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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Das Krankenhaus wechseln? Ist es woanders besser? Chirurgie-Uniklinik



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][truba][
10.01.2023, 21:06
Wieso darf ich nicht 10 Jahre Leber, Sarkome und Magen und danach in die Praxis?.

Das ist einfach erklärt: Weil das niemand nach 10 Jahren kann. 5-6 Jahre Facharzt und dann dauert es bis man bestimmte Dinge kann. Chirurgie, vor allem keine hepatobilliäre, Ösophagus oder sonstig komplizierte Chirurgie, lernt man so schnell dass man so ch nach 10-15 Jahren denkt „alles gesehen, jetzt geh ich mal in die Praxis“. Wer sowas lernen möchte, der möchte(!!!) das lernen und dann will er es im besten Fall bis zum Ende machen (auch wenn es einige sicherlich bereuen).

Forschung sehe ich anders. Du hast jetzt die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen und Grundlagen dahingehend zu lernen. Finde den Oberarzt dessen Thema du interessant findest, Bau eine „Beziehung“ auf. Dann wirst du auch weiter forschen können wenn du mal
das Haus wechselst. Bis man allerdings mentale Kapazitäten hat um das „nebenbei“ zu stemmen wird es dauern.

Ich finde du machst keinen weinerlichen, sondern durchaus chirurgischen Eindruck. Deshalb ja mein Tipp: nimm dir Zeit und überlege was du willst und was du bereit bist dafür zu geben. Anschließend passe dein Arbeitsumfeld an.

Viel Erfolg.

MagicMuffin
10.01.2023, 21:11
@Matzexc1 Das stimmt wohl. Ich wollte mir nur die Chance dazu nicht schon von Anfang an verbauen. Nach 2 Wochen gehen habe ich aus den üblichen Gründen nicht gemacht. Schon zu viel investiert, vielleicht wird es besser, ...

@Lightyagami ein Zusammenspiel aus privaten/familiären Gründen. Es musste einfach diese eine Uniklinik sein.

MagicMuffin
10.01.2023, 21:21
@Truba vielen Dank. Ich versuche deine Ratschläge umzusetzen.
Ich sehe es nur so: Der Weg in die Praxis ist lang und noch Jahrzehnte hin. Erstmal breit anzufangen und dann zu sehen, was mir liegt und gefällt schien für mich am sinnvollsten. Ich sehe nur jetzt, dass mir arbeiten ohne die geringste Anleitung einfach keinen Spaß macht.
Insbesondere bei onkologischen Patienten habe ich die Verantwortung dass es läuft. Ohne Verzögerung, ohne Fehler und ohne "Experimentieren". Und ich finde es weder mir, noch dem pankreaslinks + splenektomierten Patienten gegenüber fair, wenn ich nicht weiß, wie die Nachsorge aussieht und ihm deshalb keinerlei konkreten Informationen geben kann.

Matzexc1
10.01.2023, 21:30
@Matzexc1 Das stimmt wohl. Ich wollte mir nur die Chance dazu nicht schon von Anfang an verbauen.
War auch mein Grund warum ich an die Uni bin



Nach 2 Wochen gehen habe ich aus den üblichen Gründen nicht gemacht. Schon zu viel investiert, vielleicht wird es besser, ...

Ich hatte erst nach Ende der Probezeit ein Feedbackgespräch(sehr demotivierend und extremst unkonstruktiv) und bin geblieben um mir zu beweisen das ich es kann/weil ich eine Wohnung frisch angemietet und Möbel gekauft hatte, die Kündigung reichte ich ein weil ich den ganzen Zirkus dann nicht mehr mitmachen wollte und mich mein Rotationsplan wieder für 9 Monate in die Abteilung geführt hätte wo ich schon 9 Monate war.

Ich halte dir die Daumen.

][truba][
10.01.2023, 21:32
Sehr verständlich. Beides. Also sowohl, dass du „breit anfangen“ willst als auch die korrekte Nachsorge (absolut wichtig).

