Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vorstellungsgespräch
Pistole
22.09.2022, 07:57
Hallo miteinander,
habe demnächst mein erstes Vorstellungsgespräch für einen Job als Intensiv Mediziner (?) . Es ist mein erstes direkt nach dem Studium.
Ich würde mich gerne etwas darauf vorbereiten. Was habt Ihr für Erfahrungen gemacht, gibt es vielleicht Fragen, die immer gestellt werden? Muss ich mir ein Buch besorgen und schonmal die Bedienungsanleitung für die verwendete Geräte auf ITS durchlesen. Was sagt man, wenn nach seinem Interesse direkt auf ITS nach dem Studium anfangen zu wollen. Hospitation ja/nein? Spätere Berufsausichten, mit welcher Fachrichtung soll es nach der Intensiv weiter gehen (Intensiv Innere, Neuro, Chirurgie, Kinder).
Über ein paar Tipps wäre ich Euch jedenfalls sehr dankbar.
Viele Grüße
Lisa
Pistole
22.09.2022, 07:59
Was sagt man, wenn man nach seiner Interesse direkt nach dem Studium mit Intensiv anfangen zu wollen, gefragt wird.
😢
Matzexc1
22.09.2022, 08:13
Herzlichen Glückwunsch zum fertigen Studium,
was genau für ein Fachgebiet machst du? Einen reinen Intensivmediziner kenne ich eher aus der Schweiz und ich fühlte mich nach 2 Jahren Anästhesie auf Intensiv ziemlich neu. Direkt nach dem Studium ist Intensiv anstrengend. Ich empfehle dir das ICU Buch von Marino, Bedienungsanleitungen vorher zu lesen ist Quatsch.
Warum willst du auf die Intensivstation?
Dragonheart
22.09.2022, 08:15
Anleitungen lesen: auf gar keine Fall
Hospitation: na aber sicher doch
Was mich an dem Ganzen nur sehr irritiert. Du sagst, du bewirbst dich für die ITS und es steht die Frage im Raum wie es "danach" weiter gehen soll. Aus meiner Sicht zäumst du damit das Pferd von der falschen Seite auf. Mag sein, dass sich da inzwischen etwas geändert hat, aber in meinem Kopf ist "ITS" keine Fachrichtung.
Sondern zb Innere, Chirurgie oder Anästhesie. Daher stellt sich mir die Frage von welcher Abteilung die ITS betrieben wird, sprich wo du dich eigentlich genau bewirbt?
_calendula_
22.09.2022, 08:19
Für welche Intensivstation (Innere, Chirurgie...?) bewirbst du dich? Innere kenne ich in Deutschland noch am ehesten als eigenständige Klinik. Wenn du länger an der Stelle bleiben möchtest, hast du damit dein Fach quasi definiert.
Hospitation - auf jeden Fall!
Pistole
22.09.2022, 09:00
Vielen Dank für eure Antworten!
Bei mir stand ziemlich fest, dass ich später Viszeral-chirurgie machen möchte
Bei der Stellenauschreibung steht:
Weiterbildungsermächtigung für Intensivmedizin in den Gebieten :Neuro, Ansthäsie, Chirurg, Pädiatrie und innere
_calendula_
22.09.2022, 09:12
Was reizt dich an der Stelle? Wenn du Pech hast, kannst du dir nur die Intensiv-Zeit (6 Monate?) für Chirurgie anrechnen lassen.
An deiner Stelle würde ich nachsehen, welche WBE noch an der Klinik bestehen, und überlegen ob das das Richtige ist.
Pistole
22.09.2022, 09:37
Edit: Es handelte sich um eine Vollzeitstelle, wird akzeptiert die Frage nach, ob es möglich wäre in einer 80% Stelle anzutretten?
Calendula :was meinst du mit Pech haben genau?
Werde ich mir überlegen 👍
Feuerblick
22.09.2022, 09:54
Warum willst du auf ITS anfangen, wenn du eigentlich Visceralchirurgie machen willst? Was soll dir das bringen? Du kommst frisch aus dem Studium, hast klinisch somit vermutlich sehr wenig Ahnung und keine Erfahrung und wärst schon auf Normalstation vermutlich ge- bis über-fordert.
Warum nicht mit Chirurgie beginnen und im Verlauf auf ITS gehen?
So ganz verstehe ich deine Intention nicht. Und genau das wird vermutlich auch die erste Frage im Vorstellungsgespräch sein.
Anne1970
22.09.2022, 11:05
Denke ich auch: sinnvoll wäre, erstmal im Beruf Krankenhaus-Arzt ankommen zu können …
ich hatte ja mal den Plan, Anästhesie zu machen und war ganz begierig auf Intensiv-Medizin. Man kommt da in der Regel nicht vor dem 3. Weiterbildungsjahr hin. Inzwischen bin ich froh, nicht überwiegend intensivpflichtige Patienten versorgen zu müssen. Abgesehen von den technischen Fertigkeiten (die mich damals sehr motiviert und interessiert hatten) und den Schichten , ist auch der ethische Aspekt für mich nicht ganz unproblematisch.
Ich liebe die Intensivmedizin und arbeite sehr gerne auf einer Intensivstation.
Als Berufsanfänger mit dem Ziel Chirurgie und dann auch noch in Teilzeit bist die aber auf einer Intensivstation ziemlich falsch. Das halte ich für absolut nicht zielführend und verstehen auch nicht, was genau du dir davon erwartest.
Warum genau willst du auf die Intensivstation? Was erwartest du dort?
