Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unzufriedenstellende WB in der Praxis (Allgemeinmedizin) - was ist normal?
HannibaI
16.11.2024, 00:53
Bezüglich Förderung: Soweit ich weiß, hat man ambulant Anspruch auf Gehalt nach VKA/kommunalem Tarifvertrag. Somit müsste die Förderung um die Differenz zur aktuellen Stufe aufgestockt werden, so wie es MellowMed vorgerechnet hat .
Relaxometrie
16.11.2024, 07:19
Bezüglich Förderung: Soweit ich weiß, hat man ambulant Anspruch auf Gehalt nach VKA/kommunalem Tarifvertrag.
Quelle? Bis zum Beweis des Gegenteils ist diese Aussage nämlich falsch. Da war wohl der Wunsch Vater des Gedanken.
HannibaI
16.11.2024, 07:41
Sorry, war gestern schon spät, daher hier die Quellen:
Unter https://kostf-bayern.de/ gleich bei FAQ "Häufig gestellte Fragen zur Förderung" als PDF, Punkt 16, Zitat:
"Soweit die von uns gezahlte Förderung im konkreten Fall die im Krankenhaus übliche Vergütung unterschreitet, ist der an den Weiterbildungsassistenten weiterzuleitende Förderbetrag von der anstellenden Praxis bzw. vom anstellenden MVZ auf das Niveau der im Krankenhaus üblichen Vergütung anzuheben und in dieser Höhe vollständig an den/die Weiterbildungsassistenten/-in auszuzahlen."
Und unter Punkt 17 steht noch:
"Als Orientierung dient hier der Tarifvertrag Ärzte des Verbands Kommunaler Arbeitgeber unter www.vka.de Tarifverträge und Richtlinien / Tarifverträge / Ärztinnen und Ärzte. "
Die Rechtsgrundlagen sind dann noch auf https://www.kvb.de/mitglieder/praxisfuehrung/foerderungen/weiterbildungsfoerderung zu finden bei "Förderhöhe" (Plus-Zeichen) und dann "Infoblatt Aufstockungsbetrag" als PDF:
"Die anstellende Praxis bzw. das anstellende MVZ muss in diesem Fall den zur Anhebung auf dieses Vergütungsniveau erforderlichen Differenzbetrag aus eigenen Mitteln beisteuern (vgl. § 5 Abs. 9 der Vereinbarung zur Förderung der Weiterbildung gemäß § 75a SGB V i.V.m. § 75a Abs. 1 Satz 4 SGB V).
Der Gesetzgeber räumt damit dem im Rahmen eines geförderten Weiterbildungsverhältnisses in der ambulanten Versorgung beschäftigten Weiterbildungsassistenten einen gesetzlichen Anspruch gegen die anstellende Praxis bzw. das anstellende MVZ auf Zahlung einer Vergütung ein, welche ihrer Höhe nach zumindest der im Krankenhaus üblichen Vergütung entspricht. "
ehem-user-19-05-2025-1430
16.11.2024, 10:35
Boah ey, 31k!!!!
Mindestenslohn aktuell für jede
unqualifizierte Arbeitskraft in Vollzeit= jeder Mensch der nüchtern und nicht einschlägig vorbestraft ist beträgt 12,82*40*12= 26665,6€
Auch ich habe nichts gegen Kapitalismus- aber wenn ich für einen WBA in Vollzeit weniger als 5k mehr per anno als für****** alle anderen bezahle ist das ein überschaubarer finanzieller Aufwand.
Bei deinem Beispiel mit dem Mindestlohnjob unterschlägst du die Lohnnebenkosten, in deinem Beispiel kommen da nochmal ca 6000 drauf also 32.000. Also ist ein WBA sogar ähnlich teuer :D
Der Deal ist - sofern der WBA kein totaler Nullinger ist - sehr gut für die Praxen. Da widerspricht ja niemand. Aber er soll ja auch sehr gut sein sodass sich die Inhaber den Schuh anziehen und da mitmachen. Die haben doch genug um die Ohren. Sollen die jetzt Weiterbilden und dann noch das Risiko haben dass sich das ganze nicht lohnt?
