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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Überarbeitet und keine Motivation mehr als WBA Chirurgie - Alternativen?



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fightinglizard
02.04.2023, 16:22
Das war der Kontext. Dazu haben wir nun aber genug gehört.
Ich mag es zu operieren, das akutmedizinische finde ich eher lästig. Ich stehe auf Mikrochirurgie, Handchirurgie gefällt mir sehr und auch Rekonstruktionschirurgie hat mir super gefallen. Mir gefällt es, dass es perioperativ nicht viel Bürokratie gibt und dass die Patienten nicht viele Probleme mitbringen. Mich nervt allgemein mehr das PatientenMANAGEMENT als die PatientenVersorgung. Ich möchte mich in ferner Zukunft niederlassen und in der Chirurgie bleibt dann außer Plastische und MKG/HNO/Uro nicht viel übrig.
Mir gefällt es Ergebnisse zu sehen und ich bin eher an Haut/Muskeln interessiert als an Bauchorganen.

rafiki
02.04.2023, 16:24
Victimblaming hilft hier nicht weiter.

Wer sich zum Opfer macht, der braucht das - warum auch immer. Und wird es wieder zu, auf die eine oder die andere Weise.

fightinglizard
02.04.2023, 16:28
Ich verstehe gar nicht wieso hier alle so auf mich draufhauen. Ich habe halt an einer Uniklinik begonnen, um meine Chancen zu maximieren. Jetzt habe ich gemerkt, dass es mir nichts bringt außer unglücklich zu sein und suche etwas neues. Wo ist jetzt der Sinn darin mir online deshalb einen reinzudrücken?

][truba][
02.04.2023, 16:34
Habe dir bereits geantwortet. Geh in ein anderes Haus. Mach weiterhin eine chirurgische Ausbildung. Meiner Meinung nach eignet sich Gefäßchirurgie am ehesten. Auch sehr feines arbeiten.

Du solltest aber auch an deiner Erwartungshaltung arbeiten. Viele der Dinge, die du nicht magst, sind normale
Tätigkeiten eines Arztes. Es gibt eben einfach viel zu organisieren und in einer Klinik gehört auch Akutmedizin dazu. Auch die Komplikationen seiner Arbeit muss man beherrschen können.

Viel Erfolg.

hebdo
02.04.2023, 16:51
Ich muss jetzt auch mal intervenieren. Warum wird auf dem Kollegen, der sprichwörtlich auf dem Boden liegt noch eingetreten? Das ist ja wohl nicht euer ernst. Die Phase direkt nach der Uni mit einer Mischung aus Idealismus, hoher intrinsischer Motivation und Naivität kenne ich auch. Ich denke das ist vielen von uns so gegegangen.

Meine Tips für dich:.

Du scheinst in einer sehr toxischen und competitiven Klinik gelandet zu sein. Zunächst möchte ich dir sagen, dass das Arbeitsrecht auf deiner Seite ist. Jede Minute Arbeitszeit, die du dokumentierst bekommst du auch ausgezahlt - ob das 40h, 48h, 70h oder 90h pro Woche sind. Du musst nur deine Arbeitszeit am besten mit Tätigkeit und Fallnummer auf irgendeinem Zettel dokumentieren und spätestens nach 3 Monate bei deinem Chef und besser noch Personalabteilung und Betriebsrat einreichen. Du musst dich aber auf Gegenwind gefasst machen. Aber keine Angst, vor Gericht wirst du gewinnen.

Du hast schon richtig erkannt, dass du nicht in so einer Klinik arbeiten willst. Suche dir eine neue Stelle. Klinikwechsel vor Fachwechsel. Versuche den Common Trunk in einem anderen Haus abzuschließen. Stelle deine Ausbildung auf eine breite Basis. GCh, HNO, Handchirurgie etc. sind bestimmt für später nützlich.

Nimm dir auch ruhig ein oder zwei Monate Auszeit zwischen den Jobs. Mache Fortbildungen, gehe auf Kongresse oder mache einfach Urlaub.

