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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dienst muss neu besetzt werden-kann man mich zwingen?



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FirebirdUSA
02.04.2022, 12:49
Trotzdem ist die schriftliche Anweisung erstmal bindend und du musst den Klageweg beschreiten, im Zweifel im Eilverfahren.

Blaulicht86
02.04.2022, 13:04
In den meisten Fällen wird überhaupt nichts schriftlich angeordnet. Die Klinik / direkten Vorgesetzten versuchen es mündlich oder einer forschen email a la „wenn sich nicht bis dann und dann jmd meldet..“ und meistens klappt es. Das ist kein formales Schreiben! Ich habe noch nie erlebt, dass jmd einen Klageweg gehen musste. Auf seine Rechte hinweisen und nicht umkippen wenn geschimpft gedroht gezickt wird ist in der Regel völlig ausreichend.

Blaulicht86
02.04.2022, 13:11
Ich berichte über meine persönlichen Erfahrung… Erst wenn es oben weh tut, die Oberärzte Angst haben ran zu müssen, dann bewegt sich was. Ich habe gesehen, dass dann ganz schnell zu den Chefs gelaufen wird mit: “unsere fleißigen Assistenten müssen unterstützt werden, das geht so nicht”. Und schwups gab es auf einmal Töpfe und Ressourcen von denen niemand wusste. Für Boni, für Honorarärzte, für Stationsassistenzen…

anignu
02.04.2022, 13:29
Ich habe noch nie erlebt, dass jmd einen Klageweg gehen musste.
Ich hab auch noch nie eine schriftliche Anweisung erlebt dass jemand einen Dienst übernehmen müsste. Alleine schon daran scheitert eine Klage.

Endoplasmatisches Reticulum
02.04.2022, 13:29
Bloß bedenken, dass der Chef auch gerade 5 gute Bewerbungen auf dem Schreibtisch liegen haben kann und der wehrhafte Arzt ggf. noch in der Probezeit ist oder die Vertragsverlängerung demnächst anstehen würde. Ohne Kenntnis der Gesamtsituation sind Pauschalratschläge gefährlich. Aufs eigene Recht bestehen kann die von außen richtig anmutende, fürs Individualwohl aber dennoch falsche Entscheidung sein. Man sollte bei so etwas immer den Einzelfall betrachten.

Miss_H
02.04.2022, 13:52
Wie wahrscheinlich ist es einen eingearbeiteten Mitarbeiter gegen ggf. einen Frischling von der Uni zu tauschen? Und es ist immer noch die Frage, ob man unter einem solchen Chef arbeiten möchte. Muss jeder selbst entscheiden.

nie
02.04.2022, 14:00
Bloß bedenken, dass der Chef auch gerade 5 gute Bewerbungen auf dem Schreibtisch liegen haben kann und der wehrhafte Arzt ggf. noch in der Probezeit ist oder die Vertragsverlängerung demnächst anstehen würde. Ohne Kenntnis der Gesamtsituation sind Pauschalratschläge gefährlich. Aufs eigene Recht bestehen kann die von außen richtig anmutende, fürs Individualwohl aber dennoch falsche Entscheidung sein. Man sollte bei so etwas immer den Einzelfall betrachten.

Ernsthaft?!? Welcher Chef hat denn 5 gute (!) Bewerbungen auf Tisch liegen und dann nach Lust und Laune Assistenten austauschen weil da einer meckert?

Blaulicht86
02.04.2022, 14:03
Sie fragt ihren Chef nicht ob er ihr eine Niere spendet, sondern nach einer schriftlichen Anordnung. Ich verstehe nicht warum man Leuten, im Gegenteil, anrät, sich so dermaßen klein zu machen. Sie hat bereits an Weihnachten Dienste gemacht, also sollte sie aus der Probezeit draußen sein. Selbst wenn, es ist ihr Recht und Punkt. Ob sie davon Gebrauch machen möchte ist ihre Entscheidung. Sie fragt, ob sie den Dienst machen muss. Und das ist eben nicht geklärt. Ich profitiere von persönlichen Erfahrungen, mir wurde so auch mit gemacht. Am Ende entscheidet jeder was für einen selbst das beste ist.

Feuerblick
02.04.2022, 14:11
Das Endoplasmatische Reticulum muss ganz schreckliche Erfahrungen gemacht haben. :-nix

Ich halte die Wahrscheinlichkeit dafür, dass man einen eingearbeiteten Assistenzarzt mit Erfahrung gegen jemanden austauscht, der nicht eingearbeitet ist und vielleicht auch kein Duckmäuser, für relativ gering. Der Spatz in der Hand... Ansonsten würde ich unter einem Chef, der seine Ideen mit Rauswurf durchsetzt, nicht arbeiten wollen. Und wenn ich stattdessen bei ALDI an der Kasse sitzen müsste.

Solche Dinge sollten sowieso schriftlich angeordnet werden. Sonst will sich am Ende niemand dran erinnern.

