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Züschata
04.11.2023, 22:20
Hallo,
für mich steht bald die Frage an, ob ich als OA in einer Psychiatrie arbeiten möchte. Da sich im Forum immer wieder mal die Frage ergibt, wie es um OA Gehälter fachspezifisch als auch allgemein bestellt ist, jedoch nur vereinzelt Anhaltspunkte bestehen, würde ich gerne diesen Thread nutzen, um einen möglichen Trend besser nachzuvollziehen, der mir, aber vielleicht auch anderen hier in Verhandlungen helfen könnte. Wie häufig sind denn nun AT-Verträge? Wer lässt sich noch nach Tarif bezahlen? Gibt es irgendeine Möglichkeit, an weitere Erfahrungswerte zu kommen?

Vielen Dank im Voraus

DrArzt
04.11.2023, 22:43
Also Psychiatrie-OÄ sind gefragt. Würde direkt versuchen AT zu bekommen.

Aktuell nach VKA ab 04.22. ist Ä3 Stufe 1 8740€. 12 Monatsgehälter machen ja dann schon 105000. Wenn man dann ein paar Dienste macht und Überstunden einrechnet sind es locker 4000/Monat mehr --> 150.000 als Anhalt für AT, wohlgemerkt als Einstieg.

FirebirdUSA
04.11.2023, 23:01
Wieviele Dienste und Überstunden machst du, dass du auf "locker" 4000/Monat kommst?
Würde bei AT aber ähnliches Niveau fordern, die Frage ist wie du es schaffst Stufensteigerungen einzupreisen und mögliche Erhöhungen über die Zeit zu verhandeln (Bindung an Tarifvertrag?)...

rafiki
05.11.2023, 00:31
Fachspezifisch: Die meisten Häuser halten sich an Tarif oder im niedrigen AT-Bereich. Nach wie vor gilt: Es ist sehr stark abhängig von der Region und von der Art des Trägers. Großstädte und beliebte Regionen sowie kirchliche und kommunale Häuser sind eher zurückhaltend. Pampa und Privatträger großzügiger (auf Kosten anderer Berufsgruppen und zunehmend von Prekärmedizinern). Innerhalb des Faches besonders lukrativ: Geronto, Forensik und Sucht, in letzterem sind im Substitutionsbereich bei Anstellung 300 k sofort möglich.
Aber in der Regel gilt immer: Es ist darzustellen, womit sich die Höhe des zu verhandelnden Gehaltes rechtfertigt.

DrSkywalker
05.11.2023, 06:00
ahja, 300 k als facharzt, der denn oberarzt wird. sicherlich. bitte entsprechende stellen hier posten, finden bestimtm einige interessant.

FirebirdUSA
05.11.2023, 08:01
300k kenne ich für Sektionsleiterstellen, W2 Professuren und CA in kleineren Häusern. Wenn du das als FA bekommst hast du extrem gut verhandelt.

Reflex
05.11.2023, 09:40
Gesucht ist halt vor allem das, was selbst in der Psychiatrie unbeliebt ist. Für Suchtmedizin braucht es eben die Suchtmedizinische Grundversorgung, die inzwischen in der WBO integriert ist. Ältere Fachärzte haben die dann oft nicht, außer sie haben das als ZB erworben. Für die Substitutionsambulanzen braucht man aber so einen Facharzt. Der Markt regelt das entsprechend. Dennoch sind Gehälter um 300 000€ für Fachärzte ohne besondere Leitungsfunktion eher ungewöhnlich. Da muss man schon im absolut unterversorgten Teil von Deutschland arbeiten. Durchschnittlich halte ich 150 000 bis max. 200 000€ für eher realistisch.

rafiki
05.11.2023, 10:17
Naja, so einen Job mit der Klientel, die um die Großstadtbahnhöfe schleicht, möchte ich auch für 300k nicht machen. Und anscheinend kaum jemand sonst. Obwohl es eine der größten Goldgruben für Ärzte ist, die es gibt. Voraussetzung lediglich FA und suchtmedizinische Erfahrungen sowie der Einewochekurs und viel Mut/Abgebrühtheit natürlich. Es soll Vergütungen im hohen dreistelligen Bereich pro Quartal und Pat. geben. Die Not wird immer größer. Ich weiß von einem Kollegen, der auf die 80 zugeht und weitermacht. Also, großartig verhandeln muss man nicht, sondern zugreifen.

