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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unzufriedenstellende WB in der Praxis (Allgemeinmedizin) - was ist normal?



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random-squirrel-199
10.11.2024, 11:13
Hallo zusammen,
Nachdem ich bereits lange mitgelesen habe, werde ich nun auch erstmalig in diesem Forum aktiv.

Derzeit bin ich nach meiner Klinikzeit seit ein paar Monaten in einer Hausarztpraxis als Weiterbildungsassistentin tätig. Die Arbeit macht mir insgesamt Spaß, insbesondere gefällt mir auch der "handwerkliche" Aspekt z.B. bei der Wundversorgung.

Die Weiterbildung in der Praxis sieht so aus, dass ich

mich bei Fragen während oder nach der Sprechzeit jederzeit an die Praxisinhaber wenden kann
ich 5 Fortbildungstage im Jahr frei bekomme


Es gibt allerdings keine weiteren Angebote zur Weiterbildung in der Praxis, z.B. keine regelmäßige Fallbesprechung interessanter Fälle oder gar eine praxisinterne Fortbildung.

Hausbesuche fahre ich ziemlich seit Beginn selber, ca. 10/Woche.
Wirkliches Feedback über meine Behandlungen in den ersten Monaten habe ich bisher noch nicht bekommen, außer dass bisher "alles gepasst hätte".

Nun sind das alles Dinge, die einen nach Nachtdiensten in der Inneren nicht schocken.
Mich stört allerdings, dass ich für die Inhaber durch die KV-Förderung eine nahezu kostenfreie Arbeitskraft bin und hierfür dann doch recht wenig Input zurückbekomme, ich also einfach "vor mich hin arbeite".

Daher würde ich gerne hören, wie Eure Weiterbildung aussieht, ob das der übliche Standard ist und welche Ideen ich noch einbringen/ggf. einfordern kann, um meine Weiterbildung zu verbessern.

Danke für Eure Antworten!

JAK1
10.11.2024, 16:08
Ich bin noch nicht so lange dabei wie du, allerdings ist bei mir auch wenig Supervision vorhanden. Bei mir wird sich auch vehement geweigert über apparative Diagnostik noch mal drüber zu schauen inklusive Sonographie. Es findet definitiv keine eins zu eins Betreuung statt. Bei uns gibt es zwar eine Besprechung, aber dort werden nicht nur Patienten Fälle besprochen, sondern auch organisatorisches. Es erinnert mich fast ein bisschen an die Klinik. Es ist insgesamt Learning by doing. Man werkelt halt so vor sich hin. Ich glaube, dass das leider in vielen Praxen gängiger Standard ist. Ich habe das Gefühl, zumindest das, was ich auch so von meinen Freunden höre, das Weiterbildungsassistenten häufig als billige Arbeitskräfte genutzt werden. Vielleicht könntest du beim Mitarbeitergespräch (ist ja auch im Lokbuch verpflichtend) noch mal dezidiert Feedback einfordern. Ich glaub es ist leider tatsächlich so, dass du dir viel selber beibringen müssen, beziehungsweise zum Beispiel online Fortbildungen machen musst, um voranzukommen.

Um genauer zu antworten, wäre es interessant, wenn du etwas zur Praxisstruktur erzählst (wie groß die Praxis ist, welches Spektrum abgedeckt, welche Untersuchungen ihr macht, wie viele andere Fachärzte da sind etc.)

Ich leide auf jeden Fall mit dir, da du deine Klinik Zeit ja schon hinter dir zu haben scheinst, ist es ja sowieso nicht mehr weit zum Facharzt.

ppmi
12.11.2024, 21:10
Also rückblickend auf meine WBZ muss ich sagen: Alles ganz normal und üblicher Standard. Man muss da aber sicher auch seine Erwartungen etwas normalisieren. In einer WB in den anderen klinischen Fächern gibts auch keine 1-1-Betreuung und an die Hand genommen wird man schon gar nicht. Letztendlich wird seitens der Weiterbilder gerechtfertigterweise erwartet, dass ein fortgeschrittene AA durchaus, 1) zum Selbststudum in der Lage ist und 2) zum praktischen Verständnis gezielt Nachfragen stellt.
Schlussendlich ist es auch oft einfach ein Kommunikationsproblem: In der Vorstellung der meisten Weiterbilder sind 99% der täglichen Arbeit derart übliche Routine, dass sie sich gar nicht vorstellen, dass man damit Schwierigkeiten haben könnte. Deswegen wird das dann auch nicht dererseits proaktiv angesprochen.

