Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Corona-Prämie für Ärzte!?
Autolyse
14.12.2020, 16:55
[...]Ich habe zwar keinen Ferrari vor der Garage und auch keine Yacht, brauche auch beides nicht, aber kann mit etwas über 40 Jahren mit Familie ein finanziell sorgenfreies Leben führen. So weit hergeholt ist das mit der finanziellen Freiheit also eher nicht.
Ich dachte ja immer auf dem Kardiologenstammtisch blickt man verächtlich auf die armen Schlucker herab, welche das Deck der Yacht nur in Mahagoni statt Teak bestellt haben.
Thomas24
14.12.2020, 16:59
Nur mal aus Interesse: Wie läuft so etwas ab? Kauft man sich mit Betrag X in das MVZ ein und hält dann den Anteil X? Ich habe es so verstanden, dass der Zulassungsausschuss darüber entscheidet und die Dauer der ärztl. Tätigkeit ein entscheidendes Kriterium ist und nicht der einsteigen kann, der jünger ist aber mehr Geld bietet.
Wie gesagt, ich weiss nicht ob das so stimmt
Du vermischst da verschiedene Ebenen. Das eine ist eine Gesellschaftsrechtliche Frage, das andere ein KV Thema.
Die Teilhaberschaft läuft über die Gesellschaftsrechtliche Schiene zwischen dir und den anderen Teilhabern des MVZ ab. Im Regelfall hält das MVZ die KV Zulassung, nicht du persönlich. Wenn du ausscheiden solltest, dann bleibt die KV Zulassung am MVZ, nicht bei Dir. Du einigst dich mit den anderen Teilhabern auf einen Betrag X und übernimmst dafür Gesellschaftsanteile Y am gemeinsamen Unternehmen, dafür stehen dir dann auch anteilig Mitspracherechte bei den wichtigen Entscheidungen und den Bezügen zu.
Bei einer KV Zulassung geht es darum, dass der Zulassungsausschuss eine Rangliste erstellt, wer am ehesten für die Sitzübernahme geeignet ist. Darunter fallen Kriterien wie: Datum der Approbation, Berufliche Erfahrungen etc. Im Regelfall wird zwar einem Bewerber, der mehr berufliche Erfahrung hat, der Zuschlag gegeben vor einem weniger erfahrenen (bis ca. 5 Jahre Berufserfahrung nach FA- danach macht es keinen großen Unterschied mehr, ob der eine 12 und der andere 21 Jahre Erfahrung aufweist). Aber all diese Dinge sind nur relevant, wenn du einen KV sitzt erwirbst, der auch tatsächlich über einen Zulassungsausschuss öffentlich vergeben wird. Es gibt privilegierte Konstellationen, in denen die Sitzübergabe nicht über den KV Zulassungssausschuss geht und ein Mitbewerber dir nicht in dein Übernahmeverfahren reingrätschen kann (Z.B., indem der abgebende Kollege noch 3 Jahre formell weiter auf seinem Sitz weiterarbeitet und dann an dich übergibt, Übergabe an die eigenen Kinder etc.).
SophaL90
14.12.2020, 18:49
Kann mir mal wer sagen, wieso Honorarärzte 100 Euro pro Stunde (?) mehr bekommen, wenn sie auf ner Corona-Station arbeiten.
Wieso würde ich mich eigentlich um eine fixe Stelle bemühen, wenn ich Honorararzt sein kann und somit das 4fache von meinen Kollegen mache?!
WackenDoc
14.12.2020, 18:50
Angebot und Nachfrage. Und die Frage ist, wie genau das Arbeitsverhältnis ist. Eigentlich geht das nur noch über Zeitarbeitsfirmen und für solche Jobs muss man sehr flexibel sein und es fehlt meist jegliche Perspektive.
Und Deine Zahlen bzgl des Einkommens als angestellter FA sind, zumindest in meiner Fachrichtung doch etwas niedrig gegriffen, Kardiologen, die für unter 100k brutto auch nur den Fuß ausm Bett halten, kenne ich jedenfalls keine.
Ja, aber das liegt dann nur am Fachgebiet. Kenne genug angestellte Fachärzte für Allgemeinmedizin die jeden Tag für weniger als 100k brutto aufstehen müssen. Und da ist der Workload sicherlich nicht viel weniger als für einen angestellten Kardiologen. Die eine Fachrichtung verdient halt weniger, damit für die andere mehr da ist. Das hat dann halt nichts mit Fleiß oder Unternehmertum zu tun, sondern mit der unterschiedlichen Vergütung.
