Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Familie und Karriere
tragezwerg
10.03.2021, 16:33
Ich bin immer nach allen drei Kindern spätestens nach einem Jahr in den Job inTZ eingestiegen. Das passt für uns sehr gut. Mit der halben Stelle verdiene ich immer noch mehr als das durchschnittliche Haushaltseinkommen einer gesamten Familie sonst aussieht und wenn es sein müsste, sehe ich keinen Grund, der gegen ein Aufstocken meiner Stunden spricht. Ich bin immer im Job gewesen, konnte problemlos mehr arbeiten vom Stellenangebot. Wenn sowohl Rente als auch jetziges Einkommen in der bisher sehr intakten Familie reichen, sehe ich keinen Grund, mich und im Endeffekt die gesamte Familie kaputtzumachen um mehr zu arbeiten. Das ist ja das Schöne, wenn man das Glück eines gut bezahlten Berufs hat. Meine Freundin arbeitet 50% mehr als ich und bekommt dafür aber deutlich mehr als 50% weniger als ich. Da sehen Zwänge ganz anders aus.
Ich finde auch dass keinen Grund gibt, für immer Vollzeit zu arbeiten. Unter meinen Facharztkollegen arbeiten ca. 75% in Teilzeit, und die haben nicht alle Kinder. Sie haben nur keine Lust sich bei der Arbeit verheizen zu lassen.
Ich arbeite aktuell knapp über 60% ohne Dienste (ergo Grundgehalt) und komme mit 2 Kids und Hauskredit auch klar. Große Reisen und fette Karre sind natürlich nicht drin, aber das braucht man auch nicht zwingend.
Colourful
10.03.2021, 17:07
Ich bin ja noch in der Weiterbildung und da macht es schon was aus, ob man die in 50% oder 70% macht. ;-) Aber sonst bin ich ganz bei euch.
Jo, WB ist echt ein Thema mit den Zeiten. Das war ja das Abstruse, dass ich in der Praxis viel mehr gelernt und viel mehr direkten Patientenkontakt hatte als in der Klinik, mir aber nur die Hälfte anerkannt wurde. Hätte anders herum sein müssen, solange nach Betten telefonieren und im Archiv nach Akten suchen nicht in der WBO steht.
Colourful
10.03.2021, 18:18
Und als ob ich in 75% plus Diensten soviel weniger lerne, nur, weil ich um drei mein Kind abhole. Wobei ich Dienste schon für sinnvoll halte, es ist schon wichtig die Notfälle auch allein händeln zu können. Aber ja, man macht auch viel Dokumentation und telefoniert Leute ab.
Thomas24
10.03.2021, 18:23
Jo, WB ist echt ein Thema mit den Zeiten. Das war ja das Abstruse, dass ich in der Praxis viel mehr gelernt und viel mehr direkten Patientenkontakt hatte als in der Klinik, mir aber nur die Hälfte anerkannt wurde. Hätte anders herum sein müssen, solange nach Betten telefonieren und im Archiv nach Akten suchen nicht in der WBO steht.
Naja, bei mir war es genau andersherum. Kommt wohl, wie immer, auf die Umstände des Einzefalls an.
OT: Ich würde aber jedem angehenden Schamanen raten, mindestens drei Jahre an einer großen Klinik zu verbringen, bevor er in die Praxis geht- damit er mal einen Eindruck von der ganzen Bandbreite des Fachs bekommen hat (inkl. Strabologie und Neuroophthalmologie, wenigstens die Basics), und auch schwerere Pathologien zu sehen bekommt, die in der Praxis ja wegen des Aufwands nicht zu führen sind. Deswegen bin ich mit den neuen WBOs, die eine komplett ambulante Ausbildung zum Schamanen zulassen, persönlich nicht ganz so happy.
Aber back to topic.
