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D.Hollywood
16.07.2022, 09:50
[truba][;2237781']Merkt man in Berlin zumindest auch des Öfteren an Einweisungen ala „Ödeme - Herzinsuffizienz DD nephrotisches Syndrom DD lymhödem DD Thrombose DD ??“ und ähnlichem

Passiert eben wenn das, was Skywalker ansprach, mehr zur Regel als zur Ausnahme wird.

Kann ich mir gut vorstellen. Liegt aber auch an der klinischen Ausbildung zum Sekretär anstelle Arzt. Weiterbildung Innere auf dem Papier sieht in Realität eh ganz anders aus. Die beginnt dann mal so nach dem Facharzt. Überspitzt aber kommt hin

Ist aber echt zum fremd schämen wenn man keine Thrombose abklären kann oder ne dekomp. Herzinsuffizienz oder ne Pneumonie klinisch feststellen. Das liegt an den Leuten selbst einerseits, aber auch an der „Ausbildung“.

Haffi
16.07.2022, 11:15
Letztlich kommen diese "mindestens 3 Jahre"-Posts doch immer von den gleichen drei Leuten hier im Forum.

Die Bundesärztekammer hat zum Glück und nicht ohne Grund erkannt, dass Allgemeinmedizin bei weitem mehr erfordert als nochmal zwei Jahre länger den Stationssekretär zu geben. Wenn wir ehrlich sind, ist in 95 Prozent der ausbildenden Häuser mehr als das auch im zweiten und dritten Jahr internistischer Ausbildung nicht mehr drin. Die Rotation auf Intensiv, die ja laut mancher wirklich existenziell für den hausärztlichen Alltag zu sein scheint, gibt es in den meisten Häusern ebenfalls schon nach wenigen Wochen gratis dazu damit man den Laden auch wirklich nach spätestens zwei Monaten im Dienst alleine schmeißen kann.

Ich kann nur dringend empfehlen, die eigene allgemeinmedizinische Ausbildung möglichst breit zu fächern. Sehe genug hausärztlich tätige Internisten, die mit der einfachsten Wundversorgung überfordert sind und für Knieschmerzen oder eine einfache Acne kein probateres Mittel als den Überweisungsblock kennen.

Bonnerin
16.07.2022, 11:59
Ich bin ganz offen - ich z.B. habe ein Problem mit "Innere".
Das Fach und ein Großteil seiner Hintergründe finde ich spannend. Man hat beim Lernen für das M2 wirklich viele interessante Krankheitsbilder kennen gelernt. Aber es war auch mit Abstand das schlimmste Blockpraktikum und das PJ-Tertial, wo ich jeden Tag gezählt habe.
Mir liegt die Art des Arbeitens in der Inneren halt einfach nicht - und ich denke, es gibt viele Kolleg:innen, die das ähnlich sehen.

Ein Bekannter macht Allgemeinmedizin (in Nordrhein). Seine Rotation durch den stationären Bereich war wie folgt: 6 Monate Anästhesie (war initial das Fach, das er machen wollte), ein Jahr Chirurgie, 6 Monate Uro, 1 Jahr Innere (mittleres Haus mit ganz kleiner ICU, nur 2 Beatmungsplätze). Und dann kommen ab Ende des Jahres eben 2 Jahre Allgemeinmedizin in der Praxis. Ich würde sagen, das ist ein gutes, breites Spektrum. Man merkte aber deutlich, dass er das "chirurgische" Arbeitsfeeling in der Klinik lieber mochte als das klassische "internistische".
Vielleicht ist der Punkt, die Leute wollen schnell aus der Klinik raus nicht unbedingt zu 100% passend. Viele wollen einfach aus der stationären Inneren raus, weil sie keinen Bock auf Blutabnehmen + Briefeschreiben haben. Ambulanzrotation finden ja viele tatsächlich viele gut...

