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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Befristeter Arbeitsvertrag



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John Silver
07.02.2020, 21:28
Ihr denkt nur daran, wie es bisher war. Lest genau, was ich schreibe. Die Zeiten werden sich sehr bald ändern. Insbesondere Weiterbildungsassis werden sich ab sofort warm anziehen müssen, denn die Verwaltungen werden ab sofort mit viel mehr Druck versuchen, im ärztlichen Dienst Stellen einzusparen. Ich habe u.a. mit der aktuellen Personalchefin von Helios (also der obersten Tante im Konzern, nicht in einer Klinik) darüber gesprochen, und ihre Aussagen waren deutlich. Wer jetzt kurz befristete Verträge annimmt, macht sich zur Verhandlungsmasse.

Mr. Pink online
08.02.2020, 00:21
Die Ärzte machen doch jetzt schon alle Überstunden, dass es bebt und mit jedem neuen Tarif werden die Grenzen was die Dienstbelastung betrifft enger gesteckt. Die "Oberen" haben vor allem Angst, dass das Regierungspräsidium Stippvisite macht. Ärztliche Stellen zu streichen dürfte deutlich schwerer sein als man denkt. Ich sage nciht, dass es nicht versucht werden wird (ist ja schließlich keine ganz neue Idee), aber wie es umgesetzt werden soll, das warte ich gerne ab.

John Silver
08.02.2020, 14:12
Auf die Ängste der Chefärzte wird in der Verwaltung gepflegt gepfiffen. Ebenso auf die Arbeitsbelastung der Ärzte.

Mr. Pink online
08.02.2020, 15:01
Das beantwortet nicht wie die Stellenstreichungen umgesetzt werden sollen, bei eigentlich gestiegenem Personalbedarf aufgrund neuer Regelungen (max. Dienstbelastung/max. 2 WE pro Monat, "manipulationssichere Arbeitszeiterfassung" usw.). Dass die Verwaltungsebene gerne Druck machen würde kann ich mir denken, aber ehrlicherweise denke ich, dass gerade der Verwaltungsapparat der Ansatzpunkt für Stellenstreichungen sein wird. Denn weder in der Pflege noch zukünftig bei den Ärzten wird es sich über einen gewissen Punkt hinaus realisieren lassen ohne gleichzeitig Betten zu schließen.

John Silver
08.02.2020, 18:45
Ach komm. Das alles galt bisher auch für die Pflege, und es hat keine Verwaltung davon abgehalten, Pflegestellen immer weiter zu kürzen und damit die Gewinnmarge zu steigern. Jetzt geht das nicht mehr, ergo sind Ärzte dran, weil alles andere schon abgegrast ist. Wie man Assistenzarztstellen einsparen kann? Wie wäre es mit fachübergreifenden Diensten? Wie wäre es mit nichtärztlichen Assistenten für die Stationsarbeit oder für die Assistenz im OP? Die kann man als Pflegekräfte deklarieren und neuerdings von den Kassen bezahlen lassen. Da kommt man halt mit wenigen Assistenzärzten aus, erfüllt die Bestimmungen des Tarifvertrags und macht ordentlich Kohle gut.

Mr. Pink online
08.02.2020, 19:48
Also wenn ich die Stationsarbeit nicht mehr machen muss, bin ich gerne damit einverstanden :D Aber mal ehrlich, welcher nichtärztliche Kollege soll denn dann die Station schmeißen?
Am besten macht mans telemedizinisch über einen Arzt in einem indischen Callcenter. Den kann die Pflege bei Fragen dann anrufen.

Solche Zustände kenne ich in ganz Mitteleuropa nicht, wieso sollte das gerade in Deutschland anfangen?!

Choranaptyxis
08.02.2020, 20:07
Physician Assistan? Wird ja schon an einigen Standorten angeboten und bestimmt finanziell interessant für Kliniken, wenn das Tätigkeitsspektrum es hergibt.

davo
08.02.2020, 20:50
Also wenn ich die Stationsarbeit nicht mehr machen muss, bin ich gerne damit einverstanden :D Aber mal ehrlich, welcher nichtärztliche Kollege soll denn dann die Station schmeißen?
(...)

Solche Zustände kenne ich in ganz Mitteleuropa nicht, wieso sollte das gerade in Deutschland anfangen?!

