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tarumo
30.12.2019, 04:20
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Leider ist es in diesem Forum nicht möglich, Beiträge zu liken. Es gäbe dann gleich mehrere likes von mir.
Wie bei Radiologen üblich, steht vor der Therapie erst mal die korrekte Diagnose :-)

"Medicus non calculat" ist nur allzu wahr. Handy wird versichert. Und das Auto (gerne A 6, damit in Ingolstadt auch weiterhin ein stadtweites Durchschnittseinkommen über den Einkommen eines Assistenzarztes erzielt werden darf) natürlich auch und zwar Vollkasko. Das Studium und das daraus abgeleitete Gehalt...nö, wieso?
Einem Ägyptologen würde ich auch eher nicht nicht zu einer BUV raten.

Wenn ich dann schreibe, daß die Quote von ca 8% aktenkundig berufsunfähig gemeldeten Ärzten gegenüber 30% aus der Gesamtbevölkerung zu niedrig angesetzt ist, weil man vielleicht aus berufsbedingter Hybris an diese Situation nicht gedacht hat und sich somit gar nicht BU-melden *kann*, dann wird das ganze einfach abgestritten. Quasi umgekehrt zu dem beamteten Lehrkörper, der sich ohne größere Verluste berufsunfähig melden kann und das eifrig nutzt (kommt in der BUV-Statistik nämlich auch nicht vor)

Das ganze Drama kann man auch in den regelmäßig wiederkehrenden Diskussionen zur Krankenversicherung oder neuerdings zur Landarztquote und ihren finanziellen Folgen sehen.

In dem Punkt Immobilienbesitz muß ich Dir widersprechen: in einem Land, in dem die Regierung (und vermutlich die zukünftige auch) eifrig die Bevölkerung aufstockt, die Energiekosten in ungeahnte Höhen treibt, über willfährige Gewerkschaften für einen Reallohnverlust sorgt (nix anderes ist der MB-Abschluß nämlich) und die Ersparnisse, so vorhanden, entwertet werden sowie eine anderweitige Altersvorsorge maximal erschwert (Stichwort Steuer/GKV-Beiträge auf Betriebsrenten) bleibt eine Immobilie ein wertvoller Bestandteil der Existenzsicherung. In allen anderen europäischen Ländern ist das ganze mit einer Eigentumsquote von bis zu 90% weithin akzeptiert (Deutschland 10%). Dem Michel scheints aber zu gefallen, im Netz aus befristeten Arbeitsverträgen, einer unzureichenden Altersvorsorge und in der Abhängigkeit von Immobilienvermietern zu verweilen, sonst würde er das ändern. Hauptsache, es gibt das neueste Smartphone, ein Netflix-Abo und Fußball im TV zum Ablenken.

GelbeKlamotten
30.12.2019, 06:30
In dem Punkt Immobilienbesitz muß ich Dir widersprechen: in einem Land, in dem die Regierung (und vermutlich die zukünftige auch) eifrig die Bevölkerung aufstockt, die Energiekosten in ungeahnte Höhen treibt, über willfährige Gewerkschaften für einen Reallohnverlust sorgt (nix anderes ist der MB-Abschluß nämlich) und die Ersparnisse, so vorhanden, entwertet werden sowie eine anderweitige Altersvorsorge maximal erschwert (Stichwort Steuer/GKV-Beiträge auf Betriebsrenten) bleibt eine Immobilie ein wertvoller Bestandteil der Existenzsicherung. In allen anderen europäischen Ländern ist das ganze mit einer Eigentumsquote von bis zu 90% weithin akzeptiert (Deutschland 10%). Dem Michel scheints aber zu gefallen, im Netz aus befristeten Arbeitsverträgen, einer unzureichenden Altersvorsorge und in der Abhängigkeit von Immobilienvermietern zu verweilen, sonst würde er das ändern. Hauptsache, es gibt das neueste Smartphone, ein Netflix-Abo und Fußball im TV zum Ablenken.

