Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ich glaube, ich war bei einem Fake-Arzt. Sollte man sowas melden?an



Seiten : 1 2 3 [4]

Feuerblick
05.06.2023, 16:22
Ich kann jetzt nur für mein eigenes Fachgebiet sprechen, aber selbst wenn ich 50 Seiten Diagnostik hätte, würde ich den Patienten vor die Spaltlampe setzen und selbst einen Blick auf das Problem werfen. Soll ja keine umfangreiche Diagnostik werden, aber bei Frozen Shoulder würde ich erwarten, dass sich der Arzt selbst wenigstens kurz einen Überblick über Bewegungsausmaß und Schmerzhaftigkeit verschafft…

morgoth
05.06.2023, 17:21
Was für mich ja auch eher gegen die „Fake Arzt“-Theorie spricht.

Wenn ich Approbation und Facharzt in Sport-/Rehabilitationsmedizin erschwindelt hätte, würde ich mir doch zumindest 2 Youtube-Videos zum Thema Schulteruntersuchung ansehen und diese dann durchführen.
Und auch zu Diagnosen wie „Arthrose“ geben wikipedia, google, ChatGPT und Co. doch viel brauchbares her.

Direktes Schwurbeln deutet für mich also eher auf einen (leider) richtig approbierten Kollegen hin.

Im Übrigen: Approbation+Arzt schützen nicht vor Halb-/Falschwissen. :-)

Relaxometrie
05.06.2023, 17:28
Mich stört hier schon ein bisschen, dass die moralischen Ansprüche an das eigene ärztliche Handeln hier als Grundvoraussetzung gesetzt werden und dadurch zementiert werden soll, was ein Arzt machen darf und was nicht. Das erinnert fast an einen religiösen Kult.
Andersherum wird ein Schuh draus.

Religiöser Kult: hier handelt man nach Glauben, Wünschen, Hoffen und nicht nach fundiertem Wissen.

Medizin, wie sie sein sollte: man handelt -wenn auch fehlerbehaftet- leitliniengerecht und nach bestem Wissen. Also genau NICHT nach religiösem Kult.

Jukka666
06.06.2023, 07:58
Also ich persönlich finde es hier auch nicht verwerflich, die reine Berufszulassung des Kollegen in Frage zu stellen.

Arzt sein befreit doch nicht von Betrug per se.

An der hiesigen Uniklinik gab es vor ca. 4-5 Jahren einen veritablen Skandal (weiß ich aus 1. Hand, steht auch googlebar in der Zeitung) um einen nicht-approbierten, aber durchaus kompetenten habilitierten "Mediziner", der sehr beliebt bei den Studenten war und auch eine Leitungsposition hatte.
Aufgefallen durch ständige Ausreden, warum die Urkunde nach Einstellung nicht vorgelegt werden konnte und wenig überragende Kompetenz beim Assistieren im OP (was wohl durchaus ab und an vorkommen musste, trotz eher konservativer Ausrichtung).
Der Kollege war wohl studierter biomed. Wissenschaftler oder so was. Auch als "Facharzt" wurde er geführt...

Das führte dazu, dass nun bei Einstellungen von Ärzten dort sehr viel Wert auf die Originalurkunde gelegt wird.

Ist es hier so abwegig, wenn kein ordentlicher Lebenslauf vorliegt und apparente Ungereimtheiten bzgl. des Fachwissens auffallen, hellhörig zu werden?
Aber es ist ja alles gesagt worden zum Thema... :-)

Berry-Alan
06.06.2023, 08:34
Erstmal vielen Dank für eure Beiträge. Ich habe gestern mit meinem HA gesprochen, der auch aus dem Ausland kommt und an der gleichen Uni wie der "Fake-Doc" studiert hat. Er kannte ihn so gar persönlich und musste fast sein Lachen zurückhalten, als ich meinte, dass ich mit meinem Vater bei ihm war. Er meinte auch, dass er auch bei vielen HAs/Orthopäden aus der Umgebung durch seine kontroversen Meinungen aufgefallen ist und man nicht Wert auf seine Aussagen legen soll. Aber er war sich sicher, dass er zumindestens approbiert ist. Also fällt er wohl leider in die Schublade: Dummer, unnötiger Schwurbler mit medizinischem Hintergrund :/

Relaxometrie
06.06.2023, 12:11
Es ging (zumindest mir) nicht darum, ob er approbiert ist, denn das habe ich nicht angezweifelt. Es geht darum, ob er einen Facharzttitel nachweisen kann, denn nur das berechtigt ihn, mit den gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen.
Ich würde da durchaus die Ärztekammer und die KV des Bundeslandes informieren.

