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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unsicher bezüglich Bewerbungsgespräch...



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tillitugi
04.08.2023, 15:34
liebe KollegInnen, ich brauche euren Rat. Ich habe bald mein erstes Vorstellungsgespräch als Assi an einer Pädiatrie, und ich bin mir nicht ganz sicher bezüglich eines Punktes.
Das "Problem" ist folgendes: ich bin mir sicher, dass ich gefragt werde, wieso ich Kinderarzt werden möchte. Die ehrliche Antwort darauf wäre: ich habe eine angeborene Erkrankung und war als Kind lange selbst krank, und das hat mich motiviert, selbst Medizin zu studieren und nun in die Pädiatrie zu gehen. Ich gehe damit generell sehr offen um, jeder kann mich dazu gerne alles fragen. Es ist auch keine Krankheit, die mich beim Arbeiten irgendwie einschränkt, und die gesundheitliche Eignung für die Approbation habe ich ohne Probleme bekommen. Aber es ist immerhin eine Krankheit und ich sorge mich einwenig, dass sie mich dann deshalb nicht einstellen - aus "Angst" dass ich eventuell öfter ausfallen könnte oder in die Richtung, denke ich? Habe schon erlebt, deswegen auch diskriminiert zu werden - obwohl ich in meiner Funktionsfähigkeit nicht eingeschränkt bin.
Es wäre jedoch andererseits auch etwas, was mich aus den vielen Bewerbern heraushebt - ich denke, dass ich mich sehr gut in die kranken Kinder hineinversetzen kann, da ich ja selbst weiß, wie es ist, jung und krank zu sein. Ich forsche auch zu diesem Thema, und das passt wiederum auch zu den Publikationen der Klinik an der ich mich bewerbe... :-bee

Gebt mir gerne eure Meinungen :-) ich danke euch im Voraus.

Endoplasmatisches Reticulum
04.08.2023, 15:50
Ich würde niemals gegenüber einem Arbeitgeber im Bewerbungsverfahren irgendeine Form von Krankheit erwähnen. Dann ist eben in deinem Bekanntenkreis jemand betroffen.

davo
04.08.2023, 16:26
Ich würde diese Erkrankung selbstverständlich erwähnen. Keine Einschränkung der Funktionseinschränkung, keine Einschränkung bei der Arbeit, aber ein guter Grund für das Fach - besser gehts doch eigentlich gar nicht. Authentisch sein!

morgoth
04.08.2023, 17:26
Niemals Krankheiten im Bewerbungsgespräch erwähnen!

Ich arbeite jetzt 12 Jahre im Gesundheitswesen und ich kann dir sagen: Es wird fast immer gegen dich verwendet.
Und nein, ich bin nicht gekränkt, weil man mir mit/trotz ICDxx keine Oberarztstelle gegeben hat. Ich weiss aus direkter Erfahrung, wie hinter den Kulissen über die Authentischen gesprochen wird. (Ja, auch in der Psychiatrie)
Auch in Krankenhäusern/Verwaltungen etc. arbeiten unter dem Strich nur/die gleichen Menschen.

Thomas24
04.08.2023, 17:37
Das Wort "WERBUNG" steckt nicht umsonst in Bewerbung. Eine Bewerbung dient dem Zweck, dich einem Arbeitgeber schmackhaft zu machen. Warum passt du ins Fach, warum passt du ins Team, wieso soll es gerade diese Abteilung in dieser Stadt sein usw. pp. Also nein, natürlich erwähnst du chronische Erkrankungen nicht! Für Authentizität ist noch genug Zeit, wenn man dich und deine Arbeit kennengelernt hat und im Team zu schätzen weiß...

Kaas
04.08.2023, 17:59
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass der offene Umgang mit Erkrankungen und vor allem auch eigenen Schwächen oder potentiellen Schwachpunkten NICHT hilfreich ist.

Nefazodon
04.08.2023, 18:28
Ich würde diese Erkrankung selbstverständlich erwähnen. (...)Authentisch sein!

