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WackenDoc
01.02.2020, 10:37
EBEN. Wir haben de facto null Risiko einer ernsthaften Arbeitslosigkeit (also mehr als mal 2-3 Monate Überbrückung), zahlen so oder so in unser Versorgungswerk ein (egal ob selbständig, scheinselbständig oder angestellt), zahlen unsere Krankenversicherung. Und die Verdienstmöglichkeiten sind so, dass man sich das auch recht problemlos leisten kann. Als Notarzt ist der Stundensatz zwar vergleichsweise niedrig, dafür kann man ja Stunden machen ohne sich kaputt zu arbeiten.

tarumo
01.02.2020, 23:09
Bevor die Diskussion in die falsche Richtung abbiegt:
als "KV" Vertragsarzt (und die KV-Dienste sind die Schmalspurversion davon) erfüllt man praktisch alle Kriterien des Scheinselbstständigen: der genaue Ort, Arbeitszeit und Umfang bis hin zum kleinsten Formular sind exakt vorgegeben, man hat keinerlei Möglichkeiten, sein Honorar frei zu kalkulieren, man muß sich für den Urlaub abmelden, Fortbildungen nachweisen, auf Anweisung bestimmte Soft- und Hardware installieren, zugewiesene Patienten (TSS) akzeptieren und die zwangsweisen Diensteinteilungen für Fahrdienst und Sitzdienst bzw. INZ sind auch klassische Vorgaben durch einen "Arbeitgeber".
Dennoch gibt es offensichtlich die Anweisung an die zuständigen Stellen, sich ruhig zu verhalten. Wie man hört, haben sich einige KollegInnen bereits schon vor Jahren aus Verzweiflung selbst angezeigt (!), diese Verfahren sind wohl komplett im Sande verlaufen. Wäre es anders, hätte man mit einem Schlag das KV-System komplett zerstört und daran hat die Politik natürlich kein Interesse. Insofern droht aus der Ecke DRV bzgl. "Scheinselbstständigkeit" im KV-System erst mal keine Gefahr.
Warum man gezielt die Honorarärzte und hier insbesondere die Notärzte "hochgenommen" hat, weiß ich nicht. Vermutlich werden im deutschen Gesundheitssozialismus keine frei verhandelten Einkünfte mehr geduldet und eine nicht mehr besetzte NA-Schicht (wie es mittlerweile durchaus üblich ist) ist im Sinne der Politik zum einen gut für die klamme Rentenkasse ( Stichwort: "sozialverträgliches Frühableben") und zum anderen gut für die Krakenkassen, die sich dann das gesparte Geld wie üblich selbst in die Tasche stecken können.

daCapo
02.02.2020, 11:24
Vermutlich werden im deutschen Gesundheitssozialismus keine frei verhandelten Einkünfte mehr geduldet

Hmm hier ist wieder die Grundsatzdiskussion. Es besteht kein freier Markt, es werden keine Autos oder Hotelzimmer verkauft. Es sind Patienten, keine Kunden. DENN: Alles kommt von Krankenkassenbeiträgen (die hoch sind im internationalen Vergleich und etwas unfair verteilt werden dank PKV/GKV). Eine Solidargemeinschaft. Kein freier Markt.

