Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Innere Jahr für Allgemeinmedizin ohne Dienste
ralfschmidt84
06.04.2023, 17:36
Hallo liebes Forum,
denkt ihr es ist realistisch sich für das Innere Jahr beim FA Allgemeinmedizin für ein Jahr ohne Dienste bewerben zu können? Oder ist es unverschämt? Man unterstützt trotzdem kräftig und hilft im Tagesablauf, nur halt in der Nacht nicht... Gibt es solche Stellen?
Probieren kann man es, aber deine Kollegen werden da nicht begeistert sein, wenn es klappt. Ob es unverschämt ist muss jeder für sich entscheiden. Meine persönliche Meinung ist leider, dass es unkollegial ist und deshalb unverschämt.
Sönke1990
06.04.2023, 17:57
Leider kann ich dir wenig Hoffnung machen. Ich suche auch derzeit eine Stelle ohne Dienste. Bei mir aber aus gesundheitlichen Gründen. Kann keine Dienste machen. Aufgrund der engen Stellenplänen und wenig Geld leider bisher nichts in Aussicht. Wenn ich es in die Bewerbung schreibe werde ich gar nicht erst eingeladen.
Wir hatten schon Allgemeinmediziner im Rahmen der Verbundweiterbildung, die keine Bereitschaftsdienste gemacht haben. Die waren aber eben On-top und haben keine Stelle in unserer Klinik besetzt. Aber selbst die musste mindestens für Wochenendvisiten/Feiertage reinkommen.
Eine Stelle würden wir mit jemanden, der von vorne herein keine Dienste macht, nicht besetzen. Das Tagesgeschäft bekommen wir schon irgendwie geregelt aber das bringt einen auch nicht weiter, wenn immer dieselben Leute dann für die Dienste antreten müssen weil die Leute eben auf weniger Leute verteilt werden. Wir haben gerade 3 Planstellen mit Leuten besetzt, die (temporär) aus verschiedenen Gründen, keine Dienste machen und das nervt schon extrem.
Schwierig, mit Förderung aber möglich. Habe durchaus ein paar kennengelernt, denen es gelungen ist. Ist grundsätzlich auch absolut zu empfehlen. Habe die Dienste als für meine medizinische Weiterentwicklung völlig belanglos wahrgenommen.
Kackbratze
06.04.2023, 19:39
In der Chirurgie funktioniert das, wenn man eben "nur" für die Weiterbildungszeit entsprechend da ist und dann Ambulanz/Notaufnahme/Station abdeckt. Sowas gab es auch bei uns in der Klinik in Einzelfällen. Für die Innere kann ich da nicht sprechen.
GloriaSchmidt
06.04.2023, 19:51
Ambulante kardiologische Reha mit Weiterbildungsermächtigung - falls es sowas gibt^^
Stuntman Mike
06.04.2023, 20:02
Habe die Dienste als für meine medizinische Weiterentwicklung völlig belanglos wahrgenommen.
Das kann ich so leider nicht ganz bestätigen. Habe meine Weiterbildung zum großen Teil an einem kleineren Haus verbracht, entsprechend war man hier nachts die “letzte Wiese”, der Hintergrund teilweise weit weg… da wird man automatisch gezwungen, sich aus seiner Komfortzone zu begeben und tatsächlich mal medizinische Entscheidungen zu treffen. Im Stationsalltag ist man doch meist eher ein besserer Sekretär und kommt mit relativ wenig eigenen Kenntnissen und Entscheidungsfreude durch.
Das ganze Drumherum bei den Diensten habe ich natürlich auch gehasst. Aber “belanglos” für die Weiterbildung waren die sicher nicht. Ob man das alles für eine angestrebte Tätigkeit als niedergelassener Allgemeinmediziner braucht, ist dann aber die andere Frage…
Man braucht Dienste in der Inneren schon deshalb für die Arbeit als Allgemeinmediziner, weil man durch die Dienste damit konfrontiert wird, alleine Probleme zu lösen. Kann aber grundsätzlich dabei noch telefonisch jemanden um Rat fragen. Und ganz wesentlich in meinen Augen: Man erlebt auf die Weise, wie sehr man mit seiner eigenen Ersteinschätzung daneben liegen kann, weil sich im Verlauf was ganz anderes ergibt.