Ich wollte mich keineswegs generell gegen den Immobilienkauf aussprechen. Aber dass die landläufige Meinung "als Mieter schenke ich das Geld dem Besitzer, als Käufer zahle ich das Geld an mich selbst" nicht aufgeht, ist dir sicherlich auch bewusst, den meisten anderen Kollegen aber nicht. Dafür muss ich noch nicht mal die Instandhaltungskosten heranziehen. Bei einem Kredit über 500.000 Euro zahlt der Hauskäufer - trotz aktuell sehr niedriger Zinsen- mindestens über die halbe Kreditlaufzeit monatlich allein schon mehr für die reinen Zinskosten als die Höhe meiner Kaltmiete. Hinzu kommen horrende Kaufnebenkosten, Kosten für Versicherungen, etc. pp.

Trotz alledem ist eine Immobilie für viele eine gute Altersvorsorge, weil sie zu einem Sparzwang führt. Dass man lieber in ein Haus investieren sollte als sein Geld zu verpulvern steht absolut außer Frage. Ob aber Kaufen oder Mieten insgesamt rechnerisch günstiger ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das ist im Voraus nicht berechenbar, da es von zu vielen Variablen abhängt. Ausgehend von der Situation "Person A kauft eine Immobilie und Person B mietet eine exakt gleichwertige Immobilie" gehen die Expertenprognosen auseinander, welche Variante am Ende die bessere ist, am Ende dürfte rechnerisch der Unterschied relativ klein sein. Jetzt kommt aber hinzu: Wer mietet, der kann viel besser an seinen aktuellen Bedarf anpassen. Wer in 5 Jahren Kinder plant, jetzt aber eine Immobilie für die Eigennutzung kaufen will, der muss die Kinder jetzt schon bei der Größe der Immobilie berücksichtigen. Das selbe auch, wenn die Kinder wieder aus dem Haus sind. Der Mieter dagegen kann noch 5 Jahre in der kleineren Wohnung bleiben und dann (bestenfalls natürlich bevor der Stress mit dem Kind losgeht) umziehen. Das gleiche Prinzip gilt wenn z.B. der Ehepartner frühzeitig stirbt und man auf einmal keine 150 Quadratmeter mehr braucht. Wer zieht dann schon auf die schnelle aus seinem Wohneigentum aus in eine halb so große Mietwohnung bzw. verkauft und kauft neu?

Die Alternative ist natürlich nicht, das Geld aufs Sparkonto zu legen oder negativ verzinste Staatsanleihen zu kaufen und schon gar nicht, eine teure private rentenversicherung abzuschließen, sondern die Alternative ist, weltweit breit diversifiziert in Aktien zu investieren. Das ist für jemanden wie mich, die eben nicht durch eine Immobilie immobil werden will, die wesentlich bessere Alternative, die auch noch historisch mittel- bis langfristig fast immer lukrativer war als ein Immobilieninvestment und sehr viel weniger Klumpenrisiko birgt.

Wer eine Immobilie als Mischung aus Investition und Selbstverwirklichung sieht, für den ist der Kauf genau das richtige. Man spart sich dadurch natürlich auch Unannehmlichkeiten wie Umzüge bei Kündigung wegen Eigenbedarf u.ä. Aber wer kauft, weil er denkt, dass er damit endlich kein Geld mehr sinnlos für Miete ausgeben muss, der hat so einige Grundlagen noch nicht begriffen.

davo
30.12.2019, 06:45
Bei einem Kredit über 500.000 Euro zahlt der Hauskäufer - trotz aktuell sehr niedriger Zinsen- mindestens über die halbe Kreditlaufzeit monatlich allein schon mehr für die reinen Zinskosten als die Höhe meiner Kaltmiete.