Arrhythmie
16.07.2022, 13:40
Diese Frage kann dir hier niemand beantworten, da musst du dich direkt an den Weiterbilder wenden. Wenn du Glück hast, gibt die Ärztekammer Antwort, aber mittlerweile schalten die auch auf stumm wegen „Datenschutz. Keine Info dürften sie geben“.

Ich meinte damit die Arbeit an sich.
Die Initiale Frage ist seit Seite 1 beantwortet…

Fr.Pelz
19.07.2022, 12:44
Hallo Arrhythmie, ich habe tatsächlich die geforderten Innere-Monate in einer Reha-Klinik absolviert. Bei mir war es aber so, dass ich den FA Allgemeinchirurgie gerade in der Tasche hatte und mir als Quereinsteigerin von der ÄK nur 6 Monate Innere aufgetragen wurden. So hundertprozentig hatte ich mich noch nicht festgelegt, als ich in die Reha ging, es war nämlich eine gute onkologische Reha-Klinik und da mir in der Chirurgie dieArbeit mit den onkol.Patienten am Herzen lag, hätte ich mir auch vorstellen können, dahin abzubiegen. Ich habe dann 9 Monate dort gemacht, dann hat es sich ergeben, dass mich auf der WB-Börse Allgemeinmedizin jemand Nettes angequatscht hat, der jetzt mein Weiterbilder ist :-D

In der Reha hab ich tatsächlich mehr Sozialmedizin als Innere gelernt und weil ich in der Gyn-Onko-Abteilung eingeteilt war, auch einiges über Gyn. Es war aber tatsächlich auch etwas langweilig, weil ich halt vorher auch Akutmedizin in einem großen Haus gemacht habe. Da ist jetzt in der Praxis deutlich mehr los. Bei weiteren Fragen kannst du mich gern anschreiben.

Holthusen
20.07.2022, 00:27
Bitte Leute, die Allgemeinmedizin ist kein Auffangbecken für Leute die nicht in der Lage sind mal ein bisschen den Arsch zusammen zu kneifen und was zu leisten.


Ich will nicht widersprechen, ABER viele finden ihren Weg zur Allgemeinmedizin nachdem sie gemerkt haben in Fach XY (Innere, Chirurgie, Urologie, Neurochirurgie uvm. ) möchte ich a) weder die Weiterbildung (die meist komplett im KH läuft) machen und b) auch nicht als Facharzt in Fach XY arbeiten. Übrigens ein Grund (neben dem Quereinsteigertum), warum der deutsche FA Allgemeinmedizin nicht in anderen europäische Ländern als gleichwertig anerkannt wird.


[truba][;2237781']Merkt man in Berlin zumindest auch des Öfteren an Einweisungen ala „Ödeme - Herzinsuffizienz DD nephrotisches Syndrom DD lymhödem DD Thrombose DD ??“ und ähnlichem


Wenig erfreulich sowas, aber leider wahrscheinlich überall Alltag. Ambulant natürlich nix gemacht, "einfach" eingewiesen.

In meiner Inneren Zeit waren das teilweise auch noch "Allgemeinmediziner" mit der Bezeichnung "Praktischer Arzt", die es aus gutem Grund nicht mehr gibt. Oder etwas ältere Herrschaften , die das "schon immer so " gemacht haben. Nach einer Weile in der Inneren merkte man auch, welcher Hausarzt engagiert war und welcher "eher schnell eingewiesen hat" ohne Aussicht auf Besserung.

Problem ist und war auch schon damals die fehlende Sanktionierung. Die KV könnte (als Vorschlag) bei solchen Fehlern einfach Umsatz prozentual streichen.

