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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Soll ein Famulatur so sein, oder habe ich einfach wieder pesch?



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Berry-Alan
06.02.2024, 13:39
Hallo zusammen,

Ich habe letzte Woche mit meinem ersten Famu auf einer mittelgroßen Gefäßchirurgie angefangen und von der Vorfreude und die Begeisterung, die ich am Tag 1 mit mir brachte, sind nichts als Frühanzeichen von einem Burn-Out übrig geblieben (okay, leicht überspitzt dargestellt 😅). Ich habe mich extra an einem Haus 400km entfernt von zu Hause beworben, weil sie mit einer "strukturierten Weiterbildung und einen festen, persönlichen Mentor" für die Dauer der Famu geworben hatten. Ich hatte in meiner Bewerbung auch explizit erwähnt, dass ich mehr von der körperlichen Untersuchung, Anamnese, Basics der Sono, den Krankheitsbildern etc lernen möchte, um für mich festzustellen, ob Gefäßchirurgie zu mir und meine spätere Karriere passt. Sie haben mir auch schnell geantwortet und gesagt, dass sich meine Vorstellung von einem Famu mit denen der GCH übereinstimmt und sie sich auf mich freuen (Notiz an mich: Aufhören, so gutgläubig zu sein).

Nun bin ich seit einer Woche mitten im Pumpa und tue nichts anderes als BEs, Viggos und Vitalstatus überprüfen. Ich hänge nur mit der Pflege ab und sehe die Ärzte nur morgens kurz. Dabei ist es mein 1. Famu und habe zuvor noch nie Blut abgenommen. Und dementsprechend sind die Ergebnisse bei den ganzen grottenschlechten Venen. Die Ärzte sind nett, aber auch der Meinung, dass ich erst souverän in BEs sein muss, bevor sie mir etwas anderes zeigen können. Ich sehe es anders, da niemand da ist, der mir irgendwas zeigt und meine Lernkurve ist dadurch einfach nicht existent. Was ich auch komisch finde, ist, dass zwei Ärzte nicht approbiert sind, da sie in Kolumbien studiert und sich weitergebildet haben und es scheinbar hier nicht vollständig anerkannt wird. Lustig war auch, dass keiner auf der gesamten Abteilung wusste, was ein Famulus ist und hielten mich am ersten Tag für einen fertigen Mediziner, der hospitiert... (fertiger Mediziner trifft aber ehrlich gesagt gerade gut auf mich zu 😂)

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich lerne nichts. Komme mit Bauchschmerzen zum Famu und gehe noch kaputter nach Hause und habe das Gefühl, nur meine Zeit zu verschwenden. Zudem habe ich noch nichts von GCH erlebt, bis auf die ultraschlechten Venen der Pats und ihren noch unhöflicheren Umgang mit den Pflegern/mir (Ausnahmen bestätigen die Regel). Was würdet ihr mir empfehlen? Ist es normal und überall so? Oder habe ich wieder Pesch und habe mir die beka**teste Abteilung für GCH ausgesucht? Das schlimmste ist, dass mir seitens der Personalabteilung signalisiert wurde, dass ich meinen Famu nicht auf 15 Tagen kürzen kann (30 Tage waren geplant), da ich für kürzere Zeitraume als 30 Tagen Miete für die Wohnung, die mir von der Klinik gestellt wurde, zahlen müsste.

Freue mich auf eure Rückmeldung.