Deine Kaltmiete ist allerdings nicht über eine übliche halbe Kreditlaufzeit in Stein gemeißelt ;-)

GelbeKlamotten
30.12.2019, 06:50
Deine Kaltmiete ist allerdings nicht über eine übliche halbe Kreditlaufzeit in Stein gemeißelt ;-)

Der Zinssatz eines Immobilienkredites auch nicht. Wenn man eine so lange Zinsbindung will, dann muss man die extra bezahlen.

davo
30.12.2019, 06:54
Klar. Aber der Zinssatz ist üblicherweise über eine längere Zeit fixiert als die Miete. Und die Miete geht eigentlich immer nur in eine Richtung, die Zinsen hingegen könnten durchaus noch längere Zeit niedrig bleiben. Mit der heutigen Miete zu rechnen führt deshalb fast immer zu einer Unterschätzung der Kosten des Mietszenarios.

GelbeKlamotten
30.12.2019, 07:08
Klar. Aber der Zinssatz ist üblicherweise über eine längere Zeit fixiert als die Miete. Und die Miete geht eigentlich immer nur in eine Richtung, die Zinsen hingegen könnten durchaus noch längere Zeit niedrig bleiben. Mit der heutigen Miete zu rechnen führt deshalb fast immer zu einer Unterschätzung der Kosten des Mietszenarios.

Da hast du natürlich recht.

Ich wollte hier jetzt auch keine vollständige „kaufen vs mieten“ berechnung durchführen, sondern nur ein paar denkanstöße geben, dass eben nicht kaufen grundsätzlich immer die finanziell bessere variante ist.

tarumo
30.12.2019, 07:13
trotz aktuell sehr niedriger Zinsen- mindestens über die halbe Kreditlaufzeit monatlich allein schon mehr für die reinen Zinskosten als die Höhe meiner Kaltmiete. Hinzu kommen horrende Kaufnebenkosten, Kosten für Versicherungen, etc. pp.
.

Pssst- nicht weitersagen. Als Mieter zahlst Du nämlich auch die Versicherungen, Kaufnebenkosten und die Zinsen/Tilgung für den Immobilieneigentümer (sofern er die nicht geerbt hat). Nur ist das ganze in der "Miete" bzw. in den Nebenkosten versteckt und da fällt es nicht so auf. Zumindest in den Ballungsgebieten wird kein Vermieter seine Unkosten aus Nettigkeit selbst tragen, sondern 1:1 weitergeben. Ich bin immer wieder enttäuscht, wie leicht sich Hochschulabsolventen aufs Kreuz legen lassen...
Aber der Thread wird leicht OT.


Dass man lieber in ein Haus investieren sollte als sein Geld zu verpulvern steht absolut außer Frage. Ob aber Kaufen oder Mieten insgesamt rechnerisch günstiger ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das ist im Voraus nicht berechenbar, da es von zu vielen Variablen abhängt. A.

Als Schwarmintelligenz hat die europäische Gesamtbevölkerung entschieden (und Nebenkosten, Umzüge und Familiengründung gibt es auch da), daß Eigenbesitz die optimale Lösung ist. Teilweise wird da schon für ein Studium eine Wohnung gekauft- und dann wieder verkauft. Niemand ist an die Wohnung gefesselt... Aber ´schland sticht ja schon mit schlechten Lösungen wie dem fehlenden Tempolimit, der umlagebasierten Sozialversicherung und dadurch katastrophalen Altersversorgung, einem weltweit einzigartigen "KV-System" etc...innerhalb Europas negativ heraus...und es stört auch keinen wirklich. Sonst hätten wir auch gelbe Kla...ääh, Westen auf den Straßen...

Mich würde dagegen brennend interessieren, wie man (wie ein paar Beiträge zuvor behauptet)


. Ich hatte nur Angebote die völlig schwachsinnig teuer waren und wo ich mir gesagt hab: liebe das Geld möglichst früh selbst investieren als für eine sauteure Versicherung ausgeben.

mit einem monatlichen "Investment" von ca. 100-150 EUR (das ist der Satz, den ich für eine in jungen Jahren abgeschlossene BUV zahle) sich im Falle einer Berufsunfähigkeit der gewohnte Lebensstandard halten läßt. Also sagen wir mal eine Auszahlung von 2500-3000 EUR monatlich, was einer Verzwanzigfachung des "Investments" entspricht. Außer Rauschgifthandel und ähnlichem fällt mir da nicht viel ein- deswegen kann man diesen Beitrag dann auch unter "Blödsinn" abbuchen.

