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zukoffski
12.12.2021, 17:40
Hallo,

ich habe eine neue Stelle begonnen bei der das Unterschreiben eines Opt-Out Vertrages leider quasi "Pflicht" war. Jedenfalls habe ich eine Frage zu der 56-Stunden Regelung.

Meine Regelarbeitszeit beträgt ca. 8-8,5 h/Tag. Im Schnitt habe ich 2 Dienste pro Monat, sowie ein Visitendienst (ca. 10 h). Damit würde ich im Monat im Schnitt auf 56/Woche kommen. Also genau so viel, wie mir Opt-Out erlaubt.

Meine Frage ist jetzt - auf was bezieht sich Opt Out? Auf ALLE geleisteten Stunden inkl. Überstunden? Oder nur die Regelarbeitszeit + Dienste + Visite?
Denn in der Realität halte ich diese 8,5 h pro Tag nie ein, ich komme Morgens um 07:30 und gehe um 19:30, so dass ich allein mit Überstunden schon auf ca. 56 h/Woche komme. Würde man dann noch die Dienst/Visitenzeiten dazu rechnen, komme ich auf eine 70 h / Woche. Und das wäre sogar mit Opt Out zuviel.

Ich hoffe man versteht meine Frage. In meinem Vertrag steht da nichts dazu und auch sonst finde ich im Internet keine sinnvolle Erklärung hierzu.

Danke schon mal

Nefazodon
12.12.2021, 18:18
Das Arbeitsrecht macht bei der maximal erlaubten Arbeitszeit keinen Unterschied zwischen geplant und Überstunden.
Erlaubt sind maximal 48h pro Woche (Edit: allerdings im Durchschnitt in einem Zeitraum von 6 Monaten). Optout verschiebt diese Grenze freiwillig nach oben.


Denn in der Realität halte ich diese 42 h pro Woche nie ein, ich komme Morgens um 07:30 und gehe um 19:30, so dass ich allein mit Überstunden schon auf ca. 56 h/Woche komme. Würde man dann noch die Dienst/Visitenzeiten dazu rechnen, komme ich auf eine 70 h / Woche. Und das wäre sogar mit Opt Out zuviel.


WARUM tut man sich sowas freiwillig an?
70h pro Woche sind zuviel. Aber nicht wegen irgendwelcher gesetzlichen Grenzen, sondern wegen deiner Gesundheit!
Ich möchte dir dringend raten, das nicht mitzumachen.

FirebirdUSA
12.12.2021, 18:55
Wenn du nicht 2h am Tag Pause machst ist jeder deiner Arbeitstage illegal (max 10h/Tag als Vollarbeit definierte AZ+Überstunden). Wenn du auf dem Heimweg gegen einen Baum fährst zahlt im schlimmsten Fall die BG nicht...

zukoffski
12.12.2021, 20:10
Interessant. Vielen Dank für die Antworten.

Also prinzipiell wird ja über 6 Monate gemittelt, d.h. eigentlich könnte die Klinik erst nach 6 Monaten sagen „ups, du arbeitest zu viel“.
Das ist auch das Problem, denn das bekomme ich dann von meinem Chef zu hören.. außerdem bin ich eben ganz neu und noch in der Probezeit, so dass ich wenig Spielraum hab. Ich bin auch durch meine Partnerin an diesen Ort hier gebunden und kann nicht so einfach die Stelle wechseln :(
Opt Out wurde mir mit Vertragsunterzeichnung vorgelegt, mit den Worten des Personalers „wenn Sie das nicht unterzeichnen, wird es Probleme mit ihren Rotationen und den Kollegen und vor allem dem Chef geben“.
Zudem bin ich noch in der glücklichen Situation, dass wir zwei Ärzte auf Station sind. Die anderen Stationen werden von jeweils nur 1-2 geführt, die kommen auch um 07:30 und gehen regelmäßig erst gegen 21:30.

Ich kann leider aktuell aus privaten Gründen nicht weg, deshalb würde ich gerne den rechtlichen Rahmen dazu klären.

Sind die 10h/Tag auch im Schnitt, oder ist nach 10 h so oder so Schluss?

Und wohin könnte man sich anonym wenden um das zu melden? Denn sobald irgendwo ein Name in einer Beschwerde auftaucht oder Ich Opt out zurückziehe war’s das mit den Rotationen.

][truba][
12.12.2021, 20:24
Opt Out wurde mir mit Vertragsunterzeichnung vorgelegt, mit den Worten des Personalers „wenn sie das nicht unterzeichnen, wird es Probleme mit ihren Rotationen und den Kollegen und vor allem der Chefin geben“.


