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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Augenheilkunde oder Radiologie



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Kathy234
13.02.2022, 13:39
Was ist schwieriger und herausfordernder von diesen beiden Fachrichtungen? Ich meine nicht welche mehr freie Stellen anzubieten hat sondern welche hat einen stressigeren Alltag, welche hat eine steilere Lernkurve, wo fallen idR. mehr Dienste und Wochenendarbeit an? (bezogen auf die WB Zeit in der Klinik)
Bei Welcher Fachrichtung muss man insgesamt mehr Informationen und theoretisches Wissen lernen und anwenden können?
Welche Fachrichtung bietet mehr Möglichkeiten später als Facharzt? Sowohl gehaltsmäßig als auch allgemeine Entwicklung und Fortbildung.

mbs
13.02.2022, 19:25
Als Facharzt für Radiologie hast du zumindest momentan exzellente Perspektiven. Wie es sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickeln wird kann zum aktuellen Zeitpunkt aber niemand sagen - die automatischen, KI-basierten Befundungssysteme werden ja immer besser. Ob und wenn ja wann Sie die diagnostische Radiologie durch Ärzte überflüssig machen oder zumindest den Personalbedarf in dem Bereich massiv senken ist schwer einzuschätzen. Auf solchen Ängsten würde ich aber keine Entscheidungen basieren. Als Alternative bliebe ja in jedem Fall noch die interventionelle Radiologie. Da wächst der Bedarf eher als dass er sinkt.
Wie es mit Augenheilkunde ist kann ich nicht sagen, aber auch damit kann man gut in eine Praxis und sicherlich auch ein gutes Auskommen finden.

Was die Zeit vor dem Facharzt angeht glaube ich, dass die Unterschiede je nach dem Arbeitgeber und der konkreten Abteilung so immens sind dass Verallgemeinerungen nicht sinnvoll sind. Würde an deiner Stelle an deinen Wunschorten hospitieren, falls du wirklich keinen Plan hast was dir besser liegt notfalls auch über einen längeren Zeitraum.

Kathy234
13.02.2022, 20:10
Danke für den Beitrag ^
aber ich hätts gerne wenn jemand bisschen erläutern kann, welches der Fächer eine größere Herausforderung darstellt, nicht in Bezug auf künftige Jobperspektiven und Stellensituation, sondern vornehmlich wie das Arbeitspensum als Assistenzarzt von Tag zu Tag aussieht, bei welchem gibt es das Gefühl: “Oh ich bin erschöpft Ende der Woche und will nur schlafen gehen” usw. oder bsp. “boah ich kann mitder Arbeit nicht mithalten und muss noch vieeeles im Lehrbuch nachschauen”, so meine ich zB.

Feuerblick
13.02.2022, 20:46
Ich gehe jetzt mal davon aus, dass niemand beide Fächer gemacht und daher einen Vergleich hat. ;-)
Für alles andere kann ich die Forensuche empfehlen. Es gibt sogar Interviews von Assistenzärzten, die sehr genau ihren Arbeitsalltag beschreiben. Meines Wissens sind da beide Fachrichtungen, mindestens aber die Augenheilkunde vertreten.

mbs hat aber nicht unrecht: Deine Fragen zum Arbeitspensum kann man nicht wirklich beantworten, denn ob du am Ende einer Woche aufgrund des Arbeitspensums komplett fertig bist oder nicht, hängt zu einem nicht unerheblichen Teil davon ab, in welcher Abteilung du arbeitest und wie die organisiert ist. Auch eine Klinik, in der man eher gechillt arbeiten kann, kann durch Umorganisieren insbesondere in den Diensten zur Hölle auf Erden werden. Auch in der Augenheilkunde, z.B. wenn du gleichzeitig Konsildienst und Hausdienst in einem weitläufigen Gebäude bist oder gleichzeitig Konsildienst und zuständig für Hornhautentnahmen und der Chef nicht einsieht, dass gerade letztere nun wirklich nicht sofort erledigt werden müssen, wenn sowieso das Telefon dauerklingelt.

