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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 75%-Stelle als Berufsanfängerin



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Ratsuchende
27.09.2023, 16:32
Hallo zusammen!

Ich werde in Kürze das M3 hoffentlich erfolgreich hinter mich bringen und dann mit der Stellensuche beginnen.
Wird erst einmal Innere (ein bis zwei Jahre Weiterbildung, dann gucken ob ich dabei bleibe oder Richtung Allgemeinmedizin abbiege).
Mein Problem: Ich habe bereits im PJ gemerkt, dass ich mit dem Inneren-Vollzeit-Workload mit x Überstunden ohne Möglichkeit zum Ausgleich nicht klarkomme.
Ich bin in meiner Freizeit ehrenamtlich aktiv und brauche das auch zum Ausgleich - leider hat das während der PJ-Zeit schon viel zu sehr gelitten.
Meine Idee wäre deshalb, mich nicht auf eine Vollzeit-Stelle zu bewerben, sondern nur mit 75-80%. Sprich entweder (im Durchschnitt) drei Wochen arbeiten und eine Woche frei oder noch lieber einen Tag zusätzlich frei.
Der finanzielle Aspekt spielt keine Rolle und auch die verlängerte FA-Weiterbildung ist mir egal.
Ist das als absolute Berufsanfängerin klug und möglich oder wird man da sofort aussortiert?

Vielen Dank für jeden Input!

JAK1
27.09.2023, 17:24
Nur mit freiem Tag sinnvoll, dann sicher möglich. Aber warum nicht 6 Monate 100% und dann reduzieren. Ist meiner Meinung nach aus fachlichersicht besser und auch einfacher für dich bei der Arbeitssuche.

HeleneeneleH
27.09.2023, 18:14
Kenne einige aus meinem Abschlusssemester, die v.a. Innere mit reduzierter Stundenzahl begonnen haben.
Modelle ganz unterschiedlich: früher Feierabend (jedoch eher nicht zu empfehlen), 3 Wochen Arbeit, eine Woche frei, ein Tag pro Woche frei usw.

Feedback ist meist sehr gut- geht also sicher. Auch als Berufsanfänger. :) in der inneren sowieso, da ist der Mangel so krass.

Tramaldol
27.09.2023, 22:17
Du kannst es probieren. Ein Kollegin von mir hat in Hamburg angefangen in der Inneren und es gab nur eine 80% Stelle und sie hatte unfreiwillig einen Tag frei. Grundsätzlich wird aber eher Vollzeit gesucht.

Wenn man erst nach 6 Monaten mit dem Antrag auf Stundenreduktion kommt das in der Leitungsbene wenig gut an, weil man nicht mit offenen Karten gespielt hat. Grundsätzlich kann der Arbeitgeber aus betrieblichen Gründen auch Teilzeit verweigern und die Diskussion darüber kann das Arbeitsverhältnis belasten. Man muss auch noch beachten, dass der Arbeitnehmer hier "in Weiterbildung" ist und auf das Gutdünken des Lehnsherrn..ähhh der Vorgesetzen angewiesen ist.

Gräuling
28.09.2023, 11:53
Hallo zusammen, befinde mich in ähnlicher Situation wie die TE, würde mich aber interessieren, wie das mit 80% Berufseinstieg in chirurgischen Fachrichtungen aussieht. Besonders die Variante mit ein Tag frei/Woche halte ich für sehr attraktiv. Gibt es hier jmd mit persönlichen Erfahrungen dazu?

Endoplasmatisches Reticulum
28.09.2023, 12:05
Ich habe das eine Zeit lang gemacht und wenn es nach mir ginge, würde ich bei den aktuellen Arbeitsbedingungen keinen ärztlichen Arbeitsvertrag über 80 % mehr unterschreiben. Die Wahl hat man aber nunmal nicht oft, wenn man großstadtaffin und grob ortsgebunden ist. Und wenn man dann auch noch männlich ist, sinkt die Akzeptanz bei Arbeitgebern oft direkt ins Bodenlose. Auch 80 % + selbstbestimmter Zweitjob würde ich jederzeit einer 100%-Stelle vorziehen.

Für mich macht der eine Tag zur Rekompensation einen unglaublichen Unterschied an Lebensqualität aus; vor allem weil die Wochenenden durch Dienste und ungeplant-planbare Katastrphen öfter zerschossen werden als dass sie es nicht tun. 14 Tage durchbuckeln? Na, Arzt ist eine Berufung. Sind da 2 freie Tage durch 80 % drin, gut machbar. Wenn nicht, Super-GAU und Privatleben adieu. Jede Woche die Chance zu haben, außerberufliche Termine wie Behörden, Bank, Zahnarzt etc. frei terminieren zu können, gibt ein Maß an Freiheit, dass man erst so richtig bitterlich vermisst, wenn man es eine Zeit lang nicht mehr hat.

