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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ruhiges somatisches Fremdjahr



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Züschata
08.02.2022, 21:42
Hallo!

Ich muss für den FA Psychosomatik ein Fremdjahr in der „somatischen Patientenversorgung“ ableisten. Ich habe bislang nur stationär gearbeitet. Ich werde mit FA eine ambulante psychotherapeutische Arbeit aufnehmen, d.h. ich werde weder „ärztlich“ noch somatisch arbeiten. Ich habe überhaupt kein Interesse an einer weiteren ärztlichen Ausbildung, ich möchte nur möglichst bequem das Fremdjahr durchbekommen. Mir ist nur nicht klar, welche Möglichkeiten ich genau habe.

Die Ärztekammer definiert den Begriff somatisch aber nicht, sondern nutzt nur den Begriff „patientennah“ und die folgenden Fächer:
„Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Arbeitsmedizin, Augenheilkunde, Chirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Humangenetik, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie, Neurologie, Nuklearmedizin, Öffentliches Gesundheitswesen, Phoniatrie und Pädaudiologie, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Radiologie, Strahlentherapie, Transfusionsmedizin und Urologie.“

Mich würde daher interessieren, ob ihr Tipps für ein möglichst angenehmes Fremdjahr hättet, insbesondere auch mit potenziellen ambulanten Arbeitsfeldern. Wäre es zB denkbar, auch in einer Hausarztpraxis psychiatrisch/psychotherapeutisch zu arbeiten? Ich würde mich über euren Ideen freuen.

LG

Pflaume
08.02.2022, 21:45
Welches Bundesland ist das denn? Den Begriff "somatische Patientenversorgung" höre ich im Zusammenhang mit einer Weiterbildungsordnung zum ersten Mal, genauso wie "patientennah".

Im öffentlichen Gesundheitswesen kann man bestimmt ein Jahr lang ziemlich ruhig abhängen, wenn man es einfach nur ruhig haben will. In manchen arbeitsmedizinischen Anstellungen (z.B. Betriebsarzt einer öffentlichen Verwaltung) auch.

Züschata
08.02.2022, 21:49
NRW, Westfalen-Lippe.
Entschuldige, ich korrigiere das „patientennah“: es heißt „Gebiete der unmittelbaren Patientenversorgung“ in der Begriffserklärung, im Teil Psychosomatik steht aber „somatische Patientenversorgung“.

Pflaume
08.02.2022, 22:04
oh, in der Tat. Habe nachgelesen. Spannend. Interessanterweise steht in der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer auch "somatische Patientenversorgung", ohne dass der Begriff im Paragraphenteil definiert ist. Ich halte das für einen redaktionellen Fehler. Die anderen Landesärztkammern haben den Begriff beim FA Psychosomatische Medizin und Psychotherapie durch "unmittelbare Patientenversorgung" ersetzt (siehe z.B. Ärztekammer Nordrhein), der eben auch entsprechend definiert worden ist.

Dementsprechend würde ich vermuten, dass du das Fremdjahr in jedem von dir zitierten Bereich der unmittelbaren Patientenversorgung außer eben der Psychosomatik und Psychotherapie absolvieren kannst. Interessanterweise gibt es aber z.B. auch psychosomatische Kliniken, die neben der Weiterbildungsermächtigung Psychosomatik und Psychotherapie auch eine Weiterbildungsermächtigung für z.B. 1 Jahr Psychiatrie oder 1 Jahr Innere Medizin haben. Ich halte es für höchstwahrscheinlich, dass du dein "Fremdjahr" in einer dieser Kliniken absolvieren könntest, ohne dass deine Tätigkeit sich wesentlich von deiner bisherigen Tätigkeit unterscheiden würde. Schau dich um und frag ggf. bei der Ärztekammer nach, bevor du wo unterschreibst.

Und beachte, dass das bedeutet, dass du die Weiterbildung nur nach der neuen WBO machen kannst (ab 2020). Weiß nicht, ob du vor 2020 mit der Weiterbildung angefangen hast und somit auch noch nach der alten WBO machen könntest, sofern du noch 1 Jahr Innere machen würdest.

Pflaume
08.02.2022, 22:07
hä, ich habe gerade deine bisherigen Beiträge angeschaut... da steht, du hättest schon 1,5 Jahre Psychiatrie gemacht. Damit hättest du meinem Verständnis nach dein "Fremdjahr" doch schon erledigt. Frag bei der Ärztekammer. Wenn du schon vor 2020 mit der Psychosomatik angefangen hast, solltest du sowieso bei der ÄK anfragen, wieweit deine bisherige Weiterbildung unter der neuen WBO anerkannt wird.

