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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ich möchte Teilzeit (4/5 Tage) arbeiten - schreibe ich es in meine Bewerbung rein?



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Mariella2.0
11.12.2022, 22:14
Hallo ihr Lieben!

Ich schreibe gerade an meinen Bewerbungen. Es wird ein Mix aus Initiativbewerbungen und Bewerbungen auf Stellen, die die Beschäftigungsart entweder gar nicht beschreiben, oder in der Tag-Leiste "Vollzeit" nebst "Teilzeit" stehen haben, ohne dies näher zu spezifizieren.

Ich bin Berufsanfängerin, daher habe ich noch keine Erfahrung mit Bewerbungen und Bewerbungsgesprächen. Ich möchte in Teilzeit beginnen (75%), dabei aber jeweils ganze Tage auf der Arbeit sein, also beispielsweise einen Tag die Woche frei haben (bzw. einfach am Ende des Monats auf ca. 75% kommen, nicht jede Woche muss einen freien Tag haben). Schichtsystem und Dienste sind kein Problem, ich möchte einfach nur insgesamt zeitlich gesehen etwas weniger arbeiten.

Nun weiß ich nicht, wie ich das thematisieren soll... ist das etwas, dass direkt in meine Bewerbung gehört, oder etwas, dass ich erst im Bewerbungsgespräch ansprechen sollte? Wenn ja, wie mache ich das?
Ich gehe davon aus, dass das ein Nachteil ist, obwohl mir auch gesagt wurde, dass es heutzutage (Berlin) sehr viele in Teilzeit beginnen. Daher möchte ich auf der einen Seite transparent sein, auf der anderen Seite die Chance haben überhaupt eingeladen zu werden.

Vielen Dank schonmal! :)

DA1994
12.12.2022, 07:35
Bei uns beispielsweise wäre so etwas nicht möglich und auch vom Kollegium absolut nicht unterstützt. Wir haben viele Kollegen mit reduzierten Stellen, die wochenweise frei bekommen (oder in ZNA und Intensiv weniger Schichten machen).
Einen Tag in der Woche ist vor allem im Stationsalltag schwierig umzusetzen, da ja irgendjemand anderes die Arbeit machen muss.

Grundsätzlich solltest du deinen Teilzeitwunsch und den Stellenumfang in die Bewerbung reinschreiben, Details kann man dann beim Vorstellungsgespräch klären. Grundsätzlich sollte man flexibel an die Sache herangehen, gerade als Berufsanfänger. In der Bewerbung beispielsweise bereits den Mittwoch frei zu verlangen dürfte bei einigen Stellen das Aus in der Vorrunde bedeuten.

Grundsätzlich gilt: je größer die Abteilung, desto mehr ist möglich. Und manchmal lohnt es sich, in Vollzeit anzufangen und erst nach 6-12 Monaten den Antrag auf Teilzeit zu stellen, wenn man voll eingearbeitet und dementsprechend "wertvoll" ist.

Tigga
12.12.2022, 08:03
Ich hatte hier im Forum vor meiner Bewerbung den Tipp gelesen, den Stundenwunsch nicht in die Bewerbung zu schreiben und im Bewerbungsgespräch mit "Ich liebe Arbeit!" zu erscheinen. Eine Klinik hat mir von sich aus Teilzeit angeboten, zwei andere Vollzeit-Stellen. Die beste Vollzeit-Stelle konnte ich dann nach Stellenzusage mit "ich habe da jetzt ein zweites Angebot, Teilzeit wollte ich immer schon aber ihre Klinik würde mich mehr interessieren" auf meine gewünschten 60% an 3 Tagen bringen!
Bei uns waren einige Teilzeit-Assistenzärzte und viele Teilzeit-Oberärzte in der Abteilung (Pädiatrie). Wir hatten alle Modelle, wochenweise frei (am liebsten gesehen), jeden Tag 6h, ein freier Tag oder mein Lieblings-Modell: 2x 60% Assistenten teilen sich eine Station, viel Zeit für Übergaben und einige freie Stunden für Forschung/Briefe in Ruhe schreiben/Supervision.

Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit nach Einstellung ging bei uns übrigens NIE- der einzige Hebel als Assistent war, dies vor der Einstellung zu regeln. Klar, ich habe länger für die Einarbeitung gebraucht, aber so what? Alle Teilzeit- Assistenten hatte auch anteilig Dienste in Teilzeit, rückblickend sehr empfehlenswert.

Arrhythmie
12.12.2022, 08:15
Hier arbeiten fast alle in TZ Modellen und laut Personalabteilung steht es mir zB (2 kleine Kinder) auch zu, sowie jedem der Kinder unter 18 zu betreuen hat.