tarumo
03.02.2020, 05:57
Der oft bemühte Begriff "Solidargemeinschaft" bezeichnet jede Art von Versicherung. Auch die fürs Auto. Die GKV ist dagegen ein Umlageverfahren- Geld rein, Geld raus. Und hat man viel eingezahlt, benötigt später zu einer Phase knapper Kassen teure Leistungen...Pech gehabt. Siehe auch die Rente. Unsere Nachbarn machen uns vor, wie es besser geht. Und sogar ganz ohne ein KV-System. Nicht nur in der Krankenversicherung, sondern auch bei der Rente. Noch dazu zweigt alleine die AOK schon vorab Geld für soviel Mitarbeiter ab, wie es annähernd niedergelassene Ärzte in Deutschland gibt. Die "besondere Note" wird dem hier oben propagierten angeblich unfreien Markt dadurch verliehen, daß sich eben doch Akteure, vom KH-Vorstand bis zum KK-Boss, die Taschen nach Gusto vollstopfen können, und es Konzernen erlaubt wird, eine geradezu obszöne Rendite von 10-20% (was sonst kaum eine Firma schafft) aus den Zwangsbeiträgen zu erwirtschaften. Zur Erinnerung: die DRGs sollen per Definition die laufenden Kosten decken, Gewinn ist gar nicht erst vorgesehen.
Und jetzt kommst Du und behauptest, diejenigen, die die Arbeit am Patienten machen (Ärzte und Pflege) sollen sich gefälligst damit zufrieden geben was übrig bleibt, nachdem sich alle anderen Instanzen bedient haben? Nur weil es eine Zwangsabgabe ist?
Von gelegentlich propagierten Dummsprech a la "Kunden" wie es bisweilen ja schon eingeführt wird, ganz zu schweigen. Kranke Menschen sind für mich in erster Linie immer noch Patienten.
just meine 2cents

daCapo
03.02.2020, 06:48
Und hat man viel eingezahlt, benötigt später zu einer Phase knapper Kassen teure Leistungen...Pech gehabt. Siehe auch die Rente (...)
Die "besondere Note" wird dem hier oben propagierten angeblich unfreien Markt dadurch verliehen (...)
Und jetzt kommst Du und behauptest, diejenigen, die die Arbeit am Patienten machen (Ärzte und Pflege) sollen sich gefälligst damit zufrieden geben was übrig bleibt, nachdem sich alle anderen Instanzen bedient haben? Nur weil es eine Zwangsabgabe ist? (...)
Von gelegentlich propagierten Dummsprech a la "Kunden" wie es bisweilen ja schon eingeführt wird, ganz zu schweigen. Kranke Menschen sind für mich in erster Linie immer noch Patienten.
just meine 2cents

a) Nein; man kann viel in die GKV eingezahlt haben und auch später viel "rausbekommen" weil man schwer chronisch krank ist, oder man ist in Jungen Jahren schwer chronisch krank und kriegt Leistungen der GKV; die PKV nimmt einen dann erst garnicht
b) Ja es ist kein freier Markt, auch Spitzenpositionen in der GKV-Verwaltung brauchen keine besonders hohe Vergütung
c) Nee habe ich nicht gesagt, dass sie sich damit zufrieden geben sollen, dass versucht du mir in den Mund zu legen. Gerade für die Pflege gilt das überhaupt nicht. Wenn mancher Orthopäde schon im Fernsehen sagt, beim 50. Knie OP im Jahr stellt er die Indikation "weich" weil er die Zahlen braucht .... ohne Worte.
c) Da sind wir uns einig. Es handelt sich um kranke Patienten und nicht Kunden in einem hotelartigen Gebilde.

tarumo
03.02.2020, 08:12
a) Nein; man kann viel in die GKV eingezahlt haben und auch später viel "rausbekommen" weil man schwer chronisch krank ist, oder man ist in Jungen Jahren schwer chronisch krank und kriegt Leistungen der GKV; die PKV nimmt einen dann erst garnicht
Ein schwerkranker Pat. bekommt genausoviel an Leistungen, wie zum Zeitpunkt der Erkrankung noch in der "Kasse" vorhanden ist. unabhängig davon, was er eingezahlt hat. Wie bei der DRV...Vereinfacht im ambulanten Sektor auch Budget genannt. Beispiel: Zahnersatz und Brille, bis in die 80er kein Problem, heutzutage kein Geld mehr da. Was die PKV eingeht, handelt es sich um schädliche politische Einmischung, nämlich um den Verzicht auf Kontrahierungszwang wie in den meisten anderen Ländern und zum anderen die unselige Versicherungspflichtgrenze, die verhindert, daß man sich "jung und gesund" oder bereits als Neugeborenes via Eltern in der PKV anmelden kann. Wenn der Markt komplett liberal wäre, dann würde sich die weit überwiegende Mehrheit in eine privaten Versicherung einzahlen (wie in den meisten Ländern auch, oder bei der Kfz-Versicherung, wobei die meisten Einwohner im Schnitt sogar mehr als ein Auto haben) und das Risiko komplett auf die dortige "Solidargemeinschaft" verlagern, und die GKV dafür bleiben, wofür sie von Bismarck geschaffen wurde, nämlich für die paar Prozent der Bevölkerung, die auf Staatshilfe angewiesen sind und obendrein auch nicht in der Lage, mit Geld zu wirtschaften, wg. Analphabetismus oder geistiger Einschränkung.