Authentizität ist gut, aber leider nicht überall gewünscht.


Ich würde niemals gegenüber einem Arbeitgeber im Bewerbungsverfahren irgendeine Form von Krankheit erwähnen.


Auch in Krankenhäusern/Verwaltungen etc. arbeiten unter dem Strich nur/die gleichen Menschen.

Prinzipiell muss ich den beiden leider Recht geben. Die Welt ist unter der dünnen, zivilisatorischen Kruste hart und leider kann man kein Verständnis oder Entgegenkommen erwarten!

Andererseits sei aber auch gesagt, dass nicht *alle* so sind. Es gibt auch Menschen die einem eine faire Chance geben und nicht sofort alles gegen einen verwenden.
ER und morgoth haben schon Recht, auch ich selbst habe so etwas erlebt/bei anderen gesehen; es wäre naiv, das Gegenteil zu behaupten. Andererseits habe ich es aber auch schon anders erlebt. Sodass es durchaus noch Hoffnung gibt.

Auf der einen Seite muss dir bewusst sein, dass es ein Negativmerkmal sein kann, eine Krankheit zu haben, und die Frage ist, warum Du dich diesem Makel ohne Not im Bewerbungsgespräch aussetzen solltest.
Wenn die Erkrankung mittlerweile ausgeheilt ist, und dich nicht behindert, sehe ich ehrlich gesagt aber keinen Grund, sie zu verschweigen. Ist ja dann nichts Aktuelles. Und dann kann Authentizität eben auch ein großer Pluspunkt sein. Sicherlich wird es dir einfacher fallen, die *echte* Geschichte zu erzählen.

Letztlich ist die Frage, ob Du es dir leisten kannst, authentisch zu sein. Also, wie dringend muss es diese Stelle sein? Bist Du ehrlich, kann es halt ein zusätzlicher Filter sein. Einerseits kann es sein, dass Du die Stelle nicht bekommst. Wo Du die Stelle aber doch bekommst, kann es sein, dass die Atmosphäre und der Teamspirit besser sind, weil solche Dinge eben andersherum auch Filter für gute und faire Chefs sind.
Es ist auch die Frage, ob man in einer Abteilung arbeiten möchte, wo man die Stelle wegen so etwas nicht bekäme.

tillitugi
04.08.2023, 18:40
Danke für deine ausführliche Antwort und Meinung :) Meine Erkrankung gilt als nicht heilbar, d.h. ausgeheilt ist sie nicht. Ich lebe aber gut damit und bin zwischen Schüben absolut beschwerdefrei, und Schübe hab ich alle 2-3 Jahre mal wenn überhaupt. Der Klinikchef von der Abteilung an der ich mich bewerben möchte hat ein Buch geschrieben, in der er ausführlich über meine Erkrankung berichtet. Es gibt von der Klinik selbst auch massenhaft Forschung dazu. Ich selbst arbeite auch bei einer Organisation, die Kindern mit meiner Erkrankung hilft. Ich arbeite mit Gesundheitspersonal, die sich um diese erkrankten Kinder kümmert, und mache Seminare, um Haus- und Kinderärzten bei der Diagnosestellung betroffener Kinder zu unterstützen. Das alles wäre ein riesen Pluspunkt für mich (denke ich?) beim Bewerbungsgespräch - aber wie verpacke ich das dann alles, ohne persönliche Details preiszugeben? Das ist ja was recht spezifisches, wie erkläre ich meine Involvierung in das ganze? Das war mein eigentlicher Gedankengang. Und ich würde schon ganz gerne dort arbeiten, eben einerseits aus vorher genannten Gründen, aber auch, weil ich schon fix in besagte Stadt ziehe - da wäre es dann blöd, zum Arbeiten woandershin zu pendeln.