Zu breit: Ist eine Uniklinik wirklich „breit“? Ist die whipple/pppd, hemihepatektomie, Leber/Nieren und whatever Transplantation wirklich breit oder ist (auch mit Hintergrund Niederlassung) ist nicht doch der Großteil der Versorgung in der Praxis Hernien, Gallen, hemikolektomien links/rechts, sigmaresektionen, Wunden etc.? Wie oft sieht man da eine Post whipple? Kommt der im besten Fall mit
Empfehlungen die man umsetzt oder kann dann in der Praxis doch nochmal in Ruhe nachschauen was er brauch?

Zu Verantwortung: hat man und hat man als Anfänger (und nicht FA) immer schiss vor. Lösung: beim nächsten Patienten der entlassen wird, nimmst du die tumorformel, die histo und gehst dem oa so damit auf den Zeiger dass du neu bist und unsicher mit der Empfehlung und worauf zu achten ist bis er dir hilft (du sagst selbst, du Jungs sind im Grunde ok - zumindest einige). Ab in die Word Datei. Dann folgt noch ne anstrengende Zeit aber nach einiger Zeit hast du dein Dokument und dann machst du es auf, gleichst bei deinen Entlassungen ab und addest fallspezifische Sachen (kein Plan zum Beispiel wenn der Blutzucker Strange war Vorstellung beim diabetologen). Am
Anfang ist alles überwältigend ob der schieren komplexen Krankheitsbilder. Aber selbst die wiederholen sich irgendwann und der „Stamm“ ist gleich. Nur bis man genau das raus hat, dauert es (in großen) Chirurgen gern mal 12-24 Monate (und das ist auch was der Kollege auf Seite 1 im Grunde sagen wollte). Und ab dem Zeitpunkt kann es eben auch anfangen Spaß zu machen (wenn man eben der Uni Typ ist). Bis dahin wird es noch sehr oft, sehr scheisse sein.

nie
11.01.2023, 06:48
Truba hat es schon angesprochen: Für „breit anfangen“ ist eine Uniklinik eigentlich der falsche Ort. Unikliniken sind in der Regel hochspezialisiert. Man sieht eine Menge seltener und komplizierter Dinge, was sehr spannend und lehrreich ist aber für ein breites Basiswissen würde ich nicht unbedingt in der Uniklinik anfangen. Viele Dinge, die man an einer Uniklinik sieht, werden einem in der Niederlassung nie begegnen. Es gibt eigentlich keinen Ort, der einen weniger auf die Niederlassung vorbereitet als eine Uniklinik. Dessen muss man sich bewusst sein.

Christoph_A
11.01.2023, 07:15
Ganz so hart würde ich das aber jetzt auch nicht formulieren. Annähernd jede Uniklinik hat auch einen Versorgungsauftrag und so siehst Du in so ziemlich jedem Fach auch das "klassische" Klientel, das anderswo sonst nicht untergebracht werden kann. Auch in Unikliniken werden Hüften geklopft, Gallen operiert und strömen über die Notaufnahmen die Standardpatienten rein.
Fakt ist aber, daß man natürlich im Verhältnis weniger davon und mehr spezialisierte Fälle sieht. Ist aber für später jetzt meiner Meinung nach durchaus förderlich. Ob es dann die Uni mit ihrem Forschungsauftrag und den daraus folgenden Mehraufgaben oder einfach nur ein Maximalversorger sein soll, das muß jeder für sich selber entscheiden.

Osteosynthese
11.01.2023, 10:20
Truba hat es schon angesprochen: Für „breit anfangen“ ist eine Uniklinik eigentlich der falsche Ort. Unikliniken sind in der Regel hochspezialisiert.

Ich bin zwar noch im klinischen Abschnitt des Studiums, aber ich finde das Schweizer System mit C/B/A Spitälern eigentlich ganz nachvollziehbar. Dort gehen die WBA's erst gegen Ende der Weiterbildungszeit an ein A-Spital (Universitätsspital/Maximalversorger).

