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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Problem mit "verhaltensorigineller" Kollegin



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Collie93
15.08.2022, 10:30
Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich wende mich an euch mit einem etwas kuriosem Problem. Ich bin Weiterbildungsassistentin im 2. WBJ in einer kleinen Inneren. Seit einem halben Jahr haben wir eine neue Kollegin - Ende 40, deutsch, keine Fachärztin, fachlich soweit ich beurteilen kann fehlerfrei.
Das Problem an der Frau: Ihr Verhalten gegenüber Kolleg:innen ist zum Teil kurios, zum Teil dreist, zum Teil furchteinflößend.
Sie ist uns, abgesehen von der Erfahrung als Altassistentin, nicht übergeordnet, benimmt sich aber, als wäre sie Chefärztin.
Sie fordert Mitarbeiter:innengespräche ein, die sehr kurios verlaufen. Sie platzt bei dir mitten in die Arbeit rein und fordert dich auf, jetzt und sofort zu einem Gespräch mitzukommen. Da sagt sie dir dann, dass sie jetzt endlich Leistung sehen will und nicht länger "ihre schützende Hand" über dich halten kann.
Einem jungen Kollegen hat sie in ihrem Frei den ganzen Tag mit einem Klemmbrett unterm Arm bei der Arbeit beobachtet ohne irgendeine Form von Feedback zu geben.
Sie schnüffelt in unseren Briefen um uns dann wegen banalster Rechtschreibfehler in der Morgenbesprechung vor versammeltem Team bloßzustellen. Der Chef rollt dann immer nur mit den Augen und sagt "Ja, wir müssen zusammen wieder mehr auf Qualität achten."
Wenn sie im Ärzt:innenzimmer anwesend ist, sind jegliche Privatgespräche verboten.
Eine Kollegin hatte eine neue Brille, die ihr scheinbar nicht gefiel. Sie machte dann eine Woche lang einen Aufstand und sprach ungefragt jeden darauf an, dass eine solche Brille unprofessionell wirke und man bitte auf Arbeit ein dezentes Modell tragen sollte. Das gipfelte in einer E-Mail an den Chef, der wieder nur diplomatisch sagte "Wir achten selbstverständlich alle auf ein professionelles Auftreten, da sehe ich momentan aber keine Probleme."
Der Höhepunkt, wo wir als Team jetzt Handlungsbedarf sehen, war letzte Woche. Wir waren mit einer kleinen Gruppe in der Spätvorstellung im Kino, was sie irgendwie mitbekam. In der Morgenbesprechung bat sie dann um das Wort und warf uns sehr deutlich vor, dass dies nicht gehe, mit nur x Stunden Ruhezeit kann man nicht auf Arbeit kommen, das ist patientenschädigendes Verhalten. Es gab dann einen sehr lauten Streit und wir sagten deutlich, dass dies ein unzumutbarer Eingriff in unsere Privatsphäre ist, der sie nichts angeht. Der Chef hat die Diskussion dann aber ohne weiteres unterbrochen.
Leider ist es so, dass sie in der Führungsetage beliebt ist, da sie sehr viele Dienste macht, selbstständig arbeitet und (vermutlich) sehr viel nach oben weiterträgt. Eine Oberärztin rollt bei ihr selbst nur mit den Augen, meint aber, dass sie für den Dienstplan sehr wichtig sei. Der andere Oberarzt sieht kein Problem und meint nur, dass wir unseren "Zickenkrieg" unter uns klären sollen. Beim Chef ist sie der absolute Liebling, da kommen wir nicht bei.
Natürlich haben wir sie schon persönlich mit ihrem Verhalten konfrontiert und sie gebeten, derartige Dinge zu unterlassen, hier kamen jedoch immer sofort Gegenvorwürfe: Wir sind diejenigen, die uns doch falsch verhalten und sie müsse auf uns aufpassen und wir machen aus dem Opfer die Täterin.
Unser Hauptproblem ist, dass uns ihr Verhalten gar nicht einmal so stört, da kann man vielleicht darüber hinwegsehen und sich heimlich ein bisschen darüber amüsieren, aber es macht uns Angst. Wir fühlen uns ständig kontrolliert und verfolgt und wir haben keine Ahnung, in was sie ihre Nase alles reinsteckt.
Leider ist im Kolleg:innenkreis der Zusammenhalt nicht so groß (v.a. aufgrund vieler Kolleg:innen mit ausländischen Wurzeln und prekären Arbeitsverträgen), letztendlich sind wir momentan zu dritt.