Stuntman Mike
06.02.2024, 14:15
Ich würde sagen Pech. Sicherlich nicht ideal, andererseits sind gute Fertigkeiten beim Blutabnehmen tatsächlich sehr wichtig. Von Famulaturen darf man leider nicht allzu viel erwarten. Ich würde sagen, wenn die Kollegen sonst halbwegs korrekt sind, zieh es durch und konzentriere dich auf die BEs. Es kommen aber bestimmt noch andere Meinungen ;-)

_calendula_
06.02.2024, 14:15
Mein Rat ist, zieh die Famulatur durch, wenn das vertretbar ist (also, wenn du keine Aufgaben hast denen du nicht gewachsen bist) und nimm es als Erfahrung.
Bei Interesse an GCH gibt es mit anignu einen hier im Forum sehr aktiven Vertreter der Fachrichtung. An ihn könntest du dich wenden um herauszufinden, ob das Fach richtig für dich ist und an welchen Orten du künftig mehr lernen kannst.
Es ist deine erste Famulatur - warum hast du GCH gewählt? Welche Fächer interessieren dich allgemein?

JAK1
06.02.2024, 14:35
Zieh es durch und buch es unter Lehrgeld ab

Nefazodon
06.02.2024, 14:37
Dass Du "nur mit der Pflege abhängst" ist definitiv nicht normal. Ich war in allen meinen Famulaturen nur mit dem ärztlichen Dienst unterwegs. Ich denke, so sollte es sein.

Ansonsten klingt das, was Du beschreibst, tatsächlich einfach nach "Pech gehabt". Aber jetzt auch nicht nach ner Vollkatastrophe:-nix

Dass Du mit Bauchmerzen zur Arbeit gehst, versteh ich da nicht....ist doch alles okay?

Mein Rat: frag mal einen der Oberärzte, ob Du einen oder zwei Tage mit ihm mitlaufen darfst.
Frag nach nem persönlichen Teaching. Frag ob Du die Doppleruntersuchungen bei Neuaufnahmen machen kannst.....
ABI bestimmen und so.
Versuch bei jedem Patienten die Aufnahme zu machen und den Pulsstatus zu bestimmen.....
Es kann einem später in anderen Bereichen nutzen, wenn man das beherrscht....

Also....mir fallen genug Dinge ein, die man in der ersten Famulatur gut lernen kann.

Ansonsten würde ich dir auf jedenfall raten, die famulatur zuende zu machen.
Schlimmstenfalls verbuchst Du es als Erfahrung.

urinbeutel
06.02.2024, 14:59
benutz in zukunft famulaturranking und pjranking. Die famulatur klingt nach schmutz. und gefäßchirurgie ist ein hartes burnout fach, aber man verdient wohl in Anstellung ganz okay.

hebdo
06.02.2024, 15:03
War bei meiner ersten Famulatur ähnlich. Habe von 8-12.00 Uhr versucht Blut abzunehmen und Viggos zu legen - Betonung liegt auf versucht. Dann Mittagessen, im Arztzimmer abhängen und zuschauen wie Arztbriefe geschrieben werden, und früh Feierabend gemacht. Ich habe zum Glück auf 14 Tage reduziert und habe mit direkt ein Anschlussfamulatur organisiert.

Ich habe mir geschworen nie Innere zu machen - jetzt bin ich Internist.

urinbeutel
06.02.2024, 16:11
jetzt bin ich Internist.


wie kommts?

][truba][
06.02.2024, 18:49
Naja, ich finde in Famulaturen sollte man sich jetzt auch nicht so hochgesteckten Ziele setzen. 4 Wochen BEs und Zugänge bei GCH Patienten helfen dir dein gesamtes Arbeitsleben. Natürlich sollten sie dir auch was von Fach zeigen aber wenn du den Skill BE/Zugänge dort gemeistert hast und in den zweiten zwei Wochen noch was vom Fach siehst, fände ich es eine erfolgreiche Famulatur. Zumindest solange alle nett sind und in vernünftigem Ton mit einem sprechen.

Tramaldol
06.02.2024, 19:03
Schade um die Zeit, gibt aber schlimmeres

Aus dem Grund habe ich die Famus in der Umgebung gemacht. Oder wenn man wegfährt, dann richtig nach GB, Frankreich, USA, Neuseeland, Thailand, Tansania, Seychellen....also richtige Horizonterweiterung. Habe das leider auch nur im PJ gemacht.

