Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lauterbach plant Gesetz gegen Aufkauf von Arztpraxen
Liebes Forum,
unser Gesundheitsminister plant, den Aufkauf von Arztpraxen zu verbieten:
https://www.handelsblatt.com/dpa/gesundheit-lauterbach-plant-gesetz-gegen-aufkauf-von-arztpraxen/28889794.html
Meinungen dazu? Ich fände ein solches Gesetz eine ziemlich positive Entwicklung, habe aber meine Zweifel, dass dieses Gesetz die Lobbyarbeit der Finanzinvestoren ohne Schlupflöcher überlebt. So ist es ja bis heute ein Schlupfloch, das dieses Kauf überhaupt ermöglicht (nur Krankenhäuser und Fachärzte können Sitze kaufen --> kauft der Fonds eben ein winziges Krankenhaus, das dann die Sitze kauft).
Glaubt ihr, die Fonds werden gezwungen, die bereits aufgekauften Sitze mittelfristig wieder auf den Markt zu bringen? Ansonsten wäre das Gesetz in den "abgegrasten" Fächern wie Augenheilkunde, Radiologie oder Strahlenheilkunde praktisch wirkungslos.
Feuerblick
27.12.2022, 12:34
Die Frage wäre auch, was mit den Sitzen passiert, die schon vorher niemand haben wollte…
Es wird rechtlich und auch finanziell sehr schwierig, das Rad der Privatisierung im ambulanten und stationären Bereich zurück zu drehen. Dafür sind wir meiner Meinung nach zu spät. Ich bekomme oft Stellenangebote in irgendwelchen MVZ mit privaten Trägern und schön klingenden Namen über Personalberater. Das ist unglaublich, wie die aus dem Boden schießen und nicht nur in den umsatzstarken Fachbereichen. Aus meiner Sicht wäre eine Änderung wirklich wünschenswert. Aber wenn ich mir die politischen Kompromisse der Vergangenheit anschaue, wird alles schön weichgespült werden. Wer soll denn die Versorgung anstelle der Privatwirtschaft übernehmen? Land? Kommunen? Mit welchem Geld?
Bonnerin
27.12.2022, 12:50
Das Hauptproblem ist doch, dass wir über die Jahre in eine Situation gekommen sind, in der man mit dem Verkauf eines KV-Sitzes den Ruhestand finanziert. Dem hätte schon vor Jahren ein Riegel vorgeschoben werden müssen, bevor das alles so wildgewuchert ist, inkl. Verkauf an MVZ-Ketten, weil die mehr Geld für den Sitz bezahlen.
Sehe es aber auch im kleineren Rahmen: da hat jetzt ein Allgemeinmediziner hier in der Gegend inzwischen die glaube ich 5. (?) Praxis aufgekauft und hat echt ein kleines Monopol. Sowas sollte es tatsächlich nicht geben...
Steht eigentlich irgendwann auch mal ne Neuberechnung der KV-Sitze an? Das wäre auch spannend.
Das Hauptproblem ist doch, dass wir über die Jahre in eine Situation gekommen sind, in der man mit dem Verkauf eines KV-Sitzes den Ruhestand finanziert. Dem hätte schon vor Jahren ein Riegel vorgeschoben werden müssen, bevor das alles so wildgewuchert ist, inkl. Verkauf an MVZ-Ketten, weil die mehr Geld für den Sitz bezahlen.
Korrekt. Mit dem Verkauf des KV-Sitzes, den der Boomer-Arzt vor Jahrzehnten umsonst oder für sehr wenig Geld bekommen hat, war dieser auf einen Schlag vermögend. Dafür wurde dann das Recht zur Abrechnung mit der deutschen Sozialversicherung zur Handelsware auf den internationalen Finanzmärkten und das Geld floss direkt aus besagtem Sozialsystem in die Taschen arabischer, skandinavischer, amerikanischer oder asiatischer Pension Funds oder HNWI. Eine merkwürdige, aber irgendwie typisch deutsche Verknüpfung aus Staatswirtschaft und Ultrakapitalismus.
Sehe es aber auch im kleineren Rahmen: da hat jetzt ein Allgemeinmediziner hier in der Gegend inzwischen die glaube ich 5. (?) Praxis aufgekauft und hat echt ein kleines Monopol. Sowas sollte es tatsächlich nicht geben...
Diesen Trend zu Großpraxen mit Monopolstellung gibt es auch in vielen internistischen Fächern. Den frischgebackenen Fachärzten bleibt dann nur noch die Anstellung, ohne Aussicht, jemals so viel zu verdienen wie die Vorgenerationen. Auch langfristig werden die Jungärzte dann meistens nicht als "Nachfolger" aufgebaut, sondern die Praxis mitsamt der Sitze an den höchstbietenden PE-Fonds verscherbelt.
