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Rico
23.03.2005, 16:09
Unsere Aufgewachten wurden auch befragt und es ist erschreckend, wieviel diese mitbekommen haben. Soviel dazu!Wieso ist das erschreckend, wenn die was mitbekommen?

DoktorW
23.03.2005, 16:22
es ist erschreckend dass sie was mitbekommen!!!!

eatpigsbarf
23.03.2005, 16:27
Ich stimme da auch komplett Rico zu...
Und ich wuerde mal anmerken, dass 3 Jahre appallisches Syndrom doch was anderes sind als nun 15 Jahre.
Und selbstverstaendlich kannst Du nicht irgendeinen "komatoesen" Patienten von der Intensivstation mit jemandem vergleichen, dessen Hirn wirklich zum Grossteil durch zu langen Sauerstoffmangel geschaedigt ist, dass sozusagen nur noch die Stammhirnfunktionen funktionieren.
Auch steht hier immernoch die Aussage des Mannes (und niemand hier von uns kann sagen und beurteilen, wie selbstlos -oder eben nicht- diese Aussage von ihm zu bewerten ist), dass seine Frau nicht so leben wollte!
Auch muss man ganz klar bedenken, wie tief religioes die Eltern von Terry Schiavo sind. Da kann ich dann ja genauso argumentieren, dass sie nur aus religioesen Gruenden nicht wollen, dass ihre Tochter endlich -eben nach 15 Jahren (!)- die Chance bekommt zu sterben.
Ich denke mal, es wird schon seine Gruende haben (die wir hier ja gar nicht in allen Einzelheiten mitbekommen und auch im amerikanischen Internet sind sie nicht wirklich leicht zu finden), dass in den letzten 7 Jahren Gerichtsverhandlungen alle Richter fuer das Anliegen des Ehemannes geurteilt haben...

Ich habe selber uebrigens hier in Deutschland erlebt (ist jetzt ca. 3-4 Jahre her), dass bei 3 Patienten auch die kuenstliche Ernaehrung abgesetzt wurde, weil sie, bevor sie "appallisch wurden" auch gesagt haben, sie moechten so nicht leben (2 davon hatten keine Patientenverfuegung unterzeichnet, aber in Beisein von Angehoerigen auch eine muendliche Aussage getroffen). Auch da gab es mehrere Gerichtsverhandlungen (zogen sich auch ueber Monate hin) und letztendlich wurden die Geraete abgeschaltet und ca. 7-8 Tage spaeter kam dann der Tod (uebrigens viel friedlicher als ich das bei mehreren Krebspatienten gesehen habe).

Rico
23.03.2005, 16:29
Schön und gut, ich mache da andere praktische (!!) Erfahrungen.... unter anderem das auch jemand "typisch apallisches Syndrom" nach 3 Jahren gehend die Station verlassen hat..Nichts gegen "praktische (!!) Erfahrungen," aber Du darfst Einzelfälle nicht zum Regelfall hochstilisieren.
Du findest für jede Situation und jeden Fall garantiert irgendwo einen Einzellfall, der die entsprechende These bestätigt oder widerlegt. Deshalb haben Einzelfallbeschreibungen (zu recht) praktisch kein Gewicht bei der Erstellung von Leitlinien.
Wer auf dem immer wieder zitierten "Es gibt nichts, was es nicht gibt in der Medizin" rumreitet, der kann kann eigentlich keine sinnvolle medizinische Handlung vornehmen, denn er muß ja immer den einen Fall berücksichtigen, bei dem es dann doch anders ist, als es in den restlichen 99,99999% ist.

Da muß man pragmatisch sein und sagen "häufiges ist häufig," sonst kann man gleich daheim bleiben. :-meinung

Mag eine Ausnahme sein, aber ich vergleiche diese Menschen trotz toller Lehrmeinungen nicht mit Hirntoten.Ich auch nicht. Das Beispiel sollte bloß verdeutlichen, daß das Vorhandensein von vegetativen Reflexen in keinem kausalen Zusammenhang mit dem Vorhandensein von einem Bewußtsein stehen muß und daß man von dem Vorhandensein des einen nicht auf das andere schließen darf.

