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ckm38
12.01.2022, 13:53
Hallo ihr Lieben,

Ich mache nochmal das unleidige Thema Opt Out auf.
Ich habe eine mündliche Zusage für meine erste Assistenzärzt:innenstelle (Radiologie) an einem Uniklinikum. Diese Woche bekam ich von der Personalabteilung alle möglichen Unterlagen zum Ausfüllen, inklusive einer Checkliste mit Unterlagen, die ich ihnen „zur Vervollständigung der Bewerbungsunterlagen“ schicken solle. Hierunter fand ich auch eine Opt Out Erklärung. Den Arbeitsvertrag selbst haben sie mir nicht zugeschickt, zum Unterzeichnen solle ich persönlich vorbeikommen.

Mein initialer Plan war, das Opt Out einfach nicht zu unterschreiben, alle anderen Unterlagen zurück zu schicken in der Hoffnung, dass „sie es nur versuchen wollten“ und es dann ignoriert wird. Nun habe ich aber (aus sicherer Quelle) erfahren, dass der Personaloberarzt die Arbeitsverträge nicht gegenzeichnet, wenn der Wisch nicht vorliegt bzw. Verträge nicht verlängert werden, wenn man Opt Out später widerruft. Ich hatte mich wirklich sehr auf die Stelle gefreut, ich kenne das Team und mochte dort immer die gute Stimmung/den Zusammenhalt. Der Zwang des Opt Outs schmälert diese Vorfreude etwas, da es mir irgendwie widerstrebt einfach so ne 58h Woche abzunicken. Ich habe mich natürlich erkundigt, wie es in der Realität aussieht; ein Opt Out würde ich durchaus unterschreiben, wenn es dazu da ist, dass die Abteilung nicht gleich auf die Finger bekommt, wenn ich mal 1-2 Dienste mehr mache. Generell mit 58h zu planen und das Maximum an Diensten reinzuknallen ist was anderes. Darauf gabs eher schwammige Aussagen, es hinge von der Besetzung ab.

Ich weiß jetzt nicht so richtig, wie ich mich verhalten soll… In den sauren Apfel beißen, unterschreiben und hoffen, dass es nicht so schlimm wird? Nicht unterschreiben und hoffen, dass es doch keinen Nachteil für mich hat? Werde ich dann doch konfrontiert, dumm stellen und unterschreiben? Oder klar kommunizieren, dass es nicht ok ist? Nicht unterschreiben und auf den Job scheißen?

Viele raten mir, ich solle nicht unterschreiben und es drauf ankommen lassen - andererseits kenne ich persönlich keine Ärzt:innen, die nicht ein Opt Out unterschrieben haben... Ich will mich jetzt nicht schon unbeliebt machen, bevor ich dort überhaupt angefangen habe und keinen Kampf führen, den ich eh nicht gewinnen kann...

Freue mich über euren Input!

Bonnerin
12.01.2022, 15:22
Hast du mal unauffällig bei den Kolleg:innen nachgehört, wie viele das Opt-Out unterzeichnet haben?

Als ich in der Klinik war, war es trotz "sehr großer Empfehlung" nur ca. 50:50. Dementsprechend habe ich damals (Uniklinik, Anästhesie) das Opt-Out nicht unterschrieben. Den Job habe ich trotzdem bekommen und die Kündigung ging von meiner Seite aus (Fachwechsel). Man hat es zwar durchaus nahegelegt bekommen, nochmal zu Reevaluieren und das Opt-Out zu unterschreiben, ich wollte halt aber nicht und that's it...

Nefazodon
12.01.2022, 16:30
Also rein rechtlich ist die Sache ja eigentlich klar: Du DARFST zu Opt-Out nicht gezwungen werden.

Ich kenn das so, dass der Opt-out-schein gleichzeitig mit den Vertragsunterlagen vorgelegt wird. Bei meiner zweiten Stelle habe ich es einfach drauf ankommen lassen und nicht unterschrieben. Das hatte keine negativen Konsequenzen für mich. Ich hätte mir aber auch ganz schmerzfrei ne andere Stelle gesucht, wenn es deswegen nicht geklappt hätte, weil ich hinsichtlich der Stelle flexibel war...

Sehr originell von der Verwaltung dir den Kram VOR dem eigentlichen Arbeitsvertrag zuzuschicken und nicht gleichzeitig....chapeu, wie pfiffig....:-kotz
Du hast dich ja schon umgehört und weißt scheinbar, dass Arbeitsverträge dann plötzlich (eigentlich widerrechtlich) nicht zu stande kommen. Ist halt schwierig sowas vor einem Arbeitgericht zu beweisen leider.