Feuerblick
10.03.2021, 18:31
@Thomas: Geht mir genauso. Ich habe in den beiden Kliniken viel gesehen und gelernt und mich in der Praxis dann gelangweilt, weil nichts mehr Neues kam.
Ich habe eine reite Ausbildung in dreieinhalb Jahren Klinik mit komplettem Spektrum bis auf Sonderfälle bekommen. Aber von acht Stunden war ich dennoch mindestens die Hälfte mit Quatsch beschäftigt, der eben nichts Fachliches beitragen konnte. In der Praxis sehe ich von sechs Stunden fünfdreiviertel Patienten.
Feuerblick
10.03.2021, 18:46
Hmmm... ich habe eigentlich den ganzen Tag Patienten gesehen in der Klinik. Selbst auf Station... Ausgenommen die sechs Monate Hornhautbank - da war die Patientenschar übersichtlich und sehr schweigsam :-))
Zum Glück waren es nicht so viele Patienten pro Stunde wie in der Praxis.
@ anignu: Interessant, das stimmt ja schonmal einigermaßen optimistisch. Wenn es andere hinkriegen dann sollte es zumindest in der Theorie gehen. Vielleicht sind das aber auch leistungsfähigere Menschen als man selbst. Das weiß man nie - unterschiedliche Menschen können unterschiedlich viel. Sich selbst neigt man eher weniger zuzutrauen; man muss nur aufpassen dass das nicht zur Ausrede wird.
Mich würde es nur interessieren was so eine Vollzeitbetreuung, oder auch nur eine 24h Betreuung für Dienste, kosten würde. Meinen Recherchen nach ist das fast nicht bezahlbar, selbst wenn man in Vollzeit mit Diensten wirklich sehr gut verdient...
Kommt drauf an, wer die Betreuung übernehmen kann :-nix Großeltern verlangen z. B. normalerweise kein Geld ;-)
Thomas24
10.03.2021, 20:23
Ich habe eine reite Ausbildung in dreieinhalb Jahren Klinik mit komplettem Spektrum bis auf Sonderfälle bekommen. Aber von acht Stunden war ich dennoch mindestens die Hälfte mit Quatsch beschäftigt, der eben nichts Fachliches beitragen konnte. In der Praxis sehe ich von sechs Stunden fünfdreiviertel Patienten.
Klar, weiß ich doch. Die Aussage "3 Jahre Klinik sind sinnvoll" bezog sich ja auch nicht konkret auf dich. Du warst ja beim Schräge und Robert. Bei mir war's damals eigentlich genau wie bei Funkel. Bin die allermeiste Zeit am Patienten gewesen, bis auf die Zeit in der Hornhautbank (da sind die Patienten ja eher weniger gesprächig...), jedenfalls an so Sachen wie "Akten zusammensuchen" anstelle von Patientenversorgung kann ich mich auch nicht erinnern. Naja, ist wohl jedes Haus etwas anders gestrickt. LG
denkstdu
10.03.2021, 20:39
Und es kommt auch darauf an wo man wohnt was die Betreuungsmöglichkeit und Kosten betrifft.
agouti_lilac
10.03.2021, 20:50
Mich würde es nur interessieren was so eine Vollzeitbetreuung, oder auch nur eine 24h Betreuung für Dienste, kosten würde. Meinen Recherchen nach ist das fast nicht bezahlbar, selbst wenn man in Vollzeit mit Diensten wirklich sehr gut verdient...
Ich schaffe es nicht, eine 24-h-Betreuung für mein Kind zu organisieren. Ich wüsste nicht, wer das machen könnte - wem vertraut man sein Kind über Nacht an? Und das nicht nur einmalig als Freundschaftsdienst, sondern 4-6x im Monat? Wenn man nur den Mindestlohn nehmen würde, kann man sich ausrechnen, dass sich der Dienst dann nicht lohnt. Daher kann ich nur jedes zweite Wochenende Dienste machen, wenn die Kleine beim Papa ist.
