratgebern informieren, die das ganze noch ein wenig besser aufschlüsseln können und keineswegs von XYZ gesponsort sind.

Eine Versicherung stellt per se kein Investment da und insofern gibt es da nichts, was sich "rentieren" soll. Selbstverständlich darf eine Versicherung Geld verdienen (wenn sie es nicht mehr tut, dann hätten die Versicherungsnehmer ein großes Problem) und den "Antikapitalisten" hier sei gesagt, daß selbst in sozialistischen Staaten wie der DDR und der UdSSR der Erwerb von Versicherungspolicen, z.B. zur Absicherung von Sachwerten, durchaus üblich war. Wie es in Nordkorea gehandhabt wird, entzieht sich meiner Kenntnis.
Es geht, wie gesagt, um die Vermeidung eines wirtschaftlichen Ruins, der bei einem nicht haftpflichtgeschützen Schadensfalls genauso fix die Existenz kosten kann wie eine Berufsunfähigkeit bei unzureichender Rentenzahlung durch die ÄV.
Es gibt auch keinen Anspruch auf die Anstellung "versehrter" Ärzte durch MDK und Co. Ein Rückschluß aus Einzelfällen ist m.E. unzulässig.
Ob man bereit ist, z.B. eine Reise mit 2000 EUR Kosten mit einer Prämie von 200 EUR abzusichern, obwohl man die letzten Jahre nicht ernsthaft krank war, ist eine ganz andere Hausnummer und leichter zu diskutieren.

milz
29.12.2019, 17:04
Ich bin froh, dass ich vor langer Zeit eine BU abgeschlossen habe. Wenn man mal Kinder und Wohneigentum hat mit entsprechenden Verpflichtungen dann schläft man damit etwas ruhiger und man weiß nie, wann einem das Schicksal eins überbraten will.

Federgt
29.12.2019, 20:08
Tarumo argumentiert mit common sense, was es nicht alles gibt. Ist es nicht auch common sense in der Gewerkschaft zu sein?:P

Natürlich muss eine Versicherung wie jedes andere Produkt, in das ich mein Geld stecke, eine positive Kosten zu Nutzen Ratio haben. Ansonsten verbrenne ich Geld. Da hier der Nutzen nur im Fall der Fälle eintritt, muss man mit Wahrscheinlichkeiten und erwartbaren Outcomes arbeiten. Warum dieser für dich automatisch der finanzielle Ruin ist, erschließt sich mir nicht ganz. Dafür musst du auch nicht wiederholt sagen, dass nicht alle beim MDK unterkommen. Es geht darum, ob man noch etwas überhaupt machen kann (Teilzeit, Wiedereingliederung, DANN erst die berühmte MDK etc.) und wenn man nichts machen kann, ob man mit dem was man erhält plus was man sich bisher zur Seite gelegt hat auch weiter eine Existenz hat (auf dem zumindest einigermaßen vergleichbaren Niveau wie früher).

Wenn mir jemand die Anzahl der genutzten BU und die Dauer für Ärzte zeigen kann, ändert sich meine Einstellung bestimmt auch. Bisher fande ich aber noch keine stichfesten.

Wenn es um Exitenzsicherung geht, wäre eine sehr gute Rechtschutz und einen noch besserer Anwalt mMn dann auch mindestens im gleichen Atemzug zu nennen und common sense. Was nämlich sicher kommt ist eine steigende Klagewelle, und wenn die Apporbation weg ist, sieht es sehr düster aus. Und selbst wenn nicht sind hohe Schadenersatzraten aus der eigenen Tasche auch existenzbedrohend.

tarumo
29.12.2019, 20:46
Tarumo argumentiert mit common sense, was es nicht alles gibt. Ist es nicht auch common sense in der Gewerkschaft zu sein?:P

Sollte man meinen, ja. Allerdings nicht, wenn die Gewerkschaft für die Gegenseite arbeitet, so als Pseudodeckmäntelchen für die Politik a la FDGB und zur Befriedigung materieller Interessen des Vorstandes. Oder tut es vielleicht auch eine dieser "christlichen" Kleingewerkschaften, die prekäre Arbeitsverträge in der Logistikbranche abschließen? Wer mir schadet, den finanziere ich nicht freiwillig.

Mit common sense ist gemeint: zeig mir mal einen Artikel, der vom Abschluß einer spezifisch orientierten BU abrät. Ein unabhängiger Berater, der abrät...ein "Verbraucherschützer" oder was es da so dolles gibt. Viel Spaß beim suchen...Die einzigen Gegenstimmen kommen immer nur von Leuten, die sich damit nicht beschäftigt haben oder wollen und dann damit von ihrer Unentschlossenheit ablenken- so ähnlich wie bei der Organspendediskussion.



