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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Assistenzarzt Innere Medizin - habe die Schnauze voll!



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_calendula_
17.06.2021, 19:08
Fröhliches Schimpfen und Humor helfen.
Durststrecken in der Weiterbildung gibt es vermutlich überall. Und manchmal hilft wohl nur Stellenwechsel, wenn es an Basics mangelt wie auf materieller Ebene Verfügbarkeit von Handschuhen.
Das ist aber dann keine Frage des Fachs.

Chirurgie ist vermutlich als unmittelbare Patientenversorgung auch vielseitig anrechenbar?

Matzexc1
17.06.2021, 19:18
Ich mach ein Fach das mir Spaß macht, das Schmerzensgeld am Monatsende hilft auch ein bisschen.

mbs
17.06.2021, 19:22
Das ist richtig, aber ein Jahr Innere wird meistens eben doch gefordert.

Ob ich das was ich geschrieben habe Schimpfen nennen würde? Nein. Es war eine objektive Beschreibung der Realität. Und an sich sind diese Dinge ja gar nichtmal das schlimmste Problem - vielleicht gar nichtmal wirklich ein Problem, zumindest nicht für einen selbst (wie heißt es so schön: "Der Patient ist derjenige der die Krankheit hat").

Also sieh es positiv: Du hast schon mehr als die Hälfte geschafft. Mit einem Jahr Innere steht dir ganz viel offen, und das ist auch überall gern gesehen.

daCapo
17.06.2021, 23:13
Das ist richtig, aber ein Jahr Innere wird meistens eben doch gefordert.


Ein Jahr Innere kann man schaffen. In einem größeren Haus kann man in der Zeit auch mal rotieren.

LasseReinböng
18.06.2021, 09:25
Ich sag es ganz ehrlich, dass ich die Schnauze aktuell von diesem Job gestrichen voll habe. Wir sind unterbesetzt, mussten die Stationen mit einer Kraft weniger teilweise machen, Überstunden ohne Ende und dann Dinge, bei welchen einem die Schuld zugeschoben wird obwohl man überhaupt nichts dafür kann.
Was würdet ihr mir empfehlen? Sofortige Kündigung? Das Thema ansprechen?

Ein Großteil dessen was du schilderst klingt für mich einfach nach ganz normalen Zuständen in der Inneren Medizin. Möglicherweise findest du eine Abteilung mit einer etwas besseren Personalsituation...ansonsten verwaltet man aber doch irgendwie überall in der Inneren das Chaos und den Mangel...insofern bringen einem Tipps wie "Stellen gibt es wie Sand am Meer" meist leider nicht viel.

Überraschend und enttäuschend war für mich in der Inneren damals, wie heftig auch seitens der OÄ nach unten getreten und Verantwortung abgeschoben wurde, wenn es hart auf hart kam...völlig degenerierte Zustände.

Mr. Pink online
18.06.2021, 10:06
Das überrascht mich ehrlich gesagt gar nicht mehr. Oberärzte sind in den meisten Fällen auch Spielbälle von Chef und Verwaltung geworden. Kompetenzen und Personal werden entzogen, teilweise werden sie im Klinikverbund versetzt, die Arbeits- und Dienstbelastung ist in vielen Fällen nicht besser als die eines Assistenten... Die sind genauso gefrustet wie die Assistenten. Noch dazu ist jeder arbeistwillige Assistent ein potenzieller Konkurent. Da wird vorsichtshalber nicht in Funktionen ausgebildet, sonst sägt man am eigenen Ast.
In einem so dermaßen degenerierten System kämpft am Ende jeder für sich selbst.

Inzwischen sind o. g. Zustände ja auch keine Einzelfälle mehr, sondern eher die Regel. Da bringt ein Stellenwechsel nur bedingt was. Stellen wie Sand am Meer gibts im Übrigen nur für die Weiterbildung (dann auch oft nur Teilbereiche). Sobald man FA ist, wird es eng. Sowieso wenn man im Vergleich zum WBA keinen Mehrwert bietet, weil man nie in Funktionsbereichen ausgebildet wurde.
Von allen Fächern die die Medizin zu bieten hat, sehe ich die Innere Medizin zwischenzeitlich als perspektivlosestes Fach. Die meisten Assistenten werden nach mehreren Jahren frustraner Weiterbildung als Hausärzte in Praxen enden. Die Krankenhausmedizin wird nur von einem winzigen, mehr oder weniger gut qualifizierten Bruchteil fortgeführt werden. Mehr wird es aber auch nicht brauchen, die Krankenhauslandschaft wird dem politischen Willen folgend stark ausgedünnt werden.