Ich empfehle ja immer, die Fachrichtung nach Interesse (und ggf. Famulaturen/PJ) auszusuchen und nicht nach vermeintlichen Arbeitsbedingungen. Denn auch ein fieser Dienst lässt sich eher ertragen, wenn man das Fach als solches mag. Oder umgekehrt kann gechilltes Leben trotzdem fürchterlich unbefriedigend sein, wenn das Fach keinen Spaß macht.
Wer sich nicht sicher ist, kann eines der Fächer der Wahl beginnen und bei Nichtgefallen problemlos die Fachrichtung wechseln. Es ist keine Entscheidung fürs Leben. ;-)

Kathy234
13.02.2022, 21:39
Ich weiß selbstverständlich dass es sich immens unterscheidet von Krankenhaus zum anderen, aber man kann nicht einfach alle sechs Monate oder so das Fach und/oder das KH wechseln, stünde das im Lebenslauf, würde das zu riesigen Schwierigkeiten beim nächsten Vorstellungsgespräch führen, “warum so kurz? warum so unentschieden?” usw.
naja, es ist bestimmt viel einfacher bei den jenigen die vom ersten Semester oder ersten Famulatur an wussten, das ist es, ich wills für Leben machen..

Feuerblick
13.02.2022, 22:03
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass jemand alle sechs Monate das Fach wechselt, wenn er zwei Fächer zur Auswahl hat. :-nix
Und selbst wenn: Notfalls sagt man, dass man mit dem Gedanken spielt, Allgemeinmedizin zu machen - dafür ist es sinnvoll, viel zu sehen.

ehem-user-25-04-2022-1131
14.02.2022, 08:11
Ehrlich gesagt sind beide Fächer meines Erachtens in allen deinen Fragen gleich auf. Falls deine Frage darauf abzielt wie zeitaufwendig sich beides im Alltag gestaltet kann man dir eigentlich nur sagen, dass alle Fachrichtungen doch arg viele Ähnlichkeiten haben. Solltest du nicht sowieso ein Fach wählen welches primär außerhalb der Klinik lokalisiert ist macht es keinen so großen Unterschied.

Du musst dich überall erstmal einarbeiten, es fallen überall Dienste an, die mal mehr oder minder intensiv sind. Das fachliche Nachlesen in deiner Freizeit ist ja auch mehr oder minder von dir selbst und deinem Interesse abhängig...

Probier's doch einfach aus - ich hab auch mehrmals das Fach gewechselt und bisher war dies eher als Pluspunkt aufgenommen worden

ehem-user-25-04-2022-1131
14.02.2022, 08:41
Nebenbei glaube ich aber auch, dass du in beiden Fächern nicht das findest, was du suchst... so entspannt wie man es sich nämlich vorstellt ist es garantiert nicht

Kathy234
14.02.2022, 09:14
Warum sagst du das? mir ging um Vergleiche zwischen zwei Fächern, wo habe ich gesagt dass ich so entspannt wie möglich arbeiten möchte?

fovea
14.02.2022, 09:34
^^naja wenn du viel über "stressigen" Alltag und viele Dienste schreibst, kann man das annehmen. Aber natürlich will dir keiner unterstellen, dass du es entspannt haben willst.
Eine Freundin von mir hat PJ in der Radio gemacht und es hat ihr sehr gut gefallen. Man wurde bei ihr sorgfältig eingearbeitet und erste Dienste macht man wohl erst später in der WB. Das ist bestimmt nicht überall so, aber da findest du nur durch Hospitationen raus.
In der Augenheilunde habe ich auch unterschiedliches gesehen. Einmal große Uniklinik, wenig Dienste, erste Dienste nach einem Jahr. Dann kleinere Uniklinik, viele Dienste, erste Dienste nach ein paar Monaten. Arbeitsbelastung in beiden Klinken hoch.