Natürlich kann es auch mal jemanden geben, der noch ein erhaltenes Bewußtsein hat und der gleichzeitig vegetative Reflexe zeigt. Letzteres ist sogar sehr wahrscheinlich, da die veg. Reflexe ja auch ein völliges Versagen des Bewußtseins überstehen.

Das ist wie als wolltest Du bei einem Haus aus dem Vorhandensein eines Kellers auf den Zustand des Dachstuhls schließen - und das geht einfach nicht.

Das "vegetative" Nervensystem heißt ja extra so, weil es eben nicht unter der Kontrolle des Bewußtseins steht.
Kein Mensch auf der Welt kann seinen Herzschlag willentlich beeinflussen oder seine Darmperistatik.

eatpigsbarf
23.03.2005, 16:34
Was mich uebrigens auch ein bisschen stoert an den Nachrichten, ist eben, dass man, wie ja auch schon vorher von anderen angemerkt, nicht von Aerzten zu hoeren bekommt. Mich wuerden z.B. EEGs interessieren, denn daraus kann man ja schon einiges an ihren (vielleicht ja tatsaechlich vorhandenden) Reaktionen ableiten. Warum hoert man davon nichts? Denn sowas kann ja bestimmt auch vor Gericht von den Eltern mit als Beweis angefuehrt werden.
Ich bin wohl genauso wie jeder andere dagegen, einen sich nicht wehren-koennenden Menschen, der noch viel von der Umwelt mitbekommt, seinem toedlichen Schicksal zu ueberlassen. Aber ich kriege so von den Nachrichten den Eindruck, dass bei ihr eben ausser ihren Stammhirnfunktionen, die das Herz schlagen und die Lungen atmen lassen (mal ganz banal gesagt) nicht mehr viel vom Gehirn noch Signale aussendet und erhaelt. Denn warum wie gesagt entschieden denn jetzt soviele Richter gegen ihr Leben? Irgendwie macht mich das ein bisschen stutzig...

Antiheld
23.03.2005, 16:43
Ich habe selber uebrigens hier in Deutschland erlebt (ist jetzt ca. 3-4 Jahre her), dass bei 3 Patienten auch die kuenstliche Ernaehrung abgesetzt wurde, weil sie, bevor sie "appallisch wurden" auch gesagt haben, sie moechten so nicht leben (2 davon hatten keine Patientenverfuegung unterzeichnet, aber in Beisein von Angehoerigen auch eine muendliche Aussage getroffen).

Das Problem ist nur immer, dass man nie weiß, wie sich die Personen jetzt, den veränderten Umständen angepasst entscheiden würden, sondern nur wie sie sich entschieden hätten, solange sie gesund waren.

Dr.Nemo
23.03.2005, 17:23
Wieso ist das erschreckend, wenn die was mitbekommen?

Weil es um belanglose Gespräche ging, die man am Pflegebett geführt hat.. Privates halt :o))
Weil sie meinten, beim Transfer in den Rollstuhl sollen wir doch nicht immer am Hosenbund ziehen und vor allem mehr aufpassen, das die Haare nirgends eingeklemmt werden..
Erschreckend war in dem Zusammenhang, wie unnachsichtig man mit der Zeit wird..
;-)

Dr.Nemo
23.03.2005, 17:39
Das Problem ist nur immer, dass man nie weiß, wie sich die Personen jetzt, den veränderten Umständen angepasst entscheiden würden, sondern nur wie sie sich entschieden hätten, solange sie gesund waren.

