Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Doch noch Medizin?
Der Physiker
13.07.2023, 21:39
Was nützt es dir hier die Leute auszufragen, warum sie Medizin studiert haben?
Eigentlich ganz einfach. Man bekommt ein Bild davon, wie andere Leute an die Sache herangegegangen sind, und kann so das eigene Verhalten ein wenig einordnen. Dann kriegt man nämlich ein Bild davon, was für ein Typus die Leute in diesem Beruf sind und dann kann man daran ein bisschen sehen, ob man reinpasst oder eher weniger.
Jede Art Mensch kann in diesen Beruf passen. Aber bei dir seh ich halt wie gesagt kein echtes Interesse am Beruf - das ist das Problem.
Der Physiker
14.07.2023, 19:40
Jede Art Mensch kann in diesen Beruf passen. Aber bei dir seh ich halt wie gesagt kein echtes Interesse am Beruf - das ist das Problem.
Okay, nehme ich zur Kenntnis, widerspreche trotzdem
xenopus laevis
14.07.2023, 20:42
Ursprünglich wollte ich es studieren, um meinen Geschwistern ein gutes Vorbild zu sein: egal woher du kommst, du kannst alles werden. Da war ich 13 Jahre alt.
Letztlich habe ich mich dafür entschieden, weil ich eine Katastrophe im sprachlichen und mathematischen Bereich bin. Und dementsprechend Berufe wie Ingenieur, BWL und Jura rausfallen. Lehramt war noch eine Option, aber meine Trainerin/Lehrerin meinte „Hey …, wir haben schon genug miese Lehrer.“ Für Polizei war ich zu klein.
Frag dich doch mal, was genau dir wichtig im Leben ist. Geld? Freizeit? Familie? Weihnachten? Obstkorb auf Arbeit?
Der Physiker
14.07.2023, 23:55
Ursprünglich wollte ich es studieren, um meinen Geschwistern ein gutes Vorbild zu sein: egal woher du kommst, du kannst alles werden. Da war ich 13 Jahre alt.
Letztlich habe ich mich dafür entschieden, weil ich eine Katastrophe im sprachlichen und mathematischen Bereich bin. Und dementsprechend Berufe wie Ingenieur, BWL und Jura rausfallen. Lehramt war noch eine Option, aber meine Trainerin/Lehrerin meinte „Hey …, wir haben schon genug miese Lehrer.“ Für Polizei war ich zu klein.
Frag dich doch mal, was genau dir wichtig im Leben ist. Geld? Freizeit? Familie? Weihnachten? Obstkorb auf Arbeit?
Und meine Motivation ist eben, dass ich denke, dass mir der Beruf sehr vieles gibt, was ich mir wünsche.
Man muss eben verstehen, dass ich mir schon Gedanken darum mache, wie es meiner Generation mal gehen wird. Ich meine, seit Corona jagt eine Krise die nächste und ich habe keine Lust, mir ständig den Kopf zu zerbrechen, ob es meinen Arbeitsplatz noch gibt oder was genau in dieser sehr wechselhaften Zeit sein wird.
Aber nur weil ich mir auch darüber Gedanken mache, heißt es nicht, dass ich kein intrinsisches Interesse habe. Interesse heißt ja nicht, alternativlos zu sein, und keine Vor- und Nachteile abzuwägen.
Oder wird Interesse etwa so verstanden, dass man bereit ist, sich verheizen zu lassen, wie es jemand formuliert ist?
Wenn du Interesse hast, dann mach es doch einfach. Dafür brauchst du doch keine Absolution von fremden Menschen in einem Forum.
Es haben jetzt schon mehrere ihre Bedenken zu deiner Motivation bezüglich des Studiums geäußert. Wenn du alle Ratschläge und Meinungen ignorieren bzw. nicht annehmen möchtest, dann ist das dein gutes Recht, aber dann musst du das auchmit dir selbst ausmachen.
Dieser Gedanke, dass man als Mediziner einen sicheren Arbeitsplatz hat, den es in keinem anderen Bereich auf der Welt gibt, scheint sich bei dir eingebrannt zu haben. Wenn du aufgrund dieses irrationalen Gedankengangs bereit bist dich für insgesamt 12 Jahre ausbilden zu lassen, dann solltest du das machen. Eine Anleitung für deinen weiteren Lebensweg kann dir hier im forum leider niemand präsentieren.