Nilani
20.07.2022, 06:55
Kann jemand eigentlich noch was sinnvolles zur Arbeit in der Reha beitragen? Das wär evtl noch interessant

Ich bin in einer rheumatologisch-orthopädischen Rehaklinik, vorher zwar nur Ortho, aber dort gab es auch Abteilungen für Innere und Neuro. Hab hier die letzten 6 Monate Innere Medizin und 2 Jahre Reha für den Reha-FA absolviert.
Reha ist verdammt viel Schreibkram und Bürokratie und, wie Bonnerin schon sagte, viel Sozialmedizin. Positiv finde ich, man hat meist mehr Zeit für die Pat. (ich lasse mir 1h für Aufnahmen). Die 1. Klinik war relativ langweilig, selbst Labor wurde extern verschickt, in der Ortho lief nix nebenher. Die Internisten haben dort aber zumindest Ergos, LZ-EKG und LZ-RR gemacht und ich glaube auch Echos. Hier machen wir einiges an Funktionsdiagnostik (eigenes Labor und Rö, LZ-RR, Ergometrie, Sono) und daher ist es schon deutlich angenehmer. Hab vor, im Verlauf aber noch in die ambulante Versorgung zu wechseln, weil es doch recht ruhig ist.

Markian
20.07.2022, 07:39
Ich bin ganz offen - ich z.B. habe ein Problem mit "Innere".
Das Fach und ein Großteil seiner Hintergründe finde ich spannend. Man hat beim Lernen für das M2 wirklich viele interessante Krankheitsbilder kennen gelernt. Aber es war auch mit Abstand das schlimmste Blockpraktikum und das PJ-Tertial, wo ich jeden Tag gezählt habe.
Mir liegt die Art des Arbeitens in der Inneren halt einfach nicht - und ich denke, es gibt viele Kolleg:innen, die das ähnlich sehen.

Ein Bekannter macht Allgemeinmedizin (in Nordrhein). Seine Rotation durch den stationären Bereich war wie folgt: 6 Monate Anästhesie (war initial das Fach, das er machen wollte), ein Jahr Chirurgie, 6 Monate Uro, 1 Jahr Innere (mittleres Haus mit ganz kleiner ICU, nur 2 Beatmungsplätze). Und dann kommen ab Ende des Jahres eben 2 Jahre Allgemeinmedizin in der Praxis. Ich würde sagen, das ist ein gutes, breites Spektrum. Man merkte aber deutlich, dass er das "chirurgische" Arbeitsfeeling in der Klinik lieber mochte als das klassische "internistische".
Vielleicht ist der Punkt, die Leute wollen schnell aus der Klinik raus nicht unbedingt zu 100% passend. Viele wollen einfach aus der stationären Inneren raus, weil sie keinen Bock auf Blutabnehmen + Briefeschreiben haben. Ambulanzrotation finden ja viele tatsächlich viele gut...

Ehrlicherweise ist das doch fast die optimale Vorbereitung auf den FA Allgemeinmedizin. Es gibt ja die Verbundweiterbildungen direkt zu Beginn gewisse Rotationen eingeplant sind. Das finde ich persönlich nur sinnig. Ich arbeite momentan in der Gastro und ich denke, wenn man den FA Allgemeinmedizin machen will, dann sind mehr als 2 Jahre irgendwie nicht so sinnig. Die Rotationen in die Endoskopie oder auch auf die ITS kann man sich in meinen Augen für das alltägliche Arbeiten eigentlich sparen. Da macht es doch mehr Sinn mal bisschen in die Urologie, bisschen in die HNO zu schnuppern. Einfach, dass man ein Gefühl bekommt.

Ich bleibe aber bei der Meinung, dass 1 Jahr Akut-Innere schon gerechtfertigt ist und man das nicht auf Reha "verbummeln" sollte. Klar gibt es auch solche und solche Reha-Kliniken. Obwohl die Zeit bisher in vielen Abschnitten richtig beschissen war, will ich die Erfahrung nicht missen.

Jan1705
20.07.2022, 07:59
Meine Erfahrung (als angestellter FA Innere-Kardio) mit der WB war, dass es weniger auf das "Haustürschild" der WB-Stätte ankam sondern eher auf das Miteinander im Team und das Engagement einzelner für die Weiterbildung...

