Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Aber gestern beim Optiker hab ich doch alles gesehen"
WackenDoc
22.01.2021, 20:03
Die Fernbrille (egal ob Myope oder Hyperope) haben die dann oft dauerhaft auf (oder das Ding bleibt im Auto). Für die Nähe nehmen die oft folgende Konstellation: Eine "gute" vom Optiker für daheim. Und dann noch mehrere mit der gleichen Stärke für auf die Baustelle, im Auto und sonst irgendwo verteilt. Für Handy und Bildzeitung in der Pause reicht es meist.
Und wo wir schon bei Gleitsicht sind: Frag eure Gleitsichtträger mit Bildschirmarbeit, über welchen Teil sie auf den Bildschirm schauen- der untere sollte es nicht sein.
Und Leseratten profitieren von einer reinen Lesebrille (hatte ich jetzt auch- Gleitsichtbrille als einzige Brille. Liest zu Hause gerne Bücher. Der hat mit seinem Nahsehfeld natürlich keinen Spass. Ist aber nicht auf die Idee gekommen, sich einfach dafür eine Lesebrille anzuschaffen. Einstärkenbrillen kosten ja auch nicht die Welt.
Feuerblick
22.01.2021, 20:15
Nun, bei einem guten Optiker oder guten Augenarzt wären all diese Eventualitäten abgeklopft worden. Es gehört nämlich zur Brillenanpassung durchaus dazu, die Bedürfnisse des Patienten zu erkennen. :-nix
Aber dass Hyperope oder Bauarbeiter oder oder mit einer Gleitsichtbrille generell nicht zurechtkommen, stimmt halt einfach nicht.
Btw.: Myope Leseratten setzen ihre Brille einfach ab. :-)
Glaub mir, ich führe diese Gespräche mehrere Male jeden Tag seit fünfzehn Jahren... Ja, es gibt Leute, die lesen mit Nbr besser als mit Glb (gar nicht wenige). Ja viele von denen würden dennoch nie im Leben auf eine Glb verzichten, weil sie für kurze Blicke perfekt ist und ein zehnmaliger Brillenwechsel im Supermarkt zB nicht ratsam ist. Und ja, es gibt viele, die den Gedanken an getrennte Brillen auch nur alle drei Monate einmal schrecklich finden und daher sogar einen schlechteren Visus in Kauf nehmen.
Die Kunst ist es, sich die Zeit zu nehmen, die persönlichen Befindlichkeiten herauszufinden bzw die richtigen Fragen zu stellen und dann ein Überdenken dieser vor dem Gang zum Optiker anzuraten.
WackenDoc
22.01.2021, 20:27
Nee ich sag doch nicht dass es bei allen nicht passt. Aber ich hab echt relativ viele die mit ihrer Gleitsicht nicht glücklich sind, sich mit dem Versuch von getrennten anfreunden können, es aber nicht empfohlen bekommen haben.
Espressa
22.01.2021, 20:44
Also sc-Visus von 1,6 bei einem 50-jährigen? Wer’s glaubt.
Ich kann mir auch nicht vorstellen dass ein Optiker eine Brille ohne Fernrefraktion macht, selbst beim Autoref wäre der FB-Bedarf aufgefallen.
Aber wie sagte Dr. House immer? Die Patienten lügen.
In einer Konstellation wie im Ausgangspost würde ich zunächst die Angaben anzweifeln - ohne andere Möglichkeiten zb den Optiker anrufen und fragen. Visusabfall bis. von 3 Zeilen fällt ja subjektiv auf, wenn das nicht zusammenpasst immer zunächst Sehtest anzweifeln. (Sonst untersucht man sich zu Tode um am Ende nix zu finden, aber das muss jeder Assistent mal erleben um die Lektion zu lernen.)
WackenDoc
22.01.2021, 20:56
Also von dem was er dann in der genaueren Anamnese erzählt hat. haben der Optiker und wir einfach völlig verschiedene Dinge gemessen. die 1.6 waren offenbar der Nahvisus mit optimaler Korrektur (wobei das nicht mit Landoldtringen, sondern Buchstaben gemacht wurde.)