Feuerblick
02.04.2023, 17:00
Ja, gut…ich entschuldige mich für meine Kommentare. Es ist nur immer wieder dieses Entsetzen, wie man in Zeiten, in denen Google sehr schnell den Wahrheitsgehalt so mancher Aussage aufdecken würde, auf solch toxische Umgebungen hereinfallen kann. Solche Dinge liest man hier im Forum leider immer und immer wieder. :-nix

Wenn es doch mal Plastische werden soll: Ich würde den Common Trunk beenden… nur eben nicht an einer Uni. Auf Kongressen oder Fortbildungen kann man sich gut umhören, wo das Umfeld gut ist und wo nicht. Netzwerken schadet auch im Hinblick auf die Plastische sicher nicht.
Solche Dinge wie Patientenmanagement gehören einfach dazu. Die hat man in der Praxis auch - wenn auch etwas anders als in der Klinik. Nur im OP stehen ohne sich um das Drumherum zu kümmern - das wird nicht klappen.

Ansonsten: Welche Fächer findest du denn konkret aus welchem Grund interessant? Es reicht ja nicht, in irgendein Fach auszuweichen, weil man glaubt, dort bessere Bedingungen vorzufinden. Letztlich soll es ja doch irgendwann mal ein Facharzt in irgendwas werden. Welche Fächer waren denn im Studium interessant für dich? Willst du unbedingt operieren? Oder geht auch etwas rein Konservatives? Muss es eine Niederlassung werden oder ginge auch Klinik auf Dauer (wenn die Bedingungen passen)? Was kannst du so überhaupt nicht leiden (damit meine ich nicht Patientenmanagement, Arztbriefe und Telefonate sondern eher sowas wie Onkologie, sehr viel sprechende Medizin etc.)?
Mach dir eine Liste mit Pro und Con.

Endoplasmatisches Reticulum
02.04.2023, 17:36
Ich kann mich sehr gut mit der Situation identifizieren. Manchmal gibt es die Konstellation, dass die Fächer, die einen am meisten interessieren, mitunter die gefragtesten Fächer mit den steinigsten Wegen sind, und gleichzeitig möchte man sich eine gewisse Lebensqualität bewahren. Das ist dann mitunter ein wirklich kniffliger und desillusionierender Interessenskonflikt, und da bröckelt dann vielleicht auch irgendwann das eigene Selbstbild, wenn sich abzeichnet, dass es das anvisierte Fach vermutlich doch nicht werden wird unter Abwägung anderer Interessen. Die Nummer 2 oder 3 kann ja auch ganz schön sein. Das heißt nicht automatisch, dass man seinen Job hasst. Allgemein finde ich den Arztberuf immer noch unglaublich schön - nur das Drumherum und die auch heute noch überall präsente Verarsche und Ausbeute machen ihn immer mehr madig. Oft sind es dann die ambitioniertesten und fleißigsten jungen Ärzte, die am übelsten verschlissen werden und in die tiefste Sinnkrise stürzen.

Ich verstehe auch, dass die Situation vertrackt ist. Nicht jeder hat die finanziellen Mittel für eine Pause, sprich Kündigung ohne Folgestelle. Aber die Absicherung mit einer Folgestelle ist ja gerade das Problem, wenn man am Fach oder Beruf insgesamt zweifelt und eine (realistische!) Angst hat, vom Regen in die Traufe zu kommen. Einfach zu kündigen sagt sich tatsächlich leicht - und wäre es aus Sicht und in der Situation des Fordernden vielleicht auch. Ich finde es eher Wahnsinn, dass man derartige Zustände ein Jahr lang durchsteht. Das könnte ich nicht, bzw. würde mir einfach an jeder Front die Bereitschaft dazu fehlen.

TaraTamm
02.04.2023, 17:41
Ich verstehe gar nicht wieso hier alle so auf mich draufhauen. Ich habe halt an einer Uniklinik begonnen, um meine Chancen zu maximieren. Jetzt habe ich gemerkt, dass es mir nichts bringt außer unglücklich zu sein und suche etwas neues. Wo ist jetzt der Sinn darin mir online deshalb einen reinzudrücken?