FuchsiBuchsi
15.07.2023, 12:27
Wenn du Interesse hast, dann mach es doch einfach. Dafür brauchst du doch keine Absolution von fremden Menschen in einem Forum.
[...]
Dieser Gedanke, dass man als Mediziner einen sicheren Arbeitsplatz hat, den es in keinem anderen Bereich auf der Welt gibt, scheint sich bei dir eingebrannt zu haben. Wenn du aufgrund dieses irrationalen Gedankengangs bereit bist dich für insgesamt 12 Jahre ausbilden zu lassen, dann solltest du das machen. Eine Anleitung für deinen weiteren Lebensweg kann dir hier im forum leider niemand präsentieren.
Ja, denke mir auch so, warum nicht. In dem Alter kann man es doch locker flockig probieren.
Das mit dem Arbeitsplatz ist ja noch nicht mal falsch. Wenn man die Bedingungen außer acht lässt.
Momentan ist Informatik eine ähnlich sichere Bank mit hohem Verdienst, aber da bist du eben leichter ersetzbar durch Anbieter im Ausland. Wobei man das wahrscheinlich effizienter upgraden könnte mit dem bisherigen Studium.
Kampf-Muffin
15.07.2023, 14:56
Ich kann diesen Arbeitsplatzgedanken nachvollziehen - aber ich habe, wie andere hier auch, das gefühl, dass du das bei Medizin allzu rosig und in deinem Ursprungsfach aus irgendeinem Grund total pessimistisch siehst.
Der Arbeitsmarkt ist ja immer gewissen Schwankungen unterworfen, vor 20 Jahren gab es ja sogar eine "Ärzteschwemme" und wer fertig aus dem Studium kam musste froh sein, einen Job zu kriegen...
Der Physiker
15.07.2023, 15:12
Ich kann diesen Arbeitsplatzgedanken nachvollziehen - aber ich habe, wie andere hier auch, das gefühl, dass du das bei Medizin allzu rosig und in deinem Ursprungsfach aus irgendeinem Grund total pessimistisch siehst.
Der Arbeitsmarkt ist ja immer gewissen Schwankungen unterworfen, vor 20 Jahren gab es ja sogar eine "Ärzteschwemme" und wer fertig aus dem Studium kam musste froh sein, einen Job zu kriegen...
Ich habe ja bald das Praktikum. Da kann ich dem ganzen den reality check geben.
vor 20 Jahren gab es ja sogar eine "Ärzteschwemme"
Die wird auch wieder kommen, ist eigentlich ja schon da, nur funktionell noch nicht. Nennt sich Schweinezyklus.
Der Physiker
15.07.2023, 18:37
Die wird auch wieder kommen, ist eigentlich ja schon da, nur funktionell noch nicht. Nennt sich Schweinezyklus.
Ich dachte, Medizin wäre antizyklisch. Immerhin wird die Gesellschaft immer älter und Ärzte selbst gehen in Rente ohne dass es mehr Studienplätze gibt. Wie soll es da zu viele Ärzte geben? Die Ärzte im KH müssten doch froh drum sein. Da gibt's ja weniger Personalmangel und die Arbeit wird nicht mehr so schlimm oder nicht?
Ich dachte, Medizin wäre antizyklisch. Immerhin wird die Gesellschaft immer älter und Ärzte selbst gehen in Rente ohne dass es mehr Studienplätze gibt. Wie soll es da zu viele Ärzte geben? Die Ärzte im KH müssten doch froh drum sein. Da gibt's ja weniger Personalmangel und die Arbeit wird nicht mehr so schlimm oder nicht?
Fakt ist, dass die Sozialsysteme das nicht mehr werden leisten können. Es wird immer mehr eine Zwei- und Dreiklassenmedizin geben mit Billig"Ärzten" (PA u. a., auch stud. Ärzte mit geringer Weiterqualifizierung) und sehr gut bezahlten Spezialisten und Privatärzten und -kliniken.
