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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gehalt Praxis als angestellter Facharzt



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Syntax1
11.03.2024, 20:49
Vielen Dank für die hilfreichen Kommentare!
Ich habe nochmals nachverhandelt. Das Gespräch ist wirklich sehr zivilisiert und gesittet abgelaufen. Ich habe mir die Argumente für die geforderte Gehaltsangleichung klar und strukturiert zurechtgelegt. Das neue Gehalt bewegt sich durchaus im gewünschten Rahmen, mit der Aussicht, dass es sich noch mit wachsender Erfahrung und Unternehmenszugehörigkeit steigt.
Fazit: Fragen kostet nichts. Gespräch suchen, den Mehrwert für das Unternehmen herausstellen und sich nicht unter Wert verkaufen.

tiw28
17.03.2024, 12:51
Hallo, ich brauche euren Rat:

Ich habe allerdings die mündliche Erlaubnis, die Praxisinfrastruktur für eigene privatärztliche Tätigkeiten zu nutzen und könnte mir hier in der Freizeit etwas nebenher aufbauen.



woran denkst du?

tiw28
17.03.2024, 12:52
Ich glaube ich weiß, bei welchem privatwirtschaftlichem Unternehmen du bist. Die 35h Woche in der ambulanten Nephrologie klingt nach einem kleinen Zentrum, wahrscheinlich <60 Dialysepatienten. Da ist der Verhandlungsspielraum nicht so groß. Seid ihr nur zwei Ärzte? Denke, dass du zwischen 110.000 bis 120.000€ verhandeln könntest.

Die Ambulanz bringt in der Nephrologie nichts - auch Privatversicherte sind im Vgl. zum Aufwand und dem Erlös durch die Dialyse ein Witz.

Das einzige was du als nutzenbringendes Argument in die Verhandlung bringen kannst, wäre der Aufbau oder wenn bereits vorhanden Ausbau der Heimdialyse (PD und HeimHD) oder Apherese. Da sind allerdings bei den Heimverfahren die Einstiegshürden relativ hoch.

Ich kann dir ein paar Zahlen für Praxen mit 60-90 Dialysepatienten mal zum Vergleich nennen:
Privates MVZ, >40h/Woche: ~120.000€, in Anstellung auf dem Weg zur Teilhaberschaft bis 160.000€.

Privatwirtschaftlicher Träger, 40h/Woche: ~130.000€; Leitung 150.000-180.000€

Gemeinnütziger Träger, 40h/Woche: 100.000-110.000€, Leitung 125.000-140.000€

Regionale Unterschiede können natürlich die Gehälter beeinflussen. In deinem Fall scheinen die Entwicklungsmöglichkeiten wirklich begrenzt, aber für den Einstieg klingt das gediegen. Wenn du deinen Chef erträgst, ist es bestimmt für 2 Jahre eine gute Stelle.

Das mit der Elternzeit wird deinem Chef ernste Probleme bereiten, wenn ihr wirklich nur zu zweit sein solltet. Aber das gehört zu seinem Risiko.

auch wenns für den Kollegen schon gut ausgegangen ist, ich kann die zahlen hier aus eigener Erfahrung größtenteils bestätigen.

Syntax1
19.03.2024, 21:23
Da mein 'Brotjob' durch die Anstellung gesichert ist, dachte ich an eine Nebentätigkeit für Privatpatienten und Selbstzahler, bei der ich meine in einigen Jahren an verschiedenen akademischen Häusern erworbene Expertise zu einem möglichst hohen Stundenlohn verkaufen kann. Mein Motto lautet: Ich kenne mich zwar nicht mit allem aus, verfüge jedoch über viel Erfahrung und weiß, wie ich ein Problem systematisch und gegebenenfalls mit Literaturrecherche aufarbeiten kann. Natürlich macht mir diese Detektivarbeit auch ziemlich Spaß.

Zusätzlich dachte ich daran, Infusionstherapien und PRP anzubieten, also etwas 'Voodoo-Medizin'. Hier in der Gegend ist dieser Markt überhaupt nicht erschlossen, und die Nachfrage seitens der Patienten ist enorm. Leider möchte der Chef nicht, dass ich Patienten aus unserem Ambulatorium akquiriere. Ich habe Verständnis für seine Position.

freak1
19.03.2024, 21:29
Wenn du dabei bist, vergiss die Botox- und Hyaluronsprechstunde nicht. DA ist wirklich noch Potential.

Tramaldol
22.03.2024, 20:55
Ich finde das teilweise schon krass: Manche MVZ-Ketten und Praxisinhaber gehen vom Tarifgehalt à la VKA aus und dann gibt es auch Jobs bis >200k (überdurchschnittliches Engagement, eher unbeliebt wegen XYZ, Kassensitz droht zu verfallen etc pp). Auf die Dauer finde ich die MVZ Arbeit aber relativ eintönig. Ich denke die 60-80% Stelle mit gutem Gehalt machts in Zukunft meiner Ansicht nach. Es sei denn man "brennt" für sein Fach im MVZ/Praxis Bereich.