JAK1
13.11.2024, 06:30
Das Problem ist einfach die zunehmende Arbeitsverdichtung, immer neue Erkenntnisse, wirtschaftlicher Druck - sprich der Job wird immer schwerer. Auch, dass man so schwer an Facharzttermine kommt verdichtet natürlich die Allgemeinmedizin.

DrSkywalker
13.11.2024, 15:42
Die Bandbreite ist erstaunlich: Neulich hat hier jemand gepostet und gefragt, ich bekomme es nicht mehr ganz zusammen, ob es normal sei die Sprechstunde oft alleine zu machen und nur die Förderung ausbezahlt zu bekommen. Du bist jetzt unzufrieden, weil es dir nicht reicht, immer einen Ansprechpartner und 5 Tage FoBi-frei zu haben.

Kurz gesagt denke ich, du schildert den Normalzustand. Und man täusche sich nicht, Trotz Förderung kostne WBA durchaus Geld wenn man sie fair bezahlt, 36.000 Euro im Jahr sind als Kosten für den AG trotz Förderung realistisch.

JAK1
13.11.2024, 17:13
Naja einen Ansprechpartner zu haben ist halt gesetzlich vorgeschrieben. Sonst kann man keinen Facharztstandard gewährleisten. Der Weiterbilder macht damit trotzdem Profit egal ob durch Entlastung oder höhere Gewinne.

DrSkywalker
13.11.2024, 17:41
Naja einen Ansprechpartner zu haben ist halt gesetzlich vorgeschrieben. Sonst kann man keinen Facharztstandard gewährleisten. Der Weiterbilder macht damit trotzdem Profit egal ob durch Entlastung oder höhere Gewinne.

äh...ja. und nun?

random-squirrel-199
13.11.2024, 18:29
Erstmal danke für Eure Rückmeldungen.
Verglichen mit unerlaubten Weiterbildungsmodalitäten (Inhaber nie da, Förderung wird nicht ausbezahlt o.ä.) habe ich natürlich keinerlei Probleme. Mir fehlt trotzdem noch etwas fachlicher Input in meiner Weiterbildung.

Mein Vorschlag wird sein, dass ich monatlich eine kurze 10-min-FoBi zu aktuellen und/oder kontrovers diskutierten Themen im Sinne eines Journal Club vorbereite und mich und gleichzeitig das gesamte Team damit updaten kann. Denn interne Fortbildungen gibt es derzeit noch nicht.
Suche aber gerne noch nach weiteren Vorschlägen dieser Art.

JAK1
13.11.2024, 19:23
äh...ja. und nun?

Ist das offensichtlich also doch keine überzogene Forderung?

nina_0204
13.11.2024, 20:18
Hallo random-squirrel-199,

ich bin in einer ähnlichen Situation und weiß auch nicht wie ich darüber denken soll.

Bin jetzt seit 2 Monaten in einer hausärztlichen Weiterbildungspraxis und bekomme auch gar kein Feedback über das was ich so mache. Ich kann zwar auch zwischendurch bei Fragen zum Chef, aber das ist bei einer extrem vollen Praxis auch schwierig, und gerade kompliziertere Fälle können nicht wirklich zwischen Tür und Angel geklärt werden, aber zum Nachbesprechen fehlt die Zeit. In meinen Pausen bin ich ebenfalls auf Hausbesuch, also besteht auch da keine Zeit zum Besprechen und da meine Arbeitszeit = Sprechstundenzeit ist gibt sich auch sonst keine wirkliche Möglichkeit.
Ich hatte in der Klinik immer schon das Gefühl von etwas Supervision, es gab ja Oberarzt- oder Chefarztvisiten oder andere Kollegen, jetzt ist man schon ziemlich allein. Mein Chef meinte auch zu mir "Für alles was du hier tust bist du selbst verantwortlich" und das mag stimmen aber wozu ist man eigentlich Weiterbildungsassistent in der Praxis? Ich find die Situation auch irgendwie unbefriedigend und frag mich auch ob das so normal ist und so gewollt ist.
Zusätzlich dazu war ich auch schon an zwei Tagen halbzeit allein anwesend und bin auch für zwei volle Tage allein in der Praxis in den kommenden Wochen eingeteilt, auch hier wurde gesagt "Von der KV genehmigt, kannst ja anrufen, ist auch nichts anderes als Hintergrund im Krankenhaus". Irgendwie schwierig.