Nefazodon
20.07.2022, 09:57
Merkt man in Berlin zumindest auch des Öfteren an Einweisungen ala „Ödeme - Herzinsuffizienz DD nephrotisches Syndrom DD lymhödem DD Thrombose DD ??“ und ähnlichem
Wenig erfreulich sowas, aber leider wahrscheinlich überall Alltag. Ambulant natürlich nix gemacht, "einfach" eingewiesen.

In meiner Inneren Zeit waren das teilweise auch noch "Allgemeinmediziner" mit der Bezeichnung "Praktischer Arzt", die es aus gutem Grund nicht mehr gibt. Oder etwas ältere Herrschaften , die das "schon immer so " gemacht haben. Nach einer Weile in der Inneren merkte man auch, welcher Hausarzt engagiert war und welcher "eher schnell eingewiesen hat" ohne Aussicht auf Besserung.

Problem ist und war auch schon damals die fehlende Sanktionierung. Die KV könnte (als Vorschlag) bei solchen Fehlern einfach Umsatz prozentual streichen.

Und wer entscheidet dann darüber, ob eine Einweisung ein Fehler ist oder nicht??!
Am Ende entscheidet dann ein Verwaltungsmitarbeiter der Krankenkasse, der den Patienten nie gesehen hat, ob es richtig war ihn einzuweisen?
Oder die Kassen nutzen das ganze für *ähm* pauschale Kürzungen?

Nein, ich halte das für keine gute Idee....

Ich will jetzt eigentlich auch nicht jene undifferenzierten Einweisungen verteidigen, die wir wohl alle kennen, ich möchte aber doch zwei Dinge zu bedenken geben:
Erstens sind die Möglichkeiten in der Praxis in manchen Punkten begrenzter als im Krankenhaus, vor allem was gebündelte Diagnostik angeht,
und Zweitens hat zumindest mir ein einweisender Kollege, mit dem ich Rücksprache gehalten habe, gesagt, dass er den Text auf den Einweisungen absichtlich offen hält, bzw. bestimmte Diagnosen stellt, damit die Einweisung hinterher nicht aus formalen Gründen abgelehnt wird. Keine Ahnung, ob sowas tatsächlich passieren kann/passiert, aber das ist, was der Kollege erzählt hat.

Ich finde, bei aller Kritik darf man auch nie die andere Seite vergessen. Was macht man denn als Niedergelassener und Einzelkämpfer, wenn man in einem bestimmten Fall nicht weiter kommt, oder das Gefühl hat, dass dieser das eigene Wissen übersteigt? Einfach Rücksprache wie im Krankenhaus kann man ja nicht halten....
ich könnte mir denken, dass viele Einweisungen auch deshalb passieren. Von den Faktoren der zeitlichen Verfügbarkeit von Untersuchungen und ggf. auch Patientenwunsch (nach Einweisung) mal abgesehen.

Im Krankenhaus unterliegt man sicher auch einem gewissen Selektionsbias. Man sieht nur die -ggf. *komischen*- Einweisungen der Kollegen. Die 10 Patienten, die auf diese eine Einweisung kommen, die in der Praxis gut betreut werden, sieht man nicht.

Holthusen
20.07.2022, 10:40
Und wer entscheidet dann darüber, ob eine Einweisung ein Fehler ist oder nicht??!
Am Ende entscheidet dann ein Verwaltungsmitarbeiter der Krankenkasse, der den Patienten nie gesehen hat, ob es richtig war ihn einzuweisen?
Oder die Kassen nutzen das ganze für *ähm* pauschale Kürzungen?


