Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie viele Patienten pro Tag in der Praxis
Kinderarzt1987
07.06.2022, 15:30
Hallo zusammen,
ich habe eine Frage für die Kollegen, die in einer Praxis arbeiten. Ich arbeite in einer sehr vollen Kinderarztpraxis, was erst einmal gut ist, da ich auch viel lerne. Allerdings bin ich langsam doch etwas frustriert. Ich habe nur Akutsprechstunde, keine "normale" Sprechstunde, vielleicht 1 - 2 Vorsorgen in der Woche. Bei den Akuten soll es möglichst schnell gehen, es wird jeder angenommen, egal ob mit Termin oder ohne, so dass ich auch im Sommer gerne auf 40 - 70 Patienten am Tag komme und sie zu Peakzeiten im 3 Minutentakt abarbeite. Wie ist das bei euch - habt ihr ein ähnliches Aufkommen, sit das "normal" oder einfach ein Ausnutzen der Praxis?
VIele Grüße und danke für die Rückmeldungen!
Anne1970
07.06.2022, 15:53
Guten Tag, willkommen im Forum. Magst du uns noch beschreiben: bist du Fachärztin/Arzt oder in Weiterbildung? Welches WB-Jahr? Seit wann arbeitest du dort? Bist du angestellt oder eingestiegen?
Kinderarzt1987
07.06.2022, 16:02
Hi Anne, vielen Dank für deine Nachricht. Gerne, ich bin AA im letzten Weiterbildungsjahr, angestellt unter der IPAM Förderung und arbeite seit einem Jahr dort. :) Die Frage geht natürlich auch an Allgemeinmedizinische und andere ambulante Kollegen. Viele Grüße!
Wir haben im Terminkalender die Akutpatient:innen mit 7 min getaktet, davon schaffen wir viele in 3 min, aber einige eben auch mit 10 min. Sind 40-70 Patient:innen an einem ganzen Tag oder halben Tag?
Wir haben vormittags etwa 3 h Bestellsprechstunde (Us, Impfungen, Pricks,...) und 2 h Akutsprechstunde. Wir teilen es zeitlich, da wir keine verschiedenen Eingänge und kompletten Trennungen zwischen Kranken und Gesunden sonst haben. Wir arbeiten parallel mit dem Assistenzarzt, also machen dann auch beide Vorsorgen und dann zusammen die Akutsprechstunde. Er hat bei uns auch keine eigene Sprechstunde, sondern wir teilen uns die Patient:innen einfach auf, haben aber die Zeiten deutlich verkürzt und bekommen so mehr unter.
Für den Facharzt ist es vermutlich nicht mal so arg wichtig, die Us richtig gut zu können, aber für eine spätere Niederlassung schon. Zum niedergelassenen Kinderarzt gehört eben auch die gesamte Vorsorge und Entwicklungsdiagnostik. Das würde ich an deiner Stelle einfordern, auch dies gelehrt zu werden und auch so oft ausführen zu können, dass es sitzt. Es hat bei uns selbst und auch jetzt beim Assistenten lange gedauert, bis wir die Us nicht mehr durcheinander geworfen haben.
Theoretischer Arzt
07.06.2022, 21:32
Weiterbildung Allgemeinmedizin:
große allgemeinmedizinische Praxis, 3. WBJ. Zwei lange Tage und drei kurze Tage die Woche:
An den langen Tagen (7h reine Sprechzeit insgesamt) etwa 40 Patienten, enspricht ca. 11 min pro Patient.
Teilweise Termin- und Akutsprechstunde gemischt.
Kinderarzt1987
07.06.2022, 21:38
Hallo Anne, herzlichen Dank für deine Nachricht! 40 - 70 sind für einen 6,5 Stunden Block (9-15:30), wobei man fairerweise sagen muss es sind meist 40 - 50 (im Sommer), seltener geht es hoch auf 70 (im Winter schon eher). Klar, viele Akute schafft man auch mal in 3 Minuten, für manche mal 10. Es ist auch weniger das was mit irritiert beim Patienten selbst keine Zeit zu haben. Vielmehr dass man den ganzen Tag die Akutsprechstunde hat und kaum Luft man zwischen zwei Patienten für ein paar Minuten zu atmen. Ich bin mir auch nicht sicher ob 40 Patienten + jetzt viel oder wenig für einen Assistenten ist, daher hatte ich den Threat erstellt. :) Viele Grüße!
Kinderarzt1987
07.06.2022, 21:40
Vielen Dank für deinen Einblick Theoretischer Arzt!