:-dafür


Naja, um weitere Diskussionen abzubrechen, mein 2.Semesterstand bietet mir nicht die medizinischen Fakten und Theoriehintergründe, wie ihr / du (Rico) sie habt.. :-oopss
Vielleicht kann ich ja in ein paar Jahren mehr dazu sagen,.. für mich sind das halt meine "Schäfchen" seit 2 Jahren und ich kenne sie nicht so wie sie "früher" einmal waren. Als Schwester bin ich glücklich über jeden kleinen Fortschritt den ich bewirke, wie ich später dann als Ärztin denke und handel, das kann ich noch nicht sagen..
Aber irgendwas streubt sich doch in mir, Menschen verhungern zu lassen..

So, Finish, ich möcht die Sonne geniessen :-winky
:-party

Anma
23.03.2005, 17:50
Ich finde dies ist die unmenschlichste aller Varianten. Es gibt ja zwei Optionen bzw. zwei Große Seiten, aber für jede von denen stellt sich mir die nun gefallene Entscheidung als die schlechteste von allen dar.



1. Möglichkeit: sie "bekommt noch etwas mit" wie man so schön sagt, es existiert also ein Bewußtsein oder um es anders auszudrücken, sie ist nicht nur körperlich sondern auch geistig noch am leben
Für jeden der daran glaubt verbietet sich ja nun die "Verhungern"-Option sowieso.



2. Möglichkeit: sie ist tot, einzig der Körper und seine Organe gehen noch mehr oder minder effizient ihrer Tätigkeit nach, es gibt kein Bewußtsein mehr nur noch ein paar vegetative Reflexe und Regulationen etc.
Für die Anhänger dieser Theorie muss dies doch wie ein makaberes und sadistisches Spiel anmuten. Anstatt die Geräte abzustellen läßt man den Körper nun langsam verkommen, ungeachtet der (meiner Meinung nach vor allem seelischen) Belastung der Pflegenden, deren Berufstraum sich sicher nicht mit der Beobachtung eines Hungertodes erfüllt.


Alles in Allem empfinde ich die nun von offiziellen Stellen gefundene Möglichkeit als die grausamste und unlogischste von allen.

ehec
23.03.2005, 18:04
ist nur die frage, welche geraete du bei fr. schiavo abstellen wollen wuerdest... ich glaube, ausser der peg hat die gar nichts mehr an sich rumbaumeln.


und im uebrigen: wenn sich jemand zu lebzeiten dafuer entschieden hat, dass er nicht geistig schwer behindert (oder auch hirntot meinetwegen) leben moechte - diesen wunsch muss man respektieren. zu einem trauma bei den pflegenden wird dies sicher nicht fuehren.


ehec.

Smibo
23.03.2005, 18:24
Ich hab mir das ja nicht selber per Ferndiagnose ausgedacht, sondern folge den ärztlichen Gutachtern, die Terri Schiavo persönlich untersucht haben.
Naja... toll. Vegetative Reflexe sind ja so ziemlich das basalste, was unser Organismus zu bieten hat. Wenn ich nen Hirntoten auf einen Kipptisch lege, dann krieg ich da auch noch "Reaktionen auf ein Geschehen."
Eine Herzfrequenzerhöhung oder Sekretionszunahme sagt mir aber nix darüber, ob dieser Mensch etwas wahrnimmt oder mitbekommt.
Zumal ich derzeit von mir behaupten würde, daß ich ein gesunder und mir selbst vollkommen bewußter Mensch bin, aber über den Zustand meiner Bronchialsekretion könnte ich gar keine Angaben machen, weil das das Gehirn ja schon beim Gesunden nicht an das Bewußtsein meldet.
Das sind ja zwei paar Schuhe.
Außerdem kann man Intensivpatienten hinterher ja fragen, weswegen das nicht so eine philosophische Diskussion wird.


Kann irgend ein Mensch, mit medizinischem Studium, zu 100% feststellen, dass der Patient nie wieder von seinem Koma erwachen und nie wieder Bewustsein erlangen wird?