anignu
05.11.2023, 13:47
Die meisten Häuser halten sich an Tarif oder im niedrigen AT-Bereich. Nach wie vor gilt: Es ist sehr stark abhängig von der Region und von der Art des Trägers. Großstädte und beliebte Regionen sowie kirchliche und kommunale Häuser sind eher zurückhaltend.
Endlich mal eine Relativierung zu dem Thema. Denn genau so sehe ich das auch. Die meisten (kommunalen und kirchlichen Häuster) halten sich an Tarif oder niedrigen AT-Bereich. Die Frage ist immer wie man "AT" definiert. Ich kenn viele Häuser die quasi Tarif zahlen und die Dienste dann als AT auszahlen. Hat für die Klinik den Vorteil dass es klare Grenzen gibt und für die Mitarbeiter dass man die Tarif-Steigerungen incl. Stufenaufstiege alle mitmacht. Zählt man das als "AT" dann haben tatsächlich wahrscheinlich mehr als die Hälfte der Oberärzte die ich kennen einen AT-Vertrag. In der Realität ist es aber irgendwo ein "AT-Vertrag light".
Ich kenn es auch so dass man ggf. eine höhere Einstufung rausverhandeln kann. Aber halt immer noch im Rahmen des Tarifvertrags. Und spannendere AT-Verträge gibt es dann wieder erst wenn auch was Spezielles dazu kommt. Also Leitung von irgendwas. Oder spezielle Interventions-/Operations-Verfahren was auch immer. Oder es wird einem in gewissem Umfang eine Mitbeteiligung an einer Sprechstunde gewährt etc...

Aber so dieses "der unerfahrenste OA aller Zeiten bekommt einen AT-Vertrag mit Tarif +50%" oder sowas ist in dieser Pauschalität und wie oft sowas hier gepostet wird meiner Meinung nach einfach Schwachsinn. Kann es geben, kann auch Chefärzte geben die mehrere Millionen pro Jahr machen, gibt auch Fußballspieler die 100+mio wert sind, alles Dinge die für einen halbwegs "normalen" Menschen vollkommen egal sind weil einfach nicht realistisch erreichbar. Ansonsten bitte einfach mal diese Stellen hier posten oder mir als PN schicken.

Endoplasmatisches Reticulum
05.11.2023, 14:01
Naja, so einen Job mit der Klientel, die um die Großstadtbahnhöfe schleicht, möchte ich auch für 300k nicht machen. Und anscheinend kaum jemand sonst. Obwohl es eine der größten Goldgruben für Ärzte ist
Suchtmedizin für Penner, Punks und Prostituierte ohne Krankenversicherung ist eine Goldgrube?

rafiki
05.11.2023, 14:31
Suchtmedizin für Penner, Punks und Prostituierte ohne Krankenversicherung ist eine Goldgrube?

Ich sprach von Substitutionstherapie, und da gehört diese Klientel durchaus dazu.

@anigu: Doch, durchaus realistisch, wenn man gewisse Nachteile inkauf nimmt, was die meisten aber nicht wollen (Beispiel hatte ich oben beschrieben). Und das als Festanstellung; im ANÜ-Bereich sind Gehälter >20k/Monat längst üblich. Das heftigste, von dem ich persönlich erfuhr, waren fast 130€/h für FA-Bereitschaftsdienst für zwei (!!!) psych. Stationen plus Konsildienst in einem Allgemeinhaus, und das über Jahre (also ca. 16 h unter der Woche oder 24 h am WE) Da hat man mit ein paar Diensten im Monat ausgesorgt.

Tramaldol
05.11.2023, 15:40
Dennoch sind Gehälter um 300 000€ für Fachärzte ohne besondere Leitungsfunktion eher ungewöhnlich. Da muss man schon im absolut unterversorgten Teil von Deutschland arbeiten. Durchschnittlich halte ich 150 000 bis max. 200 000€ für eher realistisch.

Meine Erfahrung deckt sich mit dem, was hier gesagt wird: Ca. 150-200k. Wobei gerne auch sowas wie AT-Light angeboten wird (Also TV mit Zusatzentgelt) und man macht dann die ganzen Gehaltssprünge des TV mit und muss nicht dauernd nachverhandeln.
300k für einen frischen Facharzt halte ich für übertrieben. Muss dann etwas extrem unterversorgtes sein ohne Bewerber. Normalerweise ist sowas schon ne höhere Nummer mit viel Personalverantwortung, die man als einfacher OA jetzt nicht hat.


kirchliche und kommunale Häuser sind eher zurückhaltend. Pampa und Privatträger großzügiger (auf Kosten anderer Berufsgruppen und zunehmend von Prekärmedizinern). Innerhalb des Faches besonders lukrativ: Geronto, Forensik und Sucht, in letzterem sind im Substitutionsbereich bei Anstellung 300 k sofort möglich.
Aber in der Regel gilt immer: Es ist darzustellen, womit sich die Höhe des zu verhandelnden Gehaltes rechtfertigt.