Ich selber bin btw wie oben beschrieben durchaus der Meinung dass eine übertraifliche Bezahlung da drin ist, aber statt mehr Geld sind vielleicht mehr fobi Tage oder weniger Wochenarbeitszeit für die Weiterbilder leichter zu verwirklichen. Auf die h gerechnet war ich während meiner Weiterbildung deutlich übertariflich, absolut am Ende des Monats ohne Dienste kamen natürlich weniger Euros raus.
escitalopram
16.11.2024, 10:41
Also nein, wir haben keine Zeiten für Weiterbildung in dem Sinne, machen alles im Fluss, aber haben bisher keine neg. Rückmeldungen erhalten. Wir sind jetzt bei der 4. AÄ, aber erst die 2. pädiatrische, die anderen waren Allg.med.
Was heißt hier bitte "keine Zeiten für Weiterbildung"? :-oopss Deine Schilderungen entsprechen meiner Meinung nach einer konstruktiven und sehr guten ambulanten WB.
Boah ey, 31k!!!!
Mindestenslohn aktuell für jede
unqualifizierte Arbeitskraft in Vollzeit= jeder Mensch der nüchtern und nicht einschlägig vorbestraft ist beträgt 12,82*40*12= 26665,6€
Auch ich habe nichts gegen Kapitalismus- aber wenn ich für einen WBA in Vollzeit weniger als 5k mehr per anno als für****** alle anderen bezahle ist das ein überschaubarer finanzieller Aufwand.
Arbeitet der WBA als MFA vorne mit, falls es zu dünn wird? Macht er auch gut und fast selbstständig die Hausbesuche? Hat die Praxis so viele Kassensitze und Neupatientenanfrage, dass die Patientenzahl ohne aufällig zu werden gesteigert werden kann? Wenn das alles mit Nein beantwortet wird, dann ist jeder Euro extra für den WBA mehr eine finanzielle Last als Nutzen. Weiterbildung macht man aus Idealismus, aus Verantwortungsgefuehl, der Gesellschaft was zurück geben zu wollen. Klar gibt es schwarze Schafe, diesen WBA nicht sinngemäß einsetzen und dadurch Reibach machen. Aber man sollte sich nicht zu sehr überschaetzen als frischer WBA. Ist halt bisschen wie Assistenzärzte und Pjler. Etwas entlastend schon, aber die Welt dreht sich auch ohne Auszubildende (zumindest für paar Jahre) weiter.
Kann ich nach einem Jahr Weiterbildungszeit 1:1 so bestätigen. WBA werden zum großen Teil als billige bis gratis Arbeitskraft ausgenutzt (die Aufstockung scheinen nur die allerwenigsten in meiner Region zu bekommen, nachfragen dazu werden mit "Dann kannst du eben nicht bei uns anfangen" beantwortet). Einarbeitung = 2 Tage mitlaufen, dann in der nächsten Woche schon Praxis tageweise alleine schmeissen etc. Feedback nur auf gezielte Nachfragen, großzügiges Aufbinden von Haus- und Heimbesuchen etc.
Scheint also bei dir kein Einzelfall zu sein sondern die Realität in den meisten Praxen.
Was heißt hier bitte "keine Zeiten für Weiterbildung"? :-oopss Deine Schilderungen entsprechen meiner Meinung nach einer konstruktiven und sehr guten ambulanten WB.
Das beruhigt mich. Ich habe verstanden, dass etwas gesucht wird, bei dem man sich gezielt hinsetzt und in erster Woche dies, in zweiter Woche das, dass es explizit Sitzungen gibt, bei denen Themen erarbeitet und erlernt werden.
Ich muss sagen, dass ich vieles vom geschilderten gar nicht verstehen kann, denn wir sind doch verantwortlich und es ist unser Ruf. Wenn WBA so allein gelassen sind, dann leidet doch die Qualität und Zufriedenheit. Damit meine ich nicht, dass ich euch keine Qualität zutraue. Aber wir als WB-Ermächtigte und Praxisinhaber:innen müssen und wollen doch unseren Standard halten.