Warum dieser für dich automatisch der finanzielle Ruin ist, erschließt sich mir nicht ganz.
Ein klitzekleiner Anruf bei der ÄV reicht, um Dich über den Versorgungsanspruch zu orientieren. Sagen wir mal, Dir fällt morgen in der Wohnung was auf den Kopf und verursacht eine ICB (oder Du weißt bis dato nix von Deinem Mediaaneurysma), ein Unbekannter sprengt Dir an Silvester beide Augen nahezu raus (mit einer Restsehkraft von vielleicht 5%) oder Du hast ein Messer zwischen den Rippen stecken, weil ein Patient sich von Deiner Familie verfolgt fühlt...
Ich denke mal, die 500 EUR Versorgungsanspruch sind für einen Anfänger realistisch. Im Gegensatz zum Hartz IV ler hast Du dann aber noch die Wohnung an der Backe...und dann geht die Kaskade los, Job weg, Erspartes weg, Altersvorsorge weg, Wohnung weg, Auto weg, Familie weg (nicht notwendig in dieser Reihenfolge). Ich schrieb früher: wer bereit ist, auf alle materiellen Dinge zu verzichten und ggf. auch in jungen Jahren schon als Eremit und auf Hartz IV Level zu leben, der braucht auch keine BUV. Allerdings braucht es auch keinen Beruf und kein Studium, um "soweit" zu kommen. Letztendlich sichert die BUV nämlich die Differenz zwischen Hartz IV und dem Gehalt (nach der FA-Prüfung kann das schon sechsstellig werden) und den erbrachten Aufwand für das Studium ab (unbezahlbar)...




Dafür musst du auch nicht wiederholt sagen, dass nicht alle beim MDK unterkommen. Es geht darum, ob man noch etwas überhaupt machen kann (Teilzeit, Wiedereingliederung, DANN erst die berühmte MDK etc.)

Du hast was nicht verstanden. Eine vernünftig abgeschlossene BUV schließt nämlich genau das aus. Da ist der konkrete Job (nämlich Facharzt für XY) auf einem bestimmten Level (Vollzeit) und zu einem bestimmten Höhe (z.B. OA-Gehalt) abgesichert. Punkt. Kein Teilzeit, kein anderes Fach, keine Tätigkeit an der Pforte, Parkplatzwächter am KH oder Kantine. Alles andere verlagert nämlich das Risiko auf den AN. Um bei den obigen Beispielen zu bleiben: klar, wir haben Ärztemangel. Aber wer bitteschön stellt jetzt z.B. einen Visceralchirurgen oder Radiologen mit 5% Restsehkraft, Schwerbehindertenausweis und Teilzeitwunsch ein? Und das auch wohnortnah? Mittlerweile tut es mir richtig leid für den MDK, der in jeder Diskussion als so eine Art Resterampe für berufsunfähige Ärzte genannt wird.



Wenn mir jemand die Anzahl der genutzten BU und die Dauer für Ärzte zeigen kann, ändert sich meine Einstellung bestimmt auch. Bisher fande ich aber noch keine stichfesten.

Ich fürchte, das ist Betriebsgeheimnis der Versicherungen. Ansonsten besteht Stand 2018 die Wahrscheinlichkeit für einen "Arzt", mit etwas weniger als 10% berufsunfähig zu werden. Link dazu irgendwo in meinen Vorpostings. Das ist deutlich mehr, als die "Chance" auf einen schweren Autounfall oder eine ausgebrannte Bude (und auch wahrscheinlicher, als z.B. einen FDP-Wähler zu treffen :-winky ) Also bitte erst mal diese Versicherungen kündigen...
Die Dauer der BU ist einfach zu bestimmen, nämlich (grob) vom Schadenstag bis zum Eintrittsalter der Rente. Wobei das Renteneintrittsalter auch laufend verändert wird.



Wenn es um Exitenzsicherung geht, wäre eine sehr gute Rechtschutz und einen noch besserer Anwalt mMn dann auch mindestens im gleichen Atemzug zu nennen und common sense.

Ich persönlich rate auch immer zu einer Rechtsschutzversicherung. Es geht hier aber um die BUV. Außerdem sichert ein gewonnener Prozess noch keineswegs einen Geldeingang auf dem Konto, mal abgesehen davon, daß sowas Jahre oder Jahrzehnte dauern kann. Außerdem geht es bei einer BUV gerade um Dinge, für die eben kein anderer verantwortlich gemacht werden kann. Oder wen willst Du für Dein Mediaaneurysma oder Meningokokkensepis jetzt genau verklagen?

freak1
29.12.2019, 20:51
Du siehst die einfache Lösung nicht tarumo: Erben!