Beim Optiker Nahvisus mit optimaler Korrektur- bei uns mit der ALTEN Lesebrille. Also dieses Bsss-bsss- jetzt schärfer? jetzt schärfer? Und dann mit dem Gerät die letzte Zeile geschafft. Was anderes sei nicht gemessen worden.
Fernvisus wie gesagt, beim Optiker laut Proband nicht gemessen und bei uns ohne Korrektur.
Wir haben ja keine Möglichkeit die Korrektur am Gerät einzustellen. Wir können nur messen, ob die Probanden mit dem was sie mitbringen scharf sehen oder nicht. Meine Assistenz weiss das einfach nicht, dass man den Fernvisus einfach mal mit der (veralteten) Lesebrille versuchen kann.
Wenn ich verschiedene Dinge messe, kommen halt unterschiedliche Ergebnisse raus.
habichnicht
22.01.2021, 21:05
Der Optiker hat den Nahvisus mit der bestmöglichen Korrektur gemessen. Bestellt ist eine Lesebrille mit +3,5 dpt.
@Feuerblick und Espressa:
Ich halte es schon für glaubhaft, dass der Optiker den Fernvisus nicht bestimmt hat, denn ein Wert von +3,5 dpt für eine Lesebrille bei einem Kunden, der für die Ferne keine Brille braucht, hätte ihn stutzig machen müssen: So ein Wert ist doch extrem ungewöhnlich, vor allem bei einem Fünfzigjährigen. Selbst mir reichen mit Ü70 noch 2,5 Dioptrien Addition in der Gleitsichtbrille und am Notebook verwende ich eine Monofokalbrille, die 2 oder 2,5 Dioptrien stärker ist als meine korrekte Fernstärke.
Ich finde übrigens als Schreibtischbrille eine Monofokalbrille wesentlich besser als meine Gleitsichtbrille, obwohl ich in der das Spitzenprodukt von Z... (Individualgläser) habe, mit dem ich ansonsten sehr zufrieden bin.
Da ich mich vor der Gleitsicht noch drücke... was meinst du, was ich mache, wenn ich in der Nähe was genau sehen will, aber zu faul bin, ganz nah ranzugehen :-))
Na klasse, jetzt hab ich Kopfkino!!!
Ich hab ja insgesamt ungefähr soviel verstanden wie damals beim lernen fürs mündliche Stex mit Muri - war ja auch sehr ausgefüllt das Wochenende! - und nur durch die private Nachhilfe von Funkelsche eben grad den Fall halbwegs begriffen... aber danke, das ist ein spannendes Beispiel gewesen!
Du widersprichst Dir. Gerade, wenn ihn der Wert hätte stutzig machen müssen, hätte er natürlich die Ferne bestimmt. Auf eine optimale Fernkorrektur ist +2,5dpt auch die "normale" add am Schluss. Bei sehr großen Menschen mit entsprechender Armlänge mal weniger, mal mehr bei kleinen Menschen.
Na klasse, jetzt hab ich Kopfkino!!!
Ich hab ja insgesamt ungefähr soviel verstanden wie damals beim lernen fürs mündliche Stex mit Muri - war ja auch sehr ausgefüllt das Wochenende! - und nur durch die private Nachhilfe von Funkelsche eben grad den Fall halbwegs begriffen... aber danke, das ist ein spannendes Beispiel gewesen!
Hey, Du hattest Dir vier Blusen gekauft an dem Tag. Hat sich gelohnt :D
Feuerblick
22.01.2021, 21:24
„BssBss so besser oder so“ beschreibt wunderbar die Fernrefraktion am Phoropter. :-)
habichnicht
22.01.2021, 21:28
Gerade, wenn ihn der Wert hätte stutzig machen müssen, hätte er natürlich die Ferne bestimmt.
Eben deshalb wundere ich mich darüber, dass ihn das anscheinbend nicht stutzig gemacht hat, falls das zutrifft, was der Patient gesagt hat.
Wenn es ihm (also dem Optiker) aufgefalllen wäre, er den Fernvisus und den nötigen Korrekturwert bestimmt hätte, hätte er diesem Kunden doch mindestens zu einer Fernbrille, wenn nicht gar zu einer Gleitsichtbrille raten müssen.