Man braucht Dienste in der Inneren schon deshalb für die Arbeit als Allgemeinmediziner, weil man durch die Dienste damit konfrontiert wird, alleine Probleme zu lösen.
Damit ist man in den meisten deutschen Kliniken auch im normalen Stationsalltag Tag für Tag konfrontiert. Ich denke nicht, dass man dafür noch die "Masse" eines Dienstes braucht. Entsprechend würde ich dem TE dringend empfehlen, sich eine entsprechende Stelle zu suchen.
Damit ist man in den meisten deutschen Kliniken auch im normalen Stationsalltag Tag für Tag konfrontiert.
Noch schnell ein pauschales und undifferenziertes Bashing auf die eigene Weiterbildung und weiter geht's...
@TE: versuch es. Wenn du so eine Stelle findest, freu dich. Aber erwarte nicht dass irgendein Kollege sich mit dir freut. Die werden neidisch sein, denn ich kenne ungefähr niemanden der sich wünscht Dienste zu machen. Jeder will diese vermeiden, außer man hat wirklich dringende Geldnot, und wenn du tatsächlich eine reguläre Stelle bekommen solltest dann heißt das für jeden dass der mehr Dienste machen muss als wenn du eine "normale" Arbeitskraft wärst. Erwarte in so einem Fall nicht dass du von irgendjemand glücklich empfangen wirst wenn du dich vor dem drückst was jeder vermeiden willst.
Qwert1133
07.04.2023, 04:18
Bei uns macht man auf Stationsrotation nur Tagdienste Mo-Fr, dazu immer ein Wochenende im Monat mit je 4h Visitendienst. Dafür gibts aber nen Tag FZA in der Folgewoche. Solche Modelle finde ich noch einigermaßen verträglich mit einem funktionierendem Privatleben. Falls du sowas suchst bewirb dich vor allem an Unikliniken und großen Maximalversorgern, da verteilt sich die Dienstbelastung einfach auf viel mehr Schultern.
ich kenne ungefähr niemanden der sich wünscht Dienste zu machen. Jeder will diese vermeiden,
Ist das heutzutage so? In meiner Assistentenzeit habe ich sehr gerne Dienste gemacht, nicht nur zum Geldverdienen. Sondern ich hab sehr viel gelernt, war wirklich eigenverantwortlich und niemand hat mich in meiner Arbeit gestört.
Ich fand Dienste schon immer doof. Man ist zeitlich extrem gebunden und arbeitet oft, wenn andere Freunde sich treffen. Außerdem ist es meinem eigenen Biorhythmus total fern nachts zu arbeiten und wenn es hoch kommt 1-1,5h fragmentiert überhaupt schlafen zu können. NeuroDienste waren extrem körperlich anstregend und ich hab immer mehrere Tage gebraucht mich davon zu regenerieren (zu Lasten meiner Freizeit). In der Psychiatrie waren die Dienste zwar etwas ruhiger, aber man durfte durch den Personalmangel viele Defizite des Tagesgeschäfts ausbügeln. Da gibt es nichts zu beschönigen. Dienste fressen Freizeit und Energie. Eigenverantwortlich kann ich auch anderswo genauso arbeiten. Dafür bedarf es keine Dienste. Ich kann daher jeden verstehen, der darauf keine Lust hat… und in meinem Mediziner Umfeld sieht man es auch eher als ein notwendiges Übel an….
Bei uns gibt es tatsächlich einige, die das Geld gerne mitnehmen. Das Dienste aber so viel Spaß machen - das hab ich erst von einer einzigen Person gehört. In der Inneren hast du einfach permanenten Stress in den Diensten. Viele Aufgaben, viele Aufnahmen, Transfusionen, schwer kranke Menschen, palliative Situationen mit Angehörigengesprächen und Totenschein. Das macht keinen Spaß, härtet vielleicht maximal ab. Da muss man find ich schon differenziert sein, dass es halt dazugehört, aber Stress in purer Form ist und somit Gift für deinen Körper. Zu mal bei uns teilweise 12 Tage am Stück gearbeitet wird.