Ähhh...so geht's leider nicht, finde ich. Da hängt unser aller Geld der Beitragszahler dran. Um wieviel sollen denn noch Beiträge erhöht werden? Am Ende müsste es eine Institution (das muss kein Verwaltungsmitarbeiter der KK sein) geben, die darüber entscheidet und da ist sicherlich manchmal noch Luft mehr Sachen im ambulanten Bereich zu machen oder die Einweisung ist komplett falsch und der Pat. brauch einen Platz in der Psychiatrie. Wie das dann läuft (z.b. Abzug von den KV Einnahmen des Hausarztes oder Kürzung des stationären Aufenthalts) ist ein anderes Thema.



Nein, ich halte das für keine gute Idee....


Das sehe ich anders. Unnötige stationäre Aufnahmen oder Fehlbelegungen (z.B. ein Patient, der mit stabiler Erkrankung einen Platz in der Psychiatrie braucht, aber in der Inneren landet) sind doch eine Sache, wo sich relativ alle einig sind, dass man sie sich sparen kann.



Ich will jetzt eigentlich auch nicht jene undifferenzierten Einweisungen verteidigen, die wir wohl alle kennen, ich möchte aber doch zwei Dinge zu bedenken geben:
(...)
Ich finde, bei aller Kritik darf man auch nie die andere Seite vergessen. Was macht man denn als Niedergelassener und Einzelkämpfer, wenn man in einem bestimmten Fall nicht weiter kommt, oder das Gefühl hat, dass dieser das eigene Wissen übersteigt? Einfach Rücksprache wie im Krankenhaus kann man ja nicht halten....

Im Krankenhaus unterliegt man sicher auch einem gewissen Selektionsbias. Man sieht nur die -ggf. *komischen*- Einweisungen der Kollegen. Die 10 Patienten, die auf diese eine Einweisung kommen, die in der Praxis gut betreut werden, sieht man nicht.


Das wäre ja das andere Extrem. Niemanden mehr einweisen, auch grenzwertige Fälle nicht. So soll's natürlich nicht sein. Bei unserem Krankenhäusern halten wir durchaus vor einer Einweisung Rücksprache mit dem Oberarzt der Abteilung. So kann also auch Zusammenarbeit Ambulant und Stationärer Bereich laufen. Abgelehnt haben die übrigens bisher niemand.
Ich würde nicht sagen, dass die Mehrzahl der Einweisungen "komisch" sind. Bei der überwiegenden Mehrzahl ist die Einweisung durchaus gerechtfertigt. Die *komischen* Einweisungen bleiben aber besonders im Gedächtnis.




Ich bleibe aber bei der Meinung, dass 1 Jahr Akut-Innere schon gerechtfertigt ist und man das nicht auf Reha "verbummeln" sollte. Klar gibt es auch solche und solche Reha-Kliniken. Obwohl die Zeit bisher in vielen Abschnitten richtig beschissen war, will ich die Erfahrung nicht missen.

Das sehe ich auch so. Die Ausbildung Allgemeinmedizin müsste echt nochmal entschlakt und reformiert werden, so dass der Allgemeinmediziner danach auf einer breiten Basis mit klinischer Erfahrung (auch mit Akutsituationen) aufgestellt ist.

Nefazodon
20.07.2022, 11:00
Ähhh...so geht's leider nicht, finde ich. Da hängt unser aller Geld der Beitragszahler dran. Um wieviel sollen denn noch Beiträge erhöht werden? Am Ende müsste es eine Institution (das muss kein Verwaltungsmitarbeiter der KK sein) geben, die darüber entscheidet und da ist sicherlich manchmal noch Luft mehr Sachen im ambulanten Bereich zu machen oder die Einweisung ist komplett falsch und der Pat. brauch einen Platz in der Psychiatrie. Wie das dann läuft (z.b. Abzug von den KV Einnahmen des Hausarztes oder Kürzung des stationären Aufenthalts) ist ein anderes Thema.

