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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vollzeitkräfte kompensieren Teilzeitkräfte (mit Kindern)



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mbs
17.03.2022, 22:18
Ist der Lohn wirklich das Problem? Habe mal mit jemanden länger gesprochen, der seine Tätigkeit als langjähriger OA in der Anästhesie gegen einen Vollzeitjob im Betriebsrat getauscht hat, und der auch sehr aktiv ist im Marburger Bund. Er meinte das Problem sei vielen schon lange bekannt und würde sich auch immer weiter verschärfen. Man muss sich wohl Gedanken machen wie man den Arbeitsplatz Klinik so umgestalten kann, dass er auch als Lebensarbeitsplatz taugt. Anders kann die Versorgung in manchen Fächern sonst gar nicht mehr sichergestellt werden. Momentan scheint man das lösen zu wollen, indem man Ärzte aus dem Ausland anwirbt. Aber auch deren Erwartungen steigen mit der Zeit, und auch die kennen irgendwann ihren im Lauf der Zeit auch höheren Wert, und lassen irgendwann auch nicht mehr alles mit sich machen - und dann wird man einen Plan B brauchen.

Colourful
18.03.2022, 05:21
Ja, es sind die Arbeitsbedingungen mehr als das Geld. Aber wenn man mehr Geld zahlen würde, würden trotzdem mehr Leute diese Jobs noch machen.
Es geht aber tatsächlich darum, dass man viele Jobs gesundheitlich gar nicht so lange machen kann, weil man z.B. mit 60 Jahren nicht mehr fit genug ist, um nachts reinzufahren und Anfängern bei der Narkose zu helfen.

Es gibt übrigens auch viele Bereiche, in denen Teilzeitkräfte eine echte Hilfe sind, überall da, wo man relativ planbar und ohne große Notfälle qualifizierte Arbeit wegschaffen muss und man die Arbeit auch so anlegen kann, dass Mensch sie in 4-6h schaffen kann. (MVZ, Ambulanz, Tagesklinik, Praxis, etc.)
Und wenn Teilzeitkräfte auf solchen Stellen arbeiten, dann sind eben auch die meisten anderen Mitarbeiter zufriedener. Da wird dann eben aber auch nicht erwartet, dass man die Arbeit von einer !00% Stelle in 6h macht.

Ich habe tatsächlich mal von 8-14 Uhr die Notfallsprechstunde gemacht, das war für alle eine große Hilfe, weil andere dann in Ruhe ihre Arbeit machen konnten, während ich mich um das Tagesgeschäft gekümmert habe.

rafiki
18.03.2022, 05:40
Und wenn Teilzeitkräfte auf solchen Stellen arbeiten, dann sind eben auch die meisten anderen Mitarbeiter zufriedener. Da wird dann eben aber auch nicht erwartet, dass man die Arbeit von einer !00% Stelle in 6h macht.

Ich habe tatsächlich mal von 8-14 Uhr die Notfallsprechstunde gemacht, das war für alle eine große Hilfe, weil andere dann in Ruhe ihre Arbeit machen konnten, während ich mich um das Tagesgeschäft gekümmert habe.

Das ist sicher richtig, nützt aber herzlich wenig, wenn diejenige ständig wegen kranker Kleinkinder nicht anwesend ist. Und ich hab es so erlebt, dass eben nicht der vollzeitig tätige Partner aus einer anderen Klinikabteilung auf die Kinder aufgepasst hat, sondern meine Mitarbeiterin. Und das zum Schaden ihrer Pat. und mit Mehrarbeit für die übrigen Kollegen.

GP1001
18.03.2022, 10:29
Man muss sich wohl Gedanken machen wie man den Arbeitsplatz Klinik so umgestalten kann, dass er auch als Lebensarbeitsplatz taugt. Anders kann die Versorgung in manchen Fächern sonst gar nicht mehr sichergestellt werden. Momentan scheint man das lösen zu wollen, indem man Ärzte aus dem Ausland anwirbt. Aber auch deren Erwartungen steigen mit der Zeit, und auch die kennen irgendwann ihren im Lauf der Zeit auch höheren Wert, und lassen irgendwann auch nicht mehr alles mit sich machen - und dann wird man einen Plan B brauchen.