Ich arbeite 3 Tage die Woche in 50 %, alle anderen Modelle -außer sie sind extrem ausgefallen- gehen hier ohne größeres Theater durch.

Wie das bei Kinderlosen ist weiß ich nicht. Da hat man meines Wissens nach diesen Anspruch nicht oder erst nach 6 Monaten.... keine Ahnung, hat mich nie interessiert da VZ für mich auf absehbare Zeit mit 2 bzw. ab nächstem Jahr 3 Kindern nicht in Frage kommt.

Wenn ich so überlege hab ich aber auch mind. eine Kollegin die ältere Kinder hat und auf 80 % arbeitet.... Und paar Männer gibts hier auch die 80 % machen.

Arrhythmie
12.12.2022, 08:20
PS: Ich hab in 50% begonnen, als Anfängerin.

Ich war relativ schnell trotzdem fit. Hat eh keinen interessiert. Musste halt Dinge schneller lernen, hatte aber mega Kollegen die mir die wichtigen Dinge eingeimpft haben.

Feuerblick
12.12.2022, 08:32
Man muss sich halt bewusst machen, dass man in umkämpften Fachgebieten oder in beliebten Städten unter Umständen das Nachsehen haben kann, wenn man als Anfänger in Teilzeit arbeiten möchte, es aber gleich geeignete Bewerber gibt, die Vollzeit arbeiten würden.

Endoplasmatisches Reticulum
12.12.2022, 09:18
Es kommt einfach auf die Situation in der Klinik an.

Sieht der Stellenschlüssel krumme x,8 vor? Dann ist man mit der Bitte richtig am Platz, auch in umkämpften Fächern. Taktisch klüger könnte es dann aber sein, sich als Kompromiss auf die 80 % "runterhandeln" zu lassen und dann später einfach keine Aufstockung zu forcieren.

Hat der Chef gerade mit Ach und Krach die Streichung einer Stelle verhindern können zur Nachbesetzung? Dann kann er schlecht eine Woche später zum Personalbüro gehen und verkünden, dass er diese mit einer Teilzeitkraft (abgesehen von 2x50%) nachbesetzt, also die gerade erkämpfte Stelle gar nicht in dem erkämpften Umfang gebraucht wird.

-pixel
12.12.2022, 19:29
Mir hat man mal im PJ beigebracht, dass jeder prinzipiell ein Recht auf Teilzeitarbeit hat - auch ohne Kinder.. haben bei mir jetzt auch einige gemacht, allerdings musste man einen Antrag stellen und ein viertel Jahr später kann man dann mit der Reduktion anfangen.. von dem her könnte man sich ja auf ne Vollzeitstelle bewerben und dann runter gehen.. wird aber von manchen wahrscheinlich nicht sonderlich gern gesehen

Pflaume
12.12.2022, 19:54
Mit Teilzeit kann man sich meistens auch in der Weiterbildung hinten anstellen. Es sei denn, man hat vorher eine Weile in Vollzeit beim Chef Punkte gesammelt, der mag einen und unterstützt einen auch in Teilzeit. In manchen Fächern (Unfallchirurgie...) schießt man sich mit Teilzeit sowieso komplett ins Aus, selbst wenn man nur bei einer vorherigen Stelle mal Teilzeit gearbeitet hat.

ehem-user-16-12-2022-1308
12.12.2022, 23:55
n manchen Fächern (Unfallchirurgie...) schießt man sich mit Teilzeit sowieso komplett ins Aus, selbst wenn man nur bei einer vorherigen Stelle mal Teilzeit gearbeitet hat.

Wieso ist das gerade in der Unfallchirurgie so? Es gibt doch auch Fächer, wo viele in Teilzeit Arbeiten (z.B: Psychiatrie, Psychosomatik). Warum ist das in der Unfallchirurgie nicht so gut möglich?

anignu
13.12.2022, 00:15
Warum ist das in der Unfallchirurgie nicht so gut möglich?
Unfallchirurgie, Viszeralchirurgie, Gefäßchirurgie, Neurochirurgie... kannst auch andere Fächer nehmen.