Die Finanzierung des Gesundheitswesens ist, wie wir alle wissen, ein schwieriges Thema.
Sicher gibt es auch viele unnötige Untersuchungen und Doppeldiagnostik, was aber glaube ich nur zum Teil mit der Einweisungspolitik der Niedergelassenen zu tun hat, sondern oft auch mit mangelnder Kommunikation zwischen den Sektoren der Versorgung.



Das sehe ich anders. Unnötige stationäre Aufnahmen oder Fehlbelegungen (z.B. ein Patient, der mit stabiler Erkrankung einen Platz in der Psychiatrie braucht, aber in der Inneren landet) sind doch eine Sache, wo sich relativ alle einig sind, dass man sie sich sparen kann.

Aber es gibt ja durchaus auch die Möglichkeit eine Aufnahme abzulehnen. Einen Automatismus der zur Aufnahme führt, nur weil der Patient eine Einweisung hat gibt es nicht.
Das gilt insbesondere auch für den Fall einer so krassen Fehlbelegung, wie Du sie oben schilderst.
Aber kannst Du wirklich immer innerhalb von ein paar Minuten entscheiden, dass der Patient eigentlich in die Psychiatrie gehört? Ich halte das für falsch. Außerdem gilt gerade auch in solchen Fällen, dass eigentlich jeder Patient das Recht hat, dass seine somatischen Beschwerden ernst genommen werden und wenigstens einmal gründlich abgeklärt werden.

Nefazodon
20.07.2022, 11:33
Ähhh...so geht's leider nicht, finde ich. Da hängt unser aller Geld der Beitragszahler dran.

Nachtrag: Ich glaube übrigens nicht, dass das meiste Geld im Gesundheitswesen durch Einweisungen oder Diagnostik verloren geht, bzw. dort die Kosten entstehen.

Die meisten Kosten entstehen durch teure, neue Medikamente (Antikörper) und durch unnötige Eingriffe (Hüft-OP etc...).
Die Frage ist aber auch da: ab wann ist der Zusatznutzen durch ein Medikament/eine OP zu gering? Wo hört sinnvolle Abwägung auf und wo fängt Rationierung an?



Die Ausbildung Allgemeinmedizin müsste echt nochmal entschlakt und reformiert werden, so dass der Allgemeinmediziner danach auf einer breiten Basis mit klinischer Erfahrung (auch mit Akutsituationen) aufgestellt ist.

Was die Ausbildung in der Allgemeinmedizin angeht:
Auch das ist halt nicht so einfach. Wer entscheidet, welche Abschnitte sinnvoll sind und warum?
Dass mindestens ein Jahr internistische Akutversorgung sinnvoll ist, da stimme ich zu. Aber wäre der Wissenszuwachs im zweiten internistischen Jahr wirklich so groß, dass das eine längere Pflichtzeit rechtfertigen würde? Erfahrungsgemäß flacht die Lernkurve nach einiger Zeit doch stark ab....
Sodass ich den Nutzen einer *pauschalen* Verpflichtung länger internistisch zu arbeiten, doch zur Disposition stellen möchte.

Außerdem spielt hier auch wieder mit rein, dass wir schon jetzt ein Versorgungsproblem haben. Wir habenn zu wenig Hausärzte. Das ist unter anderem auch der Grund für Regelungen zum Quereinstieg, die teils relativ locker sind.
Klar könnte man die Qualität steigern, in dem man mehr Pflichtinhalte und mehr Zeiten vorschreibt...aber...können wir uns das leisten?!
Ich gebe zu bedenken, dass andernorts in den Medien aufgrund des (Haus)ärztemangels schon Gesundheitskioske (siehe meinen Post im Breaking News Thread) und Community Nurses diskutiert werden.