b) Ja es ist kein freier Markt, auch Spitzenpositionen in der GKV-Verwaltung brauchen keine besonders hohe Vergütung

Sie brauchen es nicht, genehmigen sich das aber. Bezüge weit höher als Bundeskanzler für eine rein verwaltende Tätigkeit ohne unternehmerisches Risiko in einer öffentlichen Körperschaft sind da völlig selbstverständlich. Bitte informieren. Bei Nachfragen wird das immer mit dem hohen Milliardenvolumen, was man "beaufsichtigt", begründet. Schön, aber warum soll sich dann der Leiter des Finanzamtes Heilbronn, der mit den Herren Schwarz (Lidl) und Würth zwei der reichsten Deutschen überhaupt in seiner "Kartei" hat, sich dann auch weiterhin mit der Beamtenvergütung als Amtsleiter zufrieden geben?

daCapo
03.02.2020, 08:21
Ein schwerkranker Pat. bekommt genausoviel an Leistungen, wie zum Zeitpunkt der Erkrankung noch in der "Kasse" vorhanden ist. unabhängig davon, was er eingezahlt hat. Wie bei der DRV...Vereinfacht im ambulanten Sektor auch Budget genannt. Beispiel: Zahnersatz und Brille, bis in die 80er kein Problem, heutzutage kein Geld mehr da. Was die PKV eingeht, handelt es sich um schädliche politische Einmischung, nämlich um den Verzicht auf Kontrahierungszwang wie in den meisten anderen Ländern und zum anderen die unselige Versicherungspflichtgrenze, die verhindert, daß man sich "jung und gesund" oder bereits als Neugeborenes via Eltern in der PKV anmelden kann. Wenn der Markt komplett liberal wäre, dann würde sich die weit überwiegende Mehrheit in eine privaten Versicherung einzahlen (wie in den meisten Ländern auch, oder bei der Kfz-Versicherung, wobei die meisten Einwohner im Schnitt sogar mehr als ein Auto haben) und das Risiko komplett auf die dortige "Solidargemeinschaft" verlagern, und die GKV dafür bleiben, wofür sie von Bismarck geschaffen wurde, nämlich für die paar Prozent der Bevölkerung, die auf Staatshilfe angewiesen sind und obendrein auch nicht in der Lage, mit Geld zu wirtschaften, wg. Analphabetismus oder geistiger Einschränkung.



Nochmal: Eine Chronisch kranke Person (auch über der Grenze) wird von der PKV abgelehnt werden, du forderst hier amerikanische Verhältnisse; Nein Danke!
Ja warum ist denn für Zahnersatz und Brille kein Geld mehr da? Weil es woanders vergeben wird: Die hohe MRT Dichte pro Einwohner (das gab es sicher nicht in den 80er Jahren), die hohe Anzahl an Krankenbetten pro Einwohner, die zahlreichen Therapiemöglichkeiten im Vergleich zu den 80er Jahren; 1 Jahr Trastzuzumab gab es in den 80er Jahren nicht.

tarumo
03.02.2020, 08:40
Nochmal: Eine Chronisch kranke Person (auch über der Grenze) wird von der PKV abgelehnt werden, du forderst hier amerikanische Verhältnisse.

Ich fordere Verhältnisse wie in anderen europäischen Ländern, wo ein Neugeborenes am ersten Tag (oder schon vor der Geburt) in einer Krankenversicherung (KEINER Kasse) angemeldet werden kann, sofern die Eltern ein geregeltes Einkommen beziehen. Vielleicht mag hier einer der Schweizer Mitschreiber von seinen Erfahrungen berichten?