tillitugi
04.08.2023, 18:40
Danke für deine ausführliche Antwort und Meinung Meine Erkrankung gilt als nicht heilbar, d.h. ausgeheilt ist sie nicht. Ich lebe aber gut damit und bin zwischen Schüben absolut beschwerdefrei, und Schübe hab ich alle 2-3 Jahre mal wenn überhaupt. Der Klinikchef von der Abteilung an der ich mich bewerben möchte hat ein Buch geschrieben, in der er ausführlich über meine Erkrankung berichtet. Es gibt von der Klinik selbst auch massenhaft Forschung dazu. Ich selbst arbeite auch bei einer Organisation, die Kindern mit meiner Erkrankung hilft. Ich arbeite mit Gesundheitspersonal, die sich um diese erkrankten Kinder kümmert, und mache Seminare, um Haus- und Kinderärzten bei der Diagnosestellung betroffener Kinder zu unterstützen. Das alles wäre ein riesen Pluspunkt für mich (denke ich?) beim Bewerbungsgespräch - aber wie verpacke ich das dann alles, ohne persönliche Details preiszugeben? Das ist ja was recht spezifisches, wie erkläre ich meine Involvierung in das ganze? Das war mein eigentlicher Gedankengang. Und ich würde schon ganz gerne dort arbeiten, eben einerseits aus vorher genannten Gründen, aber auch, weil ich schon fix in besagte Stadt ziehe - da wäre es dann blöd, zum Arbeiten woandershin zu pendeln.

tillitugi
04.08.2023, 18:41
Authentizität ist gut, aber leider nicht überall gewünscht.





Prinzipiell muss ich den beiden leider Recht geben. Die Welt ist unter der dünnen, zivilisatorischen Kruste hart und leider kann man kein Verständnis oder Entgegenkommen erwarten!

Andererseits sei aber auch gesagt, dass nicht *alle* so sind. Es gibt auch Menschen die einem eine faire Chance geben und nicht sofort alles gegen einen verwenden.
ER und morgoth haben schon Recht, auch ich selbst habe so etwas erlebt/bei anderen gesehen; es wäre naiv, das Gegenteil zu behaupten. Andererseits habe ich es aber auch schon anders erlebt. Sodass es durchaus noch Hoffnung gibt.

Auf der einen Seite muss dir bewusst sein, dass es ein Negativmerkmal sein kann, eine Krankheit zu haben, und die Frage ist, warum Du dich diesem Makel ohne Not im Bewerbungsgespräch aussetzen solltest.
Wenn die Erkrankung mittlerweile ausgeheilt ist, und dich nicht behindert, sehe ich ehrlich gesagt aber keinen Grund, sie zu verschweigen. Ist ja dann nichts Aktuelles. Und dann kann Authentizität eben auch ein großer Pluspunkt sein. Sicherlich wird es dir einfacher fallen, die *echte* Geschichte zu erzählen.

Letztlich ist die Frage, ob Du es dir leisten kannst, authentisch zu sein. Also, wie dringend muss es diese Stelle sein? Bist Du ehrlich, kann es halt ein zusätzlicher Filter sein. Einerseits kann es sein, dass Du die Stelle nicht bekommst. Wo Du die Stelle aber doch bekommst, kann es sein, dass die Atmosphäre und der Teamspirit besser sind, weil solche Dinge eben andersherum auch Filter für gute und faire Chefs sind.
Es ist auch die Frage, ob man in einer Abteilung arbeiten möchte, wo man die Stelle wegen so etwas nicht bekäme.

