fightinglizard
02.04.2023, 14:35
Liebes Forum,
seit nun über einem Jahr arbeite ich in der Allgemeinchirurgie und jeden Tag kämpfe ich damit endlich zu kündigen. Das Problem: Was mache ich dann?
Vorne weg: Ich wollte schon immer Plastischer Chirurg werden. Nicht wegen der Ästhetik, sondern weil mir die Arbeit gefällt. Ich habe es im PJ gemacht und wusste, dass das mein Facharzt werden soll. Nur habe ich das Gefühl, absolut keine Chance zu haben, eine Stelle zu bekommen. Ich habe bereits viele dutzende Bewerbungen versendet und bekomme in den allermeisten Fällen nicht mal eine Antwort - trotz Promotion und Arbeitserfahrung.
Jetzt stehe ich da und möchte den "Traum" aufgeben. Noch ein Jahr in der Allgemeinchirurgie den Common Trunk fertigmachen schaffe ich nicht.
Wöchentlich arbeite ich 70+ Stunden. Sämtliche Überstunden sind unbezahlt. 2-3 Wochenenden pro Monat kommen hinzu. Oft arbeite ich über 20 Tage am Stück. Die Visiten am Wochenende sind häufig unbezahlt, da das Arbeitszeitgesetz eine Bezahlung nicht zulässt. 4-5 24h Dienste jeden Monat, die am nächsten Tag Minusstunden geben. In den Diensten arbeitet man häufig die Nacht durch. Die Arbeit selbst ist reine Routinearbeit -> Termine koordinieren, Untersuchungen hinterhertelefonieren, Aufklärungen unterschreiben lassen und hin und wieder mal assistieren im OP. Die OPs selbst machen die Oberärzte. Wenn man einen guten Tag erwischt hat, darf man einen Teilschritt übernehmen. Dazu kommt noch eine große Reihe nichtärztlicher Aufgaben, weil die Pflege und CTAs konsequent ihre Arbeit verweigern und wir diese dann übernehmen müssen.
Dabei möchte ich doch gar kein Allgemeinchirurg/Viszeralchirurg werden! Und die Plastische Chirurgie steht so weit in der Ferne, dass mir die Motivation fehlt weiterzukämpfen.
Ich habe einfach gemerkt, dass mir die Arbeit keinen Spaß macht. Deshalb ist es für mich auch keine Alternative an eine andere Klinik zu wechseln und dort Allgemeinchirurgie weiterzumachen. Aber diese Ausbeutung und dauerhafte Übermüdung sind auch kein Zustand. Ich habe keine Zeit mehr für Freunde, Familie, Freizeit oder Sport. Morgens um 6 geht es aus dem Haus und meistens bin ich abends um 7 wieder zuhause. Und dabei bin ich einer derjenigen, die früh gehen. Die meisten anderen sind länger da, was schon "negativ" über mich auffällt. Die Oberärzte verstehen gar nicht, wieso ich um 17 Uhr nicht noch in die jetzt beginnende OP will, obwohl ein Dienst-Team da ist. Schließlich würden wir doch was lernen wollen und auch endlich mal operieren. Und jetzt gibt es die Gelegenheit und ich sage nein?
Das hat mich dazu gebracht links und rechts zu schauen: Radiologie oder vielleicht sogar nochmal an die Uni und MKG machen? Schließlich ist die Arbeit in der MKG ähnlich zur plastischen Chirurgie. Und niederlassen kann man sich auch!
Oder Radiologie? Bilder befunden gefiel mir schon immer und kognitiv gefragt zu sein statt routiniert Untersuchungen anzumelden klingt auch nicht so schlecht. Auch hier wieder die Möglichkeit mich in Zukunft niederzulassen.
Oder doch irgendetwas ganz patienten-fernes? Labormedizin? Oder ganz raus aus Deutschland und in die Schweiz?
