Oldie?berlegt
02.04.2024, 12:43
Hallo,
ich habe den Gedanken, meine bisher gut laufende Karriere über den Haufen zu werfen und Humanmedizin zu studieren.
Meine Daten:
-37 Jahre alt (jugendlicher Typus 😉) verheiratet (zwei Töchter 2 und 6)
-aktueller Beruf: Schuldienst A14 (Netto 3800), Fächer: Chemie, Physik bis Oberstufe, Mathematik und Bio bis Klasse10 (Habe sowohl anstrengende Brennpunktschule im Ruhrgebiet wie auch ein Gymnasium im Lebenslauf, mochte beides)
Finanzen:
-Komplett abbezahlte Eigentumswohnung (4Z) in guter Speckgürtellage
-25.000 in ETF angespart
-keine Schulden
Erfahrungen im Medizinbereich
-9 Monate Zivi in der Pflege (Das übliche, waschen, Blutdruck messen, EKG anknipsen, Patienten unterhalten)
-Viele Assistenzärzte im näheren familiären Umfeld (Ortho/Unfall, Innere, Gyn). Insgesamt also nicht allzu viel…
Was würde ich verlieren:
-Vollzeiteinkommen für 6 Jahre
-Meine Pension (gut, wer weiß, ob es die in 30 Jahren noch gibt, die wirtschaftlichen Aussichten in D sind ja…), stattdessen erreiche ich wohl ein paar hundert Euros Rente
Warum zögere ich
-Im Schuldienst bin ich einer der „Überflieger“, bei Medizin wäre ich das untere Ende im Ranggefüge (vermute ich), wegen des hohen Alters.
-Schüler/Kollegen/Eltern/Vorgesetze mögen mich. Mag ihn sogar regelmäßig. Ist keine totale Flucht. Wäre in 10 Jahren Schulleiter wenn ich wollte, will ich aber auf keinen Fall.
-Wirklich nochmal so lange studieren? Wäre stellenweise sau interessant aber natürlich lang.
-Die Ausbildung zur Lehrkraft war anstrengend, mittlerweile läuft mein Alltag aber gechillt weil ich einfach fast alles in der Schule gesehen habe und mir meine Freiräume durch Effizienz geschaffen habe. Dann Dienste als Assistenzarzt (zumal in den 40ern), das wäre belastungstechnisch sicher wieder eine ganz andere Nummer. Ich bin durchaus auch gern mal faul und chille bei Netflix auf der Couch.
- So ganz traue ich mir nicht, da ich ja nicht totunglücklich bin in meinem Job. Die Frage ist nur einfach, würde ich es bereuen, wenn da noch „mehr“ gewesen wäre und ich es in dem einen Leben, welches mir gegeben wurde, nicht gewagt habe.
Aber warum reizt es mich dann überhaupt?
-weil sich auf einmal die Chance bietet. Ich bewarb mich vor 9 Jahren mal aufs Zweitstudium, weil ich noch unsicher war, ob ich das Lehrer-Ref packe und den Job wirklich mag, damals keine Chance. Studium Note 1 und Zivi. Ich war dann aber als Lehrer erstmal glücklich.
-Ich bin der Typ, der durch das Gefühl, „gebraucht zu werden“ in Kombination mit dem Gefühl „als kompetent angesehen zu werden“ stark motiviert wird. Die Wertschätzung, die Ärzte erhalten, die hätte ich auch gern. Ich bin kommunikativ stark, werde aber vor allem gern als fachlich kompetent wahrgenommen.
Mediziner haben so den Nimbus, dass sie etwas könne und dürfen, was sonst niemand kann und darf. Das reizt mich. Ein Teil von dieser Gruppe zu sein, würde ich als Ehre empfinden.
-Meine Examensarbeit war in Biochemie zum Thema Enzymatik/Stoffwechselerkrankungen. Es reizt mich, tiefer zu gehen, den „Sack zu zu machen“ und endlich den menschlichen Körper als Ganzes zu verstehen.
-Klar, ich wäre 6 Jahre mit keinem/geringem Einkommen, aber wenn das, was andere (z.B. mensa) hier schreiben stimmt, verdienen niedergelassene Fachärzte über 10.000 netto. Am Ende meiner Lehrerkarriere käme ich vllt. Irgendwann mal auf die Hälfte. SOLLTEN diese Gehälter also realistisch sein, könnte ich ja als niedergelassener Facharzt (sagen wir bei Studienende mit 43 Niederlassung mit 52?) noch 15 jahre in der Praxis arbeiten und so viel verdienen, wie in 30 Jahren als Lehrer nicht.
-Im Schuldienst wird vieles immer sinnloser, gerade durch die Digitalisierung empfinden viele Schule nicht mehr als sinnvoll. Will ich dieses System 30 Jahre lang noch reiten und Leute benoten und zwangsbeaufsichtigen? Ich möchte was tun, was wirklich sinnvoll ist.
-Obwohl ich meinen Job mag, kann man ja vllt. Noch einen „Draufsetzen“, Alles mitzunehmen, was das Leben bietet.