Kackbratze
15.07.2023, 19:26
Wie soll es da zu viele Ärzte geben? Die Ärzte im KH müssten doch froh drum sein. Da gibt's ja weniger Personalmangel und die Arbeit wird nicht mehr so schlimm oder nicht?
Wir sehen immer mehr Ärzte, die keine Lust auf den Job haben und in patientenferne Fächer oder die Industrie abwandern. Aus der Gruppe der weniger werdenden Absolventen.
Wenn man den Thread genau betrachtet, wird am Ende vermutlich genau das Gleiche dabei rauskommen.
Hochmotiviert mit festen Vorstellungen wie es im Klinikalltag laufen muss angetreten, dann entweder durch Vorgesetze oder Patienten, die nicht den eigenen Wünschen entsprechen demotiviert. 2x Abteilung gewechselt, 2x Fachbereich gewechselt.
Am Ende Gesundheitsamt, angestellter Arzt in Allgemeinmedizinpraxis oder doch Industrie, weil man ja mit dem Bachelor aus dem vorherigen Studiengang schneller den Fuß bei einem Medizinproduktehersteller in die Tür bekommt.
Und danach rumerzählen, wie man das System reformieren muss, damit man vielleicht doch in dem Bereich geblieben wäre.
Oder auf LinkedIn tiefschürfende Alltagsfloskeln perseverieren um die eigene Wichtigkeit in der Abteilung als "second head of binocular inventions reseach personal aquise"-Headhunter der Welt zu zeigen.
Der Physiker
15.07.2023, 19:39
Fakt ist, dass die Sozialsysteme das nicht mehr werden leisten können. Es wird immer mehr eine Zwei- und Dreiklassenmedizin geben mit Billig"Ärzten" (PA u. a., auch stud. Ärzte mit geringer Weiterqualifizierung) und sehr gut bezahlten Spezialisten und Privatärzten und -kliniken.
Meinst du, weil nicht mehr eingezahlt wird, weil es nicht mehr Einzahler gibt?
Und deshalb haben dann privat versicherte die Nase vorn und es macht sich ne Schere auf?
Kampf-Muffin
16.07.2023, 13:44
Mein Punkt war jetzt auch weniger eine genaue Prognose, wie sich Arbeitsmarkt und Gesundheitssystem in den nächsten 20 Jahren entwickeln, eher nochmal zu sagen, dass es kein Natugesetz ist, dass man als Ärztin einen gut bezahlten Job ohne Probleme bekommt. Finanzierung des Gesundheitssystems und evtl. auch die Digitalisierung/KI sind da ja auch Faktoren, die eine große Rolle spielen werden (und falls es tatsächlich zu einer Zuspitzung kommt wie hier von manchen gezeichnet - Privatärzte vs. mieseste Arbeitsbedingungen im öffentlichen Sektor - ist ja auch die Frage, ob man es für ethisch vertretbar hält, dann nur noch reiche privatversicherte zu behandeln).
Einig sind sich ja die allermeisten, dass die Arbeitsbelastung und die Verantwortung gerade in Kliniken riesig sind. Dahingegen erlebe ich bei Freunden von mir, die MINT-Fächer studiert haben zur Zeit ziemlich beneidenswerte Einstiege in Jobs (was Arbeitszeiten, Gehalt, zusätzliche Benefits angeht). Klar, auch dass ist ein subjektiver Eindruck und keine Ahnung, ob das in zehn Jahren auch noch so aussieht.
Tl;dr: Konzentrier dich bei deiner Entscheidung vor allem auf deine intrinsiche Motivation und einen realistischen Einblick in die Arbeit im Gesundheitswesen und nicht so sehr darauf, ob du jetzt als Physiker oder Arzt eher ne Stelle findest.
Kackbratze
16.07.2023, 22:04
Nur so am Rande:
Ein Privatarzt behandelt Jeden, der bezahlt, nicht nur Privatpatienten.
Die Gebühren orientieren sich an der GoÄ (Gebührenordnung für Ärzte), zusätzlich mit einem Modifikationsfaktor, welcher in der Realität meist mit 2,3-2,5 berechnet wird, weil sich bei höheren Faktoren auch die Privatversicherungen weigern die Kosten zu übernehmen.