Also nachrangiger Krankenhausarzt möchte niemand nirgendwo dauerhaft sein. Das ist kein "Lebensarbeitsplatz", sondern für eine Zeit und da wird erwartet "durchzuhalten" und irgendwann mal auch die Ausbildung abzuschließen, um nicht "ewig" Assi zu sein. Für diese Arbeit kommen immer neue Leute&Ideen: Neue Assis, neue Leute aus dem Ausland, Arztassistent, Spezialist Nurse (ggfs. in Zukunft), CaseManager.
Ich muss daher deine Hoffnung zerstören, dass der Arbeitsplatz nachrangiger Krankenhausarzt irgendwann "Lebensarbeitsplatz" werden kann. Er wird für eine Zeit "erträglich" gestaltet werden. Kann mir anderes nicht vorstellen.

Oberarzt/Chefarzt in der Klinik ist schon eher als Lebensarbeitsplatz möglich, wenn auch je nach Fach unattraktiver als mancher Job im MVZ mit ausschließlich planbarer Arbeit Mo-Fr 8-16 Uhr.

Colourful
18.03.2022, 10:31
@rafiki
Ja, das kann durchaus so sein, muss aber nicht. Wir persönlich machen dann oft "Schichtsystem", ich gehe morgens arbeiten, gehe eventuell etwas eher (aber auch 5h sind besser als nichts) und wenn ich zu Hause bin, geht mein Partner arbeiten.

JohnossonJoe
18.03.2022, 14:49
Ich arbeite in der Inneren einer großen Uniklinik und wir haben schlichtweg niemanden in TZ. In den vier Berufsjahren die ich hier verbracht habe kann ich die Anzahl der Mitarbeiter:innen die TZ arbeiten an einer Hand abzählen. Die waren dann meist in Sono oder Ambulanz eingeteilt. Auf Station habe ich das noch nie gesehen und kenne es auch aus anderen Abteilungen nicht.

anignu
19.03.2022, 00:49
Euer Problem sind doch aber nicht die Teilzeit-Muttis, sondern ein globaler Personalmangel, wie du selbst schreibst, und die Tatsache, dass in der Welt der Assistenzärzte ein 40h-Vertrag durch die Dienste regelmäßig 48-56 h bedeuten, selbst wenn man pünktlich geht. Da bleibt nicht genug Zeit, sich zu erholen.
Man kann es nicht pauschal sagen, aber es gibt halt TZ-Kräfte die bei vereinbarten 20h/Woche auch auf 20h/Woche bestehen weil es sonst mit der Kinderbetreuung nicht funktioniert. Man könnte ihnen also vorwerfen dass sie auf die Einhaltung des Arbeitsvertrags bestehen. Welche Frechheit! Verträge einhalten! Wo gibt's denn sowas? Das haben wir ja noch nie gemacht! Merkst was?

Ich hatte auch immer den Eindruck, dass man als TZ viel eher einspringen soll als die VZ Kräfte, die ja schon bis zum Anschlag verplant sind.
Das kenne ich auch so. Dieses Zurücklehnen der VZ-Kräfte von wegen "geht nicht weil ich arbeite schon genug" und dann sollen die TZ-Kräfte einspringen...

Wie man es dreht, Problem sind nicht Mütter in TZ sondern die schlechte Personalpolitik.
Weil einfach alles komplett auf Anschlag ist und Überstunden im Rahmen von 20% erwartet werden.

Wie genau stellst du dir denn gute Personalpolitik vor, wenn Patienten auf Normalstation neunmal zwischen 8-16:30 ärztlich betreut werden müssen? Und gerade in langen Verläufen, also gerade Innere/Neurologie ist eine Arzt-Patienten-Bindung ja nicht ganz unerheblich. Wenn da jeden Tag, oder noch besser zweimal am Tag, sich jemand neues als der behandelnde Arzt vorstellt, dann leidet die medizinische Qualität erheblich.
Auch eine Vollzeitkraft arbeitet meist nur an 5 Tagen die Woche. Und dann? Was macht man mit dem Wochenende? Ist das unwichtig? Nein, es gibt Übergaben. Und es funktioniert. Und vor allem bei langen Verläufen kann man viel planen und Bindung aufbauen. Man kann auch den Patienten klar sagen dass man zwar nicht da ist aber ... geplant ist und man am ... wiederkommt und dann alles weitere bespricht. Überhaupt kein Problem, wenn man nicht künstlich eins draus macht.