Dieses Jahr hat mich jegliche Hoffnung an den Beruf Arzt verlieren lassen und ich weiß gar nicht wohin mit mir.
seit nun über einem Jahr arbeite ich in der Allgemeinchirurgie und jeden Tag kämpfe ich damit endlich zu kündigen. Das Problem: Was mache ich dann?
Vorne weg: Ich wollte schon immer Plastischer Chirurg werden. Nicht wegen der Ästhetik, sondern weil mir die Arbeit gefällt. Ich habe es im PJ gemacht und wusste, dass das mein Facharzt werden soll. Nur habe ich das Gefühl, absolut keine Chance zu haben, eine Stelle zu bekommen. Ich habe bereits viele dutzende Bewerbungen versendet und bekomme in den allermeisten Fällen nicht mal eine Antwort - trotz Promotion und Arbeitserfahrung.
Jetzt stehe ich da und möchte den "Traum" aufgeben. Noch ein Jahr in der Allgemeinchirurgie den Common Trunk fertigmachen schaffe ich nicht.
Wöchentlich arbeite ich 70+ Stunden. Sämtliche Überstunden sind unbezahlt. 2-3 Wochenenden pro Monat kommen hinzu. Oft arbeite ich über 20 Tage am Stück. Die Visiten am Wochenende sind häufig unbezahlt, da das Arbeitszeitgesetz eine Bezahlung nicht zulässt. 4-5 24h Dienste jeden Monat, die am nächsten Tag Minusstunden geben. In den Diensten arbeitet man häufig die Nacht durch. Die Arbeit selbst ist reine Routinearbeit -> Termine koordinieren, Untersuchungen hinterhertelefonieren, Aufklärungen unterschreiben lassen und hin und wieder mal assistieren im OP. Die OPs selbst machen die Oberärzte. Wenn man einen guten Tag erwischt hat, darf man einen Teilschritt übernehmen. Dazu kommt noch eine große Reihe nichtärztlicher Aufgaben, weil die Pflege und CTAs konsequent ihre Arbeit verweigern und wir diese dann übernehmen müssen.
Dabei möchte ich doch gar kein Allgemeinchirurg/Viszeralchirurg werden! Und die Plastische Chirurgie steht so weit in der Ferne, dass mir die Motivation fehlt weiterzukämpfen.
Ich habe einfach gemerkt, dass mir die Arbeit keinen Spaß macht. Deshalb ist es für mich auch keine Alternative an eine andere Klinik zu wechseln und dort Allgemeinchirurgie weiterzumachen. Aber diese Ausbeutung und dauerhafte Übermüdung sind auch kein Zustand. Ich habe keine Zeit mehr für Freunde, Familie, Freizeit oder Sport. Morgens um 6 geht es aus dem Haus und meistens bin ich abends um 7 wieder zuhause. Und dabei bin ich einer derjenigen, die früh gehen. Die meisten anderen sind länger da, was schon "negativ" über mich auffällt. Die Oberärzte verstehen gar nicht, wieso ich um 17 Uhr nicht noch in die jetzt beginnende OP will, obwohl ein Dienst-Team da ist. Schließlich würden wir doch was lernen wollen und auch endlich mal operieren. Und jetzt gibt es die Gelegenheit und ich sage nein?
Das hat mich dazu gebracht links und rechts zu schauen: Radiologie oder vielleicht sogar nochmal an die Uni und MKG machen? Schließlich ist die Arbeit in der MKG ähnlich zur plastischen Chirurgie. Und niederlassen kann man sich auch!
Oder Radiologie? Bilder befunden gefiel mir schon immer und kognitiv gefragt zu sein statt routiniert Untersuchungen anzumelden klingt auch nicht so schlecht. Auch hier wieder die Möglichkeit mich in Zukunft niederzulassen.
Oder doch irgendetwas ganz patienten-fernes? Labormedizin? Oder ganz raus aus Deutschland und in die Schweiz?
Dieses Jahr hat mich jegliche Hoffnung an den Beruf Arzt verlieren lassen und ich weiß gar nicht wohin mit mir.