Ich finde es nur dreist arrogant zu behaupten, die Medizin sei heute so fortschrittlich, dass man diese komplexen Vorgänge bei einem Wachkomapatienten verstehen kann.

Solange die Frau selbständig atmet und diese wenigen Reflexe aufweist sollte man sie nicht aufgeben. Hier hab ich nen Artikel, wo eine Frau aus einem 20jährigen Wachkoma wieder erwacht ist. Welcher Mister Superarzt kann sich das nun erklären?

Diese Aktionen in den USA gegen das Leben der Frau sind legalisierter Mord an einen wehrlosen und diejenigen, die dies ja noch so toll finden stehen grad zu einem Mord.


USA: Frau lag zwanzig Jahre im Koma - Plötzliche Genesung
Sarah Scantlin, die heute 38-Jährige, die vor 20 Jahren von einem betrunkenen Autofahrer angefahren wurde und seitdem im Wachkoma lag, redet plötzlich wieder. Außerdem kann sie sich an Leute und ihr Leben erinnern.

In einer Therapiestunde fing Sarah plötzlich an zu reden. Sie rief ihre Mutter an und sagte: 'Hi Mum'. Die Mutter reagierte ungläubig. Auch die Ärzte haben keine Anhaltspunkte, wieso sich der Gesundheitszustand so dramatisch verbesserte.

Seit sie vor zwanzig Jahren angefahren wurde, konnte sie nicht mehr reden, auch wenn sie ihre Umgebung wahrnahm, so der Vater.

Quelle: http://shortnews.stern.de/start_ppp.cfm?id=559541&free_id=1&rubrik1=Regionen&newsticker=1

Rico
23.03.2005, 18:56
Kann irgend ein Mensch, mit medizinischem Studium, zu 100% feststellen, dass der Patient nie wieder von seinem Koma erwachen und nie wieder Bewustsein erlangen wird?

Ich finde es nur dreist arrogant zu behaupten, die Medizin sei heute so fortschrittlich, dass man diese komplexen Vorgänge bei einem Wachkomapatienten verstehen kann.

Solange die Frau selbständig atmet und diese wenigen Reflexe aufweist sollte man sie nicht aufgeben. Hier hab ich nen Artikel, wo eine Frau aus einem 20jährigen Wachkoma wieder erwacht ist. Welcher Mister Superarzt kann sich das nun erklären? Hier geht es nicht darum, ob sie noch Chancen hat oder inwieweit man ihr ein weiterleben ermöglichen kann oder ob gar Heilung zu erwarten ist!

Daß Komapatienten nicht um jeden Preis am Leben erhalten werden müssen ist ein Gebot der Ethik, der Patientenwille ist hier entscheidend.

Es geht darum, ob man ihrem Mann glaubt, daß ihr Wille es war in so einem Zustand nicht weiterleben zu wollen oder ob man ihren Eltern das Gegenteil glaubt.
Das ist der eigentliche Konflikt hier!

Wenn man der Linie ihres Mannes und der Gerichte folgt, dann ist ihr Wille zu befolgen. Hätte sie es schriftlich niedergelegt, dann wäre das ganze keine Frage, dann hätte sie schon längst in Frieden sterben können.

Diese Aktionen in den USA gegen das Leben der Frau sind legalisierter Mord an einen wehrlosen und diejenigen, die dies ja noch so toll finden stehen grad zu einem Mord. Das ist mit Abstand einer der dümmsten Sätze, die ich hier je gelesen habe. :-???
[...]

Hier wertet niemand Leben!

Es geht einzig und allein um den mutmaßlichen Willen der Patientin und wie der wohl sein könnte.

Kannst Du ausschließen, daß es ihr Wille war in so einer Situation nicht weiterzuleben? Wer bist Du, daß Du ihr diese Entscheidung nicht zugestehen willst?

eatpigsbarf
23.03.2005, 18:57
Kann irgend ein Mensch, mit medizinischem Studium, zu 100% feststellen, dass der Patient nie wieder von seinem Koma erwachen und nie wieder Bewustsein erlangen wird?