Und wie stellst du dir das vor, Kollege XY geht immer 14:30, der Patient kommt um 15:30 aus dem CT, hier zeigt sich überraschend eine Lungenembolie - das bleibt dann bis morgen unbeachtet? Oder Kollege XX in Vollzeit darf sich dem annehmen, kennt den Patienten nicht, muss sich einlesen, alles weitere organisieren und darf dafür dann mal wieder ne Überstunde mehr schieben?
Da spricht eine gewisse Unerfahrenheit aus dir. Ein echter Notfall kann zu jeder Tages- und Nachtzeit kommen und wenn du dir eine Woche anschaust und einfach mal rechnest (7x24h=168h) dann ist auch eine Vollzeitkraft in 76% der Zeit nicht da! Wie sollen das die Patienten überleben? Gut überleben sie. Und wenn der Verdacht auf eine LAE im Raum steht dann übergibt man das dem Dienstarzt und geht trotzdem. Wenn sich der Verdacht um 15:55 Uhr einstellt und Blutabnahme+EKG+CT etc. dauert, macht das dann noch die Vollzeitkraft? Meist ja wohl nicht. Dann macht es eben der Dienst. Soviel nur dazu.
Noch extremer wird es in der Notaufnahme. Ein akutes Abdomen mit Anamnese + Blutabnahme + Sono + triple-kontrastiertes CT-Abdomen usw. kann ich, wenn ich gut drauf bin, innerhalb von 2h schaffen. Ja, ernsthaft. Und dann steht komplett Brief, CT, Entscheidung usw. Oder ich kann es auf 8h ziehen und dann, oh, blöd, hab ja keinen Dienst mehr, muss es eben mein Nachfolger machen. Das geht alles. Wenn man will oder eben nicht will. Und da gibt es ganz große Pfosten die Experten im Verzögern sind und andere die extrem strukturiert arbeiten. Sowohl bei TZ als auch bei VZ.

Ich will so gerne Kinder und ich bin oft erschrocken, was sich für ein unterschwelliger Hass gegen Menschen ausbreitet, die einfach nur eine Familie gründen. Trotzdem halte ich alles andere als wochenweise Teilzeit im Stationsbetrieb für gefährlich- für die Patienten und für die Stimmung im Team.
Für die Patienten ist es nicht gefährlich. Schlechte Ärzte gefährden Patienten. Nicht Teilzeitkräfte.
Und für die Stimmung im Team ist man selbst verantwortlich.

Mit dem Argument müsste man als Arzt 24/7 in der Klinik sein. Es passiert das gleiche, wie wenn der Patient um 23 Uhr aus dem CT kommt und eine Lungenembolie hat. Im Zweifel ist der Dienstarzt zuständig.
Ich bin es so leid, sich als "Teilzeitmutti" rechtfertigen zu müssen für strukturelle Defizite in der Personalplanung und fehlenden Eiern in der Hose, diese auch anzuprangern und sich dagegen zu wehren.
Weil es einfacher ist auf die Kollegen zu schimpfen als gegen den Chef oder noch extremer sich gegen die Verwaltung aufzulehnen.

Das ist wie mit dem Bauer und den Schweinen: Ein Bauer hat einen Stall mit lauter Schweinen. Und dann beschließt er den Stall kleiner zu machen weil er den Platz für was anderes braucht oder warum auch immer. Was passiert? Die Schweine bekommen Stress und gehen aufeinander los. Obwohl die anderen Schweine nichts dafür können. Und das sind jetzt keine Metaphern, das passiert tatsächlich im Tierreich.
Und genauso läuft es hier.

Colourful
19.03.2022, 06:55
. Wenn sich der Verdacht um 15:55 Uhr einstellt und Blutabnahme+EKG+CT etc. dauert, macht das dann noch die Vollzeitkraft? Meist ja wohl nicht. Dann macht es eben der Dienst. Soviel nur dazu.
Noch extremer wird es in der Notaufnahme. Ein akutes Abdomen mit Anamnese + Blutabnahme + Sono + triple-kontrastiertes CT-Abdomen usw. kann ich, wenn ich gut drauf bin, innerhalb von 2h schaffen. Ja, ernsthaft. Und dann steht komplett Brief, CT, Entscheidung usw. Oder ich kann es auf 8h ziehen und dann, oh, blöd, hab ja keinen Dienst mehr, muss es eben mein Nachfolger machen. Das geht alles. Wenn man will oder eben nicht will. Und da gibt es ganz große Pfosten die Experten im Verzögern sind und andere die extrem strukturiert arbeiten. Sowohl bei TZ als auch bei VZ.