Das ist auch meine Erfahrung. Es gibt allerdings auch einige kommunale Häuser, die großzügig sind in A-Städten. 300k kenne ich nicht. Auf jeden Fall ein Top-Gehalt für einen frischen FA, der Oberarzt werden will.
Ich wäre nicht abgebrüht genug für Psychiatrie. In den Gehaltsreports war die Psychiatrie immer am unteren Rand abgebildet, erfreulich, dass es sich ändert. Das Fach hat wirklich chronischen und schweren Personallmangel und bedauerlicherweise einen zunehmenden Zustrom an Patienten. Keine gute Entwicklung. Warum und wieso das so ist, darüber könnte man einen eigenen Thread aufmachen.


ahja, 300 k als facharzt, der denn oberarzt wird. sicherlich. bitte entsprechende stellen hier posten, finden bestimtm einige interessant.
Kann's mir auch kaum vorstellen

Popliteus
05.11.2023, 15:56
Da es hier gerade v.a. um Psychiatrie geht, möchte ich mich als Neurologe dranhängen mit der Frage nach Erfahrungen zum Gehalt.
Hier in Süddeutschland kenne ich in (begehrten) Städten niemanden, der als OA über Tarif verdient (kommunal und kirchlich, private Häuser gibt es wenige). Das sind allerdings auch Leute ohne die Zusatzqualifikation Intensivmedizin, die anderen Zusatzbezeichnungen/Zertifikate sind in der Neurologie (bis auf Geriatrie und Schmerzmedizin in passenden Konstellationen) vermutlich finanziell nicht so relevant.

Geht man etwas raus aufs Land (Umkreis 1h um Big-7-Großstadt) sind mir in einem kleinen Haus 140k als OA angeboten worden. Allerdings hohe Hintergrunddienstbelastung und praktisch keine muttersprachlichen Assistenten (die müssen nicht schlecht sein, aber gerade nachts um 3 im Dienst finde ich Sprachbarriere nicht lustig, OÄ schreiben Briefe wohl meistens selbst...).

Für Praxis als Angestellter habe ich tatsächlich kürzlich eine Anzeige gesehen, in der in der Großstadt ein FA-Tarifgehalt geboten wurde. In der Praxis arbeiten schon ein paar Angestellte, in diesem Rahmen scheint man also an dem Standort tatsächlich Leute zu kriegen. Auf dem Land (wieder Umkreis 1h um Großstadt) kriegt man in der Praxis ungefähr OA-Tarifgehalt bei einer 35h-Woche.

Zusammenfassend scheint es mir in der Neurologie zumindest in meiner Region nicht so rosig auszusehen wie in den anderen Beiträgen geschildert, hat jemand zu Neurologie weitere Erfahrungen? Schreckt euch das Niveau der Assistenten (fachlich+sprachlich) in manchen peripheren Kliniken nicht ab, schließlich hängt man ja leicht in der Haftung mit drin?

freak1
05.11.2023, 16:02
In der Radiologie sind die Gehälter für angestellte Ärzte in den Praxen scheinbar auch gesunken. Vor ein paar Jahren waren 150k direkt nach dem Facharzt in Großstädten die Regel, jetzt sind's eher 120k.

rafiki
05.11.2023, 16:09
hat jemand zu Neurologie weitere Erfahrungen? Schreckt euch das Niveau der Assistenten (fachlich+sprachlich) in manchen peripheren Kliniken nicht ab, schließlich hängt man ja leicht in der Haftung mit drin?

In meiner letzten ANÜ-Klinik, Kleinstadt in sehr ländlichem Raum, gab es einen Top-Neuro-OA in ANÜ mit 160€/Stunde im Tagdienst, Hintergrunddienst extra.

Das Fach- und Sprachniveau von fremdländischen Assistenten ist in meinem Fach auch kurz vor dem FA katastrophal, die werden aber wohl trotzdem oft durch die Prüfung geschleift, warum auch immer. Von den Prekärkräften ohne Arbeitserlaubnis und den Nichtapprobierten mit Arbeitserlaubnis, die oft ärztliche Aufgaben ausführen, ganz zu schweigen. Und ja, das kann im Fall des Falles ganz schön gruselig werden für die Verantwortlichen - ein Grund mehr, sich ordentlich honorieren zu lassen.

anignu
05.11.2023, 16:16
Wir reden ja hier nicht über ANÜ sondern um Gehalt als Angestellter in einer Klinik. ANÜ kann hoch sein, das ist klar. Dass man auch von einem Tag auf den anderen keine Stelle mehr hat ist aber auch möglich. Zumindest theoretisch. Und krank werden braucht man auch nicht... Für mich sind Klinik-/MVZ-Angestellter, ANÜ und Praxisinhaber einfach völlig verschiedene Dinge und ja, man kann in manchen Bereichen sehr viel verdienen. Als Praxisinhaber mit vielen Angestellten sind auch Einkommen > 300t€/Jahr möglich. Wenn du dir als Handwerker eine Firma mit 30 Angestellten aufbaust auch.
Können wir also bei OA-Gehältern bleiben?