Mir auch. Hab zu der Personalerin dann nur gesagt „ok“ und es nicht unterschrieben.
Rotationen kriegt man vermutlich in so einem Ausbeuterladen eh nicht. Da würd ich lieber ein anderes Fach machen.

Gewerbeaufsichtsamt wäre die richtige Stelle für eine Anzeige. Ob die bei einer anonymen Sache allerdings aktiv werden weiß ich nicht.

zukoffski
12.12.2021, 20:32
Meine Kollegen sind halt echt super nett und geben sich alle Mühe mich gut einzuarbeiten. Die haben aber auch alle Opt Out unterschrieben. Wenn ich opt out zurückziehe hab ich nicht nur den Chef am Hals und keine Rotationen mehr, dann hab ich’s mir auch mit meine Kollegen verscherzt die dann meine Dienste übernehmen müssen.

Das ist ja die Zwickmühle .. und wie gesagt, wechseln kann ich nicht da ich mindestens noch 3 Jahre an diese Stadt gebunden bin :(

Feuerblick
12.12.2021, 20:43
Ganz ehrlich?
1. Ein Laden, bei dem schon der Personaler mit Komplikationen droht, wenn man nicht brav mitmacht, wäre kein Laden, in dem ich arbeiten würde.
2. Die Chefin wird dich garantiert nicht auf Überstunden ansprechen. Denn dann wären alle deine Kollegen nicht noch länger da als du.
3. Such dir was anderes. Es ist doch relativ unwahrscheinlich, dass sich in pendelbarer Umgebung kein anderes Haus findet. Bei so einem Ausbeuterladen, bei dem selbst erfahrene Assistenten bis 21:30 Uhr bleiben, würde ich nicht eine Woche bleiben.
4. Wenn die da schon jetzt so drauf sind, wird sich nach einer Strafzahlung nach Meldung ans Gewerbeaufsichtsamt genau NICHTS ändern.

Merk dir: Es dankt dir keiner, wenn du dich fertigmachst. Und lass dich niemals erpressen!

Endoplasmatisches Reticulum
12.12.2021, 21:20
Es ist doch relativ unwahrscheinlich, dass sich in pendelbarer Umgebung kein anderes Haus findet.
Dem kann ich aus eigener Erfahrung so nicht ganz zustimmen. Bei kleineren Fächern kann es sehr gut sein, dass es in pendelbarer Umgebung nur eine Hand voll Kliniken gibt, an denen das Fach überhaupt existiert. Es muss eine Stelle frei sein und die muss man dann auch bekommen.

Ändert natürlich nichts daran, dass man so etwas auf keinen Fall mitmachen sollte und in der beschriebenen Abteilung ganz offensichtlich Hopfen und Malz verloren sind. Allzu selbstverständlich damit rechnen, dass man im selben Fach in der pendelbaren Umgebung eine Ersatzstelle findet, kann aber nach hinten losgehen. Das sollte einem bewusst sein.

Feuerblick
12.12.2021, 21:47
Ich würde, bevor ich solche Bedingungen mitmache, lieber erst einmal ein alternatives Fach vorziehen. Was hab ich von meinem Wunschfach, wenn ich da verheizt und unter Druck gesetzt werde?
Ja, es mag kleine Fächer geben, in denen man in pendelbarer Umgebung keine andere Klinik findet und auch nicht in einer Praxis anfangen kann. Aber das sind doch eher Ausnahmen.

zukoffski
13.12.2021, 05:44
Tatsächlich ist es einfach nur innere Medizin :(
In meiner Stadt gibt es kaum alternativ-Krankenhäuser.

Als ich mich beworben hatte sah die Situation völlig anders aus. Damals waren wir fast doppelt so viele Assistenten. Und seit meiner Bewerbung hat sich auch die Anzahl der Oberärzte um 1/3 reduziert.
Naja .. jedenfalls werde ich die Woche meine komm und Gehzeiten fotografieren und das mit dem Gewerbeaufsichtsamt überlegen.
Danke an alle ��

FirebirdUSA
13.12.2021, 12:49
Die 10h gelten jeden Tag, nicht gemittelt.

Ausnahme: BD oder Einsatz im RD

zukoffski
18.12.2021, 09:43
Also ich habe die letzten 2 Wochen wie folgt gearbeitet;
10:40 h
11:05 h
10:45 h
12:39 h
10:56 h
12:32 h
10:44 h
11:29 h
12:40 h
12:12 h

Das macht im Schnitt pro Tag abzüglich 45 min „Pause“ 11h 45 min.
Ich finde das zu viel…. Nächste Woche hab ich dazu noch Dienst, und am Wochenende drauf Visitendienst. Damit würde ich dann bei einer ähnlichen Woche auf im Schnitt 75-80h/Woche kommen, aktuell sind es ja ca. 60.