Ich habe nur, wie gesagt, meine Zweifel, dass dieses Gesetz ohne Schlupflöcher durchkommt. Und die Rückabwicklung dieses Ausverkaufes wird rechtlich und finanziell schwierig - die PE-Fonds haben ja nichts Illegales getan und können nicht einfach enteignet werden (ggf. könnte man Ihnen eine angemessene "Übergangsfrist" zum Verkauf einräumen, die rechtliche Umsetzbarkeit einer solchen Lösung können wohl die wenigsten hier beurteilen).
Thomas24
27.12.2022, 17:16
Korrekt. Mit dem Verkauf des KV-Sitzes, den der Boomer-Arzt vor Jahrzehnten umsonst oder für sehr wenig Geld bekommen hat, war dieser auf einen Schlag vermögend. Dafür wurde dann das Recht zur Abrechnung mit der deutschen Sozialversicherung zur Handelsware auf den internationalen Finanzmärkten und das Geld floss direkt aus besagtem Sozialsystem in die Taschen arabischer, skandinavischer, amerikanischer oder asiatischer Pension Funds oder HNWI. Eine merkwürdige, aber irgendwie typisch deutsche Verknüpfung aus Staatswirtschaft und Ultrakapitalismus.
Bei einer Staatsquote von über 50% (!!!) in Deutschland überhaupt von deutschem "Ultrakapitalismus" zu sprechen, halte ich für recht gewagt. Vor allem in einem Bereich, wie dem Gesundheitswesen, dem es ja an Regulierung und Bürokratie ja nicht mangelt.
Die Chimäre aus planwirtschaftliche Regulierung, in der sowohl Mengen (gedeckelt), Preise (gedeckelt), Qualität und Ausmaß der Versorgung ("Wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmässig" nach SGB) und Anzahl der Akteure (durch KV) einerseits staatlich vorgegeben sind und andererseits die Akteure dennoch untereinander in Wettbewerb treten sollen, funktioniert ja nur so leidlich gut :-keks. Ich sag mal so, es existiert eine ganze Beraterindustrie aus spezialisierten Steuerberatern, Anwälten und Medizinrechtlern, die nur deswegen existieren kann, weil die deutsche Bürokratie es erforderlich macht, sich dieser Dienstleistungen zu bedienen. Die Damen und Herren nehmen übrigens gerne Stundensätze jenseits von 250 Euro.
Eine Fehlentwicklung, die allmählich zu ähnlich absurden Konstellationen wie das deutsche Steuerrecht führt. Die ursprüngliche Idee, das Steuerrecht möglich transparent und "gerecht" zu machen und auch in jeder hinterletzten Sonderkonstellation zu bedenken, hat in der Praxis zu einem derartigen Wildwuchs geführt, dass man sich in dem Wust aus Sonderregelungen, Ausnahmetatbeständen, Rechtsprechung der Finanzgerichtsbarkeit und den "Nicht- Anwendungsverordnungen" als unbegleiteter Laie gerne verlieren kann. Konsequenz: um die Komplexität des deutschen Steuersystems sind wir nicht zu beneiden und es hat sich ein ganzes Ökosystem an, ähm, Bullshit und Semi- Bullshit Jobs etabliert, die nur den Zweck haben, Lücken zu finden, Gestaltungsmöglichkeiten zu optimieren und auf die Neuentwürfe des Staatsapparates diese Gestaltungsmöglichkeiten wiederum zu modifizieren... ein ewiger Kreislauf. Was da an volkswirtschaftlichen Ressourcen in dieser Bürokratie verloren gehen, die anderswo sinnvoller eingesetzt hätten werden können - naja.
Und aus der ursprünglich mal sinnvollen Idee, die Anzahl der Teilnehmer an der ambulanten GKV Versorgung zu begrenzen und dafür im Gegenzug gewissen GKV spezifischen Regeln zu unterwerfen (schaut mal in den Bundesmantelvertrag Ärzte), ist ebenso ein bürokratischer Albtraum geworden- und auch hier hat sich eben ein Ökosystem an mehr oder weniger sinnvollen Berufen entwickelt, die alle das Ziel haben, die starren KV Regeln zu "gestalten".
Ich habe nur, wie gesagt, meine Zweifel, dass dieses Gesetz ohne Schlupflöcher durchkommt. Und die Rückabwicklung dieses Ausverkaufes wird rechtlich und finanziell schwierig - die PE-Fonds haben ja nichts Illegales getan und können nicht einfach enteignet werden (ggf. könnte man Ihnen eine angemessene "Übergangsfrist" zum Verkauf einräumen, die rechtliche Umsetzbarkeit einer solchen Lösung können wohl die wenigsten hier beurteilen).