Ich finde es nur dreist arrogant zu behaupten, die Medizin sei heute so fortschrittlich, dass man diese komplexen Vorgänge bei einem Wachkomapatienten verstehen kann.

Erinnert mich ganz an die Nazi Zeit wo behindertes Leben nichts Wert war.


Um mal eins bei dieser ganzen Diskussion klarzustellen: diese Frau hat angeblich gesagt, dass sie so NICHT LEBEN WILL! Das ist nicht irgendein Entscheid von Aerzten, die da gerade mal in der Stimmung zu waren, die Geraete der kuenstlichen Ernaehrung abzustellen. Dieses ist der Willen der Frau! Und das ist auch in deinem spaeteren Leben als Arzt die Devise Deines Handelns (sollte es jedenfalls in derartigen Situationen sein). Denn genau fuer solche Faelle gibt es ja mittlerweile die Patientenverfuegungen. Und, wie schon vorher gesagt, es wird einen Grund geben, warum seit 7 (!) Jahren unabhaengig voneinander alle Richter sich fuer das Anliegen des Ehemanns entscheiden. Es wird genug Voruntersuchungen gegeben haben zu diesem hoechst prekaeren Thema, aufgrund derer dann ja entschieden wurde, dass es in Ordnung sei, alles lebenserhaltende absustellen. Meine Guete, es weiss doch jeder hier, wie extrem vorsichtig und preufend gerade in den USA mit so einer Situation umgegangen wird.
Und wie gesagt, auch in Deutschland wird das genauso praktiziert. Auch hier stellt man Unfallopfern, bei denen die Verletzungen einfach zu schwer sind und das Gehirn durch das Oedem oder was-weiss-ich-was-noch einen derartigen Schaden erlitten hat, dass es keine Hoffnung fuer den Patienten gibt, die Geraete aus (und da muss ich doch sagen, ich finde es "schlimmer" ueber 5 Minuten langsam zu ersticken...) :-meinung. Denn, es ist ja beim Verhungern so, dass in den letzten Tagen der Koerper alles aufs absolute Minimum reduziert. Die Schmerzen des Hungers sind am Anfang stark, sterben tun die Menschen eigentlich dann meistens aus einer Komasituation -in die sich der Koerper dann ja zurueckgezogen hat, um alle verbleibenden Energiereserven so "optimal wie moeglich" zu nutzen- heraus. In dieser ist Terry Schiavo bereits.
Das hat nicht mit Nazi-Zeit zu tun, wo sich irgendjemand hinstellt und ueber lebenswertes- und unwertes Leben entscheidet. Dieses war der ausgesprochene Wille der Frau. Selbstverstaendlich wuerde sich auch niemand hinstellen und irgendeinem seit Geburt schwerstbehindertem Menschen die lebenserhaltenden Maschinen ausschalten - denn dieser Mensch hat nie ausdruecklich gesagt, dass er so nicht leben will. Also spielt man hier nicht Gott.
Auch bei Terry Schiavo spielt man nicht Gott - es sei denn, man fuehlt sich so, weil sie es einem erlaubt hat durch ihre Aussage vor dem Unfall.

So, und um jetzt mal wirklich diese ganze Diskussion mal von einer ganz anderen Seite zu betrachten: wie gesagt, diese Frau (ob sie jetzt die Chance hat aufzuwachen oder nicht) lebt zur Zeit im chronischen Dauerkoma. Schwerstbehindert. Und jetzt machen sich in den reichen Laendern dieser Welt alle darueber Gedanken, ob man in dieser Situation die Nahrung abstellen darf. Wie gesagt, diese Frau kriegt ganz gewiss nicht mehr soviel mit wie ich oder ihr anderen, die dieses lest. So, das mal vorausgestellt. Und gleichzeitig sterben jeden Tag Tausende (z.B. an kleinen Kindern) an Unterernaehrung. Doch, diese Kinder sind (eben bis der Koerper sich der letzten Schwaeche hingibt) bei ganz klarem Bewusstsein. Die haben bestimmt Symptome von Mangelernaehrung, aber, sie sind bei Bewusstsein, reagieren auf Ansprache. Und das wird so hingenommen? Und gleichzeitig werden aber hunderte von Dollars in die Aufrechterhaltung eines Lebens gesteckt, wo die Chancen des Wiederaufwachsen so derartig gering sind?