Daher ist die eigentliche Frage: Wie dringend willst Du wirklich dort anfangen?
Will man/willst *Du* wirklich in einem Laden arbeiten, in dem die Verwaltung solche Tricks nötig hat? Sie werden dann auch in anderen Dingen -Dienstplan/Urlaubsplan/Gehaltsabrechnung- garantiert nicht netter sein....
Also ich würde mir gut überlegen, ob ich mir das geben will.

Andererseits sei noch eins gesagt, um dir vielleicht etwas aus dem Dilemma zu helfen, wenn Du die Stelle doch ganz dringend willst: Wie bereits erwähnt, hatte ich auf meiner zweiten Stelle das Opt-out nicht unterschrieben. Nachteile gabs dadurch für mich nicht. VORTEILE aber auch NICHT. Die Dienstbelastung und die Überstunden waren für mich genau die gleichen und wurden genausowenig bezahlt.
Insofern handelt es sich bei dem Schriftstück eigentlich nur um Makulatur, bzw. um eine zusätzliche Absicherung für deinen Arbeitgeber, das aber an deiner ArbeitsREALITÄT sowieso nichts ändern wird. Die wenigsten sind bereit, die ihnen zustehenden Arbeitsbedingungen durchzusetzen bzw. einzuklagen, wenn es hart auf hart kommt. Erst recht nicht in dem Abhängigkeitsverhältnis, das die Weiterbildung ja de facto darstellt.

Also kannst Du den Wisch auch ruhig unterschreiben, da es in der Praxis sowieso nichts ändert. Und wenn Du deine Meinung doch änderst, kannst Du ihn mit 6-Monats-Frist bei der Personalabteilung kündigen.

Die Frage ist also wirklich, ob Du bereit bist, dieses unfaire Vorgehen von seiten eurer Verwaltung moralisch zu tolerieren und damit passiv zu unterstützen und ob Du trotz dieser red flag bereit bist dort anzuheuern und dich damit quasi zu "verkaufen", oder eher nicht.

Wenn Du dort anfängst solltest Du aber damit rechnen, dass dich eure Verwaltung wie einen Sklaven behandelt.:-kotz:-nix

hebdo
12.01.2022, 20:33
Ich würde pragmatisch vorgehen und Opt-out unterschreiben, die Stelle antreten und mir die Realität anschauen. Am Anfang wirst du zumindest in den ersten Monaten wahrscheinlich keine bis wenige Dienste machen. Opt-out kannst du immer widerrufen, taktisch günstig direkt nach der Probezeit. Du kannst Stellen einfacher wechseln, je mehr Berufserfahrung du hast. Von vornherein mit starren Prinzipien mit dem Kopf durch die Wand ist meiner Meinung nach für die persönlichen Ziele meist hinderlich.

Dooly
12.01.2022, 23:36
Bei mir lief es bisher ähnlich wie bei dir. Uniklinik, mündliche Zusage, Vertragsunterzeichnung in persona mit Termin später und vorweg ein dicker Stapel mit Unterlagen zur Bearbeitung, inkl. Opt out, das ich als einziges von allen Dokumenten nicht unterschrieben habe. Obwohl nachträglich noch zwei Dinge erfragt wurden, wurde das fehlende Opt out noch nicht erbeten. Falls die mir das bei der Vertragsunterzeichung noch vorlegen, werde ich es aber einfach unterschreiben. Hat für meine derzeitige WB-Stelle nämlich ehrlicherweise eh keine Relevanz.

Nefazodon
13.01.2022, 11:33
Ich würde pragmatisch vorgehen und Opt-out unterschreiben, die Stelle antreten und mir die Realität anschauen. Am Anfang wirst du zumindest in den ersten Monaten wahrscheinlich keine bis wenige Dienste machen. Opt-out kannst du immer widerrufen, taktisch günstig direkt nach der Probezeit. Du kannst Stellen einfacher wechseln, je mehr Berufserfahrung du hast. Von vornherein mit starren Prinzipien mit dem Kopf durch die Wand ist meiner Meinung nach für die persönlichen Ziele meist hinderlich.