Die hohe MRT Dichte pro Einwohner (das gab es sicher nicht in den 80er Jahren),.


Die Fehlallokationen im Gesundheitswesen sind ein großes Thema, aber nachdem bei einer Kassenvergütung von derzeit ca. 150 EUR für ein MRT (weltweit niedrigster Betrag überhaupt) eine Brille noch nicht mal zur Hälfte bezahlt ist, ist das ganz sicher nicht die Ursache dafür. Das Geld aus der Rentenversicherung verschwindet sogar ganz ohne Zutun. Demographie heißt das Zauberwort.


die hohe Anzahl an Krankenbetten pro Einwohner.

In den vielen deutschen Krankenhäusern liegen zu jeder Tages- und Nachtzeit die Patienten auf den Gängen, haben wir da wirklich Bettenüberschuss?


die zahlreichen Therapiemöglichkeiten im Vergleich zu den 80er Jahren; 1 Jahr Trastzuzumab gab es in den 80er Jahren nicht.

Der medizinische Fortschritt hat in allen entwickelten Ländern gleichermaßen stattgefunden, nur in Deutschland hat man es geschafft, daß im Gegenzug für die weltweit höchsten KV-Beiträge nun auch schon simple Medikamente nicht mehr lieferbar sind. Von vielen Fortschritten sind die GKV-Mitglieder sogar grundsätzlich ausgeschlossen, wenn Institutionen wie der GBA und das IQWIG den Daumen senken...

daCapo
03.02.2020, 09:03
Ich fordere Verhältnisse wie in anderen europäischen Ländern, wo ein Neugeborenes am ersten Tag (oder schon vor der Geburt) in einer Krankenversicherung (KEINER Kasse) angemeldet werden kann, sofern die Eltern ein geregeltes Einkommen beziehen. Vielleicht mag hier einer der Schweizer Mitschreiber von seinen Erfahrungen berichten?

Die Fehlallokationen im Gesundheitswesen sind ein großes Thema, aber nachdem bei einer Kassenvergütung von derzeit ca. 150 EUR für ein MRT (weltweit niedrigster Betrag überhaupt) eine Brille noch nicht mal zur Hälfte bezahlt ist, ist das ganz sicher nicht die Ursache dafür. Das Geld aus der Rentenversicherung verschwindet sogar ganz ohne Zutun. Demographie heißt das Zauberwort.



In den vielen deutschen Krankenhäusern liegen zu jeder Tages- und Nachtzeit die Patienten auf den Gängen, haben wir da wirklich Bettenüberschuss?

Der medizinische Fortschritt hat in allen entwickelten Ländern gleichermaßen stattgefunden, nur in Deutschland hat man es geschafft, daß im Gegenzug für die weltweit höchsten KV-Beiträge nun auch schon simple Medikamente nicht mehr lieferbar sind. Von vielen Fortschritten sind die GKV-Mitglieder sogar grundsätzlich ausgeschlossen, wenn Institutionen wie der GBA und das IQWIG den Daumen senken...

a) Leider ist DE kein Steuerparadies (gewesen) wie die Schweiz mit ihren 7 Mio Einwohnern und konnte entsprechende Pfründe anhäufen
b) Gerade noch gesehen: Gleitsichtbrille für 142€; meine hat 200€ gekostet, einfach frei erfunden
c) Keineswegs liegen hier irgendwelche Patienten auf dem Flur, einfach frei erfunden
d) Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt; in anderen Ländern werden Brille und Zähne auch bnicht den Leuten hinterhergeworfen, so braucht man nicht sachlich diskutieren

Christoph_A
03.02.2020, 09:45
a)
c) Keineswegs liegen hier irgendwelche Patienten auf dem Flur, einfach frei erfunden
d) Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt; in anderen Ländern werden Brille und Zähne auch bnicht den Leuten hinterhergeworfen, so braucht man nicht sachlich diskutieren

Zu c) Damit disqualifizierst Du Dich selbst, wenn Du Flurbetten als frei erfunden bezeichnest. In den letzten 15 Jahren meiner ärztlichen Tätigkeit xmal gesehen und auch betreut, und das im "reichen" Süddeutschland.