Ist der Chirurgen-Mangel nicht so eklatant und wird eher schlimmer, dass man auch als frischer Facharzt noch an eine Uniklinik wechseln kann, um "Karriere" zu machen ? Die werden sich doch auch freuen, wenn da jemand kommt, der die Grundlagen beherrscht, die Kameraführung kann und der jetzt seine Gallen und Appendices alleine operieren kann bzw. dem man weniger lange auf die Finger schauen muss, bis er/sie es kann.

Es gibt auch einige Handreichungen der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Junger Chirurgen bezüglich Inhalt und Abläufe in der Weiterbildung:https://www.dgav.de/fileadmin/media/freigaben/cajc/Weiterbildung_to_go.pdf

Einleitung
Die „Weiterbildung to go“ ist ein Ratgeber, um in der eigenen Klinik mit einfachen Mitteln die Weiterbildung zu verbessern. Sie wurde von den aktiven Mitgliedern der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Junger Chirurgen (CAJC) der DGAV erarbeitet.
Sie richtet sich an alle an der Weiterbildung Beteiligten.

Auf jeden Fall ist es spannend die Diskussion hier mitzuverfolgen - auch als Student. Das nimmt mir zumindest die Illusion, was mich erwarten kann/wird, wenn man Chirurgie machen möchte.

treffu
11.01.2023, 16:21
Du sprichst mir tatsächlich sehr aus der Seele. Ich bin am Ende meines 1. WBJ in einem nicht universitären Maximalversorger, decken allerdings auch hepatobiliäre Chirurgie und Ösophagus ab, also viele kranke Patienten mit vielen Komplikationen, die man in der Uni oder im PJ im kleinen Haus einfach nie zu Gesicht bekommen hat. Oft fühlt man sich als junger Assistent wie ein Feueraustreter auf Station finde ich, so richtig gut machen kann man es noch nicht und man hangelt sich von Tag zu Tag und versucht die Basics richtig zu machen und eben bei speziellen Fällen die Oberärzte zu nerven, bis sie dir einen Fahrplan geben. Diesen Fahrplan auf die generellen Komplikationen anzuwenden, finde ich noch schwierig, aber man kommt mit der Zeit rein und lernt viel passiv denke ich. Dass das ganze unbefriedigend ist und man sich das alles anders vorgestellt hat, ist definitiv so. Aber wie gesagt, so langsam kommt man rein.

Was das breite Feld und die Forschung angeht: Kann ich auch verstehen. Ich hatte nach meiner Doktorarbeit die Schnauze voll von Uni und Forschung, hätte mittlerweile aber wieder ein bisschen Lust und denke der Vorteil ist gerade bei den großen Krankheitsbildern, dass da auch mehr Druck ist "uptodate" zu bleiben in der Behandlung und man in einem universitären Umfeld vllt mehr Input bekommen würde was das Nachlesen angeht. Auf der anderen Seite wollte ich eben auch Basics wie Wundversorgung und Hernien-OPs etc gut lernen können, um für den Weg in Niederlassung/Quereinstieg Allgemeinmedizin etc was mitzunehmen. Wobei man sagen muss, dass Basics bei uns auch schlecht vermittelt werden, denke dafür braucht man ein wirklich kleineres Haus.

MagicMuffin
11.01.2023, 21:18
Wir sehen auch fast täglich Gallen und Appendices, natürlich jedoch nicht annähernd genug als dass wir Assistenten etwas davon haben.

@Osteosynthese: Nach dem Facharzt wäre ich mir da nicht mehr so sicher. So ganz ohne jeglichen wissenschaftlichen Background kriegt man an einer Uniklinik eigentlich keine Oberarzt Position. Sich die entsprechende Forschung aufzubauen zieht sich so viele Jahre und es werden so viele vor einem sein, das lohnt sich kaum noch.
Desillusioniert werden wir alle. Früher oder später.