In Österreich gibt es schon heute Stationen, auf den nichtärztliche Kollegen (sog. Medizinische Stationsassistenten) alle Untersuchungen eingeben, alle Arztbriefe schreiben, usw. Muss man als Arzt dann nur noch korrigieren/ergänzen und vidieren/bestätigen. Und die ganzen Blutentnahmen und Nadeln macht sowieso die Pflege. Möglich ist vieles. Wenn man will.

anignu
08.02.2020, 23:08
Aber mal ehrlich, welcher nichtärztliche Kollege soll denn dann die Station schmeißen?
Physician Assistan?
Völlig korrekt. Schon gesehen. Für die größeren Probleme ist dann halt wieder ein Arzt zuständig und um die Verantwortung zu übernehmen auch...

Muss man als Arzt dann nur noch korrigieren/ergänzen und vidieren/bestätigen.
Sag ich doch: Kontrollieren und Verantwortung übernehmen.

Wie wäre es mit fachübergreifenden Diensten?
Gibt es doch schon. Wobei: umso größer das Haus umso weniger.
Wie wäre es mit nichtärztlichen Assistenten für die Stationsarbeit oder für die Assistenz im OP?
Sei doch mal ehrlich: stell dir vor es gibt grad akuten Personalmangel und es "muss" operiert werden. Dann geht das schon irgendwie. Zur Not spielt die OP-Schwester halt Assistenz. Und dann kommt die "Not" halt immer öfter vor und öfter und öfter und irgendwann wird es der Regelfall. Zack, keine Assistenten mehr im OP.

John Silver
08.02.2020, 23:10
Eben. Mal ehrlich, Stationsarbeit besteht eh hauptsächlich aus Tätigkeiten, für die man keine Approbation braucht. Morgens und nachmittags gibt es eine ärztliche Visite, vom Facharzt. Da kann man reichlich Assis einsparen. Gut, in 20 Jahren hat man dann keine Fachärzte mehr, aber der moderne kaufmännische Direktor denkt höchstens 2 Jahre voraus, die Zeit darüber hinaus interessiert ihn nicht. Die Weiterbildung ist eh ein Kostenfaktor. Und ihr könnt sicher sein, dass es im besten Deutschland aller Zeiten sicher klappen wird, denn die Leute, die trotz eines Arbeitnehmermarktes und einer noch nie da gewesenen Freiheit bei der Stellenwahl Zweijahresverträge akzeptieren, weil es halt so üblich sei, werden alles brav mitmachen.

Wenn man aus irgendwelchen Gründen auf diese bestimmte Stelle angewiesen ist, muss man halt viel schlucken; die meisten Anfänger sind aber gänzlich ungebunden, und dann so ein schlechtes Angebot zu akzeptieren - das ist einfach dumm. Verkauft eich nicht unter Wert. Ein Vertrag, der auf die Dauer der Weiterbildung befristet ist, sollte eine Minimalforderung sein. Das Argument, man müsse dann nicht kündigen, ist gelinde gesagt schwach. Einen Auflösungsvertrag bekommt man so gut wie immer.

tup74
09.02.2020, 01:01
Wenn seit gefühlt 100 Jahren auf den meisten Stationen in Deutschland nicht mal einfaches Blutabnehmen von Schwestern und Pflegern erledigt werden darf aufgrund eines ungeschriebenen Gesetzes, dann wird sich das mit der Stationsarbeit auch nicht so schnell ändern. Beides wäre natürlich wünschenswert.

Und zum Thema OP-Assistenz: eine ausgebildete Schwester ist doch viel zu teuer. Studenten auf 450€-Basis sind da viel billiger, bin selbst Hakenhalter an einem Haus in dem die Assistenten kaum operieren und es jeden Tag einen Student gibt als 1. oder 2. Assistenz.

][truba][
09.02.2020, 06:21
Das mit der Stationsarbeit sagen nur Leute, die bisher noch nicht gesehen haben, dass es sowas bereits gibt.

War letztens auf einer Fortbildung da haben mehrere Kollegen erzählt , dass sie physican Assistants haben die sowohl Aufnahmen machen und Briefe schreiben, als auch im op assistieren. Eine Teilnehmerin des Kurses war selbst pa und es war ein Ultraschall Kurs. Sie sollte das dann auf Station übernehmen. Und die Kollegen kamen teilweise aus Großstädten wo es vermeintlich keinen Ärztemangel gibt (zT aber aucz aus mangelversorgten Gebieten)

daCapo
09.02.2020, 09:27
Auf die Ängste der Chefärzte wird in der Verwaltung gepflegt gepfiffen. Ebenso auf die Arbeitsbelastung der Ärzte.

