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chauque
26.08.2024, 08:59
Gruppe A, Tag 1, Nr. 157 = Gruppe B, Tag 1, Nr. 79

Kommentar
ich bin der Meinung, dass bei Tag 1, Gruppe A, Frage 157 bei einer steigenden Glucagon-
Plasmakonzentration sowohl eine (c) erhöhte Fructose-2,6-Bisphosphat-Konzentration in den
Kardiomyozyten als auch (d) eine erhöhte Gluconeogenese-Rate in den Hepatozyten
gleichermaßen "am ehesten" zu erwarten sind.

Begründung
Ich nehme an, dass die (d) steigende Gluconeogenese-Rate die ohnehin akzeptiert Antwort
darstellt.
Ich möchte deshalb für die (c) Zunahme des Fructose-2,6-Bisphosphats (Fru-2,6-BP)
argumentieren: In Herzmuskelzellen sorgt eine erhöhte PKA-Aktivität für eine Phosphorylierung
der PFKFB an anderer Stelle im Vergleich zur Leber-PFKFB, wodurch sich ihre
Phosphofructokinase-2-Aktivität steigert; mithin also mehr Fru-2,6-BP entsteht [1, 2]. Dies wird
ebenfalls durch cAMP vermittelt, dessen Synthese hier durch Katecholamine und Hypoglykämie
stimuliert wird [1, 2].
Ich habe leider nicht recherchieren können, ob die Hypoglykämie-verursachte gesteigerte cAMP-Synthese
in den Kardiomyozyten unmittelbar durch Glucagon vermittelt wird. Sie fragen
allerdings auch nicht, worin eine gesteigerte Glucagon-Konzentration resultiert, mithin nach
einer Kausalität, sondern lediglich danach, welche Effekte zu erwarten sind, wenn eben dieser
Anstieg zu verzeichnen ist. ("Welcher der folgend genannten Effekte ist am ehesten zu erwarten,
wenn die Glucagon-Konzentration im Plasma stark ansteigt?") Ein korrelativer Zusammenhang
muss insofern der Frage genügen.
Da der primäre Stimulus für die Glucagonausschüttung eine Abnahme des Blutglucosespiegels
ist [3], die im Herzen eben auch zu einem steigenden Fru-2,6-BP-Spiegel führt, ist in der Tat ein
gemeinsames Auftreten dieser Effekte zu erwarten.

Zitate der Literaturstellen
[1] "Im Herzmuskel erhöhen die Katecholamine den cAMP-Spiegel und bewirken so über die
Aktivitätssteigerung der Proteinkinase A die Phosphorylierung der PFKFB. Jedoch wird die Herz-
PFKFB an einer anderen Stelle phosphoryliert als die Leber-PFKFB. Dadurch ist die PFKFB als
Phosphofructokinase-2 aktiv und es entsteht Fructose-2,6-bisphosphat. Katecholamine führen
also im Herzmuskel zu einer Stimulation der Glykolyse. Auch eine Hypoglykämie führt zu einer
Ausschüttung von Katecholaminen. Auf diese Weise erhöhen die Katecholamine die Leistung
des Herzens."
[2] "Im Herzmuskel stellt sich die Aktivität der PFK-2 ganz anders dar. Hier lösen die
Katecholamine einen erhöhten cAMP-Spiegel aus und bewirken so die Phosphorylierung des
Enzyms. Jedoch wird die Herz-PFK-2 an einer anderen Stelle phosphoryliert als die Leber-PFK-2.
Dies führt dazu, dass das Enzym jetzt im phosphorylierten Zustand die Bildung von Fructose-
2,6-bisphosphat übernimmt. So wird die Glykolyse im Herzmuskel durch die Katecholamine
gefördert. Dies ist physiologisch sinnvoll, da die Katecholamine die Leistung des Herzens
erhöhen."
[3] "Glukagon wird in Vesikeln gespeichert und bei Bedarf sezerniert. Der primäre Stimulus für
die Glukagonausschüttung ist eine Abnahme des Glucosespiegels. […] Sekretionsfördernd
wirken auch Katecholamine aus dem Nebennierenmark und Sympathikus und Parasympathikus (kontrolliert durch Glucose-sensitive Neurone im Hypothalamus)."

