Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chirurgie-Tertial ein Graus - Hilfe
Heraisto
12.08.2020, 03:16
Danke für die vielen Ratschläge.
Aus meiner Sicht habe ich mich bemüht, alles vorab zu kommunizieren, damit es auf beiden Seiten zu keinen Problemen kommt.
Die Abteilung scheint aber unkooperativ und nur daran interessiert, dass der Laden läuft, egal auf wessen Kosten ("Sie müssen trotzdem in den OP").
Ich werde eine Versetzung vom PJ-Büro fordern, da durch mein Rückenleiden der Patient im OP gefährdet ist und es auf Seiten von Student und Arzt zu Unmut führt.
Wenn zB in der Notaufnahme bereits PJler sind, dann ist eben einer mehr dort.
In jedem normalen Betrieb gibt es Möglichkeiten der Anpassung des Arbeitsplatzes, wieso soll ich hinnehmen, dass es hier angeblich nicht geht...
Chirurgie ist echt ein hartes Pflaster. Tut mir echt leid, dass es so gelaufen ist. Du kannst doch auch anbieten, dass du die Stationsarbeit machst und sie dich nicht mehr im OP einplanen und du danach in die Notaufnahme gehst. Wenn sie das nicht annehmen musst du halt drohen die Abteilung ganz zu wechseln.
Heraisto
12.08.2020, 12:45
Du kannst doch auch anbieten, dass du die Stationsarbeit machst und sie dich nicht mehr im OP einplanen und du danach in die Notaufnahme gehst.
Genau das ist der heutige Konsens :)
Bin gespannt wie es die Tage wird.
Heraisto
12.08.2020, 14:02
Danke nochmal an euch und liebe Grüße aus Berlin. Der Thread kann meinetwegen zu.
ehem-user-21-08-2020-1502
12.08.2020, 17:55
Der Thread kann meinetwegen zu.
Vielleicht könntest du dich in ein paar Tage nochmal hier berichten, wie die Sache ausgegangen ist, da du sicherlich nicht die einzige Person bist, die Probleme im Chirurgie-PJ haben. Dann könnten auch andere von deinen Erfahrungen und der Lösung des Problems profitieren. Du musst ja Einzelheiten nennen
Heraisto
28.08.2020, 02:44
So, bis vor wenigen Tagen lief alles gut. Bis der Chefarzt mich fragte, wieso er mich nicht im OP sähe. Habe ihm erklärt was ich mit den OÄ besprochen habe (Neben Station mache ich die Notaufnahme mit) und aus welchen Gründen.
Das war ihm egal, ich würde ja so nichts lernen (für das anstehende Examen) und ich solle gefälligst in den OP gehen. Er habe selbst Bandscheibenschäden, das sei ja wohl eine annehmbare Berufskrankheit. Eine Diskussion gäbe es nicht, er sähe mich fortan im OP.
Die Oä sagen dazu nur, dies sei dann eben so.
Jetzt liege ich (mal wieder) wach und habe Bauchschmerzen... Lohnt sich doch der Gang zum Betriebsarzt für eine Bescheinigung wegen meines Rückens?
Diese Abteilung ist das Allerletzte und eine Zumutung... Von wegen Lehrkrankenhaus.
Also irgendwie kann ich den Chef ja auch verstehen. Wenn man während des Chirurgie-Tertials gar nicht in den OP geht, dann erfüllt er seinen Lehrauftrag nicht richtig. Außerdem steht man den restlichen Tag dann halt in der ZNA oder auf Station rum. Andererseits hat er halt auch eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern. Gibt es bei euch OPs, die man im Sitzen durchführen kann? Dann könntest du anbieten explizit dort zu assistieren. Der Gang zum Betriebsarzt wird dir nur mehr Ärger einbringen meiner Meinung nach. Der Chef wird es wahrscheinlich trotzdem nicht akzeptieren und als respektlos gegenüber seiner Autorität auffassen.
Assistier doch bei 2-3 Eingriffen und zeig jedes Mal dein Leiden und trete ab. Der Chef wird sehen du hast es probiert und wird selber keinen Bock mehr haben dich einzuteilen.
Arrhythmie
28.08.2020, 05:51
Ich persönlich finde es auch seltsam, wenn man während des Chirurgie Tertiales so gar nicht im OP ist.... Markian hat einen sehr guten Beitrag geschrieben, mach es so.
JumpRopeQueen
28.08.2020, 06:34
Ich persönlich finde es auch seltsam, wenn man während des Chirurgie Tertiales so gar nicht im OP ist.... Markian hat einen sehr guten Beitrag geschrieben, mach es so.