Relaxometrie
13.11.2024, 20:24
In meinen Pausen bin ich ebenfalls auf Hausbesuch
red flag



Arbeitszeit = Sprechstundenzeit
red flag



Mein Chef meinte auch zu mir "Für alles was du hier tust bist du selbst verantwortlich"
Inhaltlich zwar richtig, aber der Ton macht die Musik. Also auch: red flag



Zusätzlich dazu war ich auch schon an zwei Tagen halbzeit allein anwesend
red flag



bin auch für zwei volle Tage allein in der Praxis in den kommenden Wochen eingeteilt
red flag



"Von der KV genehmigt, kannst ja anrufen, ist auch nichts anderes als Hintergrund im Krankenhaus".
Hast Du das schriftlich? Wenn nein: red flag

random-squirrel-199
13.11.2024, 20:36
Liebe Nina,
Da würde ich mich dann schon nach einer anderen Praxis umsehen.
Pause ist Pause und kein Hausbesuch und auch die Sprechstundenzeit sollte nicht die gesamte Arbeitszeit umfassen. Wann dokumentierst Du denn oder beantwortest schriftliche Anfragen oder rufst Patient:innen bezüglich eines Labors oder MRTs zurück. Als Faustregel, so heißt es, gelte 4:1h, also je 4h Sprechstunde 1h zur Dokumentation/Abarbeitung anderer Dinge. Damit komme ich ganz gut zurecht. Auch die Aussage bezüglich der Verantwortung ist so ja erstmal falsch. Vielmehr arbeitest Du ja unter Supervision der weiterbildenden Person. Natürlich würdest Du aber bei grober Fahrlässigkeit haften. So jedenfalls mein Verständnis.
Gibt es so wenige Praxen im Umkreis bzw war die Stellensuche so schwer?

nina_0204
13.11.2024, 21:33
Ja, die Überlegung, sich nochmal neu zu orientieren ist auch da, Stellentechnisch ist es hier aber auch nicht leicht.
Zudem frag ich mich auch ob diese Arbeitsbedingungen vielleicht normal sind, zumindest diese fehlende Weiterbildung.
Vor Ablauf der Probezeit werd ich aber definitiv das Gespräch suchen, und diese 4:1 Regel find ich auch spannend, da ich eben genau für diese Dinge die du nennst momentan gar keine Zeit habe.

Chriman
15.11.2024, 00:23
36.000 Euro im Jahr sind als Kosten für den AG trotz Förderung realistisch.

Interessant. Wie ist deine Rechnung? Ich dachte bis auf die Lohnnebenkosten (AG-Anteil Versorgungswerk und Krankenversicherung etc) entstehen eigentlich keine Kosten.

ehem-user-19-05-2025-1430
15.11.2024, 07:54
@TE: finde die Situation eigentlich recht normal. Du hast 12-13 Jahre Abi gemacht, 6-7 Jahre studiert, vielleicht promoviert, wahrscheinlich mind. 3 Jahr ein der Klinik 60h-Wochen gefahren. Du bist eine hochausgebildete akademische Fachkraft (auch wenn der ein oder andere im forum jetzt gleich antwortet dass wir alle pfeifen sind). Da würde ich als Weiterbilder schon erwarten dass man in dem von dir skizzierten Setting arbeiten kann. 1 zu 1 Betreuung meinetwegen beim 14jährigen Lehrling in der 1. Woche oder bei der ersten Herz-Operation beim Kardiochirurgen aber in dem setting finde ich das ehrlich gesagt okay.

