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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dinge, die man im Studium meist nie lernt, aber trotzdem können muss!!!



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Muriel
16.09.2006, 11:06
Ich kann jedenfalls nur sagen, dass ich Pünktchens Threads wie z.B. diese Konsilgeschichte usw. interessant finde. Gerade wenn man Berufsanfänger ist, stellen sich nun mal viele Fragen, die man als Student nicht hat oder eben nach 3 Jahren vielleicht auch nicht mehr. Sich dann auszutauschen "Wie läuft das bei Euch?" Oder "Geht es Euch genauso?" finde ich gut und wichtig. Wen es nicht interessiert, muss es ja nicht lesen. So, ich bitte um Weitermachen,
Muriel :-)

scope
16.09.2006, 12:08
Warum sollten wir sowas auch können? Reicht doch, wenn wir einem Pat "Physiotherapie" verordnen. Dafür gibt's dann Physiotherapeuten, die wissen, was man am besten mit den Patienten macht. ;-)

So wäre das auch in Ordnung. Nur kriegt man ganz oft ärztliche Verordnungen wie "Schlingentisch" oder "MTT". Und wenn ein Arzt so etwas verordnet sollte er auch wissen was es dem Patienten bringt bzw. welche Möglichkeiten die Geräte und Techniken haben.

mfg scope

0815doc
16.09.2006, 21:14
Viel interessanter finde ich, was die meisten nach dem Studium verlernen!
Da holt man für jeden Quatsch einen Konsilarzt (ok, rechtliche Absicherung...blabla...), auf dem Antrag steht aber nur eine Abkürzung und "bitte um Mitbeurteilung" - der Kollege freut sich!
Man führt sich sobald man den "Dr.med." hat auf wie die Axt im Wald (Erklärungen an den Famulus? Nö, wozu? Ich wusste das damals schließelich ALLES SCHON!)...
solch Sachen halt

Meridion
18.03.2012, 16:35
Also die ungeschlagene Nummer 1 ist doch:

- Bett in externem Haus organisieren.

...nöööl, nööööl, nöööööl....
"Ja Franz Pfistus Klinikum Brimswegen Pforte Maier Hallo"
"Psychiatrisches Wiesenkrankenhaus Waldwimmern Station 3 Moltke, ich hätt gern den internistischen Aufnahmearzt gesprochen"
"Ja ich verbinde"
...nööööl, nööööl, nöööl....
"Schwester Sirgrid!"
"Ja äh, psychiatrisches wiesenkrankenhaus waldwimmern station 3 moltke, ich hätt gern den internistischen Aufnahmearzt gesprochen"
"Ja. ich bin die Ambulanz. Hilde, ist beim Dokter belegt? - Wer ischn dran? - Son Psychiater, der will de Dokter... *gekruschdel* Ja da geht grad niemand ran."
"Äh, es geht um eine Verlegung."
"Ja müsse sie nochmal probieren."
"Ja, es wär aber eher dringlich."

*Im Nebenraum poltert die Omi mit dem Krea von 4,8 und dem Kalium von 6,2, Einweisungsdiagnose 'Wahnhafte Depression', Nebendiagnose 'V.a. Gastroenteritis mit Erbrechen', frisch aus dem Pflegeheim, und erzählt der armen Schwesternschülerein schwammig irgendwas, dass erheblich unter einer mangelhaften Lautstärkemodulation leidet. Sekunden später wird der Redeschwall vom Brechschwall unterbrochen*

"*ein seufzen* Ja warte sie, ich probiers nochmal."
30 Sekunden später
"Ja Meyer"
"Spreche ich mit dem internistischen Aufnahmearzt"
"Ja"
"Ich hätte hier eine Pat., 87 jahre, die ich grade aufgenommen habe, bei der aber wohl die internistische Problematik momentan im Vordergrund steht, die würd ich gern heimatnah verlegen, und..."
"Was hat die?"
"Naja, übergeben wurde sie mit ner wahnhaften Depression (ca. ne halbe Minute Patientenvorstellung)"
"Ist die ruhig?"

*Ich höre einen Moment in mich hinein und versuche dem Teufel der mich zum 'ja' verführt zu widerstehen, scheitere aber knapp*

"Naja, ne akute Fremd- oder Eigengefährdung liegt grade nicht vor. Wenn sie aufsteht würd sie wohl umfallen" *poltern aus dem Nebenraum mit der Schwesternschülerin*

*Eine Sekunde zu langes Warten, aber eine Sekunde zu wenig um glaubwürdig zu sein*

"Ja ne ich hab grad nochmal geschaut, wir haben leider keine Überwachungsbetten"
"*zähneknirschen* Ok, danke..."