Ich hatte auch eine wenig ansprechende Famu in der Pädiatrie und konnte nach 14 Tagen immerhin von Station in die Ambulanz.

hebdo
06.02.2024, 19:54
wie kommts?

Naja, weil ein schlechtes Erlebnis nichts über die generellen Bedingungen aussagen. Hatte ab da nur noch chirurgisch famuliert und hatte vor dem PJ quasi schon einen Job in der UCH. Im PJ war dann die Chirurgie sagen wir mal durchwachsen und das Inneretertial absolut spitze.

Meine Auslandfamulatur war ein 2monatiger Surfurlaub. In Indonesien konnten sie nichts mit Famulanten anfangen. War aber trotzdem ein Erlebnis.

hebdo
06.02.2024, 19:55
wie kommts?

Naja, weil ein schlechtes Erlebnis nichts über die generellen Bedingungen aussagen. Hatte ab da nur noch chirurgisch famuliert und hatte vor dem PJ quasi schon einen Job in der UCH. Im PJ war dann die Chirurgie sagen wir mal durchwachsen und das Inneretertial absolut spitze.

Meine Auslandfamulatur war ein 2monatiger Surfurlaub. In Indonesien konnten sie nichts mit Famulanten anfangen. War aber trotzdem ein Erlebnis.

docdean
06.02.2024, 20:47
Famus sind immer eine Wundertüte, da ist alles möglich. Man sollte nicht zu hohe Erwartungen haben. Blut abnehmen und Zugänge legen sind tatsächlich die Haupt-Skills, die man in der Famulatur lernt und lernen sollte, vor allem, wenn es die erste ist. Alles andere ist ein Bonus, fachlich bist du wahrscheinlich (nach meiner Erfahrung) mental noch gar nicht soweit, dass du wirklich viel mitnehmen kannst. Auf den Ablauf der Famulatur hat man aber tatsächlich viel Einfluss. Für das Team ist man nur eine Schatten, der überall mit drinstecken kann, aber selten achtet jemand darauf, dass du eine sinnvolle Position findest. Wenn du dich selbst drum kümmerst, nimmt man dich aber gerne überall mit hin. Einfach nachfragen.

Tramaldol
06.02.2024, 21:33
Blut abnehmen und Zugänge legen sind tatsächlich die Haupt-Skills, die man in der Famulatur lernt und lernen sollte

So sparen sich Kliniken Personal zur Blutabnahme und für Zugänge und der Famulant, Blockpraktikant, PJler ist gut beschäftigt.
Finde die Situation total bekloppt. Es schadet sicherlich nicht, wenn man das kann. Ist jedoch als hauptsächlicher "Lerneffekt" einer Famulatur vollkommen abwegig. Es geht darum einen Einblick ins Fach zu bekommen, kleinere Sachen unter Aufsicht zu machen und Erfahrungen zu sammeln.

Sinnvoller wäre es wenn die Pflege da eingebunden wird. Dann könnten zahlreiche Anrufe und Wartezeiten wegfallen für nicht laufende oder existente Zugänge, wobei bei Erfolglosigkeit und Unsicherheit die Pflegekraft ja jederzeit die Möglichkeit hat einen Arzt zu fragen. Oder man stellt Phelbotomisten ein.

Lava
07.02.2024, 05:05
Du hattest aber auch echt hohe Erwartungen an die Famulatur, da kann man ja fast nur enttäuscht werden.
Meiner Erfahrung nach ist man da am besten aufgehoben, wo überhaupt selten Studenten sind. Da bist du nämlich keine Massenware sondern tatsächlich etwas Besonderes. Wieviel man dir beibringt und was du darfst hängt aber eher davon ab, wie nett die Leute im Team sind und wie sehr ihnen Teaching liegt.

xenopus laevis
07.02.2024, 05:39
Pass auf das es vor Ort für Blutabnahmen und Zugänge Personal gibt. Das war mir im PJ/Famulaturen sehr wichtig, aber ich konnte es auch schon vor Studienbeginn.

