Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Weiterbildung Psychiatrie oder Ophthalmologie
roxolana
14.06.2022, 21:15
90 Euro für eine Beratung bei Polymedikation (5 Medikamente) durch den Apotheker...
Wenn man das in Relation zu einigen EBM-Leistungen setzt:
Beratung zum Schwangerschaftsabbruch: 8,90 Euro
Beratung wegen Sterilisation: 8,00 Euro
Beratung über Organ- und Gewebespenden: 7,32 Euro
Thomas24
14.06.2022, 23:03
90 Euro für eine Beratung bei Polymedikation (5 Medikamente) durch den Apotheker...
Wenn man das in Relation zu einigen EBM-Leistungen setzt:
Beratung zum Schwangerschaftsabbruch: 8,90 Euro
Beratung wegen Sterilisation: 8,00 Euro
Beratung über Organ- und Gewebespenden: 7,32 Euro
Eigentlich ist es noch mieser... der EBM bezahlt ja nicht nach Euro und Cent, sondern nach Punkten. Und Punktwert floatet ja bekanntermaßen und steht erst ca. 6 Monate nach der Leistungserbringung fest. In Euro kann man also sogar noch unter den o.g. Zahlen landen...
Nefazodon
14.06.2022, 23:35
Ich denke auch, dass wir als Ärzte ganz schön aufpassen müssen, ehrlich gesagt....
Der Personalmangel im Gesundheitswesen ist ein großes Problem,und wenn die Politiker gewählt werden wollen, dürfen sie nicht zulassen, dass er zu *offensichtlichen* Versorgungsengpässen führt...
Die Lösung: Substitution ärztlicher Tätigkeit durch Nicht-Ärzte:
Diabetes Assistent:innen die die Insulineinstellung machen; Optiker:innen, die immer mehr übernehmen; der neue Psychotherapie-Studiengang; Impfungen in Apotheken; Physician Assistants (die teils die Aufnahmen machen); Community-Nurses....
die Liste lässt sich beinahe endlos fortsetzen...
Die Gefahr besteht schon, dass die Ärzte auf die Dauer mehr an den Rand gedrängt werden. Für uns bleiben dann die unliebsamen Aufgaben: 24h-Dienste etc....und natürlich tragen wir Ärzte weiterhin die *Verantwortung*, sprich das Haftungsrisiko für das, was die anderen Berufe dann so machen.
Nur um mit unseren Patienten zu reden und eine Arzt-Patienten-Beziehung aufzubauen, dazu fehlt uns dann die Zeit vor lauter Anträgen, die ärztlich unterschrieben werden müssen....
Ich habe durchaus Sorge dass es so oder so ähnlich kommen könnte....
Thomas24
14.06.2022, 23:49
Ich denke auch, dass wir als Ärzte ganz schön aufpassen müssen, ehrlich gesagt....
Der Personalmangel im Gesundheitswesen ist ein großes Problem,und wenn die Politiker gewählt werden wollen, dürfen sie nicht zulassen, dass er zu *offensichtlichen* Versorgungsengpässen führt...
Die Lösung: Substitution ärztlicher Tätigkeit durch Nicht-Ärzte:
Diabetes Assistent:innen die die Insulineinstellung machen; Optiker:innen, die immer mehr übernehmen
Kann für mein Fach diese Sorgen nicht teilen. Die Optikerschaft ist so extrem, ähm, heterogen in ihren Leistungen und Ausbildungsstand- da mach ich mir berufspolitisch so gar keine Sorgen und von der Versorgungsrealität erst recht nicht. Was man da teilweise zu sehen bekommt... eieiei. Es nützt nichts, sich teure apparative Diagnostik anzuschaffen. Man muss die Dinger auch bedienen und die Befunde interpretieren können und in einen sinnvollen Kontext setzen, sonst macht man lauter bunte Bildchen, kann damit nichts anfangen und drückt die Ausdrucke dem Patienten mit einem "gehen Sie mal zu einem Augenarzt und lassen sich das erklären" in die Hand.
Solange es keine qualitativ hochwertige Ausbildungsqualität und einen einheitlichen Zugangsweg zum beispielsweise Optometristen (= weitergebildete Optikermeister) und diese weder qualitativ, noch quantitativ auch nur Ansatzweise die Ballungsgebiete abdecken können, geschweige denn ganz Deutschland- bin ich da sehr entspannt.