-> Gespräch wiederholt sich dreimal, dreimal 10 Minuten Dudelmusik, osteuropäische Pförtnerinnen und Ambulanzärzte über deren Leiche allein psychiatrische Patienten die Türschwelle überschreiten. Dann hab ich die Schnauze voll.

"Universitätsklinikum Pforte Innere Medizin"
"(das übliche Bla bla)"
"Ambulanz Schmitt"
"Ich schicke euch ne 87-jährige Pat. mit V.a. exsikosebedingtes akutes Nierenversagen, die kommt mit dem Rettungswagen"
"Ist die fit?"
"Nein"
"ok"
"ok"

Darauf bereitet einen in der Uni kein Mensch vor.

Feuerblick
18.03.2012, 16:41
Und nie, nie, niemals die Diagnose nennen, die den Patienten in die eigene Fachabteilung geführt hat. IMMER nur das nennen, was für den übernehmenden Doc von immenser Wichtigkeit sein könnte :-)) (Umgekehrt natürlich bei so einer Patientenvorstellung hellhörig werden, denn sonst ist man selbst das Turf-Opfer...)

Muriel
18.03.2012, 20:03
GsD sind wir Schamanen ja nicht so der erste Zielort gemeiner Turfaktionen ;-) Alle von mir aufgenommenen von anderen Fachabteilungen geturften Patienten waren dann auch zu Recht bei mir. Allerdings wurde mir mehrfach trotz eindeutiger Indikation die Verlegung verwehrt, so dass ich das auf eine Ebene höher abgeben habe (frische retinale arterielle Embolie mit nem RR 270/130 und VHF, nicht marcumarisiert oder die Patientin, deren Cataract (!) vordringlicher behandlungsbedürftig angesehen wurde als die frische Lungenembolie...)

surfsmurf
19.03.2012, 06:06
Stuhlregulation oder: Wie bring ich sie zum Sch*%"çen. Das einzige, was ich dazu im Studium gehört hab, war in Termi im 1. Semester, wo der Assistent meinte: "Bring ne Omi zurück ins Leben nach nem Herzinfarkt, und Du bist der Retter. Bring ne Omi zum Sch*%"çen, wenns nicht mehr klappt, und Du bist Gott. Stuhlgang ist der Sex des Alterns." Vielleicht habe ich auch nur die Vorlesung verpasst....

P.S. @Meridion: :-top

MissGarfield83
19.03.2012, 06:16
Mit Gastrografin führst du sie alle ab. ( CAVE : im akuten Ileus ists ungünstig ;) )

WackenDoc
19.03.2012, 10:18
Meine Favoriten waren:
-Wie lange schreib ich jemanden krank (im ambulanten Bereich)
-Wann genau sollen die Fäden raus
-Ob und wann Röntgenverlaufskontrollen (ja, liebe Unfallchirurgen: Schreibt das bitte mit auf eure Berichte drauf)
-Wann darf ein unfallchirurgischer Patient wie belasten.
- Nachbehandlung von Sinus pilonidales und fiese Wunden.

Stephan0815
19.03.2012, 16:34
Was genau ist ein "Turf-Opfer"? 2 Sekunden wikipedia haben keinen Aufschluss ergeben.

Miss_H
19.03.2012, 16:39
Was genau ist ein "Turf-Opfer"? 2 Sekunden wikipedia haben keinen Aufschluss ergeben.

To turf (verb: to find any excuse to refer a patient to a different department or team) (http://en.wikipedia.org/wiki/The_House_of_God)

THawk
19.03.2012, 16:42
Ein Turf-Opfer ist
a) der Arzt, der sich einen unliebsamen Patienten von einem Kollegen einer anderen Fachrichtung hat andrehen lassen und ihn wahrscheinlich nicht mehr so schnell wieder los wird oder
b) eben jener Patient, der dadurch vielleicht eine schlechtere Behandlung erhält.

Beide sind gekniffen.

DrSkywalker
19.03.2012, 17:33
Was genau ist ein "Turf-Opfer"? 2 Sekunden wikipedia haben keinen Aufschluss ergeben.