-Könnte mir vorstellen, wenn die Kinder groß sind, mal auswandern zu wollen. Vllt. Geht das ja als Facharzt mit 50 leichter als als Lehrer?
-Mir gefällt der Gedanke, für den Staat zu arbeiten, immer weniger, trotz der aktuellen Sicherheit. Als Mediziner könnte ich auch nach 67 noch weiterarbeiten, der Gedanke gefällt mir gut.
-Der Ruhm, ich bin genauso ein Schneeflöckchen wie jeder andere nichtreligiöse Mensch.
Offene Fragen
Auf den Punkt: Geld ist mir sehr wichtig, ich habe Familie. Und auch wenn ich eine Assistenzärztin kenne, die im 3. Jahr mit Diensten schon mehr hat als ich nach 9 Jahren Beamter im Schuldienst würde ich wohl eine finanziell riskante Wahl treffen, auch wenn ich eventuell erstmal noch jahrelang unbezahlt beurlaubt im Schuldienst während des Studiums bleiben könnte als Sicherheit.
-Ist es realistisch finanziell lohnenswert, mit Anfang 50noch eine Praxis zu eröffnen (wenn ich mal ein Studienende mit 43 annehme und den Facharzt mit 49) und kommt man dann tatsächlich noch an diese Bombengehälter oberhalb von 10k netto?
-Selbst wenn ich erst mit 49 Facharzt wäre. Käme ich da finanziell vllt. Am Ende zumindest +/- null raus im Vergleich zur Lehrerkarriere? Wären dann bis 67 ja immerhin noch 18 Jahre.
-Ich weiß, ich wäre als Assistenzarzt mit 43-49 sicher nicht gerade gefragt. Vorstellen könnte ich mir die Fächer (Allgemein, Psych, Mikrobiologie, innere, Derma, Pathologie…ne Menge also).
Es wäre sicher als Oldie nicht ganz einfach, akzeptiert zu werden aber wie schlimm wird es? Werden Chefärzte mich wirklich hart schneiden? Gibt es Erfahrungen mit so alten Ärzten?
- Wenn ich nachher merke, dass ich dem KH doch nicht gewachsen wäre, mir die Verantwortung über Leben und Tod zu groß ist, und dann sowas wie Patho machen müsste. Was verdient man da als Facharzt?
Sry für den langen Text. Was meint ihr, verrückte Idee oder einmalige Chance, die nur ein Idiot nicht ergreifen würde wenn auch nur das geringste Interesse an Medizin besteht? , danke für Rückmeldungen im Voraus.
ich habe den Gedanken, meine bisher gut laufende Karriere über den Haufen zu werfen und Humanmedizin zu studieren.
Meine Daten:
-37 Jahre alt (jugendlicher Typus 😉) verheiratet (zwei Töchter 2 und 6)
-aktueller Beruf: Schuldienst A14 (Netto 3800), Fächer: Chemie, Physik bis Oberstufe, Mathematik und Bio bis Klasse10 (Habe sowohl anstrengende Brennpunktschule im Ruhrgebiet wie auch ein Gymnasium im Lebenslauf, mochte beides)
Finanzen:
-Komplett abbezahlte Eigentumswohnung (4Z) in guter Speckgürtellage
-25.000 in ETF angespart
-keine Schulden
Erfahrungen im Medizinbereich
-9 Monate Zivi in der Pflege (Das übliche, waschen, Blutdruck messen, EKG anknipsen, Patienten unterhalten)
-Viele Assistenzärzte im näheren familiären Umfeld (Ortho/Unfall, Innere, Gyn). Insgesamt also nicht allzu viel…
Was würde ich verlieren:
-Vollzeiteinkommen für 6 Jahre
-Meine Pension (gut, wer weiß, ob es die in 30 Jahren noch gibt, die wirtschaftlichen Aussichten in D sind ja…), stattdessen erreiche ich wohl ein paar hundert Euros Rente
Warum zögere ich
-Im Schuldienst bin ich einer der „Überflieger“, bei Medizin wäre ich das untere Ende im Ranggefüge (vermute ich), wegen des hohen Alters.
-Schüler/Kollegen/Eltern/Vorgesetze mögen mich. Mag ihn sogar regelmäßig. Ist keine totale Flucht. Wäre in 10 Jahren Schulleiter wenn ich wollte, will ich aber auf keinen Fall.
-Wirklich nochmal so lange studieren? Wäre stellenweise sau interessant aber natürlich lang.
-Die Ausbildung zur Lehrkraft war anstrengend, mittlerweile läuft mein Alltag aber gechillt weil ich einfach fast alles in der Schule gesehen habe und mir meine Freiräume durch Effizienz geschaffen habe. Dann Dienste als Assistenzarzt (zumal in den 40ern), das wäre belastungstechnisch sicher wieder eine ganz andere Nummer. Ich bin durchaus auch gern mal faul und chille bei Netflix auf der Couch.