Moni Ka
18.06.2021, 10:43
Korrekt. Ich merke es auch, dass ich keine Fortschritte mache und das jeder für sich selbst kämpfen muss.

Die Oberärzte sehen Assistenzärzte nicht gerne in der Funktion und wenn wird gesagt was tun Sie hier? Oder Ansage kommt mach bloß die Fachrichtung nicht, die ich gerade mache da gibt's so viele Ärzte in dem Bereich.

In der Funktion Kämpfe ich um selbst was zu tun sonst machen das alle die FÄ oder die Ober.

Und genau mehr als 60% der Assi wollen nach dem FA in der Praxis gehen

Christoph_A
18.06.2021, 10:48
Soso, die Innere Medizin ist also perspktivlos, wollen wir mal in die einzelnen teilbereiche sehen:
Kardiologie: Nimmt an Komplexizität seit Jahrzehnten permanent zu, mittlerweile eigentlich in 3 Subdisziplinen aufgespalten, die eine immer frühzeitigere Spezialisierung erfordern, da man das gesamte Spektrum (invasiv/nichtinvasiv/rhythmologisch) eigentlich nicht mehr guten Gewissens abdecken kann.
Nephrologie: Immer höherer Bedarf, da die Zahl an Dialysepatienten/präterminalen Niereninsuffizienzen stetig steigt.
Pneumologie: Derzeit sehr viele spannende neue invasive Tätigkeitsfelder in der Pipeline plus zusätzlich massive Fortschritte bzgl. der Tumortherapie (Stichwort biologicals).
Rheumatologie: Ständig erweiterndes Krankheitsfeld mit jeder Menge neuer Therapieoptionen.
Wer da die Innere als perspektivlos sieht, liegt ziemlich falsch. Hier wird die nächsten Jahre und Jahrzehnte der Bedarf an Spezialisten stetig steigen und wer nicht unbedingt nur den schnöden Allgemeininternisten machen will, sondern sich spezialisiert und das ist mittlerweile natürlich die Mehrheit, der wird immer seine Nische und Arbeitsstelle finden. Zumal ja auch die Demographie für die Leute spricht.
Kenne jedenfalls exakt einen Fachinternisten, der als Hausarzt arbeitet. Da geh ich also nur bedingt mit.
P.s.: Perspektivlos wird der Allgemeininternist werden, da er nur ein anders lackierter Hausarzt ist und bleibt. Die Fachinternistenzahl wird weiter steigen und durch die einzelnen Subspezialisierungen auch immer gut bezahlt bleiben, insbesondere in der Niederlassung. Wer das umfangreichere skillset hat, hat automatisch halt auch eine bessere Verhandlungsgrundlage da draußen.

daCapo
18.06.2021, 10:52
Das überrascht mich ehrlich gesagt gar nicht mehr. Oberärzte sind in den meisten Fällen auch Spielbälle von Chef und Verwaltung geworden. Kompetenzen und Personal werden entzogen, teilweise werden sie im Klinikverbund versetzt, die Arbeits- und Dienstbelastung ist in vielen Fällen nicht besser als die eines Assistenten... Die sind genauso gefrustet wie die Assistenten. Noch dazu ist jeder arbeistwillige Assistent ein potenzieller Konkurent. Da wird vorsichtshalber nicht in Funktionen ausgebildet, sonst sägt man am eigenen Ast.
In einem so dermaßen degenerierten System kämpft am Ende jeder für sich selbst.

Inzwischen sind o. g. Zustände ja auch keine Einzelfälle mehr, sondern eher die Regel. Da bringt ein Stellenwechsel nur bedingt was. Stellen wie Sand am Meer gibts im Übrigen nur für die Weiterbildung (dann auch oft nur Teilbereiche). Sobald man FA ist, wird es eng. Sowieso wenn man im Vergleich zum WBA keinen Mehrwert bietet, weil man nie in Funktionsbereichen ausgebildet wurde.
Von allen Fächern die die Medizin zu bieten hat, sehe ich die Innere Medizin zwischenzeitlich als perspektivlosestes Fach. Die meisten Assistenten werden nach mehreren Jahren frustraner Weiterbildung als Hausärzte in Praxen enden. Die Krankenhausmedizin wird nur von einem winzigen, mehr oder weniger gut qualifizierten Bruchteil fortgeführt werden. Mehr wird es aber auch nicht brauchen, die Krankenhauslandschaft wird dem politischen Willen folgend stark ausgedünnt werden.