Züschata
08.02.2022, 23:13
Hi Pflaume, danke für deine ausführliche Antwort. Ich hatte mit der ÄKWL schon einmal telefonisch Kontakt. Die meinten am Telefon, dass man Psychiatrie auf den Kompetenzerwerb (die 4 Jahre Psychsomatik), aber nicht auf das Fremdjahr anrechnen kann. Die Interpretation kann ich aus der WBO aber nirgendwo ableiten, auch nicht im spezifischen Psychosomatik Teil. Ich mache den FA nach WBO 2020, da ich es mir aussuchen konnte. Vllt muss ich nochmal nachhaken.

LG

Pflaume
08.02.2022, 23:32
Falls die ÄK WL sich sperrt, könnte ein Lösungsversuch auch so aussehen, dass du z.B. durch Nebenjob oder Wohnsitzwechsel (ggf.: zusätzlich) Mitglied bei der ÄK Nordrhein oder Niedersachsen wirst, sofern die Psychiatrie als Fremdjahr anerkennen und sich bezüglich der Logbuch-Anforderungen nicht von WL unterscheiden. Dann einfach im anderen Bundesland zur FA-Prüfung anmelden. In den WBO der anderen Bundesländer steht bei Psychosomatik ja "anderes Fach der unmittelbaren Patientenversorgung", und meinem Verständnis nach wäre Psychiatrie da dann dabei. Frag mal ein bißchen rum.

Ansonsten eben eins der Fächer, die ich oben genannt habe. Weiterbildungsstelle im niedergelassenen / ambulanten Bereich wirst du wahrscheinlich kaum finden.

hebdo
08.02.2022, 23:43
Such dir eine neurologisch-psychiatrische Praxis, lass die Neurologie bescheinigen. Allgemeinmedizin kann auch entspannt sein, wobei es evtl. Schwierigkeiten mit der KV-Förderung geben könnte

rafiki
08.02.2022, 23:49
In dieser ÄK kann man sogar völlig ohne somatisches Fremdjahr seinen FA machen mit Ausnahmegenehmigung. Man muss nur behaupten, man habe im Rahmen der Psychosomatik genug somatische Erfahrungen gesammelt und auf den Präzedenzfall verweisen.

Moonchen
09.02.2022, 05:28
Eine Freundin von mir hat ihr Fremdjahr in der Geriatrie gemacht und war da sehr zufrieden mit geregelten Arbeitszeiten und pünktlichem Feierabend…

Züschata
09.02.2022, 07:59
In dieser ÄK kann man sogar völlig ohne somatisches Fremdjahr seinen FA machen mit Ausnahmegenehmigung. Man muss nur behaupten, man habe im Rahmen der Psychosomatik genug somatische Erfahrungen gesammelt und auf den Präzedenzfall verweisen.

Ist dieser Präzedenzfall öffentlich? Bzw. gerne per PN. Ich schätze aber, dass da wahrscheinlich noch paar andere Faktoren mit reingespielt haben. Ich hatte schon nach Rehaeinrichtungen für Innere und Neuro geguckt, die suchen aber meist gar nicht. Ich würde auch mal paar Gesundheitsämter und Hausarztpraxen anschreiben.

rafiki
09.02.2022, 08:49
Natürlich nicht öffentlich. Wenn du die PN-Funktion aktivierst, dann gerne mehr Info.

davo
09.02.2022, 14:31
Ob man ohne eine Ahnung von der Somatik ein ernstzunehmender Psychosomatiker werden kann?

Ratsam finde ich so ein Vorgehen nicht.

DA1994
09.02.2022, 14:38
Er schreibt doch dass er Psychotherapie machen möchte und PSOM ist vermutlich der einfachste Weg dorthin.

Züschata
09.02.2022, 15:07
Er schreibt doch dass er Psychotherapie machen möchte und PSOM ist vermutlich der einfachste Weg dorthin.

So sieht’s aus. Ich kann über diesen FA im Rahmen der alltäglichen Arbeit einfach am meisten Therapiestunden machen.

Reflex
09.02.2022, 15:29
Ob man ohne eine Ahnung von der Somatik ein ernstzunehmender Psychosomatiker werden kann?

Ratsam finde ich so ein Vorgehen nicht.

Ich finde das auch nicht ratsam. Denn auch als ärztlicher Psychotherapeut ist es sinnvoll, somatischen Erkrankungen von psychischen Erkrankungen diagnostisch differenzieren zu können und somatische Kontraindikationen für eine Psychotherapie erkennen zu können.

Züschata
09.02.2022, 16:36
Ich finde das auch nicht ratsam. Denn auch als ärztlicher Psychotherapeut ist es sinnvoll, somatischen Erkrankungen von psychischen Erkrankungen diagnostisch differenzieren zu können und somatische Kontraindikationen für eine Psychotherapie erkennen zu können.

