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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schwerbehinderten Ausweis als Arzt



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jijichu
30.06.2024, 12:38
Ich schreibe für ein Versorgungsamt die Gutachten für die GdB-Einstufung - es fehlt überall an Gutachtern und leider verzögert sich der Prozess dadurch massiv, oder, wenn gar keine Befunde vom Antragssteller hinzugefügt wurden.

Bei nicht Übermittlung von Befunden kann es zur Ladung und Vollstreckung kommen, aber ich habe bislang noch nicht miterlebt, dass dies auch durchgesetzt wurde.

GloriaSchmidt
30.06.2024, 12:46
aus hausärztlicher Sicht kann ich nur schreiben, dass man in unserer Region nach 4-6 Wochen ein Erinnerungsschreiben bekommt bitte die Unterlagen und Befundbericht zukommen zu lassen. Falls mal was verloren geht und die von einem immer noch nichts bekommen haben - so habe ich mal eine zweite Mahnung bekommen mit sehr viel juristischen Sätzen mit bedrohlichem Charakter

Die kriegt ich auch ständig - das Nadelöhr ist wahrscheinlich eher mein eigener Schreibtisch als das Versorgungsamt selbst 😄
Obwohl es bei meinen Patienten meist auch flott geht - die stellen den Antrag, ca. 3 oder 4 Wochen später hab ich den Wisch vom Versorgungsamt, beim nächsten Quartalstermin haben die Pat meist den GdB.
Wird bei mir selbst also bestimmt auch klappen, vor allem, da die Zuteilung aus Versorgungsmedizinischer Sicht bei mir recht einfach sein dürfte.

GloriaSchmidt
30.06.2024, 12:48
Ich schreibe für ein Versorgungsamt die Gutachten für die GdB-Einstufung - es fehlt überall an Gutachtern und leider verzögert sich der Prozess dadurch massiv, oder, wenn gar keine Befunde vom Antragssteller hinzugefügt wurden.

Bei nicht Übermittlung von Befunden kann es zur Ladung und Vollstreckung kommen, aber ich habe bislang noch nicht miterlebt, dass dies auch durchgesetzt wurde.

Das würde mich aus beruflicher Perspektive mal interessieren- machst du alles vom Schreibtisch aus? Das wäre ein netter Nebenjob. Verlangen die die Zusaqualifikation Sozialmedizin?

Choranaptyxis
30.06.2024, 12:55
Spannendes Thema!


Ja, man wird damit eingestellt. Genauso wie ohne. Die Verwaltungen benötigen ihre Quoten an Schwerbehinderten, die Arbeitgeber (unmittelbar) interessiert es nur im Rahmen dessen, was es für praktische Probleme geben könnte.
Und, ja, man kann auch dann noch seitens des Arbeitgebers Wege finden, einem zu kündigen.

Ich hätte jetzt vermutet, die Quote erfüllt man dann notfalls mit Arbeitnehmern, die weniger kosten (und damit auch beim Ausfall billiger sind) und zahlt notfalls Strafe und dass man eben als Arzt mit Schwerbehinderung eher nicht eingestellt wird.
Gebt ihr die Schwerbehinderung dann schon bei der Bewerbung an oder danach?

Und, zumindest mein Eindruck bisher, ein GdB von 20 oder 30 bringt einem wenig, oder? Tippe, ich dürfte da irgendwo liegen dank meines Beins, geschätzt eher bei 20 als 30 und wollte deswegen keinen beantragen, da es vermutlich erstmal nur Nachteile bringt (offiziell behindert, Versicherungen etc) als Vorteile. Dürfte mehr werden mit den Jahren, aber ich hoffe nicht zu bald.

jijichu
30.06.2024, 12:57
Das würde mich aus beruflicher Perspektive mal interessieren- machst du alles vom Schreibtisch aus? Das wäre ein netter Nebenjob. Verlangen die die Zusaqualifikation Sozialmedizin?