Eigene Praxis ist in vielen Fächern nach dem Ausverkauf der Kassensitze in den 00er und Anfang der 10er Jahre an die alte Generation keine einfach Sache und ne Investition fürs Leben/Klotz am Bein.

Finanziell finde ich lohnt sich das ganze nur bedingt. Also wegen dem Geld Facharzt oder Chefarzt werden, würde ich abraten. Man muss schon das Fach und die Medizin lieben.

milz
23.03.2024, 11:22
6 Jahre studieren um den Patienten dann Lifestyle-Bullshit zu verkaufen. Stelle ich mir nicht sehr befriedigend vor.

freestyler
23.03.2024, 12:45
Ich finde das teilweise schon krass: Manche MVZ-Ketten und Praxisinhaber gehen vom Tarifgehalt à la VKA aus und dann gibt es auch Jobs bis >200k (überdurchschnittliches Engagement, eher unbeliebt wegen XYZ, Kassensitz droht zu verfallen etc pp). Auf die Dauer finde ich die MVZ Arbeit aber relativ eintönig. Ich denke die 60-80% Stelle mit gutem Gehalt machts in Zukunft meiner Ansicht nach. Es sei denn man "brennt" für sein Fach im MVZ/Praxis Bereich.

Eigene Praxis ist in vielen Fächern nach dem Ausverkauf der Kassensitze in den 00er und Anfang der 10er Jahre an die alte Generation keine einfach Sache und ne Investition fürs Leben/Klotz am Bein.

Finanziell finde ich lohnt sich das ganze nur bedingt. Also wegen dem Geld Facharzt oder Chefarzt werden, würde ich abraten. Man muss schon das Fach und die Medizin lieben.

Als Selbstständiger in eigener Praxis hast du zwar immer das gesundheitliche Risiko aber du bist viel flexibler was die Arbeitszeiten angeht und man kommt mit deutlich mehr Gewinn raus als in einem MVZ.

Tramaldol
23.03.2024, 15:21
Als Selbstständiger in eigener Praxis hast du zwar immer das gesundheitliche Risiko aber du bist viel flexibler was die Arbeitszeiten angeht und man kommt mit deutlich mehr Gewinn raus als in einem MVZ.

Klar ist es schöner sein eigener Herr zu sein, als sich von alten Boomern, die kaum selbst arbeiten und die ihr Handwerk in den 90er gelernt haben und dort in großen Teilen fachlich stehen geblieben sind, sich rumzukommandieren lassen.

Je nach Fach sind das Investitionen in Mio-Höhe und du kaufst möglicherweise momentan viel zu teuer den Kassensitz (den es früher UMSONST (!) gab). Es ist zu hoffen, dass die MVZ Ketten irgendwann einfach kein Fachpersonal mehr finden und die Kassensitze dann an KV zurückgehen. Wäre nur fair.

freestyler
23.03.2024, 15:42
Klar ist es schöner sein eigener Herr zu sein, als sich von alten Boomern, die kaum selbst arbeiten und die ihr Handwerk in den 90er gelernt haben und dort in großen Teilen fachlich stehen geblieben sind, sich rumzukommandieren lassen.

Je nach Fach sind das Investitionen in Mio-Höhe und du kaufst möglicherweise momentan viel zu teuer den Kassensitz (den es früher UMSONST (!) gab). Es ist zu hoffen, dass die MVZ Ketten irgendwann einfach kein Fachpersonal mehr finden und die Kassensitze dann an KV zurückgehen. Wäre nur fair.

Na gut, für den Kassensitz zahlt man hier im bedingt unterversorgtem Gebiet kaum etwas. Da bin ich gut weggekommen. Hier sind im Umkreis aber auch 5 freie KV Sitze für Allgemeinmedizin. Das ist in den großen Städten dann wohl anders.

Tramaldol
25.03.2024, 19:28
Manche Fächer haben aber keine unterversorgten Gebiete.
Also viel erwarten kann man für Tariflohn Facharzt nicht, denn es gibt zahlreiche Leute, die mehr bieten. Ergo bleibt eine "feine Auslese" für das Tarivgehalt.

22q11.2
31.05.2024, 14:10
Ich hole den Thread noch mal hervor. Gibt es hier Fachärzte für Humangenetik, die etwas zum ungefähren Gehaltsrahmen in einem MVZ sagen können? Leider gibt es zum möglichen Gehalt in diesem Bereich kaum zugängliche Daten und je nachdem wen man fragt hört man komplett unterschiedliche Dinge. Ich freue mich über Rückmeldungen, gerne auch über PN. Danke!