Ein Turf-Opfer ist jemand, der anderen unfreiwillig, manchmal auch unbewusst, Arbeit abnimmt. Im Normalfall sollte dieser Jemand mindestens Mitglied einer anderen Abteilung, besser noch einer anderen Klinik sein. Besonders viele Turf-Opfer finden sich unter Internisten und Psychiatern. Selten zu finden sind Turf-Opfer unter Pathologen und Gerichtsmedizinern.

MissGarfield83
19.03.2012, 17:44
Selten zu finden sind Turf-Opfer unter Pathologen und Gerichtsmedizinern. Obwohl sie den einzigen Turf haben den sie nicht ablehnen dürfen - den last turf before cementery. ;)

DrSkywalker
19.03.2012, 17:47
Obwohl sie den einzigen Turf haben den sie nicht ablehnen dürfen - den last turf before cementery. ;)

Wer absichtlich dahin turft muss damit rechnen, dass dem Geturfe auf die Schliche gekommen wird. Das ist wird dann unschön. Deshalb macht das auch keiner (den ich kenne). :eek:

Stephan0815
19.03.2012, 19:27
Ah, danke. Muss gestehen, daß ich House of God nicht gelesen habe, offenbar eine Bildungslücke... Das Abwälzen von unliebsamen Patienten auf Kollegen, ist mir von Famulaturen bekannt (unter anderem aus einer Notaufnahme), nur der "Fachbegriff" war mir nicht geläufig.
Das geht übrigens auch umgekehrt - also daß man den unliebsamen Patienten dem ursprünglichen Kollegen wieder auf den Hals hetzt. Bestimmt gibts dafür dann auch nen Fachbegriff auf Schlau?

Nemesisthe2nd
19.03.2012, 19:40
returf... jetzt gehts aber an die hohe kunst... der andere ist ja schließlich vorgewarnt und wird den gomer den er mühsam losgeworden ist nicht einfach so zurücknehmen...

dazu ist dann die orthopädische oder neurochirurgische fallhöhe empfehlenswert... natürliche nur aus der inneren... aber bei house of god gehts ja ums internship...

WackenDoc
19.03.2012, 20:34
@Stephan: Die 10 Regel des House of God kennste aber, oder? Ist zwar nicht zu 100% übertragbar, aber es ist einiges an Wahrheit drin.

MissGarfield83
19.03.2012, 20:51
Wie hier (wikipedia) (http://de.wikipedia.org/wiki/House_of_God) nachzulesen ist :

Gomers sterben nicht.
Gomers gehen zu Boden.
Bei Herzstillstand zuerst den eigenen Puls fühlen.
Der Patient ist derjenige, der krank ist.
Zuerst an Verlegung denken.
Es gibt keine Körperhöhle, die nicht mit einer 14er Kanüle und einem sicheren, starken Arm erreicht werden kann.
Alter + Serum-Harnstoff = Lasix (http://de.wikipedia.org/wiki/Lasix)dosis (http://de.wikipedia.org/wiki/Dosis).
Sie können dich immer noch mehr quälen.
Die einzige gute Aufnahme ist eine tote Aufnahme.
Wenn Du keine Temperatur misst, stellst Du auch kein Fieber fest.
Zeige mir einen PJler (http://de.wikipedia.org/wiki/Studium_der_Medizin#Praktisches_Jahr) (in der deutschen Buchausgabe heißt es eigentlich: Student der BMS), der meine Arbeit nur verdreifacht, und ich werde ihm die Füße küssen.
Wenn ein Radiologe, der sich noch in der Facharztausbildung befindet (in der deutschen Buchausgabe heißt es eigentlich: "Radiologie-Resident"), und ein PJler auf einer Thoraxaufnahme (http://de.wikipedia.org/wiki/Thorax) etwas Auffälliges sehen, kann dort nichts Auffälliges sein.
Die beste ärztliche Betreuung besteht darin, so wenig wie möglich zu tun, davon aber reichlich

wjsl
19.03.2012, 22:31
Das Wichtigste ist wohl zu lernen, nebenbei echte Erholungsmöglichkeiten zu finden, schnell regenerieren zu können, und in hektischen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Seine Nerven und seine Psyche im Griff zu haben. An der Uni ist es egal, wenn man es nicht kann, aber selbst im PJ wird einem langsam klar, dass man ohne diese "innere Ruhe" niemals lang durchhalten können wird.

Wie ist es euch beim Einstieg eigentlich damit gegangen?