Danke für deine ausführliche Antwort und Meinung Meine Erkrankung gilt als nicht heilbar, d.h. ausgeheilt ist sie nicht. Ich lebe aber gut damit und bin zwischen Schüben absolut beschwerdefrei, und Schübe hab ich alle 2-3 Jahre mal wenn überhaupt. Der Klinikchef von der Abteilung an der ich mich bewerben möchte hat ein Buch geschrieben, in der er ausführlich über meine Erkrankung berichtet. Es gibt von der Klinik selbst auch massenhaft Forschung dazu. Ich selbst arbeite auch bei einer Organisation, die Kindern mit meiner Erkrankung hilft. Ich arbeite mit Gesundheitspersonal, die sich um diese erkrankten Kinder kümmert, und mache Seminare, um Haus- und Kinderärzten bei der Diagnosestellung betroffener Kinder zu unterstützen. Das alles wäre ein riesen Pluspunkt für mich (denke ich?) beim Bewerbungsgespräch - aber wie verpacke ich das dann alles, ohne persönliche Details preiszugeben? Das ist ja was recht spezifisches, wie erkläre ich meine Involvierung in das ganze? Das war mein eigentlicher Gedankengang. Und ich würde schon ganz gerne dort arbeiten, eben einerseits aus vorher genannten Gründen, aber auch, weil ich schon fix in besagte Stadt ziehe - da wäre es dann blöd, zum Arbeiten woandershin zu pendeln.

Nefazodon
04.08.2023, 18:53
Der Klinikchef von der Abteilung an der ich mich bewerben möchte hat ein Buch geschrieben, in der er ausführlich über meine Erkrankung berichtet. Es gibt von der Klinik selbst auch massenhaft Forschung dazu.

Das heißt leider nicht automatisch, dass der Klinikchef ein netter Mensch ist und Verständnis hat.

Es kann aber natürlich doch sein, dass es so ist, und dann wirkt deine wahre Geschichte natürlich viel "runder".

Du musst im Prinzip entscheiden, ob Du dem Chef in dieser Situation auf den Zahn fühlen willst...
Es ist schon eine Zwickmühle.

Ich persönlich würde es von der Atmosphäre im Bewerbungsgespräch abhängig machen, ob ich ehrlich bin. Hast Du im Bewerbungsgespräch ein gutes Gefühl, kannst Du es so versuchen.
Dir muss halt bewusst sein, dass es sein kann, dass Du die Stelle nicht bekommst. Dann weißt Du gleichzeitig, was der Chef wirklich für ein Mensch ist:-nix

In so einer Situation, wo dein Lebenslauf scheinbar *perfekt* passen könnte, würde ICH es vielleicht einfach drauf ankommen lassen. und mich nicht verstellen.
Allerdings *brauche* *ICH* diese Stelle auch nicht unbedingt, insofern hab ich gut reden.:-nix:-nix

Endoplasmatisches Reticulum
04.08.2023, 19:32
Na da hebt sich doch schon die erste Augenbraue: Erst keinerlei Einschränkungen, jetzt schon "nur noch" beschwerdefrei zwischen Schüben. Und die bleiben in Frequenz und Schwere garantiert, wie sie sind? Du sollst dich nicht rechtfertigen. Aber du siehst eventuell die erwartbare Skepsis beim Arbeitgeber.

Viele Chefs sind sehr risikoavers. Sollten sie auch sein, das ist nämlich ihr Job. Wer einen Bewerber anstellt mit bekannter Erkrankung, und der wird dann krank, muss sich ggf. in viele Richtungen rechtfertigen. Das mag für einen Bewerber wenig menschlich anmuten, ist aber eine schnöde Risikoabwägung.

Dass eine Krankheit als Pluspunkt empfunden wird, halte ich eher für eine Wunschvorstellung. Selbst betroffen sein und deshalb Patienten besonders gut verstehen können ist humanistisch löblich, aber kein quantifizierbarer Nutzen für den Arbeitgeber. Das empfundene Risiko hingegen ist real.

Kann natürlich sein, dass du in dieser Klinik Recht hättest. Weiß man nicht. Bloß immer bedenken: Arbeitgeber sind nicht deine Freunde. Auch nicht wenn sie nett sind. Sie optimieren den eigenen Nutzen, der Rest kommt danach.

Nefazodon
04.08.2023, 19:38
@ER: Deine Punkte sind natürlich valide und das ist die Perspektive die Chefärzte immer im Blick haben müssen, keine Frage.