- So ganz traue ich mir nicht, da ich ja nicht totunglücklich bin in meinem Job. Die Frage ist nur einfach, würde ich es bereuen, wenn da noch „mehr“ gewesen wäre und ich es in dem einen Leben, welches mir gegeben wurde, nicht gewagt habe.
Aber warum reizt es mich dann überhaupt?
-weil sich auf einmal die Chance bietet. Ich bewarb mich vor 9 Jahren mal aufs Zweitstudium, weil ich noch unsicher war, ob ich das Lehrer-Ref packe und den Job wirklich mag, damals keine Chance. Studium Note 1 und Zivi. Ich war dann aber als Lehrer erstmal glücklich.
-Ich bin der Typ, der durch das Gefühl, „gebraucht zu werden“ in Kombination mit dem Gefühl „als kompetent angesehen zu werden“ stark motiviert wird. Die Wertschätzung, die Ärzte erhalten, die hätte ich auch gern. Ich bin kommunikativ stark, werde aber vor allem gern als fachlich kompetent wahrgenommen.
Mediziner haben so den Nimbus, dass sie etwas könne und dürfen, was sonst niemand kann und darf. Das reizt mich. Ein Teil von dieser Gruppe zu sein, würde ich als Ehre empfinden.
-Meine Examensarbeit war in Biochemie zum Thema Enzymatik/Stoffwechselerkrankungen. Es reizt mich, tiefer zu gehen, den „Sack zu zu machen“ und endlich den menschlichen Körper als Ganzes zu verstehen.
-Klar, ich wäre 6 Jahre mit keinem/geringem Einkommen, aber wenn das, was andere (z.B. mensa) hier schreiben stimmt, verdienen niedergelassene Fachärzte über 10.000 netto. Am Ende meiner Lehrerkarriere käme ich vllt. Irgendwann mal auf die Hälfte. SOLLTEN diese Gehälter also realistisch sein, könnte ich ja als niedergelassener Facharzt (sagen wir bei Studienende mit 43 Niederlassung mit 52?) noch 15 jahre in der Praxis arbeiten und so viel verdienen, wie in 30 Jahren als Lehrer nicht.
-Im Schuldienst wird vieles immer sinnloser, gerade durch die Digitalisierung empfinden viele Schule nicht mehr als sinnvoll. Will ich dieses System 30 Jahre lang noch reiten und Leute benoten und zwangsbeaufsichtigen? Ich möchte was tun, was wirklich sinnvoll ist.
-Obwohl ich meinen Job mag, kann man ja vllt. Noch einen „Draufsetzen“, Alles mitzunehmen, was das Leben bietet.
-Könnte mir vorstellen, wenn die Kinder groß sind, mal auswandern zu wollen. Vllt. Geht das ja als Facharzt mit 50 leichter als als Lehrer?
-Mir gefällt der Gedanke, für den Staat zu arbeiten, immer weniger, trotz der aktuellen Sicherheit. Als Mediziner könnte ich auch nach 67 noch weiterarbeiten, der Gedanke gefällt mir gut.
-Der Ruhm, ich bin genauso ein Schneeflöckchen wie jeder andere nichtreligiöse Mensch.
Offene Fragen
Auf den Punkt: Geld ist mir sehr wichtig, ich habe Familie. Und auch wenn ich eine Assistenzärztin kenne, die im 3. Jahr mit Diensten schon mehr hat als ich nach 9 Jahren Beamter im Schuldienst würde ich wohl eine finanziell riskante Wahl treffen, auch wenn ich eventuell erstmal noch jahrelang unbezahlt beurlaubt im Schuldienst während des Studiums bleiben könnte als Sicherheit.
-Ist es realistisch finanziell lohnenswert, mit Anfang 50noch eine Praxis zu eröffnen (wenn ich mal ein Studienende mit 43 annehme und den Facharzt mit 49) und kommt man dann tatsächlich noch an diese Bombengehälter oberhalb von 10k netto?
-Selbst wenn ich erst mit 49 Facharzt wäre. Käme ich da finanziell vllt. Am Ende zumindest +/- null raus im Vergleich zur Lehrerkarriere? Wären dann bis 67 ja immerhin noch 18 Jahre.
-Ich weiß, ich wäre als Assistenzarzt mit 43-49 sicher nicht gerade gefragt. Vorstellen könnte ich mir die Fächer (Allgemein, Psych, Mikrobiologie, innere, Derma, Pathologie…ne Menge also).
Es wäre sicher als Oldie nicht ganz einfach, akzeptiert zu werden aber wie schlimm wird es? Werden Chefärzte mich wirklich hart schneiden? Gibt es Erfahrungen mit so alten Ärzten?
- Wenn ich nachher merke, dass ich dem KH doch nicht gewachsen wäre, mir die Verantwortung über Leben und Tod zu groß ist, und dann sowas wie Patho machen müsste. Was verdient man da als Facharzt?
Sry für den langen Text. Was meint ihr, verrückte Idee oder einmalige Chance, die nur ein Idiot nicht ergreifen würde wenn auch nur das geringste Interesse an Medizin besteht? , danke für Rückmeldungen im Voraus.