Probleme sind vor allem eine Stelle zu finden, und dann eine Stelle zu finden, die Teilzeit fair umsetzt und auch dabei bleibt. Mit einem freien Tag bist du tendenziell der Bimbo vom Dienst, wenn jemand ausfällt - was im Krankenhaus bekanntermaßen nie passiert. Mit einem freien Tag drückt man dir auch gerne mal proportional mehr Dienste rein, besonders gerne über die Nacht in deinen freien Tag hinein, was nicht Sinn der Sache ist. Manche aktuellen Tarifverträge verbieten das zwar, aber wer weiß wo du anfängst und ob man sich drum schert. Feste freie Tage vereinbaren Arbeitgeber ungern schriftlich, das setzt sie ja in ihrer Verfügungsgewalt herab. Wenn aber doch, können dir andere Probleme winken - z.B. dass die wöchentliche Abteilungsfortbildung auf deinen freien Tag gesetzt wird. Demotivieren kann dich, dass viele ärztliche Tarifverträge zwischen Überstunden und Mehrarbeit differenzieren. Alles, was du über dein Teilzeitpensum hinaus bis zur Vollzeitschwelle arbeitest ist Mehrarbeit - gibt also keinen Überstundenzuschlag.

Autolyse
28.09.2023, 13:17
[...]Wenn aber doch, können dir andere Probleme winken - z.B. dass die wöchentliche Abteilungsfortbildung auf deinen freien Tag gesetzt wird.
Ich erkenne das Problem nicht?

Demotivieren kann dich, dass viele ärztliche Tarifverträge zwischen Überstunden und Mehrarbeit differenzieren. Alles, was du über dein Teilzeitpensum hinaus bis zur Vollzeitschwelle arbeitest ist Mehrarbeit - gibt also keinen Überstundenzuschlag.
Anders aber im Schichtdienst.

Endoplasmatisches Reticulum
28.09.2023, 13:57
Ich erkenne das Problem nicht?
Zum einen persönliches Interesse. Ich fand die klinikinternen Fortbildungen, wo es sie denn gab, immer ganz gut und habe da viel gelernt. Zum anderen gibt es Fächer/Kliniken, die Teile der Weiterbildungsordnung nicht komplett selbst abdecken, sondern in Form externer Referenten einkaufen. Ich denke da z.B. an Histologie. Keine Ahnung, ob das lege artis ist bezüglich den Anforderungen der Ärztekammer oder am Ende trotzdem einfach nur der Chef unterschreibt und gut ist. Das geht jetzt schon sehr ins Detail und ist sicherlich nur in wenigen Fällen relevant. Man sollte es bloß im Hinterkopf haben, wenn man Teilzeit mit dem Arbeitgeber bespricht. Einfach dass man sich nicht den warum auch immer unglücklichsten Tag rauspickt, wenn man überhaupt das Zugeständnis eines fixen freien Tages erhält.

davo
28.09.2023, 14:03
Wenn man überall soviele potenzielle Probleme sieht, muss einem der eigene Handlungsspielraum echt winzig vorkommen. Ob diese vielen Sorgen und Bedenken der Threaderstellerin jetzt wirklich weiterhelfen?

Tramaldol
28.09.2023, 22:43
Ich habe das eine Zeit lang gemacht und wenn es nach mir ginge, würde ich bei den aktuellen Arbeitsbedingungen keinen ärztlichen Arbeitsvertrag über 80 % mehr unterschreiben. Die Wahl hat man aber nunmal nicht oft, wenn man großstadtaffin und grob ortsgebunden ist. Und wenn man dann auch noch männlich ist, sinkt die Akzeptanz bei Arbeitgebern oft direkt ins Bodenlose.

Da hast du Recht. Finde es auch bemerkenswert, dass es bei Männern so sehr mehr verachtet wird Teilzeit zu arbeiten. Was für altbackene und auch diskriminierende Verhältnisse...nur hier interessiert's keinen.

Was man natürlich auch beachten muss. Die WB-Zeit verlängert sich. Glaubt mir, niemand will gerne dauerhaft in der Weiterbildung sein. FA ist einfach besser: Gehalt, Anerkennung, Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen.

Ratsuchende
01.10.2023, 09:36
Danke für die Meinungen.
Ich werd's mal riskieren und mich auf 80% mit einem Tag Extrafrei pro Woche bewerben.

anignu
01.10.2023, 16:48
...und mich auf 80% mit einem Tag Extrafrei pro Woche bewerben.
Ich kann nur empfehlen da bissl flexibel zu bleiben wie du es im ersten Post erwähnt hattest...

Sprich entweder (im Durchschnitt) drei Wochen arbeiten und eine Woche frei oder noch lieber einen Tag zusätzlich frei.
Beim Bewerbungsgespräch kann man die ehrenamtliche Tätigkeit dann ja auch erwähnen, falls nach einem "warum?" gefragt wird. Und wenn man Dinge wie "ich kann dafür mehr in den Schulferien arbeiten" oder so anbietet, kann das auch nicht schlecht sein. Je nach Zusammensetzung der Assistentenschaft halt.