Cui bono? Man darf nicht vergessen, dass Herr Lauterbach einer der größten Privatisierungslobbyisten im Gesundheitswesen gewesen ist (Hust, Rhön Kliniken, Hust) und seit Jahrzehnten wiederholt versucht hat, die Rahmenbedingungen der ambulanten Versorgung so zu modifizieren, dass der stationäre Sektor davon profitiert hätte. Natürlich immer völlig uneigennützig zum Wohle der Versicherten (:-keks) und zur Verbesserung der sektorenübergreifenden Versorgung (*gefaelltmirnicht*) und völlig ohne pekuniäre Hintergedanken. Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass die potentiellen Berufsaussichten von jungen Kolleginnen und Kollegen (mangels eigener Niederlassungsmöglichkeiten) das Letzte sind, was Herrn Lauterbach schlaflose Nächte bereitet. Ihm geht es da um andere Dinge, und wenn man das Ganze dem Wähler auch noch populistisch, äh, populär verpacken kann, umso besser :-keks
Eine noch weitergehende staatliche Einmischung in das Gesundheitswesen sehe ich sehr kritisch. Mögen die Intentionen auch gut sein, am Ende wird es im Gesundheitswesen immer nur noch teurer, ineffizienter, bürokratischer und Lebensfremder - und das ist noch das best Case Szenario.
Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass die potentiellen Berufsaussichten von jungen Kolleginnen und Kollegen (mangels eigener Niederlassungsmöglichkeiten) das Letzte sind, was Herrn Lauterbach schlaflose Nächte bereitet. Ihm geht es da um andere Dinge, und wenn man das Ganze dem Wähler auch noch populistisch, äh, populär verpacken kann, umso besser :-keks
Da dürfte man sich sicher sein. Interessant ist diese Ankündigung dennoch, denn woher kommt überhaupt die Motivation? Es ist nicht so als wären die Bürger in diesem Land besonders besorgt um die ambulante Versorgung. Klar, das Thema wird immer mehr durch Medien und co. beleuchtet, aber ich sehe hier keinen wirklichen Druck auf Lauterbach. Wer hat momentan welches Interesse an einer Änderung der Situation? Das wird man wohl erst nach der Gesetzesänderung sehen mitsamt seinen Folgen.
Es wird interessant, was mit den bereits vergebenen Sitzen passiert, ob sich also fremdgeführte MVZs weiter halten und ob die Praxisketten weiterhin existieren dürfen. Die selbst mittelfristig aufzulösen dürfte viele Probleme bringen, wenn man sich ansieht, dass junge Ärzte eher wenig Interesse daran zeigen, sich eigenverantwortlich niederzulassen, wobei das auch nur das momentan verbreitete Narrativ darstellt. Aber da wird es sicher viele Möglichkeiten geben, die Sitze wieder schonend ins System zu geben.
Thomas24
27.12.2022, 17:41
Das Hauptproblem ist doch, dass wir über die Jahre in eine Situation gekommen sind, in der man mit dem Verkauf eines KV-Sitzes den Ruhestand finanziert. Dem hätte schon vor Jahren ein Riegel vorgeschoben werden müssen, bevor das alles so wildgewuchert ist, inkl. Verkauf an MVZ-Ketten, weil die mehr Geld für den Sitz bezahlen.
Wieso eigentlich? Wieso soll eines Tages eine Verkäuferin "Bonnerin" sich nicht ihren Vertragspartner aussuchen dürfen, an wen Sie ihre Praxis abgibt? Wieso soll sich da der Staat und die KV einmischen und Dir verbieten, an einen willigen und solventen Käufer zu verkaufen, und dich zwingen, an jemanden zu verkaufen, der Dir weniger bieten würde? Auch, wenn du auf einen möglichst hohen Verkaufserlös angewiesen bist, um Dir deinen Ruhestand (mit-) zu finanzieren, weil die Rentenversicherungssysteme eben nicht solide finanziert sind?
Und mal aus der Perspektive des Käufers: welcher Investor lässt sich durch solche Regelungen aushebeln? Wenn ich deine Praxis von Dir kaufen möchte, und Du an mich verkaufen möchtest - der Staat es uns beiden aber verbietet? Denkst du im Ernst, wir würden uns da keine Möglichkeit einfallen lassen, diese Regelung zu umgehen?
Wenn wir solchen Überlegungen Tür und Tor öffnen, haben wir ganz schnell keine Marktwirtschaft mehr. Als nächstes käme dann: Sorry, Sie können ihre Wohnung nicht an die nette junge Familie vermieten/verkaufen, die sich so sympathisch bei Ihnen vorgestellt hat. Wir haben da jetzt so einen "social Justice Score" entwickelt- und nach diesem Score müssen Sie jemand anders nehmen...
Steht eigentlich irgendwann auch mal ne Neuberechnung der KV-Sitze an? Das wäre auch spannend.
Geschieht regelmäßig- z.B. wegen regionaler Unterversorgung, oder "demographischen Sonderbedarf". Da die KV aber nur den "Jetzt" Zustand berücksichtigt und nicht den "wie wird es in 3 Jahren sein", kommt es regelmäßig bei der KV zu einem "surprised Pikachu Face" Moment, wenn 3 niedergelassene Kollegen gleichzeitig in den Ruhestand gehen und aus "überversorgt zu 107%", dann schnell "Unterversorgt" wird (No Shit, Sherlock? Die drei Kollegen kennen sich noch aus der Klinikzeit und haben sich zu einem ähnlichen Zeitpunkt niedergelassen- hätte ja keiner ahnen können, dass die auch zu einem ähnlichen Zeitpunkt aufhören wollen...). Die KV agiert eben wie eine deutsche Behörde, behäbig und langsam... Und Sie kennt deinen Markt (dein Fachgebiet) nicht.