Endoplasmatisches Reticulum
02.04.2022, 14:34
Ernsthaft?!? Welcher Chef hat denn 5 gute (!) Bewerbungen auf Tisch liegen und dann nach Lust und Laune Assistenten austauschen weil da einer meckert?
Mal in einer beliebten Stadt gearbeitet? Und/oder in einem Fach wie Uro, HNO, Päd, Derma, Plastische?

Hier im Forum wird gerne schwarzweiß argumentiert. Ganz so absurd ist es nicht, dass die Karriere in der spezifischen Klinik zuende sein kann, wenn man die Einleitung arbeitsrechtlicher Schritte gegen den Arbeitgeber androht. Hier wird gerne pauschal so getan, als wären Konsequenzen für die Durchsetzung der eigenen (durchaus berechtigten) Interessen reine Hirngespinste. Das ist schon ein privilegierter Standpunkt, der so nicht immer und überall gilt.

Nimm an, du lebst in der Nähe deiner Familie. Du willst unbedingt Ostern mit ihr verbringen und verweigerst das Einspringen. Wieviel du davon hast, dann für eine neue Stelle weit weg ziehen zu müssen und deine Familie und ggf. deinen Partner dadurch erstmal noch viel weniger siehst, kann durchaus ein relevanter Faktor bei der Entscheidungsfindung sein.

Colourful
02.04.2022, 14:46
Ich habe übrigens immer erlebt, dass solche Dienste auch noch "getauscht" werden konnten. Dann auch gegen einen anderen unbeliebten Dienst (das nächste Feiertagswochenende?).

Ich möchte aber ehrlich mal den Chef sehen, der fünf gute Bewerbungen auf dem SChreibtisch liegen hat.

Endoplasmatisches Reticulum
02.04.2022, 14:56
Ich möchte aber ehrlich mal den Chef sehen, der fünf gute Bewerbungen auf dem SChreibtisch liegen hat.
Ich erinnere mich an genügend Gespräche mit allwöchentlichen Hospitanten, völlig unabhängig von der Stellensituation. War im PJ in zwei Fächern so und später auf meiner ersten Stelle in einem nochmal anderen Fach nicht anders. Wie gesagt - Großstadt, kein Problem. Und wenn sich etwa ein Drittjahres-Assi mit fertigem Common Trunk bewirbt, dürfte sich auch der Tränenfluss beim Chef, einen unbequemen Berufsanfänger in der Probezeit zu kicken, in maßvollen Grenzen halten.

Wie gesagt, Kontext matters. Ohne Kenntnis desselben pauschal das starre Beharren aufs eigene Recht zu empfehlen ist m.E. kein veranwortungsvoller Ratschlag.

Dooly
02.04.2022, 15:17
Wie gesagt, Kontext matters. Ohne Kenntnis desselben pauschal das starre Beharren aufs eigene Recht zu empfehlen ist m.E. kein veranwortungsvoller Ratschlag.Seh ich genauso.

Colourful
02.04.2022, 15:40
Und wenn sich etwa ein Drittjahres-Assi mit fertigem Common Trunk bewirbt, dürfte sich auch der Tränenfluss beim Chef, einen unbequemen Berufsanfänger in der Probezeit zu kicken, in maßvollen Grenzen halten.

Wie gesagt, Kontext matters. Ohne Kenntnis desselben pauschal das starre Beharren aufs eigene Recht zu empfehlen ist m.E. kein veranwortungsvoller Ratschlag.

Klar, spielt der Kontext eine Rolle. Ab wann ist man denn deiner Erfahrung nach dann wertvoll als Arzt und wird nicht mehr so leicht gekündigt, wenn man mal unbequem ist?

Ich habe es tatsächlich auch nur so erlebt, dass die einzig relevanten Einstellungskriterien Approbation/halbwegs brauchbare Deutschkenntnisse/kann gerade aus laufen waren. Massenfächer allerdings, aber in der Großstadt, beziehungsweise im beliebten Ballungsgebiet.
Teilweise nicht mal Approbation, da reichte schon eine Berufserlaubnis.

Blaulicht86
02.04.2022, 15:45
Kontext matters. Dann wird das Märchen der 5 guten Bewerbungen auf Chefs Tisch erzählt. Jmd der klar sagt ich will den Dienst nicht machen mit sowas zu verunsichern ist verantwortungsvoll? Kennst du denn ihre familiäre Situation und weißt was da dranhängt?

Und genau von dieser Einstellung lebt das System übrigens. Wenn man sich entscheidet, damit zu punkten dem Chef hinten rein zu kriechen und jahrelang kommentarlos alles schluckt, go for it. Wenn man damit glücklich werden kann, ist das ok. Ich würde ein Magengeschwür kriegen. Da sitze ich auch lieber mit mehr Würde bei Aldi an der Kasse.
Und jetzt lehne mich noch weiter aus dem Fenster. Unser Beruf bringt Nachteile mit sich, keine Frage. Aber einen Vorteil hat er. Sofern man fachlich kein völliger Rohrkrepierer ist, sollte es immer möglich sein, seine Brötchen zu verdienen.