Ich kann deine Situation gut nachvollziehen.
In einem Umfeld wie dem was du beschreibst, können sich meiner Meinung nach nur sehr spezielle Leute entfalten und glücklich werden, und zwar diejenigen, die ausschließlich für ihre Arbeit leben. Davon gibt es in der Medizin relativ viele. In manchen Medizinerkreisen gehört es doch fast schon zum guten Ton, sich gegenseitig mit Erzählungen zum überbieten, wie viele Wochenstunden man mal wieder gearbeitet hat.

In so einer Abteilung alleine gegen Verstöße gegen das Arbeitsschutzgesetz vorgehen? Keine Chance. Man schwimmt mit oder man wird rausgeekelt bzw. die Ausbildung wird verzögert. Einen Zwischenweg in so einer Abteilung zu finden ist schwer bis unmöglich.

Von daher würde für mich an deiner Stelle feststehen: Verlasse die Abteilung sobald wie möglich.

Nur überleg dir gut wo du hinwillst. Ich kann als Radiologin vielleicht ein paar Denkanstöße geben zu deiner Überlegung in die Radiologie zu wechseln.

Zunächst mal:
- Das "ruhige Radiologenleben" gibt es. Allerdings vor allem in kleineren Häusern. Im großen radiologischen Abteilungen sieht es oft auch nicht ganz so rosig aus, was die Arbeitsbedingungen angeht. Überstunden sind vor allem an den CT-Arbeitsplätzen üblich und die Arbeit ist oft Akkordarbeit.

- Ich habe in einem großen städtischen Haus meine WBA Zeit gemacht. Üblich waren etwa 2 unbezahlte Überstunden am Tag, wenn man sich durchschnittlich engagiert und versucht seine Arbeit ordentlich zu machen. In den Nachtdiensten habe ich sehr selten mal ein oder zwei Stunden schlafen können, in der Regel hat man im Akkord durchgearbeitet. Die Fälle sind teilweise interessant, vieles ist aber auch dort Routine. Die 500. Schädel-CT bei Sturz auf den Kopf ist auch nicht mehr interessanter als ein Verbandswechsel auf der chirurgischen Station.

- Besondere Kenntnisse (Interventionen, spezielle Untersuchungsverfahren,..) konnte man bei uns nur zusätzlich zur Routine-Arbeit, quasi in der Freizeit, erlernen. Sprich: Du bist am CT-Arbeitsplatz eingeteilt, willst dich aber auch in die MR-Spektroskopie einarbeiten? Prima, heute läuft da ja eine Untersuchung. Betreu die einfach mit und werte sie dann abends aus, wenn du um 19 Uhr mit deinen CT-Befunden fertig bist. Keine Lust so lange zu bleiben? Dann machts halt jemand anders.
Du bist in der Angiographie-Rotation und um 16:30 Uhr wird eine akute Blutung angekündigt, die embolisiert werden soll? Toll für dich zum lernen! Selbstverständlich bleibst du unbezahlt länger da. Schon was anderes vor? Tja, dann macht das Herr/Frau xy, die ist eh viel engagierter als du.

- Die Niederlassung in der Radiologie ist ein zweischneidiges Schwert. Alleine niederlassen ist selbstredend nicht möglich. Einkaufen in eine Praxis ist mit einer 7-stelligen Investition verbunden. In die gut geführten Praxen kommst du am ehesten rein, wenn du vorher mal irgendwo an einem größeren Haus Oberarzt warst oder noch besser an einer Uniklinik warst und habilitiert bist. Dann wirst du dort auch im eigenen Interesse erst mal eine Zeit lang angestellt arbeiten, um zu sehen ob ihr zusammenpasst. Sprich, es werden vermutlich von heute an 8-10 Jahre vergehen, bis du Praxisteilhaber wärst. Dann vergehen einige weitere Jahre bis du deine 1,x Mio Euro Schulden abbezahlt hast. Wenn bis dahin alles gut läuft, verdienst du dann sehr gut. Wie die Radiologie sich bis dahin entwickelt hat ist allerdings unklar. Vermutlich wird es auch dann noch radiologische Praxen geben, die ähnliche arbeiten wie heute, da die Mühlen in der Medizin langsam mahlen. Sicher ist das allerdings nicht. Rein technisch wird bis dahin eine KI die Schulter-MRT, Knie- und Schädel-MRTs, die massenhaft durch die Praxen geschleust werden, mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich besser Befunden können als ein menschlicher Radiologe. Ja, das Fach wird sich dann weiterentwickeln. In welche Richtung weiß aktuell aber keiner so genau.