Du müsstest einfach mal die Sprüche der Chefs hören wie "wer nicht zu 100% für die Chirurgie brennt, der soll halt Innere machen" oder so. Und die meinen das auch ernst. Leute die in der Chirurgie auf 80% (oder noch weniger) reduzieren, auch wegen Kindern, schießen sich damit oft ins Aus. Ich finds besch..., leider sind viele Chefs so. Bei einer OP zu sagen, dass man jetzt gehen will und keinen Bock mehr hat? Ebenso gern gesehen. Wobei man das nicht so sagen kann. Es gibt Abteilungen in denen man tatsächlich auch zum Dienstende regelhaft ausgelöst wird. Ist aber nicht überall so, gefühlt eher selten. Und familienfreundliche Arbeitszeiten? Auch eher selten.

Warum glaubt ihr denn warum es schwierig ist Leute für Chirurgie zu finden? Weil zwar viele Leute an sich Interesse an Chirurgie haben, sich dann aber die Arbeitsbedingungen anschauen und abwinken. Und offensichtlich geht es uns in der Chirurgie noch zu gut als dass wir uns das aktuell noch erlauben können.

Mir hat man mal im PJ beigebracht, dass jeder prinzipiell ein Recht auf Teilzeitarbeit hat - auch ohne Kinder.
Man hat auf vieles "ein Recht". Man hat auch das Recht pünktlich zu gehen wenn keine Überstunden angeordnet sind und man Patienten damit nicht gefährdet. Trotzdem bleiben die Meisten länger und machen den ganzen Papierkram fertig. Und wer das nicht macht kann gern mal Probleme bekommen. Man hat auch ein Recht auf Weiterbildung, unabhängig vom Goodwill von Chef und Oberärzten. Und? Klappt das immer?
Recht haben ist eine Sache. Das Leben ist nur nicht immer so einfach.

][truba][
13.12.2022, 05:34
Ich möchte einwerfen, dass ich an 2/3 chirurgischen Stellen gute Arbeitsbedingungen hatte und in meiner Ach/Vch Zeit auch viele Kolleginnen, die Teilzeit gearbeitet haben und trotzdem Raketen waren. Und die wurden auch gefördert. Es ist nicht ausgeschlossen. Leider ist das wohl insgesamt die Minderheit der Stellen, denn oft ist es wie von anignu beschrieben.

Endoplasmatisches Reticulum
13.12.2022, 08:12
Bei einer OP zu sagen, dass man jetzt gehen will und keinen Bock mehr hat?
Wer als Arzt bei einer OP nicht bis zum Ende bleibt, dem fehlt die Leidenschaft fürs Fach! ™


Und familienfreundliche Arbeitszeiten?
Ich finde es spannend, dass das in wirklich jede einzelne Stellenausschreibung reinkopiert wird. Nun gut, uns Ärzten bietet man zumindest in der Weiterbildung meist eher gar nichts abseits des nackten Vertrages und vielleicht noch eines motivierenden Opt-Out-Wisches. Also muss man die Kategorie in der Ausschreibung mit Bullshit-Bingo-Buzzwords füllen, um zumindest so zu tun. Aber bei der Familienfreundlichkeit konnte mir noch niemand erklären, was das bei uns Ärzten bitte sein soll?

Besonders erheiternd in Ausschreibungen mir bekannter Herz- und Neurochirurgien. :)


Warum glaubt ihr denn warum es schwierig ist Leute für Chirurgie zu finden? Weil zwar viele Leute an sich Interesse an Chirurgie haben, sich dann aber die Arbeitsbedingungen anschauen und abwinken.
Na, die Liste ist kurz:

- PTBS aus dem Pflichttertial
- Arbeitsbedingungen
- Arbeitsklima
- Spezielle Arten von Kollegen
- Spezielle Arten von Vorgesetzten
- OP Starvation bis man sich über Jahre etabliert hat
- OP Starvation wenn man etwas Falsches sagt
- als ungenügend wahrgenommene Abseilstrategien außerhalb der Klinik

Natürlich nicht immer und überall, das ist klar. Aber wenn man sich mal die durchschnittlichen PJ-Bewertungen der Chirurgen anschaut, kommen die schon im Median schlecht bis sehr schlecht weg. Meine eigene PJ-Bewertung war damals keine Ausnahme. Das Tertial war eine bodenlose Unverschämtheit in jeder denkbaren Dimension - und ich wollte damals noch Chirurgie machen.

Arrhythmie
13.12.2022, 09:06
Achja Chirurgie wollt ich auch mal machen. Was ich aber noch lieber wollte ist Familie und Leben. :-oopss

SineNomine
13.12.2022, 10:10
Wie das bei Kinderlosen ist weiß ich nicht. Da hat man meines Wissens nach diesen Anspruch nicht oder erst nach 6 Monaten.... .

Das mit 6 Monaten weiß ich nicht, kann sein oder auch nicht - aber den Anspruch hat man auch ohne Kinder.