Bar kann Jeder beim Privatarzt bezahlen, weiterhin kann man auch die Rechnung eines Privatarztes bei der gesetzlichen Kasse einreichen, wenn man es vorher geklärt hat.
Dieses "der Privatarzt schreibt eine exorbitante Rechnung für die gleiche Leistung für die ein Kassenarzt nix bekommt und ist deswegen stinkendreich"-Gerede passt vielleicht bei Hart aber fair, geht aber in der Realität auch an der Realität vorbei.
Rein Rational betrachtet gibt es kaum gute Gründe, Medizin zu studieren. Entweder man möchte Arzt sein oder nicht. Denke es gibt viele, die während des Studiums gemerkt haben, es ist doch nichts für sie, es aber trotzdem durchgezogen haben. Am Ende hat man als Arzt genug Möglichkeiten (auch in Projekten wie z.B. in einem Medizinverlag oder auf einer Online-Medizinplattform wie Amboss etc.). Schwieriger als die Entscheidung (ja/nein) ist aber - besonders als Zweitstudium - das Reinkommen ins Studium.
Die Gebühren orientieren sich an der GoÄ (Gebührenordnung für Ärzte), zusätzlich mit einem Modifikationsfaktor, welcher in der Realität meist mit 2,3-2,5 berechnet wird, weil sich bei höheren Faktoren auch die Privatversicherungen weigern die Kosten zu übernehmen.
Es gibt etliche, die Faktoren von 3,5 und mehr berechnen. Falls es die Versicherung nicht übernimmt, wird mit dem Pat. vereinbart, dass er die Differenz zahlt. Funktioniert natürlich nur, wenn der Behandler Qualität bietet, die der Pat. im Kassensystem nicht erhalten würde.
Kampf-Muffin
17.07.2023, 07:28
Nur so am Rande:
Ein Privatarzt behandelt Jeden, der bezahlt, nicht nur Privatpatienten.
Ja, halt Leute die es sich leisten können :-nix
Thomas24
17.07.2023, 11:53
Mein Punkt war jetzt auch weniger eine genaue Prognose, wie sich Arbeitsmarkt und Gesundheitssystem in den nächsten 20 Jahren entwickeln, eher nochmal zu sagen, dass es kein Natugesetz ist, dass man als Ärztin einen gut bezahlten Job ohne Probleme bekommt. Finanzierung des Gesundheitssystems und evtl. auch die Digitalisierung/KI sind da ja auch Faktoren, die eine große Rolle spielen werden (und falls es tatsächlich zu einer Zuspitzung kommt wie hier von manchen gezeichnet - Privatärzte vs. mieseste Arbeitsbedingungen im öffentlichen Sektor - ist ja auch die Frage, ob man es für ethisch vertretbar hält, dann nur noch reiche privatversicherte zu behandeln).
Man sollte sich mit derartigem Framing zurückhalten. Und außerdem: was heißt hier bitteschön entweder Privatpatientenversorgung -oder Tätigkeit im öffentlichen Sektor? Es geht auch beides. Dann macht man es eben wie viele Kollegen in Südeuropa, Mitteleuropa, auf dem Balkan, aber auch in UK oder Australien. (Teilzeit-) Stelle im öffentlich finanzierten Gesundheitssystem, damit man aber was verdient, arbeitet man on Top eben tageweise oder nachmittags im privaten Sektor. Und nein, man versorgt in diesen Staaten dort eben nicht ausschließlich "reiche" Privatversicherte - ein großer Teil der Patienten ist eben nicht wohlhabende Privatklienten, sondern regulär öffentlich versichert und hätte eigentlich Anspruch auf eine "kostenlose" Versorgung im öffentlichen System, will diese aber aus verschiedenen Gründen nicht wahrnehmen (lange Wartezeiten, schlechtere Versorgungsqualität, Wunsch nach Leistungen, die im öffentlichen System nicht erhältlich sind usw.). Aber weder sind Kollegen dazu da, die Mängel des öffentlichen Systems auf ihrem Rücken auszutragen, noch kann man es Patienten verbieten, sich nach Alternativen umzusehen, wenn Ihnen das Niveau im öffentlichen Gesundheitssystem, dass Sie mitfinanziert haben, nicht gefällt.
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