Wenn es dir vor allem um die Niederlassungsmöglichkeit geht, dann würde ich persönlich ein anderes Fach wählen. Eins, in dem man sich auch alleine niederlassen kann und die Investition etwas überschaubarer bleibt. Aber das ist natürlich eine sehr individuelle Entscheidung.

Mistermeo
02.04.2023, 18:29
Wie bist du auf die Idee gekommen in die NUK zu gehen? Ich weiß einfach nicht, ob die anderen Fächer mir Spaß machen.

Reiner Zufall ehrlich gesagt. Ich habe gefrustet um 4 Uhr Morgens nach dem 26. Patientenkontakt google durchforstet und fand es ansprechend. Die Hospitation fand ich super und dann gings auch ganz schnell. Mir fehlt zwar das Dienstgeld am Ende, aber dafür habe ich jedes Wochenende frei:-dance

Bonnerin
02.04.2023, 18:37
Das war der Kontext. Dazu haben wir nun aber genug gehört.
Ich mag es zu operieren, das akutmedizinische finde ich eher lästig. Ich stehe auf Mikrochirurgie, Handchirurgie gefällt mir sehr und auch Rekonstruktionschirurgie hat mir super gefallen. Mir gefällt es, dass es perioperativ nicht viel Bürokratie gibt und dass die Patienten nicht viele Probleme mitbringen. Mich nervt allgemein mehr das PatientenMANAGEMENT als die PatientenVersorgung. Ich möchte mich in ferner Zukunft niederlassen und in der Chirurgie bleibt dann außer Plastische und MKG/HNO/Uro nicht viel übrig.
Mir gefällt es Ergebnisse zu sehen und ich bin eher an Haut/Muskeln interessiert als an Bauchorganen.

Da ist für mich extrem viel Widersprüchliches dabei.

Für jeden chirurgischen (-orientierten) FA muss man halt Minium 5-6 Jahre arbeiten und der Großteil ist eben die Akutmedizin.
Du magst keine Bürokratie, das Ziel ist aber die Niederlassung. Gerade da sollte man aber wissen, auf wieviel Bürokratie man sich KV sei Dank einlassen muss. Die Niederlassungssituation ist für HNO und Uro mit Zeit für die Suche sicher noch halbwegs okay (wie es in einigen Jahren ausschaut weiß keiner). Chirurgisch mit Belegbetten (gerade wenn du operieren willst) wird vermutlich längere Extrazeit an Kliniken erfordern, um Kontakte zu knüpfen.

Ich würde empfehlen, erstmal an ein kleines bis mittleres Haus zu gehen und da in der UCH/ACH/GCH den "Common trunk" (den es so ja nicht mehr gibt) zu beenden. Währenddessen kannst du nochmal weiter überlegen.

Ich habe unabhängig davon aber ganz klar das Gefühl, dass du Schreibtischarbeit nicht magst. Da sind Labormedizin, Mibi/Viro/Infektionsepidemiologie, Hygiene und auch Transfusionsmedizin meiner Meinung nach nichts, was auch nur ansatzweise für dich von Interesse wäre. Zudem merke ich auch in den Posts nichts, was für ein diesbezüglich fachliches Interesse sprechen würde.

fightinglizard
02.04.2023, 18:44
@Truba: Ich habe bisher weder in die Notaufnahme noch auf die Intensivstation rotiert. Wenn ich jetzt in der GCH anfange, wird das auch nicht im nächsten Jahr passieren, denke ich. Oder? Dann würde sich mein Common Trunk noch länger ziehen.

@Hebdo: Reicht denn die Fallnummer aus? Theoretisch könnte ich ja jede x-beliebige Nummer nachträglich "dokumentieren".
Meinst du ein Wechsel ins kleine Haus lohnt sich?