Arrhythmie
20.07.2022, 12:30
Hallo Arrhythmie, ich habe tatsächlich die geforderten Innere-Monate in einer Reha-Klinik absolviert. Bei mir war es aber so, dass ich den FA Allgemeinchirurgie gerade in der Tasche hatte und mir als Quereinsteigerin von der ÄK nur 6 Monate Innere aufgetragen wurden. So hundertprozentig hatte ich mich noch nicht festgelegt, als ich in die Reha ging, es war nämlich eine gute onkologische Reha-Klinik und da mir in der Chirurgie dieArbeit mit den onkol.Patienten am Herzen lag, hätte ich mir auch vorstellen können, dahin abzubiegen. Ich habe dann 9 Monate dort gemacht, dann hat es sich ergeben, dass mich auf der WB-Börse Allgemeinmedizin jemand Nettes angequatscht hat, der jetzt mein Weiterbilder ist :-D

In der Reha hab ich tatsächlich mehr Sozialmedizin als Innere gelernt und weil ich in der Gyn-Onko-Abteilung eingeteilt war, auch einiges über Gyn. Es war aber tatsächlich auch etwas langweilig, weil ich halt vorher auch Akutmedizin in einem großen Haus gemacht habe. Da ist jetzt in der Praxis deutlich mehr los. Bei weiteren Fragen kannst du mich gern anschreiben.

Danke für den Erfahrungsbericht!
Werde evtl auf Dich zurückkommen, (dann per PN).

Arrhythmie
20.07.2022, 12:32
Ich bin in einer rheumatologisch-orthopädischen Rehaklinik, vorher zwar nur Ortho, aber dort gab es auch Abteilungen für Innere und Neuro. Hab hier die letzten 6 Monate Innere Medizin und 2 Jahre Reha für den Reha-FA absolviert.
Reha ist verdammt viel Schreibkram und Bürokratie und, wie Bonnerin schon sagte, viel Sozialmedizin. Positiv finde ich, man hat meist mehr Zeit für die Pat. (ich lasse mir 1h für Aufnahmen). Die 1. Klinik war relativ langweilig, selbst Labor wurde extern verschickt, in der Ortho lief nix nebenher. Die Internisten haben dort aber zumindest Ergos, LZ-EKG und LZ-RR gemacht und ich glaube auch Echos. Hier machen wir einiges an Funktionsdiagnostik (eigenes Labor und Rö, LZ-RR, Ergometrie, Sono) und daher ist es schon deutlich angenehmer. Hab vor, im Verlauf aber noch in die ambulante Versorgung zu wechseln, weil es doch recht ruhig ist.


Danke auch für Deinen Bericht. In meinem Fach hab ich das aktuell auch (viel Bürokratie), ich organisiere aber tatsächlich im Großen und Ganzen gerne.

Holthusen
20.07.2022, 13:10
Nachtrag: Ich glaube übrigens nicht, dass das meiste Geld im Gesundheitswesen durch Einweisungen oder Diagnostik verloren geht, bzw. dort die Kosten entstehen.D


Das stimmt, aber trotzdem sollte man fehlerhafte Einweisungen nicht unterstützen, sondern konsequent sanktionieren.
In dem Fall war es so, dass ein Patient mit der Einweisung kam zum Entzug bei stabiler Suchterkrankung und zwar irgendwann abends, wenn der OA nur telefonisch zu erreichen ist. Der Berufsanfänger hat den Patient dann einfach aufgenommen in der Inneren. Da es kein "Notfall" war, sondern eine bekannte stabile Erkrankung, hat er keine Rücksprache gehalten. Am nächsten Tag hatte er nach 1-2 Telefonaten dann ein Bett in einer Psychiatrie mit Suchtabteilung. Wegen der Abrechnung muss er natürlich 24h bleiben.
Es gibt aber noch mehr solcher Fälle, die wir jetzt nicht alle ausdiskutieren können. Wie gesagt, es ist ja nicht die Mehrzahl der Patienten eine Fehlbelegung. Das ist im unteren einstelligen Prozentbereich.



Was die Ausbildung in der Allgemeinmedizin angeht:
Auch das ist halt nicht so einfach. Wer entscheidet, welche Abschnitte sinnvoll sind und warum?
Dass mindestens ein Jahr internistische Akutversorgung sinnvoll ist, da stimme ich zu. (...)