Falls das "Investment" einer Immobilie oder ähnlichem gelten sollte: die ist dann im Falle des Falles als erste weg. Also kein Einkommen UND das "Investment" auch noch fort. Wer billig...aber den Spruch kennt Ihr ja.

Absolute Arrhythmie
30.12.2019, 08:57
Hat jemand denn Erfahrung mit der anonymen Vorabanfrage bei BU-Versicherern gemacht? Macht es Sinn da mit Vorerkrankung doch den Versuch zu starten eine BUV abzuschließen?
Oder macht es mehr Sinn anderweitig so gut wie möglich vorzusorgen?

Ich hab auch wenig Vertrauen zu Versicherungsmaklern. Ich möchte auch keine BUV a gedreht bekommen, die am Ende gar nicht zahlt, wenn ich aufgrund meiner Vorgeschichte tatsächlich irgendwann Berufsunfähig werden sollte.

tarumo
30.12.2019, 09:13
Hat jemand denn Erfahrung mit der anonymen Vorabanfrage bei BU-Versicherern gemacht? Macht es Sinn da mit Vorerkrankung doch den Versuch zu starten eine BUV abzuschließen?
Oder macht es mehr Sinn anderweitig so gut wie möglich vorzusorgen?


Speziell diese Frage sollte doch ein unabhängiger Berater (also kein Makler) beantworten können. Daß der natürlich auch von was leben will, ist doch selbstverständlich. Ich verstehe nicht, wieso es gerade in einem Ärzteforum immer so ein Riesenakt ist, einem anderen Freiberufler ein angemessenes Honorar zukommen zu lassen (was sich auch im Rahmen einer einzigen Monatsprämie bewegt und obendrein absetzbar ist). Ebenso kann ein Berater (oder meinetwegen die billigeren VBZ) auch die Eingangsfrage beantworten, ob man eine BUV überhaupt schon während des Studiums abschließen kann, wo die Approbation ja keineswegs automatisch erfolgt.

Absolute Arrhythmie
30.12.2019, 09:22
Danke für deine Antwort. Allerdings habe ich nirgendwo gesagt, dass ich nicht bereit wäre ein Honorar zu zahlen. Ich habe lediglich geschrieben, dass ich nicht einfach ein Produkt verkauft bekommen möchte, welches mein persönliches (hohes) Risiko nicht abdeckt. Dass man im Studium (oder davor) wahrscheinlich keine konkrete ärztliche Tätigkeit versichern kann, ist mir auch klar.
Ich hab nur gefragt ob jemand konkret mit der Vorabanfrage Erfahrungen gemacht hat. Wenn du auf die Frage nicht antworten kannst, besteht auch die Möglichkeit, einfach gar nicht zu schreiben.

tarumo
30.12.2019, 10:16
[QUOTE=Absolute Arrhythmie;2122321]Danke für deine Antwort. Allerdings habe ich nirgendwo gesagt, dass ich nicht bereit wäre ein Honorar zu zahlen. QUOTE]

Nein, Du nicht. Sorry für das Mißverständnis. Aber: In dem Moment, wo man hört, daß ein unabhängiger Berater sich doch tatsächlich erdreistet, Honorare zu verlangen, geht hier das verbale Nasenrümpfen hoch. Hier im thread am Anfang und in den anderen zum Thema auch. Gerade als Arzt*gn , von dem ständig erwartet wird, dies und das und jenes für lau zu machen, sollte man doch mehr Empathie zeigen. Einzelne Meinungen aus dem Forum sind bei einer so wichtigen Frage vielleicht weniger gut aufgehoben als bei jemandem, der das professionell seit Jahren macht...
sorry für off topic