Naja, du machst das ja jetzt schon sehr lange und bist auch lange (jahrlang) frustriert in der Weiterbildung...Ist die WB nicht irgendwann mal zu Ende? Mal mit dem WB gesprochen?
Etwas Abwechselung brächte z.B. ein Quereinstieg in die Allgemeinmedizin.
Ich denke, dass ist auch eine persönliche Präferenz. Ich finde Innere extrem langweilig und oftmals auch nicht so sinnvoll als einzige Tätigkeit im Krankenhaus, ein bisschen Innere Basics sollte natürlich jeder können. Daher mache ich auch keine Innere, fand aber die Zeit in der ich dort war lehrreich (inkl. miserabler Arbeitsbedingungen). Das ist meine persönliche Meinung. Andere Leute finden Innere toll und können sich nix anderes vorstellen.


Soso, die Innere Medizin ist also perspktivlos, wollen wir mal in die einzelnen teilbereiche sehen:
Kardiologie: Nimmt an Komplexizität seit Jahrzehnten permanent zu, mittlerweile eigentlich in 3 Subdisziplinen aufgespalten, die eine immer frühzeitigere Spezialisierung erfordern, da man das gesamte Spektrum (invasiv/nichtinvasiv/rhythmologisch) eigentlich nicht mehr guten Gewissens abdecken kann.
Nephrologie: Immer höherer Bedarf, da die Zahl an Dialysepatienten/präterminalen Niereninsuffizienzen stetig steigt.
Pneumologie: Derzeit sehr viele spannende neue invasive Tätigkeitsfelder in der Pipeline plus zusätzlich massive Fortschritte bzgl. der Tumortherapie (Stichwort biologicals).
Rheumatologie: Ständig erweiterndes Krankheitsfeld mit jeder Menge neuer Therapieoptionen.
Wer da die Innere als perspektivlos sieht, liegt ziemlich falsch. Hier wird die nächsten Jahre und Jahrzehnte der Bedarf an Spezialisten stetig steigen und wer nicht unbedingt nur den schnöden Allgemeininternisten machen will, sondern sich spezialisiert und das ist mittlerweile natürlich die Mehrheit, der wird immer seine Nische und Arbeitsstelle finden. Zumal ja auch die Demographie für die Leute spricht.
Kenne jedenfalls exakt einen Fachinternisten, der als Hausarzt arbeitet. Da geh ich also nur bedingt mit.
P.s.: Perspektivlos wird der Allgemeininternist werden, da er nur ein anders lackierter Hausarzt ist und bleibt. Die Fachinternistenzahl wird weiter steigen und durch die einzelnen Subspezialisierungen auch immer gut bezahlt bleiben, insbesondere in der Niederlassung. Wer das umfangreichere skillset hat, hat automatisch halt auch eine bessere Verhandlungsgrundlage da draußen.

Das sehe ich ähnlich. Gerade mit der zunehmenden Vergreisung der Gesellschaft, wird sich die Innere Medizin nicht über Arbeitslosigkeit beklagen können.
Ich denke, der Autor klagt eher über die Perspektivlosigkeit seiner Weiterbildungsstelle.

hebdo
18.06.2021, 11:09
..... Noch dazu ist jeder arbeistwillige Assistent ein potenzieller Konkurent. Da wird vorsichtshalber nicht in Funktionen ausgebildet, sonst sägt man am eigenen Ast.......

Das Motiv ist meiner Meinung nach irgendwo an letzter Stelle. Kein OA sieht in einem WBA einen Konkurrenten für seine Stelle. Denke das der Workload hier eine größere Rolle spielt.
Aber in Endeffekt schneidet man sich ins eigene Fleisch. Gut ausgebildete Ärzte nehmen Arbeit ab.

Die Innere ist absolut kein perspektivloses Fach. Kann mich meinem Vorredner nur anschließen.

Andererseits kommt man als FA auch in andere Bereiche. Bei mir in der Nähe sind zwei Unis und in 1h Pendelzeit nochmal zwei. Da ich selbst nach neuen Stellen schaue, finde ich dauernd, wirklich dauernd, Stellen mit reiner Projektarbeit oder Ambulanztätigkeit. Da fallen kaum bis überhaupt keine Dienste an. Gerade in großen Abteilungen hat man manchmal nur alle 4-6 Wochen 24h-Hausdienst, anderes Haus 3-4 Nachtschichtwochen So-Fr pro Jahr.

Die großen Abteilungen haben manchmal 50 Assistenten, während durch den Stellenschlüssel in kleinen Häusern mit 5-6 Assitenten schon rechnerisch jeder 2-3 Tag ein Bereitschaftsdienst sein muss.

anignu
18.06.2021, 11:19
Soso, die Innere Medizin ist also perspktivlos, wollen wir mal in die einzelnen teilbereiche sehen...
Und auch du beschreibst wieder nur Teilbereiche um die Leser nicht noch mehr zu überfordern.
Es ist doch super dass die Komplexität inzwischen so groß ist dass sich jeder nach seinen Interessen entwickeln kann. Das ist in Innere so, in der Chirurgie und in anderen Fächern ebenso. Für Assistenzärzte teils blöd, aber bissl später kann man sich dann so richtig austoben.