Also scheint da entweder der Optiker seinen Job sehr schlecht gemacht zu haben oder der Patient wollte das Ergebnis nicht wahrhaben bzw. nicht weitergeben.
Hey, Du hattest Dir vier Blusen gekauft an dem Tag. Hat sich gelohnt :D
Was passendes zum anziehen... eine davon hab ich immer noch. :-))
Eben deshalb wundere ich mich darüber, dass ihn das anscheinbend nicht stutzig gemacht hat, falls das zutrifft, was der Patient gesagt hat.
Wenn es ihm (also dem Optiker) aufgefalllen wäre, er den Fernvisus und den nötigen Korrekturwert bestimmt hätte, hätte er diesem Kunden doch mindestens zu einer Fernbrille, wenn nicht gar zu einer Gleitsichtbrille raten müssen.
Also scheint da entweder der Optiker seinen Job sehr schlecht gemacht zu haben oder der Patient wollte das Ergebnis nicht wahrhaben bzw. nicht weitergeben.
Gerade die latent und irgendwann dann Manifest Hyperopen haben einen im Tagesverlaif schwankenden Visus. Kann gut sein, dass er sogar tatsächlich gut in der Ferne sc gesehen hat, fünf Stunden später, müde, erschöpft sieht es anders aus. Und nicht jeder muss ja 1,0 sehen, wenn 0,7 subjektiv super sind. Das ist wirklich komplexer als man denkt, eine vernünftige Brillenberatung zu machen.
WackenDoc
22.01.2021, 21:44
Also im Gespräch hatte ich nicht das Gefühl, dass er das alles schon wusste und nur nicht wahrhaben wollte. Früher oder später kommt dann doch was von wegen "das hat der Optiker auch gesagt". Dass er MIT Gläsern in der Ferne besser sehen kann als ohne war völlig neu für ihn.
Deswegen ja auch der einfache Trick mit der alten Brille und dem Ausdruck vom Sehtest (da ist halt schön kleiner Text drauf).
Also offenbar braucht er +3.5 für die Nähe und +1.5 für die Ferne.
Feuerblick
22.01.2021, 21:47
Och... das ist nicht so ungewöhnlich. Manchen erklärste das mehrfach und sie kapieren es trotzdem nicht, weil sie subjektiv in der Ferne doch genug sehen und nur die Zeitung nicht mehr lesen können. ;-)
WackenDoc
22.01.2021, 21:52
Jedenfalls ist das Fazit:
Bei unterschiedlichen Werten mal klären, ob man überhaupt das gleiche/unter gleichen Bedingungen gemessen hat.
Die Sache mit den Menschen die irgendwann nen schlechten Fernvisus haben und schlichtweg weit- UND alterssichtig sind.
Und der Trick mit der veralteten Lesehilfe (alternativ könnte man mal ein paar Lesehilfen mit geringer Stärke anschaffen)
Edit: Wer mit Anfang 40 schon ne Lesebrille braucht, hat eine gewisse Wahrscheinlichkeit leicht hyperop zu sein. Ende 40/Anfang 50 mal kontrollieren, ob derjenige in der Ferne noch scharf sieht.
Feuerblick
22.01.2021, 21:53
Definitiv! Lehrreiches Beispiel für alle, die mit „Augenkrankkunde“ (wie Bille es nennt) einfach so gar nichts am Hut haben. :-)
WackenDoc
22.01.2021, 22:01
Achso- unsere Strategie, recht großzügig Sehtests im Rahmen der Vorsorge zu machen, halte ich weiter für richtig. Das sind im Zweifel Autofahrer die sich mit mir die Straße teilen.
Das sind die Gespräche die ich hasse... Also, Leuten zu verklickern, dass Autofahren nicht nur schön lange keine gute Idee mehr ist sondern tatsächlich auch nicht mehr erlaubt. Was mir auch keiner sinnvoll beantworten kann, ist, warum für Leute, die ihren FS bis 99 gemacht haben, andere Visusvorraussetzungen für den Ist-Zustand jetzt bzgl weiterfahren ja/nein gelten. Entweder man entscheidet, dass bestimmte Voraussetzungen ans Sehvermögen gestellt werden, um fahren zu dürfen, und dann gelten diese natürlich für alle oder man lässt es halt ganz, wäre ja meine Denkweise.
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