Klar, dass ist ein komplett anderer Schauplatz, aber in dem Falle ist Verhungern und Unterernaehrung zu bekaempfen und es haette Hoffnung. Und bei Terry Schiavo, die selber so nicht leben wollte? Deren tiefreligioese Eltern (absolut verstaendlicherweise als Eltern in vielerlei Hinsicht!) den letzten Willen ihrer Tochter in dieser Situation nicht erfuellen wollen?

ehec
23.03.2005, 19:00
zitat rico:

"Daß Komapatienten nicht um jeden Preis am Leben erhalten werden müssen ist ein Gebot der Ethik, der Patientenwille ist hier entscheidend."


den satz sollten sich hier manche mal ein wenig im kopf rumgehen lassen.

milz
23.03.2005, 19:02
USA: Frau lag zwanzig Jahre im Koma - Plötzliche Genesung
Sarah Scantlin, die heute 38-Jährige, die vor 20 Jahren von einem betrunkenen Autofahrer angefahren wurde und seitdem im Wachkoma lag, redet plötzlich wieder. Außerdem kann sie sich an Leute und ihr Leben erinnern.

In einer Therapiestunde fing Sarah plötzlich an zu reden. Sie rief ihre Mutter an und sagte: 'Hi Mum'. Die Mutter reagierte ungläubig. Auch die Ärzte haben keine Anhaltspunkte, wieso sich der Gesundheitszustand so dramatisch verbesserte.

Seit sie vor zwanzig Jahren angefahren wurde, konnte sie nicht mehr reden, auch wenn sie ihre Umgebung wahrnahm, so der Vater.

Quelle: http://shortnews.stern.de/start_ppp.cfm?id=559541&free_id=1&rubrik1=Regionen&newsticker=1

Keine so tolle Quelle. Das fett Gedruckte erscheint mir auch etwas widersprüchlich.

Diese Quelle (http://www.faz.net/s/Rub8E1390D3396F422B869A49268EE3F15C/Doc~EB6E52E7A5A2F4927939A0C4B522FE153~ATpl~Ecommon ~Scontent.html) sagt:


24. Februar 2005 Zwanzig Jahre lang schien es so, als habe die Amerikanerin Sarah Scantlin bei einem Autounfall derart schwere Hirnschäden erlitten, daß sie für den Rest ihres Lebens stumm bleiben würde. Doch vor kurzem geschah, womit die Ärzte nicht mehr gerechnet hatten: Sarah Scantlin, die als Achtzehnjährige von einem Betrunkenen überfahren worden war, begrüßte ihre Mutter mit den Worten: „Hi Mom”.
Also nicht aus dem "Wachkoma" aufgewacht, sondern "nur" die Sprache wieder gefunden. Ein kleiner Unterschied.

luckyblue
23.03.2005, 19:25
Ich denke mal, es wird schon seine Gruende haben (die wir hier ja gar nicht in allen Einzelheiten mitbekommen und auch im amerikanischen Internet sind sie nicht wirklich leicht zu finden), dass in den letzten 7 Jahren Gerichtsverhandlungen alle Richter fuer das Anliegen des Ehemannes geurteilt haben...