Haffi
18.06.2021, 11:27
P.s.: Perspektivlos wird der Allgemeininternist werden, da er nur ein anders lackierter Hausarzt ist und bleibt.

Dem muss ich aber als in der "Hausarzt"-Medizin Tätiger vehement widersprechen. Ich weiß bis heute nicht, was einen Allgemeininternisten zu einer hausärztlichen Tätigkeit befähigen soll.

Aber zurück zum Thema: Die Perspektivlosigkeit bezog sich hier wohl eher auf die Rahmenbedingungen im Krankenhaus. Die würde ich auch als perspektivlos bezeichnen. Die Niederlassung ist je nach Region und Fach schwierig. Habe zwei Kardiologen im Umfeld, die halbwegs örtlich gebunden im Prinzip seit über fünf Jahren warten, dass sich hier mal irgendwas tut in Sachen KV-Sitz. Sobald doch mal was frei wird, hat die XY MVZ GmbH meist die besseren Karten und bietet dann ein Angestellten-Verhältnis an

anignu
18.06.2021, 11:29
Noch dazu ist jeder arbeistwillige Assistent ein potenzieller Konkurent. Da wird vorsichtshalber nicht in Funktionen ausgebildet, sonst sägt man am eigenen Ast.

Das Motiv ist meiner Meinung nach irgendwo an letzter Stelle. Kein OA sieht in einem WBA einen Konkurrenten für seine Stelle. Denke das der Workload hier eine größere Rolle spielt.
Den Satz von Mr. Pink hatte ich scheinbar überlesen... da muss ich ehrlich gesagt nur Lachen. Als ob ein Assistent ein potenzieller Konkurrent wäre. Ganz ehrlich, ich weiß was ich kann und was ich nicht kann. Kenne vor allem auch meine Defizite und wie ich die langsam wegbekomme und mich in meinen Bereichen noch steigern kann. Und hab einfach mal 10 Jahre mehr Erfahrung in vielen Sachen. Dass mich ein Assistent 1. einholt und 2. überholt dauert lang und wenn ein Assistent das dann schaffen sollte, was passiert dann? Dann hab ich doch schon meine Position die er mir nicht wegnehmen kann. Und ich hätte jemanden dem ich guten Gewissens Arbeit anschaffen kann :-) und weiß dass es in entsprechender Qualität durchgeführt wird.
Keine Sorge, Konkurrenz ist nicht meine Befürchtung.

Aber ich bin auch kein Chef und mach keine Einteilung. Wenn ich für eine OP ohne Assistent eingeteilt bin oder z.B. ein Sono mach frag ich genau einmal in die Runde der Assistenten ob jemand Lust hat. Wenn ja, dann können die mitkommen und oft auch selber machen. Wenn nein, weil sie zu viele andere Sachen zu tun haben dann ist es halt so. Nicht meine Einteilung. Ältere Assistenzärzte haben die Station oft gut im Griff und nehmen das Angebot dankbar an, Jüngere sind oft mit der gleichen Station schon am Limit und haben damit keine Valenzen. Das Angebot gilt aber für alle gleich.

*Akela*
18.06.2021, 11:33
Auf den Postersteller bezogen:

Du bist ja noch recht "frisch" im Dienstgeschäft, sprich Anfänger bzw im ersten Jahr und machst aktuell wahrscheinlich so deine ersten Dienste.
Leider ist in vielen Kliniken das obig geschilderte eher die Regel als die Ausnahme. Fast alles unterhalb der Unikliniken/Kliniken vergleichbarer Größe strampeln ums "wirtschaftliche Überleben" und leider ist das meiste im Sparen was ihenn einfällt dass man mit der absoluten Unterkante an Personal wirtschaftet, leider mittlerweile auch im ärztlichen Bereich.
Solche Situationen führen natürlich dann bei nur einem geringen "Mehraufkommen" an Patienten im Nachtidenst etc dann zu wirklichen Problemen. Und klar: wo langfristig alle so derart überlastet sind an Workload und Kapazitäten und Überstunden - da menschelt es dann viel und Überforderung kommt dazu.
Es ist natürlich absolut nicht in Ordnung dass man dir da den schwarzen Peter mit der Verlegung dieses ACS Patienten zuschiebt .
Diesen spziellen FAll würde ich direkt mit deinem Chef besprechen und Korrektur des Briefs verlangen.
Da leider so "menschliches Gezeter" und Spielchen bei Verlegungen intern/extern vielerorts "gern" gemacht werden um abzulenken von eigenem "Nicht-Mitdenken" (und dann schiebt man es halt dem Verlegenden in die Schuhe) - kann ich dir aus meiner langjährigen Erfahrung nur den Rat geben jeden Pfurz in einem Aufnahmedokument zu dokumentieren - damit da niemand sich rausreden kann oder man da nix ummünzen kann. insbesondere so Dinge wie "Anruf OA xyz um 23:15, Schilderung ACS; AZ, Procedere? - OA xyz dixit via TElefon 23.15 Verlegung ITS/Monitoreinheit" dann kann einem NIEMAND an den Karren fahren. und wenn der Kollege der deinen Patienten am anderen Standort/Haus entgegennimmt, ihn trotzdem auf Normalstation karrt - ist es sein Bier und jeder kann hinterher sagen, stand doch deutlich im Brief...