Hebdo hat natürlich auch Recht. Am Anfang deines Berufsweges solltest Du vorallem pragmatisch sein. Du hast ja geschrieben, dass Du das Team dort kennst und dass die Atmosphäre eigentlich gut ist.
Das sind erstmal gute Voraussetzungen.
In der Radiologie wirst Du ja erst Dienste machen dürfen, wenn Du die CT-Reife hast (oder wie das heißt). Das dauert bestimmt 6 Monate.
Also ist es vielleicht das beste Vorgehen, Du fängst erstmal dort an und schaust wie es dir gefällt.

AlexDo86
13.01.2022, 16:09
ich würds unterschreiben und schauen was kommt… denk auch immer an dienste und überstunden, die du sonst andernfalls nicht wahrnehmen könntest, weil du den zeitlichen rahmen sprengst… es heisst ja nicht, dass du entsprechend arbeiten MUSST… sondern offiziell DARFST. opt out wird oft zu unrecht verteufelt…

Bonnerin
13.01.2022, 16:29
ich würds unterschreiben und schauen was kommt… denk auch immer an dienste und überstunden, die du sonst andernfalls nicht wahrnehmen könntest, weil du den zeitlichen rahmen sprengst… es heisst ja nicht, dass du entsprechend arbeiten MUSST… sondern offiziell DARFST. opt out wird oft zu unrecht verteufelt…

Alleine, dass etwas wie das Opt-Out überhaupt existiert ist eine Frechheit sondergleichen. Es gibt das Arbeitszeitgesetz ja nicht zum Spaß...aber wenn ich mir durchlese, was du in deiner Abteilung mitmachst wundert mich die Aussage nicht. Offensichtlich sehr hohe Leidensfähigkeit...

Endoplasmatisches Reticulum
13.01.2022, 16:36
......

AlexDo86
13.01.2022, 16:47
wer bei 48 stunden seine persönliche grenze zieht, soll opt out eben nicht unterschreiben.

hebdo
13.01.2022, 16:58
Persönlich bin ich eher kritisch gegenüber Opt-out. Meiner Meinung nach sollte der AG für genügend Personal sorgen, damit das Arbeitszeitgesetz eingehalten wird.

Aber in diesem Fall würde ich erstmal starten und mir den Laden anschauen. Nette Kollegen sind die halbe Miete, am Anfang wird die Dienstbelastung noch etwas niedriger liegen. Abspringen kann man immer.

AlexDo86
13.01.2022, 17:01
Persönlich bin ich eher kritisch gegenüber Opt-out. Meiner Meinung nach sollte der AG für genügend Personal sorgen, damit das Arbeitszeitgesetz eingehalten wird.

Aber in diesem Fall würde ich erstmal starten und mir den Laden anschauen. Nette Kollegen sind die halbe Miete, am Anfang wird die Dienstbelastung noch etwas niedriger liegen. Abspringen kann man immer.

richtig.

Feuerblick
13.01.2022, 17:05
…und wir wollen mal nicht so tun, als würden Chefs wissen, wer Opt out unterschrieben hat und ob sich viele Dienste mit dem AZG vertragen.
Ich würde es auch erstmal unterschreiben und sollte es ausgenutzt werden, kündigen und mir auch nen anderen Job suchen.

ckm38
13.01.2022, 17:23
Danke für alle eure Antworten!

Mich hat es vor allem irritiert, dass mir das Opt Out so kommentarlos untergejubelt wurde und, dass anscheinend das Zustandekommen der Arbeitsverträge davon abhängt. Das finde ich ganz prinzipiell einfach daneben.

Ansonsten: Ja, super Team mit gutem Zusammenhalt. Stimmung ist meist gut, das hat mir dort immer gut gefallen. Der Chef war beim Vorstellungsgespräch sehr positiv. Daher werde ich das Ding unterschreiben und schauen, wie es läuft. Wenn ich das Gefühl habe maßlos ausgebeutet zu werden, gehe ich wieder. Zumindest wird sich wohl aber sehr streng daran gehalten, dass die Anforderungen des Marburger Bundes (min. 2 freie WEs/Monat, max. 4 Dienste/Monat) eingehalten werden und darauf geachtet, dass sich die Überstunden in Grenzen halten. We will see!

Feuerblick
13.01.2022, 18:00
Das Zustandekommen von Arbeitsverträgen hängt aber auch nur anscheinend von Opt out ab. Die Realität sieht in den allermeisten Fällen anders aus.

Pflaume
13.01.2022, 18:08
Mich hat es vor allem irritiert, dass mir das Opt Out so kommentarlos untergejubelt wurde und, dass anscheinend das Zustandekommen der Arbeitsverträge davon abhängt. Das finde ich ganz prinzipiell einfach daneben.