GelbeKlamotten
30.12.2019, 10:16
Pssst- nicht weitersagen. Als Mieter zahlst Du nämlich auch die Versicherungen, Kaufnebenkosten und die Zinsen/Tilgung für den Immobilieneigentümer (sofern er die nicht geerbt hat). Nur ist das ganze in der "Miete" bzw. in den Nebenkosten versteckt und da fällt es nicht so auf. Zumindest in den Ballungsgebieten wird kein Vermieter seine Unkosten aus Nettigkeit selbst tragen, sondern 1:1 weitergeben. Ich bin immer wieder enttäuscht, wie leicht sich Hochschulabsolventen aufs Kreuz legen lassen...
Aber der Thread wird leicht OT.

Als Schwarmintelligenz hat die europäische Gesamtbevölkerung entschieden (und Nebenkosten, Umzüge und Familiengründung gibt es auch da), daß Eigenbesitz die optimale Lösung ist. Teilweise wird da schon für ein Studium eine Wohnung gekauft- und dann wieder verkauft. Niemand ist an die Wohnung gefesselt... Aber ´schland sticht ja schon mit schlechten Lösungen wie dem fehlenden Tempolimit, der umlagebasierten Sozialversicherung und dadurch katastrophalen Altersversorgung, einem weltweit einzigartigen "KV-System" etc...innerhalb Europas negativ heraus...und es stört auch keinen wirklich. Sonst hätten wir auch gelbe Kla...ääh, Westen auf den Straßen...


Dafür, dass du selbst offenbar keine Ahnung vom Thema hast und dich auf die europäische Schwarmintelligenz berufst (LOL), gibst du dich aber ganz schön gönnerhaft :-)
Den größten Teil der Kaufnebenkosten machen Grunderwerbsteuer und Notarkosten aus, allein das macht bei einer üblichen Immobilie locker 30.000 Euro aus, und die kannst du nicht "offiziell" auf den Mieter umlegen. Ob die nun deiner Meinung nach trotzdem in der Miete drinstecken oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle. Du brauchst nämlich gar nicht so viel Theorie, du musst einfach nur Cashflows vergleichen. Und wenn du das machst (bzw. ich würde vorschlagen du lässt das jemand anders für dich machen, denn du bist nicht in der Lage das ohne heftigen Bias zu tun), dann wirst du feststellen, dass sich Kaufen finanziell nur lohnt, wenn du auf stark steigende Immobilienpreise spekulierst. Und wenn du jetzt auch noch den Recency-Bias überwindest, dann wirst du feststellen: Das ist bei weitem nicht immer der Fall, auch in Deutschland nicht.
Ich kann dir nur sehr ans Herz legen, mal in die Bücher von Gerd Kommer reinzuschauen, der dieses und ähnliche Themen sehr gut Zahlen- und Wissenschafts-basiert aufgearbeitet hat.
Als Vorgeschmack kann ich dieses Interview mit Herrn Kommer empfehlen: https://www.youtube.com/watch?v=I8kdePKJDR8
Schau es dir bitte an, es wäre für dich eine extrem gut investierte Stunde, sowohl für die Allgemeinbildung als auch konkret für künftige finanzielle Entscheidungen.

Eine Wohnung fürs Studium kaufen und dann wieder verkaufen ist wohl eher kein ernst gemeinter Vorschlag oder? Selbst wenn der Immobilienmarkt weiter so explodieren würde wie in den letzten Jahren, schmeißt du damit mit beiden Händen Geld zum Fenster raus. Tatsächlich kommt jede ernstzunehmende Kalkulation zu dem Schluss, dass bei mehr als einem Umzug mit Verkauf und Neukauf einer Immobilie über die Lebenszeit gerechnet Mieten günstiger gewesen wäre. Und auch das unter der Annahme, man würde eine gleichwertige Immobilie mieten. Die meisten würden zumindest abschnittsweise etwas günstigeres Mieten und damit noch besser wegkommen.