@anignu
Was hat das mit Bashing zu tun? In meiner stationären Zeit kam der OA abends um 5 einmal kurz vorbei. Da entscheidet man schon sehr viel alleine.
Noch schnell ein pauschales und undifferenziertes Bashing auf die eigene Weiterbildung und weiter geht's...
@TE: versuch es. Wenn du so eine Stelle findest, freu dich. Aber erwarte nicht dass irgendein Kollege sich mit dir freut.
Danke für den gewinnbringenden Kommentar. Ich habe meine Weiterbildung abseits der internistischen Kliniken sehr genossen. Ich habe durchaus erlebt, dass sich die KollegInnen für den allgemeinmedizinischen Kollegen ohne Dienste gefreut haben. Müssen ja nicht überall Neid und Missgunst im Vordergrund stehen. Schade, dass du das so erlebt hast.
Nach 10 Jahren internistischen Nachtdiensten und endlich Hintergrund blicke ich etwas ambivalent auf das gesamte zurueck - es fuehlt sich auf jeden Fall so an dass ich wirklich alles gesehen habe, von nekrotiserene fascitis ueber vena cava superior syndrom, bis hin zu Guillain Barre, stemi x Dutzend, trombolyse xx en masse (Haus ohne Neurologe, diensthabender Kardiologe und PCI), Rea in allen Farben und Formen, Tako-Tsubo +++. Priorisierung, Behandlungsbegrenzung und akut-Behandlung ist dadurch extrem gedrillt worden. Ambivalent aber, weil das ganze natuerlich extrem anstrengende war, die Nachtdienste toeten auf Dauer, und nochmal wuerde ich es glaube ich nicht machen. Es hat schon sehr abgehaertet, hat ein Patientvolumen und eine Sicherheit gegeben von der ich jetzt als Hintergrund profitiere.
Wenn nur ein Jahr Dienst gemeint ist wuerd ich es auf jeden Fall mitmachen (also wenn man die Gesundheit dazu hat), da es schon einfach eine Erfahrung ist, das arbeiten hat einen ganz anderen Fokus und anderen Karakter. Gerade als Allgemeinmediziner kann es doch auch vernuenftig sein zu sehen was die Internisten eigentlich nachts machen (und auch, was die nachts nicht machen).
Danke für den gewinnbringenden Kommentar. Ich habe meine Weiterbildung abseits der internistischen Kliniken sehr genossen. Ich habe durchaus erlebt, dass sich die KollegInnen für den allgemeinmedizinischen Kollegen ohne Dienste gefreut haben. Müssen ja nicht überall Neid und Missgunst im Vordergrund stehen. Schade, dass du das so erlebt hast.
Es missgönnt Dir bestimmt keiner, daß Du eine angenehme Weiterbildungszeit hast oder hattest.
Deine Schlußfolgerung, daß die Qualität Deiner Weiterbildung damit automatisch auch besser war, ist jedoch keineswegs zwingend. Ebenso halte ich einige Grundannahmen von Dir wie "Weiterbildung in der Praxis/Niederlassung ist besser als in der Klinik" ebenso wie "in Diensten lernt man nichts für die Weiterbildung" für fragwürdig, bzw. für singuläre Einzelerfahrungen ohne Anspruch auf Verallgemeinerung.
Vielleicht könnte man diese Positionen auch offen diskutieren, ohne gegenteilige Ansichten gleich als Neid und Mißgunst zu diffamieren?
Anne1970
07.04.2023, 12:09
Danke @Evil!
In den Diensten hat man mit die größten Lernerfahrungen. Man muss sich nämlich auch mal selbst Gedanken machen und die Hürde OA XYZ anzurufen ist höher, weil es nachts um 2 ist.
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