Das mag für Helios stimmen, an Unikliniken werden Chefärzte auch nicht Ängste zeigen, aber auf ihre Wünsche wird die Verwaltung Rücksicht nehmen wollen (bei einer renommierten Persönlichkeit mit viel Forschung, die dann ggfs. geht); bekanntermaßen gibt es viele Unstimmigkeiten zwischen CA/Verwaltung an Unikliniken; bei Helios geht der CA eben, Forschung egal


Ihr denkt nur daran, wie es bisher war. Lest genau, was ich schreibe. Die Zeiten werden sich sehr bald ändern. Insbesondere Weiterbildungsassis werden sich ab sofort warm anziehen müssen, denn die Verwaltungen werden ab sofort mit viel mehr Druck versuchen, im ärztlichen Dienst Stellen einzusparen. Ich habe u.a. mit der aktuellen Personalchefin von Helios (also der obersten Tante im Konzern, nicht in einer Klinik) darüber gesprochen, und ihre Aussagen waren deutlich. Wer jetzt kurz befristete Verträge annimmt, macht sich zur Verhandlungsmasse.

Das ist HELIOS, ich kenne zahlreiche Kollegen und Berufsanfänger, die sich wegen der Berichterstattung von Presse/Medien dort und Asklepios nicht bewerben möchten als Berufsanfänger oder fortgeschrittener Assistent. Auch zahlreiche renommierte Professoren nehmen eher eine Stelle an einer "normalen" Uniklinik an statt in dem privaten Haus Marburg/Gießen mit ebenfall teils suboptimaler Berichterstattung der Medien/Presse. Für mich wäre es als Arbeitgeber 2. Wahl.
Wie bereits mehrfach gesagt: Ein Krankenhaus sollte zum Wohl der Bevölkerung betrieben werden, nicht für das Bankkonto von Aktionären!

Insgesamt gebe ich John Silver Recht: WBA sollten 5. Jahre befristet bekommen oder befristet bis zum Facharzt; Verträge mit 1-2 Jahren Befristung würde ich nur unterschreiben, wenn sich sonst keine Chancen ergeben/gebunden an Ort.

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/109211/Ministerium-will-Aufgaben-von-Aerzten-und-Pflegekraeften-neu-verteilen

In unserer Uniklinik waren zahlreiche spanische Pflegekräfte nach der Krise dort, die haben sich immer gewundert, dass sie Essen verteilen und Schränke aufräumen, Blutabnahmen und Viggos sollten sie nicht mehr machen: Die sind alle wieder weggegangen, u.a. weil sie einen Beruf gemacht haben, der nicht ihrer Ausbildung entsprach. Ich habe Verständnis dafür.

Auf unserer Station beklebt die Pflege kein Labor/richtet es nicht, schon garnicht nimmt sie Blut ab oder legt Viggos, das Labor muss auch der Arzt wegbringen zum Labor. Antibiotikaerstgabe auch durch den Arzt. Fluconazol aber nicht :-);

Chefärzte wehren sich zum Teil gegen Physcian Assistants oder Codierkräfte oder Case Management, denn dann würden ihnen WBA Stellen gekürzt. Möglicherweise übernimmt die Pflege oder andere Berufsgruppen (Pflege mit akademisierung?) mehr Aufgaben demnächst. Der arzt muss eh als Basisfertigkeit Blutabnahmen und Viggos können, als Routinetätigkeit >4 Jahre wird das kaum jemand dauerhaft machen. Briefe schreiben kann man mit Textbausteinen auch relativ schnell (je nach Fach unterschiedlicher Aufwand); Codieren geht auch schnell, kann aber gut sein, dass ein professioneller Codierer da mehr rausholt als ständig wechselnde WBA auf der Station.


Zum "Ärztemangel": Die sind ungünstig verteilt, übernehmen fachfremde Aufgaben, sind nicht mehr in ihrem Beruf tätig wegen mangelnder Attraktivität.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_%C3%84rztedichte
Deutschland steht da ganz gut da. Was bringt es da einfach mehr Ärzte auszubilden nachdem Gießkannenprinzip und am Ende sind sie unzufrieden? Sinnvoller erscheint es die vorhandenen Resourcen besser zu nutzen.

