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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lohndumping angestellter Arzt in Praxis?



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DrSkywalker
28.08.2021, 09:39
Ja, die verdienstmöglichkeiten als Facharzt in der Niederlassung oder als angestellter Spezialist sind nicht zu verachten, im Gegenteil, man kann richtig gut verdienen. Ausreichend verdient man als angestellter Facharzt in der Klinik, so der typischer 0815/Lebenslauf ohen dass es schlecht wäre. DAnn halt Tarifgehalt, 60 h Wochen und im Jahr ca 100k zu versteuern mit 40. Das ist völlig ok, aber man kann sich mit diesem Gehalt eben nicht mehr so ohne weiteres ein schönes Eigenheim in einer Unistadt leisten.

Ich kenne halt einige angestellte Ärzte in der Allgemeinmedizin, die schieben eine ruhige Kugel, gehen pünktlich, überlassen das Unangenehme dem Praxisinhaber, sind fachlich bestenfalls Note 3minus oder schlechter, haben keinen Geschäftssinn etc. Warum sojemand dann 10k im Monat verdienen sollte erschließt sich mir wirklich nicht.

Ich würde einen Kollegen, der so arbeitet wie ich als Inhaber, für dieses Geld anstellen, aber dann erwarte ich auch Engagement und Skills entsprechend. Bisher ist mir sojemand nicht untergekommen, diese Typen (m/w/d) lassen sich selbst nieder in der Regel.

bipoka
28.08.2021, 10:41
Ja wird so sein, bin kein Allgemeinmediziner.
Nur diese Phrase: Lieber keinen Facharzt machen und in der Klinik bleiben....noch nie gehört.

anignu
28.08.2021, 12:45
Nur diese Phrase: Lieber keinen Facharzt machen und in der Klinik bleiben....noch nie gehört.
Ich schon. Wobei es bei dem eher auf "will keine größere Verantwortung übernehmen" rauslief und er irgendwann halb gezwungen wurde den Facharzt doch zu machen weil die Überleitungsfristen von der WBO 93 auf WBO 2004 auslief... er hat es dann gemacht aber mit dem Deal dass er niemals Hintergrunddienste machen müsse und einfach ganz normal als Stationsarzt, bissl (wenig) operieren und mit Nachtdiensten weitermachen könne. Hatte auch keine 100%-Stelle weil er sich mehr um sein Kind kümmern wollte etc.
Für den war das perfekt. Langjähriger Mitarbeiter, deutlich länger als einige Oberärzte oder der Chef, Station/Notaufnahme/ITS etc. war für ihn super easy zu managen und von den Arbeitszeiten war es für ihn auch perfekt.

Man darf nicht vergessen: Nachtdienste, die keine 24h-Dienste sind, haben auch deutliche Vorteile die man nicht unterschätzen sollte. Alleine so Wochenendverlängerungen wie Do-Dienst + Mo-Dienst heißt von Freitag 8/9 Uhr bis Montag 15/16 Uhr frei. Behördengänge, Handwerker, Arzttermine, Termine mit Kindern etc. lassen sich mit Nachtdiensten auch gut kombinieren. Als OA der Volldienst macht und dazu "nur" Rufbereitschaften ist das schon deutlich schwieriger. In der eigenen Praxis muss man sich das auch überlegen. Wobei man dafür zum Beispiel Mittwoch/Freitag nachmittag frei hat oder macht.

Zusammengefasst: es ist nicht mein Leben, aber ich kann die Einstellung von dem Kollegen von damals sehr sehr gut nachvollziehen. Die Work-Life-Balance in Kombination mit dem Gehalt war für ihn genau das was er wollte. Und darum geht es doch. Dass es für einen selber passt.

Was Skywalker meint und nicht mag sind massive Diskrepanzen in Anspruch und eigenem Engagement/Können. "Underperformer" ist da noch freundlich ausgedrückt. Einfach Leute die nichts können aber wunder wieviel Geld verlangen. Nicht falsch verstehen, es gibt auch Leute die sehr wenig können aber dafür eine einzige Sache richtig gut und wenn genau das grad gesucht ist dann können die auch viel verlangen. Aber schlecht bis mittelmäßiges Können und dazu noch keinen Bock, da gibt es dann halt auf dem Markt auch nicht viel dafür.

