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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hohe Dienstbelastung Radiologie, alternative Berufswahl?



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sioux25
19.06.2021, 12:58
Hallo zusammen,

ich arbeite in einem mittelgroßen Krankenhaus als Radiologie. Die Arbeit an sich macht mir sehr Spaß, mich begeistert die Radiologie als Querschnittfsach bzw. vom Workflow, auch wenn ich manchmal mir etwas mehr Patientenkontakt wünsche.
Problem ist, da wir nur wenige Radiologen sind, teilweise bis zu 9 Dienste (Rufbereitschaft) im Monat geleistet werden müssen. Dies erfolgt teleradiologisch, wobei der Arbeitsaufwand schwankt von wenig bis zu "Ich befunde nachts mehr CT's als tagsüber". Die Wohnung kann ich an diesen Tagen nicht wirklich verlassen, da der Befund zeitnah übermittelt werden muss.
Zudem müssen wir unter der Woche nach einem Dienst ganz normal am nächsten Tag arbeiten (Beginn etwas später als ohne Dienst).
Insgesamt habe ich das Gefühl, dass mich die hohe Anzahl an Diensten körperlich und psychisch stark belastet (Schlafmangel, etc.).

Ich bin am Überlegen, ob es vlt alternative Fachrichtungen gibt, die mit weniger Dienstbelastung einhergehen, da mir eine gute Work-Life-Balance wichtiger als Geld ist. Denke z.B. an Strahlentherapie, Arbeitsmedizin.
Leider gibt es nur wenige Stellen als Radiologe in meiner Gegend (mittelgroße Stadt).

Wie seht ihr das? Gibt es hier vlt andere Radiologen, die mir sagen können, ob das eine normale Dienstbelastung ist?
Bzw. kann mir jemand kurz was zur Strahlenmedizin/Arbeitsmedizin sagen bzgl. work-life-balance?

Freue mich auf Rückmeldungen.

urinbeutel
19.06.2021, 13:11
wir hatten innerhalb kürzester Zeit drei mal genau den gleichen Beitrag. Kein Vorwurf, nur eine Beoabchtung, die ich mache. Was geht denn in der Radiologie derzeit ab.

sioux25
19.06.2021, 13:18
Ok, habe die Beiträge auf den ersten Blick nicht gefunden. Anscheinend gibt es mehrere unglückliche Radiologen zur Zeit :'D

Freue mich trotzdem auf Rückmeldungen.

Zilia
19.06.2021, 13:28
Hallo sioux25,

1 Jahr Radiologie kannst Du Dir auf Strahlentherapie anrechnen lassen. Allerdings gibt es in der Strahlenklinik/-ambulanz auch Bereitschaftsdienste, z. B. wenn die Strahlenklinik eigene Betten hat für die stationären oder in der Ambulanz medizinische Notfälle sind bzw. es ein Problem mit dem Beschleuniger gibt (wobei das eher Facharzt-Sache bzw. die Medizinphysiker (m/w) sind ja auch noch da). Du musst für Strahlentherapie aber 1 Jahr Onko machen, um auf die laut Logbuch geforderten Chemos etc. zu kommen. Schon mal an NUK gedacht?

Viele Grüße

Zilia

FirebirdUSA
19.06.2021, 13:29
RB in BD wandeln lassen, wenn es so viel ist. In Praxis gehen... ?

sioux25
19.06.2021, 13:33
RB in BD geht leider nicht, weil dann das ganze Dienstmodell nicht mehr aufgeht aus personeller Sicht und das natürlich teurer wird für das Krankenhaus :'D
Praxen gibt es leider zur Zeit nicht viele, nur eine mit offener Stelle, wo ich noch auf Antwort warte bzgl. Bewerbung.

sioux25
19.06.2021, 13:36
@ Zilia: Danke für deine Antwort. Habe den Katalog für Strahlentherapie schon studiert. Ein Jahr Klinik wäre für mich ok. Nuklearmedizin ist leider nicht so mein Fall. Mag die Schnittbildgebung und dachte das Radioonkologie (mehr Patientenkontakt) eine gute Alternative sein könnte. Allerdings habe ich nur wenig persönliche Erfahrungen in dieser Diszplin gemacht. Werde vlt eine Hospitation anstreben.

FirebirdUSA
19.06.2021, 13:44
RB in BD geht leider nicht, weil dann das ganze Dienstmodell nicht mehr aufgeht aus personeller Sicht und das natürlich teurer wird für das Krankenhaus :'D
Praxen gibt es leider zur Zeit nicht viele, nur eine mit offener Stelle, wo ich noch auf Antwort warte bzgl. Bewerbung.