Endoplasmatisches Reticulum
13.12.2022, 10:13
Das mit 6 Monaten weiß ich nicht, kann sein oder auch nicht
Das ist korrekt so. (https://www.gesetze-im-internet.de/tzbfg/__8.html)

SineNomine
13.12.2022, 11:43
Danke

ehem-user-16-12-2022-1308
13.12.2022, 16:54
- PTBS aus dem Pflichttertial
- Arbeitsbedingungen
- Arbeitsklima
- Spezielle Arten von Kollegen
- Spezielle Arten von Vorgesetzten
- OP Starvation bis man sich über Jahre etabliert hat
- OP Starvation wenn man etwas Falsches sagt
- als ungenügend wahrgenommene Abseilstrategien außerhalb der Klinik

Natürlich nicht immer und überall, das ist klar. Aber wenn man sich mal die durchschnittlichen PJ-Bewertungen der Chirurgen anschaut, kommen die schon im Median schlecht bis sehr schlecht weg. Meine eigene PJ-Bewertung war damals keine Ausnahme.

Wenn man sich die PJ-Ranking-Bewertungen/Berichte ansieht fällt die Chirurgie (insbesondere) an Unikliniken sehr schlecht auf. Da ist vieles dunkelrot. Wieso ist das ausgerechnet in der Chirurgie so unangenehm? Es gibt ja andere Fächer, wo man fast nie eine schlechte Bewertung findet. Und die Chirurgie-Bewertungen sind meiner meinenung nach nochmal deutlich schlechter als die Innere-Bewertungen. Wie kommt das und warum ändert sich da nichts, wenn es doch so schwer fällt Stellen nachzubesetzen?

Endoplasmatisches Reticulum
13.12.2022, 18:05
Gute Frage!

Ich denke es könnte zum Teil daran liegen, dass Chirurgie vor allem durch das Hakenhalten in unendlich langen Eingriffen von Studenten oft als konkurrenzlos undankbar und unerträglich empfunden wird. In konservativen Fächern kann man sich, wenn es einen nicht so interessiert, eher rausziehen. Man nimmt halt Blut ab, schreibt mal ein paar Briefe und dödelt so vor sich her. Das geht eher nicht, wenn man täglich in den OP gezwungen wird und da stundenlang den Leberhaken betonen muss, ohne irgendetwas zu sehen oder erklärt zu bekommen. Man ist in der Inneren oft Akkordarbeiter. In der Chirurgie ist man ein Utensil des Operateurs, im Wesentlichen eine fleischerne Maschine. Und dazu oft völlig unnötig. Als PJler könnte man sehr oft problemlos durch einen Retraktor oder eingespannte Haken ersetzt werden. Das heißt, die ganze Chose bekommt einen noch bittereren Beigeschmackt und schlägt, wenn vom PJler bemerkt, in eine Empfindung von Schikane über.

Das ist es aber nicht nur. Es gibt ja auch chirurgische Fächer, die in den Bewertungen sehr viel besser davon kommen. HNO und Urologie zum Beispiel. Einmal kann man sich da natürlich stärker konservativ einbringen. Ich denke aber schon, dass im Schnitt die Persönlichkeiten, Arbeitsbedingungen, die Vorgesetzten etc. insgesamt noch etwas anders ticken.

ehem-user-16-12-2022-1308
13.12.2022, 18:51
Gute Frage!


Das ist es aber nicht nur. Es gibt ja auch chirurgische Fächer, die in den Bewertungen sehr viel besser davon kommen. HNO und Urologie zum Beispiel. Einmal kann man sich da natürlich stärker konservativ einbringen. Ich denke aber schon, dass im Schnitt die Persönlichkeiten, Arbeitsbedingungen, die Vorgesetzten etc. insgesamt noch etwas anders ticken.

Ich habe es körperlich bedingt noch nie länger als 3 Stunden im OP ausgehalten. Bin dann immer umgekippt. Mir graust es auch schon genau deswegen vor dem Chirurgie PJ. Das mit Uro und HNO kann ich für mich so bestätigen. Da wird man was ich erlebt habe deutlich besser behandelt. Das das Chirurgie-PJ nicht den besten Ruf hat ist ja bekannt, aber er scheint sich nicht viel zu ändern. Ich frage mich wie sich die ganzen AÄ wohl fühlen müssen, wenn der PJler statt ihrer immer in den OP zu Haken halten muss, obwohl er eh kein Chirurg wird, und die AÄ die dringend OP-Einsatz für ihren Katalog brauchen nie zum Haken halten kommen