Mein Rat an Dich als Kollege im ersten Jahr mit noch wenig Erfharung: Dokumentiere ALLES. Und zwar lupenrien, wasserdicht, deppensicher. Erstens damit man klar dinge nachvollziehen kann, und zweitens niemand dir was in den Karren kippen kann.
Und leider ist der Hintergrund Oberarzt in manchen Häusern auch nicht viel besser. So manches mal, wenn etwas "in die Hose" geht, und der Chef am Morgen danach zurecht "schreit", kann so mancher Oberarzt sich leider überhaupt nicht mehr dran erinnern mit dir überhaupt telefoniert zu haben, geschweige denn was er gesagt hat.
Und beim Thema Assistenzarzt (gerade wenn man noch nicht lange dabei ist) - gegen Oberazrt - ziehst DU IMMER den kürzeren. Sowohl abteilungsintern als auch haftungsrechtlich wenn aus sowas wirklich ein critical incident resultiert.
Leider ist es so, dass gerade Leuten in den ersten 1-2 Jahren die von erfahrenen Kollegen/intensivärzten als "Anfänger" gesehen werden, häufig so dass die prädestiniert sind dass denen was hingeschoben wird oder auch so mancher OA sich vorm Chef rauswindet mit "hat er bestimmt falsch verstanden/nicht kapiert/falsch eingeschätzt oder "na sooooo hat mir aber der unerfahrene Kollege den fall nicht präsentiert".

Das ist menschlich alles natürlich NICHT in Ordnung und absolut daneben. Darüber sind wir uns alle einig.
Aber so ist es nun mal an vielen Häusern/Abteilungen. Gerade dort, wohl eine angespannte Personalsituation herrscht und alles "auf heisse Kante" genäht ist weil Strukturen ausgreizt / dauerhaft auf Anschlag laufen.

Ich glaube nicht dass du nur deswegen kündigen solltest - das kann dir genauso anderswo auch passieren und solche SItuationen passieren leider vielerorts. Es ist eher die Regel als die Ausnahme.

Auch so Situationen, in der es zwei Hintergrund OAs gibt (einen als direkten Hintergrund und dann einen spziellen Hintergrund OA für Coro/ERCP etc.... und die beiden dann auch aneinander vorbeidiskutieren bzw sich den Fall gegensietig zuschieben... passieren vielerorts.

Auch das Thema ÜBerstunden, Überlastung, extrem viel Stationsarbeit und wenig Zeit für Ausbildung sind leider vielerorts so.
Du bist im ersten Jahr, im Monat 7 .ich würde dir empfehlen mindestens das Jahr fertig zu machen in dem Haus und dann realistisch beurteilen wie wahrscheinlich gut/schlecht die weitere Ausbildung/Chance auf Rotationen in dem Haus stehen etc.

Das sind leider alles Probleme die an der Mehrheit der Kliniken so gelagert sind.
Wenn du nach einem Jahr zu der Einschätzung kommst dass das ganze perspektivlos ist, kündige.
Aber "so" ist das leider in vielen Häusern und leider sind Anfänger häufige "Opfer" von so Verlegungs spielchen und Gerede.
stellen gibts wiegesagt wie Sand am Meer in der Inneren, doch die Wahrscheinlichkeit dass es anderswo ähnlich ist im Sinne von Dienstbelastung und "Spielchen" ist relativ hoch.
Ich würde daher eher die Kündigungsfrage von der Seite her eruieren, ob / wie / du Rotationen, Fortbildungen, Ultraschall etc und derartiges bekommst und in welchem Zeitrahmen. Und alles wirklich dummensicher und wasserdicht dokumentieren, auch was die Empfehleungen und Telefonate mit dem eigenen Hintergrund angeht.
So mancher auhc sehr "netter" Oberarzt erleidet eine akute Amnesie was so telefonate angeht wenn er/sie vom Chefarzt kritiscih befragt wird und der oberärztliche Hintern auf Grundeis geht. Da ist nichts leichter als dem Chef dann zu beteuern dass man ja gar nicht wirklich das "so" geshildert bekommen hat etc oder ja gar nicht so recht wusste was der kleine Assi nachts von einem wollte....
(das ist nicht schön und auch nicht korrekt aber so ist es leider).