Andererseits schreibt tillitugi:


Der Klinikchef von der Abteilung an der ich mich bewerben möchte hat ein Buch geschrieben, in der er ausführlich über meine Erkrankung berichtet. Es gibt von der Klinik selbst auch massenhaft Forschung dazu.

und


Ich selbst arbeite auch bei einer Organisation, die Kindern mit meiner Erkrankung hilft. Ich arbeite mit Gesundheitspersonal, die sich um diese erkrankten Kinder kümmert, und mache Seminare, um Haus- und Kinderärzten bei der Diagnosestellung betroffener Kinder zu unterstützen.

...also, es *könnte* in diesem Fall schon sehr gut zueinander passen und damit eine runde Sache sein.

Die entscheidende Frage ist, wie hoch das Ausfallrisiko bei dieser Erkrankung ist.
Der Chefarzt wird das sicherlich gut wissen. Bei geringem Risiko wird es kein Problem sein, denke ich.

Persönlich hätte ich gar keine Lust, unter einem Chef zu arbeiten, der sich oberflächlich im Bereich der Erkrankung engagiert und mich dann genau wegen dieser Erkrankung ablehnt. Das ist dann schon charakterlich fragwürdig, und sollte bei einem "normalen" Chef eigentlich auch eine kognitive Dissonanz erzeugen.

Aber Du hast natürlich Recht, dass das auf dem Arbeitsmarkt eben nicht immer das Kriterium ist. Habe ich ja auch geschrieben. Die Welt ist hart und ohne Gnade.

Und während ich dann gar keine Lust hätte unter so einem Chef zu arbeiten, bin ich aber auch nicht auf die Stelle angewiesen.

Dennoch: Wenn Lebensgeschichte und Schwerpunkt der Klinik scheinbar so gut zusammen passen, wäre ich persönlich ehrlich (unter der Voraussetzung, dass die Erkrankung an sich kein großes Ausfallrisiko darstellt).
Ich würde in diesem Umfeld, gerade auch wenn ich mich selbst engagiere, wissen wollen, woran ich bin. Mir wäre es den Versuch wert, wobei ich mir des Risikos, dass ich damit eingehe aber auch bewusst wäre.

Feuerblick
04.08.2023, 19:45
Sag doch einfach „Ich war als Kind oft krank und das hat mich motiviert…“ . Das ist nicht gelogen und du lässt die chronische Erkrankung erstmal unter den Tisch fallen. Bei einem Bewerbungsgespräch würde ich sowas tatsächlich nicht erwähnen. Zum einen, weil es dich wegen potenzieller späterer Krankheitsausfälle unattraktiv macht für den Arbeitgeber und zum anderen, weil ich finde, dass solche Dinge einen Chefarzt in einem Bewerbungsgespräch einfach nichts angehen (solange die Erkrankung nicht für jeden sichtbar ist).

Endoplasmatisches Reticulum
04.08.2023, 19:54
@Nefazodon:
Richtig! Was du schreibst ist aber doch eher "Schloss: Prof ist spezialisiert auf dem Gebiet" und "Schlüssel: Bewerber hat viel Erfahrung auf dem Gebiet". Das ist es, was argumentativ den Fit herstellt. Nicht wirklich der Umstand, selbst von der Erkrankung betroffen zu sein.

Man kann ja fürs Bauchgefühl ein paar Analogien durchspielen:

Professor A forscht an Depression. Findet er deshalb einen Bewerber toll, der depressiv ist?
Professor B forscht an MS. Findet er deshalb einen Bewerber toll, der MS hat?
Professor C forscht an Crohn. Findet er deshalb einen Bewerber toll, der Crohn hat?
Professor D forscht an Endometriose. Findet er deshalb eine Bewerberin toll, die Endometriose hat?

(Natürlich immer top eingestellt, Schübe nur ganz selten und aaabsolut keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ... laut Bewerber.)