Ich kann Feuerblick nur zustimmen. Mach das Fach, was dich interessiert. Sollte es dir doch nicht gefallen, kannst du immer noch wechseln oder einfach Doppelfacharzt. :D

Kathy234
14.02.2022, 09:45
Eine Sache verstehe ich nicht, was können Assistenzärzte in der Augenheilkunde in den ersten 1-2 WB Jahren überhaupt? Wie können die evtl. aufkommende Akut- und Notfälle in Diensten angemessen und richtig versorgen? Wundert mich nur etwas.

Feuerblick
14.02.2022, 09:54
Nun, Assistenzärzte in der Augenheilkunde können schon früh Notfälle diagnostizieren (!) und behandeln, soweit sie 1. akut behandelt werden müssen (nein, nicht jeder Notfall muss SOFORT operiert werden) und 2. soweit sie keiner Operation bedürfen (die wird vom Oberarzt/Facharzt durchgeführt).
Für Untersuchung und Diagnose der üblichen Verdächtigen ist man, wenn man sich ein wenig Mühe gibt, nach spätestens sechs Monaten fit genug. Das ist nicht sonderlich kompliziert. Ist man nicht sicher, hält man Rücksprache mit dem Hintergrund und nimmt erstmal auf.
Für kleinere Notfalleingriffe kann man ggf. den Hintergrund reinrufen, falls man die selbst noch nicht beherrscht und ophthalmochirurgische Eingriffe führt man als Assistenzarzt sowieso nicht durch.
Lebensbedrohliche Notfälle, bei denen man nicht nachfragen könnte, gibt es nicht.

fovea
14.02.2022, 09:55
das findet man aber auch einfach durch Praktika und Hospitationen raus :D einfach mal anschauen und gucken, ob es was für dich ist.

Ich finde ja durchaus beide Dienste haben ihre Vorteile. Ich könnte mich zB nicht in der Inneren nachts auf der ITS vorstellen. Das war mir schon im PJ zu viel.

Kathy234
14.02.2022, 09:59
das findet man aber auch einfach durch Praktika und Hospitationen raus :D einfach mal anschauen und gucken, ob es was für dich ist.

im Idealfall ja, aber in meiner Famulatur waren die meistens zu beschäftigt, vom Patienten zum anderen um früh Feierabend zu haben, und nur grob erzählt, wie die Arbeit läuft

fovea
14.02.2022, 10:02
ja aber dann hast du doch schon einen Einblick erhalten. Vllt war es auch einfach das falsche Haus. Spätestens im PJ hast du genug Möglichkeiten.

docdean
14.02.2022, 10:18
Eine Sache verstehe ich nicht, was können Assistenzärzte in der Augenheilkunde in den ersten 1-2 WB Jahren überhaupt? Wie können die evtl. aufkommende Akut- und Notfälle in Diensten angemessen und richtig versorgen? Wundert mich nur etwas.

Das kann man doch von jedem Fach sagen. Kann ein viszeralchirurigscher Assistenzarzt im ersten Jahr irgendwas? Ein neurochirurgischer? Deren Aufgabe ist es doch hauptsächlich, abzuschätzen, ob ein Notfall wirklich ernst ist, ihn konkret in Worte zu fassen und damit zu jemandem zu gehen, der Ahnung hat. Dringende Kleinigkeiten wie ne Duisburger Nadel beim neurochirurgischen Notfall muss man auch als Assistent früh draufhaben. Und dazu kommen die stationären Standardprobleme wie Schmerzen, Fieber etc., die man nach ein paar Monaten schon kann.