Ich hatte gestern ein sehr offenes Gespräch mit einem Inhaber einer FA-Praxis mit 2 Sitzen. Er bildet nicht weiter aber er hat mir einen ehrlichen Einblick in seinen Arbeitsalltag gegeben und worauf er bei seinen Angestellten Ärzten achtet. Es war eine Neugründung vor 8 Jahren und er hat sich den Erfolg richtig hart erarbeitet. Durch das Gespräch, die vielen Threads haben mich in meiner Meinung bestärkt keinen WBA ambulant anzustellen. Das Risiko in Klo zu greifen ist wirklich zu groß.
Der Ärztemangel hat einigen den Kopf verdreht und den Blick für die Realität vernebelt.
ehem-user-19-05-2025-1430
16.11.2024, 19:09
Ich hatte gestern ein sehr offenes Gespräch mit einem Inhaber einer FA-Praxis mit 2 Sitzen. Er bildet nicht weiter aber er hat mir einen ehrlichen Einblick in seinen Arbeitsalltag gegeben und worauf er bei seinen Angestellten Ärzten achtet. Es war eine Neugründung vor 8 Jahren und er hat sich den Erfolg richtig hart erarbeitet. Durch das Gespräch, die vielen Threads haben mich in meiner Meinung bestärkt keinen WBA ambulant anzustellen. Das Risiko in Klo zu greifen ist wirklich zu groß.
Der Ärztemangel hat einigen den Kopf verdreht und den Blick für die Realität vernebelt.
Hier ist so ein bissle schwarz weiß in dem Thread. Ich habe meine Weiterbildung als totales winwin erlebt für beide Seiten. Ich konnte bei Problemen immer nachfragen, habe nach den Sprechstunden immer so 30min Fälle diskutiert, habe sehr viel gelernt, habe ohne ende Einblicke in die praxis BWL bekommen, ich durfte die Steuererbescheide etc angucken. Im Gegenzug hab ich 50 Patienten pro Tag in der Sprechstunde behandelt, meine Chefs nochmal 100 pro Tag, also zu dritt 150 pro Tag.
Ich finde die Höhe der Förderung richtig so um das Risiko für die Inhaber kleinzuhalten.
Geben und Nehmen. Ist doch total okay! Ins Klo greifen kann man immer, das gilt für beide Seiten. No risk no fun.
Bonnerin
16.11.2024, 20:08
Durch das Gespräch, die vielen Threads haben mich in meiner Meinung bestärkt keinen WBA ambulant anzustellen. Das Risiko in Klo zu greifen ist wirklich zu groß.
Der Ärztemangel hat einigen den Kopf verdreht und den Blick für die Realität vernebelt.
Ich möchte nur mal erwähnen, dass man als Arbeitgeber die Probezeit auch nutzen kann, um so einen "Griff ins Klo" relativ problemlos wieder los zu werden.
Es ist doch letztlich überall so wie in der Klinik. Man hat motivierte Leute, die sich reinhängen und Vollpfosten, die allerhöchstens als "Kopf" in der Liste stehen, aber sonst nix machen.
Klar, man kann natürlich auch als Weiterbilder echt ins Klo greifen. Dem würde ich von meiner Perspektive aus (WBA Innere mit Absicht in die Allgemeinmed. zu wechseln) zustimmen. Ich bin in dieser Woche zum ersten Mal auf einem Treffen von WBA in einer deutschen Großstadt gewesen und dort war die underperformer-Quote schon sehr hoch.
Ich würde sagen man kann als guter WBA (fleißig, nicht niedrigschwellig krank, lernbereit) ein echt guter Deal für den Chef/Chefin sein sollte dann aber auch zusehen dass man gute Konditionen abseits des Gehaltes aushandelt.
DrSkywalker
17.11.2024, 08:28
Wir als Praxis hatten schon beides:
Sehr gute, zuverlässige, fleißige WBAs und inkompatible, oft krank, selbstüberschätzung mit konsequenzen für Patienten wenn wir nicht aufgepasst hätten, Anspruchshaltung ohne Ende.
Lustigerweise waren diejenigen mit den meisten Ansprüchen die, die dann schlechte Arbeit gemacht haben bzw. nicht engagiert waren, obwohl wir alle Wünsche erfüllt hatten. Das sind dann auch die, für die man dann die Arbeitsbescheinigung vom Arbeitsamt ausfüllen muss, weil sie erst mal ein paar Monate arbeitslos machen bis zur nächsten stelle, es ist schon interessant.