Das einzige Argument pro Offenlegung der Erkrankung ist ja die erwähnte Empathie mit den Patienten. Da bin ich skeptisch. Das erinnert mich ein wenig an 4er-Abiturienten, die meinen, dass sie viel bessere Ärzte auf Grund ihrer Menschlichkeit wären als die 1er-Schüler, die ja nur auswendig gelernt haben.

Auch gebe ich zu bedenken: Wenn meine Qualifikation den Arbeitgeber nicht überzeugt, kann ich erstmal woanders hin, Berufserfahrung sammeln und mich erneut bewerben. Wenn ich eine Krankheit kommuniziere und deshalb abgewiesen werde, bin ich für diese Klinik vermutlich auf unbestimmte Zeit verbrannt.

Nefazodon
04.08.2023, 20:14
Man kann ja fürs Bauchgefühl ein paar Analogien durchspielen:

Professor A forscht an Depression. Findet er deshalb einen Bewerber toll, der depressiv ist?
Professor B forscht an MS. Findet er deshalb einen Bewerber toll, der MS hat?
Professor C forscht an Crohn. Findet er deshalb einen Bewerber toll, der Crohn hat?
Professor D forscht an Endometriose. Findet er deshalb eine Bewerberin toll, die Endometriose hat?

(Natürlich immer top eingestellt, Schübe nur ganz selten und aaabsolut keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ... laut Bewerber.)



Sicher werden diese Punkte nicht überall auf Gegenliebe stoßen. Sicher werden dadurch Türen verschlossen bleiben, die sonst offen werden.
Aber auch Ärzte/Ärztinnen mit diesen Erkrankungen gibt es, und auch die finden eine Stelle.
Man muss sich bewusst sein, dass man auf dem Stellenmarkt eben sicherlich nicht mehr aus dem vollen Angebot schöpfen kann.

Die Analogien passen insofern nicht so ganz, als dass es sich hier um eine Nische zu handeln scheint; ist schon etwas anderes wenn man sich als Koryphäe im Bereich einer seltenen Erkrankung generiert oder wenn es sich um etwas handelt, wozu man auch ohne Spezialinteresse kommt und woran viele forschen.

Was man auch bedenken sollte....der Chefarzt wird sicher nicht auf den Kopf gefallen sein. Wenn ich mit diesem massiven Engagement in dieser Nische im Bewerbungsgespräch sage, dass ich selbst oft krank war, könnte er schon den Verdacht haben, dass es sich um genau die Erkrankung handelt.
Das wiederum ist sowohl ein Argument dafür es so anzusprechen, wie Feuerblick sagt, als auch, es direkt anzusprechen. Eventuell wird das dann nämlich gar keinen Unterschied mehr machen.

Genau deswegen finde ich Feuerblicks Vorschlag gar nicht schlecht.

Endoplasmatisches Reticulum
04.08.2023, 20:26
Aber auch Ärzte/Ärztinnen mit diesen Erkrankungen gibt es, und auch die finden eine Stelle.
Natürlich gibt es die. Die Frage war, ob man eine Erkrankung im Bewerbungsverfahren kommunizieren sollte.


ist schon etwas anderes wenn man sich als Koryphäe im Bereich einer seltenen Erkrankung generiert
Hmm. Warum?


Genau deswegen finde ich Feuerblicks Vorschlag gar nicht schlecht.
Ehrlich gesagt verstehe ich den nicht. Wenn es wirklich so eine Nischenerkrankung ist, was soll dann "Ich war als Kind oft krank" für eine Aussage sein? Entweder habe ich die Erkrankung und gebe das damit offen zu. Oder ich habe die Erkrankung nicht. Dann ist es keine Antwort auf die Frage, was mich motiviert hat, mich so intenisv mit ausgerechnet dieser Erkrankung zu beschäftigen.

tillitugi
04.08.2023, 20:33
Woah, danke für den ganzen Input. Die Mehrheit tendiert ja hier dazu, dass es eher ein Nachteil ist - und ich kann das natürlich nachvollziehen. Ich weiß nur leider noch immer nicht, wie ich mein Engagement zu diesen Erkrankungen erklären kann, ohne dass ich sage selbst betroffen zu sein. Lügen möchte ich nicht (also sagen dass es jemand in meinem Bekanntenkreis ist…) - aber ich denke, da wird mir schon was einfallen.