Colourful
02.04.2022, 15:48
Und jetzt lehne mich noch weiter aus dem Fenster. Unser Beruf bringt Nachteile mit sich, keine Frage. Aber einen Vorteil hat er. Sofern man fachlich kein völliger Rohrkrepierer ist, sollte es immer möglich sein, seine Brötchen zu verdienen.

Und auch irgendwann seine Nische zu finden, die einem Spaß macht und wo man sich nicht zu Tode schuften muss, sondern ggf. auch pünktlich gehen kann.

Blaulicht86
02.04.2022, 15:52
Und auch irgendwann seine Nische zu finden, die einem Spaß macht und wo man sich nicht zu Tode schuften muss, sondern ggf. auch pünktlich gehen kann.

So ist es. Wenn man bereit ist die Schritte zu gehen.

Dooly
02.04.2022, 15:59
Ich habe es tatsächlich auch nur so erlebt, dass die einzig relevanten Einstellungskriterien Approbation/halbwegs brauchbare Deutschkenntnisse/kann gerade aus laufen waren. Massenfächer allerdings, aber in der Großstadt, beziehungsweise im beliebten Ballungsgebiet.
Teilweise nicht mal Approbation, da reichte schon eine Berufserlaubnis.Und wie hat es sich dann dort gearbeitet? Wenn der Anspruch so niedrig ist, ist die Wahrscheinlichkeit ja auch deutlich höher in einem Team mit viel zu vielen super low Performers zu landen. Würd mich echt richtig abfucken. Oder würdest du sagen, dass es da trotzdem nen guten Querschnitt gab?

Endoplasmatisches Reticulum
02.04.2022, 16:16
Kontext matters. Dann wird das Märchen der 5 guten Bewerbungen auf Chefs Tisch erzählt.
Das war ein Beispiel für einen Kontext, und es ist leider alles andere als märchenhaft. Ich wünschte mir von Ärzten genügend Empathie zur Einsicht, dass die eigene positive Verhandlungssituation vielleicht nicht die Universalkonstante sein könnte, als die man selbst sie empfindet. Man soll sein Standing natürlich verteidigen. Bloß muss man erstmal eines haben. Sowas wächst nicht an Bäumen und man besitzt es auch nicht qua approbationem.


Jmd der klar sagt ich will den Dienst nicht machen mit sowas zu verunsichern ist verantwortungsvoll? Kennst du denn ihre familiäre Situation und weißt was da dranhängt?
Eben weil die Situation nicht ausreichend beleuchtet ist, finde ich einseitig-optimistische Ratschläge insuffizient. Ziel sollte nicht die Umgehung der Einzelsituation sein, sondern die langfristige Nutzenmaximierung. Das kann zweifellos bedeuten, dass man in diesem Fall auf sein Recht pocht. Es kann aber auch bedeuten, dass man es lieber diesmal runterschluckt. Und Letzteres bedeutet keinesfalls, dass man sich jahrelang, immer und in jedem Bezug knechten lassen soll. Mir fehlen hier die Nuancen.


Und jetzt lehne mich noch weiter aus dem Fenster. Unser Beruf bringt Nachteile mit sich, keine Frage. Aber einen Vorteil hat er. Sofern man fachlich kein völliger Rohrkrepierer ist, sollte es immer möglich sein, seine Brötchen zu verdienen.
Und wenn man keine Brötchen mag, soll man halt Kuchen essen. Den örtlich gebundenen Lebenspartner lässt man mal eben in der alten Heimat zurück. Die Freunde, Sportskameraden und Familie auch. Die Lebensplanung mit Wohnungskauf stopft man zurück in die Abstellkammer. Vielleicht freuen sich Kinder über eine Zwangsumschulung. Oder man wägt ab zwischen Pest und Cholera und gibt das Wunschfach notgedrungen auf? Natürlich trifft nicht alles auf jeden zu. Aber es ist nur eine kleine Auswahl von Beispielen für legitime Bedenken.

Ich finde das irgendwie schräg. Einerseits ist es Trend hier im Forum, den Fokus auf eine bessere Work-Life-Balance zu legen. Man soll sein Glück im Privaten statt im Beruf suchen. Lebenszeit wird durch Geld nicht wett gemacht. Aber gleichzeitig lautet der Standardspruch bei Konflikten: Hau maximal auf die Pauke, so what, kannst doch jederzeit dein (doch so wichtiges) Leben wegwerfen und woanders neu starten ... Es sind nicht alle Menschen Single-Internisten mit #wanderlust im Tinder-Profil zusammen mit einer Liste von 8 Städten, in denen sie in den letzten 5 Jahren gelebt haben!

nie
02.04.2022, 16:17
Der Vorteil in einem Team voller super low performers ist, dass man selbst direkt zum high performer wird wenn man nur seine Arbeit macht ;-)

been there, done that…