Ich glaube nicht, dass eine Meldung an irgendeine Stelle etwas bringt. Was kann ich denn noch tun, außer zu kündigen? Denn wie gesagt - leider bin ich aktuell an diese Stelle gebunden :/

Der Oberarzt sagt nur, wir würden alle zu viel arbeiten, und man müsse irgendetwas anders machen. Konstruktive Vorschläge oder mehr Personal gibts allerdings nicht.

Miss_H
18.12.2021, 10:35
Wie viele Patienten musst du denn betreuen, dass so eine Arbeitszeit zustande kommt? Was macht ihr zwischen 16:30 (eigentliches Arbeitsende) und 19 Uhr? Das sind immerhin 2,5 Stunden. Wenn ich auf meiner Station regelmäßig noch etwas anderes als Briefe oder Anmeldungen für den nächsten Tag gemacht hätte, dann hätte die Pflege gestreikt. Anordnungen (außer für Notfälle) können die so spät auf Grund von Personalmangel gar nicht umsetzen. Patienten- oder Angehörigengespräche mache ich nicht in meinem eigentlichen Feierabend.

Feuerblick
18.12.2021, 10:42
Was du tun kannst? Priorisieren. Alles, was nicht akut gebraucht wird, bleibt einfach liegen und wenn Feierabend ist und kein Notfall reinkommt, gehst du nach Hause. 11,x Stunden pro Tag gehen einfach gar nicht und entweder, ihr seid alle zu langsam (was ich nicht für wahrscheinlich halte) oder es bestehen grobe organisatorische Mängel. Beispielsweise späte Chef- oder Oberarztvisiten, die noch umgesetzt werden müssen (da müssen die oberen Herrschaften halt mal früher auftauchen). Beispielsweise schlecht organisierte Station bzw. Arbeit (to-do-Listen!!!). Macht euch morgens einen Plan, was den Tag über ansteht. Arbeitet das ab. Konsequent.
Kurz: Schaut, wo es in der Organisation klemmt, lasst unnötige Sachen einfach liegen und setzt euch zum Ziel, pünktlich Feierabend zu machen.

abcd
18.12.2021, 10:55
.
Sind die 10h/Tag auch im Schnitt, oder ist nach 10 h so oder so Schluss?


§ 3 Arbeitszeit der Arbeitnehmer
Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.
https://www.gesetze-im-internet.de/arbzg/BJNR117100994.html

nie
18.12.2021, 11:40
Für mich liest sich das so, als wäre dein offizieller Arbeitsbeginn um 08:00 Uhr. Da würde ich erstmal damit aufhören, vor 8 Uhr schon zu arbeiten. Wenn du bereits früher da bist wegen Bahnverbindung o.ä. dann trink halt nen Kaffee, lies die Zeitung, mach dir Frühstück oder so. Das alleine sind schon 15-30 Minuten am Tag, die du aktuell deinem Arbeitgeber ohne Not schenkst. Und es bringt dich abends auch nicht früher raus.

Miss_H
18.12.2021, 12:32
Bei uns war es so Visite zum Zeitpunkt x, Arbeitszeitbeginn 5 Minuten vorher. Aber es wurde erwartet, dass man informiert in die Visite startet. Das heißt wir haben 20 Minuten vor der Visite als WBAs zusammen gesessen und Patienten besprochen. Hat uns nicht gepasst, also haben wir dafür gesorgt, dass sie Arbeitszeit früher anfing. Überstunden mussten spätestens am nächsten Tag eingereicht werden. Es wurde häufig besprochen wieso Überstunden anfallen und konstruktiv geschaut wie man das verhindern kann (waren nämlich häufig organisatorischer Natur).
To-do-Liste ist wirklich super. Kostet ein bisschen Zeit, aber spart am Ende viel.

ehem-user-23-12-2021-1346
18.12.2021, 13:39
Kriegen eigentlich 90 % oder mehr der ÄIW so einen ops-out-Wisch vorgelegt?

Brutus
18.12.2021, 15:08
Nicht nur ÄiW... :-nix

ehem-user-23-12-2021-1346
18.12.2021, 15:18
Nicht nur ÄiW... :-nix

Dann gibt es also so gut wie keine Möglichkeit weniger als 60+ Stunden in der Woche Vollzeit im KH zu arbeiten?