@Feuerblick: Ja, den Common Trunk werde ich fertig machen müssen. Ich hoffe ein "gesünderes" Haus hier irgendwo in der Nähe zu finden. Mir geht es nicht drum, nur im OP zu stehen. Ich mache auch gerne mal die Station oder die Ambulanz. Aber unsere Arbeit ist leider tatsächlich häufig nur die Administration von Patienten. Außerhalb vom Dienst gibt es eigentlich nie etwas praktisches zutun.
Ich möchte gerne operieren, bin aber nicht absolut verbissen darauf. Wenn mir etwas anderes Freude bereitet, kann ich auch auf die zweite oder dritte Wahl zurückgreifen. Nur weiß ich eben nicht, was mir Freude bereitet. Innere Medizin geht für mich überhaupt nicht. Die Niederlassung wäre schon mein Ziel, zumindestens wollte ich das schon immer. Das Klinikleben bis ins Alter kann ich mir nicht vorstellen. Was ich absolut nicht mag ist lange Patientengespräche oder Arbeit, die mit unzähligen follow-ups verbunden ist.
Anästhesie ist ebenfalls absolut nichts für mich.
Mir haben schon immer die Fächer gefallen, die eher konsiliarisch arbeiten bzw. Dienstleister-Fächer. Nuklearmedizin hat mich auch deshalb interessiert.

@Endoplasmatisches Retikulum: Wie hast du herausgefunden was deine Nummer 2 oder 3 ist?

@TaraTamm: Danke für den Einblick!

Feuerblick
02.04.2023, 18:57
Wundert mich ja, dass du dir ausgerechnet die Plastische herausgesucht hast, obwohl du keine langen Patientengespräche magst und auch keine langen Follow-ups. Dann ist auch die Niederlassung in einem chirurgischen Fach eher nichts für dich, würde ich sagen. Oder überhaupt die Niederlassung. In den meisten Fächern trifft man seine Patienten doch immer wieder…
Erinnere dich mal an dein Studium. Welche Fächer haben dich interessiert, welche nicht? Innere, Anästhesie haben wir ja schon mal raus.

Endoplasmatisches Reticulum
02.04.2023, 18:58
@Endoplasmatisches Retikulum: Wie hast du herausgefunden was deine Nummer 2 oder 3 ist?
Try & error, try & failure. Manchmal ist es einfach so, dass einem Famulaturen und PJ eher aufgezeigt haben, welche Fächer man nicht machen möchte. Dann fehlt die Orientierung und die erste, zweite, manchmal selbst dritte Stelle oder sogar das Fach floppt. Man kann nur sinnieren, was einem wichtig ist. Für mich war das: keine rein konservative Tätigkeit, sondern schon mit OP - aber lieber viele kleinere Sachen als wenige 8-Stunden-Riesen-OPs; langfristig sowohl Oberarztweg als auch Niederlassung möglich; falls Letzteres, halbwegs attraktives ambulantes Patienten- und Tätigkeitsspektrum. Danach wählt man dann aus, hospitiert, probiert und findet hoffentlich etwas. Wenn man es nicht findet, darüber sinnieren ob es die Klinik, das Fach, oder die Branche im Ganzen ist. In meinem Bekanntenkreis - Generation der Covid-Absolventen - habe ich den Eindruck, dass viele Leute üble Probleme dieser Art haben. Da wird sehr viel Stelle und Fach gewechselt, oft mehrfach, und Zufriedenheit finden die Leute trotzdem gefühlt selten. Sind aber natürlich auch eher die Unzufriedenen, die berichten und von denen man das dann mitbekommt.

Nilani
02.04.2023, 19:07
Wow, also meine chirurgischen Anfänge sind ein paar Jahre her, aber es geht definitiv anders, aber vermutlich nicht an der Uni ... such dir eine andere Klinik, mit guter breiter Ausbildung hast du später in der Plastischen immer noch gute Chancen.