DrSkywalker
08.06.2022, 10:40
Hallo Anne, herzlichen Dank für deine Nachricht! 40 - 70 sind für einen 6,5 Stunden Block (9-15:30), wobei man fairerweise sagen muss es sind meist 40 - 50 (im Sommer), seltener geht es hoch auf 70 (im Winter schon eher). Klar, viele Akute schafft man auch mal in 3 Minuten, für manche mal 10. Es ist auch weniger das was mit irritiert beim Patienten selbst keine Zeit zu haben. Vielmehr dass man den ganzen Tag die Akutsprechstunde hat und kaum Luft man zwischen zwei Patienten für ein paar Minuten zu atmen. Ich bin mir auch nicht sicher ob 40 Patienten + jetzt viel oder wenig für einen Assistenten ist, daher hatte ich den Threat erstellt. :) Viele Grüße!
In der Assistenzarzt Zeit finde ich das schon sehr viel verlangt.
Das spricht aber für dich dass du das leisten kannst. Wir hatten hier auch schon angestellte Ärztinnen die mit zwei Patienten pro Stunde überfordert waren bei einer reinen Terminsprechstunde.
Als Facharzt finde ich die Arbeitsbelastung normal, in der eigenen Praxis musst du es allerdings ja nicht so machen wenn es Dir nicht so liegt, da kann man ja freier gestalten.
Meine Erfahrung nach arbeiten manche eben in extrem hohen Tempo und andere eher gemütlich. Das wirkt sich dann am Ende auch auf den praxisgewinn aus. Wenn man mit etwas weniger Geld zurechtkommt muss man sich auch nicht so extrem stressen. Von unseren Weiterbildungsassistenten würde ich so etwas allerdings auf keinen Fall verlangen.
Kinderarzt1987
08.06.2022, 11:06
Vielen Dank Dr. Skywalker. :) Ja, absolut, und in der eigenen Praxis mit entsprechender Erfahrung werde ich sicherlich auch gewisses Tempo gehen, je nach Gewinnstreben. Als Assistent schlage ich halt gerne hier und da was nach, frage nach etc. Viele Kinder sind natürlich auch nur ein viraler Infekt der schnell zu machen ist, und ich bin im letzten WBJ, daher geht das. Trotzdem finde ich es etwas schade dass das "abfertigen" von Patienten so im Vordergrund steht.
Christoph_A
08.06.2022, 11:32
Wir sind ja ne kardiologische Praxis, daher ist der Aufwand pro Termin (Ultraschall bei jedem, ggf. Belastungs EKG/Schrittmacher-Kontrolle/Stressecho etc) höher als bei Allgemeinmedizinern. Wir fahren eine 15 Minuten Taktung, d.h. 4 Patienten pro Stunde plus noch einen Notfallslot pro Arzt und Stunde.
Die Weiterbildungsassistenten kriegen hier 2 Patienten die Stunde, da man naturgemäß mehr Zeit insbesondere für die Ultraschalluntersuchungen benötigt.
Kinderarzt1987
08.06.2022, 12:27
Vielen Dank für die Info Christoph!
Bin ebenfalls als Assistent in einer allgemeinmedizinischen Praxis. An den langen Tagen hab ich in der Regel irgendwas zwischen 50 und 70 PatientInnen, Rekord liegt bei 85.
Relaxometrie
08.06.2022, 16:26
@ die Allgemeinmediziner:
Wie schnell nach der elementaren Einarbeitung war es Euch möglich, einen relevanten Anteil der täglich zu Euch kommenden Patienten zügig abzuarbeiten, weil es jeweils Routinefälle waren? Wenn man viele Fragen hat oder erstmal nachlesen müsste, was genau zu tun ist, schafft man ja niemals 6-8 Patienten pro Stunde. Man hat ja nicht nur solche Standardfälle, wie z.B. "Ok, Ramipril wird vertragen, RR aber noch zu hoch ---> Dosis erhöhen", sondern auch mal Beratungen zur Patientenverfügung oder sonstige komplexere Fälle.
Kinderarzt1987
08.06.2022, 16:35
Vielen Dank für deinen Einblick Haffi!
Also an der Uni in der Spezialsprechstunde sieht man so 10-12 Patienten. Kann man aber glaub ich schlecht vergleichen.
In der Assistenzarzt Zeit finde ich das schon sehr viel verlangt.
Das spricht aber für dich dass du das leisten kannst. Wir hatten hier auch schon angestellte Ärztinnen die mit zwei Patienten pro Stunde überfordert waren bei einer reinen Terminsprechstunde.