Für die Patienten ist es nicht gefährlich. Schlechte Ärzte gefährden Patienten. Nicht Teilzeitkräfte.
Und für die Stimmung im Team ist man selbst verantwortlich.



Ich habe es auch immer so erlebt, dass sich eher über die Personen aufgeregt wird, die dann für so Standardsituation doppelt und dreimal so lange benötigt, wie jemand, der strukturiert arbeitet. Ganz egal, ob Teilzeit oder Vollzeit.
Und ganz ehrlich, mich nervt das auch, wenn jemand unstrukturiert arbeitet und ich dann die Arbeit machen soll, habe ich schon öfter machen müssen. Das waren bei uns überwiegend männliche Vollzeitkräfte. :-))

Danke für deinen Post, anignu.

Dooly
19.03.2022, 06:59
Aber so ergeben 5x 60% eben nicht 3 Vollzeitstellen, sondern 5 nicht sinnvoll in die Arbeitsstruktur integrierbare Einzelposten.Stimmt. Aber wie könnte eine Lösung seitens Arbeitgebende bzgl. dieses Problems sein? Keine Leute mit Teilzeit einstellen bzw. nur noch sehr selektiv, so dass sich zufällig doch zwei oder mehrere annähernd perfekt ergänzen?
Wir sind ja alle potenzielle Teilzeitkräfte und für mich ist es kein schöner Ausblick, wenn es so kommen sollte.

Colourful
19.03.2022, 07:21
Wenn ihr euch hier im Forum so umschaut, dann haben alle Menschen, die Teilzeit arbeiten sicherlich keine "nicht integrierbare Einzelposten".
Richtig eingesetzt sind 5x60% mehr als drei Vollzeitstellen. Schlecht eingesetzt weniger.

Dooly
19.03.2022, 08:01
Ich werd mal darauf achten, bisher sind mir nur negative Berichte aufgefallen, mit Ausnahme von deinem Beispiel mit der Notfallsprechstunde. Das ist natürlich cool und hab ich auch so ähnlich im Innere PJ gesehen. Allerdings war die Ärztin noch keine FÄ und darunter leidet ihre WB und es ist eben auch nur eine einzige Person in der gesamten Abteilung. Aus meinem Jahrgang planen schon echt viele in Teilzeit zu gehen.

Im PJ hab ich es in der Chirurgie mitbekommen, wie energisch sich die ÄiW gegen alle Bewerbende in Teilzeit gewehrt haben. Da wurden sowohl in GCH als auch OU alle vom jeweiligen CA vorausgewählte in Frage kommenden Bewerbungen im Team diskutiert und nur eine von vielen mit Wunsch auf Teilzeit hat es zumindest bis zur Vorstellung geschafft, ist dann aber schlussendlich auch ausgeschieden.

Colourful
19.03.2022, 10:04
Wenn man genug Bewerber hat, dann kann man das ja machen. Hat man die denn immer?

Ja panisch
19.03.2022, 14:48
Ich kenne das Problem auch
Eigentlich sollten wir 3 Vollzeitkräfte sein mindestens. Aktuell ein Vollzeit und ein Teilzeit. Wir betreuen die gleiche Zahl an Patienten, ich bekomme aber dann ab 14 Uhr immer alles ab …
Mich nervt das tierisch, sie hat jeden Tag pünktlich Feierabend weil sie mir alles übergibt. Und ich darf dann Überstunden schieben, weil ich den Laden nicht versinken lassen kann. Ich Finde es unfair dass der, der eh langer bleibt, Überstunden machen muss, dass der andere seinen Feierabend hat um 14 Uhr. Dienste muss ich auch deutlich mehr machen als eine Teilzeitkraft

anignu
19.03.2022, 15:02
Und merkst was?
Du findest es unfair dass bei der Kollegin der Arbeitsvertrag eingehalten wird? Ist das tatsächlich unfair? Eigentlich nicht. Sie hat einen Arbeitsvertrag und der wird eben eingehalten. Unfair ist dass er bei dir nicht eingehalten wird. Und kann die Kollegin da was dafür? Eigentlich auch nicht. Das Problem ist dass ihr unterbesetzt seid. Und weil du dich nicht so leicht über den Chef oder die Verwaltung aufregen kannst, regst du dich über deine Kollegin auf... Das Problem ist also nicht die Teilzeitkraft!