Das Thema ein Oberarzt wittert konkurrenz bei einem aufstrebenden guten leistungswilligen Assistenzarzt.... das halte ich für sehr sehr unwahrscheinlich!
Natürlich gibts manchmal so Situationen von Stutenbissigkeiten in den Herzkatheterlaboren - aber das liegt dann nicht an der Position OA/AA sondern das hat dann rein was mit persönlicher Abneigung und Antipathie zu tun und nicht mit der Hierarchie.

Was ich leider als "Altassistent" häufig erlebe: Stress/ÜBerlastung ist ein sehr subjektives Gefühl.
Jemand im ersten/zweiten Jahr wird mit der Situation: eine halbe Station als Stationsarzt machen, und paralell eigene Ultraschalls etc oft sehr "überlastet" sein oder teilweise die eigenen Kapazitäten ausgereizt sein.
Wohingegen jemand im 4-/5. Jahr überhaupt kein zeitliches Problem hat suffzient eine ganze Station zu machen, nebenher anfallende Schalls/Punktion und vielleicht noch sich um den Neuling / Anfänger bisschen mit kümmern und er geht tortzdem 18 Uhr heim. Nicht jeder hat dieselbe Arbeitsgeschwindigkeit / Stresstoleranz und natürlich wird der Threadersteller mit 7 Monaten beruferfahrung eine "stressige"Nacht in der Notaufnahme auch anders empfinden als jemand der schon intensiverfahren ist und im 5. Jahr.
Am Anfang, gerade das 1. Jahr, ist für alle "hart" "stressig" und man hat das Gefühl dass man privat zu nix kommt und ist ständig kaputt und müde und hat das Gefühl man rennt der Sache eher hinterher als dass man zB eine Station im Griff hat.
Man muss das einfach ins Verhältnis setzen und vieles wird mit Routine und Erfahrung einacher, entspannter und effizienter. Man muss sich auch die nötige Zeit geben und eine am Anfang "sehr steile Lernkurve" ist natürlich auch sehr anstrengend - da mussten wir alle durch... =)

daCapo
18.06.2021, 11:45
Den Satz von Mr. Pink hatte ich scheinbar überlesen... da muss ich ehrlich gesagt nur Lachen. Als ob ein Assistent ein potenzieller Konkurrent wäre.

Na der meinte eher den Kollegen, der direkt nach der Facharztprüfung in die Oberarztposition gelangt. Häufiges Phänomen in der Inneren.

*Akela*
18.06.2021, 11:54
Den Satz von Mr. Pink hatte ich scheinbar überlesen... da muss ich ehrlich gesagt nur Lachen. Als ob ein Assistent ein potenzieller Konkurrent wäre. Ganz ehrlich, ich weiß was ich kann und was ich nicht kann. Kenne vor allem auch meine Defizite und wie ich die langsam wegbekomme und mich in meinen Bereichen noch steigern kann. Und hab einfach mal 10 Jahre mehr Erfahrung in vielen Sachen. Dass mich ein Assistent 1. einholt und 2. überholt dauert lang und wenn ein Assistent das dann schaffen sollte, was passiert dann? Dann hab ich doch schon meine Position die er mir nicht wegnehmen kann. Und ich hätte jemanden dem ich guten Gewissens Arbeit anschaffen kann :-) und weiß dass es in entsprechender Qualität durchgeführt wird.
Keine Sorge, Konkurrenz ist nicht meine Befürchtung.

Aber ich bin auch kein Chef und mach keine Einteilung. Wenn ich für eine OP ohne Assistent eingeteilt bin oder z.B. ein Sono mach frag ich genau einmal in die Runde der Assistenten ob jemand Lust hat. Wenn ja, dann können die mitkommen und oft auch selber machen. Wenn nein, weil sie zu viele andere Sachen zu tun haben dann ist es halt so. Nicht meine Einteilung. Ältere Assistenzärzte haben die Station oft gut im Griff und nehmen das Angebot dankbar an, Jüngere sind oft mit der gleichen Station schon am Limit und haben damit keine Valenzen. Das Angebot gilt aber für alle gleich.