Ganz anders hingegen die Perspektive des Unternehmers: Du bist im Thema, du kennst die lokalen Akteure und kennst die Altersstruktur- und zack, wenn die drei Kollegen dann zu einem ähnlichen Zeitpunkt aufhören möchten, hast du die eben vorher schon Jahre vorher angesprochen... Kauf der Praxis, Übernahme der Sitze, Anstellung des Altinhabers auf dem ehemaligen eigenen Sitz für 3 Jahre als Angestellter, alles schon vorbereitet. Und die Arbeitsplätze der MFAs und die weitere Versorgung der Patienten durch jemanden, den Sie seit Jahren kennen, ist auch gewährleistet. Das kann für alle Beteiligten eine feine Sache sein-
Denn man darf nicht vergessen, dass auch die Nachfrage nach Sitzen in den letzten Jahren ja deutlich nachgelassen hat. Immer mehr Kolleginnen und Kollegen bevorzugen eine Tätigkeit in einer BAG anstelle eines Einzelsitzes, Tätigkeit in Anstellung, flexible Arbeitszeitmodelle usw. vor allem in ländlichen Bereichen gibt es kaum noch junge Kollegen frisch aus der Klinik, die sich verschulden und den Schritt in die Selbständigkeit wagen möchten usw. pp. Wenn keine Käufer auf derartige Sitze (ländlich, Einzelsitz, Investitionsstau in Material und Gebäude) vorhanden sind, und mittelständische Praxiskonglomerate ebenfalls nicht mehr als Käufer auftreten dürfen, tja, dann werden solche Sitze und Praxen mangels Nachfolger eben dicht gemacht :-nix
Thomas24
27.12.2022, 17:53
Die Frage wäre auch, was mit den Sitzen passiert, die schon vorher niemand haben wollte…
Tja, da die KV den Versorgungsauftrag hat, muss die KV im Zweifel sowas wie eine "KV Praxis im Eigenbetrieb" anbieten und dafür jemanden finden, der das machen möchte. Natürlich verbunden mit dem "großzügigen Angebot" diese Praxis dann übernehmen zu dürfen (dann hat die KV nämlich Personal, Miete, Versicherungen etc. wieder von der Backe...). Wie gut dieses Modell funktioniert, sehen wir ja in einigen Ecken Thüringens, und bald: auch in einem unterversorgten Bereich in ihrer Nähe :-oopss.
Oder der Patient darf eben fahren.
Wieso soll eines Tages eine Verkäuferin "Bonnerin" sich nicht ihren Vertragspartner aussuchen dürfen, an wen Sie ihre Praxis abgibt?
Die Praxis kannst du doch abgeben, an wen du möchtest. Nur die Lizenz zur Abrechnung mit der GKV könnte doch bitte nach deinem Ausscheiden aus der vertragsärtztlichen Versorgung wieder an die KV zurück fallen. Ob damit nun direkt dem Sozialismus Tür und Tor geöffnet würde, bezweifle ich mal, denn die (i)MVZ-Möglichkeit gibt es mWn noch keine zwei Dekaden lang.
Und ich bin mir nicht sicher, ob ich dich im letzten Absatz recht verstehe, aber du willst uns das ganze doch nicht als Beitrag zur Sicherung der ländlichen Grundversorgung verkaufen?!
Auch, wenn du auf einen möglichst hohen Verkaufserlös angewiesen bist, um Dir deinen Ruhestand (mit-) zu finanzieren, weil die Rentenversicherungssysteme eben nicht solide finanziert sind?
Ja, nicht dass dem langjährigen Praxisinhaber nach seiner Tätigkeit mit >€160k pa Medianüberschuss auch noch die Altersarmut droht. Dann lass uns lieber die Freiberuflichkeit der jüngeren Kollegen verscherbeln.
Ich lese deine Beiträge sehr gerne, aber da spricht imo jmd, der seine vielen Schäfchen absehbar im Trockenen hat.
Thomas24
27.12.2022, 18:15
Die Praxis kannst du doch abgeben, an wen du möchtest. Nur die Lizenz zur Abrechnung mit der GKV könnte doch bitte nach deinem Ausscheiden aus der vertragsärtztlichen Versorgung wieder an die KV zurück fallen. Ob damit nun direkt dem Sozialismus Tür und Tor geöffnet würde, bezweifle ich mal, denn die (i)MVZ-Möglichkeit gibt es mWn noch keine zwei Dekaden lang.
Und der rein materielle Wert der Praxis beträgt dann nach knapp 20 bis 30 jähriger Praxistätigkeit dann noch wieviel?
Das wird den abgebenden Kollegen sicherlich leicht fallen, einen ordentlichen Verkaufspreis für ihren Ruhestand zu realisieren.