Abseits all dieser Dinge ging es mir ursprünglich gar nicht darum, hier zu diskutieren, ob sich ein Immobilienkauf lohnt oder nicht. Es ging mir darum, dass die meisten Leute die Vorstellung haben "Im Moment zahle ich 500 Euro Miete, und wenn ich ein Haus kaufe, dann zahle ich die nicht mehr an den Vermieter, sondern an mich selbst, also 500 Euro im Monat gespart." Das ist halt einfach nicht richtig, aber kaum aus den Köpfen der Leute rauszubekommen.

freak1
30.12.2019, 10:44
Die Alternative ist natürlich nicht, das Geld aufs Sparkonto zu legen oder negativ verzinste Staatsanleihen zu kaufen und schon gar nicht, eine teure private rentenversicherung abzuschließen, sondern die Alternative ist, weltweit breit diversifiziert in Aktien zu investieren. Das ist für jemanden wie mich, die eben nicht durch eine Immobilie immobil werden will, die wesentlich bessere Alternative, die auch noch historisch mittel- bis langfristig fast immer lukrativer war als ein Immobilieninvestment und sehr viel weniger Klumpenrisiko birgt.

Man muss aber fairerweise sagen, dass der gesamte Aktienmarkt durch die dauerhafte 0-Zinspolitik maximal aufgebläht ist. Das Geld, das die Fed druckt verschwindet fast ausschließlich in der Wallstreet. Sollte die aus irgendeinem Grund crashen (das ist schon mehrfach passiert und nichts verhindert dass es nochmal kommt) werden sie alle anderen Aktienmärkte auf der Welt mitreißen.
Das Eigenheim gehört dir dann immer noch. Zumindest bis es aus sozialer Gerechtigkeit enteignet wird. In gewissen Stadtstaaten würde ich also tatsächlich Abstand davon nehmen. :-micro

tarumo
30.12.2019, 11:06
[QUOTE=GelbeKlamotten;2122327]
Eine Wohnung fürs Studium kaufen und dann wieder verkaufen ist wohl eher kein ernst gemeinter Vorschlag oder? QUOTE]

Es geht hierbei nicht um die Situation in Deutschland (wobei in meiner Unistadt gleiche mehrere reine Studi-Wohnblocks appartementweise verkauft wurden und zwar komplett- und das schon vor 20 Jahren) sondern um die Situation in anderen Ländern. In Malta oder Irland ist das völlig normal- und im Osteuropaforum findet sich hier auch der eine oder andere Beitrag.

Darf ich noch fragen, wieviel Notarkosten Du schon überwiesen hast, wieviele Immobilien gekauft und wieviele davon vermietet?

Die Wohnungsbaugesellschaften unterhalten ganze Rechtsabteilungen, die selbstverständlich in die Kalkulation der Miete mit eingehen, ebenso die Notargebühren. Auch wenn sie nicht wie der Hausmeister auf der Nebenkostenabrechnung auftauchen.

Das mit der Schwarmintelligenz ist so eine Sache: wenn ein Land als einziges auf der Welt irgendwas hat, was die anderen nicht haben, dann muß man das hinterfragen (Ein Geisterfahrer? Oder hunderte?) . Und da gehört die extrem niedrige Eigentumsquote (die vermutlich nur noch von den verbliebenen sozialistischen Ländern unterboten wird) halt mit dazu.

Heerestorte
30.12.2019, 11:29
Mehrere Kommilitonen haben sich vor 6 Jahren eine Wohnung gekauft und jeder hat bisher mindestens 100% Wertsteigerung seiner Immobilie erlebt.

freak1
30.12.2019, 11:37
@Heerestorte
Der Immobilienmarkt ist aktuell auch eine riesige Blase vor dem z.T. die Großbanken selbst warnen. Da wird es früher oder später zu einer richtig harten Korrektur kommen (müssen).

GelbeKlamotten
30.12.2019, 11:47
Die Wohnungsbaugesellschaften unterhalten ganze Rechtsabteilungen, die selbstverständlich in die Kalkulation der Miete mit eingehen, ebenso die Notargebühren. Auch wenn sie nicht wie der Hausmeister auf der Nebenkostenabrechnung auftauchen.