Dem würde ich auch genauso zustimmen.
Es ist ja kein "entweder" "oder" Ding. Der Oberarzt/in verliert doch nicht ihre Stelle, wenn ein Assistenzarzt der gerade seinen FA macht, sich entwickelt und ein paar SChritte nach vorne macht. die meisten Abteilungen sind auch oberärztlich eng getaktet - da ist jede Hand die was "kann" und "motiviert" ist in der Regel willkommen und wird als jemand angesehen, der "entlastet" und nicht als jemand der "konkurriert."

Bei vielen Kollegen erlebe ich leider auch, dass die Erwartungshaltung da ist, dass der oberarzt als Babysitter fungiert und einem alles auf dem Silbertablett hinterherträgt. oder dass der zuständige Oberarzt jemanden aktiv zu irgendwas einlädt und aktiv dafür sorgt dass ein AA den "Rücken frei" bekommt und was zu "lernen" oder sich "fortzubilden". Diese Erwartungshaltung wird natürlich enttäuscht, schuld ist die Abteilung, der CHef , der OA... aber niemals man selbst. Und dann wird gekündigt.

Man MUSS sich schon selbst einbringen, aktiv lernen . Aktiv sich selbst drum kümmern auf Fortbildungskurse zu wollen, sich zu kümmern. Man MUSS sich selbst drum kümmern die eigenen Aufgaben (zB Station) so effizient und strukturiert zu gestalten, damit eben 1-2h am Arbeitstag da sind um zB mit einem erfahrenen Kollegen/OA Ultraschall, Punktionen uvm zu machen um zu lernen. Da muss man selbst AKTIV sich drum kümmern, kämpfen, sich selbst organisieren und ja das ist gerade am Anfang extrem anstrengend weil ein großes Maß an MOtivation und Eigenantrieb gefordert ist. Und natürlich ist es "chilliger" 30 min in der Kantine zu sitzen oder im Arztzimmer und Mittag zu machen... oder ob man eine Lücke im Tag nutzt sich zu einem erfahrenen Kollegen hinzustellen und dem beim TEE zuzugucken oder mit dem zusammen die erste Pleurapunktion zu machen... aber dann muss man halt sein Sandwich hinterher am PC neben der Kurvenvisite beiläufig reinessen.
Die meisten Kollegen die ich an meinen 3 Stellen erlebt habe, die klagen dass sie "ständig so viel zu tun" und "nix lernen", haben leider nie ein gewisses Maß an Eigenanstrengung eingebracht. und dann wird sich beschwert wenn halt dann 2-3 Jahre später ein Kollege, der im geleichen Jahr angefangen hat, vor ihnen auf Intensiv rotiert.

Wenn ich zB Schrittmacherambulanz, Punktionen, invasive Diagnostik, etc mache an Tagen an denen ich nicht auf Intensiv bin, frage ich auch in die Runde ob einer der Anfänger/eher unerfahrenen mit "seinem" Patienten mitkommen will ... meistens kommt da wenig bis nix. Ja, dann gibt es halt leider keine 3 Extraeinladungen.. Angebot steht - wer mitwill und was gezeigt bekommen will - sehr gern. Aber ich renne da auch niemand hinterher....


Aber natürlich mag es auch Konstellationen geben, in denen zwei ehemalige Assistenzärzte die sich noch nie recht mochten/konkurrenz da war..... der eine ist 2-3J weiter und schon OA... der andere macht nun FA-Prüfung und hofft ebenfalls dann auf eine FOA/OA STelle.... dass es da hin und wieder zu zwischenmenschlichen Dingen kommt wenn Leute nur sehr knapp auseinander sind. Persönliche Sympathien/Antipathien kommen immer wieder vor. Auch eine gewisse Stutenbissigkeit wenns um Endoskopie / Katheterlabor geht.... kann vorhanden sein. Aber dass ein kleiner Assistenzarzt im 2. Jahr nicht in den Ultraschall "darf" um Pleurapunktionen selbst durchzuführen , weil der 43 jährige Oberarzt ihn "nicht stark werden lassen" möchte, ist absoluter Bullshit. Da möchte meistens der Anfänger der unzufrieden ist über die eigene Enwicklung, die Gründe für seine Stagnation und Frust bei jemand anderem finden als sich mit der Eigenleistung auseinanderzusetzen...