Ganz grundsätzlich: Es ist keine gute Idee, auf einer Intensivstation mit der Arbeit als Arzt anzufangen. Wenn man dir so eine Stelle anbietet, ist IMHO die Wahrscheinlichkeit groß, dass es in dieser Abteilung bzw. Klinik strukturelle Probleme gibt, wenn sie glauben, einen Anfänger auf eine solche Stelle setzen zu müssen. Ich würde dir dringend davon abraten. Such dir lieber eine ganz normale ACH-/VCH-Stelle.
Ich glaub nicht, dass für ein Vorstellungsgespräch eine besondere Vorbereitung nötig ist. Da geht es meist eher um dich als Mensch, um deine beruflichen Ziele, etc.
Dass man nach dem Stellenantritt Einschulungen für alle Geräte bekommt, sollte selbstverständlich sein.
Hospitieren solltest du immer unbedingt. Niemals auf einer Abteilung zusagen, die man nicht selbst zumindest mal einen Tag lang erlebt hat.
Pistole
22.09.2022, 12:13
Ich habe im PJ knapp einen Monat auf intensiv verbracht, was mir sehr gut gefallen hat.
In der Klinik, wo ich mich beworben habe, habe ich mich im voraus informiert und die meinten. Sie können sich gerne bei uns bewerben, falls Ihnen die Stelle in der Probezeit doch nicht zusagt oder Sie sich überfordert fühlen, würde es die Möglichkeit geben, Sie in einer andere Abteilung zu unterbringen.
Die Klinik ist ein maximal Versorger und besitzt eine große Intensiv Station.
Man will dich also zu etwas drängen, was inhaltlich nicht sinnvoll (und sogar gefährlich) ist.
Bevor man zu arbeiten anfängt, wird einem immer das Blaue vom Himmel versprochen :-))
Feuerblick
22.09.2022, 12:37
Ich übersetze das mal: „Wir brauchen Kanonenfutter für die ITS, weil uns die Leute wegrennen und wir irgendwie die Versorgung aufrechterhalten müssen. Qualität interessiert uns nicht, daher nehmen wir auch Berufsanfänger, die wir von vornherein damit ködern, dass sie ja in der Probezeit gehen können. Machen die auch - haben die letzten auch gemacht…“
Anne1970
22.09.2022, 12:40
Renne, so schnell du kannst! :-(
Nulllinie
22.09.2022, 12:42
Ich übersetze das mal: „Wir brauchen Kanonenfutter für die ITS, weil uns die Leute wegrennen und wir irgendwie die Versorgung aufrechterhalten müssen. Qualität interessiert uns nicht, daher nehmen wir auch Berufsanfänger, die wir von vornherein damit ködern, dass sie ja in der Probezeit gehen können. Machen die auch - haben die letzten auch gemacht…“
Eine sehr gelungene Übersetzung 👍 und wenn man Pech hat, hat der Berufsanfänger danach so schlechte Erfahrungen gemacht, dass er / sie überlegt aus dem Arztberuf auszusteigen...
Dragonheart
22.09.2022, 12:43
Also ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten, bin aktuell im 7ten Monate der WB in der Inneren, und man will nicht als blutiger Anfänger auf der Intensiv sein. Ich bin jetzt, nach rund nem halben Jahr froh wenn ich den Stationsalltag und mich selbst in der Rolle "Arzt" geregelt bekomme, da wäre die Intensiv mit der ganz anderen Arbeitskullise und Fraglität der Patienten das letzte was ich bräuchte. Auch bei uns im Haus stand es im Raum die "Anfänger" im ersten Jahr auf die Intensiv zu stecken und ich bin Gott froh, dass das für mich aktuell / hoffentlich nicht in naher Zukunft ansteht. Und ich, unter uns gesagt, vielleicht auch eher das Haus verlasse als auf der Intensiv zu landen da ich oft genug von den (weiteraus erfahreneren) Kollegen gehört habe, dass die sich dort auch mehr schlecht als recht durchschlagen und vielen mehr Schein als Sein ist. Von einer ordentlichen Betreuung und Einarbeitung generell im Haus und insbesondere auf Intensiv will ich gar nicht erst anfangen. Da muss man schon froh sein wenn man in dieser, und ich wäre überrascht wenn es in vielen anderen Häusern besser wäre, Situation nicht auch noch für wirklich kranke / intensivpflichtige Patienten verantwortlich ist.
Ich sehe das einbischen anderes als die anderen Forum Teilnehmern. Mach das, wo du drauf Lust und Bock hast. Die Probezeit ist dafür da, um zuschauen, ob du dich damit zurecht findest oder dir alles an Dauer zu viel ist. Intensiv ist wie ein Luxushotel, die 6 Monaten kannst du übrigens später für deinen Facharzt Weiterbildung anrechnen lassen, egal ob du Chirurg oder innere oder neurologie machen möchtest. Was man hat, hat man. Ich wünsche dir viel Erfolg und alles Gute für deine Bewerbung 👍
Naja, es geht halt nicht immer nur darum, was einem Spaß macht.
Es liegen dort immer noch Menschen. Menschen, die lebensbedrohlich erkrankt sind. Menschen mit Familien, die sich sorgen. Und da jetzt einen Berufsanfänger draufzujagen damit der machen kann, was ihm Spaß macht, halte ich doch für grenzwertig. Die Patientenversorgung ist ohnehin schon unterirdisch durch miese Arbeitsbedingungen und schlechte Einarbeitung. Selbst erfahrene Assistenzärzte (mich eingeschlossen) stolpern oft noch völlig überfordert und orientierungslos über die ITS und hoffen, dass sie alle Patienten irgendwie leben durch den Dienst bekommen. Dort einen Berufsanfänger hinzuschicken ist ein komplettes Himmelfahrtskommando.
und für mich klingt diese Klinik auch nach "suchen Kananenfutter". Die brauchen nur ein paar Deppen, die die Lücken im Dienstplan füllen. Scheiß auf Einarbeitung oder gute Patientenversorgung.
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