Wichtig finde ich eine win-win-Situation. Die Förderung ist schon sehr hoch, n fitter WBA kann 1000 Scheine machen im quartal. Sprich wichtig finde ich bei tariflohn vielleicht 10 Fobitage + eine 4-Tage-Woche, sowas. Dann wäre das Setting wie von dir gezeichnet allerdings meiner meinung nach total in ordnung.


Interessant. Wie ist deine Rechnung? Ich dachte bis auf die Lohnnebenkosten (AG-Anteil Versorgungswerk und Krankenversicherung etc) entstehen eigentlich keine Kosten.

6600 Gehalt nach Tarif 5. Jahr enstprechend mit den Lohnnebenkosten ca. 8100 Euro Lohnkosten,macht ca 96.000 Lohnkosten pro Jahr - 5400 Förderung*12 = 31.000 Euro kosten allein an Gehalt. Nun kommt aber theoretisch hinzu, dass man mehr Räumlichkeiten braucht, mehr MFAs, vielleicht gibt es Arbeitskleidung/Poloshirt, ne Hausbesuchstasche, Utensilien bla, also Kosten pro Arbeitsplatz ist nochmal höher als nur die Lohnnebenkosten des WBA. Im Gegenzug natürlich mehr Einnahmen.

Unterm Strich muss es sich für den niedergelassenen Hausarzt finanziell lohnen sonst würde sich der Aufwand ja nicht lohnen. Gibt ja auch Risiko dass der WBA ne Pfeife ist, schwanger wird, sich krank meldet 4 mal im Jahr für 5 Wochen usw. Also finde es etwas naiv zu denken, der Weiterbilder muss auf 0 rauskommen, natürlich will er was von seinem Aufwand. Das ganze nennt sich übrigens Kapitalismus ;)

annekii
15.11.2024, 10:03
Ich bin niedergelassen und weiterbildungsermächtigt, wir haben seit Jahren immer wieder AÄ bei uns. Daher lese ich diese Beiträge auch gerne, um die andere Seite zu sehen. Manchmal reißt es einen ganz schön runter, was gewünscht ist, weil es gar nicht zu leisten ist.

Wir sind eine BAG mit 2x 0,5 Kassensitz, leben also zu zweit von einer pädiatrischen Praxis. Wir können es uns nicht leisten, mehr als die Förderung auszuzahlen, denn die Lohnnebenkosten tragen wir schon zusätzlich und Weihnachtsgeld zahlen wir auch noch drauf. Mehr geht einfach nicht.

Wir haben keinerlei Angebote in der Praxis für konkrete Themen, sondern es passiert alles im Prozess. Wir arbeiten vermutlich lange ein, ist abhängig von der jeweiligen Person. Also erstmal alles mitlaufen, dann beginnen mit Mitschreiben und Rezepte drucken und Co, um die Technik zu beherrschen, dann umgekehrt, also AÄ behandelt, ich schreibe mit.
Nächster Schritt ist die Akutsprechstunde, sie nimmt den übernächsten Pat. und ich mache den nächsten. Wenn ich fertig bin, komme ich hinterher, wir klären, was offen ist, ich signiere ggf. und ziehe weiter, sie wieder den übernächsten. So haben wir sicher die ersten 1-3 Monate verbracht. Wenn Allg.ärzte da waren, dann manchmal auch nur 3 Monate, da war es immer mit Kontrolle. Bei den Vorsorgen sind wir länger zusammen, anfangs viel mit dabei sein, dann Teilaufgaben übernehmen, die man sofort anleiten oder korrigieren kann, dann die ganze in Anwesenheit. Danach dann alleine, aber noch so im Kalender geplant, dass ich alles andere mache und sie nur das eine.
Erst wenn das läuft, dann alleine und nur ggf. Rücksprache. Wir sind immer anwesend, sie ist nie alleine. Das wäre ggf. kurzzeitig im letzten WBJ für uns denkbar, aber bisher noch nicht vorgekommen.