@treffu: das ist die Sache. Ich habe eigentlich total Lust zu forschen, weil ich es liebe selbstständig zu denken und Lösungen zu finden. Im Arbeitsalltag, der von SOPs und Leitlinien und Oberarztvorlieben geprägt ist, ist das einfach nicht möglich. Nur um 19 Uhr nach der Arbeit mich an meine Forschung setzen? Oder meine FZA für Forschung zu investieren? Ich weiß nicht...
Druck nachzulesen existiert bei uns gar keiner.

anignu
13.01.2023, 01:37
[truba][;2251327']Schön wäre es, wenn er kommt und sich mit dir hinsetzt und mit dir die Stadien der Sigmadivertikulitis durchspricht [...] Das wird aber leider nicht passieren (vermutlich in fast keiner Chirurgie im deutschen Krankenhausalltag). Ich kann gut nachvollziehen, dass du dir das wünschst, denn ich habe mir das auch sehr oft gewünscht und es ist nie passiert. Ich war frustriert und fand das alles scheiße.
Das hatte ich mir auch mal gewünscht. Da ging es um eine andere Stadieneinteilung und die Oberärztin hat mir gesagt: das liest du nach, morgen stellst es mir vor und dann reden wir drüber. Und das war für mich echt wichtig und gut. Ich hab von der gelernt dass ich sie alles fragen durfte, aber keine absoluten Basics wie eine Stadieneinteilung die als Tabelle super easy nachzulesen wäre. Eher sowas wie "ich hab gelesen dass ... und dabei nicht ganz verstanden warum ..." und dann hat sie mir ihre Ansicht erklärt. Von der hab ich wirklich extrem viel gelernt aber auch dass Weiterbildung nicht bedeutet dass ich wie in der Schule alles vorgekaut bekomm.

Ich bin mir einfach noch nicht 100% sicher was ich fachlich machen will. Forschung und Niederlassung beißen sich kein bisschen finde ich. Wieso darf ich nicht in meinen jungen Jahren forschen und in 10 oder 15 Jahren in eine Praxis gehen? Wieso darf ich nicht 10 Jahre Leber, Sarkome und Magen und danach in die Praxis?
Du darfst ALLES machen. Du kannst auch erst 20 Jahre Innere machen und danach auf Chirurgie umsatteln und dich mit 62 Jahren als chirurgischer Facharzt mit Spezialisierung auf Sarkome niederlassen... es macht halt, aus Sicht von Lebenslauf optimierenden Leuten, keinen Sinn.

Ich sehe es nur so: Der Weg in die Praxis ist lang und noch Jahrzehnte hin. Erstmal breit anzufangen und dann zu sehen, was mir liegt und gefällt schien für mich am sinnvollsten. Ich sehe nur jetzt, dass mir arbeiten ohne die geringste Anleitung einfach keinen Spaß macht.
"Breit" ist halt auch relativ. Es gibt halt, wenn das Ziel tatsächlich die Praxis ist, viele Dinge die soweit weg sind von dem was man da tut, dass es einfach nicht so viel Sinn macht. Transplantationen werden nur an Unis gemacht und das ist auch gut so. Natürlich ist es spannend das zu sehen und erweitert den Horizont. Aber für die Praxis? Sarkom-Chirurgie ist auch eher spezieller etc... aber das haben die Kollegen ja auch schon geschrieben.

Wir sehen auch fast täglich Gallen und Appendices, natürlich jedoch nicht annähernd genug als dass wir Assistenten etwas davon haben.
Dann geh an ein Haus das mehr "die Bevölkerung versorgt" und weniger hoch spezialisierte Eingriffe macht.

So ganz ohne jeglichen wissenschaftlichen Background kriegt man an einer Uniklinik eigentlich keine Oberarzt Position.
In dieser Pauschalität einfach nur falsch! Je nachdem in welchem Bereich grad jemand gebraucht wird bekommt man auch eine Oberarztposition und wird halt dann vom Chef gedrängt bissl zu forschen. Kenn ich genug solcher Leute persönlich.