Der Grund ist nicht etwa der, dass hier zweifelsfrei der mutmaßliche Wille der Patientin rekonstruiert wurde, sondern dass nach amerikanischem Recht die Angehörigen über die Abschaltung der Geräte befinden können, wenn der mutmaßliche Wille nicht vollends geklärt werden kann. Das ist die Crux und der Unterschied zu Deutschland: Dass hier einem Angehörigen die Entscheidung über Leben und Tod eingeräumt wird, dessen Wahrnehmungskategorien von Eigeninteressen nicht unbeeinflusst bleiben.


à la "hat 1992 mehr als eine Million US-Dollar in einem Kunstfehlerprozess für Terri erwirkt (ob er darüber so ganz frei nach eigenem Gutdünken verfügen kann?)" mehr als weniger geeiget dazu, hier zu einer entscheidung im sinne der patientin zu kommen.
Rechtfertigungsbedarf meinerseits nicht ersichtlich.

Smibo
23.03.2005, 20:15
Hier geht es nicht darum, ob sie noch Chancen hat oder inwieweit man ihr ein weiterleben ermöglichen kann oder ob gar Heilung zu erwarten ist!

Daß Komapatienten nicht um jeden Preis am Leben erhalten werden müssen ist ein Gebot der Ethik, der Patientenwille ist hier entscheidend.

Es geht darum, ob man ihrem Mann glaubt, daß ihr Wille es war in so einem Zustand nicht weiterleben zu wollen oder ob man ihren Eltern das Gegenteil glaubt.
Das ist der eigentliche Konflikt hier!

Wenn man der Linie ihres Mannes und der Gerichte folgt, dann ist ihr Wille zu befolgen. Hätte sie es schriftlich niedergelegt, dann wäre das ganze keine Frage, dann hätte sie schon längst in Frieden sterben können.
Das ist mit Abstand einer der dümmsten Sätze, die ich hier je gelesen habe. :-???
[...]

Hier wertet niemand Leben!

Es geht einzig und allein um den mutmaßlichen Willen der Patientin und wie der wohl sein könnte.

Kannst Du ausschließen, daß es ihr Wille war in so einer Situation nicht weiterzuleben? Wer bist Du, daß Du ihr diese Entscheidung nicht zugestehen willst?

Nur mal als kleine Anmerkung:
Persönliche Angriffe sind das Primitivste in einer öffentlichen Diskussion.

Wir wollen hier nicht entscheiden ob die Patientin lieber leben oder sterben möchte , Tatsache ist, dass sie noch am leben ist, ihr Herz noch am schlagen ist, ihre Atmung nicht ausgesetzt hat und sonst alle körperlichen Funktionen vorhanden sind und Tatsache ist, dass wir nicht wissen, ob eine Wiederkehr der Patientin möglich ist.
Dass alles vage Vermutungen über den Willen der Patientin sind ist auch Tatsache und auf so etwas aufzubauen und damit das Leben einer Patientin zu beenden sollte jeden vernünftig denkenden Menschen zum Schaudern bringen. Der Fall von Terri S. ist deshalb interessant, weil nicht gerade der Eindruck erweckt wird, dass hier nicht alles sauber abläuft.

Im Vergleich zur niederländischen Euthnasie-Komission sieht es in den Niederlanden so aus, dass die Ärzte folgende Kriterien erfüllen müssen

1. Sie müssen überzeugt sein, daß der Patient die Bitte um Sterbehilfe freiwillig und nach reiflicher Überlegung stellt.
2.Der Patient muß über seine Lage vollständig aufgeklärt sein.
3.Ein Konsiliararzt muß hinzugezogen werden.
4.Die Sterbehilfe selbst muß mit aller medizinischer Sorgfalt erfolgen.

Dass der Punkt 1.,2. und 4. nicht eingehalten werden ist Grund genug diesen Mord aufzuhalten. Gut jetzt kommen welche an und sage...Niederlande sei nicht die USA, aber dass die Niederlande das erste EU Land sind, die die Euthnasie legalisieren und sich anscheinend genug Gedanken darüber gemacht haben sollte man auch von ihnen lernen....