Ich möchte diese Stelle unbedingt, es wäre mein absoluter Traum. Da möchte ich das nicht in Gefahr bringen - ich danke euch für euren Input ;)

Nefazodon
04.08.2023, 20:51
Hmm. Warum?

MS und Depressionen sind schon "große" Erkrankungen ihrer Fächer. Daran zu forschen bedeutet also nicht zwingend, besonderes Interesse und Engagement in dieser Hinsicht zu zeigen. Im Gegenteil. Kann sein, dass nur aus Karrieregründen dort geforscht wird.
Klar, muss mit dem Nischenfach nicht anders sein, aber a priori halte ich da eine besondere Motiviation für wahrscheinlicher. Wahrscheinlicher heißt nicht, dass es so ssein muss. Ist halt eine Annahme.



Ehrlich gesagt verstehe ich den nicht. Wenn es wirklich so eine Nischenerkrankung ist, was soll dann "Ich war als Kind oft krank" für eine Aussage sein? Entweder habe ich die Erkrankung und gebe das damit offen zu. Oder ich habe die Erkrankung nicht. Dann ist es keine Antwort auf die Frage, was mich motiviert hat, mich so intenisv mit ausgerechnet dieser Erkrankung zu beschäftigen.

Auf die Frage, was einen zum Medizinstudium bewogen hat oder zur Pädiatrie kann man schon so antworten, wie Feuerblick es vorschlägt und es wäre eine ausreichende Antwort.
Das Problem ist, dass der TE hier ja sein Engagement im Nischenbereich herausstellen muss, und dann wird die nächste Frage natürlich sein "Wie kommt es, dass Sie sich gerade für Erkrankung xy so interessieren?"



Natürlich gibt es die. Die Frage war, ob man eine Erkrankung im Bewerbungsverfahren kommunizieren sollte.

Das erweckt immer den Eindruck, als würde man mit Erkrankungen, gleich welcher Art, gar keine Stelle mehr kriegen, wenn man ehrlich ist.
Das stimmt so natürlich nicht. Richtig ist aber ohne Zweifel, dass man damit den Pool an möglichen Stellen deutlich verringert, in Abhängigkeit vom Ausfallrisiko sicherlich auch sehr deutlich.

Nefazodon
04.08.2023, 21:02
Ich weiß nur leider noch immer nicht, wie ich mein Engagement zu diesen Erkrankungen erklären kann, ohne dass ich sage selbst betroffen zu sein. Lügen möchte ich nicht (also sagen dass es jemand in meinem Bekanntenkreis ist…) - aber ich denke, da wird mir schon was einfallen.

Dann solltest Du den Fokus auf folgende Aspekte legen: Was ist an der Erkrankung interessant? Wo wird geforscht? (Pathophysiologie? Therapie?) Was ist in der Versorgung der Betroffenen wichtig?
Also überleg dir, jenseits davon selbst betroffen zu sein, was interessante Aspekte der Erkrankung sind. Mit der Wichtigkeit dieser Aspekte begründest Du dann dein Interesse.

Aktiv lügen solltest Du nicht. Abgesehen davon, dass dadurch dein Vertrag im Nachhinein ungültig werden könnte, kann sowas im Nachhinein negativ auffallen und es könnte den Chef auch verärgern.
(Lügen sind arbeitrechtlich im Bewerbungsgespräch dann erlaubt, wenn unzulässige Fragen gestellt werden, beispielsweise, ob man schwanger ist. Bei diesem Thema muss man aber sehr aufpassen, gerade bei Erkrankungen, die z.B. für die Diensttauglichkeit relevant sein könnten)