Züschata
05.11.2023, 17:10
Also 120k sollten doch locker drin sein als OA, oder nicht? Wer arbeitet wirklich für die 105k? Für Hintergrunddienste bekommt man ja monatlich eher weniger als im Vordergrund.

Tramaldol
05.11.2023, 17:13
Anignu hat Recht. ANÜ ist doch komplett andere Geschichte, ebenso Praxisinhaber. Bitte dabei bleiben, auch wegen der Vergleichbarkeit.



Geht man etwas raus aufs Land (Umkreis 1h um Big-7-Großstadt) sind mir in einem kleinen Haus 140k als OA angeboten worden. Allerdings hohe Hintergrunddienstbelastung und praktisch keine muttersprachlichen Assistenten (die müssen nicht schlecht sein, aber gerade nachts um 3 im Dienst finde ich Sprachbarriere nicht lustig, OÄ schreiben Briefe wohl meistens selbst...).


Naja, viele lasse sich mit dem Tarifgehalt anscheinend abspeisen und es gibt anscheinend genug Neurologen. Eigentlich hatte ich das auch als komplettes Mangelfach (also an fähigen PErsonal) in Errinnerung. Zudem kann es sein, dass manch ein Neurologe auch nicht soviel Wert aufs Gehalt legt, wie in anderen Fächern.


In der Radiologie sind die Gehälter für angestellte Ärzte in den Praxen scheinbar auch gesunken. Vor ein paar Jahren waren 150k direkt nach dem Facharzt in Großstädten die Regel, jetzt sind's eher 120k.


Hmm, vllt fragst du bei den falschen Praxen oder es sind Add-On Stellen. Also mit wenig anfallender Arbeit, und man ist quasi nur eingestellt für mögliche Mehrarbeit und Urlaubszeiten. Es gibt auch immer wieder Kollegen, für die Gehalt nachrangig ist, sich möglicherweise nicht informiert haben und die sowas dann akzeptieren.

rafiki
05.11.2023, 17:37
ANÜ ist doch komplett andere Geschichte,


Nicht unbedingt. Denn daran kann man sehen, was Kliniken bereit sind zu zahlen. Wenn sie die ANÜ-Leute mit demselben Gehalt in Festanstellung nehmen, zahlen sie insgesamt weniger, da dann die Agenturkosten entfallen. So ist es mir jedenfalls ergangen: wollte eigentlich nur ANÜ-Vertretung über Agenturvermittlung und bin jetzt sogar sehr weit über meinem geforderten ANÜ-Preis festangestellt mit allen Vorzügen der Festanstellung bei recht gemütlicher 40-Stunden-Woche in der Psychosomatik. Der Grund ist ganz einfach: Für eine kontinuierliche Klinikversorgung und vor allem für die Erlangung bzw. Aufrechterhaltung der Weiterbildungsberechtigung sind ihnen ständig wechselnde und unberechenbare ANÜ-Ärzte auf Dauer zu heikel. Also Psychomedizin lohnt sich zunehmend, wenn man die Marktlage kennt.

Reflex
05.11.2023, 18:14
Zusammenfassend scheint es mir in der Neurologie zumindest in meiner Region nicht so rosig auszusehen wie in den anderen Beiträgen geschildert, hat jemand zu Neurologie weitere Erfahrungen? Schreckt euch das Niveau der Assistenten (fachlich+sprachlich) in manchen peripheren Kliniken nicht ab, schließlich hängt man ja leicht in der Haftung mit drin?

Das war für mich ein Grund nicht in der Klinik OÄ werden zu wollen geschweige denn CÄ. Schlussendlich ist Geld nun einmal auch nicht alles. Die inhaltliche Entwickling der meisten Neurologien hier in der Umgebung zu Schlaganfall/Frühreha und die fachlich und/oder sprachlich mangelhafte Ausbildung vieler Assistenten war für mich ein Grund in die Niederlassung gehen zu wollen. Da bin ich eigenverantwortlich tätig, hab mehr Gestaltungsmöglichkeiten und muss keine gravierenden systemischen Mängel mittragen. Unsere wenigen Weiterbildungsassistenten suchen wir uns eben sorgsam aus. Die müssen aber auch im fortgeschrittener Weiterbildung sein und selbständig Arbeiten können. Anders ist es im niedergelassenen Bereich auch nicht möglich.