Haffi
18.06.2021, 12:07
Man MUSS sich schon selbst einbringen, aktiv lernen . Aktiv sich selbst drum kümmern auf Fortbildungskurse zu wollen, sich zu kümmern. Man MUSS sich selbst drum kümmern die eigenen Aufgaben (zB Station) so effizient und strukturiert zu gestalten, damit eben 1-2h am Arbeitstag da sind um zB mit einem erfahrenen Kollegen/OA Ultraschall, Punktionen uvm zu machen um zu lernen. Da muss man selbst AKTIV sich drum kümmern, kämpfen, sich selbst organisieren und ja das ist gerade am Anfang extrem anstrengend weil ein großes Maß an MOtivation und Eigenantrieb gefordert ist. Und natürlich ist es "chilliger" 30 min in der Kantine zu sitzen oder im Arztzimmer und Mittag zu machen... oder ob man eine Lücke im Tag nutzt sich zu einem erfahrenen Kollegen hinzustellen und dem beim TEE zuzugucken oder mit dem zusammen die erste Pleurapunktion zu machen... aber dann muss man halt sein Sandwich hinterher am PC neben der Kurvenvisite beiläufig reinessen.
Die meisten Kollegen die ich an meinen 3 Stellen erlebt habe, die klagen dass sie "ständig so viel zu tun" und "nix lernen", haben leider nie ein gewisses Maß an Eigenanstrengung eingebracht.


Dieser Beitrag zeigt vielleicht auch ganz gut, warum es in vielen Häusern so ist wie es ist. Wenn schon die Wahrnehmung einer kurzen Mittagspause - in nahezu jedem Job jeglicher Qualifikationen und Einkommensklassen völlig normal - als mangelnde Motivation/Eigeninitiative etc. wahrgenommen wird, weiß man, wie sehr sich viele von den Betreibern bzw. Aktionären der Branche widerstandslos prostituieren lassen. Frag mal bei der Pflege nach, was ihr diese Strategie in den letzten Jahrzehnten so gebracht hat

Christoph_A
18.06.2021, 12:11
Dem muss ich aber als in der "Hausarzt"-Medizin Tätiger vehement widersprechen. Ich weiß bis heute nicht, was einen Allgemeininternisten zu einer hausärztlichen Tätigkeit befähigen soll.

Aber zurück zum Thema: Die Perspektivlosigkeit bezog sich hier wohl eher auf die Rahmenbedingungen im Krankenhaus. Die würde ich auch als perspektivlos bezeichnen. Die Niederlassung ist je nach Region und Fach schwierig. Habe zwei Kardiologen im Umfeld, die halbwegs örtlich gebunden im Prinzip seit über fünf Jahren warten, dass sich hier mal irgendwas tut in Sachen KV-Sitz. Sobald doch mal was frei wird, hat die XY MVZ GmbH meist die besseren Karten und bietet dann ein Angestellten-Verhältnis an

Und wo wäre jetzt das Problem mit MVZ XY? Ein vernünftiger invasivtätiger Kardiologe arbeitet nicht unter 120-150k Grundgehalt pro Jahr, dann kann man ja noch ein paar Boni wie ne Umsatzbeteiligung aushandeln und eventuell ja auch perspektivisch ne Partnerschaft. Da kommt man schnell in Sphären, die ein Einzelkämpfer auf nem klassischen KV Sitz nie erreichen wird. Ich war auch zuerst bei meinem MVZ angestellt, bevor ich Partner wurde, gestört hat mich das nicht, Hauptsache der Rubel rollt und das Arbeitsklima passt.

davo
18.06.2021, 12:19
Wenn schon die Wahrnehmung einer kurzen Mittagspause - in nahezu jedem Job jeglicher Qualifikationen und Einkommensklassen völlig normal - als mangelnde Motivation/Eigeninitiative etc. wahrgenommen wird, weiß man, wie sehr sich viele von den Betreibern bzw. Aktionären der Branche widerstandslos prostituieren lassen.

Fand ich auch ziemlich verrückt, diese Aussage :-)) Wer so denkt, darf sich echt nicht wundern, wenn er ausgebeutet wird. Vom Arbeitgeber, vom Oberarzt, vom Chef.

cartablanca
18.06.2021, 12:30
Den Satz von Mr. Pink hatte ich scheinbar überlesen... da muss ich ehrlich gesagt nur Lachen. Als ob ein Assistent ein potenzieller Konkurrent wäre.

Dem muss ich widersprechen. Ich habe selbst schon Oberärzte kennen gelernt, die sich auf bestimmte Operationen spezialisiert hatten und ganz bewusst dem Nachwuchs die Ausbildung verweigerten/ ihr Wissen für sich bunkerren. Wollten regional ein Alleibstellubgsmerkmal beibehalten. Da steckt schon Konkurrenzdenken/ Egoismus dahinter.