Als Facharzt finde ich die Arbeitsbelastung normal, in der eigenen Praxis musst du es allerdings ja nicht so machen wenn es Dir nicht so liegt, da kann man ja freier gestalten.
Meine Erfahrung nach arbeiten manche eben in extrem hohen Tempo und andere eher gemütlich. Das wirkt sich dann am Ende auch auf den praxisgewinn aus. Wenn man mit etwas weniger Geld zurechtkommt muss man sich auch nicht so extrem stressen. Von unseren Weiterbildungsassistenten würde ich so etwas allerdings auf keinen Fall verlangen.
Perfekt zusammengefasst! Ja, es ist echt eine Leistung, dass du es als AA schaffst! Aber verlangen würde ich es auch nicht, insbesondere weil in der ambulanten Pädiatrie eben die Vorsorgen so ein wunderbares Gegenprogramm sind, bei denen man so viel gesunde Kinder sieht, die alles wieder wett machen, was man in der Akutsprechstunde teilweise an Federn lassen musste. Für die Langzeitzufriedenheit macht es genau das aus und das will ich ja auch von unserem Assistenten. Zufrieden arbeiten alle besser.
@ die Allgemeinmediziner:
Wie schnell nach der elementaren Einarbeitung war es Euch möglich, einen relevanten Anteil der täglich zu Euch kommenden Patienten zügig abzuarbeiten, weil es jeweils Routinefälle waren? Wenn man viele Fragen hat oder erstmal nachlesen müsste, was genau zu tun ist, schafft man ja niemals 6-8 Patienten pro Stunde. Man hat ja nicht nur solche Standardfälle, wie z.B. "Ok, Ramipril wird vertragen, RR aber noch zu hoch ---> Dosis erhöhen", sondern auch mal Beratungen zur Patientenverfügung oder sonstige komplexere Fälle.
Ich hab nach 1-2 Wochen quasi alles erstmal allein gemacht und frage nur noch bei spezifischen Dingen kurz nach- aber ich bin ja auch schon FÄ und hab Diensterfahrung. Trotzdem bin ich nicht so schnell, dass ich 3min pro Patient schaffe. In der Zeit hab ich vielleicht zugehört und Rückfragen gestellt und parallel dazu eingetippt... Getaktet ist hier 15min pro Patient, meist bin ich etwas schneller, dann aber auch wieder langsamer oder es wird jemand dazwischen geschoben oder ich hab mal wieder was falsch ausgedruckt, was ich ich korrigieren muss... Im Allgemeinen haben unsere MFAs da aber ein gutes Auge drauf und bestellen recht passend ein bzw. steuern nach. Wenn doch mal Leerlauf ist, weil jemand nicht gekommen ist oder wirklich nur sehr kurz bei mir war, erledige ich Rückrufe oder dokumentiere nach, was ich in der Eile vorher nur ungenau oder mit Tippfehlern geschrieben habe. Wieviele Patienten das am Tag sind, müsste ich mal zählen, aber bestimmt keine 40.
Leute, kommt in die Psychomedizin, in Ambulanzen geht es paradiesisch zu. Neuaufnahmen: eine Stunde Zeit. Einbestellte Pat.: eine halbe Stunde, zumeist sind sie schneller fertig. Oft kommen die Leute aber auch nicht, selten Notfälle, also 15 Pat. am Tag waren schon ziemlich viel. Das heisst, es ist viel Zeit zum Lesen, Filme gucken, was auch immer. Großzügige Mittagspause und Endlos-Teamsitzungen mit wenig Inhalt. Und das u. U. für >>130k.
Josephine
10.06.2022, 06:31
Interessant. Unsere PIA scheint ein wenig anders organisiert zu sein. Teamsitzungen gibt es max. 2 im Monat, sofern sie tatsächlich stattfinden. Neuaufnahme werde mit 45 Min. einbestellt, reguläre Kontakte 15 Min. Dadurch sieht man dann bei uns max. 18 Patienten am Tag. Dass die Leute oft nicht kommen, ist bei uns nicht der Fall, in der Regel erscheinen sie. In der restlichen Zeit wird der Papierkram erledigt (Doku, Atteste, Briefe, Anfragen MD/KK/Sozialgericht/DRV, Rezepte). Etliche Kollegen betreuen zusätzlich den Heimbereich auf dem Klinikgelände, zudem ein großes psychiatrisches Heim in der Umgebung, etliche Altenheim in den umliegenden Landkreisen und machen Hausbesuche. Gehalt ist ganz normales Tarifgehalt TV/Ärzte VKA.
Klar ist das in München so, aber nicht in der Provinz.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.