Mit dieser Argumentation suggerierst du, dass ärztliche Psychotherapeuten vordergründig somatoforme Beschwerden behandeln sollten. Ich verstehe es so, dass man die gleiche Arbeit wie Psychologen macht. Der Hausarzt stellt ggf die Kontraindikation zur Psychotherapie. Für eine Beurteilung dessen braucht man aber sicherlich keine somatische Ausbildung. Außerdem sind die psychosomatischen Krankheitsbilder häufig Folge des Ausschlusses einer handfesten somatisch nachweisbaren Entität, d.h. die Diagnose entsteht nicht allein auf dem Boden der eigenen Einschätzungen, sondern in der Zusammenschau. Jede somatische Erkrankung kann eine psychische Komponente haben, klar auseinanderzuhalten sind diese nicht immer.

rafiki
09.02.2022, 17:13
Die Psychosomatik umfasst eigentlich weit mehr als Psychotherapie. Sie beinhaltet vor allen Dingen auch die Behandlung somatoformer Störungen, Konversionsstörungen, Essstörungen, sex. Funktionsstörungen und darüber hinaus auch Pat., die infolge körperlicher Krankheiten psychisch leiden. Für all das braucht man selbstverständlich ein fundiertes somatisches Wissen. Und nicht zuletzt dafür, sog. psychosomatische Krankheiten von solchen somatischen Ursprungs zu unterscheiden bzw. die Ineinanderverquickung zu erkennen. Ich sehe ständig Pat. mit komorbiden, bisher undiagnostizierten (!) körperlichen Problemen, die die psychische Symptomatik zumindest teilweise erklären - von Vitaminmangelzuständen, über neurologischen Schäden sogar bis hin zu genetischen Syndromen. Das kann kein Psychologe leisten, denn das braucht medizinisches Hintergrundwissen, damit man überhaupt dran denkt! Vielleicht ist das mehr eine prinzipielle Einstellung als etwas, was man in einem Jahr in der Somatik lernen kann, höchstwahrscheinlich sogar.

Reflex
09.02.2022, 17:56
Die Psychosomatik umfasst eigentlich weit mehr als Psychotherapie. Sie beinhaltet vor allen Dingen auch die Behandlung somatoformer Störungen, Konversionsstörungen, Essstörungen, sex. Funktionsstörungen und darüber hinaus auch Pat., die infolge körperlicher Krankheiten psychisch leiden. Für all das braucht man selbstverständlich ein fundiertes somatisches Wissen. Und nicht zuletzt dafür, sog. psychosomatische Krankheiten von solchen somatischen Ursprungs zu unterscheiden bzw. die Ineinanderverquickung zu erkennen. Ich sehe ständig Pat. mit komorbiden, bisher undiagnostizierten (!) körperlichen Problemen, die die psychische Symptomatik zumindest teilweise erklären - von Vitaminmangelzuständen, über neurologischen Schäden sogar bis hin zu genetischen Syndromen. Das kann kein Psychologe leisten, denn das braucht medizinisches Hintergrundwissen, damit man überhaupt dran denkt! Vielleicht ist das mehr eine prinzipielle Einstellung als etwas, was man in einem Jahr in der Somatik lernen kann, höchstwahrscheinlich sogar.

Dem gibt es eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Reflex
09.02.2022, 18:03
Mit dieser Argumentation suggerierst du, dass ärztliche Psychotherapeuten vordergründig somatoforme Beschwerden behandeln sollten. Ich verstehe es so, dass man die gleiche Arbeit wie Psychologen macht. Der Hausarzt stellt ggf die Kontraindikation zur Psychotherapie. Für eine Beurteilung dessen braucht man aber sicherlich keine somatische Ausbildung. Außerdem sind die psychosomatischen Krankheitsbilder häufig Folge des Ausschlusses einer handfesten somatisch nachweisbaren Entität, d.h. die Diagnose entsteht nicht allein auf dem Boden der eigenen Einschätzungen, sondern in der Zusammenschau. Jede somatische Erkrankung kann eine psychische Komponente haben, klar auseinanderzuhalten sind diese nicht immer.

Es ist deine Aufgabe als FachARZT die somatischen Kontraindikationen für eine Psychotherapie zu erkennen. Denn ärztliche Psychotherapeuten bekommen im Gegensatz zu den psychologischen Psychotherapeuten keine somatischen Konsilberichte, weil man von ihnen erwartet, dass sie im Rahmen ihrer Weiterbildung und ärztlichen Tätigkeit ausreichend qualifiziert sind dies selbst zu beurteilen.