FirebirdUSA
11.03.2021, 05:44
Ich schaffe es nicht, eine 24-h-Betreuung für mein Kind zu organisieren. Ich wüsste nicht, wer das machen könnte - wem vertraut man sein Kind über Nacht an? Und das nicht nur einmalig als Freundschaftsdienst, sondern 4-6x im Monat? Wenn man nur den Mindestlohn nehmen würde, kann man sich ausrechnen, dass sich der Dienst dann nicht lohnt. Daher kann ich nur jedes zweite Wochenende Dienste machen, wenn die Kleine beim Papa ist.
Ich stelle mir gerade die Stellenanzeige vor: "Sie wollten schon immer einmal sich wie ein Arzt fühlen? Kinderbetreuung für 24h gesucht, 8h Arbeit + 16h Bereitschaftsdienst (max. 30% AZ im Schnitt). Die Kinderübergabe kann sich leider verzögern, etwaige Überstunden deshalb können leider nicht bezahlt werden." ...
24h Betreuung kann in der Regel nir die Familie übernehmen.
Colourful
11.03.2021, 07:17
Ja, oder man zahlt heftig drauf. Oder man macht nur alle zwei Wochenenden einen Dienst. Und muss sich seinen Arbeitgeber so aussuchen, dass das auch geht.
Espressa
11.03.2021, 07:23
Naja in der Regel hat aber jedes Kind zwei Eltern; selbst wenn man sich trennt sollte es zumutbar sein dass das andere Elternteil auch mal die Kinder nimmt, besser: regelmäßig - dann sollte das Wochenende (der Dienst) ja auch abzudecken sein.
tragezwerg
11.03.2021, 07:31
Naja in der Regel hat aber jedes Kind zwei Eltern; selbst wenn man sich trennt sollte es zumutbar sein dass das andere Elternteil auch mal die Kinder nimmt, besser: regelmäßig - dann sollte das Wochenende (der Dienst) ja auch abzudecken sein.
Nur dass 2 Wochenenddienste ja nicht die reguläre Dienstbelastung abdecken (das sind ja eher 4+ Bereitschaftsdienste im Monat bzw. Schichtdienstblöcke). Da braucht es schon massiv Entgegenkommen vom Arbeitgeber, oder halt ein 50/50 Modell mit dem anderen Elternteil (was in den meisten Fällen nicht funktionieren wird).
Anne1970
11.03.2021, 07:32
Es gibt viele Abteilungen, in denen es keine 24-Stunden Dienste gibt. Manche von den Kliniken schmücken sich auch (zurecht)mit den Titel „familienfreundliches Krankenhaus“.
Bin davon überzeugt, dass man Stellen finden kann, bei der Familie und Arbeit unter einen Hut gebracht werden können. Nebenbei: nicht nur Eltern wollen Arbeiten und Privatleben vereinbaren. Es gibt KollegInnen z.B. mit Hobby oder ehrenamtlichem Engagement, das ihnen auch wichtig ist.
(Gern wird in diesem Zusammenhang der Ausdruck „work-life-balance“ verwendet; den ich für mich ablehne: ich möchte 24h am Tag leben.)
In einer Abteilung sollte ein Ausgleich der verschiedenen Notwendigkeiten und Interessen möglich sein. Wenn auch nicht immer zu jeder Zeit „gerecht“, aber in der Summe über die Zeit sollte schon ein zufriedenstellender Ausgleich möglich sein.
Noch ergänzend: laut neuer WBO gibt’s (mehr als bisher) über die Fachrichtungen hinweg die Möglichkeit bzw. Notwendigkeit ambulant abzuleistender Zeiten. Möglicherweise ist hierdurch mehr Flexibilität je nach Lebenssituation möglich?
Colitis ulcerosa
11.03.2021, 08:22
1. Briefe kann man im home office schreiben. Machen auch viele Kolleginnen. Mit der Zeit arbeitet man auch effektiver, klar man muss sein Kind abholen und hat kein Freiraum für den small talk.