Nefazodon
15.06.2022, 05:49
@Thomas24: Ja, aber das Problem ist doch, dass es kein vergleichendes Maß für die Qualität zwischen einer Behandlung durch einen schlechten Optiker, einen guten Optiker und einen guten oder schlechten Arzt gibt.
Das heißt den Leuten sind diese Qualitätsunterschiede nicht bewusst. Die gehen zu einer Stelle, die die Leistung anbietet und gut ist.
Das meinte ich in meinem Post damit, dass es das Ziel der Politik ist, *offensichtliche* Lücken zu kaschieren. Hauptsache, es gibt einen Termin, wie dann die Qualität ist ist sekundär.
Und ich glaube, dass sich unter dieser Prämisse das Gesundheitswesen im Zweifel sehr schnell ändern kann. Dann werden die Augenärzte plötzlich nicht mehr in der Handhabung der Geräte ausgebildet, weil es ja die Optiker machen...
sieht man ja in anderen Disziplinen im Krankenhaus schon daran, das Assistenten zum Beispiel nicht mehr Dopplern, sondern es dafür MFAs gibt.
---Und wenn es sich so entwickelt, bleibt den Ärzten hinterher die Aufgabe, bei den Patienten, die schlecht beraten wurden, die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Oder, schlimmstenfalls, Ärzte bieten nach 2 "Ausbildungsgenerationen" so etwas gar nicht mehr an und sind z.B von den Optkern/MFA/Whatever als Dienstleister abhängig...
Feuerblick
15.06.2022, 07:46
@Nefazodon: Dass ein Augenarzt die hübschen Geräte SELBST bedient, dürfte die Ausnahme sein. Ich kenne eine Menge Augenärzte, die nicht mal wüssten, wie man ein OCT/Autoref/NCT bedient oder wie man gute Aufnahmen bei der Fluoreszenzangiographie schießt. Das machen MFA und Co. und der Doc interpretiert, was er sieht. Nix sonst. Ergo: Alles das, was ein Optiker/Optometrist an apparativen Untersuchungen abnehmen könnte, könnte er selten genug vernünftig interpretieren, weil es dafür dann doch ein gerüttelt Maß an Fachwissen braucht. Ergo könnte er nicht mehr tun als die MFA. Er könnte nur das Geld einstreichen. Und ob es sich durchsetzt, dass der Optiker Geld einstreicht, zur Interpretation dann aber an den Augenarzt weiterleitet (der aus Kostengründen vermutlich die gleiche Untersuchung nochmal machen wird)… glaube ich nicht. ;-)
Thomas24
15.06.2022, 07:54
Natürlich können Patienten Behandlungsqualität nicht abschätzen, sondern sich anhand von Surrogatparametern (Nettigkeit, Termintreue, Service etc.) ein Bild machen.
Nur, wie gesagt, für mein Fachgebiet mach ich mir da absolut keine Sorgen- wir haben -gemessen an unserer kleinen Zahl- hochaktive Berufsverbände, die sofort tätig werden, wenn ein Optiker meint seine Kompetenzen überschreiten zu müssen und ärztliche Diagnostik anbietet (z.B. Tonometrie, Beurteilung Netzhaut nach Weitwinkelaufnahme etc.).
Aber mit den Berufsverbänden ist es generell, wie mit der sonstigen Interessenvertretung auch: wenn die Basis sich nicht um ihre Belange kümmert, dann ist der Berufsverband zahnlos.
Optiker, Optometristen, Visualtrainer etc. - da mache ich mir auf die nächsten Jahrzehnte keine Sorgen, dass die zu Heilberufen aufgewertet werden, geschweige denn in relevanter Zahl den Augenärzten Probleme bereiten. Einzig die EU könnte eine problematische Vorgabe machen, aber das sehe ich derzeit nicht.
Und ansonsten: siehe Funkels Beitrag. Es genügt nicht, schicke (teure) Bildchen zu schießen, wenn man die Ergebnisse mangels Fachkenntnissen nicht einordnen kann... Das machen Patienten nicht mit.
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