GP1001
19.03.2022, 16:42
Also einige Teilzeitkräfte sind in einer Abteilung immer unterzubringen, auch Chirurgie. Das ganze muss jedoch im Rahmen bleiben (also nicht überwiegend Teilzeitkräfte). Es ist ja kein "Amt", wo alles planbar ist und der allergrößte Teil der Arbeit auch mal länger liegen bleiben kann.

Chirurgie Weiterbildung komplett in Teilzeit (gerade OP und Station) ist schwer vorstellbar. Ihr kennt es alle: Plötzlich läuft die OP, nicht wie sie soll, ein Patient auf Station verschlechtert sich akut unvorhergesehen (Unplanbare Arbeit) und die Teilzeitkraft möchte jetzt um 12 Uhr nach Hause und jmd. anders wird abgezogen aus einer OP oder macht das jetzt "zusätzlich" mit.
Es gibt aber sicherlich Aufgaben wie Ambulanz/Sprechstunden, wo man Teilzeitkräfte einsetzen kann.


Und merkst was?
Du findest es unfair dass bei der Kollegin der Arbeitsvertrag eingehalten wird? Ist das tatsächlich unfair? Eigentlich nicht. Sie hat einen Arbeitsvertrag und der wird eben eingehalten. Unfair ist dass er bei dir nicht eingehalten wird. Und kann die Kollegin da was dafür? Eigentlich auch nicht. Das Problem ist dass ihr unterbesetzt seid. Und weil du dich nicht so leicht über den Chef oder die Verwaltung aufregen kannst, regst du dich über deine Kollegin auf... Das Problem ist also nicht die Teilzeitkraft!

Korrekt. Das Problem liegt in den oberen Etagen.
:-meinung

nie
19.03.2022, 17:47
Ich kenne das Problem auch
Eigentlich sollten wir 3 Vollzeitkräfte sein mindestens. Aktuell ein Vollzeit und ein Teilzeit. Wir betreuen die gleiche Zahl an Patienten, ich bekomme aber dann ab 14 Uhr immer alles ab …
Mich nervt das tierisch, sie hat jeden Tag pünktlich Feierabend weil sie mir alles übergibt. Und ich darf dann Überstunden schieben, weil ich den Laden nicht versinken lassen kann. Ich Finde es unfair dass der, der eh langer bleibt, Überstunden machen muss, dass der andere seinen Feierabend hat um 14 Uhr. Dienste muss ich auch deutlich mehr machen als eine Teilzeitkraft

Erster Fehler: Ihr arbeitet mit 50 % der Sollbesetzung. Das kann und wird nicht funktionieren. Das liegt nicht an der Teilzeitkraft sondern an schlechter Planung von oben.

Zweiter Fehler: Du kannst den Laden nicht versinken lassen? Sagt wer? Natürlich kannst du den Laden versinken lassen. Denn nur dann fällt auf, dass es scheiße läuft und sich etwas ändern muss. Überstunden interessieren keinen.

Es gehört dazu, dass man lernt sich abzugrenzen und sich nicht völlig aufopfert aus falschen Verantwortungsgefühl. Das hat der Teilzeit-Kollege wohl schon besser drauf.