2. Den alleinerziehenden steht Kindesunterhalt zu und Kinderbetreuung zählt als Mehrbedarf, 50% der Kosten übernimmt der Kinds Vater. In jeder Kita gibt es Familien die sehr wenig Geld haben. Kennenlernen. Unterhalten. Viel Zeit gemeinsam mit Kindern verbringen. Ich habe auch nach dem polizeilichen Führungszeugnis gefragt. Mein Kind übernachtet dort wenn ich Dienste mache. Das ganze läuft als mini Job Vertrag. Sie macht auch Einkaufshilfe und Haushalt. Geht.
2. Man kann auch den kinds Vater nach der Betreuung fragen. Und es gibt Omas und Opas von den beiden Seiten.
3. Kenne Kollegin, die macht Freitag /Sonntag 4 mal im Monat am Vaterswochenenden.
Es gibt viele Abteilungen, in denen es keine 24-Stunden Dienste gibt. Manche von den Kliniken schmücken sich auch (zurecht)mit den Titel „familienfreundliches Krankenhaus“.
Bin davon überzeugt, dass man Stellen finden kann, bei der Familie und Arbeit unter einen Hut gebracht werden können. Nebenbei: nicht nur Eltern wollen Arbeiten und Privatleben vereinbaren. Es gibt KollegInnen z.B. mit Hobby oder ehrenamtlichem Engagement, das ihnen auch wichtig ist.
(...)
Noch ergänzend: laut neuer WBO gibt’s (mehr als bisher) über die Fachrichtungen hinweg die Möglichkeit bzw. Notwendigkeit ambulant abzuleistender Zeiten. Möglicherweise ist hierdurch mehr Flexibilität je nach Lebenssituation möglich?
Ja das ist die Antwort der Ärztekammern auf schlechte Weiterbildung und schlechte Dienstsystem. Trotzdem werden alle Kliniken von der Ärztekammern akkreditiert:-???
Die ÄK wird nämlich von Ärzten organisiert.
Wenn es einem nicht gefällt soll man wechseln. Klar, aber das kann man nur 2x machen, dann fragt sich jeder, ob die Person nicht das Problem ist. Und wenn man dann 2x bei Kliniken zugegriffen hat, die eher wenig menschenfreundlich sind? Pech...muss man dann bleiben.
Zeiten ambulant ableisten ist prinzipiell gut, wenn es denn Stellen und Möglichkeiten gibt.
Oft fehlt Rotation XY, die aber nur in einer Klinik abzuleisten ist. Nebenbei verlängert sich die WB auch immer unnötig durch Kündigungen und Neuanfang, man selbst darf dann auch noch umziehen.
Das ist ein altes Lied, was wir hier schon mehrfach diskutiert haben. Da wird sich immer mal wieder ein wenig ändern (WBO2020), aber nix weltbewegendes.
1. Briefe kann man im home office schreiben. Machen auch viele Kolleginnen. Mit der Zeit arbeitet man auch effektiver, klar man muss sein Kind abholen und hat kein Freiraum für den small talk.
Nix gegen diese Remoteverbindungen mit dem Krankehaus, das taugt vor allem für Oberärzte, die Bilder, Labor und Verlauf zu Hause schauen möchten, Für Tumorkonferenzen ist es z.B. für Radiologie OÄ schon zu unzuverlässig oder langsam. Allein schon der Start dauert ca. 5-7 Min.
Wenn man aber Briefe schreiben möchte, ist mir das zu langsam. Habe das mal Sonntags gemacht (in meiner Freizeit) und es ist mühsamer als in der Klinik. Hinzukommt, dass wir sie ausdrucken und unterschreiben müssen-->das fällt ja eh dann als Arbeit in der Klinik an, zu Hause nicht möglich mit der Software
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