bipoka
28.08.2021, 13:22
Ich schon. Wobei es bei dem eher auf "will keine größere Verantwortung übernehmen" rauslief und er irgendwann halb gezwungen wurde den Facharzt doch zu machen weil die Überleitungsfristen von der WBO 93 auf WBO 2004 auslief... er hat es dann gemacht aber mit dem Deal dass er niemals Hintergrunddienste machen müsse und einfach ganz normal als Stationsarzt, bissl (wenig) operieren und mit Nachtdiensten weitermachen könne. Hatte auch keine 100%-Stelle weil er sich mehr um sein Kind kümmern wollte etc.
Für den war das perfekt. Langjähriger Mitarbeiter, deutlich länger als einige Oberärzte oder der Chef, Station/Notaufnahme/ITS etc. war für ihn super easy zu managen und von den Arbeitszeiten war es für ihn auch perfekt.


Warum ist er dann überhaupt Chirurg geworden und arbeitet im KH? Und dann als Chirurg nur oder hauptsächlich Station: Langweilig. Für mich wäre das nix.
So vom Hörensagen seitens der Pflege, wurde mir auch über Leute berichtet, die gerne den Stationsdienst machen. Aber den Facharzt dafür rausschieben?
Ich empfehle es niemand.
Ja das ist toll mit den 24h Dienst und dann am Tag danach frei mitten in der Woche oder langes Wochenende. Am Anfang. Dann kam mit den Jahren so eine bleiernde Müdigkeit danach. So dass die Kosten/Nutzen-Rechnung nicht mehr aufging. Hinzukam, dass man im ambulanten Bereich besser verdient.

Low-Performer, oder arrogant gesagt "Leute, die nix können" gibt's in allen Branchen. In nem großen Team im KH fallen die etwas weniger auf. In der Regel haben die auch nicht die Riesenansprüche, weil sie um ihre Performance wissen.

med_in_1
28.08.2021, 20:49
wenn ich mir mal denke, dass ich meiner angestellten Schwester mit 30 Stunden knapp 2500 € brutto zahle (Sachsen, 20km von UniStadt entfernt), dann erscheinen 4000 Euro wirklich mies. Dieses Lohndumping im ambulant-ärztlichen Sektor höre ich hier allerdings immerwieder (Angebot | Nachfrage).

Niederlassung: prinzipiell bekommt man nichts geschenkt und kann nur das nehmen, was, nachdem alles andere bezahlt ist, übrig bleibt. Befindet man sich also in einer Lebensphase, wo man nicht ein gewisses Pensum stemmen kann, dann werden die meisten Fixkosten (Miete, Löhne, Berufshaftpflicht...) nicht weniger, das was übrig bleibt aber schon. Den ganzen Ärger (die Klagewilligkeit nimmt auch zu, auch Strafanzeigen, Haftungen für die eigenen Mitarbeiter) gibts sogar gratis obendrauf. Und trotz meiner progn. 260 T Gewinn vor Steuern in 2021 hab ich mir schon manches Mal überlegt, dass in der Klinik auch nicht alles schlecht war... wenn da die PCs nicht gingen, wars nicht mein Problem, letzte Woche hatte ich einen Teilcrash und 2 Vertretungen von Kollegen prallel zu stemmen - spätestens, wenn dann der Anruf kommt "Mach da oben mal schneller, deine Patienten stehen bis zu mir runter, deswegen kommen meine Patienten nicht mehr rein"...

bipoka
28.08.2021, 23:23
Warum sojemand dann 10k im Monat verdienen sollte erschließt sich mir wirklich nicht.


Selbst eher weniger begabte Personen kriegen dieses Gehalt als Angestellter in der Niederlassung.
Aber nun: Jeder ist seines Glückes Schmid. Man kann natürlich auch auf der Station die Arbeit machen für weniger Lohn. Soll ja Leute geben, die die Arbeit dort mögen und die Abteilung findet's toll, dass sich jmd da begeistert.

Mometasonfuroat
28.08.2021, 23:57
Selbst eher weniger begabte Personen kriegen dieses Gehalt als Angestellter in der Niederlassung.
Aber nun: Jeder ist seines Glückes Schmid. Man kann natürlich auch auf der Station die Arbeit machen für weniger Lohn. Soll ja Leute geben, die die Arbeit dort mögen und die Abteilung findet's toll, dass sich jmd da begeistert.

Wobei eher als Facharzt als als Assi. In einigen Bundesländern wird teils nur die Förderung für den Allgemeinmediziner weitergereicht für die Kollegen in Weiterbildung.