Außerdem spielt hier auch wieder mit rein, dass wir schon jetzt ein Versorgungsproblem haben. Wir habenn zu wenig Hausärzte. (...) .können wir uns das leisten?!


Das Curriculum legt letztendlich die ÄK fest. Und da wäre es besser feste Rotationen zu haben und Prüfungen zwischendurch. So ein Verbund Allgemeinmedizin ist doch schon die richtige Richtung. Dann müsste man das Fach Allgemeinmedizin weitaus beliebter und attraktiver machen.
Die Qualität der Ausbildung in der Allgemeinmedizin runterschrauben, nur weil es Mangel gibt, halte ich nicht für sinnvoll. Ja diese Qualität können wir uns leisten meiner Ansicht nach.

escitalopram
20.07.2022, 16:06
Bitte Leute, die Allgemeinmedizin ist kein Auffangbecken für Leute die nicht in der Lage sind mal ein bisschen den Arsch zusammen zu kneifen und was zu leisten.

Nach dem Studium mal zwei, drei Jahre in der Klinik richtig was schaffen hilft wirklich sehr um seine Kompetenzen zu erweitern und auch für die Persönlichkeitsbildung ist das ganze nicht schlecht.

Ich bin echt genervt dass jeder der irgendwie nicht weiß was er machen will meint Allgemeinmedizin wäre die bequeme Lösung.

Ich als Nicht-HA bin immer wieder erstaunt, wie viele angehende HÄ möglichst wenige stationäre Innere machen möchten... Und sehe das so wie du.


[truba][;2237781']Merkt man in Berlin zumindest auch des Öfteren an Einweisungen ala „Ödeme - Herzinsuffizienz DD nephrotisches Syndrom DD lymhödem DD Thrombose DD ??“ und ähnlichem

Passiert eben wenn das, was Skywalker ansprach, mehr zur Regel als zur Ausnahme wird.

Kann ich aus der Augenheilkunde (okay, nicht das klassische Fach, mit dem sich HÄ auskennen sollten) und Derma bestätigen.

DrSkywalker
21.07.2022, 05:36
Ich als Nicht-HA bin immer wieder erstaunt, wie viele angehende HÄ möglichst wenige stationäre Innere machen möchten... Und sehe das so wie du.


Ich bin ja wirklich froh dass hier doch einige meine Meinung teilen. Die Empörung hat mich aber auch nicht gewundert, war ja klar.

Ich würde niemanden einstellen, der kaum innere gemacht hat. Und Rehaklinik unterscheidet sich auch deutlich von einer akut-inneren. Nur Reha reicht mmn nicht aus. Mindestens 6 Monate internistische Notaufnahme sollte Pflicht werde, besser ein Jahr.

Markian
22.07.2022, 07:54
Ich bin ja wirklich froh dass hier doch einige meine Meinung teilen. Die Empörung hat mich aber auch nicht gewundert, war ja klar.

Ich würde niemanden einstellen, der kaum innere gemacht hat. Und Rehaklinik unterscheidet sich auch deutlich von einer akut-inneren. Nur Reha reicht mmn nicht aus. Mindestens 6 Monate internistische Notaufnahme sollte Pflicht werde, besser ein Jahr.

Ich kann es bei den Arbeitsbedingungen in der Inneren schon verstehen, warum viele eben nicht > 1 Jahr dort bleiben wollen. Dass es sinnvoll ist, da gebe ich dir recht. Aber man muss sich auch nicht komplett verbrauchen lassen, wenn man das eben nicht möchte.

Minga30
22.07.2022, 09:26
Naja und es kommt ja eben doch auch auf das Haus an in dem ich arbeite. Falls dort nämlich die Weiterbildung nicht statt findet (wie an vielen Häusern leider der Fall ist). Bring es mir doch einfach auch nicht so viel ?