MagicMuffin
02.10.2023, 14:23
Ich wecke diesen Thread jetzt 9 Monate später auf und bin nun seit 1,5 Jahren Assistent in der Viszeralchirurgie. Ich arbeite routiniert, wirklich Stress habe ich selten, mache nebenbei meine ersten Paper fertig und an die Arbeitszeiten habe ich mich irgendwo gewöhnt. Zu mindestens bin ich nicht mehr sauer, wenn ich wieder mal bis 20 Uhr in der Klinik bin, sondern eher gleichgültig.

Ich bin nur ausgelaugt. Unfassbar ausgelaugt. Ich schlafe viel zu wenig, ich esse viel zu wenig, ich treibe kaum noch Sport und Freunde sehe ich meistens übermüdet nach dem 24-Stunden Dienst. Ich überlege nun die Reißleine zu ziehen. Aber mit der gesamten Chirurgie, weil mir mittlerweile alles nur noch auf den Geist geht. Ich freue mich nicht mal mehr darauf, morgens in den OP zu kommen, weil ich es dann nicht schaffe, vorher eine Tasse Kaffee zu trinken, obwohl mir operieren und assistieren natürlich mehr Spaß macht als die Stationsarbeit zu bewältigen.

Nur fehlt mir die Perspektive. Leider, leider, finde ich die internistische Arbeit uninteressant und für Anästhesie kann ich mich auch nicht begeistern. Ich würde gerne eine ruhigere Kugel schieben, weniger Dienste, weniger Sekretariat statt Arzt, weniger mit den Kollegen um die begrenzten OP-Slots kämpfen, aber mehr Zeit für Forschung und pünktlichER nach Hause gehen.

Ich weiß, dass das unrealistisch ist und ich fühle mich gefangen in einem Loch von Motivationslosigkeit für den gesamten Arztberuf.

docdean
02.10.2023, 15:12
Willkommen im Club!

In der Allgemein- und Viszeralchirurgie sind die Aussichten leider auch langfristig bescheiden, auch als Fach- oder Oberarzt ist man immer überlastet. Einzige Chance wäre wohl Teilzeit.
Ansonsten, wenn du weiter operieren willst: Kleines chirurgisches Fach wie HNO oder Uro. Wenn du nicht unbedingt operieren musst, aber Spaß an der Diagnostik hast, denk an die Radiologie. Wenn du das OP-Setting magst, kannst du in die interventionelle Richtung gehen.

Tramaldol
02.10.2023, 17:09
Nein, hospitiert habe ich nicht, nur vorher ein wenig nachgefragt. Da ich an einer Uniklinik anfangen wollte, gab es auch sehr wenige Alternativen. Von Überstunden war ich ausgegangen, dass ich dafür gar keinen Ausgleich erhalte, nicht.

Lernen tue ich ja. Ich komme alleine auf Station zurecht, das ging vor 4 Monaten nicht. Aber learning by doing und trial and error sind keine guten Konzepte in der Medizin, vor allem nicht bei Schwerstkranken.

Na immerhin. Dann kommste ja vorran. Chirurgen lesen keine Paper...hat mal mein Drvater absichtlich überspitzt gesagt. Also mach dir keinen Kopf.
Nur wenn du jetzt schon unzufrieden bist, mal schauen ob du da bleibst.
Es ist eine Karriereschmiede. Und wer nicht Ja und Amen sagt bzw. bei 3 auf den Bäumen ist, für den wirds dauerhaft schwer. Du kannst natürlich auch mal woanders hospitieren.


Willkommen im Club!

In der Allgemein- und Viszeralchirurgie sind die Aussichten leider auch langfristig bescheiden, auch als Fach- oder Oberarzt ist man immer überlastet. Einzige Chance wäre wohl Teilzeit.
Ansonsten, wenn du weiter operieren willst: Kleines chirurgisches Fach wie HNO oder Uro. Wenn du nicht unbedingt operieren musst, aber Spaß an der Diagnostik hast, denk an die Radiologie. Wenn du das OP-Setting magst, kannst du in die interventionelle Richtung gehen.