Unterm Strich ist es wie immer ein Geben und Nehmen. Unsere WBAs akutell sind alle spitze, wir wissen das sehr zu schätzen. Freiwillige, nicht eingeforderte Gehaltserhöhungen, ein ordentliches Weihnachtsgeld, auch mal einen Tag frei wenn mal was ist, gute Weiterbildung etc sind dann für uns kein Problem.
Wenn jemand im Vorstellungsgespräch recht viel fordert ist das für mich mittlerweile eine Red Flag, die Erfahrungen diesbezüglich waren eindeutig.
Danke für den Einblick. Wie sind in deiner Praxis die Rahmenbedingungen für die WBA ( Arbeitszeiten, Fortbildungstage etc.)
Und stockt hier jemand die Förderung der KV auf? Das habe ich bisher gar nicht in Realität mitbekommen...
Euch einen schönen Sonntag
DrSkywalker
17.11.2024, 08:52
sprechstunde ca 27h/woche, 1-2 HB/Woche, rest für Telefonate, Besprechung etc. Stocken die Förderung auf, Tarifgehalt bei weniger Arbeitszeit als im TV angegeben. FoBi Tage 5/Jahr. Eigenes Behandlungszimmer inkl. eigenes Sonogerät hat wahrscheinlich auch nicht jeder. Im Sommer Mittwoch und Freitag meistens kurz nach 12 Schluss, im Winter nie später als 13 uhr, keine verpflichtenden Dienste für die Praxis, selten mal freiwillig, dann großzügig Freizeitausgleich oder volles Honorar für den WBA, oft 100 €/Stunde am WE.
Das klingt super, muss man ehrlich sagen. Da fragt man sich was die Bewerber noch so nachverhandeln wollen?! Noch weniger arbeiten, mehr Geld 💰?
Ich hätte übrigens an sehr vielen Wochenenden Zeit für 100€/h
Das klingt super, muss man ehrlich sagen. Da fragt man sich was die Bewerber noch so nachverhandeln wollen?! Noch weniger arbeiten, mehr Geld ?
Ich hätte übrigens an sehr vielen Wochenenden Zeit für 100€/h
Bei den Bedingungen wird wohl kaum jemand viel nachverhandeln wollen. Anhand der geschilderten Erfahrungen und auch der mir bekannten Weiterbildungsassistenten scheint das jedoch nur für die wenigsten die Realität zu sein.
DrSkywalker
17.11.2024, 13:14
Doch, es gab zwei an der Zahl die gerne noch eine Tarifstufe darüber verdienen wollten. Haben wir ihnen sogar gegeben. War leider trotzdem bei beiden mehr oder weniger eine Katastrophe im Alltag, das Arbeitsverhältnis hat jeweils nicht lange gedauert. Wenn jetzt ein Bewerber nachverhandeln will bei den bereits fairen Bedingungen ist er schon fast raus.
Wir haben glücklicherweise aber aktuell nur richtig tolle wbas, das macht allen Beteiligten richtig Spaß!
Doch, es gab zwei an der Zahl die gerne noch eine Tarifstufe darüber verdienen wollten. Haben wir ihnen sogar gegeben. War leider trotzdem bei beiden mehr oder weniger eine Katastrophe im Alltag, das Arbeitsverhältnis hat jeweils nicht lange gedauert. Wenn jetzt ein Bewerber nachverhandeln will bei den bereits fairen Bedingungen ist er schon fast raus.
Wir haben glücklicherweise aber aktuell nur richtig tolle wbas, das macht allen Beteiligten richtig Spaß!
Na das klingt doch super, dann scheint euer Konzept ja aufzugehen. Diese Bedingungen sind wirklich ein absolutes Positivbeispiel und da kann man eure WBA nur beglückwünschen!
Insbesondere die super Bedingungen für die Teilnahme am Dienstsystem. Wir müssen gar nicht so wenige in unserer Praxis machen und die sind oft alles andere als geschenkt. Bis jetzt hab ich noch nicht einen Cent für auch nur einen davon gesehen, bin mir aber relativ sicher, dass das am Schluss auch nicht der Rede wert sein wird.
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