Das Bundesland, für das ich schreibe, hat E-Akten und damit externe Gutachter. Approbation wird benötigt, klinische Erfahrung gewünscht, ist aber kein Muss.

anignu
30.06.2024, 14:31
Beim Antrag für unsere Tochter haben wir initial 60% ohne Merkzeichen bekommen und auf Widerspruch dann 80% mit G,B,H. Sowas hilft schon sehr deutlich und ist auch finanziell gar nicht so schlecht. H in der Einkommensteuererklärung macht ein paar tausend Euro aus. Das Verfahren selbst, Antrag incl. Widerspruch etc. hat glaub ich 3 Monate gedauert. Also alles im Rahmen.

rafiki
30.06.2024, 15:47
trotz aller Horrorgeschichten die Rafiki erzählt,

Ich "erzähle" nicht "alle Horrorgeschichten" , sondern habe meine persönliche Erfahrung mit dem zuständigen Versorgungsamt mitten in Deutschland dargestellt. Warum es sich so verhält, ist mir unklar, ich habe alle üblichen Formalitäten eingehalten - und offensichtlich werden da Vorgänge verzögert, was ich äußerst kritisch sehe. Ich habe - im Nachhinein leider - sehr viele Jahre auf den GdB verzichtet und nun bräuchte ich dringend die entsprechenden Erleichterungen. Erstaunlich dagegen finde ich immer, dass meine klinische Sozialarbeiterin für praktisch jeden Pat. einen entsprechenden Antrag stellt (auch wenn da nach meiner Einschätzung höchstens 20-30 Grad zu erwarten sind).

@anignu: Es sind keine Prozent, sondern Grade.

@jijichu: Was braucht es da ärztliche GA, es sind doch einfach Tabellenwerte, die jeder Amtssachbearbeiter ablesen kann? Jedenfalls, falls die Darstellung des Behandlers eindeutig war.

h3nni
30.06.2024, 21:03
Und, zumindest mein Eindruck bisher, ein GdB von 20 oder 30 bringt einem wenig, oder? Tippe, ich dürfte da irgendwo liegen dank meines Beins, geschätzt eher bei 20 als 30 und wollte deswegen keinen beantragen, da es vermutlich erstmal nur Nachteile bringt (offiziell behindert, Versicherungen etc) als Vorteile. Dürfte mehr werden mit den Jahren, aber ich hoffe nicht zu bald.

Ab 30 ist man Arbeitsrechtlich gleichgestellt mit Schwerbehinderten, also hat auch Kündigungsschutz zB.

Die Quote ist 5%, sodass in Betrieben unter 20 MA keiner schwerbehindert sein muss. Aber man kann es durch Ausgleichszahlungen oder "Einkauf" von Leistungen glaub ausgleichen (zB Wäscherei, Gartenbau durch Inklusionsfirmen)

Reflex
30.06.2024, 21:06
Ich "erzähle" nicht "alle Horrorgeschichten" , sondern habe meine persönliche Erfahrung mit dem zuständigen Versorgungsamt mitten in Deutschland dargestellt. Warum es sich so verhält, ist mir unklar, ich habe alle üblichen Formalitäten eingehalten - und offensichtlich werden da Vorgänge verzögert, was ich äußerst kritisch sehe. Ich habe - im Nachhinein leider - sehr viele Jahre auf den GdB verzichtet und nun bräuchte ich dringend die entsprechenden Erleichterungen. Erstaunlich dagegen finde ich immer, dass meine klinische Sozialarbeiterin für praktisch jeden Pat. einen entsprechenden Antrag stellt (auch wenn da nach meiner Einschätzung höchstens 20-30 Grad zu erwarten sind).


Leider ist es mittlerweile so, dass viele Versorgungsämter die Anträge massiv verschleppen (ob wegen Personalmangel oder ganz bewusst, weiß ich nicht) und dabei vor Lügen nicht zurückschrecken

Vielleicht nicht das nächste Mal übergeneralisieren, wenn es sich um eine reine persönliche Erfahrung handelt?

Ab 30 kann man sich gleichstellen lassen, von daher ist es für diejenigen, für die die Erkrankungen eine Funktionseinschränkung im Alltag darstellt, sinnvoll einen GdB zu beantragen.

Choranaptyxis
30.06.2024, 21:15
@h3nni wobei man die Gleichstellung erst beantragen muss
@Reflex weißt du, wie oft man dann gleichgestellt wird? Alltagseinschränkung habe ich, auch jobrelevant, langes Stehen, schnelles laufen, Treppen, etc., aber was ich so rauslese ist es eben eher wenig, was ich bekommen, etwas Muskelschwäche, ggf etwas wegen Schmerzen, aber 30 ist da schon vermutlich ein Kampf. Plus Gleichstellung auch erst im JOb.