Stuntman Mike
02.10.2023, 07:57
Und wenn man Dinge wie "ich kann dafür mehr in den Schulferien arbeiten" oder so anbietet, kann das auch nicht schlecht sein.
Ich finde man braucht sich nicht implizit zu entschuldigen, indem man „Wiedergutmachungen“ anbietet, nur weil man Teilzeit möchte. Allerdings halte ich es je nach Stellensituation ggf. für klüger, Vollzeit anzufangen und nach der Probezeit zu reduzieren…

Tramaldol
02.10.2023, 10:36
"ich kann dafür mehr in den Schulferien arbeiten" oder so anbietet, kann das auch nicht schlecht sein. Je nach Zusammensetzung der Assistentenschaft halt.

achja. Leute ohne Kinder haben keine Rechte bei der Urlaubsplanung. Ganz zufällig liegen auch noch zahlreiche Brückentage wie Ostern, Weihnachten, Neujahr, Pfingsten in den Schulferien. Ein Unding.

Nefazodon
02.10.2023, 12:23
Prinzipiell wüsste ich auch nicht, warum man den Wunsch in Teilzeit zu arbeiten begründen oder einen Ausgleich dafür anbieten müsste.

Im Vorstellungsgespräch kann es dennoch sinnvoll sein das zu tun ;-)
Was hinterher draus wird, steht dann auf einem anderen Blatt....

Tramaldol
02.10.2023, 16:49
Natürlich kann es auch sein, dass es mal andere Bewerber gibt. In der Realität wird man aufgrund der wenig ausgeprägten Beliebtheit von Arbeit im Gesundheitswesen so sein, dass man öfters der einzige Bewerber ist.

Autolyse
02.10.2023, 17:51
Natürlich kann es auch sein, dass es mal andere Bewerber gibt. In der Realität wird man aufgrund der wenig ausgeprägten Beliebtheit von Arbeit im Gesundheitswesen so sein, dass man öfters der einzige Bewerber ist.
Und meistens sucht die Gegenseite noch dringender als man selbst. Brutus hat das vor Jahren mal in etwa so formuliert: Der Chef darf sich aussuchen, ob sie mich zu 75% bekommt oder gar nicht.

Endoplasmatisches Reticulum
02.10.2023, 18:57
......

anignu
02.10.2023, 21:55
achja. Leute ohne Kinder haben keine Rechte bei der Urlaubsplanung. Ganz zufällig liegen auch noch zahlreiche Brückentage wie Ostern, Weihnachten, Neujahr, Pfingsten in den Schulferien. Ein Unding.
Ach mei. Diese pöhsen Leute die aus egoistischen Motiven Kinder in die Welt setzen und dann auch noch immer in den Schulferien Urlaub machen wollen? Schon wieder?

Schon mal dran gedacht, dass man eine gewisse Verpflichtung hat für die Kinder eine Betreuung sicher zu stellen und das mit 31 Urlaubstagen und 13 Wochen Schulferien bissl knapp wird? Einfach mal rechnen. Aber klar, gibt ja noch den Partner (meist zumindest). Und mit gut 60 Tagen kann man es schaffen. Gemeinsam in den Urlaub wird eh überbewertet.
Und ganz ehrlich: bei uns gibt es für Fälle wie dich ganz einfach eine Betriebsvereinbarung. Wenn du keine Kinder hast und ich schon Kinder hab und es keine Einigung in Bezug auf den Urlaub gibt, dann bekomm ich den Urlaub und du nicht. Fertig. Braucht man nicht lange diskutieren.

Bei uns gibt es grad mehr Bewerber als Stellen. Aber klar, natürlich muss man nichts anbieten... aber man kann. Man kann auch von vornherein sagen "ich arbeite 80% und niemals an einem Freitag". Man kann viel. So lange man es aber nicht wirklich unbedingt braucht, kann man auch Verhandlungsmasse anbieten.

Eines muss man auch bedenken, wie gesagt es kommt auf die Zusammenstellung der Asssistentenschaft an, es geht auch nicht immer nur drum einen Job zu bekommen. Es soll auch Spaß machen und irgendwo kollegial ablaufen. Und umso unflexibler man selbst sich gibt umso schwieriger kann es werden.
Fast alle die Dienste machen haben keinen Bock drauf. Aber irgendwer muss den Schmarrn machen. Wenn man dann das Gefühl hat es ist ein Geben und Nehmen dann ist das auf jeden Fall besser als wenn nicht.

Autolyse
02.10.2023, 23:47
[...]
Schon mal dran gedacht, dass man eine gewisse Verpflichtung hat für die Kinder eine Betreuung sicher zu stellen und das mit 31 Urlaubstagen und 13 Wochen Schulferien bissl knapp wird? Einfach mal rechnen. Aber klar, gibt ja noch den Partner (meist zumindest). Und mit gut 60 Tagen kann man es schaffen. Gemeinsam in den Urlaub wird eh überbewertet.
Und ganz ehrlich: bei uns gibt es für Fälle wie dich ganz einfach eine Betriebsvereinbarung. Wenn du keine Kinder hast und ich schon Kinder hab und es keine Einigung in Bezug auf den Urlaub gibt, dann bekomm ich den Urlaub und du nicht. Fertig. Braucht man nicht lange diskutieren.
[...]
Stimmt. Muss man nicht lange diskutieren, kann man einfach wegklagen. In dem Automatismus ist die nichtig.