Wir sind aber dann im Verlauf so viel geplant, dass wir es alleine nicht schaffen würden, sondern dann auch U-Termine absagen/verlegen müssen. Aber wann das ist, machen wir davon abhängig, ob die Behandlung so läuft, wie wir sie für unsere Praxis wollen. Das ist unser Baby mit unserem Standard, den wollen wir behalten.

Besondere Themen besprechen wir, wenn es vorkommt. Also sowas wie Neurodermitis, Asthma, usw. Die Sachen kommen halt so oft vor, dass es sich dann eh ergibt. Am Anfang ist es viel, später halt weniger.

Also nein, wir haben keine Zeiten für Weiterbildung in dem Sinne, machen alles im Fluss, aber haben bisher keine neg. Rückmeldungen erhalten. Wir sind jetzt bei der 4. AÄ, aber erst die 2. pädiatrische, die anderen waren Allg.med.

Relaxometrie
15.11.2024, 11:06
@annekii: Die Einarbeitung für Eure Weiterbildungsassistenten klingt genauso super/ liebevoll/ konstruktiv, wie Euer Umgang mit den Patienten.

@OP: Mir geht es in der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin sehr ähnlich wie Dir. Ich habe auch den Eindruck, dass ich mich viel alleine durchkämpfe und hätte gerne mehr Zeit, Fälle mit den Weiterbildern zu besprechen. Allerdings sehe ich auch, wie diese (Gemeinschaftspraxis mit drei Inhabern) im Dreieck titschen, um den massenhaften Anforderungen (Patientenversorgung, Bürokratie, Betriebsführung, KV-Dienste) gerecht zu werden.

Was ich tatsächlich selten mache, obwohl ich es selbst nicht gut finde, aber ich sehe keine andere Lösung: bei kurzen Fragen, deren Beantwortung dann direkt dazu führt, dass ich für einen Patienten ein sinnvolles Procedere verfolgen kann, frage ich die Chefs während ihrer laufenden Behandlung. Wenn ich also vor deren Sprechzimmer warte und es zu lange dauert, bis sie mit dem aktuellen Patienten fertig sind, klopfe ich an und gehe ins Zimmer. Das kommt 0-2x/ Tag vor, im Durchschnitt würde ich sagen, 2x/ Woche.
Das führt dann manchmal, besonders bei dem einen extrem weiterbildungsaffinen Kollegen, dazu, dass er mich in seine aktuelle Behandlung einbindet und mich erstmal dem Patienten vorstellt und mir dann den Fall erläutert. Kann manchmal 10 min dauern, bis ich meine Frage stellen kann und natürlich sitze ich innerlich auf heißen Kohlen, weil ich dann ja zu meinem Patienten zurück gehen möchte. Aber inzwischen sage ich mir, dass ich von diesen Lerneinheiten profitieren kann und nutze sie. Zurück bei meinem Patienten entschuldige ich mich kurz, dass es länger gedauert hat und bisher waren alle verständnisvoll. Wenn ich denen sage, dass ich für meine Frage bzgl. ihres Falls bei Herrn xxx (alteingesessener Chef) gelandet bin, freuen sich alle, die ihn kennen und bedanken sich noch, dass ich mir die Mühe gemacht habe. Natürlich hechele ich dann meinem Zeitplan hinterher, was doof ist.
Wenn man sich bei dem ein oder anderen Patienten mehr Zeit nimmt, zahlt man es sofort mit Überstunden oder hofft, dass ein anderer Patient an dem Tag ausfällt, oder mal nur ein kurzes Problem schildert und man Zeit einholt. Letztlich ist die Arbeitsdichte maligne.

HeleneeneleH
15.11.2024, 11:29
@annekii: wow. Das klingt nach einer sehr guten, durchdachten Einarbeitung.
So wünscht man sich das als WBA!
Klar würde man sich (wer tut das nicht) auch über mehr Geld als die KV Förderung freuen, kenne aber ehrlicherweise kaum jemanden, der mehr als die Förderung kriegt.