Mr. Pink online
09.02.2020, 09:42
Wenn nichtärztliche Aufgabenfelder wie Blutabnehmen, Briefe schreiben und Aufnahmemedikation eintippen nicht mehr von Ärzten gemacht werden müssen, verbessert das aus meiner Sicht den Arbeitsalltag von jungen Kollegen immens. Das meinte ich auch nicht mit "Stationsarbeit" und das ist auch kein reiner Rationalisierungsgedanke der hinter dieser Entwicklung steckt. Es geht darum, dass sich Ärzte mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können, damit wächst die Effizienz einer Klinik. Es muss trotzdem immer ein Arzt verfügbar sein. Abgesehen von den Visiten, kleineren Eingriffen, Aufklärungen und und und muss auch im OP am Ende immer ein Arzt operieren. Und auch der kann und darf nicht 24/7 dort alleine stehen. Ärztliches Personal muss kontinuierlich ausgebildet werden, Stationen müssen dienstärztlich versorgt werden und auch der ambulante Bereich (der zukünftig wachsen soll) kann nicht von einem physical Assistant geleitet werden. Ich denke wer hier die Angst vor Wegrationalisierung von Ärztestellen hat, der war noch nie in einer der vielen Kliniken die händeringend Ärzte suchen und daher finanziell ums Überleben kämpfen. Weniger Ärzte heißt langfristig weniger Interventionen ergo weniger Geld. Das checkt sogar der Primat aus der Verwaltungsebene.

John Silver
09.02.2020, 11:52
Muss Dich enttäuschen, Großer, ich verstehe davon mehr als Du. Alle Tätigkeiten, die Du aufzählst, können mit einer deutlich reduzierten Zahl an Assistenzärzten erledigt werden. Alle von Dir aufgelisteten Aufgaben hängen an Fachärzten. Weiterbilden muss gar keiner, und wenn man 3 statt 7 weiterbildet, reicht es für die eigene Nachbesetzung aus. Assis braucht man also NUR für Dienste. Und wenn man da etwas fachübergreifendes deichselt, ist die Sache geritzt.

Wer glaubt, an kommunalen Häusern oder Unis werde es anders sein, ist naiv. Da ist halt nur die Gesamtvorgabe etwas niedriger, sonst gibt es keine wesentlichen Unterschiede, weil im Management die sitzen, die zuvor bri Asklepios und Helios saßen. Übrigens werden bei Helios und Asklepios nach meiner Erfahrung Assis meist besser behandelt, als an Uniklinika.

Autolyse
09.02.2020, 12:54
[...]Assis braucht man also NUR für Dienste. Und wenn man da etwas fachübergreifendes deichselt, ist die Sache geritzt.[...]
Zumal das Haftungsrisiko exakt Null ist, weil beim Handelnden der Fehler viel leichter nachzuweisen ist. Und selbst wenn das doch aufs Tableau kommt, dann trifft es den Chefarzt, weil der es nicht unterbunden hat...

Mr. Pink online
09.02.2020, 13:25
Ich bin ja gespannt ob das Inferno so eintrifft wie von vielen hier prognostiziert. Momentan spricht aus meiner Beobachtung sehr vieles gegen diese Entwicklung. Noch nie war es leichter eine Weiterbildungsstelle in den großen Fächern zu bekommen. Selbst an den beliebten Unikliniken kommen weniger Bewerbungen rein. An den kleinen Kliniken wird gesucht und geworben. Wie ist das in Einklang zu bringen mit der bevorstehenden Rationalisierung? Die Verantwortung und die wirtschaftliche Leistungskraft liegt am Ende immer bei den Fachärzten, denn die machen die Interventionen. Aber auch Fachärzte fallen nicht vom Himmel. Von daher wird sich keine Klinik um ihre Weiterbildungsverantwortung vollends drücken können. Und wenn, dann wird das ein hoffentlich kurzfristiges, fruchtloses Unterfangen. Lassen wir es auf uns zukommen. Wir Ärzte haben immer gewusst zu überleben und uns irgendwie gegen die Widrigkeiten zu wehren! Sehen wir es kämpferisch.

Gersig
09.02.2020, 13:43
Bitte beachtet das Ausgangsthema, es läuft hier gerade in eine komplett andere Richtung :-)

Absolute Arrhythmie
09.02.2020, 16:30
Also zumindest bei Helios gibt's für Berufsanfänger Verträge über die gesamte Dauer der Weiterbildung, was ich völlig in Ordnung finde.

John Silver
09.02.2020, 17:15
Naja, so falsch ist die Richtung nicht, denn das ist aktuell eines der wichtigsten Gründe gegen kurze Vertragslaufzeit.