Stichwort Ausgleichzahlung (https://www.dahag.de/c/ratgeber/arbeitsrecht/schwerbehinderung-im-arbeitsrecht/schwerbehindertenquote), finde ich nicht mal wirklich hoch.


Sie beschäftigen aktuell 200 Arbeitsnehmer*innen. Nur 4 davon sind schwerbehindert oder Schwerbehinderten gleichgestellt. Ihre Beschäftigungsquote liegt somit bei 2 Prozent, weshalb Sie der obenstehenden Tabelle zufolge 245 Euro pro Monat und pro unbesetztem Arbeitsplatz als Ausgleichsabgabe entrichten müssen. Da Sie eigentlich 5 Prozent – also zehn Arbeitsplätze – mit schwerbehinderten Angestellten besetzen müssen, gelten 6 Arbeitsplätze als unbesetzt. Ihre Ausgleichsabgabe beläuft sich monatlich also auf 6 mal 245 Euro. Sprich: Sie müssen 1.470 Euro pro Monat an das Integrationsamt zahlen.

Reflex
30.06.2024, 21:29
@h3nni wobei man die Gleichstellung erst beantragen muss
@Reflex weißt du, wie oft man dann gleichgestellt wird? Alltagseinschränkung habe ich, auch jobrelevant, langes Stehen, schnelles laufen, Treppen, etc., aber was ich so rauslese ist es eben eher wenig, was ich bekommen, etwas Muskelschwäche, ggf etwas wegen Schmerzen, aber 30 ist da schon vermutlich ein Kampf. Plus Gleichstellung auch erst im JOb.

Stichwort Ausgleichzahlung (https://www.dahag.de/c/ratgeber/arbeitsrecht/schwerbehinderung-im-arbeitsrecht/schwerbehindertenquote), finde ich nicht mal wirklich hoch.

Ich kann nur für den neurologisch/psychiatrischen Fachbereich sprechen, aber alle meiner Patienten mit einem GdB von 30-40, denen ich dann die Gleichstellung empfohlen habe, sind auch gleichgestellt worden. Ablehnungen habe ich bislang hier noch nicht erlebt. Die Agentur für Arbeit übernimmt augenscheinlich die Einschätzung des Versorgungsamtes, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

Die Versorgungsämter hier in der Umgebung entscheiden ca. 90% der Fälle angemessen der Versorgungsmedizinischen Grundsätze. Widersprüche sind selten nötig, aber wenn wird es in der Regel passend nachbeurteilt. Die Patienten, die dann noch klagen, haben häufig unangemessene Erwartungen an den GdB bzw. Versorgungswünsche. Meine Erfahrung ist, dass es oft weniger am Versorgungsamt liegt, wenn unzureichende Bescheide erfolgen, sondern meist eher an den behandelnden Ärzten, die zu spät, gar nicht oder unzureichend die angeforderten Stellungnahmen ausfüllen.

anignu
30.06.2024, 22:05
Meine Erfahrung ist, dass es oft weniger am Versorgungsamt liegt, wenn unzureichende Bescheide erfolgen, sondern meist eher an den behandelnden Ärzten, die zu spät, gar nicht oder unzureichend die angeforderten Stellungnahmen ausfüllen.
Oder dass die Ärzte halt keine Ahnung davon haben. Es geht drum dass man bestimmte Stichworte nennt, bestimmte Diagnosen, die man dann zu belegen hat, idealerweise mit möglichst harten Fakten. Und dafür gibt es dann die Prozente bzw. Grade ;-)
Werden die entscheidenden Diagnosen nicht klar genannt/benannt dann wird halt anders entschieden. Daher bei uns auch der Widerspruch. Man informiert sich halt für was man was bekommt und das wars dann.

Feuerblick
01.07.2024, 06:00
Wie überall im Leben: Kurz, knackig, exakt, Stichworte. Kein Geschwafel, kein „das ist eigentlich genau wie…“, keine epische Prosa und sinnvollerweise wissen, was an Angaben benötigt wird. Ich sehe eigentlich auch nur relativ schnelle Bearbeitung.

Absolute Arrhythmie
01.07.2024, 21:11
Ich habe übrigens sieben Monate auf meinen Bescheid gewartet, obwohl ich alle Befunde bei Antragstellung mitgeschickt habe und die Diagnose immer mit einem GdB von 50% einhergeht...