Relaxometrie
08.06.2023, 10:08
@Berry-Alan:
Klingt so, als ob Du nichts melden würdest? Dann aber bitte auch nicht darüber wundern, warum so schräge Vögel, wie der von Dir beschriebene Arzt, existieren und immer weiterarbeiten.
Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass er eine Approbation und einen Facharzttitel besitzt, hoch ist und er nach einer Nachfrage bei Ärztekammer und KV weiterarbeiten darf, sollte man meiner Meinung nach versuchen, die Rechtmäßigkeit der KV-Zulassung zu hinterfragen.

anignu
11.06.2023, 01:41
Wenn er eine Kassenzulassung hat, muss er Facharzt sein. Mir wäre keine Ausnahme von der Regel bekannt.
Mir schon. Nennt sich "praktischer Arzt" und war mal eine Maßnahme gegen Hausärztemangel und zeitlich befristet. Eine Aktion wie es aktuell den verkürzten Facharzt "Allgemeinmedizin" bei Vorliegen eines anderen Facharzttitels auch zeitlich befristet gibt...
Mal schauen was als nächstes kommt.

Was ich nur komisch fand, war, dass er den Pat nach meinem Vater nach Hause geschickt hat, weil er meinte, er hätte keine Zeit mehr für Sprechstunden. Dabei kommte man in seiner Praxis nur mit vorherigem Termin rein.
Mei, du weißt ja nicht was der Mensch sonst zu tun hat und wie er seine Prioritäten setzt. Vielleicht hatte er einfach nur keinen Bock, vielleicht musste er woanders hin um zu operieren, vielleicht... Nur weil man einen Termin hat, heißt das nicht dass der Arzt IMMER an dem Termin dann Zeit hat. Du könntest auch bei mir einen Termin in meiner Sprechstunde ausmachen und wenns blöd läuft sagt dir die Sekretärin dass ich notfallmäßig im OP steh und du ein-zwei Wochen später wieder kommen sollst.

Ich kann jetzt nur für mein eigenes Fachgebiet sprechen, aber selbst wenn ich 50 Seiten Diagnostik hätte, würde ich den Patienten vor die Spaltlampe setzen und selbst einen Blick auf das Problem werfen. Soll ja keine umfangreiche Diagnostik werden, aber bei Frozen Shoulder würde ich erwarten, dass sich der Arzt selbst wenigstens kurz einen Überblick über Bewegungsausmaß und Schmerzhaftigkeit verschafft…
Jeder spricht nur über sein Fachgebiet. Ich mach es auch so dass ich die Patienten gern selbst duplexe. Damit ich eine eigene Vorstellung bekomm. Das geht aber nicht bei allen meiner Krankheitsbilder. Manchmal behandle ich da quasi nur Bilder die extern angefertigt wurden... wie jeder seine Leute behandelt muss er/sie selbst wissen.

Und zum Thema noch: ich würde es vielleicht nicht "melden" nennen, aber "nachfragen". Und wenn man sich persönlich schon so aufregen musste, dann kann man das auch mal tun. Eben für sich selbst. Es gibt ja dann nur zwei Ergebnisse: der Mensch ist Facharzt, dann hat man schwarz auf weiß gelernt dass auch Fachärzte Schwurbler sein können. Oder der ist kein Facharzt. Umso wichtiger dann.

PaulaBoston
11.06.2023, 11:27
Also ich hatte mal eine Kollegin in der Klinik, die hatte Examen gemacht, dann war sie 20Jahre Hausfrau und Mutter und dann hat sie gearbeitet, sich aufgeführt, wie der Chefarzt und hatte keine Ahnung von nichts. Die hat jedem Patienten in der Psychiatrie geraten: sie müssen einfach nur an Gott glauben, dann wird das wieder! Leider gibt es sehr viele unfähige Kollegen, die tatsächlich mal studiert haben.