Das war jetzt leider sehr lange - aber vielleicht weiß jemand eine Strategie, wie man damit umgehen kann.

Kackbratze
15.08.2022, 10:55
Erst schreibst Du den Liebesbrief, dann im vorletzten Absatz "Unser Hauptproblem ist, dass uns ihr Verhalten gar nicht einmal so stört, da kann man vielleicht darüber hinwegsehen und sich heimlich ein bisschen darüber amüsieren, aber es macht uns Angst."

Also was denn nun?

Kläre den Ambivalenzkonflikt, dann kläre, was Du eigentlich möchtest.
Kommunikation hat ja schon stattgefunden, das Ergebnis was unbefriedigend für Dich, also ist die Frage der allgemeinen Konsequenz für dich selber gegeben.
Und die kann dir keiner aus dem anonymen Internet abnehmen, da zu viele Faktoren uns unbekannt sind.

Collie93
15.08.2022, 11:22
Ich denke, bis zu einer gewissen Grenze muss man auch Verhalten, dass man vielleicht als "sozialinadäquat" umschreiben mag, tolerieren. Fast jeder von uns hatte Mitkommiliton:innen, die sich z.B. bei der Lehrperson nach der Klausur über "zu leichte" Fragen beschwert haben. Solche Dinge kann ich, wie z.B. auch die Geschichte mit der Brille, als sonderbar und nicht unbedingt kollegial aber harmlos akzeptieren.
Wenn es aber um Dinge wie eben Kontrolle des Freizeitverhaltens oder latente, unbegründete Drohungen ("ich habe meine schützende Hand lange über dich gehalten") geht, ist die Grenze um Unangenehmen überschritten.
Wir haben eine klare Hierarchie: Ich bin meinen Oberärzt:innen zur Rechenschaft verpflichtet und nicht ihr. Natürlich freut man sich über kollegialen Rat und Hinweise auf Fehler von erfahrenen Kolleg:innen - aber das kommt von ihr ja nicht einmal. Wenn wird man öffentlich vor versammeltem Team bloßgestellt. Von daher brauche ihre "schützende Hand" nicht, v.a. da ich nicht glaube, dass sie existiert.
Und dieses gesamte Verhalten, die ständige Kontrolle und das Suggerieren "dein Wohlergehen liegt in meiner Hand" machen mir schlicht und ergreifend Angst.

Feuerblick
15.08.2022, 11:28
Da hier niemand die wirklichen Zustände kennt, kann hier natürlich nur anhand der Schilderung geantwortet werden. Was die aber angeht:

Dieser Kollegin würde ich das mit der Hierarchie klar darlegen. Sie ist dir weder vorgesetzt noch weisungsbefugt. Insofern darf sie gerne um etwas bitten, aber es nicht anordnen. Sollte es nach dieser Ansage zu Problemen mit den Vorgesetzten kommen, würde ich das als Mobbing werten und dagegen vorgehen.
Wenn sie mich aus einem Patientengespräch oder einer Untersuchung holen würde, klare Ansage, dass dafür jetzt keine Zeit ist. Sie kann aber gerne mit dir einen Termin in den nächsten Tagen vereinbaren.
Auch ein klares „Das geht dich einfach gar nichts an“ bezüglich Brille und Privatleben wäre angebracht.
Alles, wirklich alles minutiös dokumentieren. Offizielle Beschwerde an den Chef, dass es so nicht geht. Mit Dokumentation. Schriftlich.