LasseReinböng
14.12.2020, 19:17
Kann mir mal wer sagen, wieso Honorarärzte 100 Euro pro Stunde (?) mehr bekommen, wenn sie auf ner Corona-Station arbeiten.
Wieso würde ich mich eigentlich um eine fixe Stelle bemühen, wenn ich Honorararzt sein kann und somit das 4fache von meinen Kollegen mache?!
Weil du z.B. ständig aus dem Koffer lebst, die Einsatzorte hunderte Kilometer vom Wohnort entfernt sein können, weil du zwischen Einsätzen auch Lücken hast und dann auch mal ein paar Monate ohne Einkommen dastehen kannst...usw. usf.
ehem-user-15-12-2020-1454
14.12.2020, 19:29
Du vermischst da verschiedene Ebenen. Das eine ist eine Gesellschaftsrechtliche Frage, das andere ein KV Thema.
Die Teilhaberschaft läuft über die Gesellschaftsrechtliche Schiene zwischen dir und den anderen Teilhabern des MVZ ab. Im Regelfall hält das MVZ die KV Zulassung, nicht du persönlich. Wenn du ausscheiden solltest, dann bleibt die KV Zulassung am MVZ, nicht bei Dir. Du einigst dich mit den anderen Teilhabern auf einen Betrag X und übernimmst dafür Gesellschaftsanteile Y am gemeinsamen Unternehmen, dafür stehen dir dann auch anteilig Mitspracherechte bei den wichtigen Entscheidungen und den Bezügen zu.
Bei einer KV Zulassung geht es darum, dass der Zulassungsausschuss eine Rangliste erstellt, wer am ehesten für die Sitzübernahme geeignet ist. Darunter fallen Kriterien wie: Datum der Approbation, Berufliche Erfahrungen etc. Im Regelfall wird zwar einem Bewerber, der mehr berufliche Erfahrung hat, der Zuschlag gegeben vor einem weniger erfahrenen (bis ca. 5 Jahre Berufserfahrung nach FA- danach macht es keinen großen Unterschied mehr, ob der eine 12 und der andere 21 Jahre Erfahrung aufweist). Aber all diese Dinge sind nur relevant, wenn du einen KV sitzt erwirbst, der auch tatsächlich über einen Zulassungsausschuss öffentlich vergeben wird. Es gibt privilegierte Konstellationen, in denen die Sitzübergabe nicht über den KV Zulassungssausschuss geht und ein Mitbewerber dir nicht in dein Übernahmeverfahren reingrätschen kann (Z.B., indem der abgebende Kollege noch 3 Jahre formell weiter auf seinem Sitz weiterarbeitet und dann an dich übergibt, Übergabe an die eigenen Kinder etc.).
Danke, da habe ich wohl etwas durcheinander geworfen
urinbeutel
14.12.2020, 19:50
aber man kann sich leichter nen sitz klarmachen und dann seine 200k bei Vollzeit verdienen. Gibt wohl nen Grund warum Internisten sich hausärztlich niederlassen. Mit 30 Stunden sind auch 130k drinnen
Christoph_A
14.12.2020, 20:41
Ja, aber das liegt dann nur am Fachgebiet. Kenne genug angestellte Fachärzte für Allgemeinmedizin die jeden Tag für weniger als 100k brutto aufstehen müssen. Und da ist der Workload sicherlich nicht viel weniger als für einen angestellten Kardiologen. Die eine Fachrichtung verdient halt weniger, damit für die andere mehr da ist. Das hat dann halt nichts mit Fleiß oder Unternehmertum zu tun, sondern mit der unterschiedlichen Vergütung.
Das ist so nur bedingt korrekt, erstens kann man Allgemeinmediziner nicht mit Schwerpunktinternisten vergleichen und zweitens pauschalisierst Du mit hier zu sehr. Den Allgemeinmediziner per se gibt es nicht, das ist eine sehr heterogene Gruppe. Es gibt sicher die Kollegen, oft Frauen in Teilzeit, die wirklich nur wenig verdienen, damit aber oft zufrieden sind, insbesondere, solange die Arbeitszeit passt. Dann gibts die Generalisten alter Prägung, entweder alleine oder als klassische Gemeinschaftspraxis, die durchaus schon höhere Beträge erwirtschaften, insbesondere, wenn sie betriebswirtschaftlich gut fortgebildet und abrechnungstechnisch up to date sind. Und zu guter letzt dann noch die immer häufigeren MVZ mit vielen Kollegen und Synergismen, die durchaus ordentlich Geld umsetzen, die großen Player unter meinen Zuweisern verdienen sicher nicht so viel weniger als ich.