Vor allem, wenn ich als potentieller Käufer verpflichtet bin, in alle bestehenden Vertragsverhältnisse einzusteigen (insb. Arbeitsverträgen mit dem Assistenzpersonal), andererseits aber an dem Standort nur noch Selbstzahler und Privatpatienten weiterbehandeln darf.
Und ich bin mir nicht sicher, ob ich dich im letzten Absatz recht verstehe, aber du willst uns das ganze doch nicht als Beitrag zur Sicherung der ländlichen Grundversorgung verkaufen?!
Man darf in der Diskussion doch nicht so tun, als ob "pöhse Investoren" sich nur die Sahnehäubchen in den zahlungskräftigen Innenstadtlagen aussuchen:-nix. Gerade im ländlichen Raum finden sich kaum noch Nachfolger für Einzelpraxen- es finden sich schlicht nicht mehr genügend Kollegen, die bereit sind, dort zu leben und zu arbeiten.
In meinem letzten Praxisverbund (12 Sitze, 2 Op Zentren, also kleiner Mittelständler) haben wir es genau so gehandhabt: bewusst auch einige ländlicher gelegenen KV Sitze aquiriert. Dadurch haben wir einerseits mitgeholfen, eine wohnortnahe Versorgung (für die alternde Bevölkerung) zu gewährleisten, andererseits die Op Indikationen aus dieser Region für uns gewonnen. Ein Win- Win. Die Alternative wäre gewesen: der KV Sitz findet keinen Nachfolger und dieses 20.000 Seelen Dörfchen hat halt eben keinen Augenarzt mehr. Nächster Augenarzt wäre 1 Stunde Fahrzeit entfernt. sehr schön, wenn man kontinuierliche Betreuung (exsudative AMD, Glaukom etc.), oder mal einen Notfall hat. Die Realität ist nunmal nicht schwarz - weiß. Das Narrativ: Investor/ regionale Praxiskette = böse kann ich zumindest für mein Fachgebiet nicht zu 100 % unterschreiben.
Klar, ist halt der Grundkonflikt: Boomergeneration will hohe sechs- oder siebenstellige Verkaufserlöse erzielen, nachdem man sich in den Strahlen-, Labor- und internistischen Fächern sowie Auge etc ne goldene Nase verdient hat. Was jucken da jüngere Generationen, die gern auch noch ein bisschen was von der Freiberuflichkeit hätten. Da täte es natürlich weh, wenn über den Sitz nicht mehr frei verfügt werden könnte. Und mE braucht man sich auch keine Illusionen machen, wer da am längeren Hebel sitzt.
Es freut mich, dass sich auch ländlich gelegene Zuweiserpraxen in der Augenheilkunde lohnen, nachdem besagte Sahnehäubchen abgegrast sind, und das mag mitunter auch positive Auswirkungen auf die Versorgung haben. Aber aus meiner Sicht war das sicherlich nicht das Ziel der Akquisition, noch ist es die Regel, noch ist es eine effiziente Methode, noch hilft das dem jungen Augenarzt, der sich dann nicht mal mehr ländlich niederlassen kann.
Die Perversität, dass KV-Sitze überhaupt verkauft werden können und nicht zentral durch die KV neu vergeben werden, habe ich nie verstanden. Aber klar, die Leute, die sie haben und verkaufen wollen, sitzen da am längeren Hebel.
Sie wollen eine KV Genehmigung? Dann wird zuerst der Sitz mit dem höchsten Bedarf zentral von der KV neu vergeben. Sie wollen aber einen anderen? Tja, Pech gehabt, Selbstzahler geht immer.
Thomas24
27.12.2022, 21:13
Es freut mich, dass sich auch ländlich gelegene Zuweiserpraxen in der Augenheilkunde lohnen, nachdem besagte Sahnehäubchen abgegrast sind, und das mag mitunter auch positive Auswirkungen auf die Versorgung haben. Aber aus meiner Sicht war das sicherlich nicht das Ziel der Akquisition, noch ist es die Regel, noch ist es eine effiziente Methode, noch hilft das dem jungen Augenarzt, der sich dann nicht mal mehr ländlich niederlassen kann.
Hallo! Natürlich ist die Aquisition einer peripher gelegenen Landaugenarztpraxis eine primär von ökonomischen Erwägungen getriebene Entscheidung. Wenn es sich nicht rechnet, dann macht es auch keinen Sinn, diesen Sitz zu erwerben (und sei er noch so günstig zu haben). Zumindest die laufenden Kosten (Gehalt Helferinnen plus Sozialversicherungsbeiträge, Miete, Versicherungen, Strom/ Gas etc.) und die eigene Investitionsleistung (in Untersuchungseinheiten, OCT, Fremdkapitalkosten etc.) muss dabei rauskommen. Nur ist die erzielbare Marge in einigen Fällen echt nicht berauschend hoch, vor allem vor dem Hintergrund, dass in der Pampa (manchmal nur 30 min von einem Ballungszentrum entfernt) vergleichsweise weniger Selbstzahler/ Privatpatienten leben, und man dementsprechend nur aus dem konservativen GKV Umsatz alleine keinen Schnitt macht. Nochmal: es hat ja auch seinen Grund, warum junge Kolleginnen und Kollegen um derartige Sitze einen großen Bogen schlagen. Frag doch mal die allgemeinmedizinischen Kollegen, wie es bei denen läuft. Auch da gibt es Sitze, die noch nicht mal mehr geschenkt nachgefragt werden - und die gibt es durchaus auch in der Augenheilkunde.