Also, wenn die tariflichen Vorgaben für RB nicht gegeben sind (im Mittel <15% Arbeitszeit im RD) muss eben eine Stelle geschaffen werden und BD angeordnet werden. Für Klinik natürlich teurer..

GelbeKlamotten
19.06.2021, 13:55
Also, wenn die tariflichen Vorgaben für RB nicht gegeben sind (im Mittel <15% Arbeitszeit im RD) muss eben eine Stelle geschaffen werden und BD angeordnet werden. Für Klinik natürlich teurer..

Dass können wir jetzt hier zum 50. Mal diskutieren, aber konkret wird das sioux nicht helfen.

Laelya
19.06.2021, 14:16
Aber das ist nun mal der korrekte Weg. Genau den sind wir auch gegangen. 4 Monate Einsatz notiert. Für die Herren der Geschäftsführung tolle Grafiken erstellte (die sie nicht sehen wollten) und dann über den Betriebsrat mal vorsichtig angeklopft und das Arbeitszeit gesetzt auf den Tisch gelegt. Ging dann auf einmal ganz schnell mit dem Bereitschaftsdienst.

Wieviele aktive Diensthabende seit ihr denn? Als wir umgestellt hatten waren wir 6 Assistenten die Vordergrunddienst gemacht haben.

daCapo
19.06.2021, 14:20
Hallo sioux25,

1 Jahr Radiologie kannst Du Dir auf Strahlentherapie anrechnen lassen. Allerdings gibt es in der Strahlenklinik/-ambulanz auch Bereitschaftsdienste, z. B. wenn die Strahlenklinik eigene Betten hat für die stationären oder in der Ambulanz medizinische Notfälle sind bzw. es ein Problem mit dem Beschleuniger gibt (wobei das eher Facharzt-Sache bzw. die Medizinphysiker (m/w) sind ja auch noch da). Du musst für Strahlentherapie aber 1 Jahr Onko machen, um auf die laut Logbuch geforderten Chemos etc. zu kommen. Schon mal an NUK gedacht?

Viele Grüße

Zilia

Du kannst das einfach in einer Strahlentherapie mit vollen 60 Monaten Weiterbildungsberechtigung machen. Man braucht dafür nicht in die Onkologie gehen.
Es gibt auch Kliniken, die ihre Station / Vordergrund Dienst ab 17 Uhr an den Innere Dienst abgeben und nur Wochenendvisite machen. Für Strahlentherapeutische Fragestellung gibt's dann Hintergrund. Sehr unterschiedlich gehandhabt je nach Klinik.

daCapo
19.06.2021, 14:26
RB in BD geht leider nicht, weil dann das ganze Dienstmodell nicht mehr aufgeht aus personeller Sicht und das natürlich teurer wird für das Krankenhaus :'D
Praxen gibt es leider zur Zeit nicht viele, nur eine mit offener Stelle, wo ich noch auf Antwort warte bzgl. Bewerbung.

Einfach Belastungsanalyse machen. Wenn man in der Rufbereitschaft mehr arbeitet als im Tagdienst, passt die Rufbereitschaft nicht als Dienstform.
Im Schnitt sollten es max. 20% der Zeit Arbeit sein über einen repräsentativen Zeitraum (zum Beispiel 3 Monate).


RB in BD geht leider nicht, weil dann das ganze Dienstmodell nicht mehr aufgeht aus personeller Sicht und das natürlich teurer wird für das Krankenhaus :'D
Praxen gibt es leider zur Zeit nicht viele, nur eine mit offener Stelle, wo ich noch auf Antwort warte bzgl. Bewerbung.

naja...also Personal einstellen kann man schon. Oder die Teleradiologie abgeben an ein Zentrum mit mehr Kapazität.
Eigentlich gibt es relativ viele radiologische Praxen in DE, wo es für Fachärzte relativ einfach reinzukommen ist. Zumindest die Fachärzte und Oberärzte meiner letzten Unikliniken sind da gut und gerne untergekommen.

sioux25
19.06.2021, 16:24
Danke für eure Antworten. Wir sind drei Assistenzärzte, OÄ machen auch Dienste.
Sehe das ähnlich mit der Dienstform. Die anderen Assistenten sind schon länger da und haben sich anscheinend mit der Situation abgefunden. Hab ehrlich gesagt keine Lust und Kraft allein mich an krankenhauspolitischen Eigenheiten abzuarbeiten. Deswegen kommt für mich nur Stellenwechsel (zur Zeit wenig Stellen in der Region) oder anderes Fach in Frage.

freak1
19.06.2021, 19:47
naja...also Personal einstellen kann man schon. Oder die Teleradiologie abgeben an ein Zentrum mit mehr Kapazität.