Teilzeitkraft ist und bleibt halt ein weites Feld. Wir haben in der Abteilung eine sehr effiziente und strukturierte Teilzeitkraft, die lässt einem
mittags nichts liegen. Dann brauch man nur jemanden, der bei akuten Katastrophen bei den betreffenden Patienten, telefonisch erreichbar ist. Und die kommen jetzt auch nicht jeden Tag vor. Habe aber auch auch schon mit völlig ineffektiven TZ-Kollegen gearbeitet. Das lag aber nicht an der Teilzeit, die haben auch nichts geregelt bekommen wenn sie anwesend waren. Zeitweise hab ich mich alleine um den Bereich gekümmert und war schneller als mit betreffenden Kollegen, der mir dann mittags ohne sinnvolle Übergabe lauter halb angefangene Sachen auf den Tisch gekippt hat. Da hat es schon Zeit gekostet, rauszufinden was jetzt nicht wichtig ist und was die Person morgen schön selbst machen kann. Und während ich 8-10 Patienten gesehen und dokumentiert habe (und ich war damals Anfängerin, jemand mit mehr Erfahrung kann locker 12-15 Patienten sehen), hat die Person sich in der selben Zeit mit 3-4 Patienten aufgehalten und die Doku noch mir unterjubeln wollen. Da war Teilzeit das kleinste Probleme aber ich hab meine Frust am Anfang auch auf diese Teilzeitstelle kanalisiert aber letzten Endes wärs auch mit einer Vollzeitstelle nicht besser gelaufen.


Und Patientenbindung auf Station ist halt auch nur ein vorgeschobenes Argument. Bei uns sitzt ständig jemand anderes auf Station weil krank, Dienst, Urlaub usw. Da werden ständig die Patienten neu verteilt, auch unter den Leuten, die fest auf der Station arbeiten. Wir haben auch feste Rotationen und am Datum x steht dann plötzlich eine komplett andere Mannschaft auf Station. Unsere IMC-Patienten müssen ja auch mit 8 verschiedenen Ärzten im
Schichtsystem leben :-nix

Loreleye
19.03.2022, 21:04
Gibt es den bei euch so viele gute Bewerber, dass ihr auf die Teilzeitkräfte verzichten wollt?
In meiner Zeit vor den Kindern habe ich mich über jede helfende Hand auf Station gefreut, die Kolleginnen mit der halben Stelle haben mir zugearbeitet. Wenn ich alles alleine gemacht hätte, wären es noch viel mehr Überstunden geworden.
Jetzt als Teilzeitkraft mit Kindern habe ich auch leicht neue Stelle finden können, weil es eben oft nicht so viele Mitbewerber gibt. Bei der Aufgabenverteilung habe ich als 70% Kraft in der Regel die gleichen Aufgaben wie Vollzeitkräftr bekommen. Als Teilzeitkraft muss ich pünktlich gehen, daher wird sehr strukturiert und effizient gearbeitet, ohne zu lange Plaudereien oder Arztbrief-Romane.
Wenn man schon länger in der Klinik ist, kennt man sehr gut die Strukturen, Kollegen aus anderen Abteilungen und Abläufe und dadurch wird vieles schneller organisiert.
Zudem kündigt man mit Kindern nicht so schnell als zu den Single-Zeiten.

Ja panisch
19.03.2022, 22:03
Ich verstehe nicht wieso mir hier jeder unterstellt, ich würde mich deswegen über meine Teilzeit Kollegin ärgeren. Ich mag sie sehr gerne. Ich ärgere mich über die allgemeine Situation und den Umstand, dass ich täglich Arbeit aufgetragen bekomme, die nicht meine ist.
Der Fehler ist wie nie es sagt, wir sind zu wenige auf der Station. Sie macht ihre Arbeit gut. Nur fehlt am Ende des Tages jemand.
Es steht ja jedem frei auch selbst Teilzeit zu arbeiten, könnte ich ja auch machen, dann muss der Chef kreativ werden. Denn Assistenzärzte zaubern kann er nicht. Nur will ich andererseits schnell die Weiterbildung überstehen

Endoplasmatisches Reticulum
19.03.2022, 22:35
......

anignu
19.03.2022, 23:50
Ui, jetzt wird es spannend. Da kommt plötzlich sehr viel Politik dazu: einerseits kannst du die Zusatzaufgaben ja auch ablehnen, weil geht nicht, andererseits willst du ja vielleicht auch Karriere machen. Den Teilzeitkräften wird einfach mal unterstellt dass sie ihre Prioritäten woanders gesetzt haben und daher keine Karriere mehr machen wollen, daher werden sie meist auch nicht mit Zusatzaufgaben behelligt. Den Anderen halst man Zusatzaufgaben auf auch um zu sehen wie strukturiert oder belastbar sie sind. Und sie wehren sich auch nicht und machen lieber viele Überstunden weil sie ja Karriere machen wollen...
Und dass man auch mal viel Plaudern kann oder sich ewig mit Mist aufhalten kann ich verstehen...