Achja, und auf keinen Fall sollte ökonomische Vorteile darus gezogen werden. Wenn der Patient jährlich Hundertausende von Dollars wegen lebenserhaltenden Techniken verschlingt sollte kein Grund sein ihn zu töten. Das Totschlagargument mit den hungernden Kindern passt wirklich nicht hier rein. Das würde höchstwahrscheinlich meine Oma nennen, wenn ich meinen Teller nicht leer esse.
Wir könnten dies jedoch gern in nem anderen Thread diskutieren.

Rico
23.03.2005, 20:17
Also nicht aus dem "Wachkoma" aufgewacht, sondern "nur" die Sprache wieder gefunden. Ein kleiner Unterschied.Yep. Mehrere Quellen beschreiben das folgende
Bis vor kurzem konnte die schwer gehirngeschädigte Sarah Scantlin nur durch ihren Lidschlag antworten. Einmal für "Nein", zweimal für "Ja".
Quelle: u.a.Die Welt (http://www.welt.de/data/2005/02/19/509614.html)Das ist eher kein Koma, sondern sieht eher wie ein Locked-in-Syndrom aus...

Smibo
23.03.2005, 20:23
Die Ärzte konnten sich dieses "Wunder", wie es einige nennen mögen, ja auch nicht erklären....
Ist vor einigen Jahren auch nicht ein anderer Patient aus einem über 30Jährigen Koma erwacht....

Medzinisch gesehen dürfte man ein lebendes Wesen deshalb nicht töten.

Rico
23.03.2005, 20:27
Nur mal als kleine Anmerkung:
Persönliche Angriffe sind das Primitivste in einer öffentlichen Diskussion.Und wie wertest Du es, wenn sich unter einem Zitat eines Deiner Beiträge Begriffe wie "dreist arrogant," " diejenigen, die dies ja noch so toll finden stehen grad zu einem Mord" und ein inzwischen zwar gelöschter, trotzdem aber sehr unschöner Vergleich stehen?

Im Vergleich zur niederländischen Euthnasie-Komission sieht es in den Niederlanden so aus, dass die Ärzte folgende Kriterien erfüllen müssen

1. Sie müssen überzeugt sein, daß der Patient die Bitte um Sterbehilfe freiwillig und nach reiflicher Überlegung stellt.
2.Der Patient muß über seine Lage vollständig aufgeklärt sein.
3.Ein Konsiliararzt muß hinzugezogen werden.
4.Die Sterbehilfe selbst muß mit aller medizinischer Sorgfalt erfolgen.

Dass der Punkt 1. und 4. nicht eingehalten werden ist Grund genug diesen Mord aufzuhalten. Gut jetzt kommen welche an und sage...Niederlande sei nicht die USA, aber dass die Niederlande das erste EU Land sind, die die Euthnasie legalisieren und sich anscheinend genug Gedanken darüber gemacht haben sollte man auch von ihnen lernen....
.Du wirfst ja so ziemlich alles durcheinander, was es zu dem Thema gibt. Vielleicht solltest Du Dich erstmal im Ansatz informieren, bevor Du mit Begriffen wie "Mord" um Dich wirfst.

Richtig ist:
Das niederländische Modell hat Vorbildcharakter für die aktive Sterbehilfe.

Richtig ist auch:
Aktive Sterbehilfe ohne einen vollständig aufgeklärten und einwilligungsbereiten Patienten (Punkt 1-4) darf es nicht geben.

Aber völlig falsch ist:
Im Falle von Terri Schiavo geht es nicht um aktive Sterbehilfe, sondern um passive.
Es wird nämlich kein tödliches Medikament verabreicht, sondern es werden künstliche, lebensverlängernde Maßnahmen eingestellt.
Man läßt der Natur ihren Gang und an deren Ende steht - im Gegensatz zur aktiven Sterbehilfe - ein natürlicher Tod.