Ohne Ahnung von der Augenheilkunde zu haben, kann ich nur vermuten, dass Arbeit und Ausbildung grundsätzlich ganz anders sind als in der (diagnostischen) Radiologie. In der Radiologie sitzt du den ganzen Tag am Bildschirm und guckst dir Bilder an. Einzige Abwechslung ist die Sonographie, in der du die Bilder auch selber einstellen musst. Aber im Grunde beschränkt sich die "Weiterentwicklung" wirklich darauf, dass du aus den gleichen Bildern immer mehr Informationen herausziehen und im Kopf mit immer größerem Hintergrundwissen abgleichen kannst, um eine klinische Schlussfolgerung zu ziehen. Alles, was du während der Weiterbildung produzierst, wird vom Oberarzt supervidiert, sodass du zwar selbstständig arbeiten, dich aber auch immer ergänzen lassen kannst.

In klinischen Fächern hast du mit Patienten zu tun, musst Anamnese, Untersuchung, konservative und operative Therapie und Betreuung lernen. Das ist einerseits ein breiteres Tätigkeitsspektrum, andererseits beschränkst du dich vom Wissen her auf ein spezielles Organsystem und auf eine Handvoll Krankheitsbilder, während du in der Radiologie von allem ein bisschen Hintergrundwissen haben musst. Im Dienst bist du als Kliniker alleine mit deinen Patienten und musst sie selber einschätzen und betreuen können, als Radiologe bleibst du im Hintergrund und berätst deine Kollegen. Von der Arbeitsbelastung her find ich es viel angenehmer, wenn ich in meinem Dienstzimmer sitzen bleiben kann als draußen in der Notaufnahme oder auf der Station jonglieren zu müssen, selbst wenn die Arbeitsmenge die gleiche wäre.

Unterm Strich also wie gesagt zwei ziemlich unterschiedliche Szenarien. Man muss selber wissen, für welches man der Typ ist.

GP1001
14.02.2022, 14:15
Das kann man doch von jedem Fach sagen. Kann ein viszeralchirurigscher Assistenzarzt im ersten Jahr irgendwas? Ein neurochirurgischer?

ich sehe da doch einen gewissen Unterschied. Der internistische, neurochirurgische, viszeralchiurgische Assi hat ein eher weiteres Arbeitsspektrum, was so die DrumRum Medizin angeht wie der Assi auf der Station der Augenheilkunde. Prinzipiell läuft in der Augenheilkunde extrem viel ambulant und selbst stationäre Patienten sind in der Regel fit, während in der Inneren Medizin der typische stationäre Patient mit KHK, dekompensierte Herzinsuffizienz, Demenz, ECOG3-4 bettlägerig doch ganz schön viel an Arbeit bedeutet. Möglicherweise würde man so jemand auch eher konsilarisch aus der Augenheilkunde behandeln, wenn noch zahlreiche weitere Baustellen bestehen.
In der Radio hast du dann garnix mehr mit Stationsarbeit am Hut

Thomas24
14.02.2022, 17:20
Prinzipiell läuft in der Augenheilkunde extrem viel ambulant und selbst stationäre Patienten sind in der Regel fit,

:-)):-)):-))
DEN SATZ RAHM ICH MIR EIN...
Der Altersschnitt sowohl in der stationären als auch in der ambulanten Augenheilkunde liegt sehr hoch... und "fit" ist ein relativer Begriff- fitter und lebendiger als ein internistisches Polytrauma sind die meisten schon, aber das war´s auch schon ;-)

Feuerblick
14.02.2022, 17:28
Aber es stimmt schon, dass man als Schamane gern möglichst viel konsiliarisch von „echten Ärzten“ (:-)) ) betreuen lässt.

Thomas24
14.02.2022, 17:34
Dafür sind die doch auch im Krankenhaus... um sich von echten Ärzten behandeln zu lassen ;-)
Wir sind nur dafür da, damit Oma und Opa das Licht sehen, in das die Leute am Ende der Op gehen sollen.
Äh, ich meine natürlich *nicht* gehen sollen :-angel.

*Duckundweg*