Hast du meinen letzten Post gelesen? Es spielt überhaupt keine Rolle, was in der Theorie noch mit in die Mietkalkulation einfließt. Entscheidend ist der Vergleich der konkreten Cashflows von Mieter und Käufer. Und der favorisiert in den meisten Kalkulationen nicht den Mieter. Das ist wie in der Medizin: ein Medikament kann in der Theorie bestens geeignet sein, eine Krankheit zu bekämpfen, bzw. man kann die Theorie eben so hindrehen, dass es so aussieht. Wenn es dann in klinischen Studien keine Wirkung zeigt, dann hat es trotzdem keinen realen Nutzen.
Das mit der Schwarmintelligenz kannst du gerne glauben. Funktioniert ja in anderen Bereichen auch super :-keks




Man muss aber fairerweise sagen, dass der gesamte Aktienmarkt durch die dauerhafte 0-Zinspolitik maximal aufgebläht ist. Das Geld, das die Fed druckt verschwindet fast ausschließlich in der Wallstreet. Sollte die aus irgendeinem Grund crashen (das ist schon mehrfach passiert und nichts verhindert dass es nochmal kommt) werden sie alle anderen Aktienmärkte auf der Welt mitreißen.
Das Eigenheim gehört dir dann immer noch. Zumindest bis es aus sozialer Gerechtigkeit enteignet wird. In gewissen Stadtstaaten würde ich also tatsächlich Abstand davon nehmen. :-micro

Und was ist mindestens genauso aufgebläht wie der Aktienmarkt? Richtig, der Immobilienmarkt ;-)

Bislang wurden, mit Ausnahmen einzelner Binnenmärkte wie z.B. Japan, Börsencrashs immer in den folgenden Jahren rasch überkompensiert. Wenn ich also einen Anlagehorizont von 25 Jahren habe und in dieser Zeit 3 Crashs passieren, dann ist das super für mich, denn dann hatte ich viel Zeit, in der ich günstig Aktien kaufen konnte. Die Angst vorm Crash ist bei entsprechendem Anlagehorizont weitestgehend unbegründet.
Ein Welt-Aktien-Portfolio kann nicht komplett wertlos werden, solange die Weltwirtschaft nicht vollkommen zerstört ist. Und in dem Fall hättest du andere Probleme als die Altersvorsorge. Genausowenig wird eine Immobilie komplett wertlos. Beides kann aber in kurzer Zeit hohe Wertschwankungen durchlaufen. Das Argument "Mein Haus gehört dir dann immer noch und ich kann immer noch darin wohnen" ist eines der typischen Floskel-Argumente, die bei näherem hinsehen keine Substanz haben.

Wenn sowohl der Immobilienmarkt, als auch die Börsenindices um 70% einbrechen, dann kannst du sagen "Tja, aber mein Haus ist immer noch das selbe, aber deine Aktien sind weniger wert." Dann sage ich "Tja, aber mit meinem Aktienvermögen könnte ich mir immer noch ein gleichwertiges Haus kaufen, denn die Preise sind ja jetzt auch im Keller."

Der Hausbesitzer fährt nur dann besser, wenn die Aktienmärkte einbrechen und gleichzeitig die Immobilien im Wert steigen. In umgekehrter Konstellation ist es andersrum. Und historisch gesehen hatten die Aktienmärkte fast immer die Nase vorn.

Mein MSCI ACWI ETF hat gegenüber deiner Immobilie aber eben den Vorteil der weltweiten Diversifikation. Wer sein ganzes Erspartes in eine Immobilie steckt betreibt mit seinem Investment unvermeidbar einen extremen 'home bias'. Wenn die deutsche Wirtschaft in den Keller geht, weil in 20 Jahren nur noch Tesla und NIO gefahren wird und nicht mehr Audi und Mercedes, dann spielt das für mein diversifiziertes Aktienportfolio kaum eine Rolle. Die deutschen Anteile fallen, die amerikanischen und chinesischen steigen. Solange die Gesamtwirtschaft gut läuft passt alles. Mit deinem Haus in Ingolstadt dagegen musstest du alles auf eine Karte setzen und hättest damit in dem Fall das Spiel verloren. Wenn ich dann auch in Ingolstadt wohnen will, dann entnehme ich ein Zehntel von meinem Aktienportfolio und kaufe mir dafür auch so eine Billigbude ;-)

Das ist jetzt nur ein Beispiel, keineswegs eine Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung. Generell würde mich aber tatsächlich allein schon die Kombination aus home bias und Klumpenrisiko vom Immobilienkauf abhalten.