Uniklinik Allgemin-Vis-Chirurgie sehe ich auch als Fach für Leute mit sehr viel Energie. Mein's wärs nicht. Zuviel muss man reinstecken und zu wenig erntet man aus meiner persönlichen Sicht.
Wenn man dafür lebt und das extrem Freude macht, dann soll man das machen.
Uro- und HNO- sind auch keine "Mini" operativen Fächer. Die Fächer sind außerdem "gut" besucht. Es gibt bereits viele Urologen und HNO Ärzte. Die Arbeitsbed. in den Kliniken nicht so toll. Niederlassung HNO soll wenig interessant sein. Bei der Urologie Niederlassung hat man viele Konkurrenten.
Wenn man Chirurgie mag, muss man die langen Arbeitszeiten, die Komplikationen in Kauf nehmen. Gut geregelt mit immer pünktlich Feierabend ist schwierig.Derma mit hauptsächlicher OP Tätigkeit ist eine Alternative.
Interventionelle Radiologie, also immer nen Katheter vorschieben + Bilder, ist auch nicht dasselbe wie ne OP.



Uniklinik ist oft ein besonders erlesener Geschmack, und in der Chirurgie vermutlich auch heute noch deutlich öfter als anderswo. Das Problem ist nicht, dass der TE absurde Vorstellungen hat, sondern dass er in einer Kornmühle angeheuert hat und jetzt feststellt, dass man da als Korn zermalen wird.


Dafür winken auch Habil und Top-moderne Ausstattung dank Landesmittel.
Hat man in den peripheren Häusern nicht in dem Ausmaß. Dass Uniklinik eine ganz schöne Mühle ist, insbesondere in der Chirurgie.
Es kommt drauf an, was du möchtest: Willst du Habil? Chefarzt? Leitende Positionen? Dann kommst du an der Mühle nicht vorbei.
Du möchtest das aber nicht. Nur ein ruhiges Leben, pünktlich Feierabend, gute Arbeitsbedingungen, keine High-End Karriere. Dann ist Uniklinik Chirurgie sicherlich nicht der richtige Ort.


Ab in die Peripherie!!!
Das kann auch grausam sein

MagicMuffin
02.10.2023, 17:35
Uniklinik Allgemin-Vis-Chirurgie sehe ich auch als Fach für Leute mit sehr viel Energie. Mein's wärs nicht. Zuviel muss man reinstecken und zu wenig erntet man aus meiner persönlichen Sicht.
Wenn man dafür lebt und das extrem Freude macht, dann soll man das machen.
Uro- und HNO- sind auch keine "Mini" operativen Fächer. Die Fächer sind außerdem "gut" besucht. Es gibt bereits viele Urologen und HNO Ärzte. Die Arbeitsbed. in den Kliniken nicht so toll. Niederlassung HNO soll wenig interessant sein. Bei der Urologie Niederlassung hat man viele Konkurrenten.
Wenn man Chirurgie mag, muss man die langen Arbeitszeiten, die Komplikationen in Kauf nehmen. Gut geregelt mit immer pünktlich Feierabend ist schwierig.Derma mit hauptsächlicher OP Tätigkeit ist eine Alternative.
Interventionelle Radiologie, also immer nen Katheter vorschieben + Bilder, ist auch nicht dasselbe wie ne OP.

Ach ja, MUSS man das? Ist man wegen seines Interessensfeldes dazu verdammt sich mit inhumanen Arbeitsbedingungen zufrieden zu geben, ganz nach dem Motto man soll sich ja nicht beschweren? Da gibt es so'n Satz der öfter über Ärzte fällt: Wir haben's uns ja ausgesucht. Totschlagargument und einer der Gründe wieso es bei uns nicht voran geht mit Arbeitsreformen.