Kurz: Grenze dich klar ab und mach ihr die Grenzen klar. :-nix

Lakemond
15.08.2022, 12:04
Solche Kollegen kann man sehr schnell loswerden. Man muss nur zusammenhalten.
Was sagen die Schwestern zu ihr verhalten?

Coxy-Baby
15.08.2022, 14:16
Man könnte jetzt episch-lyrisch lang antworten, aber ich mache es kurz:

Lauf, Forrest, Lauf.

Holthusen
15.08.2022, 15:47
Gütetermin mit Chefarzt und Oberärzten, Ombudsmann einschalten , Mobbing beim Betriebsrat melden Am besten aus dem Weg gehen und ihr klar machen, dass sie nicht weisungsbefugt ist und keine Grenzen überschreiten darf.

Relativ typisch Konstellation, die einem öfter über den Weg läuft: alte Frau mit fehlender Sozialkompetenz, die nicht ihre Grenzen kennt, +- fachliche Inkompetenz ... Vermutlich eine Folge von schlechten Personalmanagement/Personalplanung. Kurz gesagt: die nimmt sonst keiner.

Feuerblick
15.08.2022, 16:09
Wow, mit Ende 40 „alte Frau“… Alte Frauen sind ja für mich persönlich Ü70 mindestens.

anignu
15.08.2022, 16:30
Wow, mit Ende 40 „alte Frau“… Alte Frauen sind ja für mich persönlich Ü70 mindestens.
Dieses "alte ..." bezieht sich ja immer in Relation auf einen selbst ;-)

Brutus
15.08.2022, 16:55
Leider ist im Kolleg:innenkreis der Zusammenhalt nicht so groß (v.a. aufgrund vieler Kolleg:innen mit ausländischen Wurzeln und prekären Arbeitsverträgen), letztendlich sind wir momentan zu dritt.
Jetzt bin ich interessiert: diese prekären Arbeitsverträge... wie sehen die so aus? ;-)



... alte Frau mit fehlender Sozialkompetenz...

Wow, mit Ende 40 „alte Frau“…

Dieses "alte ..." bezieht sich ja immer in Relation auf einen selbst ;-)
Lauf, Forrest, lauf??? :D :-))

Holthusen
15.08.2022, 17:03
Könnte es sein, dass es einfach nur die Wechseljahre sind ? Gyn-Vorstellung?

Kackbratze
15.08.2022, 17:08
Ich würde gleich auf Mobbing klagen. Warum erst Gütetermin, wenn man gleich zum Ziel kommen kann?
Gerade wir in einem anonymen Forum können die Situation optimal einschätzen, im Gegensatz zu einem selber! Und gerade durch diese fachlich passenden Tips sind wir sogar noch besser als Twitter!

Feuerblick
15.08.2022, 17:13
@Brutus: Ja, so könnte man es wohl umschreiben. :-)) :-))

rafiki
15.08.2022, 17:42
Könnte es sein, dass es einfach nur die Wechseljahre sind ?

Und wie lautet dein pathophysiologisches Postulat?

MissGarfield83
15.08.2022, 17:54
Alle bekloppt geworden.

Kackbratze
15.08.2022, 18:15
Wenn eine Frau über 40 noch im Krankenhaus arbeiten muss, kann sie einfach nur hässlich sein, was bedeutet, dass sie automatisch verbrämt und ekelhaft ist, weil ja Äusseres und Inneres gleich aufgebaut sind.

Was Anderes kann es einfach nicht sein.


Oder?

[WinkSmileypasstnicht-Kotzsmileytrifftesauchnicht]

Mukopolysaccharid
15.08.2022, 18:19
Wenn man im Urlaub als Assistenzarzt in der Klinik abhängt stimmt aber echt was nicht.


Ich würde sie einfach ignorieren
Ihr braucht ihre Hilfe nicht, sie braucht eure nicht.

Matzexc1
15.08.2022, 18:24
Wenn man im Urlaub in der Klinik abhängt stimmt aber echt was nicht.