Denn all die großen Praxisketten haben dasselbe Problem: es fehlt die zunehmend die Manpower, um die freiwerdenden Sitze überhaupt adäquat bespielen zu können.
Die Perversität, dass KV-Sitze überhaupt verkauft werden können und nicht zentral durch die KV neu vergeben werden, habe ich nie verstanden. Aber klar, die Leute, die sie haben und verkaufen wollen, sitzen da am längeren Hebel.
Sie wollen eine KV Genehmigung? Dann wird zuerst der Sitz mit dem höchsten Bedarf zentral von der KV neu vergeben. Sie wollen aber einen anderen? Tja, Pech gehabt, Selbstzahler geht immer.
Hier sind echt viele Leute dabei, die noch nie einen KV Sitz gekauft haben...
Nochmal: du kannst deinen KV Sitz auch nicht verkaufen. Das ist jetzt schon so. Der KV Sitz ist nicht dein Eigentum, und auch die Zulassungsgremien können anders entscheiden, wie es sich Käufer und Verkäufer gedacht haben. Die wirtschaftlichen Interessen des Verkäufers sind "angemessen zu berücksichtigen", ABER: das garantiert mitnichten, dass ein KV Sitz auch tatsächlich dem Käufer zugesprochen wird. Das letzte Wort hat das Zulassungsgremium der KV. Deswegen ist es auch sinnvoll, Kaufverträge über Praxen unter die auflösende Bedingung zu stellen, dass Dir auch tatsächlich der Sitz zugesprochen wird. Ansonsten hast du eine Praxis gekauft, aber keinen KV Sitz bekommen...
Bezüglich des Vorschlags, die KV Sitze allein durch die KV vergeben zu lassen...
Cave: nicht von der Illusion blenden lassen, dass eine deutsche Behörde ein Hort von Rechtschaffenheit und Gesetzestreue ist. Ein Sitzvergabe Monopol durch die KV wäre extrem anfällig wäre für zwielichtige Schiebereien, bis hin zur offenen Korruption/ Nepotismus. In den KV Gremien sitzen eben Menschen, und auch Sachbearbeiter, die an Schlüsselstellen in der KV sitzen sind nicht unkorrumpierbar. Wenn ich auf 5 Bescheiden sehe, dass immer dieselben Namen in der Kammer über die Zulassungen entscheiden (es reicht schon, dass der Eingangsstempel auf deiner Bewerbung etwas Verzögerung erhält), dann kannst du Dir sicher sein, dass da bald ähnliche Mauscheleien passieren, wie in den Bauämtern und Beschaffungsabteilungen/ strategischer Einkauf der Republik.
Oder glaubst du, es ist Zufall, dass beispielsweise Angehörige von Gemeinderatsmitgliedern zufällig Ackerland kaufen, bevor dieses Ackerland von der Gemeinde zu Bauerwartungsland wird? :-nix Wenn beispielsweise Freak1 und die Schwiegertochter eines guten Kumpels um einen KV Sitz buhlen, dann liegt eben der KV Sitz am Mümmelmannsberg zufällig oben (dringender Bedarf! Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf! Muss zuerst entschieden werden!) und über den KV Sitz in Harvestehude wird eben erst in der Sitzung danach entschieden, da gab´s leider einen blöden Zahlendreher in der Bankverbindung bei der Antragsgebühr, daher hat sich nur die Schwiegertochter fristgemäß bewerben können. Dreimal darfst du raten, wer bei einem solchen System in die Röhre schaut- eben der, der weniger gut in der KV vernetzt ist. Nur die Sachbearbeiterin in der Poststelle fährt seit neuestem halt einen schicken Mini Cooper- aber wer weiß, der gehört vermutlich ihrem Freund :-oopss
Thomas24
27.12.2022, 21:44
Ja, nicht dass dem langjährigen Praxisinhaber nach seiner Tätigkeit mit >€160k pa Medianüberschuss auch noch die Altersarmut droht. Dann lass uns lieber die Freiberuflichkeit der jüngeren Kollegen verscherbeln.