Zu D) Klassische Contradictio in eo ipso. Sachlichkeit einfordern und dann polemisieren. Man wirft Leuten keine Brillen hinterher, diese werden als Sehhilfe aka elementar wichtiges Tool benötigt.

daCapo
03.02.2020, 10:02
Zu c) Damit disqualifizierst Du Dich selbst, wenn Du Flurbetten als frei erfunden bezeichnest. In den letzten 15 Jahren meiner ärztlichen Tätigkeit xmal gesehen und auch betreut, und das im "reichen" Süddeutschland.

Zu D) Klassische Contradictio in eo ipso. Sachlichkeit einfordern und dann polemisieren. Man wirft Leuten keine Brillen hinterher, diese werden als Sehhilfe aka elementar wichtiges Tool benötigt.

a) ich habe noch nie welche gesehen in 6 Jahren Tätigkeit in NRW und Sachsen Anhalt an Unikliniken/kleinen Häusern, wie bereits erwähnt: es ist doch ein organisatorisches Defizit: Ein Krankenhaus nimmt auf obwohl es keine Betten hat (!)
b) Das war überspitzt formuliert, da Tarumo auch gerne überspitzt seine Thesen hier darbietet. Leider sind die Resourcen der Krankenkassen nicht unendlich. Vorschlag: Kann man eine Zuzahlung pro MRT vereinbaren in Höhe von 100€, kleine Krankenhäuser an große binden und die Chefarztposten in den kleinen Häusern einsparen, Gehälter von KK-Chefs begrenzen und dafür Sehhilfen zahlen.
c) Bemerkenswert ist insb. die schwankende Qualität der MRT Bilder im Bereich Neuroradiologie von Praxen: Ohne KM (weil kein Zugang gefunden zum Teil als Begründung), oder mit KM aber ohne T1 nativ; oft FAST Sequenzen in miserabler Auflösung mit 5 mm Schichten. Nahezu alle Fachbereiche in der Uniklinik lassen die Bilder dann wiederholen. Ähnliches gilt für CT Bilder (insb. erfolgen hier Aufnahmen in extrem späten Phasen) und dem Resultat nicht verwertbarer Bilder-->wird aber alles gezahlt.

tarumo
03.02.2020, 10:40
a) Leider ist DE kein Steuerparadies (gewesen) wie die Schweiz mit ihren 7 Mio Einwohnern und konnte entsprechende Pfründe anhäufen

Als eins der führenden (ehemals?) Industrieländern der westlichen Welt mit der weltweit zweithöchsten Steuer- und Abgabenquote hätte man ja ein kapitalgedecktes Renten- und Krankenversicherungssystem in den letzten 50 Jahren einführen können. Unsere südöstlichen Nachbarn, die ´45 auch bei Null angefangen haben, ist nicht nur ein besseres Rentensystem mit 70% Auszahlung anstatt 41% wie demnächst bei uns geglückt, es gibt dort auch kein hypertrophes GKV-System oder eine politisch gegängelte PKV. Dafür sind Neuwagenkäufe staatlicherseits eben nicht so erwünscht wie bei uns, was sich in einer Art Kfz- Luxussteuer manifestiert.

In ´schland kann sich jeder 20-jährige einen AMG-Mercedes hinstellen, bekommt aber dafür mit Pech im Krankheitsfall keine Medikamente mehr und später kaum noch Rente (überspitzt gesagt)


Wenn mancher Orthopäde schon im Fernsehen sagt, beim 50. Knie OP im Jahr stellt er die Indikation "weich" weil er die Zahlen braucht .... ohne Worte.
.
ja, genau. WER hat es denn erfunden? Daß erbrachte Operationen nicht vergütet werden, weil zu wenige? Oder ganze Abteilungen geschlossen werden müssen, weil "zu wenig". Genau, die GKV war es. Unter dem Stichwort "Qualitätssicherung" . Woraus die Qualität resultieren soll, wenn man ein Fließband-System implementiert, sagt keiner. Als I-Tüpfelchen kommt die Versagung konservativer Leistungen durch die GKV hinzu, z.B. beim Thema Rückenschmerzen.
Daß man hergeht und "hintenrum" willkürliche Mindestmengen für Operationen festlegt (weil man ansonsten nicht bezahlt) und anschließend "vornerum" via Presse und Co. beklagt, daß zuviel operiert wird (wieder ein Grund, nicht zu bezahlen), ist genau mein Humor.
Nur schade, daß selbst in einem Medizinerforum solche Dinge nicht verstanden werden.