Ein Quervergleich Allgemeinmedizin - Schwerpunktinnere ist allein schon deshalb nicht zielführend. Ganz zu schweigen auch von den Preisen für die verschiedenen KV Sitze.
Interessant sind allerdings die Synergismen Schwerpunktinnere-Allgemeinmedizin. Wir haben selber 2 Allgemeinmedizinersitze besetz, das bringt uns deutlich bessere Abrechnungsmöglichkeiten, insbesondere bei den "Wiedergängern", die mehrmals pro Quartal kommen.
@annekrone: sorry für die Nichtantwort, habs grade erst gelesen, aber Thomas hat Dir das ja bereits top erklärt. Dem ist nix hinzuzufügen.
Wieso sind MVZs eig. politisch gewollt? So werden doch irgendwann keinerlei Sitze mehr zu holen sein, weil irgendwann (fast) alles besetzt wird und dann ist eine Selbstständigkeit überhaupt nicht mehr möglich. Kann der Politik natürlich egal sein, solange es andere Vorteile bringt. Aber welche Gründe gibt es da?
Ich dachte ja immer auf dem Kardiologenstammtisch blickt man verächtlich auf die armen Schlucker herab, welche das Deck der Yacht nur in Mahagoni statt Teak bestellt haben.
Viel wichtiger sind doch die zwei Hubschrauberlandeplätze. Einer für den eigenen Heli und der zweite für die Gäste. Oder gibt es das nur bei den Radiologen? :-micro
Es gibt Honorarärzte speziell für Corona-Fälle? Verfolge ja schon länger die Angebote verschiedener Vermittlungsfirmen, aber so was würde noch nie ausgeschrieben. Was sollen denn da die konkreten Voraussetzungen oder Bedingungen sein?
Wieso sind MVZs eig. politisch gewollt? So werden doch irgendwann keinerlei Sitze mehr zu holen sein, weil irgendwann (fast) alles besetzt wird und dann ist eine Selbstständigkeit überhaupt nicht mehr möglich. Kann der Politik natürlich egal sein, solange es andere Vorteile bringt. Aber welche Gründe gibt es da?
Geschichte wiederholt sich- warum waren in einem nicht mehr existierenden deutschen Staat Polikliniken erwünscht und niedergelassene Ärzte ein Auslaufmodell? Oder warum hat man auf einmal seit Generationen einzeln agierende Landwirte gezwungen, sich dem Kollektiv anzuschließen?
Neben der politischen Grundrichtung (und ja, das Gesundheitswesen IST sozialistisch organisiert, egal welche Farbe grad regiert) kommt noch eine leichte "Steuerbarkeit" hinzu (8000 MVZ-Geschäftsführer sind leichter erpressbar als 110.000 Einzelärzte) und die Möglichkeit dazu , Investoren eine schnellen Euro zuzuschanzen. Im KH hat man die Macht ja auch an die Teppichetage übergeben.
Bei manchen Politikern kommt sicherlich noch der Neid/Hass auf Image oder bloß den erfolgreichen Abschluss hinzu, es sei erinnert an Ulla Schmidt, die früher mit einer Arztpuppe am Galgen umherlief.
Wenn man sich ein wenig für das Thema interessiert, kann man geplante politische Attacken auch nachlesen. Von dem Godesberger Konzeptpapier der SPD aus den 80ern, was eine Reduktion auch der selbstständigen Ärzte um 30% fordert, über die berüchtigte Noweski-Studie aus dem Hause Wasem bis hin zu diversen Bertelsmannstudien. Auch der "dessen Villenkaufpreis nicht gennant werden darf" hat ja die Abschaffung des Patientendatenschutzes vorab ausführlich in seinem Buch proklamiert.
Mittlerweile ist es auch Gesetz, daß freigewordene Arztsitze von den KVen eingezogen werden sollen (!) um die Versorgung weiter auszudünnen. Eine Möglichkeit, von der man aktuell kaum Gebrauch macht, aber vermutlich nach der nächsten Bundestagswahl umso mehr.
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