Ich bin auch WBA in einer kleinen Praxis mit einem FA=Chef, allerdings erst im 1. Wb-Jahr, hatte eine sehr gute Einarbeitung (ca. 2 Monate mitgelaufen, gute Betreuung, jedes Sono wurde vom Chef in meinem Beisein wiederholt etc.). Ging dann aber leider doch auch recht schnell in Richtung Patient für Patient abarbeiten, Rückfragen sind aber jederzeit möglich und haben auch Vorrang (werde also nicht vertröstet). Leider muss ich dafür auch meist in die Sprechstunde vom Chef platzen, das ist immer unangenehm finde ich, für alle, auch den Patienten. Haus- und Heimbesuche sind meistens meine Aufgabe, das, naja. Würde ich mir anders wünschen.
Fobi-Tage, mehr Geld (bei meinem Wissensstand aber nicht angebracht, finde ich) usw, wäre nice to have, aber absolut nicht die Realität.
Is' schon okay. Auf Dauer doch auch Fließbandähnliche Arbeit ohne wirkliche Weiterbildung kann dann auch nerven.

Scheint ja bei den Stimmen hier eher so üblich zu sein und alles andere eher Ausnahme.

annekii
15.11.2024, 11:58
Ja, geht uns auch so, es gibt einfach keine gute Lösung für die Fragen zwischendurch. Sie kommen rein, dann ergibt sich, dass ich entweder gleich ihnen antworte oder sie erst warten, bis ich einen Teil fertig habe und dann wird es geklärt. Ist aber auch gut akzeptiert bei den Pat, denke ich. Die, die bei mir sind, sehen, dass die AÄ bei Fragen kommt und willkommen ist, sind sich dann bei späterer Behandlung bei ihr auch sicher. Und die, die von ihr behandelt werden, sehen auch, dass sie zeitnah eine vollständige Behandlung bekommen.
Manchmal geh ich dann nach meinem Pat. noch rüber, wenn es nötig ist, dann muss halt auch immer jemand warten, aber in der Gesamtheit ist es irgendwie dann machbar.

@Relaxo: ich muss lächeln, wenn ich deine Schilderung mit dem Kollegen lese, ist ja eigentlich total nett und süß. Und ja, genau dann an einem Fall lernt man es halt auch anders als aus dem Buch oder einer theoretischen Besprechung.

Chriman
15.11.2024, 22:12
6600 Gehalt nach Tarif 5. Jahr enstprechend mit den Lohnnebenkosten ca. 8100 Euro Lohnkosten,macht ca 96.000 Lohnkosten pro Jahr - 5400 Förderung*12 = 31.000 Euro kosten allein an Gehalt. Nun kommt aber theoretisch hinzu, dass man mehr Räumlichkeiten braucht, mehr MFAs, vielleicht gibt es Arbeitskleidung/Poloshirt, ne Hausbesuchstasche, Utensilien bla, also Kosten pro Arbeitsplatz ist nochmal höher als nur die Lohnnebenkosten des WBA. Im Gegenzug natürlich mehr Einnahmen.

Unterm Strich muss es sich für den niedergelassenen Hausarzt finanziell lohnen sonst würde sich der Aufwand ja nicht lohnen. Gibt ja auch Risiko dass der WBA ne Pfeife ist, schwanger wird, sich krank meldet 4 mal im Jahr für 5 Wochen usw. Also finde es etwas naiv zu denken, der Weiterbilder muss auf 0 rauskommen, natürlich will er was von seinem Aufwand. Das ganze nennt sich übrigens Kapitalismus ;)

Boah ey, 31k!!!!
Mindestenslohn aktuell für jede
unqualifizierte Arbeitskraft in Vollzeit= jeder Mensch der nüchtern und nicht einschlägig vorbestraft ist beträgt 12,82*40*12= 26665,6€
Auch ich habe nichts gegen Kapitalismus- aber wenn ich für einen WBA in Vollzeit weniger als 5k mehr per anno als für****** alle anderen bezahle ist das ein überschaubarer finanzieller Aufwand.