Nun ja, du wärst erstaunt, dass immer wieder Praxen nicht an den Höchstbietenden veräußert werden. Im Verhandlungsprozess spielen -vor allem unter Ärzten- immer auch andere Faktoren eine Rolle (z.B. Sympathie mit dem potentiellen Nachfolger, oder der Wunsch, dass die Patienten möglichst optimal weiterversorgt werden, Antipathie gegen die großen Ketten, daher bewusst nicht an eine große Kette verkauft usw.). Hab in den letzten Jahren alles schon gesehen und erlebt. Daher gehe ich in Kaufverhandlungen bewusst auch immer Ergebnisoffen an die Kollegen ran und versuche, einen persönlichen Rapport zu erstellen- außer dem Kaufpreis, was ist Ihnen / Dir in der Weitergabe ihres Lebenswerks noch besonders wichtig? Da ist man oft erstaunt, um welche Aspekte es den abgebenden Kollegen manchmal geht. Es geht eben den meisten nicht nur um Geld und einen hohen Erlös, die meisten Kollegen, mit denen ich zu tun hatte, ticken eben nicht so :-nix
Ich lese deine Beiträge sehr gerne, aber da spricht imo jmd, der seine vielen Schäfchen absehbar im Trockenen hat.
Nach all den Jahren konzentrierten Dauerfeuers an Sch... die auf einen in den Klinikjahren und auch noch danach von Politik, Medien und unserer angeblichen "Interessenvertretung" KV herab prasselt, finde ich es in Ordnung, wenn der ein oder andere von uns einmal der gutsituierten oberen Mittelschicht angehören wird- und zumindest mal keine größeren finanziellen Sorgen hat. Ich gönn es jedenfalls uns/ euch allen.
No Shit, Sherlock? Die drei Kollegen kennen sich noch aus der Klinikzeit und haben sich zu einem ähnlichen Zeitpunkt niedergelassen- hätte ja keiner ahnen können, dass die auch zu einem ähnlichen Zeitpunkt aufhören wollen...). Die KV agiert eben wie eine deutsche Behörde, behäbig und langsam... Und Sie kennt deinen Markt (dein Fachgebiet) nicht.
Ich kenn sowas auch und man kann auf ein paar Jahre vorhersagen wann das passieren wird. Und es wird spannend bis gewaltig was dann passiert. Klar, es geht immer weiter. Aber es wird auf jeden Fall spannend.
Ganz anders hingegen die Perspektive des Unternehmers: Du bist im Thema, du kennst die lokalen Akteure und kennst die Altersstruktur- und zack, wenn die drei Kollegen dann zu einem ähnlichen Zeitpunkt aufhören möchten, hast du die eben vorher schon Jahre vorher angesprochen...
Voll. Langsamer Rückzug des Einen, Aufbau des Nachfolgers etc. Kann man alles auf Jahre bis Jahrzehnte planen.
Wenn man selbst aber Abgestellter ist? Nach einem selbst die Sinnflut. Wenn ich weiß dass es in einem Fach 80% der Oberärzte Ü60 sind und demnächst in Rente gehen werden/müssen, dann bin ich Krankenhaus/Planwirtschaft und lasse es erstmal auf mich zukommen. Kann man ja nie so genau sagen wann das passiert und Stellen gibt es halt einfach nur so und so viele...
Denn man darf nicht vergessen, dass auch die Nachfrage nach Sitzen in den letzten Jahren ja deutlich nachgelassen hat. Immer mehr Kolleginnen und Kollegen bevorzugen eine Tätigkeit in einer BAG anstelle eines Einzelsitzes, Tätigkeit in Anstellung, flexible Arbeitszeitmodelle usw. vor allem in ländlichen Bereichen gibt es kaum noch junge Kollegen frisch aus der Klinik, die sich verschulden und den Schritt in die Selbständigkeit wagen möchten usw. pp. Wenn keine Käufer auf derartige Sitze (ländlich, Einzelsitz, Investitionsstau in Material und Gebäude) vorhanden sind, und mittelständische Praxiskonglomerate ebenfalls nicht mehr als Käufer auftreten dürfen, tja, dann werden solche Sitze und Praxen mangels Nachfolger eben dicht gemacht :-nix
Sorry, aber Einzelpraxis ist auch aus meiner Sicht eher... risikoreich. Inzwischen gibt es immer mehr Deckelungen auf der einen Seite und Fixkosten (oder Fix-Arbeitzeiten) auch bürokratischer Natur auf der anderen Seite. Sich das Risiko (eigener Arbeitsausfall, laufende Personalkosten etc.) und solche Fixkosten zu teilen macht Sinn. Eine Gemeinschaftspraxis fände ich persönlich daher deutlich erstrebenswerter als eine Einzelpraxis.
dissection
28.12.2022, 13:03
In absteigender Reihenfolge - welche Praxisformen sind finanziell am lukrativsten? Lässt sich hier auch unabhängig von Fachrichtungen eine Tendenz absehen?
Einzelpraxis - Gemeinschaftspraxis - MVZ in leitender Funktion - Angestellter?
Bei einer Staatsquote von über 50% (!!!) in Deutschland überhaupt von deutschem "Ultrakapitalismus" zu sprechen, halte ich für recht gewagt. Vor allem in einem Bereich, wie dem Gesundheitswesen, dem es ja an Regulierung und Bürokratie ja nicht mangelt.