tarumo
03.02.2020, 10:49
a) ich habe noch nie welche gesehen in 6 Jahren Tätigkeit in NRW und Sachsen Anhalt an Unikliniken/kleinen Häusern, wie bereits erwähnt: es ist doch ein organisatorisches Defizit: Ein Krankenhaus nimmt auf obwohl es keine Betten hat (!) .

Genau, die Krankenhäuser haben rumtelefoniert, man möge bitte zuweisen. :-wand
Immer mehr Patienten weisen sich quasi selbst ein, und dann gibt es noch die Zwangsbelegung durch NA. In den umliegenden Häusern sieht es oft genauso aus. Eine Schließung einzelner Stationen über Weihnachten o.ä. drückt die Belegungsquote unter 100%...



: Kann man eine Zuzahlung pro MRT vereinbaren in Höhe von 100€, kleine Krankenhäuser an große binden und die Chefarztposten in den kleinen Häusern einsparen, Gehälter von KK-Chefs begrenzen und dafür Sehhilfen zahlen.


Die Vorschläge von Dir (Zuzahlung durch Pat. /Begrenzung der Gehälter der KK-Chefs) sind seit Jahren in der Diskussion und parteiübergreifend schlicht NICHT GEWÜNSCHT. Warum Abteilungen in kleinen Krankenhäusern keinen ltd. Arzt haben dürfen, erschließt sich mir nicht so richtig. Die Linie, kleine KH zu schließen, verfolgt man ja schon.



c) Bemerkenswert ist insb. die schwankende Qualität der MRT Bilder im Bereich Neuroradiologie von Praxen

Die Gesetzesnorm gemäß SGB 5 lautet für GKV-Mitglieder WANZ: das A steht für ausreichend, also Note 4- in der Behandlung. Optimale Behandlung ist nicht vorgesehen und wird auch bestraft, via Regress und Co.
Was die Radiologe anbetrifft: die GKV hat via KV ambulant eine Beschränkung auf max. 4 native, mit KM 6 Sequenzen einschließlich der Raumachsen als verbindlich vorgegeben. Will man überhaupt Geld erhalten, tut man gut dran, sich daran zu halten. Extrawürste, z.B. als teuer zu beschaffende Software, sind auch nicht drin. Die Vergütung für Kontrastmittel liegt in verschiedenen KVen schon unter dem Einkaufspreis, von dem Aufwand für Material und Pumpe und der Arbeitszeit ganz zu schweigen. Insofern wird man hier auch eher zurückhaltend verfahren.
Für ein amb. CT bekommt man aktuell ca. 70 EUR (soviel wie eine Ausstellung eines Reisepasses kostet) aber auch nur, wenn der Pat. im Quartal noch nicht da war. In Bukarest kostet ein CT schon gut dreistellig...

Christoph_A
03.02.2020, 10:54
a) ich habe noch nie welche gesehen in 6 Jahren Tätigkeit in NRW und Sachsen Anhalt an Unikliniken/kleinen Häusern, wie bereits erwähnt: es ist doch ein organisatorisches Defizit: Ein Krankenhaus nimmt auf obwohl es keine Betten hat (!)