Ungeachtet von Geschlecht oder fachlicher Position ist das schon ein sehr besorgniserregender Fakt.
Die Entscheidung Assistenzarzt zu bleiben kenne ich von anderen Kollegen auch, viele haben einfach keine Lust die Verantwortung als Facharzt zu tragen.

Bonnerin
15.08.2022, 18:29
CA mag sie lieber als die anderen Mitarbeitenden? Dann ist da schonmal leider nichts zu erreichen. Eher auf Ebene OÄ oder Betriebsrat.

Für ein "Personalgespräch" gerne drauf hinweisen, dass sie a) nicht weisungsbefugt ist, und b) ein solches Gespräch nur mit einer weisungsbefugten Person UND eine:r Vertreter:in des Betriebsrats stattzufinden hat.
Bei Kritik an persönlicher Kleidung nett lächeln, nicken, drauf hinweisen, dass es ihr auch nicht gefallen muss.

Ansonsten ignorieren, so gut es geht und am besten auch immer bei Fragen zu anderen Kolleg:innen gehen. Kann mir vorstellen, dass das der Typ Mensch ist a la "Ja, aber an diesem einen regnerischen Dienstag im Jahr 2022, als nur durch meine Hilfe [...]"

Holthusen
15.08.2022, 18:46
Die Entscheidung Assistenzarzt zu bleiben kenne ich von anderen Kollegen auch, viele haben einfach keine Lust die Verantwortung als Facharzt zu tragen.

Keine gute Wahl!
a) Verzicht auf sehr, sehr viel Gehalt
b) Als angestellter Facharzt ist man auch nicht so unabhängig, komplexe-schwierige Entscheidungen (auch wirtschaftlicher Natur) spricht man mit der Leitung ab. Bei medizinischen Entscheidungen sollte man diese begründen können z.B. anhand einer Leitlinie, wie man es in der FA-Ausbildung lernt.
c) als Assi wird man nicht wirklich ernst genommen. In jedem Bewerbungsgespräch, auf jeder Familienfeier wird die Frage aufkommen, warum man die FA-Ausbildung nicht abgeschlossen hat. Gibt ja durchaus Gründe (z.B. Pflegefall, Kinder, Krankheit, örtlich gebunden), aber keine Lust auf Verantwortung? Ist das dann der richtige Beruf, wenn man selbst die kleinsten Entscheidungen nicht selbst treffen kann möchte ?
Eine Besonderheit hierzulande ist auch noch der fehlende Respekt anderer Berufsgruppen gegenüber Assis. Von der Pflege, über den OA/CA bis zur Sekretärin. Beim FA ist die Hemmschwelle zu passiv-aggressiven Verhalten der o.g. Berufsgruppen dann doch erhöht.
d) Ich kenne niemanden persönlich, der in der Klinik oder im MVZ Assi bleiben wollte und niemals die Ausbildung zu Ende machen wollte. Vom Hörensagen gibt es so Leute, die dann andere Dinge gemacht haben (z.B. Pflegefall, Kinder, Familie, Krankheit, örtlich gebunden)


Wenn eine Frau über 40 noch im Krankenhaus arbeiten muss, kann sie einfach nur hässlich sein, was bedeutet, dass sie automatisch verbrämt und ekelhaft ist, weil ja Äusseres und Inneres gleich aufgebaut sind.


+ kein FA
+ keine Anstellung im ambulanten Bereich möglich (sonst wäre sie ja nicht im KH)
+ Dienste wie der "Anfänger"
+ Beschwerden aus den Wechseljahren gepaart mit cholerischem Charakter verstärkt durch alt und einsam
+ phlegmatische Leitung, die Konflikte scheut


= Mögliche Toxische Arbeitsatmosphäre


Ich würde erstmal den Kontakt möglichst vermeiden. In der Regel reicht Isolierung und Ignorierung bereits aus um eine gewisse Ruhe reinzubringen mit der es sich womöglich aushalten lässt.