GelbeKlamotten
30.12.2019, 11:52
Mehrere Kommilitonen haben sich vor 6 Jahren eine Wohnung gekauft und jeder hat bisher mindestens 100% Wertsteigerung seiner Immobilie erlebt.


So ist es, in den letzten 10 Jahren sind die Immobilienpreise durch die Decke gegangen, aufgrund der Zinssenkungen der Zentralbanken. Die sind so nicht mehr wiederholbar, daher wird so eine enorme Rally nicht mehr zustande kommen. Das war tatsächlich auch die einzige derartige Zeitspanne, in der Immobilien Aktien etwas übertroffen haben. Der Unterschied ist allerdings auch nur moderat, die Börsen liefen auch sehr gut und mit einem Investment in einen Welt-ETF hätte man sein Geld in den letzten 6 Jahren auch fast verdoppelt - ohne jetzt an eine Immobilie gebunden zu sein ;-)

tarumo
30.12.2019, 12:04
Im Gegensatz zu Aktien oder ähnlich Abstraktem ist ein Dach über dem Kopf in Mitteleuropa tatsächlich überlebensnotwendig. Ein Ende des Immo- Booms würde nur eine Abnahme der Gesamtbevölkerung und/oder ein Rückgang der aktuell starken Geburtenrate bewirken. Beides ist momentan nicht in Sicht- im Gegenteil, die in den Umfragen führenden Parteien haben sogar vor, den dringend notwendigen Wohnungsneubau letztendlich weiter einzuschränken (kann man in Berlin sehr gut beobachten, wo der Neubau aufgrund diverser Gesetze nahezu zum Erliegen gekommen ist).
Und ein knappes Gut wird weiter im Preis steigen.

GelbeKlamotten
30.12.2019, 12:14
Im Gegensatz zu Aktien oder ähnlich Abstraktem ist ein Dach über dem Kopf in Mitteleuropa tatsächlich überlebensnotwendig. Ein Ende des Immo- Booms würde nur eine Abnahme der Gesamtbevölkerung und/oder ein Rückgang der aktuell starken Geburtenrate bewirken. Beides ist momentan nicht in Sicht- im Gegenteil, die in den Umfragen führenden Parteien haben sogar vor, den dringend notwendigen Wohnungsneubau letztendlich weiter einzuschränken (kann man in Berlin sehr gut beobachten, wo der Neubau aufgrund diverser Gesetze nahezu zum Erliegen gekommen ist).
Und ein knappes Gut wird weiter im Preis steigen.

Schon wieder so viel Meinung und Spekulation bei so wenig Ahnung.
Ein Dach über dem Kopf wird man sich auch in 30 Jahren noch als Mieter beschaffen können.
Beschäftige dich mal mit den historischen realen Wertsteigerungen von Immobilien, über die letzten 10 Jahre hinausgehend (schau das Video, das ich oben verlinkt habe als Einstieg). Einen "Boom" gab es einzig und allein wegen der Zinssenkungen. Ansonsten ist die inflationsbereinigte Wertsteigerung von Immobilien historisch überwiegend relativ überschaubar. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es weiter eine leichte Wertsteigerung von Immobilien geben. Aber bei einem Anlagehorizent von 20+ Jahren wird sich auch weiterhin mit hoher Wahrscheinlichkeit der weltweite Aktienmarkt wesentlich besser entwickeln bei geringerem, weil viel diversifizierterem Risiko.