DrSkywalker
29.08.2021, 00:05
Selbst eher weniger begabte Personen kriegen dieses Gehalt als Angestellter in der Niederlassung.
Aber nun: Jeder ist seines Glückes Schmid. Man kann natürlich auch auf der Station die Arbeit machen für weniger Lohn. Soll ja Leute geben, die die Arbeit dort mögen und die Abteilung findet's toll, dass sich jmd da begeistert.

Wir sprechen uns wenn du einen eigene Praxis hast, dann kannst du gerne underperformern 120tsd im Jahr zahlen. Schreib doch mal wenn es soweit ist.

Thomas24
29.08.2021, 09:55
120 K + Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialabgaben nicht vergessen 😉

bipoka
29.08.2021, 10:58
Wir sprechen uns wenn du einen eigene Praxis hast, dann kannst du gerne underperformern 120tsd im Jahr zahlen. Schreib doch mal wenn es soweit ist.

Im Fach Allgemeinmedizin möglicherweise nicht üblich, kenne mich da nicht so aus; In anderen Fächern definitiv.


120 K + Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialabgaben nicht vergessen 😉
Ja klar; war 120 Brutto gemeint. Selbst für...wie hier gesagt wurde: Low-Performer.
Kein Gehalt mit der man in den Benzbaracken leben muss.
Und wenn man ein Normal oder High-Performer ist, kann man da auch deutlich mehr rausholen als Angestellter;


Wobei eher als Facharzt als als Assi. In einigen Bundesländern wird teils nur die Förderung für den Allgemeinmediziner weitergereicht für die Kollegen in Weiterbildung.

Ja klar. Ein Assi im ambulanten Bereich kriegt sowas in aller Regel nicht.
In der Ausbildung erhält man dank Diensten im KH mehr. Dafür nerven die Dienste auf die Dauer die meisten Personen. Schlecht vereinbar mit Familie, Privatleben, Schlafrhythmus, zu hohe Belastung 24h Arbeit usw.
Hier gibt's einige Leute (eher Ausnahmen), die sich an Diensten erfreuen: 1 Tag frei, komme damit gut zu Recht, Schlafrhythmus kann das gut hinnehmen. Mein Respekt. Könnte das niemals. In der Pflege klagen die Personen 40/50+ auch über den gestörten Rhythmus und wollen weg von Nachtschichten, auch wenn man dort im 3 Schicht System arbeitet.
Daher der Tipp den FA zu Ende zu machen und nicht in der Klinik als Altassi rumzuhängen mit eher fadenscheinigen Ausreden.
Damit hat man es dann auch nochmal leichter ganz auszusteigen z.B. zum MDK oder Arbeitsamt gehen und dort nen Bürojob beginnen.
Mein alter Chef hatte sich damals so sehr beschwert, dass junge Ärzte beim MDK arbeiten, wie das den möglich sei: daran mitarbeiten, dass Erträge gestrichen werden und was für eine Generation das sei. Garkeine richtigen Ärzte.

FirebirdUSA
29.08.2021, 19:52
Dir ist schon klar das 120k Brutto für den Arbeitgeber noch deutlich mehr ist? Thomas24 redete nicht von Brutto sondern Brutto + Ag Beiträge

hebdo
30.08.2021, 11:47
Ich habe ein kleines Missverständnis mit meinem Chef bezüglich Urlaubstage und würde mich über eine Ersteinschätzung freuen:

Ich arbeite in einer 46,5h Woche auf 5,5 Tage verteilt, habe dabei 36 Tage Urlaub. Mit dem Gehalt sind Feiertage, Rufbereitschaft, und Überstunden abgegolten.

Letztes Jahr habe ich nur 30 Tage bekommen, mit der Begründung, dass ich ja insgesamt 6 Wochen Urlaub hatte.
Habe ich so hingenommen, freundschaftliches Verhältnis zum Chef, 2 Wochen halbtags gearbeitet wegen unsicherer Coronalage und mal mit etwas Diskussion auch 2-3 Tage kurzfristig frei bekommen.

Im aktuellen Jahr darf ich nur 27 Urlaubstage nehmen, wieder mit der Begründung 6 Wochen frei insgesamt. Diesmal lagen um die Ferien einige Feiertage. Er sagt, dass die Feiertage (bei ihm) als normale Arbeitstage gelten und ich so normal Urlaub nehmen muss.
Kann in diesem Punkt der Arbeitsvertrag das Arbeitszeitgesetz aushebeln? Oder sind Feiertage generell feiertage und somit ausgleichspflichtig?