Und die Worte Aufnahmeverpflichtung oder Zwangsbelegung gibt es in Deiner bubble jetzt nicht so, oder? Frag gern mal unsere Kollegenfraktion hier aus NRW, sind ja genügend, ob die Dir da beipflichten können, daß es in NRW keine Gangbetten gibt, weil das Belegungsmanagment so toll ist...

daCapo
03.02.2020, 11:00
a) Immer noch nicht verstanden: Die PKV nimmt keine chronisch kranken oder ähnliches, was sollen die dann machen?
b) Wer will sich überhaupt in einer Ortopdädie sein Knie machen lassen, der das nur 30-50x im Jahr macht; mir wäre das zu wenig. Abteilungen, die eine Whipple OP nur 1x im Jahr durchführen, sollten dies nicht erlaubt sein. Genauso wie beim Knie. Schade, dass sowas über Vergütung gelöst wird.
c) YEP, kenne einen Notarzt, der ein (ehemals) unterbelegtes, von der Schließung bedrohtes KH immer gut beliefert hat, inkl. Schlaganfall usw. obwohl es garkeine Neurologie gibt. Man kann sich durchaus abmelden als KH und dann fahren die Notärzte andere Häuser an. Hat der damalige CA der Inneren Medizin auch gemacht. Ich bestreite hier nicht, dass Pat. auf dem Flur liegen über Nacht, habe es aber selber noch nicht gesehen. Es ist ein offenes Geheimnis: Zu viele Patienten, die garnicht stationär sein müssen sind es, oder warum ist die Betten pro Einwohner Quote anderswo niedriger und die Patienten leben genausolang oder länger?
d) Dann muss man eben bei der Brille zahlen, wenn man anderes nicht wünscht. Klar haben Abteilungen in kleineren KH (die Teil eines größeren sind) einen Oberarzt, der dann aber dem Chef in dem großen KH untersteht.

Evil
03.02.2020, 11:05
Jap, im Ruhrpott hab ich in jetzt gut 15 Jahren ärztlicher Tätigkeit immer mal Flurbetten in den verschiedensten Kliniken gesehen, vom Grund- bis zum Maximalversorger. Auch im wohlhabenden Speckgürtel. Nicht ständig, aber immer mal wieder. Und abgemeldete Kliniken werden durchaus trotzdem vom RD angefahren, wenn es keine Alternativen gibt. Auch das habe ich selber schon als Notarzt tun müssen.

Ich bin ja bekanntermaßen kein Freund von tarumos dezent paranoidem Sozialistenbashing, und ganz so schwarz, wie er es darstellt, beurteile ich die Situation auch nicht, die rosarote Brille hilft aber auch nicht weiter.

tarumo
03.02.2020, 11:13
a) Immer noch nicht verstanden: Die PKV nimmt keine chronisch kranken oder ähnliches, was sollen die dann machen?
.

Die hiesige PKV nimmt keine chronisch Kranken, weil staatlicherseits kein Kontrahierungszwang festgelegt wurde, warum auch immer. In anderen Ländern funktioniert das ganz wunderbar. Die Versicherungspflichtgrenze kommt noch als politisch verordnete "Rosinenpickerei" dazu. Ein System, in dem 95% in der PKV wären, würde das gesamte Risiko, das jetzt bei der GKV liegt, adäquat wiedergeben. Die 5% Sozialfälle könnten wie gehabt im Sachleistungssystem von einer (!) gesetzlichen Kasse gemanagt werden. Genau so wie von Bismarck gedacht.
Nachteil: es bräuchte keine 150 Kassen mit exorbitanten Gehältern und Luxuspalästen, es gäbe aber auch keine Versorgungsposten für Politiker mehr, weswegen es so nieeee kommen wird.

Mit der politischen Verordnung eines Kontrahierungszwangs durch die PKV und dem Entfall der Versicherungspflichtgrenze wäre die GKV ebenso 95% ihrer Mitglieder los (wer zahlt schon gerne viel für wenig Leistung?) mit den Folgen wie oben.
Für die Rente gilt genau das gleiche.

tarumo
03.02.2020, 11:43
Ich bin ja bekanntermaßen kein Freund von tarumos dezent paranoidem Sozialistenbashing.