Für mich hat sich BUV sowieso erledigt, aufgrund einer kürzlich neu diagnostizierten chronischen Grunderkrankung könnte ich mich höchstens mit 100-200% Aufschlag und für maximal 30 Jahre versichern... Also nicht mal ansatzweise bis zum Renteneintritt.

tarumo
29.12.2019, 21:23
Du siehst die einfache Lösung nicht tarumo: Erben!


Reich heiraten hatte ich ja schon erwähnt. In einem Land, in dem jeder, der mehr als 50.000 EUR verdient, schon als Spitzenverdiener gebrandmarkt wird, ständig die Sozialneidkeule geschwungen wird, das Geld durch Negativzinsen entwertet wird, Aktienhandel (aber bitte nur für Kleinanleger) zukünftig auch besteuert wird und schon offen über Immobilienenteignungen nachgedacht wurde, erscheint die Hoffung auf Erben vielleicht trügerisch. Noch dazu müßte die Erbschaft ja zeitnahe zur BU eintreten. Eher wird es umgekehrt sein und man zur Vermeidung des völligen Kollaps der Sozialkassen eine Art Zwangshypothek für zukünftige Pflegekosten der Verwandschaft aufgebrummt bekommen.:-nix

Was Dich angeht, tut mir das natürlich leid. Umgekehrt ist das natürlich das perfekte Beispiel dafür, was passiert, wenn man zu lange zögert. Die BUV hätte man vor der erfolgten Diagnose gleich mit Antritt der ersten Stelle günstig abschließen können und dann ein paar Jahre später einfach auf ein anteiliges OA-Gehalt erweitern, was normalerweise ohne zusätzliche Gesundheitsprüfung möglich ist. Über die Möglichkeit, diese eine Krankheit explizit auszuschließen, weißt Du ja sicher Bescheid.

freak1
29.12.2019, 21:33
Ich hatte den BU-Vertrag tatsächlich schon auf dem Schreibtisch liegen war nur zu faul mich drum zu kümmern. ;)
Ausschließen lohnt sich mMn nicht, dann ist praktisch alles ausgeschlossen^^

GelbeKlamotten
29.12.2019, 23:15
Ich hatte den BU-Vertrag tatsächlich schon auf dem Schreibtisch liegen war nur zu faul mich drum zu kümmern. ;)
Ausschließen lohnt sich mMn nicht, dann ist praktisch alles ausgeschlossen^^

So geht es mir auch, keine Chance mehr auf eine sinnvolle BUV wegen chronischer erkrankung, bei mir allerdings schon seit dem 15. LJ. Und ich kenne in meinem freundeskreis, der größtenteils aus anfang bis mitte 30-jährigen besteht, durchaus genug fälle, denen es ähnlich geht. Von der durchgemachten lymphomerkrankung über diabetes typ 1 bis zur komplikativen wirbelsäulen-op ist alles dabei.

Ich habe früher immer versucht, freunden und kollegen (die nicht alle von meiner erkrankung wissen) klarzumachen, dass es sinnvoll ist eine BUV abzuschließen, bevor es nicht mehr möglich ist. Auf wie viel Ignoranz und Unwissen man dabei stößt, ist unfassbar. Auch unter ärztlichen kollegen ist die auffassung „na ich werde schon nicht krank werden, das trifft nur andere“ sehr verbreitet. „War ja klar, dass du streberin dich mit sowas beschäftigst“ oder ähnliches bekommt man dann teils zu hören. Das ist jetzt nicht speziell auf dich bezogen, freak1, aber eine ungefähre vorstellung von gesundheitlichen und finanziellen risiken bzw generell von der eigenen finanziellen zukunft hat kaum einer.

Wenns um altersvorsorge geht, dann werden die ollen sprüche von mama und papa ausgegraben („das wichtigste ist eine immobilie, damit man nicht mehr jeden monat geld für die miete verbrennt, sondern stattdessen damit sein eigenes haus abbezahlt“, etc). Sich ernsthaft mal sinnvoll mit dem thema beschäftigen tun vielleicht 5% meiner kollegen.

Neulich habe ich herausgefunden, dass ein ausländischer kollege, der aber hier seinen kompletten facharzt gemacht hat, bislang dachte, dass „privat versichert“ bedeutet, dass man gar keine krankenversicherung hat, sondern alles rein aus eigener tasche, eben „privat“ bezahlt. Ich habe dann versucht, ihm das system grob zu erklären, hat ihn aber glaube ich nicht wirklich interessiert.

Aber wie oft der auf kredit finanzierte audi a6 zur inspektion muss, das wissen sie alle.

Und wenn ich es hier im forum wage, eine diskussion zur altersvorsorge und zum ggf. vorzeitigen ruhestand zu starten, dann werde ich erstmal als prostituierte tituliert. Ist dann wohl der neid derer, die selbst zu blöd sind sich über ihre zukunft gedanken zu machen.