Feuerblick
30.08.2021, 11:53
Feiertage sind Feiertage (gesetzlich!) und damit arbeitsfrei.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzliche_Feiertage_in_Deutschland

hebdo
30.08.2021, 13:19
Ja, habe schon mehrere Gesetze und Kommentare gelesen. An Feiertage gilt grundsätzlich Beschäftigungsverbot, Ausnahmeregelung würde auf die Praxis natürlich zutreffen. Aber muss ich einen Urlaubstag für einen Feiertag verwenden, wenn in meiner Urlaubswoche ein Feiertag liegt?

Und wenn ich aus den 36 Urlaubstagen mehr als 6 Wochen rausholen kann, ist das doch auch rechtlich in Ordnung, oder?

FirebirdUSA
30.08.2021, 13:39
Ja, es sei denn ihr habt Urlaubswochen vereinbart.

Feuerblick
30.08.2021, 14:07
Nein, du musst keinen Urlaubstag für einen Feiertag beantragen, wenn ihr Urlaubstage und nicht -wochen vereinbart habt. Im Gegenteil: Wenn du am Feiertag arbeiten musst, ist das ein Tag, den du ZUSÄTZLICH zu den vertraglich vereinbarten Arbeitstagen leistest (analog zu Diensten in der Klinik).

hebdo
30.08.2021, 14:08
hm, nervt schon wenn man unrecht hat :-nix Muss mir nochmal den Vertrag im Detail durchlesen.
Von Urlaubswochen hat er das erste Mal bei der Diskussion letztes Jahr gesprochen.
Auf andere Vertragsbedingungen wird er sich nicht einlassen ...

Das zeigt mal wieder alles schriftlich festhalten, mündliche Nebenabreden zählen nichts - auch bei sonst guten Verhältnis. Die Stimmung ist jetzt echt im Keller - bei beiden.

Endoplasmatisches Reticulum
30.08.2021, 14:36
Naja, den eigenen Angestellten Feiertage vom Urlaub abziehen zu wollen ist schon ein starkes Stück ...

Feuerblick
30.08.2021, 14:39
Wenn im Vertrag UrlaubsTAGE stehen, wird er kaum dagegen ankommen. Er kann sich seine Regeln nicht machen, wie er will.
Andernfalls kannst du ja für die Wochen mit Feiertagen die Tage um den Feiertag als Urlaubstag beantragen. Der Feiertag ist ja sowieso frei, wenn du keinen Dienst hast.

bipoka
31.08.2021, 10:43
Ich habe ein kleines Missverständnis mit meinem Chef bezüglich Urlaubstage und würde mich über eine Ersteinschätzung freuen:

Ich arbeite in einer 46,5h Woche auf 5,5 Tage verteilt, habe dabei 36 Tage Urlaub. Mit dem Gehalt sind Feiertage, Rufbereitschaft, und Überstunden abgegolten.

Letztes Jahr habe ich nur 30 Tage bekommen, mit der Begründung, dass ich ja insgesamt 6 Wochen Urlaub hatte.
Habe ich so hingenommen, freundschaftliches Verhältnis zum Chef, 2 Wochen halbtags gearbeitet wegen unsicherer Coronalage und mal mit etwas Diskussion auch 2-3 Tage kurzfristig frei bekommen.

Im aktuellen Jahr darf ich nur 27 Urlaubstage nehmen, wieder mit der Begründung 6 Wochen frei insgesamt. Diesmal lagen um die Ferien einige Feiertage. Er sagt, dass die Feiertage (bei ihm) als normale Arbeitstage gelten und ich so normal Urlaub nehmen muss.
Kann in diesem Punkt der Arbeitsvertrag das Arbeitszeitgesetz aushebeln? Oder sind Feiertage generell feiertage und somit ausgleichspflichtig?

Hört sich ja wenig angenehm an. 36 Urlaubstage sind nicht 6 Wochen. Feiertage gelten nicht als normale Arbeitstage. Mancher Mediziner schreiben sich das Arbeitsrecht selbst zusammen oder glauben sie stehen darüber...ähnlich bei den Bereitschaftsdiensten/Rufbereitschaften. Das geht nicht so nach Gutdünken. Wenn man als Chef, Oberarzt usw. keine Ahnung von Arbeitsrecht hat, soll man sich Hilfe suchen bei der Juristerei, Personalrat, Verwaltung, jedoch nicht so'n Schmarrn fabrizieren und die eigenen Gesetze festlegen.