Finde ich ja schon wieder witzig, daß die von mir immer wieder geäußerte Kritik an den Herren Spahn, Laumann, Henke und auch "Mutti " (alles CDU-Mitglieder) jetzt schon als "Sozialistenbashing" bezeichnet wird. Bei Lauterbach unterstelle ich mal, daß er die SPD-Mitgliedschaft aus (früher) in NRW förderlichem Parteibuchinteresse eingegangen ist- bevor er die Lobbyistenkarriere einschlug, war er wohl mal FDP-Mitglied.
Was ich in der Tat kritisiere ist der ungute Mischmasch aus sozialistischer Planwirtschaft mit kapitalistischen Versatzstücken im deutschen Gesundheitswesen, der ambulant noch durch ein weltweit einzigartiges "KV-System" angereichert wird.

daCapo
03.02.2020, 11:56
Jap, im Ruhrpott hab ich in jetzt gut 15 Jahren ärztlicher Tätigkeit immer mal Flurbetten in den verschiedensten Kliniken gesehen, vom Grund- bis zum Maximalversorger. Auch im wohlhabenden Speckgürtel. Nicht ständig, aber immer mal wieder. Und abgemeldete Kliniken werden durchaus trotzdem vom RD angefahren, wenn es keine Alternativen gibt. Auch das habe ich selber schon als Notarzt tun müssen.



Also die Flurbetten habe ich nur bis abends gesehen (was natürlich auch nicht für gute Organisation spricht), nachts nie. Insgesamt alles eher ausnahme als Regel.



Die hiesige
Nachteil: es bräuchte keine 150 Kassen mit exorbitanten Gehältern und Luxuspalästen, es gäbe aber auch keine Versorgungsposten für Politiker mehr, weswegen es so nieeee kommen wird.


In welchen anderen Ländern soll das denn wunderbar funktionieren, dem 7 Mio Einwohnerland Schweiz mit seinem (ehemaligen) System der Nummernkonten?

Die GKVs sind ja bereits reduziert worden, aber es sollte mehr reduziert werden. Hmmm, dann gäbe es nur noch 110 PKVs, und alle haben eine Great Deal mit Donald Trump, erhalten Kredite von BlackRock usw.

tarumo
03.02.2020, 12:18
In welchen anderen Ländern soll das denn wunderbar funktionieren, dem 7 Mio Einwohnerland Schweiz mit seinem (ehemaligen) System der Nummernkonten?

Bis auf Kuba, Nordkorea und Venezuela (?) dürfte in den allermeisten halbwegs zivilisierten Ländern eine privatrechtlich organisierte Versicherung gegen Krankheiten angeboten werden, entweder als einzige Option oder zusätzlich zu einer staatlichen Grundversorgung.



In den meisten Industrieländern besteht die Möglichkeit, sich nicht nur staatlich, sondern auch privat für den Krankheits- oder Pflegefall abzusichern.

Zitat aus Wikipedia. Hervorhebung durch mich. Mit der Bürgerversicherung würde ´schland da auch rausfallen.

Wie man das ausgestaltet, ist natürlich verschieden. Ich hatte vor ein paar Wochen mal belegt, daß selbst die hier gescholtene US-amerikanische private Vollkrankenversicherung sogar preiswerter abzuschließen ist als die deutsche GKV-WANZ-Versorgung und obendrein vom AG entweder weitgehend oder sogar ganz übernommen wird. Genau wie in UK, wo der NHS aber immerhin gratis ist.
Übrigens gibt es nur ca. 50 Anbieter von privaten Krankenversicherungen in Deutschland, von denen der überwiegende Anteil hauptsächlich im "normalen" Versicherungsgeschäft tätig ist. Die Reduktion der GKVen hat bemerkenswerterweise weder zu sinkenden Prämi...äääh, Mitgliedsbeiträgen geführt, noch sind in nennenswertem Umfang Mitarbeiter entlassen worden, was ansonsten in einer Firma zwecks Einsparung zu erwarten gewesen wäre. Und die zukünftige "Bürgerversicherung" (der wir mit der aktuellen "Harmonisierung" GOÄ vs EBM) wieder einen Schritt näher gekommen sind , wird auch keine einzelne Versicherung sein, sondern wir werden 50-100 "Bürgerversicherungen" haben, dann aber ohne Konkurrenz durch eine PKV.
Wir sind jetzt aber weit weg vom Thema...