Du möchtest das aber nicht. Nur ein ruhiges Leben, pünktlich Feierabend, gute Arbeitsbedingungen, keine High-End Karriere. Dann ist Uniklinik Chirurgie sicherlich nicht der richtige Ort.

Heute abend legst du mir aber Worte in den Mund :-) Ich sprach von pünktlichER (Betonung auf -er) und humaner. Ich bestehe nicht auf 40 Stunden, ich will aber auch keine 60-70 Stunden.

][truba][
02.10.2023, 17:38
Wo in D bist du unterwegs und suchst eine Stelle?

MagicMuffin
02.10.2023, 18:09
[truba][;2268274']Wo in D bist du unterwegs und suchst eine Stelle?

Noch suche ich nicht, weil ich noch gar nicht weiß, was ich jetzt eigentlich machen möchte. Aber alles nördlich (und inkl.) von Hessen

Feuerblick
02.10.2023, 20:04
Naja, Uni-Chirurgie ist ja meistens ziemlich Harakiri für jegliches Privatleben. Muss es denn Uni sein? Ich bin mir sicher, an kleineren Häusern findet man (wenn man sucht) auch Stellen, bei denen man nicht sein gesamtes Leben an der Pforte abgeben muss. Auch in der Chirurgie. Wenn du geschrieben hättest, du willst unbedingt immer pünktlich Feierabend, keine Überstunden und überhaupt… dann wäre Chirurgie sicher nix (Innere btw. auch nicht). Aber so könnte es vielleicht doch was werden. Aber du wirst suchen müssen, fürchte ich.

Mistermeo
02.10.2023, 20:40
Wenn die rein diagnostische Medizin was für dich ist, dann schau dir die Radiologie und/oder Nuklearmedizin mal an. Ich habe eine geregelte 42h Woche und gehe fast jeden Tag pünktlich nach Hause. Dienste habe ich in der Nuk auch nicht, aber das Fach muss man halt mögen.

anignu
02.10.2023, 22:18
Ich freue mich nicht mal mehr darauf, morgens in den OP zu kommen, weil ich es dann nicht schaffe, vorher eine Tasse Kaffee zu trinken
Das wäre für mich auch ein Problem. Ich geh meist morgens erstmal frühstücken bevor ich in den OP geh. Gestärkt ist es gleich entspannter, vor allem wenn nicht hundertprozentig klar ist ob die Mittagspause klappt.
Es gibt entspanntere Jobs als unbedingt Uni-Klinik.

Ich würde gerne eine ruhigere Kugel schieben, weniger Dienste, weniger Sekretariat statt Arzt, weniger mit den Kollegen um die begrenzten OP-Slots kämpfen, aber mehr Zeit für Forschung und pünktlichER nach Hause gehen.
Das ist aber irgendwann auch unrealistisch. Chirurgie an der Uni mit weiterhin operieren und dann noch mehr Zeit für Forschung?
Ich muss dir ganz ehrlich sagen, ich kenn eigentlich nur zwei Varianten bisher: entweder man arbeitet voll in der Chirurgie, dann macht man Forschung nebenbei, oder man wird für die Forschung freigestellt, aber dann operiert man halt auch nicht. Gemischte Varianten könnte man sich super leicht vorstellen, ich hab bisher aber noch niemanden in die Richtung kennengelernt. Würde mich aber von Erfahrungsberichten schon auch gern überzeugen lassen.

Ich glaub, wie so oft, man muss sich klar werden wo die eigenen Prioritäten liegen. Was ist wichtiger? Mehr Forschung und trotzdem gleich viel operieren? Dann werden halt die Tage länger. Mehr Forschung und kürzere Tage? Dann halt weniger operieren. Usw...
Und diese Abwägung kann sich auch immer wieder mal ändern. Meine Prioritäten im Leben haben sich auch mehrfach verschoben.
In der Allgemein- und Viszeralchirurgie sind die Aussichten leider auch langfristig bescheiden, auch als Fach- oder Oberarzt ist man immer überlastet.
Falsch. Es kommt auf die Klinik bzw. Abteilung an!