Ich war in einem Kleinstadt-Krankenhaus, Regionalversorger, mein Chef war Handchirurg, ebenso 2 Oberärzte, ein weiterer hat gern Füße gemacht, dazu ein Orthopäde (alter FA, CA-Vertretung) und ein neurochirurgischer Facharzt. Dazu ungefähr 5 bis 7 Assistenärzte für 1 Station. Notaufnahme war mit 2 Kolleginnen dauerhaft besetzt, wir sind regelhaft runterrotiert und haben auch immer mal zwischendurch dort ausgeholfen oder sind tageweise zusätlich (oder auch mal als Ersatz für 1) runtergegangen, damit wir eben auch im Dienst fit sind.
Wir hatten übrigens pünktlicher Schluss als unsere Internisten, regelmäßig Mittagspause, oft in 2 Gruppen, je nach OP halt. Püntklicher Feierabend ging auch ganz gut, allerdings da, weil die Anästhesisten Überstunden verweigert haben ... Wenn Saal nicht fertig wurde, dann wurde halt der nächste Punkt gestrichen. Erstaunlicherweise war die Planung aber meist ganz gut. Als Regionalversorger wurden die ganz schweren Fälle halt aber auch weggeschickt (dafür gab es dann aber auch geplante Rotation für 1 Jahr in die größere Klinik). Es gab geregelten Weiterbildungskatalog, man konnte in den 6 Jahren den Facharzt durchaus schaffen, wenn man sich gut angestellt hat, wobei der CA da halt ein Auge drauf hatte und er hat entschieden, wann man soweit war. Ca. die Hälfte der Assis waren im Übrigen weiblich. ITS hat oft auch innerhalb des Common Trunk geklappt, wobei du das übrigens für die Ausbildung später machen könntest (zumindest nach der alten WBO, nach der neuen weiß ich es ehrlich gesagt nicht).
Ich hab aber wirklich mehr als 10 Gespräche geführt, bis ich diese KLinik gefunden hatte und es vom Gefühl her gepasst hat.

Hab dann nach 2 Jahren (Common Trunk) an eine spezialisierte orthopäd. Klinik gewechselt, was leider der totale Reinfall war. Trotz Arbeitszeiterfassung Überstunden ohne Ende, wobei unsere Abteilung einfach doof organisiert war. Die allg. Orthopäden sind halbwegs pünktlich raus, wir Wirbelsäulen-Leute eben oft nach 12h. Aber es gab einen OP-Spätdienst, falls Saal länger lief, es gab einen extra Visiten-Dienst am WE (der natürlich bezahlt wurde) und es gab noch einen Rufdienst am WE, falls es doch zu viel zu tun gab. Ich stand aber nach 1 Jahr kurz vorm Burnout und hab dann die KLinik (und die Fachrichtung) gewechselt, wobei es bei mir eh immer zwischen den beiden stand und ich die "kleine Orthopädie" wie gewünscht weitermachen kann (von Ortho/UNfall auf Reha-Medizin, wollte immer eher konservativ arbeiten)

Die Nächte hat man in beiden durchgearbeitet, in der 1. Klinik hat mich oft genervt, dass der Hintergrund keinen Bock hatte, aber die Ausbildung war gut, ich hab in den 2 Jahren die solide Grundausbildung bekommen, die man im CT erwartet. Da mein Chef und 2 OÄ Handchirurgen waren (war initial mal mein Plan, könnte ich jetzt eh nicht mehr), hätte man da auch paar Eingriffe machen können, die die Plastiker machen. Und mit einer soliden Ausbildung inkl. OP-Erfahrung hast du vermutlich weniger Schwierigkeiten in eine andere Klinik zu wechseln, als wenn du die ganze Zeit nur so ein Programm hast, was du jetzt machst.

Also ich kann dir nur raten, such dir eine kleinere Klinik, vielleicht auch nochmal andere Abteilung (z.B. Ortho/Unfall oder eben Gefäß, das hilft sicher auch bei der Plastischen Chirurgie) und dann versuch es nochmal. Wie schon jemand schrieb, würde ich vermutlich auch tatsächlich eine Pause von 1 bis 2 Monaten machen, aber bitte noch nicht aufgeben. Noch wichtiger ist aber ... dort auf gar keinen Fall bleiben

Bille11
02.04.2023, 19:39
Wenn Du so gern praktisch arbeitest… warum denn dann nicht zB Anästhesie, HNO, Urologie, … oder auch die Handchirurgie mit einem Wechsel des Hauses zum aktuellen Zeitpunkt und nach Festigung der chirurgischen Kenntnisse dann Bewerbung. Bist Du räumlich gebunden? Gerade in der Anästhesie macht man doch am meisten praktisches.