Ich bin ja wegen Schwangerschaft auch gar nicht im OP. Die Ärzte haben alle Verständnis und auch weil ich angekündigt habe, dass ich eh raus aus der Patientenversorgung will. Hab trotzdem irgendwo ein schlechtes Gewissen, zumal ich an sich noch nicht mal den OPs abgeneigt wäre, wäre ich nicht schwanger. Nun stehe ich aber kurz vorm Beschäftigungsverbot und nur durch Bitten und Zuversicherungen meinerseits, dass mein Tertial sehr entspannt ist (ungewöhnlich für Chirurgie), konnte ich meine Gynäkologin überreden. Ich mache sonst nur Verbände und Aufnahmen und selbst das im begrenzten Maße, da mein Ischiadicus mir seit Beginn der Schwangerschaft keine Ruhe gibt.
escitalopram
28.08.2020, 07:35
Die Sache ist ja, dass die OP vor Feierabend beginnt aber lange (3-4 Stunden) dauert. Es gibt keine Ablösung wenn man einmal im OP ist.
Trotzdem sagen "geht nicht" ? Was wenn kein Student kann? Möchte keine Probleme bekommen...
Na ja, man muss es doch etwas geschickter machen. Ich habe immer 15 Min. vor offiziellem Feierabend gesagt (gelogen), dass ich abgelöst werden muss, da ich 2 h nach Hause fahre und dann noch einen kleinen Nebenjob habe. Und das war meistens beim Chef. Man muss sich einfach trauen. Wenn man es nett sagt und so tut, als wäre es einem unangenehm, nicht bleiben zu KÖNNEN, haben sie meistens Verständnis.
Feuerblick
28.08.2020, 07:38
Biete den OÄ doch an, dass du eine oder zwei kurze OPs tagsüber (d.h. weit VOR Dienstschluss) mitmachen kannst. Da dürfte weder dein Rückenproblem Schwierigkeiten machen noch müsstest du länger bleiben. So ganz unrecht hat der Chefarzt ja nicht. Chirurgie ohne OP ist irgendwie nicht ganz das Wahre. Aber man muss ja nicht unbedingt die Marathon-OPs mitmachen. Zwischen gar nicht in den OP und ständig bis weit nach Feierabend im OP liegen ja doch ein paar Abstufungen.
Trendafil
28.08.2020, 12:34
Also ich finde, man muss nicht unbedingt in den OP, wenn man in dem Haus nicht anfangen will. Theor. ist man nur zum Lernen da.
Man darf im Gegenzug aber halt nicht erwarten, dass die Ärzte auf Station dankbar sind (für was auch...) oder einem noch viel erklärt oder gezeigt wird.
Ehem-User-46687482
28.08.2020, 13:17
Ich würde bei langen OP´s einfach sagen, dass dir schlecht und schwindelig wird und du schon in OP´s umgekippt bist. Dann müssen sie dich ja abtreten lassen, bevor du in den Sinus fällst. Kann ja keiner kontrollieren.
Betriebsarzt würde ich nicht einschalten. Das wird man dir evtl. übel nehmen. Nicht nur der Chef sondern evtl auch andere PJler, wenn sich eine Person "drückt", Ich glaube dir die Sachen mit dem Rücken, aber es wird Leute geben, die das als "drücken" auslegen. Der Chef scheint Interesse zu haben, das die PJler was lernen.
Ohne OP keine Chirurgie. Diese beiden Dinge sind so tief verknüpft, dass das eine ohne das andere undenkbar ist. Wenn man während seines Tertials nicht wenigstens ein paar mal im OP war hat man wichtige Erfahrungen nicht gemacht. Ich mag Chirurgie eigentlich nicht, aber ich finde sich steril anziehen zu können, zu wissen wie eine Hautnaht oder eine Umstechung funktioniert, wie teuer ein Staplermagazin ist etc. Total wichtig. Einfach damit man eine Vorstellung hat was da passiert, auch wenn man dann als Internist oder ähnliches in die AC verweist etc.
Für mich ist es eher positiv, dass der Chef sich auch ein bisschen für die PJler interessiert. Gibt es bei euch einen ambulanten OP? Da sind die Eingriffe meistens klein und könnte bei deinem gesundheitlichen Zustand vielleicht gut passen.
xenopus laevis
28.08.2020, 15:25
Ohne OP keine Chirurgie. Diese beiden Dinge sind so tief verknüpft, dass das eine ohne das andere undenkbar ist. Wenn man während seines Tertials nicht wenigstens ein paar mal im OP war hat man wichtige Erfahrungen nicht gemacht. Ich mag Chirurgie eigentlich nicht, aber ich finde sich steril anziehen zu können, zu wissen wie eine Hautnaht oder eine Umstechung funktioniert, wie teuer ein Staplermagazin ist etc. Total wichtig. Einfach damit man eine Vorstellung hat was da passiert, auch wenn man dann als Internist oder ähnliches in die AC verweist etc.