Ich habe es nie erlebt, dass Opt-out nicht versucht wurde einem irgendwie als Teil des Arbeitsvertrags unterzujubeln. Das, was bei dir abläuft, klingt für jemanden, der frisch von der Uni kommt und sich (im Gegensatz zu 90% seiner Kollegen) tatsächlich ein bißchen mit Verträgen und Recht beschäftigt, abenteuerlich. In der Arbeitsrealität (zumindest in meiner) sind Spielchen wie dieses aber völlig alltäglich. Wenn du diesen Ablauf anstößig findest, wirst du in den nächsten Monaten auch noch zahlreiche weitere Erlebnisse haben, die du ähnlich falsch, ungerecht oder unrecht findest.

Ich würde wie die anderen dazu raten, es einfach zu unterschreiben. An den Arbeitsstellen, an denen ich kein Opt-out unterschrieben habe, wurde ich übrigens schlicht und einfach genau so eingeteilt wie diejenigen, die Opt-out unterschrieben haben. Es hat einfach keine Sau interessiert, ob ich gar nicht so viel arbeiten dürfte oder so. Du wirst vermutlich in deiner Weiterbildungs-Zeit noch sehr viele Situationen erleben, in denen du entscheiden mußt, ob du auf dein Recht pochst oder wenigstens ansatzweise weitergebildet werden willst. Ich schätze mal, auch in der Radiologie wird es Rotationen geben, an die man gerne möchte und der Chef die Hand drüber hat, wer hin darf.

freak1
13.01.2022, 19:52
Es kontrolliert eh keiner ob Arbeitszeitgesetze eingehalten werden oder nicht. Sonst könntem an 90% aller Klinikabteilungen direkt zu machen. Das wissen die Behörden, das weiß die Politik, also fasst das auch keiner an.

Leucovorin
13.01.2022, 20:16
Das Zustandekommen von Arbeitsverträgen hängt aber auch nur anscheinend von Opt out ab. Die Realität sieht in den allermeisten Fällen anders aus.


Persönlich bin ich eher kritisch gegenüber Opt-out. Meiner Meinung nach sollte der AG für genügend Personal sorgen, damit das Arbeitszeitgesetz eingehalten wird.


Also bei meinen Verträgen als Assi an der Uniklinik wurde das erwartet seitens der Verwaltung. Ich gehe fest davon aus, dass die Veträge sonst nicht zustandegekommen werden und man sich halt für jmd anders entschieden hätte. 1x habe ich meinen ehemaligen Chef gefragt wegen hoher Dienstbelastung, was nun wäre, wenn ich Opt-Out widerrufe. Er meinte, dass das nicht so gut ankäme und Probleme verursachen würde.


Es kontrolliert eh keiner ob Arbeitszeitgesetze eingehalten werden oder nicht. Sonst könntem an 90% aller Klinikabteilungen direkt zu machen. Das wissen die Behörden, das weiß die Politik, also fasst das auch keiner an.

Natürlich kann man die Bezirksregierung anschreiben oder das Ministerium oder den Personalrat. Darf aber dann mit erheblichen Gegenwind rechnen, auch was Rotationen und Weiterbildung angeht.
Ganz ehrlich: Man ist einfach abhängig:-nix
Einfach irgendwie durchziehen! Als Tipp: Meist hört man ja über Flurfunk und Mund-zu-Mund Propaganda nach längerer Zeit im Fachgebiet, wo es Kliniken und Stellen gibt mit akzeptablen Bedingungen, wenn man denn unbedingt wechseln will.
Habe den Fehler selbst gemacht relativ schnell zu wechseln und bin ziemlich reingefallen mit der neuen Stelle.

Feuerblick
13.01.2022, 20:22
Hast du es ausprobiert? Hier im Forum gibt es viele Beispiele für Leute, die dieses Ding nicht unterschrieben haben und keinen Ärger hatten. Es interessiert in Wirklichkeit niemanden so richtig.
Und was die Verwaltung „erwartet“ und was sie bekommt, ist ja immer noch meine Sache. Daher würde ich Opt out erst anfassen, wenn der Arbeitsvertrag unterschrieben ist. :-))

Endoplasmatisches Reticulum
13.01.2022, 21:24
Hier im Forum gibt es viele Beispiele für Leute, die dieses Ding nicht unterschrieben haben und keinen Ärger hatten.
Als Berufseinsteiger? In kompetitiven Fächern? In einer umkämpften Großstadt? Mit 1-Jahres-Verträgen?