Das ist gesetztlich nicht gewollt und ist durch die neuen Regelungen schwieriger geworden; man möchte insbesondere nicht, dass die Uni 10 andere Kliniken drum herum als Telerad mitversorgt weil das billiger ist:

"Als neue Anforderung wird in § 14 (2) c) StrlSchG „eine regelmäßige und enge Einbindung des Teleradiologen in den klinischen Betrieb des Strahlenschutzverantwortlichen“ aufgeführt [1]. Dies ist für eine gute Patientenversorgung grundsätzlich sinnvoll. Diese Regelung soll auch das sog. „Regionalprinzip“ fördern, d.h. eine engere regionale Kooperation, bei der der Teleradiologe zusätzlich zur Befundung in klinische Konferenzen und/oder Fallbesprechungen eingebunden wird. Die praktische Umsetzung sollte abhängig von der spezifischen Situation und dem jeweiligen Bedarf geplant werden. In Hessen werden beispielsweise von der zuständigen Behörde für den Regelfall eine wöchentliche Besprechung, die auch mit elektronischer Kommunikation durchgeführt werden kann, und eine persönliche Anwesenheit des Teleradiologen in längeren Abständen als geeignet angesehen."

McLaren422
19.06.2021, 20:06
@sioux: Arbeitest du zufällig in ner großen Klinik im Schwarzwald? :D

sioux25
19.06.2021, 20:38
Nein ich bin nicht in Karlsruhe ;)

mbs
19.06.2021, 20:58
Was gefällt dir an dem Fach, warum machst du es beziehungsweise hast du es gewählt? Bestehen diese Gründe noch?

Stört dich wirklich nur das Dienstmodell? Falls ja würde ich an deiner Stelle nicht wechseln. Es gibt auch Kliniken in denen jeder Dienst ein Hausdienst ist, teilweise auch welche in denen ein Dreischichtsystem existiert. Und Kliniken mit dickerer Personaldecke, wo pro Monat auch weniger Dienste pro Person anfallen.

Hast du in nächster Zeit die Möglichkeit mal wo zu hospitieren? Wäre dir das ein paar geopferte Urlaubstage wert?

Hast du deinen Chef schonmal gefragt ob du die Stelle in eine Teilzeitstelle umwandeln könntest? Im Klinikum hier machen das immer mehr Kollegen aus praktisch allen Fachrichtungen - wohlgemerkt nicht nur die mit Familie und Kindern. Wird zwar nicht gern gesehen, aber dann doch in der Regel irgendwie bewilligt.

daCapo
19.06.2021, 23:09
Das hat er doch bereits geschrieben, dass bei ihm in der Nähe nix gescheites sei und dass es ihm zu viel sei mit den Diensten. Teilzeit ist suboptimal für die Weiterbildung...die man ja idealerweise zeitnah beenden möchte. Stimmt's ?

Sim85
20.06.2021, 09:33
@ sioux25: meine Situation ist ein bisschen anders, aber ich kann dein Problem aus erster Hand nachvollziehen.
Falls du grundsätzlich in der Radiologie tätig bleiben möchtest, würde ich dir schon raten, deine Weiterbildung im klinischen Bereich abzuschließen. Falls Interesse an meiner detaillierten Meinung besteht, kann ich gerne noch nachreichen

sioux25
20.06.2021, 10:02
@mbs: Radiologie interessiert mich natürlich immer noch sehr (Querschnittsfach, Kontakt mit vielen Disziplinen, Überblick über viele Krankheiten, technikaffin etc.). Allerdings habe ich festgestellt, dass Arbeitsbedingungen eine sehr hohe Priorität bei mir einnehmen, um insgesamt zufrieden und bei gutem Wohlbefinden auf lange Sicht gute Arbeit leisten zu können.
Das geht soweit, dass ich sogar über eine Neuorientierung bzgl. Facharztrichtung nachdenke.
Teilzeit ist nicht möglich: gerade wurde eine Teilzeitstelle ersatzlos gestrichen, was die Dienstplanung natürlich verschärft hat.