Literaturstellen
[1] https://viamedici.thieme.de/lernplaner/11410412-H24/lernmodul/547093/20612113/glykolyse+regulation (Abschnitt "Regulation durch Fructose-2,6-bisphosphat im Herzmuskel")
[2] Königshoff M, Brandenburger T. Die Phosphofructokinase-2. In: Brandenburger T, Königshoff M, Hrsg. Kurzlehrbuch Biochemie. 3. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2012. (Abschnitt "2.3.4 Die Regulation der Glykolyse / Die Phosphofructokinase 2", S. 37)
[3] Netzker R, Deutzmann R. Pankreashormone. In: Rassow J, Netzker R, Hauser K, Hrsg. Duale Reihe Biochemie. 5. vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2022. (Abschnitt "3.1.2 Glucagon / Sekretion", S. 621)

chauque
26.08.2024, 09:03
Gruppe A, Tag 2, Nr. 115 = Gruppe B, Tag 2, Nr. 7

Kommentar
Ich möchte argumentieren, dass bei Tag 2, Gruppe A, Frage 115 die richtige Antwort lautet: (b) „Schauen Sie sich doch mal um. In meinem Alter sind doch viele so!“ fokussiert am deutlichsten die statistische Norm.

Begründung
Kessler definiert „statistische Norm“ so [1]: „orientiert sich an tatsächlichen, statistischen Werten, also an Ist-Werten (z. B. Mittelwert der Bevölkerung, Prozentangaben, Häufigkeit, etc. ). In diesem Zusammenhang kann z. B. ein Wert als „normal“ angesehen werden, wenn er häufig auftritt. Bsp.: Ein 75jähriger Patient beklagt sich über Gelenkschmerzen. Wenn der Arzt entgegnet, dass dies „normal“ bei alten Menschen sei und in diesem Alter häufig vorkomme, hat er sich an der statistischen Norm orientiert.“
Die Aussage der 50-jährigen Patientin in der Aufgabe spiegelt dabei nicht nur ihre wahrgenommene Wirklichkeit wider, sondern ist objektiv substantiiert. So waren nach GEDA 2014/2015 tatsächlich 30.5 % der Frauen zwischen 45 und 64 Jahren in Deutschland übergewichtig (BMI zwischen 25 und 30), 19.6 % gar adipös [2]. Die Gruppe Übergewicht einschl. Adipositas übertrifft mit insg. 50.1 % knapp den Anteil der Normal- und Untergewichtigen [2]. Die erwachsene Gesamtbevölkerung ist insgesamt im Durchschnitt übergewichtig (Übergewicht einschl. Adipositas, Frauen (gesamt): 46.7 % sowie Männer (gesamt): 61.6 %) [2].
Das über den BMI definierte Normalgewicht (BMI = 18.5 … 25) kann insofern nicht als das „Statistische-Norm-Gewicht“ gelten. Mithin ist die Aussage (b) diejenige, die am deutlichsten die statistische Norm fokussiert.

Literaturstellen
[1] Kessler H. Die Definition von Krankheit und die Normbegriffe. In: Kessler H, Hrsg. Kurzlehrbuch Medizinische Psychologie und Soziologie. 4., überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021. (Abschnitt „1.2.3 Die Definition von Kranheit und die Normbegriffe“, S. 15)
[2] Schienkiewitz A, Mensink GBM, Kuhnert R, Lange C. (2017) Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen in Deutschland. Journal of Health Monitoring 2(2): 21 – 28. DOI 10.17886/RKI-GBE-2017-025
https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/FactSheets/JoHM_2017_02_Uebergewicht_Adipositas_Erwachsene.pd f?__blob=publicationFile

Hokuspokus1234
26.08.2024, 10:09
richtig gut!
Bei der statistischen Norm ist b aber soweit richtig bei medilearn, oder nicht?

chauque
26.08.2024, 11:13
richtig gut!
Bei der statistischen Norm ist b aber soweit richtig bei medilearn, oder nicht?

Ja, deren Auswertung sieht (b) für diese Frage (A/2/115 = B/2/7) auch als richtig an. Allerdings gab es auf Reddit (meine ich) eine Diskussion, dass das Quatsch wäre. Ich habe (b) angekreuzt und wollte im Zweifelsfalle einfach nochmal diese Position stärken.

Hokuspokus1234
26.08.2024, 12:01
Ja, verstehe ich����*♀️
Ich habe einige Fragen, die ich richtig habe, die einige aber angefochten haben und ja, da geht das Zittern los:D