Zum Thema Überstunden und AZG — Du darfst jede Überstunde dokumentieren, musst sie gegenzeichnen lassen als angeordnet. Was dann abgelehnt wird, reichst Du dennoch in der Verwaltung ein mit dem Verweis auf die Zeitdokumentation und Unwillen der Leitung, Dir die gegenzeichnen zu lassen. Ab dem Zeitpunkt wird jede nicht angeordnete Überstunde einfach nicht mehr gemacht.
Zum Thema OptOut und AZG - das AZG sieht primär vor, dass Du eine Wochenstundenzahl im Mittel nicht überschreiten darfst. In einem Zeitraum von 3 Monaten. Da auch Urlaubszeiten da mit hineingerechnet werden können (Dienstplaner lieben diesen Trick), lässt sich bei einer guten Verteilung der Urlaubs- (& etwaiger FZA) Zeiten da recht solide eine 48h Woche reinbauen. Kündige mal OptOut - dann wirst Du sehr schnell nicht mehr auf Wochenend-Dienste eingeteilt werden. In jedem Fall: Die Verwaltungen lassen sich aber auch gerne auf Auszahlungen der wochenends geleisteten Zeiten einhandeln, weil dann sehr viele böse Zeiten, die mal eben oben drauf kommen, wieder verschwinden.

anignu
02.04.2023, 20:01
Wie mir mehr als 10h pro Tag bezahlt werden sollen, hat bisher auch noch keiner erklären können.
Ganz ehrlich: wurde mir bisher immer. In den Häusern in denen ich war wurden die Überstunden entweder aufgeschrieben (und vom OA ohne Kommentar gegengezeichnet) oder es wurde gestempelt. Und in den Stempelprogrammen ist hinterlegt wenn jemand >10h gearbeitet hat und das muss der Zeitbeauftragte extra freischalten. Da gab es aber in keinem meiner bisherigen Häuser ein Problem. Das wurde kommentarlos freigeschaltet und somit auch bezahlt bzw. abgefeiert. Das geht. Wenn man will.
[truba][;2257196']Geh in ein anderes Haus. Mach weiterhin eine chirurgische Ausbildung. Meiner Meinung nach eignet sich Gefäßchirurgie am ehesten. Auch sehr feines arbeiten.
Dem kann ich nur zustimmen!

Ich mag es zu operieren...
Ich stehe auf Mikrochirurgie, Handchirurgie gefällt mir sehr und auch Rekonstruktionschirurgie hat mir super gefallen...
Ich möchte mich in ferner Zukunft niederlassen und in der Chirurgie bleibt dann außer Plastische und MKG/HNO/Uro nicht viel übrig...
Mir gefällt es Ergebnisse zu sehen und ich bin eher an Haut/Muskeln interessiert als an Bauchorganen.
Also ist GCH möglich. Niederlassung in dem Bereich meist halt nur Richtung Varizen oder Diagnostik, oder aber als Belegarzt.

@Truba: Ich habe bisher weder in die Notaufnahme noch auf die Intensivstation rotiert. Wenn ich jetzt in der GCH anfange, wird das auch nicht im nächsten Jahr passieren, denke ich. Oder? Dann würde sich mein Common Trunk noch länger ziehen.
Im nächsten Jahr sofort auf ITS wahrscheinlich nicht. Aber lies dir doch nochmal exakt die Regeln im Common Trunc durch!
Beispiel: du machst 3 Jahre Chirurgie und Notaufnahme/Intensiv erst im 3. Jahr. Dann zählt Jahr 1 als CT-Jahr, Jahr 2 als Spezialisierungsjahr in ACH/VCH/GCH/UCH und Jahr 3 wiederum als 2. CT-Jahr. Also jetzt mal auf die Schnelle hingeschrieben. Verstehst was ich mein? Man kann ZNA/ITS auch später machen. Es ist halt toll wenn man es so schnell wie möglich erledigt hat, denn eigentlich will man ja operieren...