Trenn
07.02.2024, 06:07
Verbandswechsel und Wundbeurteilung kannst du auch noch auf Station lernen und üben. Umso sicherer und schneller du etwas kannst, desto einfacher fällt dir der späterer Berufseinstieg. Du kannst dich aber auch mit den Medikation der Patienten beschäftigen und dazu nachlesen (ist mehr Innere, aber das wirst du überall begegnen). Oder Krankheitsbilder nachschlagen, es sind ja nicht nur die praktischen Aspekte, die man im Praktikum lernen kann. Wenn du es nicht schaffst die Assistenten zeitlich zu entlasten (dadurch, dass du Blutentnahmen etc. machst ohne sie ständig dazu rufen muss, weil du es nicht hinkriegst), werden sie auch weniger Valenzen haben dich an die Hand zu nehmen.

Berry-Alan
07.02.2024, 08:24
Vielen dank für all eure Antworten. Ich werde auf jeden Fall meine 15 Tage voll kriegen und schaue dann nochmal weiter. Ich halte BEs und Viggos Legen für extrem wichtig. Die Enttäuschung kommt eher davon, dass ich meine Vorstellungen von einem Famulatur auf dieser Station vorher an die Personalern offen kommuniziert hatte, sie mir dies so gar bestätigt haben, um dann am Ende das genaue Gegenteil zu erleben.
Aber ihr habt recht, ich ging mit falschen und unrealistischen Erwartungen an die Sache ran.
Durch diesen Famu ist mein Interesse an die GCH verloren gegangen und ich erwische mich immer mehr dabei, wie ich die Tage bis zum Ende durchzähle. Aber wer weiß, vielleicht wirds bei mir wie mit Hebdo und ich entscheide mich auf Ende doch für GCH 😅

ehem-user-19-05-2025-1430
07.02.2024, 09:08
Mach dir keinen Stress, sind reine Pflichtveranstaltungen zun Absitzen, also Energiesparen! :) Würde mir bzw habe mir auch nur Stellen gesucht die geographisch geschickt sind also entweder wohnortsnah oder zum Urlaub machen. Alles andere ist vertane Liebesmühe. Ein Oberarzt hat mir während einer Famu mal erklärt dass Famulus lateinisch für Haussklave sei, hab es ihm nicht übel genommen, musste lachen ;) Schau einfach dass du nach den Famus schon einigemeraßen Viggos und BEs kannst, alles andere ist tatsählcih auch egal so retrospektiv betrachtet...im Nachhinein hat man sivh viel zu viel Gedanken gemacht über solche Nichtigkeit. Genieß dein Studium, geh in die Kneipe oder zock die Nächte durch oder am besten beides gleichzeitig ;)

anignu
10.02.2024, 12:53
und gefäßchirurgie ist ein hartes burnout fach
Totaler Schmarrn. Klingt nach pauschalem Bashing von jemandem der tatsächlich kein Gefäßchirurg ist...
Bei Interesse an GCH gibt es mit anignu einen hier im Forum sehr aktiven Vertreter der Fachrichtung. An ihn könntest du dich wenden um herauszufinden, ob das Fach richtig für dich ist und an welchen Orten du künftig mehr lernen kannst.
Gern.

Die beste Famulatur meines Lebens war in Bad Neustadt an der Saale. Dort gibt es ein Programm namens "Kardiovaskuläres Praktikum", da kann ich nur empfehlen sich einfach mal durchzulesen was die so bieten. So viele Praktika und Vorlesungen, so viele engagierte Oberärzte und Chefärzte, so viele Sachen die man lernen durfte. Das war Wahnsinn. Kann ich für Leute die sich für Gefäßchirurgie interessieren uneingeschränkt empfehlen!