Ich habe nicht von "deutschem Ultrakapitalismus" gesprochen. Sondern von einer typisch deutschen Tendenz zur Überregulierung in Verbindung mit dem Ultrakapitalismus der weltweiten Finanzmärkte, an denen deutsche Kassensitze mittlerweile gehandelt werden. Vielleicht kann die KV beim "Verkauf" der Sitze theoretisch auch anders entscheiden, aber das tut sie offenbar so selten, dass die Investoren in der Regel schon bekommen, was sie wollen.
Die Chimäre aus planwirtschaftliche Regulierung, in der sowohl Mengen (gedeckelt), Preise (gedeckelt), Qualität und Ausmaß der Versorgung ("Wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmässig" nach SGB) und Anzahl der Akteure (durch KV) einerseits staatlich vorgegeben sind und andererseits die Akteure dennoch untereinander in Wettbewerb treten sollen, funktioniert ja nur so leidlich gut :-keks.
Korrekt, und dass das Recht zur Abrechnung mit dem Gesundheitssystem dabei zu einem Handelsgut internationaler Finanzakteure wird ist ein absurdes Ergebnis dieses Systems. Ich bin ein Freund der freien Marktwirtschaft, aber zu dieser gehört eben auch das Abbauen von künstlichen Markteintrittsbarrieren, und gerade nicht, dass man großen Akteuren das Aufbauen von monopolartigen Stellungen erlaubt. Und erst recht nicht, kleinen Akteuren die Teilnahme am Markt zu verwehren.
Man darf nicht vergessen, dass Herr Lauterbach einer der größten Privatisierungslobbyisten im Gesundheitswesen gewesen ist (Hust, Rhön Kliniken, Hust) und seit Jahrzehnten wiederholt versucht hat, die Rahmenbedingungen der ambulanten Versorgung so zu modifizieren, dass der stationäre Sektor davon profitiert hätte. Natürlich immer völlig uneigennützig zum Wohle der Versicherten (:-keks) und zur Verbesserung der sektorenübergreifenden Versorgung (*gefaelltmirnicht*) und völlig ohne pekuniäre Hintergedanken. Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass die potentiellen Berufsaussichten von jungen Kolleginnen und Kollegen (mangels eigener Niederlassungsmöglichkeiten) das Letzte sind, was Herrn Lauterbach schlaflose Nächte bereitet. Ihm geht es da um andere Dinge, und wenn man das Ganze dem Wähler auch noch populistisch, äh, populär verpacken kann, umso besser :-keks
Was genau führt er deiner Meinung nach denn im Schilde? Aus meiner Sicht ist es andersherum: Das aktuelle System führt mittelfristig dazu, dass fast alle (lukrativen) Kassensitze fest in der Hand von Private-Equity-Fonds sein werden, und für die Ärzte selbst entweder nur das platte, unrentable Land oder die Anstellung bleibt. Insofern steuern wir schon auf ein Worst-Case-Szenario zu und es kann eigentlich nur besser werden.
Die Praxis kannst du doch abgeben, an wen du möchtest. Nur die Lizenz zur Abrechnung mit der GKV könnte doch bitte nach deinem Ausscheiden aus der vertragsärtztlichen Versorgung wieder an die KV zurück fallen. Ob damit nun direkt dem Sozialismus Tür und Tor geöffnet würde, bezweifle ich mal, denn die (i)MVZ-Möglichkeit gibt es mWn noch keine zwei Dekaden lang.
[…]
Ja, nicht dass dem langjährigen Praxisinhaber nach seiner Tätigkeit mit >€160k pa Medianüberschuss auch noch die Altersarmut droht. Dann lass uns lieber die Freiberuflichkeit der jüngeren Kollegen verscherbeln.
Ich lese deine Beiträge sehr gerne, aber da spricht imo jmd, der seine vielen Schäfchen absehbar im Trockenen hat.
So lese ich die Beiträge ehrlicherweise auch...
GloriaSchmidt
28.12.2022, 16:23
Ich habe aktuell entweder die Perspektive,
in einer Klinik zu arbeiten (nie wieder!), angestellt in einer Praxis/MVZ oder einen Sitz zu ergattern für 400.000€ (umziehen kommt nicht in Frage…).
Dass der „Sitz“/ die Praxis/ die Teilhaberschaft in einer BAG so absurd teuer ist, liegt doch nunmal daran, dass hier Handel getrieben wird mit einem
Gut (GKV Patienten behandeln zu dürfen), dass eigentlich kein Wirtschaftsgut sein sollte und durch Investoren auf dem Markt so absurde Summen annimmt.
Jeder Vorstoß in die Richtung das zu verändern, kommt mir erstmal sinnvoll vor. Ich will gern Patienten gut behandeln und davon leben können - und nicht als Angestellte eines großen Wirtschaftsbetriebs dazu gezwungen sein, dass monetäre Interessen von Investoren das höchste Gut sind…
Endoplasmatisches Reticulum
28.12.2022, 16:24
Ich finde die Vorstellung absurd, eine Regulierung gegen Mechanismen, die ein System für 99.9 % der möglichen Teilnehmer unzugänglich machen, wäre schlecht, weil sie die Teilnahme am System einschränken würde.
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