Ich persönlich hab verstanden dass du deine jetzige Stelle aufgeben willst. Klar. So wie die Bedingungen dort sind versteht man das gut. Aber ich hab noch nicht verstanden warum du automatisch auch die gesamte Chirurgie aufgeben willst. Weil die 1. Stelle bescheiden war. Ok. Aber mit der Argumentation könntest du auch den Arztberuf an sich aufgeben. Aber das willst du ja auch nicht. Wieso versuchst du es also nicht ganz einfach nochmal woanders?

hebdo
02.04.2023, 20:07
....
@Hebdo: Reicht denn die Fallnummer aus? Theoretisch könnte ich ja jede x-beliebige Nummer nachträglich "dokumentieren".
Meinst du ein Wechsel ins kleine Haus lohnt sich? ....

Arbeitszeit minutengenau dokumentieren und in eine Spalte eben Fallnummer+Stichwort schrieben. Klingt aufwendig, geht aber fix. Bspw.: 123456 Blutentnahme, 34567 Angehörigengespräch, 19.00 Uhr OA-Visite, 87653 Reanimation, 765432 dringliche OP-Aufklärung

Diese Dokumentation habe ich alle 3 Monate im Chefsekretariat und in der Personalabteilung mit Empfangsbestätigung abgegeben, in der heißen Phase auch beim Betriebsrat. Letztendlich mit einem MB-Anwalt geklagt und gewonnen. Es gab viel Gegenwind, Druck, lächerliche Einigungsangebote. Vor allem der CA ist massiv von der Verwaltung unter Druck gesetzt worden, weil anschließend auch mehrere Kollegen geklagt haben. Nachhaltig im Sinne einer generellen Verbesserung und Zeiterfassung war es nicht. Man muss eben überlegen ob man den steinigen Weg gehen möchte oder die Stelle wechselt. Hatte wegen den Arbeitsbedingungen damals einfach Bock auf Krawall... Überstunden müssen nicht angeordnet oder abgezeichnet werden. Sie gelten als angeordnet sobald das toleriert wird.

Endoplasmatisches Reticulum
02.04.2023, 20:13
Mit Fallzahlen ist die Dokumentation im Allgemein relativ wasserdicht. Das KIS loggt ja auch die Zugriffe und Timestamps bei Briefen, Anforderungen etc. lügen nicht. Dass die Kliniken sich gegen eine "offizielle" Anerkennung sträuben, liegt m.E. vor allem an den drohenden Strafzahlungen.

Ich hab diese Diskussionen so satt. Man wird mit Arbeit zugeschissen, die objektiv nicht in der Regelzeit zu schaffen ist, ohne dass man sich mittels spontaner Zellteilung verdreifacht. Aber sobald man Überstunden aufschreibt, kommen die einstudierten Floskeln à la "Optimieren Sie Ihr Zeitmanagement", "Als Neuling schreibt man nichts auf" oder "Kommen Sie doch am Wochenende zum Briefeschreiben, habe ich auch früher gemacht". Es ist zum Mäusemelken. Und einen Tag, nachdem man den Status quo angemahnt hat, kommen neue Tyranneien. Ich beneide ja die Leute, die hier im Forum die Erfahrung gemacht haben, dass ein realitätsnahes Arbeitszeittracking und eine Auszahlung oder ein Abfeiern von Überstunden inzwischen Standard wären - ich persönlich habe das aber noch nirgends erlebt. Scheint ein Faktor mit starker regionaler Streuung zu sein.

Feuerblick
02.04.2023, 20:22
Ich habe es in Chirurgie (kleines, privatisiertes Haus) und in der Augenheilkunde nie anders erlebt. Überstunden wurden aufgeschrieben (in der Chirurgie war das von hebdo beschriebene Verfahren übrigens Usus) und konnten abgefeiert werden. Selbst in den Häusern, in denen man uns auch besseres Zeitmanagement als Argument gegen Überstunden aufs Auge drücken wollte. Ich kenne es aber tatsächlich nicht anders. :-nix

abcd
02.04.2023, 20:25
dass ein realitätsnahes Arbeitszeittracking und eine Auszahlung oder ein Abfeiern von Überstunden inzwischen Standard wären - ich persönlich habe das aber noch nirgends erlebt. Scheint ein Faktor mit starker regionaler Streuung zu sein.
Ich kann das von drei Stellen, drei verschiedenen Ärztekammern berichten. 2x Arbeitszeiterfassung elektronisch, 1x auf Papier. Stunden bezahlt oder abgefeiert.