Cool, dann kann ich mich davor drücken, schließlich habe ich im OP 3 Jahre Vollzeit gearbeitet.
Mein Lieblingskommi ist fast blind und sieht so gut wie gar nichts, wenn er weiter als 15 cm weg steht bei kleinen Strukturen. Frage mich gerade, wie er später ohne diese wertvolle Erfahrung ins Berufsleben starten soll. Aber ok, er hat es clever gelöst und macht es im Ausland, damit er es sich nicht antun muss.
Wenn du es aus gesundheitlichen Gründen nicht packst, dann gehe zu den kleinen OPs. Und dann verlässt du halt den Saal mittags unter Vorankündigung. Nimm Kreislauf als Ausrede. Das geht immer.
Cool, dann kann ich mich davor drücken, schließlich habe ich im OP 3 Jahre Vollzeit gearbeitet.
Mein Lieblingskommi ist fast blind und sieht so gut wie gar nichts, wenn er weiter als 15 cm weg steht bei kleinen Strukturen. Frage mich gerade, wie er später ohne diese wertvolle Erfahrung ins Berufsleben starten soll. Aber ok, er hat es clever gelöst und macht es im Ausland, damit er es sich nicht antun muss.
Wenn du es aus gesundheitlichen Gründen nicht packst, dann gehe zu den kleinen OPs. Und dann verlässt du halt den Saal mittags unter Vorankündigung. Nimm Kreislauf als Ausrede. Das geht immer.
Du hast natürlich den aller Längsten, vielleicht findet sich hier jemand der sogar 4 Jahre Erfahrung hat?
Ganz ehrlich, wenn du im Chirurgietertial nicht wenigstens paar mal im OP stehst hat es seinen Sinn absolut verfehlt. Das ist genauso wie ein Innere Tertial, in dem du keinen Brief geschrieben hast. Das gehört einfach dazu. Klar lernt man beim Hakenhalten nichts weltbewegendes. Aber man soll ja auch das Arbeitsumfeld der Chirurgen kennenlernen und das ist halt nun mal der OP. Das ist finde ich wichtig.
Tut mir leid, dass dein "Lieblingskommi" fast blind ist. Dann wird es aber schwer für ihn allgemein als Arzt zu arbeiten.
Bonnerin
28.08.2020, 16:30
Wenn man nicht Chirurgie machen will, wird man selten mal mehr nähen als einzelne Hautnähte, das kann man durchaus auch mal auf Station oder in der NA. Mehr darf man meisten aus Zeitgründen im OP ja auch nicht.
Dass der CA aus reiner Menschenliebe und Freude am Teaching gesprochen hat sehe ich auch nicht so. Der TE war ja mehr als einmal steril am Tisch, da würde es tatsächlich auch reichen, sich in den OP zu begeben, sich unsteril irgendwo auf nen Hocker zu setzen und z.B. einen laparoskopischen Eingriff oder ne ASK zu verfolgen, da kann man ja auch gut erklären. Darum wirds dem CA aber sicher nicht gehen, sondern nur um Gratis-Personal, das die Haken hält.
Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen.
Ehem-User-46687482
28.08.2020, 17:49
@Heraisto:
Wie läuft das bei euch ab, wenn der Hakenhalter umkippt? Kann ja durchaus passieren. Kommt dann ein Ersatz, z.B. ein Assistenzarzt oder machen die das Gelingen der OP von dir als PJler abhängig? So klang das in deinem Eingangspost
Arrhythmie
28.08.2020, 18:34
Also.... so lange man nicht pausenlos als Hakenhalter im PJ eingesetzt wird, finde ich es ok ab und an "in den OP zu müssen". Wie Markian schon richtig bemerkte, in der Inneren muss man auch mit auf diese Kack-Visiten die gefühlt 10 h dauern oder internistische Briefe schreiben. Hab ich persönlich auch wenig Interesse dran aber ich mach es halt, es gehört zur Inneren einfach dazu.
Man muss es ja nicht lieben, aber manchmal ists auch nur halb so schlimm wie man dachte oder -wenn nicht- dann ist es einfach eine weitere Erfahrung. Muss ja keiner Chirurg oder Internist werden, sind aber halt Pflichtfächer.
Ich kann das nachvollziehen wenn man 4-5 Tage die Woche die komplette Zeit nur im Saal steht. Aber das wird wohl kaum so sein.
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